ves Erozesses zie Laß sieren
Gründe: es Sache des Käufers gewesen wöre,
ich vor Wfchließzung des Kaufgeschäftes genau nach allen
mit dem Gegenstande des Kaufes verbundenen Lasten und
Pflichten zu erkundigen, und daß es lediglich sein eigener
Nachtell sem müsse, wenn er das bersanmnt habel
Hieß ein ihe Utteil nicht Spott treiben mit unser
asler Erwartung? War es uns nicht völlig gleichgültig,
ob Herr Beauclair oder Herr Godard die Leibrente an
Madame Bouilly zahlt? Die Hauptsache war die Ent⸗
scheldung über das Alter der Frguen ünb gerode diese
Entscheidung umging der Gericheshof. 27
... . So bleibt diese große und wichtige Frage alsd
noch immer eine offene, und wir fürchten ernstlich, daß sie
es für ewig bleiben wird — — — — E
F An der Beresina.
Den Anblid, welchen die Ufer der Beresina 10 Jahr«
jpäter darboten, nachdem die große Armee dort ihrem
urchtbaren Schichsal erlegen war, hat ein Zeitgenosse mit
fkolgenden Worten geschildert:
Wohl nur wenige Wahlstätten bdieten so bleibende
Spuren dessen dar, als die Ufer der Beresina bei dem
dorfe Studienka. Zehn Jahre waren nach jener furcht.
»aren Katastrophe vergangen, als ich sie besuchte; aber es
edurfte keiner Erläuterungen, um sich zurecht zu finden.
Die Punkte, auf denen die beiden Brüden slanden, zeich⸗
ien sich schon aus weiter Ferne aus; man möchte beinale
och den Weg angeben, welchen die Unglücklichen einschlu—
sjen, um sich hinüber zu drängen.
So finster die User der Beresina in ihrem ganzen
Laufe von Bobrnisk bis Borisow, siets durch Kiefe nwal—
ungen sich schlängelnd, sind, so heiter eröffnet sich die
Ausficht über die Felder von Siudienka, Weselowo ꝛc.,
venn man, von Borisow kommend, aus dem Walde her—
»ortritt, det ungefähr eine halbe Stunde von Slutinn'o
au hört. In einer langen Reihe zeigen sich die Häuser
»es Dorfes auf einem Abhange nach dem Fluͤsse zu, und
'or denselben bis an den Fluß eine mit leichten Sunm—
sen eingefaßte Hutung. So wie man von Borikow aus
angefähr die Mitte des Dorses erreicht, fällt schon auf
dem Wege die Menge Lederzeuges, Filz, Tuchstücke usw.
zuf, die den Boden bedecken Immeds dichter wird deefe
Lage bei dem Hinuntergehen an das Ufer; hier sinkt man
bis an den Knoͤchel ein und hler mengen sich Knochen
hon Menschen und Tieren, Blechbeschläge, einst Zierden
warlerer Krieger, lezt schaudererregende Trophäen, ihnen
in. Da, woselbst die Hauptbrücke war, erheoöt sich eine
Insel dicht am lin“en UÜfer des Flusses, und teilt ihn in
wei Arme; obg'eich diese Insel nun berafet ist, scheint
e doch vorzügtich der Brüde selbst ihr Dasein zu verdan⸗
len. Die Spur der Brüce geht nämlich über ihr oberes
Ende hin, und es dürfen vielleicht die hier hineingeslürz⸗
len Geschütze, Pulbersarren und Fuhrwerke aller Art und
der angefetzte Schlamm (denn die Beresina hat ein dunk⸗
les, mosriges Wasser) sie allmählich erzeugt haben.
Drei moorige Huͤgel, unterhalb der Brüde, mit einer
dichten Vernißmeinnickthülle überdeckt, haben die Leichen
der hier Gefallenen gufgenommen. Der fonft so freund⸗
liche Zuruf dieses Blümchens wird gedem Krieger hier
wohl zu einer furchtbaren Stimme, wenn er vollends hin
und wieder noch die Gebeine unter dem Grün der Brtt
ter hindurchschimmern sieht.
Durch Trümmer aller Art mühsam am Ufer entl ang
zehend, erreicht man oberhalb bald die Sielle der zweiten
ZBrücke für das Fuzvolk. Dort befonders häufen sich alte
Reste von Montierungs⸗ und Armaturstücken; aber Toten—
hügel sind hier nicht zu finden. Man scheint unlerhalb
der Brüden die meisten Leichen angetroffen und ste dort
hin gebracht zu haben. Die weite moorige Wiese des
rechten Ufers ist eben so gamz mit Trümmern überfäet,
und hin und wieder scheinen dort größere Gegenstände her⸗
borzubliden, denn betreten läüt ich diefes Ner im Sam.
mer nicht:
dAuf dem Wege von Brilowa nach Zemdin findet ma.n
keine Spur mehr, und ebensowenig von Brilowa über
Stachow nach Borisow. Stachow aber, durch sein sinste—
tes Tal, scheint daran zu mahnen, daß hier die letzten
Anstrengungen der großen Armee stattfanden, so wie man
is nicht wohl besuchen kann, ohne die Einsicht zu bewun⸗
dern, die di sen Punkt zu wählen und zu benutzen
wuß te, der allein, unter jenen schwierigen Umständen, es
möglich machen konnte, mit so schwachen Kräften einen“
nachdrücklichen Widerstand zu leifsen.
Hier war es, woselbst der tapfere Doumere den Rest
etner Kürassier⸗Oiviston in Kolonnen formierte und sich
auf die in dichten Karrees stehenden, und don 20 Kangß
nen gedeckten feindlichen Korps der Generale Pahlen und
Czaplitz stürzte. Weder ein mörderisches Kartaͤtschenfeuer,
noch das wirksame Kreuzfeuer der rufsischen Infanterie
waren vermögend, die unerschrockenen Reiter zur Umkehr
zu zwingen; die gefürchteten iangen Schwerter roteten sich
bom Blute, und 1500 Gefangene, zwaͤnzig Kanonen unodͤ
oiele Bagagen waren die Trophäen dieses kurzen, abcr
fürchterlichen Reiterangriffes
Der Retter in der Not.
VDer ruche Kreole hieß Stephan Worel und war Be—
tzer einer ansehnlichen Plantage in Louisiana. Er hatte
m Teras einen Verwandten, der dort eine Pflanzung ge⸗
zründet und den er schon mehrmals mit bedeutenden Geid—
deträgen unterstützte. Nun war es von neuem nötig ge—
worden, dem teranischen Pflanzer hilfreich beizuspringen,
uind Morel hatte sich mit einer beträchtlichen Summe in
Banknoten auf die Reise gemacht, um sich endlich einmal
mit eigenen Augen von dem Stande der Mnaelegenbeien
oines Nermandten z2u ühorrorinon
Sein Relsegefährte, der junge Deutsche, namens Her⸗
mann Müller, war als 18jähriger Jüngling mit den El—
ern nach Tetas ausgewandert, die setzt in der Nähe von
Henderson eine woh eingerichtete große Farm und einen
ehr großen Viehstapel besaßen. Eine ans Deutschland der
Familie zugefallene Erbschaft hatte eine Reise deß Sohnes
nach New-Orleans veranlazt, um in einem dortigen deut—
schen Bankhaus den Betrag einzu asierten. Mit einern
Sunme von mehreren tausend Douͤars in Gold und Bauk
noren kesand sich der Jüngling nun auf der Heimre,se und
er hatie den Weg durch Nouisiana gewählt. im die Go
zend lennen zu lernen.
Daß der lange Te aner sich nicht zu den Reiseg nossen
in den Wagen gesetzt, sondern auf dem Bod bei dem
Aut cher seinen Plaz genommen, war den beiden sehr recht.
Wenn sie freilich gewußt hätten, welcher Art das leise
Gespräch des Telanets mit dem Pferdelenker draußen
war, das beide einige Zeit nach der Abfahrt begannen,
so würden sie, trozdem jeder von ihnen einen Taschen⸗
revolver bei sich irug, wohl nicht s9 rubia und unb—sfarn,
gewesen sein.
„Na, Billh Hawbhins“, sagte der Kutscher mit ge⸗
bdämpfter Stimme zu dem Texaner, als sie einige tausend
Schritte von der Stadt entfernt waren und die Gegend
weit und breit einsam, unbelebt, regengrau und öde vor
ihnen lag, binks von der Landstraße ein umabsehbarer
Sumpf, rechts ein Wald, hast Du den schlauen Gedanken
noch emer in Deinem wunderlichen Hirnkasten qufbe—
wahrt?“
„Wie sollte ich nicht', versetzte der Texaner gleichfalls
halb aut. „Hier ist eine Gelegenheit, auf einen Schlag
unser Glück zu machen, Joe. Die beiden Gentlemen füh—
ren zusammen vielleicht an die 10 000 Dollars in Gold
und Banknoten vei sich.“
— Wenn as nur nicht Slaufen Undl Da aiht e 44
W S —
2
—8. A ñIW
Eine französische Zeitung teilt folgenden Zug von
Menschenfreundlichteit mit. Frau S..., Lumpensamm—⸗
lerin in Paris, war von einem der Stadtsergeanten ver—
haftet worden, weil sie ein Platat herabgerissen, das be
ꝛits von Wind und Regen sehr übel zugerichtet war. Sie
burde vor den Polizeikommissär geführt, der sie nach
urzem Verhör auf die Polizeipräfektur zu schicen schloß
Während sie auß die Suticheidung ihrer Angelegenheit harrte,
ührte man eine junge Frau herein, die ein kleines, sehr
zübsches Mädchen auf dem Arme trug. Diese Frau be—⸗
'and sich in der verzweifeltsten Lage. Ihr Mann war
eit drei Monaten in Haft. Obgleich sie Tag und Nacht
arbeitete, wenn sie Arbeit fand, konnte sie doch nicht für
ich und ihr Kind das Nötige herbeischaffen. Ihre Miete
var nicht gezahlt, der Eigentümer der Lokalität hatte sie
nit ihrem Kinde vor die Tür gesetzt, und ste war daher
hne Brot und ohne zu wissen, wo sie ihr Haupt hinle—
zen sollte. In dieser schrecklichen Lage wandte ste sich an
die Stadtsergeanten mit der Bitte, sie zum Polizeikom⸗
nissär zu führen, damit ste irgend wo Unterkunft fände.
Als die Lumpensammlerin diesen herzzerreißenden Berich!
hörte, erhob sie sich mit Tränen in den Augen und
prach: „Herr Kommissär, es scheint, hier ist ein gutes
Werk zu üben; wenn Sie wollen, werden wir beide es in
Ausführung bringen. Mein Vergehen ist eben nicht sehr
zroß. Lassen Sie mich frei fortgehen und ich werde dies
arme Frau mit mir nehmen. Meine Wohnung ist zwar
kein Palast, aber sie wird dort Unterkunft und Brot fin
hen, ohne daß es ihr vorgeworfen wird, und ihrem Töch—
erchen soll es auch an nichts fehlen. Wo eines ißt, kann
mich das zweite essen. Es ist immer eine Freude, jeman—
»en einen Dienst zu erweisen. Endlich sehen Sie auch
»araus, daß man doch noch zu etwas gut ist.“ Der Kom—
nissär, dem diese Sprache voll barschen Wohlwollens das
hepräge der Wahrheit zu haben schien, erkundigte sich
räher und hörte, daß die Lumpensammlerin durch Arbeiten
iuf redliche Weise ihr Brot gewann, und daß sie sogar
leine Ersparnisse bei Seite gelegt habe. Der Kommiffär
Jewährte ihre Bitte und überzeugte sich bald darauf, daß
die Frau des Gefangenen ganz anständig untergebracht
war bei derjenigen, die so gutberaig ibr diesen Antrag
gemacht hatte
Kurze Trauerzeit. In Amerika, wo alles
viel schneller geht als bei uns, scheint auch die Erinne—
tung an die Toten merkwürdig rasch zu verblassen. So
hält man stch kaum einen Mongt von allen Veranstaltungen
sern. Allerdings ware es nicht „fair“, sich dann schon in
ꝛine Loge zu setzen; man sucht sich einen Platß an einer
weniger allgemein sichtbaren Stelle des Theaters aus. Nach
einem weiteren Monat besucht die New-NYorket Dame be—
cteits wieder alle Gesellschaften und Feste. doch die Trauer—
leidung behält sie möglichst lange bei, ja sie legt sogar
nuf ein Erscheinen ganz in Schwarz das größte Gewidt.
ur ist an die Stelle der laugen schwarzen Trauerschleler
von früher der kleine französische schwarze getreten, der
»em Gesicht eine höchst kleidsame Blässe verleiht Ebenso
werden Karten und Briefe mit breitem Trauerrand mög—
ichst lange gebraucht. Ein Mitglied der New- Yorler
Vierhundert“ würde es nicht verschmerzen können, eine
janze Saison hindurch nicht überall gesehen und von den
Zeitungen erwähnt zu werden. J
Chinesische Dienstboten. Eine Dienstbo—
enfrage solcher Ari, wie sie heutzutage bei uns zu Hause
o velen Menschen das Leben verbittert, gibt es in Chingd
ioch nicht. Vor den Gängen zum Gesindebureamn. den Ver
‚andlungen beim Abschluß des Mietvertrages, den Klagen
ner Herrschaft über die Unsäh gkeit und die hohen An—
prüche der Dienstboten, vor deren Beschwerden über eine
chlechte Behandlung ist man in China ficher. Aber es—
»äre ein großer Irrtum, anzunehmen, daß hier alle Herr
charten mit ihren Dienssbolen wie im Himmel leben. In
»en ersten Tagen ist meist das Entzücken der neu heram
ommenden Hausfrauen groß über die sauber gekleideten
intelligent aussehenden Burschen, die jeden Austrag mit
ziner Vliene entgegennehmen, als ob ihnen damit ein
dersönlicher Gefallen geschehe. Aber nicht lange dauert es,
bis die Missts mit schmerzlicher Enttäuschung bemerkt.
daz hinter dieser äußeren Biederkeit allerhand unerfreuliche
Tücken verstectt sind. Ein richtiger Chinefe läßt sich auj
eine Weise dazu bewegen, die Aufträge in der Weife aus
uführen, wie es ihm von der Herrschaft befohlen wor—
»en ist. Weshalb die Messer und Gabeln nach einer be—
onderen Vorschrift rein' gen, wo die alte Methode nach
einer Anschauung noch ganz gut ist? Bei aller äußeren
zöflichkeit und Unterwürfig'eit ist der chinestische Bediente
törrisch und un'senssam. Wehe aber der Hausftau, die es
ich in den Kopf setzt, ihn zu ihren Anschauumcen zu be—
ehren, die ihn schärfer kontroliert, als es ihm paßt, und
ihn mit andauernden Vorwürfen von seinen Trics tunie
sen will. Eines schönen Tages geht der Boy oder der
och, oder auch alle beide ohne Kündigung fort, gerade
venn man Gäste erwaärtet; dieselbe peinliche Ueberraschung
wiederbholt sich noch ein- der awermnal. und dann flellt es
Leute, die sagen, sie haben die Taschen von, und wenn
man dann 'mal nachsieht, so ist nichts darin.“
„Ich habe genau gehört, was die beiden Gentlemen
mit einander sprachen, am Mittagstisch im „Planzers Ho—
tel“ und quch gestern Abend im Gastzimmer, wo ich au
ein paar Stühlen lag und mich stelite, als ob ich schliefe.
Sie sprachen französisch, und da sie offenbar nicht g aud
ten, daß ich der Sprache kundig sein kaͤnne, so kümmerten
je sich nicht um mich. Ich hatte aber die Ohren wohl ge—
spitzt, denn wahrhaftig, Joe, ich bin so abgebrannt an
Doslars, daß es zum Totschießen ist, und waär ertra von
der Grenze nach Shrewnyort ge'nmmen. um wo möglid
ein Funs Geschäft dus indig zu michen, was ich nun duch
gefunden zu haben glaube. Der Alte hat jedenfalls da⸗
meiste Geld, der Junge wohl nicht so biel.“
„Sie sind beide bewaffnet, Billy. Ich sah heute mor—
zen, wie der Dutchmann im Hofe des Hotels seinen Re—
dolver abschoß und von neuem lud. Da kam der alte
kreole heraus und zeigte dem anderen eine ähnliche Waffe,
ꝛin hüasches kleines Insttrument zum Totschießen.“
„Ich weiß es, Joe. Es sind ein paar armselige Ta—
chenknaller, die bor meinen Bowbymessern und Dreh—
distolen sich verstecken müssen. Uebrigens weißt Du ja,
vie die Sache gemacht werden soll. Nachts in meinem
einsamen Rancho, wenn die beiden in tiefem Schlaf sind“
„Ja, es ist sehr schlau. Aber verstehst Du denn wir—⸗
*8 gut franzbsische datßz Du Deiner Sache gana sicher
dist?“ —
„Das will ich meinen, Joe. Ich schwärmte als jun—
zer Mensch auf der See herum, lange Jahre zwischen den
vestindischen Inseln auf einem französischen Schinuggelchooner,
wo ich die Sprache der Gumbos, wie die Mis—
ey diese französischen Suppenschlucker nennen, gründ⸗
ernte.“
„Ich hätte es nicht fertig gebracht, Billy. Es ist ein
lendes Kauderwelsch, das mich seekrank macht. wenn ich
es hören muß.“
„Du bist ein smart sellow auf eine andere Manier,
Joe, wem auch die fremden Sprachen Deine schwache
Seite sind. Sieh, es war eine verwünscht pfiffige Idee,
»aß Du den halbzerbrochenen Rumpelkasten, welchen die
deute hier herum den Senftopf nennen, an die Stelle der
icen Kutsche brachtest. Die dicke Kutsche ist sehr stark
und solid gebaut und es könnte damit so leicht kein Un
Rbüd passteren. Doch der Senftopf kann keinen tüchtigen
Zuff vertragen, ohne auch den Fugen zu fallen und in
inem Dutzend Stücken liegen zu bleiben. Und daß wir
inen folchen Muff hekommen Foffüe smustt Ou mit DVeiner
ich plötzlich heraus, daß fur kein Geld oder gute Worte
nehr neues Personal am Orte zu haben ist. Denn in
iesem Lande der allmächtigen Guden uimd gebeimen Ve—
Muueen haben Wetidesudtn auch die Bedienten ihr
cubs, in denen über die Heirschasten genau Vuch e uͤcrl
vird, und nichts ist leichter, als über d'efen doder jenen
einen Bohkott zu verhärgen, der für die Wetroffenen du—
zetst fatal ist— — —“
Entsetzliche Qualeneiner Gattin und
Dutter. Mit dem Schraubendampfer „Kipon“ ist im
Southampton eine Frau, Mißtteß Mai mit Namen, aus
Dittel amerita angekommen, die ein selten trauriges Schich
al erlebt hat. Gattin eines Militärarztes in einer Mili—
ärstation im Innern des Landes, gelang es ihr, nur wie
zurch ein Wunder aus einem allgemeinen Blutbade Aud
tändiger, indem sie ihren Mann vor ihren Augen umkom
nen sah, mit ihren beiden noch unerwachsenen Kindern zu
ntweichen. Ihre beiden Knaben an der Hand, flüchtete
ie, sich in Wäldern und Feldern den Tag über verber
jend und nur in der Nacht weiter wandernd. Ungefähr
auf der Hälfte des Weges hatte sie das Unglück, bei eine⸗
Erwachen im Gebüsch das eine ihrer Kinder zu vern
sen, nachdem sie, halb wahnsinnig vor Angst und zum
Tode erschöpft von den Anstrengungen der Fußwanderung
drei Tage vergebens umhergesucht, bis sie endlich unvber⸗
richteter Sache, und mit fast gebrochenem Herzen die
Reise fortzusetzen sich genötigt sah. Elend, krauk und zum
Skelett abgemagert, erreichte sie nach der Durchwanderung
von 600 englischen Meilen endlich ihr Ziel. Die Schil de⸗
zung der Nok, des Unglücks und der erlittenen Herzens
juglen aus dem eigenen Munde dieser schwer heimgesuch
en Gattin und Mutter zu vernehmen, macht, wie man
chreibt, einen Eindruck von nicht zu fassender Entsetzlich
eit — —
— Einfluß der Farbe auf den Gemütiszustand des
Nenschen. Dr. Leon Landone hat durch Versuche an
rindern festgestellt, daß die verschiedenen Farben einen
erheblichen Elufluß auf den Gemütszustand und auf die
Heistestätigleit ausüͤben. Die Kinder wurden viele Stun
den lang in Zimmern beschäftigt, die mit verschiedene!
Farben belichtet wurden. In Zimmern mit rotem Licht
ind bei rotbehangenen Wänden brachten sie sast zweimäl
oviel fertig als sonst. Der Blutumsauf, die Herztätigkeit
ind der Appetit waren dabei in einem Maße gesteigert,
»aß in diesen Tagen niemals das gewöhnsliche Frühstüci
zenügte. Auf das Gemütsleben schien das gelbe Licht von
Sinfluß zu sein. Kinder, die sonst ihren Spielgefaͤhrten
gegenüber sehr unerträglich und zänkisch waren, benahmen
sich jetzt sehr liebenswürdig, die sonst in zwei Stunden
geleistete Arbeit steigerte sich bei gelbem Lichte um 50
Prozent. Waren die Wände mit schwarzem Karton bedeckt
und die Fenster mit schwarzem Batist behangen, so wur
desi die Kinder verdrießlich, mürrisch und schwermütig.
Nicht halb so viel Arbeit, wie sonst, wurde geleistet, und
hald klagten die Kinder über Magenbeschwerden. Blau
schien Ruhe und Stille zu befördern und die Neigung zu
saben, die Kinder ernsthaft zu machen. Die besten Er
olge aber zeigte die grüne Farbe. Mehr und bessere Ar
»eit wurde bei ihrer Einwirkung geleisiet und wenige.
xrmüdung empfunden. Der interessanteste Versuch abe—
var der letzte, der darin bestand, daß die Wände des
zimmers mit sieben verschiedenfarbigen Draperien behängl
vurden. Die Farben der Wandbehaͤnge und der Belich
ung wurden dann jede halbe Stunde geändert, und die
Folge war, daß die im Laufe einer Stunde geleistete Ar—⸗
ʒeit sich fast um 200 Prozent erhöhte, sie war aber auch
esser, und kein einziges Kind schien ermüdet, keines ha
iber Kopfschmerzen geklagt und am Schlusse der Uebun⸗
chienen die Kinder ebenso frisch, ebenso munter und eben
o aufgelegt, wie zu ihrem Anfange.
Vom „Fleisch des Waldes“. Der unmäßige Re—
en des Frühsahrs und Sommers schuf im Walde einer
olchen Ueberftuß an großen und kleinen Schnecken, daf
hnen die eßbaren Pilze fast alle zur Beute werden. Deĩ
eschätzte Steinpilz kommt gar nicht auf. Kaum lugt ern
jus dem Boden heraus, da fressen schon mehrere Schnecken
aran. Das gleiche gilt auch für den Eierschwamm, der
n trockeneren Jahren wegen seines festen kernigen Flei—
ches den Schnecken nicht so leicht zur Beute wird. Auch
ie Giftschwämme werden von den gefräßigen Weichtieren
erzehrt, und man hat nie so wenig von den giftigen
Pilzen zu sehen bekommen als heuer. Sie sind weiche—
As die eßbaren und daher ein gutes Schneclenfutter.
Die Lokomotive als Elektrisiermaschine. Ein
Nitarbeiter des „Elektrotechnischen Anzeigers“ teilt ein—
terkwürdige Beobachtung über eine Beeinflussung von Te
egraphenleitungen durch sahrende Eisenbahnzüge mit. Be
»er Verlegung einer neuen Leitung auf einer Strecke der
kisenbahn von Natal nach Transvaal machten die Arbei
er die unersreuliche Erfahrung, daß sie oft mehr oder we
iiger heftige Schläge erhielten, obgleich die von ihnen ge—
ogenen Drähte selbstverständlich keinen Strom durch di
Lestung erhielten. Zuweilen waren die Schläge so stark
daß die Leute fast zu Boden geworfen wurden. Zunächß
onnte man Fsch diese Erscheinung überhaupt nicht erklä⸗—
een. Erst nach langerer Zeit wurde man zufällig darauf
zusmerksam, daß die elektrischen Schläge dann am stärf
teawaren. wenn oi QAun aunf dom hn να
ergeschicksichteit sorgen, sobald wir morgen asßend 1
Retlen hinter Greenwood dicht bei meinem einfamen
Rancho angelangt sein werden. Die Straße ist da abschüf
sig und steinig und es befindet sich ein großer scharskan
tiger Steinblock auf der einen Seite, Du weißt es wohl
Wenn wir in voller Fahrt. bergab gegen den Felsen an—
rennen, so bleiben wir gruͤndlich liegen, wie es sein muß,
das ist ein Falt.“
„Was sich tun läßt, das soll geschehen. Doch weiter
will ich nichts mit der blutigen Geschichte zu schaffen ha—
ben. Ich kann kein Menschenblut sehen. Es ist gegen
meine Natur und macht mich krank.“
„Weiß es wohl, Joe, und übernehme deshalb der
Rest. Es wird uscht das erstemal sein, daß Menschenbluf
don meinem Messer herabläurt.“
— „Wundere mich darüber, Billy, daß es bisher Dir noch
immer so geglückt ist. Wahrlich, wenn die Leute wäßtlen.
pas Du eigentlich bist und weshalb Du in dem einsamen
Rancho so nahe an der Grenze wohnst, so würden sie sehn
hald eine hübsche Baumfrucht aus Dir machen.“
„Hoffe nicht, daß es so bald geschehen wird, Joe.
Und was dieses Geschäft anbetrifft, welches halbpart gehl—
'o segeln wir natürlich in einem Boote. Du flüchtest mii
nir und den Pferden, sobald alles getan ist, und ich siehe
—
58 —J Kein Mensch ioll eine Sour von uns
inden!“
„Ja, das ist mir recht, Billy. Dieses Lumpenleben
bei der Mail habe ich schon seit lange satt. Es komm'
nur darauf an, ob die Gentlemen Dir trauen. Auffallis
werden sie es gewiß finden, wenn gerade nahe bei Deinen
Rancho ein Unglüdk mit der Kutsche passiert“
„Warum das, Joe? Es ist ja gerade dert die ab—
schüssige gefährliche Stelle.“
„Ich meine nur so, Billy. Wenn die Gentlemen sich
weigern, in Deinem Rancho zu übernachten und zu war
ten, bis ich von Greenmood einen andern Wagen hole,
wenn sie es also vorziehen, mit nach Greenwood zurückzu—
kehren, so ist Dein ganzer Plan über den Haufen ge⸗
vorfen ...“ FV
„Nun, dann können wir ja unterwegs ...“ *
„Vein, nein, Billyl Ich habe Dir gesagt, daß ich
ein Menschenblut sehen kann. Und allein koͤnnst Du dog
nicht wagen, c .dbeiden Gentlemen aufzunehmen, wen;
ie wach und muner sind.“
„Warum mußt Du auch ein solches Hasenherz sein
Joel Uebrigens hast Du recht; soll ich es allein mit der
»eiden auf ofsener Landstraße aufnehmen, so bleibt das
Ailernebhmen unsicker. Gana anders ill es. wenn ich ü
uhr. Varaufhin wurde zunachst die Maßnahme getrofe
aß die Arbeiter solange eine Pause machten, bis der Zu
uder Sicht war. Man interessierte sich aber natürlic
»eiter für das Rätsel und suchte ihm auf den Grund z—
ommen. Es hat sich nun herausgestellt, daß ein fahrei
»er Zug, besonders dann eine Elektrisierung der umg
jenden Luft bewirkt, wenn ein starker Dampfstrom au—
em Lokomotivlessel entwescht. Dadurch wird wiederun
ie in den Leitungsdrähten herrschende elektrische Spann
ing gesteigert, und es ist fomit verständlich, daß ern
Nensch, der mit einem solchen Draht und gleichzeitig w
er Erde in Verbindung steht, einen Schlag empfänr
oie Versuche zur Feststellung dieser Zusammenhänge sin
nit derartiger Sorgfalt angestellt worden, daß an de
Richtigkeit ihrer Erklärung nicht zu zweifeln ist, und e
leibt nur noch zu fragen, wieso deese Erscheinung so se
en und nicht weit früher beobachtet worden ist. Wah
cheinlich spielt dabei die Beschaffenheit der Lust eine gu
skolle, die auf den Hochebenen von Transvaal besonder
jünn und trocken ist, sodaß dort schon ein starker Win
uweilen Erichtinungen von Reihungaselektrizität herve
* * v Inn
Der Wißbold ⸗
Der ehrliche Erwerb. Gendarm: „Die go
dene Uhr da haben Sie auch wohl, nicht auf ehrliche Wein
erworben?“ — „Doch, da hab' —— meine drei Mo⸗
nate für abgebrummt.“ 7—
9F * * w — 2 ———
Kannsein. A.: „Ich hasse diesen Kerl, meinen
Schneider! Ich könnte ihn umbringen!“ — B.: ‚Warum
vezahlst Du ihm nicht seine Rechnung; vielleicht stirbt ⸗
dann vor Ueberraschungl“ —
—Im Gegenteil. Barbler Faulwitz: Ihr Haa
erlnnert mich recht an meinen Morgenkaffee. — Kunde
„Ach, Sie meinen wohl, weil es ziemlich dunkel ist!“ —
Barbier Faulwitz: Nee — 's wird mit ijedem Taa
dünner.“
vV*i⸗
3
6
⸗ u 4
Eine Hand wäscht die andere. Verbre
Hher: „Wollen Sie meine Verteidigung übernehmen?“
stechtsanwalt: „Ja — aber was kriege ich?“ — Verbre—
her: „Wenn ich nichts kriege, kriegen Sie was — und
venn ich was kriege, kriegen Sie nichts.“
8 —
Glaubwürdig. Ar: „Glauben Sie wohl, do
s mich großze Mühe gekostet hat, meinen Schuster
ewegen, von mir fünf Mark anzunehmen?“ — B. „We
Ste sagen!“ — A.: ‚Er wollte nämlich durchaus zel
Vart haben.“
S
* *
Die weiße Rose.
Nachdruck vervole
Rose, weiße Rose, mir
VLiebste Blume unter allen;
Prahsend ist nicht deine Zier,
Anmut hauchst du, Wohlgefallen.
Schönre blüh'n wohl auf der Flur.
Schönre streut des Südens Zone,
Mir bist du in der Natur
Aller Blumenkinder Krone.
Wie aus deinem Kelche quillt
Süßer Duft, will mich s gemahnen
An ein längst entschwundnes Bild,
An dereinst durchschrittne Bahnen.
Wie ein Traum weht es mich an,
Und ich seh' sie vor mir wieder;
Ja, dem ernstgewordnen Mann
Lächelt die Erinnrung wieder.
Eine weiße Rose goooöö
Sie mir einst zum Angedenken;
Längst die Blaͤtter wecuten ab;
Dein, o Mädchen, muß ich denken
Jeder weißen Rose Bild x
Brungt mir deine Lichterscheinung,
Und im fremdesten Gefild
Feir' ich unsere Vereinung. ·
Sei du noch so ferne mir, —
Sei mein Sehnen auch vergebens,
Dein gedenk' ich für und für,
WVeike Rose meines Leßons
jm Schlase überrumple und in aller Stille kalt mache
Pah, weshalb sollten sie ein besonderes Mißtrauen fassen
venn ich mit Dir forlreite, um einen anderen Wagen zu
Jolen, zumal sie durchaus keine Veranlassung haben, mid
iür. das zu halten, was ich bin.“
„Es mag wohl sein, daß Du recht hast', versetzte der
dutscher kopfnickend nach einer bedachtsamen Pause. Wenr
vir Glück haben und das Wetter so schlecht bleibt, sr
önnen wir wohl hoffen, daß es gelingt. Die Gentiemer
verden gewiß keine besondere Lust haben, im strömender
degen und auf dem schauerlichsten morastigen Wege nad
vreenwood zurüdzumarschieren; der Alte isi auch vielleich
zar nicht dazu imstande. Die Pferde können sie natürlid
sicht besommen. Ich als Mailkutscher habe die Restimm
ung, wie es sein soll.“
Als er diese Meinung geäußert hatte, stekte er ein
risches Priemchen in den Mund und begann auf die
väuce loszupeitschen, weil die Straße jeßt eine Strede
veit für rascheres Fahren geeignet war. Die alte invalide
ßostkutsche lnarrte und krachte unter der vermehrten Zu—
nunung an ihre Leistungsfähigkeit so gewaltig, daß eine
veitere Konversation bei dem erbärmlichen Gerumpel um—
unlich wurde. Die Passagiere drinnen, welche des Regens
»alber die Wagenfenster dicht geschlossen hielten, hatten
iatürlich kein Sterbenswörtchen von dem mit leiser Stimme
zeführlen inhaftsschweren Gespräche vernehmen können,
siinnal sie selber durch lebhaftes Geplauder sich recht ar⸗
zenehm die Zeit vertrieben.
Die Gegend wurde immer öder und einsamer. Wald,
zrairie und Sumpf wechselten ab und darüber ding gerau
ind melancholisch der wolkenschwere Himmel, der aus sei⸗
ien geöffneten Schleusen fortwährend dichte Reqenschaue
niedersandte.
Gegen Abend rumpelte der „Senftopf“ mit seinen Fn
assen in das 20 englische Meilen von Shrewnpore ent
ernte Städtchen Grecnwood ein, wo die Passagiere im
Grenzhotel“ eine treffliche Mahlzeit und ein beuso treff.
iches Nachtauartier fanden
ια
Am anderen Vormittag um zehn Uhr wurde die Reist
fortgesetzt und in der Mittagsstunde die Grenze possent,
die nur durch einen schiefstehenden, halbverfamen Seq.
weiser angedeutet wurde, der zur Seite des Weges ann
ind auf seinem einen Arme die Inschrift Lonisiono“ aui
dem anderen Texras“ aeiate. J