Full text : Dudweiler Zeitung

Aummer 6e.
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Nenstag, den 22. UAlarz 1910.

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Postschlietfach Nr. 14.

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F 388* — .2 — 2
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J—8 J8 J436 J0—— Anzeigen
8 B „—
55 88 3 3 1.538 —58 A knosten 10 — pro Gspaltig Petitzelle,
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2 “8 — d 2 — 18 auswärtige 18 4

Postschließfach Nr. 14.

Erscheint
tüglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und
Feiertage.

Amtliches Publikationsorgan
Abonnementspreis füür die Bürgermeisterei Dudweiler.
monailich 70 ⸗ frei in's Haus
gebracht,
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Mit zwei Beilagen: Rekßlamen
Sonntagsblatt und humoristische Blätter. 80 pro gspaltige Petitzeile.

Redaktion, Druck und Verlag von J Unterkeller Dudweiler.

Bei Jahres⸗-Abonnement höchster Rabatt.
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Politische Rundschau.
Tentsches Reich.
*Wie wir erfahren, war am 6. März, dem Sonntag.
in dem der Wahlrechts-Spaziergang im Tiergar—
enn und im Treptower Park stattfand, die Ka—
erne des 1. Garde-Feld-Artillerie-Regiments in der Krupp—
raße in ein völliges Kriegslager verwandelt worden. Auf
»em Kasernenhose waren am Sonntag nachmittag Ge—
chütze und Munitionswagen mit scharser Munition ver—
ehen zum Ausrücken aufgefahren. Die Pferde standen ge—
chirrt in den Staällen bereit, um jeden Moment einge
pannt werden zu könnnen. Von der Süd-Kaserne wur
en die Mannschaften zum Munitionsempfang nach der
stord-Kaserne kommandiert. Die Mannschaften wurden
ann mit scharfer Revolver-Munition versehen.
* Der diesjährige Allgemeine Vertretertag der
tationalliberalen Partei wird am 1. und 2. Oktober
nu Kafsel staitfinden.
* Der Reichsstagsabgeordnete für den Wahlkreis Lan—
eshut— Jauer — Bolkengain, Dr. Otto Hermes (F. V.)
st Sonnabend mittaäg plötzlich an einem Schlaganfall im
Alter von 71 Jahren gestorben. — Der Verschiedene
var am 10. September 1839 zu Meyenburg, Ost-Priegnitz
eboren. Seit 1871 bekleidete er das Amt eines Direk—
ors des Aquariums in Berlin. Dr. Hermes gehörte von
873 - 1903 dem Berliner Stadtverordnetenktollegium an.
don 1881 -84 war er Abgeordneter für Westpriegnitz, von
887 für Jauer — Landeshut —Bolkenhain. Um letzeren
Vahlkreis wird jetzt wohl ein heißer Kampf entbrennen
ßbei den leßzten Wahlen im Jahre 1906 entsfielen an Stim
nen auf die damalige Freisinnige Volkspartei 5728, So
ialdemokratie 5019, Reichspartei 5050, Zentrum 4307.
zn der Stichwahl erhielt Dr. Hermes 9340, der Gegen⸗
andidat Lissel (Reichsp.) 7495.
* Der Berliner Friedhof der Märzgefallenen ist
uch am Sonntag wieder siark besucht worden. Zur Auf—⸗
echterhaltung der Ordnung waren zahlreiche Schutzleute
tach dem Friedhofe beordert worden. Besucher kamen
Vormirttags 3500, am Nachmittag gegen 8000. Die Ruhe
ourde nicht gesiört.
* Eine sozialdemokratische Demonstrations-Versamm⸗
ung in Könn unter freiem Himmel war von der Poli—
ei unter der Zusicherung gestattet worden, daß nach der
Versammlung keine Umzüge stattfinden wurden. Die Ver
ammung verllef ohne Zwischensall. Es sprachen de—
ozialdemokratische Landtags-⸗Abgeordnete Dr. Liebknecht
— Auch die fsreisinnige Volkspartei hatte eine öffentliche
versammlung einderusen, in der die Abgeordneten Kopsch
ind Müller über die politische Lage referierien. Es ge—
angte eine scharse Resolution zur Annahme, in der die
ebdertragung des Neichstags-Wahlrechts auf WVreußen ge—
ordert wurde

ranzösische Senat den gẽgenwärtig vor ihm schwebenden
Jollentwurf erledigt. halen werde. — Seu drei Tagen
verden übrigens in Belgien riesige Mengen französische
Weine eingesührt, deren Verzollung dem beigischen vis—
us bereits drei Millionen eingeiragen haben.
Rußland.
» Ueber die russisch⸗osterreichischen Verhandlungen
u Grund zuverlässiger Informationen mitge eil
verden, daß die Verhandlungen einen außerst gunstiger
Gerlaus nehmen. In den letzten Tagen fand ein lebhafte
depeschenwechsel mit Wien statt. Eine Entente für be
timmte Fragen ist bekanntlich gar nicht ins Auge gefaßt
ondern lediglich die Wiederherstellung des diplomatische—
Lerlehrs, der seit der Annexion Bosniens unterbrochen
war. Die gespannten Bexziehungen sind bereits als über—
wunden zu betrachten.

Lebens verbinden. „Vita“ schreibt: Der Rieichskanzler
itspreche min seinem Besuche dem lebhaflesten Wunsche
Italiens Jeder italienische Mirnister des Auswärtigen,
wer es auch sein möge. wünsche aufrichiig, das Bündnis
der Freundschaft mit Deutschland aufrecht zu erhalten. Die
auswärtige Politit Jialiens koöonne niemals von der Tat—
sache absehen, daß ein startes Gesühl der Sympathie das
italienische und das deutsche Volk miteinander verbinde

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Einladung
zum Abonnement
auf die
Dudweiler Zeitung
mtliches Publikations-Organ für die
ũrgermeisterei Dudweiler und die
gl Berginspettionen Dudweiler und
Camphausen.

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Die früher oft frankophile „Vita“ bringt einen bemer—
kenswerten Leitarutel zur Begrußung des Reichs—
Ranzlers. Sie sagt, wenn der Reichskanzter auch we—
gen der Ministerkrisis keinen Weinister des Auswärtigen
in Rom vorfinden werde, so bedeute das wenig, denn wer
auch künstig das Auswärtige leite, ledenfsalls werde er
wünschen, das Bündnis und die Freandschaft mit Deutsch—
land aufrecht zu erhalten. Unwahr sei auch, daß die ita
lienische auswaͤrtige Politik nicht von der öffent! ichen Mei—
tung getragen werde; dafür jeien die Sympathien zwi—
chen beiden Ländern zu groz. Früher hätte der stark
lufschwung Deutschlands vorubergehend wohl das Gefün
inbehaglichen Staunens in Italien geweckt, dies aber ser
hrlicher Bewunderung gewichen. Meinungsver chiedenhei
en hatten eigentlich nicht existiert, nur hatien oft einig
deutsche leitende Personen eine Anwandiung, Jtaliens At
lionsfreibe zu beschränden. Auch habe mancher ungeschickt⸗
italienische nister vergessen. daß der Kernpunkt der ita—
lienischen au wärtigen Politik gute Beziehungen zu Deutsch
land feien. Heute wolle das italien sche Volk solche Irr⸗
Amer vermeiden und zur guien alien Politik der Freund—
schaft Deutschlands zurücktehren. Wenn des Reichskanzlere
Besfuch das Ende des früheren Mißtrauens bedeute, so se
er herzlich willtommen. Hoffentlich werde er sich auf sei
ner Reise überzerngen, welche aroßen Fortichritte auch Ita
lien gemacht habe.
Bie ehaß-irinugisne Frage.
Die Ankundigung des deutchen Reichskanzlers, daß
er einen Gejetzentwurf über die elsaß-lotgringesche Ver—
fassungsfrage ausgearveiten habe, ist vieltach in der Presse
der Anlaß zu einer allgemeinen Kritit über die reichs—
laändische Frage überhaupt geworden. Ein Teil der Presse
sieht den Urzeßler des lesigen 3.standes in der Urregel
ung unmitteldar nach Beendigung des Feldzuges. Damal⸗
hatte das dem Vaiterland zurucgegedene Gebiet entweder
an Pceeußen oder an einen anderen Bundesstaat gegeben
werden mussen. Allein dadurch ware der un elige Hader
unter den deutschen Stämmen aufs neue wieder belebt
worden. Der deuttch jran osische Krieg führte gerade des
halb zur inneren Eingung, weil kein Staat auf Kosien
eines anderen oder zu Ungunsten eines anderen einen
Vorteil davon hatie. Die Einverteibung in Preufßen wäre
deshalb ebenso sehlerhan gewesen wie die Angliederung
in Baden, wobei ganz davon abgesehen ist, daß die vadi—
sche Bevolteruna, die damals noch überwiegend liberal
war und auch eine uüverwiegend liberale Kammermehrheu
hatte, diesem Gedanten durchaus nicht zugeneigt gewesen
ist Durch die Aneignang des erooerten Gebietes für das
neugegueneeie Resch als gemeinsamer Besitz ist die inner⸗
Eindeit gesestiat worden.
Wenn man aber auf die innere Geschichte des Lan
des zuruckolickt, danz wird man sinden, daß eine feste
dieglerung mehyr Eniwicklung des deutschen Geistes
geian hat als e.n ete Haleung der Regierungsorgane.
Panteuzel har die Sutwicklung weit weniger geifördert als
Hohenlohe, namentlich Fürst Hohenlohe in der Zeit, als
zoch Furst Bismarck seine machtige Hand und seinen kraf—
iigen Geist über dein Ehatß wallen ließ. Seindem sind
n den inneren Berhalenissen des Landes große Verände—
ungen vorgegangen Der Pasßzwang ist gesallen, der Dil—
aturzwang ist vejeiligt. Aver was ist die Foige davon?
Dir Presse, die unter dem Diktaturparagraph für ihre
For eiftenz furcheen mußre, ist almahlich verroht in ihrer
ruit und kühner geworden in iygrer Oppositionsstimmung.
Man koöonnte sast den Eindruck gewinnen, daß unter
olchen Verhaͤlin en eine Erweiterung der Selbständigkeit
des Landes verhaugnisvoll werden tann. Allein, eine
indgluige Regerung ist nicht veablichtigt; deshalb scheiden
uch die Streitpunne, ob das Vand eine monarchische oder
te, olitanische Spibe haoen soll, vollsiandig aus. Der Ge—
dante, an der bedrohienen Grenze des Reiches eine Repu—
blit zu errichten und das Schecksal des Landes vielleicht
von fliemden Einrussen abhanzig zu machen, ist überhaupt
vo lit onig untenoluich irr ,,n Go in ausgeichlos

England.
* Die Blätter aller Parieien erwarten neue Wahlen
fast unmittelbar. d. h. innerhalb der naͤchsten Wochen. Es
heiet, daß z chen Redmond Birell und Lloyd George
Lerhandlungen siattfinden. welche bisher zu keinem Re—
cultat geführt haben. Churchill erklärte in einer Rede
n Manchester, er werde vielleicht innerhalb der nächster
Wochen zur Wiederwahl vor seinen Zuhörern siehen. In
departement des Haupteinpeitschers in Downingsrreet
teht fieberhafte Tätigkeit zur Vorbereiuung der Neuwahlen
Türkei.
*Christhiche und jüdische Rekruten werden
tächster Tage auch in die Leibgarde des Sultans ein—
Jesterlt werden. Das ist ein bedeutsames Ereignis, indem
die Türken seibst bei der Frage der persönlichen Sicherheif
des Wadiichabs die Rassen-Unterschiede beseitigen.

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—— —— —

Die Dudweiler Zeitung erscheint von jetz
b in der heutigen Grösse mit den Beilagen
lustriertes Sorntagsblatt
lumoristische Blatter
ndwirtschaftl. u. Handelsbeilage.
Wie bisher wird die Dudweiler Zeitung
uch fürderhin als
unparteiisches Lokalblatt
eitergefünrt.
Wir leben in einer sehr ernsten Zeit. Das
eben ist in jeder Beziehung viel komplizierter
geworden. Es stellt so grosse Anforderungen,
dass es Pflicht eines jeden Bürgers ist, sich
über das, was in der Welt vorgeht, 2u orientieren,
 sowohl in wirtschaftlicher wie in poliitiscer
 Beziehung. Dazu ist es nötig, sich
ein gut geleitetes Blatt zu halten.
Die Dudweiler Zeitung wird sich bemühen,
dieser Aufgabe nachzukommen, was ihr durch
den jetzt zur Verfügung stehenden grösseren
Raum möglich wird.
Unsere vornehmste Aufgabe wird sein,
naca bestem Können der Allgemeinheit zu
dienen und sich nicht für die Sonderinteressen
ines einzelnen Standes festzulegen.
Wir bitten unsere Leser, uns hierin unterstüũtzen
 z2u wollen, damit uns die Erfüllung
der gestellten Aufgabe möglich wird.
Redaktion und Verlag.
—M
-

Amerika.
*ß Die ‚Times“ meldet aus Washington: Eine Krisis
ohne gleichen hat sich in Amerika ereignet. Die alte
parlamentarische Organisation ist einem Angriff der ver
inigten Republisaner und Demokraten unterlegen. Der
ßräsident der amerikanischen Kammer ist seit undenkbarer
Zeit im Besitz einer bedeutenden Macht gewesen. Nicht
allein, daß er der Kammer präsidiert, er war auch sozu—
sagen die Allmacht bei der Gesetzgebung der Vereinigten
Staaten und ernannte die verschiedenen Kommissionen, die
nit der Diskutierung der verschiedenen Gesetzesvorlagen be—⸗
auftragt wurden. Er war der Führer der Maiorität. Die
Abstimmung kann man für die alte republikanische Partei
ils eine Niederlage betrachten. Die Position des Präsi—
zenten Taft ist hierdurch nicht verändert worden. Gegen—
värtig unterstüsßt er die Republikaner

Zur Romreise des Kanzlers.
Rom, 21. Marz. Der Reichskanzler wraf hier gegen
1 Uhr ein. Abends fand in der Botschaft ein Bantkett
tatt, zu dem u. a. Ministerpräsdent Fßnnino und
Peinister des Auswärtigen, Guicciardini, der ita—
ieni jche Gesandte in Berlin, Pausa, er hiesige baye
tische Grsandte v. d. Tann. sowie reie Mitglieder
der Hofagesellschaft und das Rotschaftspersonal geladen sind

Oesterreich⸗Ungarn.
*In St. Pölten tam es anläßlich einer Versamm—
uing tichechucher Textilarbeitrer zu ernsien Zu ammenstößen
weachen tichechnuchen und deutschenauongten Arbeitern. Da
ei wurden eine Anzahl Personen durch Menerstiche ver—
etzt. — An ener anderen Stelle kam es zu einem Zu
ammenstoß zwischen Teilnehmern an einer sozialdemokra—
ischen Versammlung mit deutschen Rationalisten, der in
inen erbit erten Kanmpf ausar Zahlreiche Personer
ourden verwundet. Da es den Gendarmen nicht gelang
ie Ruhe wieder herzustellen, wurde Militär requiriert
Schließlich gelang es, die Streitenden auseinander zu trei
en, nachdem noch einige von den Schuszleuten verwundet
vorden wareon

Pretz eimmen.
Die Blätter begrüten den Reichskanzler mit
herzlichsten Worien. Giornale d'gtalia“' schreibt:
AVV
um dem Konig zu huldigen und unsere Regierungsvertre
ter persönlich kennen zu lernen, herzlich willkommen. Wir
sind sicher, damit die Gefühle des Landes auszudrücten
welches die Gefühle der Soympathie kennt,. die der hervor
ragende Staatsmann für uner Land hegt Der Reichs—
kanzler, welcher die Politit einer hroßen Nation leitet, die
mit unserem Lande durch Bande ernes festen Bünodnisses
und alter Freundschatt verbunden ist, hat das Verdienst,
die italienisch-deutschen Beziehungen wie sein Vorgänger
gepflegt zu haben. Von Bethmann-Hollweg hat daher ein
volles Recht, zu unseren Freunden gezählt zu werden, und
als solchen begrüßen wir ihn. „Corriere d Italia“ führt
die Auslasse ngen des Graten Kanitz im Reichstag über
den Dreibund an und fügte hinzu: Diese Worte des Gra—
ken Kanitz wurden vom Reichstiag mit allgemeinem Bei—
jall aufgenommen. Wir schließen uns dem Beifall seiner
Landsleüte an und begrüßen den Neichskanzler als will—
ommenen Gast und Vertreter einer grozen Nation, miit
vor u ni⸗lache Bande der 2treeuund des polt -,

Belgien.
*Nicht bloz in Dentschland, sondern auch in
AV
valtige Erhohung vielet Säte im neuen französtschen
Zolltarif Prossesst erJeben. Kürzlich hat auch die bel⸗
ische Kammer laut genug inre Stimme erhoben und Re
ressallen gesordert. Der französische Senat, dem augen
lchiich der Zol.arif zur Beratung unterliegt, hat darauf⸗
in sofort gegen eine solche Potitik der Rache Verwahr—
ing eingelegt, was in Brüssel lebhaftes Aufsehen errtegt
sjat. Der Finanzm nisier Liebaert ertlatte dem Verichter—
atter eines Pariser Blattes, daß die franzoͤsischen Par—
amentarier die richtige Tragweite des von ihm einge
rachten Zolltarisen wurfses verlennen. Die belgtiche Re
ierung habe dabei keineswegs die französische Zollrevi
n im Auge, es handle sich darum. eine Grundlage für
32ehbangne vi M sν iohoie de

Das sonderhare Drell.
„Du — ja du gingst dann fort,“ setzte das junge
Mädcher leise und traucig hinzu, „fort in dein fernes,
schönes Land, zu deinen alien Freunden und Belannien;
aber ich — wie einsam, wie verlassen bliebe ich hier zu⸗
rück — o laß mich nicht allein — es ist so furchtbar —
so entsetzlich furchtbar, allein zu sein.“
„Nein, Jenny — nein“, rief Ralffon tief bewegt. ‚Von
jetzt an stehst du nicht mehr allein in der Welt, denn die⸗
se Hand soll dich leiten und stützen! Was auch kommen
möge, in Freud und Leid sind wir und bleiben wir ver⸗
eint und nur der Tod soll uns trennen — nur allein
der Tod.“
„Und du nimmst mich w'rklich mit?“
MNoch in dieser Nacht,“ rießf der junge Mann. Du
hast recht — auf einem Dampfboot könnten wir von hier
us nicht unbemerkt entfliehen; aber in dieser Nacht, wenn
aAles schläft, schleiche dich sohte heraus zu mir — ich
jarre deiner am Kanoe, und ehe der Morgen dämmert.,
ind wir weit von hier — in Sicherheit. Nimm auch nur
as Allernotwendigste von Wäsche und Kleidern mit —
mr für die ersten Tage. Ich hade Geld genng und wir
taufen viel leichter alles, was du brauchst, unterwegs.“
Jenny schwieg — stie schaute fest und sorschend in
skalfsons Auge, als ob sie feine innersten Gedanken le—
sen wolle— endlich flüsterte ste leise: Ich kommel!“ und
ich dann sein m Arm entwindend, floh sie rasch den Weg,
den ste gekommen, zurück zum Haus. Ralfson aber, eine
ganze Welt von Seligkeit im Herzen, schritt hinein in
den grünen Wald, um jetzt erst die Stellen abzuspüren,
die ihm der Alte übertragen, und dann au der Hütte Be—
richt zurückzubringen.
Es war aber wahrlich kein Wunder, daß er heutit
nichts sand. Und wenn die Bären in der nämlichen Nucht
herüber und hinüber gewechselt wären, er hätte ihre Fähr
ten achtlos gekreuzt, denn nur Jennys liebes Angesich!
chwebte vor seinem inneren Blich; nur ihr treues Auge
achte ihm aus jedem Tautropfen entgegen. — Lachte? —
Wie ernst das Mädchen eigentlich war — wie ernst und
ast düster ihr Auge manchmal das seine traf. Du großer
intt. und welch ein tieser Schmerz mußte dieses junge
Ro h an JaBHar⸗

tem Angesicht zu bannen. Arme Jenny — wie weh ihr
zu Mute sein mußte unter dem Druck eineß so strengen
zacees — wie furchtbar weh — aber welch ein Wechsel
Fes Shechaes stand ihr auch bevor und wie wohl sie
dann in ben neuen Verhältnissen fühlen solltel
wꝛit solhzen Gedanen und Träumen wanderte er durch
en Walob Er hatie wohl das Bewußtsein, welche Rich—
ung er irhaten mußte um sich nicht zu vererren, aber
veiter nichts — er sah nach keiner Fährte, die ein Bär
zinterhafsen naben konwee, und as er endlich in einem
veiten Bogen die Hauͤtte wieder erreichte, fand er den al—
en Badwoobusman schon vor, der aber nicht glücklicher,
venn auch wahrscheinlich viel ausmerksamer auf seiner
our gewesen war.
„Nun, Fremdor,“ redoete ihn dieser an, „nichts ge
den?“
„Gar nichts, Sir,“ antwortete Ralfson, füüblte aber
3, wie er leicht dabei errötete.
„Hm, dachte mir's,“ nickte der Alte, „sonst müßte id
»ohl auch etwas gesehen haben, denn die alten Bursche
eschreiben gewöhnlich — wenn sie einmal kommen — einen
Zogen um die ganze Lichtung. Aber das schad't nichts
— wivr erwischen ihn doch noch einmal, und morgen ma
hen wir den nämlichen Spaziergang. Hat er sich wieder
hierher verloren, dann finden wir ihn auch sicher in dem
leinen Hurikane, den wir leicht umreiten. Sobad sich die
Zestien erst einmal in Schweinefleisch verbissen haben, las⸗
sen sie das Naschen nicht und kommen immer wieder zu
der nämlichen Farm zurüch, und bei der Gelegenheit auch
nanchmal zu Schaden. Wer seine Zeit abwartet, gewinnt,
st ein altes, gutes Sprichwort; merkt Euch das, Fremder
und Ihr werdet immer qgut dabei fahren.“
Ralsson schämte sich fast, daß ihm der alte Farmer
in seiner gutmütigen Unschuld gerade das anriet, worauf
er selber mit allen Kräften hinarbeitete. Aber die Würfel
varen gefallen; er konnte nicht mehr zurück, selbst wenn er
gewollt hätte. Jennys Küsse brannten noch auf seinen
dippen, und nur der Gedenke an Ke erküllte seine ganze
zeele.
Kein Tag war ihm noch so lang'am vergangen, als
zeser, die Minuten schlichen wie Stunden, und der Zei—
er an der alten NYankee-Uhr schien förmlsch stillzustehen
otzdem sich der Perpendikel in seinen gewöhnlichen Schwing
—E VhRor Me Noit norran

mehr und mehr neigte sich die Soume dem Horizoutte zu,
und als der Abend anbrach, und sich die Familie wieder
um den breiten, mit riesigen Holzblöcken gefüllten Kamin
ammelte, suchte er vergebens Jennys Blick wieder zu be⸗
egnen. Still und in sich gekehrt wie immer, saß ste am
dcmin. von den übrgen kaum beachtet, und wenn —
nanchmal mit dem Mlten sprach und dabet Juhlie, daß X
luge auf ihm ruhlce, senkte sie es doch rasch zu Boden
»der der Flamme zu, sobald er nur einmal den Kopf au
ihr drehte.
Und wieder war es Schlafenszeit geworden; die Mäd⸗
hen zogen sich in ihr besonderes Haus zurück, und kaum
ne halbe Stunde später lag die klene Farm so still und
4auclos. wie die Wildnis rinas umher.

zu bringen. Bekamen doch die Neger am Mississippi jedes⸗
mal einen VierteDollar Belohnung, wenn sie nachts gute
Wache hielten und vorbeikommenden Dampfern durch einen
flammenden Holzstoß anzeigten, daß dort Feuerholz auf⸗
geschichtet und die Landung für Dampfer sicher wäre.
Freisich müssen sie dafür nachts draußen, von zahl⸗
losen Moskitos umschwärmt und belästigt, im Freien la⸗
gern, und ihren, durch harte Arbeit so notwendigen Schlaf
untzrbrechen; und wie oft, wie zohllose Male umsonst zün⸗
den sie das Feuer an, während die Dampfer, die viel⸗
leicht schon unterhalb angelegt und ihren Vorrot einge⸗
nommen haben oder noch zur Genüge auf Stunden rang
mit Ho'z versehen sind, ohne auf das Zeichen zu achten,
borüberkeuchen — so daß der arme Schwarze seine Arbett
nutzlos getan, seine Nachtruhe vergebens geopfert hatte.
Aber manchmal gelingt es ihnen doch und wie Mustk
lingt ihm dann die Glocke ins Ohr, die am Bord des
Dampfers das Zeichen zum Landen giebt und arme
D ιαεα,οaglere, die stch zum Holztragen unter⸗
ens verpslihtet haben, aus ihrem süßen Schlaf weckt und
unseeverer Arbet hinaus aus dem Boot und das ste—
e, lehnige Uẽer hinaufjagt.
Sambo, der Neger hatte heute Glück. Naher und
äher kam das Boot, das sich augenscheinlich an diesem
lfer hielt; und der breite Feuerstreifen, der sich dvorn
ruerüber zog, ver iet deutlich genug, daß die Feuerungsfüren
 über den Kesseln geöfinet worden, um die Hitze aus⸗
trömen au lassen, also sich aum Anlegen bereit 2u
Jalten.
Noch lag der Platz am Ufer, an welchem das Sotz
aufgeschichtet war, totenstil und von dunkler Nacht
»dedeckt und matt nur schimmerte durch die Büsche das von
dem Neger entzündete und mehr nach dem Sixom zu sicht⸗
hare Feuer; aber näher und näher kam das Boot — jetzt
chlugen die Hunde an und wurden laut, und der alte
Backwoodsmann trat ebenfalls in die Tür. Er hatte das
Boot kommen hören und machte sich bereit, um den je
denfalls bald herübertönenden Anruf des Kapitäns au be⸗—
an worten.
„Was für Holz an LNandꝰ“
Cattonwood!i“
Trocken?“
Ax

— ———

3. Kapitel. —
Die Flucht.
We still und geheinn svoll das in den märtigen
ßäumen dver Urwardung rauschte — wie der Srom vor—
‚eigurgelte — wie still und wie schwer and geroal. g; wie
de Flut in den umgestürzten Wipseln plattcherre, Denen
le erst die Wurzeln unterspült und die sie dan u sich
erabgerissen hattel Wohl standen dort ein paar aus dem
lrwald herausgehauene Hütten und Menschen atmeten in
em engen Raunm, aber dicht darum her schmiegte sich die
Bildnis; kein Licht schimmerte aus der kleinen, kaum be
nerkbaren Lichtung heraus und wie zu dem Sumpf ge—
örig lag der Platz.
Da plötzlich drang ein wunderbar tönender Lauf ir
egelmäßigen Zwischenräuanen durch die Nacht. Puff —
»uff — puff. — Es war einer der großen Mississippi⸗
ampfer, der von New-Orleans herauftam und gegen die
nächtige Strömung des ‚Vaters der Wasser“ ankämpfte und
iuarbeitete; und wie er näher und näher kam und endch
ogar um die Biegung des Stromes herum das Licht sei—
ier Kesselfeuer und de blaue Lampe auf seinem P.lot
saus sichtbar wurden, entzündete sich auch auf der stillen
unklen Uferbank ein kleines Feuer, das Bob, der alte
uur Farm gehörende Neger, dort angefacht hatte und de
Ain o⏑ Gν Maraint nmarf iim 44 ur hbolssentt
            
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