Full text : Dudweiler Zeitung

Vermischtes.
Latham in Afrika. Aus Nom wird der „Fr. Zig.“
erichtet: Die „Tribna“ bringt aus der Feder üUres abes
ynischen Korrespondenten eine Zchilderung der Strausten
arm erines Deutschen, des Herrn Sermaun Gößs. —8
zchreiber gibt dabei Mitteilungen des leßteren wieder, der
»urch das Abenteuerleben seines Freundes Jannasch, der
iach seiner Teilnahme am Burceutrieg in Abessynien san
ete, für dieses Land mit dem ewiden Frahling begei—
lert worden ist. Herr Götz erzählt u. a. auch von afr
anischen Abenscuern eines Mannes, der sich jokzt, fretich
iuf anderem Gebiet, hohen Ruhm erworßen hat: von
Latham, dem Flieger. „Er war unser Gast, als
ein unruhiger Geist noch nicht den Frieden gefunden
atte. Er war ein von den Stürmen des Lebens zerzent—
ter Mann. Er wußte nicht, was er wollte und welchen
Weg im Leben er einschlagen sollte. Manchmal sagte er
»aß es ihm in den Städten an Luft jehlte, und wenn
nan ihn fragte, welche Karawanensraße er ernichlagen
vollte, pfleate er zu antworten: „Anch in Afrika muß ich
mmer von dem wang der Straßen hören. Aber ich
vill deren Gesängnis entrinnen und neue Bahnen su
hen.“ Bezog sich diese rätselhafte Sprache anf neue
Träume von Forschungsreisen oder dachte er schon an die
Bahnen der Luft? Bald erhielten wir Gelegenheit, La
hams Mut, der schon au Fatalismus streifte, zu v
vundern, sowie die Unsehlbarkeit seines Auges veim
Z„chuß. Eines Tages segelten wir auf den rüben Was—
ern des Zuaisees, die vom Sturm zu Schaum gepeitsch!
vurden, der uns mit seinen eisigen Grüßen durchnäßte.
Ich mühte mich, uns heil ans Usfer zu steuern, da ein
ßad in dem von Flußpferden buchstäblich wimmelnden
Zee nicht gerade angenehm gewesen wäre. Die Geahr
var auch nicht unwahrscheinlich, denn das Boot, das Jan—
iasch und ich aus einem vom Blitz gefällten Baumstaämm
Jjehöhlt hatten, war mehr als zerbrechlich. Latham — ich
ehe ihn noch vor mir — saß ganz ruhig und rauchte
leißig aus einer Pfeise, die er sich aus einem Stücke
dork und der Feder eines von ihm geschossenen Marabu
efertigt hatte. Er starrte schweigend vor sich hin: Er
iebte die abenteuerliche Fahrt wie überhaupt unser Le—
ben hier, er wollte sich sogar bei uns niederlassen, da wir
inen Kompagnon für unsere Farm suchten, um sie zu
ergrößern — und wir erklärten ihm, daß wir ihn dann,
eines Magens wegen, in die Seriba der Strauße ein—
suartieren würden. In der Tat kann sich keine Phanta—
ie vorstellen, was Latham alles — verschlang. Anßer
en abessynischen Speisen, die er bei den Häuptlingen wie
in Gourmand verzehrte, aß er auch das, was die Abes⸗
ynier verschmähten. Er machte Beeisteaks aus dem Fleisch
»er Flußpferde, aß deren Zunge und vestrich sich sein
Brot mit Flußpferdfett, das er für köstlicher als Butter
rklärte. Eines Tages sah er eine Boa, die eine kleine
Sazelle herunterwürgte; er tötete sie und ließ ihre schon
—AVV
ins und ging nach Sidami auf die Elefantenjgad. Er
ötete zwei — denn so viel nur hatte ihm der Pernmeß
»es Negus erlaubt —, ernen männlichen mit prachtvollen
zroßen, und einen weiblichen mit kleinen Zähnen. In
darrar mußte er für die Schießerlaubnis zwei Zähne
wusliefern; er schickte die kleinen, die aber der Regie—
ungsvertreier zurückwies und wofür er die großen for—
derte. Latham weigerte sich, sie herauszugeben und fand
ils Antwort sein Haus von Soldaten umstellt. Die Be—
agerung dauerte einen Monat, bis ein günstiger Entscheid
Meneliks eintraf, und Latbam mit seinen Trophüen ab—
iehen konnte.“
Ein glücklicher Geschädigter. Folgende recht mertk—
vürdige Danksagung findet sich im „Querfurter Kreis—
»latt“ „Durch Verletzung meiner Augen am 21. Juli 1910
st mir im reichen Maße Hülfe und Wohltätigkeit erwie—
en. Da ich nicht danken konnte, erlaube mir auf diesem
Wege allen Herren und Damen meinen Dank ganz be—
onders aussprechen zu dürsen. H. C. im Hospital.“ —
Daß jemanden durch die Verletzung der Augen eine Wohl—
ätigleit erwiesen wird, ist gewiß neu.
Das erste Hoch auf den Deutschen Kaiser. Der
Ion Z3tg.“ erzählt ein Leser aus seinen Crinnerungen
olgendes Erlebnis: Es war nach der Kriegserklärung,
wa gegen den 20. .1870, als ich als Angestellten
ines Erporthauses in Verlin den Auftrag hatte, Güter,
die für Belgien bestinmt waren, und die wir einige
Tage vorher zur Exrpedition aufgegeben hatten, zurückzu
irigieren. Zu diesem Zwecke begab sch mich nach dem
»amaligen Güterbahnhose am Potsdamer Platz. Vor den
zeöffneten Eingangstoren stand ein Schutzmann, der mit
»en Eingang verwehrte unter dem Hinweise, daß der Kö—
uig gleich komme. Auf meine Einwendung, daß ich ein“
ringende Angelegenheit zu erledigen habe, ließ er miw
„arch. Nachdem ich meine Aufgabe erfüllt halte, ließ ich
tir natürlich die gute Gelegenheit nicht entgehen, den Kö—
ig zu sehen, und ging nach der Güterhalle, vor der in
rei langen Wagenreihen Mannschasten eines Regiments
ntergebracht und zur Abreise bereit waren. Plötzlich
roße Aufregung; man hörte den Ruf „Der König
ommt!“ Er ging mit seinem Gesolge den schmalen Per—
onsteig entlang. Plötzlich blieb er vor einem Wagen mit
er Aufschrift: 8 Pferde oder 40 Mann siehen. Die Schie—
etiiren waren offen und der Innenraum durch eine star⸗
3tan⸗ V. 5* 2 *
———— —
arent, P mnß der sapsere Generca, anch wenn ecenes
aoch so harten Kopf hat, den üblichen Korb, natürlich in
zarter Form bekommen.“
„Du cherzest jetzt auch woch mit mir in dieser ernsten
Angelegenheit, während ich nicht mehr weiß, wo mir der
opf steht,“ erwiderie Jutta und drückte die kleine Hand
auf ihre heiße Stirn.
„Ich weiß nicht, wie ich Dir anders Vernunft in Dei⸗
ner Erregung beibringen soll,“ bemerkte die Baronin mit
leiser Ironie, „als daß ich Dir die Poesie und die Prosa
einer Werbung vor die Augen führe. Halte Dich nur
morgen, wenn der General kommt, recht tapfer, denn er
schelnt Dein Herz doch erst noch erobern zu wollen.“
Du verspottest mich nur noch, Hilda, und kennst nicht
die Quglen, die ich zu ertragen haben werde. bis 16
melne Entscheidung getroffen.“
Ich verspotte Dich nicht, sondern ich suche Dich mur
met drastischen Mitteln zu Vernunft zu bringen. Es wird
mir freilich nicht gelingen, denn schou die alten Griechen
iagten, daß die Liebe blind sei, und wenn ein junges
Mädchen gar einen alten General liebt, dann muß die
Kebe doch wohl erst recht blind sein.“
Hisda. ich ertrage Deinen Svpott keinen Angenblick
änger. Rtede mir lieber noch recht vernunftig zu, baß
ich die richtige Entscheidung treffe, denn der Gedanke, daß
ch gar nicht mehr weiß, wie ich mich entscheiden soll.
tann mich fast zur Verzweiflung bringen.“
„So geht es allen Mädchen, die wankelmütige Herzen
esitzen, denn was sie heute als ihr Glück ansehen, fühlen
ie morgen als ihr Unglück. Wo soll da ein zufriedenes
demüt herkommen.“
„Adien, Hilda! Ich halte es bei Dir strengen Sitten
ichterin nicht mehr lange aus. Natürlich Du, die vie
mworbene, welterfahrene, junge Wittwe, kannst ja jetz—
echt klug reden, da Du über die Fedhler unerfahrener
Naͤdchen erhaben bist.“
„Sei nur nicht böse, meine bedauernswerte Jutta!
rwiderte jetzt die Frau Baronin, während auf ihren
chönen Gesicht ein schalkhaftes Lächeln erglänzte. „Di
äßt mir doch Deine Verlobung bald wissen, und beehrs
nich bald wieder mit Deinem Besuche?“
Mit zürnendem Blick aus den schönen Augen verlies.
deses Mal Fränlein von Helborn das Haus der Freun
zu und ksteh dieser —) Mimart auf die lsekte Frad

en Brust die Kriegsdenkmünzen von 1864 und 1866
enn ich nicht irre, eine österreichische Auszeichnung, so
die die silberne Verdiensimedaille schmückten. Der Könic
dies lächelnd auf die letztere und klopfte dem Unteroffi—
ier auf die linke Schulter, grüßte ihn dann freundlich und
ing weiter. Der so Ausgezeichnete rief in großer Begei—
crung dent König die Worte nach: „Es lebe der Kaiser
on Deutehland“, in weschen Ruf die Menge mit ein
immte. Am Ende der Güterhalle befand sich ein freier
Aatz. Auf diesenm postierte sich der König mit seinem Ge—
olge, und der Zug setzte sich nun langsam in Bewegung.
dun ereignete sich ein drolliger Zwischenfall. In einem
ffene Güterwagen, in dem ein Bagagewagen unterge—
racht war, saß, mit den Beinen in der Luft schlenkernd,
in Soldat, seine Pjeife rauchend, und als er des Pu—
likums anfichtig wurde, blökte er dieses vergnügt mit ei—
em lauten „Bäh“ an, nicht ahnend, daß sein König vor
dut stand, worüber der Monarch, vorher sehr ernst, herz⸗
ich lachte, wohl auch darüber, mit welcher Ruhe dicee
zemütsmensch in den Krieg zog.
Ein streuger Winter in Sicht. Aussichten auf
inen strengen Winter 191011 eröffnen sich mit der Mel—
nng, daß das Polareis schon in der zweiten Hälfte des
uli sy weit nach Süden vorgedrungen ist, daß die West—
uijwe Spitzbergens von den Touristendampfern nicht mehr
creicht werden konnte, weil Packeis alle Buchten füllte
ind die Annäherung an das Land numsöglich machte Un
er Winter wird im allgemeinen um so härter, je größere
lusdehnung die Eisfelder haben und je früher sie sich
egen Süden in Bewegung setzen. Im allgemeinen muß
tan damit rechnen, daß die Häsen des westlichen
Pißzbergen, die für den Verkehr der Tourssten von Wich
gkeit sind, vis gegen Mitte September eisfrei sind. Zu—
erlen bleiben sie sogar noch erheblich länger offen. Daf
chon in der zweiten Hälfte des Juli das Paclkeis die
zyjorde Spitzbergens besetzt hat, wie es in diesem Som—
ner der Fall war, ist eine fkaum je zuvor dagewesene Er—
cheinung..
Das Heidekraut blüht! Im rolbiolelten Schmmer
t das Heidekraut erblüht. Schon läugere Zeit fand man
ier und da halb erblühtes bläßliches Heidekraut, das
ergeblich auf die Sonne harrte, um seine Farben leuch—
en zu lassen. Jetzt hat es sich erschlossen und zeigt sick
en Ausflüglern in seiner schönsten Gestalt. Wie prächtig
agert man auf moosigem Boden und läßt sich den mit—
enommenen Imbiß munden, während das Auge entzückt
ber die blühende Fläche schweift, die hin und wieder von
iedrigen Kiesern und Fichten, von großen Partien des
dlerfarns unterbrochen wird. Und wesch ein Leben
enebeend rote, goldgelbe, schwarze, braune und in allen
zarven prangende Schmetterlinge naschen vom Heidekraut
ind klappen dabei ihre schönen Flügeln kokett auf und zu,
ls ob sie auf ihre Schönheit besonders aufmertsam ma—
)en wollten — und erst das Bienenvolk! Die Bienen ha—
en diesen Sommer nicht viel Freude gehabt, noch we—
iger die Imker. Unendlich genüg'am ist das Heidekraut,
ber Regen kann es nicht vertragen, nicht das Kraut und
icht die Blüte. Dann ist die ganze Pracht rasch dahin.
zleibt aber das Wetter gut, so blüht das Heidekraut ir
oller Pracht, bis spät in den Herbst hinein, dessen Nahen
s durch sein violettes Leuchten ankündigt.
Neues englisches Riesenlinienschiff. Mit den
euen Linienschiff „Orion“, das diese Woche in Ports
nouth vom Stapel geht, macht die englische Admiralitä
inen neuen Sprung vorwärits ins Riesenhafte. Sie be
nügte sich bisher mit einer allmählichen Vergrößerung
er Dreadnoughts, um etwa 650 Tonnen, so daß aus
en 17 900 Tonnen Deplacement des „Dreadnought“ die
9900 des „Neptun“ geworden sind. Mit dent „Orion“
vird ein schnelleres Tempo angeschlagen; er wird seinen
zorgänger, den „Neptun“, gleich um mehr als 2000 Ton—
en übertresfsen. Das schwere Gewicht wird verwertet zur
lufstellung schwererer Geschütze — aus den zehn 12-Zoll—
zeschützen des Dreadnought (30,5 Zentimeter L550) wer—
en zehn 13,5-80oll-Geschütze (34,3 Zentimeter L45) —
ind zur Panzerverstärkung am Bug und Heck. Der „Orion“
interscheidet sich von allen vorausgehenden Dreadnoughts
nuch durch die Aufstellung der schweren Geschütze. Die Ge—
chütztürme werden nun alle mittschiffs aufgestellt, Turm 2
ind 4 erhöht, sodaß sie über Turm 1 und 5 hinweg—
euern können. Die zuverlässigsten sonstigen Angaben über
ieses Schiff sind: Wasserverdrängung 22 500 Tonnen,
zchnelligkeit 21 Knoten, Kohlenvorrat 1700 Tonnen und
000 Tonnen Oel, indizierte Pferdestärken 27 000, Länge
54 Fuß, Breite 87 Fuß, Schrauben 4; Geschütze 10 bis
4,3 83,m. 82545 und 12-15 3tm. 2550, Panzergürtel 4
is 12 Zoll. Mit der 13,5-Zoll-Kanone, so wird ver—
chert, beginnt eine „neue Epoche in der Marine-Artille—
e“. Herr Garvin, ein intimer Freund des Adrinirals
isher, schließt einen begeisterten Artikel, den er dem neuen
ejchütz widmet, wie soggt: Man muß der Admiralität
azu gratuiteren, daß sse cinen neuen Triumph in pro
refsiver Politik erzielt hat. Sie hat unsere Marine wie
»er weit über unsere Rivalen emporgehoben. Die Deut
chen, die so lange an dem 11-Zoll-Geschütz festhielten —
ind seine Dauerhaft t ist unfraglich — sind gegen ih
en Willen dazu g. mn' worden, das 1280il Geschut
»on 50 Kaliber einzunrhren und sie experimentieren mn
iner noch größeren Kanone, die aber noch auf keinem der
chiffe montiert ist. Wir können stolz darauf sein, dafß
J 7424 6 * — —

chuldig. —
„„„Die Wahrheit habe ich Jutta dentlich gesagt nund
offe, daß es nicht vergeblich geschehen sein wird“ dachte
ie Baronin von Sassen, als die junge Dame fort war—
Aber freilich, so ein eitles ehe ist unberechen
ar und schließlich erscheint Jutta doch als Braut trium
hierend am Arme des Generals von Bomsdorf. Der
irme brave Hauptmann Lingen dann mir Leid tun, dent
r wird in einer Versen kung vor Jutta verschwinden vber
zutta wird ihm herablassend gls Frau General vor
omsdorf noch eininal die Hand reichen, wenn er
huldige Visite bei dem General macht. Und ärgert fid
er General darüber, daß Jutta früher Gefallen an den
attlichen Hauptmann gefunden babe, so läßt er es vier
idt Zenselbhen agr deutltß 668 5—
18 Voh wer fragt cnch enrzutme vdiel n ein gebroche⸗
es RMännerherz, die Herren der Schöpfung vermögen ach!
mimnm dieser Hinsicht bekamntlich leichter zu trösten,
l8 ein Mädchen, die ihr ganzes Lebensglück auf einen
inzigen Mann, der shließlich untren wurde, setzten.
Doch während die schöne Wittwe diese Gedanken in
hrem Geiste weiterspann, wurde es ihr bald sehr wehmü—
ig um das eigene Herz. Längst vergangene Tugendbil⸗
er stiegen in ihrer Erinnerung auf, sie sah sich wieder
18 armes, adeliges Fränlein, dem im Hause einer reichen
Fönnerin ein edler, jnnger Mann, ein angesehener Patri—
ersohn, den Hof machte und den sie ebenso herzlich lieb
ewann, wie er sie. Dann erblickte sie sich als reiche
r7bin und das Bild der Erinnerung verwaändelte sich.
ztolze Freier mit prunkenden Namen drängten sich um
—AD0
hren Reichtum und von ihrem ersten Geliebten erblickte
e nur noch das bleiche Schmerzensgeficht. Aber nach
urzen Wonnemongten kamen auch die Jahre der Enttäu⸗
hung und Prüfung an der Seite des Gatten, der bis
u dem unglücklichen Duell nur seinen Passionen zu leben
ewohnt war, mid Tränen erfüllten die Augen der ver⸗
insamten Franu.
Ich habe einst schwer an einem braven Herzen ge⸗
ündigt,“ flüsterte sie leise, „aber Du bist gerächt, ich habe
afür büßen müssen.“
Ob er übrigens noch in der Residenz lebt und wel⸗
ses wohl sein Schicksal gewesen sein mag?“ dachte dit
zaronin dun noch. „Hoffentlich ist er noch glücklich an
»r Eoite Aer Anderen gaemnmrron Es ud r wod

Die verschuldete Großmutter. Der Anwalt der
erschuideten Königiit Maria PRia, der Großzmutter des
rönigs Dom Manuel von Portugal, behauptete vor Ge
icht, daß die Gläubiger seiner Klientin keine Zwangs
naßregeln durchsetzen könnten, da die Königin über dem
zesetz siehe. Diese Nachricht hat dem bekanuüten Mitarbei—
er des „Kladderadatich“, Stud. A. Biermörder, aus be—
reiflichen Gründen höchlichst inleresstert und zu folgenden
cdicht veranlaßt:
Die Großmutter Pia von Portugal
dat Schulden zu Haufen und überalf.
Zie kleidet sich fürstlich, sie kleidet sich schick,
doch gepumpt ist alles, vom Fuß zum Genick!
Um tiefsten trauert in Lissabon
die Hüte- und Kleiderkonfektion. —— —
denn die Alte bezahlt, wie ich eben hör,
icht einen Portugalöser mehr!
die Großmutter Pia ist gar nicht dumm,
zhr schadet kein Drohbrief, kein Monitum.
zhr tun selbst Zahlungshefehle nichts,
luch kein Vollstrecker des Amtsgerichts! F
Ihr droht keine Pfändung, sie wird verschont,
Veil sie „oberhalb der Gesettze“ thront.
Ich wünschte, ich wär' in dem gleichen Fall
wie die Großmutter Pia von Portugal'
Spionitis. Allr Parlser Blätter beschäftigen sich ein
gehend mit der Eutdeckung einer Leiche in Catillon, in
der Nähe von Paris. Die Leiche war als diejenige ei—
ies gewissen Simon aus Moliein im Elsaß identifizier!
vorden. Simon hatte sich vor einem Jahre nach Paris
jewandt und war dort seit 10 Monaien in einer Fabril
n Jory beschäftigt, wo er 7 Franks täglich verdiente. Er
ebte indessen weit über seine Verhältnisse, was er dami
erklärte, daß er reiche Verwandie habe, die ihm von Zeit
zu Zeit Geld schickten. Bei der Leiche wurde ein Notiz
»uch gesunden, das teils in deuischer, teils in französt—
cher Sprache Bemerlungen enthielt, die miitärischer Na—
ur sind, u. a. Auszeichnungen über das Fort Vanve;
enthielten. Man glaubi, daß Simon ein Spion war und
m Laufe einer Differen; von einem Mitschuldigen getöte
vorden ist. Der Mitschuldige war mögsicherweise bei de
Entdeckung der Leiche anwexkend, hat sich aber gleich dar
uuf entsernt. Die Nachsorschungen in dieser Angelegenhei—
verden seitens der Kriminalpolizei eisfrig betrieben.
Ertrunken. Aus Bordeaux wird gemeldet: Ein Rei—
er des 14. Dragonerreginients badete bei Layrac in der
jers und sank prötzlich unter. Ein Kamerad wollte ihzn
etten, sank aber ebenfalls, ebenso ertrank ein Leutnant
er herbeieilte, um beide zu retten Alse drei Leichen sin:
eborgen.
Zur Eisenbahnkatastrophe. Aus Paris wird be—
ichtet: Von den 43 Verwundelen sind noch 5 gestorben.
die Zahl der Toten beläuft sich somit auf 49.
Entgleister Güterzug. Das „Journal“ meldet aus
r2e Puy: In Cornil auf der Linie Brioudle-St. Clou
ntgleiste ein Güterzug. Mehrere Wagen stärzten um; 2
ngestellte wurden schwer verletzt. Der Verkehr wird durch
lusteigen aufrecht erhalten.
Fenersbrunst. In Marfeille entstand eine Feuers
runst in einer großen Oelfabrik auf dem Boulevard des
Zlombieres. In kurzer Zeit standen drei große Bauwerkt«
un Flammen. Der Schaden beträgt über zwei Millionen
Frants. Ein Feuerwehrsoldat und ein Zivilist, die sich an
den Rettungsarbeiten beteiligten, wurden tödlich verletzt
Kindermord. Die „Daily Mail“ berichtet von einem
räßlichen Kindesmord einer Hausbesorgerin in Chester—
on. Diese hatte ihr jüngstes Kind, einen Knaben von 7
Jahren, solange mit dem Kopf in heißes Wasser gehal
en, bis das Kind tot war. Die Frau ließ sich ruhig
derhaften und erzäßlte ruhia die Einzelheiten der arauñ
en X

Sendungen an Soidaten. Aus Anlaß der bevor—
stehenden militärischen Herbstübungen machen wir auf
die Wichtigkeit der Anwendung richtiger und deutlicher
Aufschriften bei den Manöver-Postsendungen aufmerksam.
zur genauen Aufschrift gehören: Familienname (mög ichst
uch Vorname (unter Umstaͤnden Ordnungsnummer), den
Ddienstgrad und Truppenteil (Regiment, Bataillon, Kom—
anie, Eskadron, Abteilung, Batterie, Kolonne usw.) und
der ständige Garnisonsort, eintretendenfsalls mit dem Zu—
jatz „oder nachsenden“. Die Angabe eines Marschquartiers
als Bestimmungsort empfiehlt sich in der Regel nicht.
Für Briefmarkensammler! Zur Feier des 80. Ge
urts feftes des Kaisers Franz Josef gibt die österreichische
ostwverwaltung vom 18. August bis 31. Dezember 1910
beschränkter Anzahl Jubiläums-⸗-Marken aus. Am obe
n Rande trägt die künstlerisch ausgeführte Marke die
zahreszahl 1830, am unteren 1910. Die Marke dürfte
iman α ιε Seαι erlnN.....
Arenberg in Freihest. Aus Hann.Münden wird
emeldet: Prinz Prosper von Arenberg, der 1899 wege—
rausamer Mordtaten, die er in Deutsch-Südwestafrika an
—— * — —55 ——rιαν 3 J
drehzehn Johre her, seit c Vynzum setzten Mile
md niemals wieder eimas von ihm hörte. J
Die Baronin Kingelte dann ihrem Kammermädchen
ind machte Tiolette zu einem Spziergange.
Wie alle vornehmen Famtlien pflegte auch die Baro⸗
un erst spät zu Mittag zu essen und unternahm daher,
n den Mittagsstunden gewöhnlich einen Spaziergang, an
velchem je nach Umständen auch ihr Töchterchen Erna
ind die Gonvernante teilnahmen. Dies war hente nicht
orgesehen, denn wegen Juttas Besuch hatte die Baronin
zie Gouvernante mit dem Kinde bereits vor einer guten,
Stunde schon fortgeschickt und erwartei⸗ dieselben schon
vieder zurück.
Während die — sich zu ihrem Ausgange anschickte,
ehrten auch Erna und die Goudernante von ihrem Spa⸗—
iergange in das Haus zurück.
„Elne schreckliche Reuigkeit wurde in der Stadt durch
krtrablätter bekannt gemacht,“ berichtete die eintretende
Vouvernante erregt. „Darf ich Ihnen das Extrablait
iberxeichen, gnädige Frau?* F
Die Baronin ergriff das Blatt und las eilig.
„Ein doppelter Raubmord an dem Kommerzienrat
— Fritz — Homberg und Feinem Diener ist letzte —
sacht — begangen worden!“ rief die Baronin dann
ntsetzt und wankte bleich, nach einem Stuhle.
„Um Gotteswillen bringen sie schnell das Riechfläsch⸗
hen, Emma,“ schrie erschrocken die Gouvernante dem Kam—
nermädchen zu, „die gnädige Trau ist ohnmächtig? gewor⸗
„Es ist nicht so schltmm,“ erwiderte diese dann leise,
„es war nur eine vorübergehende Schwäche. Die schreck
iche Kunde hat mich schmerzlich ergriffen. Ich tannte
einst den Herrn Kommerzienrat, der nun so schändlich sein
Leben eingebüßt bit Er war ein edler Mann, den die⸗
es jammervolle Loos betroffen hat...
„O, in dieser Hinficht brauchen Sie vielleicht nicht
das Schlimmste zu befürchten, gnädige Frau,“ bexichteie
die zungenfertige Gouvernante. denn ich las vorhin ip
nem Schaufenster auch noch etn anderes Extrablatt, im
helchem gemeldet wurde, daß der Herr Kommerzienra!
domberg bei dem Raubmorde nur schwer verwundet wor
en sei, und daß die Herren Arzte Hoffnung hätten, seit
zeben zu erhalten. ⏑ ⏑
Gott ei Dank weny Ech htese Naßrelkt hektaer

ingjähriger Gefaͤngnisstrafe begnadigt wurde, und de
n Jahre 1904 im Wiederaufnahmeverfahren für geistes
ant erklärt und in einer Heilanstalt untergebracht wo.
R war, ist nunmehr völlig in Freiheit gesetzt worden
veil er angeblich der Anstaltspflege nicht mehr bedar
der Prinz wird nach Argentinien gehen und dort ein
Ldarm übernebmenr

Arbeiterbewegung.
— Die Werftarbeiter. Wie die „Kieler Zig.“ melde.
vird der Verein Deutscher Werften der Ende des Monai
tattsindenden Ausschußsikung des Vereins der Metallindi
triellen den Vorschlag unterbreiten, 60 Vrozent aller M
allarbeitet auszusperren

— —
*124 — 232* *22* 2 5
Wuoun der Luftschifahri.
*Die ruinierten Flieger. We vertaute
wollen die deutschen Flieget von Johannisthat infols
der riesenhaften Kosten und der Niedrigleit der ausg
sehten Preise eine große Aktion einleiten, weil fie tatfüd
aͤch enigegen dex Aunahmẽ der öffent!ichen —
ziell ruinsert sind.. 3—2—4
*]Todesfahra4. In Civita Vecchia ist Di
Nachricht eingelausen, daß ein Ojsizier, der int einer
Aeröplan aus Rom gekommen war und unter dem In
bel der Bewohner Bewegungen über der Stadt ausg
führt hatte, bei seiner Rückkehr zwischen Magliana un
Ponte Galera abaestüürat ist und den To d agefu
den hat

— — — — 3
Humoristische Ecke.
*Mißglückte Ausrede. Gatuin (als ihr Man
Abends noch weggeht): „... Eine Briefmarke willst T
holen? Druͤben im Zigarrengeschäft sind immer welch
borrätig.“ — Er: „Nein, nein; ich geh' in den ‚rate
dirsch“ ... da sind sie besser.“
*zHyperbel. „.. .Scheint ein fleißiger Mensch 3.
sein, Ihr neuer Kollege!“ — „Na, ich sag' Ihnen, de
hätten Sie gestern bei der Hitze arbeiten hen
vir haben uns nur immer so den Schweiß abgewischt
ünbedachte Widerledung. — . li
der eine sehr schlechte Auskunft über Sie gekriegt; Si
sollen ein fauler Zahler sein.“ — „Pure Verleumdung; de
Inhaber dieses Auskunftsbureaus hegt einen persönliche
Groll gegen mich!“ — „Aus welchem Grunde?“ — J
bin ihm noch 300 M. schuldig!“
*Beinah. Na, Frau Huba, san S' gut bei'nand
— „Dös scho' — mir's Gedächtnis laßt nach. Seh'n S
jetzt häit in beinah' scho' wieder vergess'n, daß i' Ehn
horige Woch'n a' Markl geliehen hab'!“
*Ein praktifscher Lehrer. Familienvater
„Na, bei Euch in der Schule sind ja nette Zustände? Di
zjanze Klasse famt dem Lehrer sah heute über eine Stund
u den Fenstern hinaus!“ — Funge: „IJa, wit haäitte.
Inschauungsunterricht in Nauurlehre! — Det Hert Lehre
eigte uns die Blumen und Vögel auf den Hüten voe
arübergehenden Damen!“
Rachsüchtiger Wunsch. Der Hauptangetlagt
zarbier Schaͤrfschnitt ist zum Tode verurteilt worden.
tichter: „Haben Sie noch irgend kinen Wunsche
Zcharsschnitt: „Gewiß, ich möchte die Herten Richter no⸗
nal rasierenl“ *83
8 2* — 18 *328 * n 7 * —8* *87
Vangeweile. Junge Dame: Wenn ich so al
ein bin, dertreibe ich mir die Zeit meist mit, Klavien
pielen!“ — Herr: „Bedenken gnädiges Fräulein garnich
aßß auch die Wände Ohren haben? ——
* * *
Realistisch. Soldat: Deinen lieben Brief hab
ich heute hundertmal geküßt! — Köchin (geschmeichelt;
Ift es wahr? — Soldat: Ja er roch nämlich so rschiu
ach Schweinebraten

2 * * 23
Malice. Schloßdiener: „Jetzt, meine Herrschafter
ommen wir in das Burgoerließ, durch dessen meterdie
Nauern einst weder Seuszen noch Schreien der unglüe
ichen Gefangenen an die Außenwelt drang.“ — Her
Schau, Weiberl, das wäre ein vassender Ort für boir
—A

—
Mobderne Dienstboten. Hausfrau: „F
nöchte mir doch sehr verbitten, daß Sie mich in meine
Anzug kopieren“ — Stubenmädchen: „Wieso kopiere .
Sie denn, gnädige Frau?“ — Hausfrau: „Na, der Hir
den Sie gestern trugen, ist genau wie mein neuer Hut
— Stubenmädchen: „Da irren Sie sich aber gründlich, gno
zige Frau! Meine Feder ist 'ne echte Straußfeder en
xhre it blos nachgemacht“
**
Sachverständig. Bäckerjunge: „Ich weeß nid
mir klingt det rechte Ohr so ost.Schusterinm
Dein Meester haut wohl links?*

— — — — ——
sonte,“ yauchte die Baronin um solfeie die zorten Ha
wie zum stillen Gebet.
Sie erholte sich auch verhältnismäßig schnell von de
Anfalle und trat dann ihren Spaziergang an. Sie konn
dessen aber heute nicht froh werden, te blickte
hdente auf die Sebenswürdigkeiten der Residenz und ruh
os wanderte sie von einer Straße in die andere, de—
merkwürdigerweise konnte sie die Sorge um den von eine
sanbmörder niedergestrekten Kommerzienrat Hombe
richt los werden. Aber die geängstigte Dame wagte au
Riemanden direkt nach dem Schicfale des Unglücklich
u fragen, sondern sie blickte nur immer in die Schaufte
ter nach neuen Extrablättern, um durch“ diese weite
stachrichten über den Raubmord zu erfahren, aber we
ie dort las, waren nur Berichte, die sich vollstängig r
denen deckten, welche sie bereits von der Gopperne
gehört hatte.
Endlich entschloß sich die Baronin in eine Kunsthan
ung am Marktplatze einzutreten, wo sie öflers Photog
hien und Reisebilder kaufte. Dort suchte sie auch heu
iu photographisch hergeftelltes Christusbild aus, weich
en göttlichen Dulder in seiner ganzen weit über all
rdische Elend stehenden Erhabenheit darstetlle, und be
ꝛem Anblicke dieses wunderbaren Antlitzes des Erlöser
and die besorgte Frau neuen Trost und betete stilt si
en beklagenswerten, einst so herzlich gellebten Mann.
Im Fortgehen fragte die Baronin dann noch de
dunsthändler, ob er etwas Näheres über den Raubmor
xrfahren habe, der die ganze Stadt mit Schreden
Teilnahme erfürt

* * *
Ein Protz. „Na, Herrn Kommerzienrat sind m
ich ja als Universalerben von einem veistorbenen On
ünfzigtausend Mark zugefallen. — „Ja, Sie glauben nich
vie ich mich geschämt habe, weil es dadurch offenkundi
geworden, was für arme Leute ich in meiner Nerwand
schaft hapo“

* * *
—Komplikzierbes Bertrauen Anna:,*
rzählte mir, Du hättest ihr die Geschichte doch wieder
ählt — ich bat Dich doch, ihr nichts davon zu sagen.“
Zaula: „Das ist unverschämt von ihr, — ich bat fie,“
nicht zu sagen, daß ich's ihr erzählie.“ — Anna: „Und
jersprach ihr, Dir nicht zu sagen, daß sie mir's gel⸗
at. Also hitte sag' ihr nicht“ dan Gie ⸗raäh
            
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