Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 187. 23. Jahrgang.
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Postschließfach Ne. 14 n ⁊a * —— 6 Postschlietzfach Nr. 14.
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Erscheint F 9— 52 4 Anzeigen
uaglich mit Ausnahme der Sonn ⸗ und —L knosten 10 3 pro 6spaltig Petitzeil⸗
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— redlichen veute die Kontrolle, so hatten ste veide Hande damit trostete, datz „doie unbewußte WMathematik der Seele
rei und wurden infolgedessen auch nicht angehalten. Die die Musit sei...“
diebe gaben sich nicht einmal die Mühe, das Tauwerk Der Kaiser ist sehr musikalisch. In der Villa ‚Troldhau⸗
von allen Meiallen zu entfernen, sondern gaben es an die jen“, der Griegschen Villa bei Bergen, wo ich mit dem
Unterhändler ab, die in gleicher Weise bei fernerem Ver daiser zusammen bei Frau Grieg eingeladen war, sang
auf versuhren, so daß die Beweisstücke schließlich mit nack h dem Kaiser zum erstenmal nordische Lieder vor. Der
Reumünster gelangten. daiser schätzt Grieg uhee i Veg wu uh
*Durch das von dem österreichischen Handelsminister en Jahren — xr, war damals schon alt und kränklich —
rlassene Ausfuhrverbot für Schlachtvieh wird, wie en Kaiser an Bord der „Hohenzollern“ besuchte war der
Deutsche Fleischerzeitung schretbt. die Viehtnappheit und giser dem Kompouisten gegenüber von zartester Rüdsicht⸗
ie dadurch bedingten höheren Fleischpreise besonder ahme; ja der Kaiser legte sogar seinen eigenen Maniel
ür Süddeutschland noch weiter steigen Die großen suͤd In die Schultern Griegs, damit es diesen nicht friere.
eutschen Viehmärkte, wie befonders München umß Nuürn achdem ich in der Villa „Troldhaugen“ dem Kaiser vor⸗
erg, waren auf die Einfuhr österreichischen Rindviehes esungen hatte, hatte, ich einige Tage danach die Ehre,
janz besonders angewiesen. Für München z. B. belxug nit Frau Grieg zusammen an einem Frühstück teilzuneh⸗
er wochentliche Zutrieb österreichifchen Großviehs zirtz en, das der deutsche Konsul Mohr zu Bergen zu Ehren
Oo Stuuck. und dieses, österreichische Vieh stelile auch dic , a ers gab. Auch bei dieser Gelegenheit sang 9
ei weiten beste Qualitat an Fieifch dar. Auch auf den m Zaiser Griegsche Lieder vor. Als der Kaiset —mich
ichsischen Viehmärkten wurde stets österreichisches Vieh gee um Singen aufgefordert hatte, bat ich den Generalintenandelt.
 Die Preise für Rindvieh duͤrflen daher in den gnten Grafen von Hülsen, den Kaiser zu sragen, ob ich
ãchsten Wochen noch um ein ganz betrachtliches fieigen in kleines Lied zuerst deutsch und dann dänisch vortra⸗
zoffentlich werde Bayern, für das das öfterreichische Aus en dürfte Der Kaiser antwortete scherzend in demselben
uhrverbot unberechenbare Folgen haben könne, seinen gan onen,een dem seine So!daten zu gntworten pflegen: Zu
en Einfluß bei der Reichsregierung dahrin gellend ma eehll Isb sang also das Lied. Es war Griegs
hen, um die unbeschränkie Einfuhr aus allen Länderr Jeg elsler dig!“ Ich liebe dicht) aus der lleinen Samm⸗
uur Steuerung der Fleischnot zu erreichen. ung „Melodien des Herzens“. Der Kaiser fand ganz be—⸗
onders den dänischen Text bezaubernd. Später sang ich
J Perfsien. ne finnländische Volksweise und mehrere andere Grieg—
*Die Straßenkämpfe haben aufgehört, doch dauern che Lieder, Der Kaiser war an jenem Tage ganz descu
e Unruhen ain. In Alabelparl wird täglich weiterge ders lebhaft; er konverfierle mit uns vier Suunden und
hossen. Die Wunden des nationalen Fübhrers sollen se. ieß feine Dampfbartasse zwei Siunden über die fesige
ensaefährlich sein tzte Zeit warten. An Bord der „Hohenzollern“ war ich
Bulgarien. ider nicht. Wir bekamen zwar einige Tage darauf eine
*zDie Stimmung der öffentlichen Mein— inladung. Der Kaiser hatte aber nicht berechnet, daß
n g gegenüber der Türkei wird zusehendsschär— Troldhaugen“ immerhin ein ganz hürsches Stück Weges
er und allgemeiner. Der parteilose „Dnevnitk“ on Bergen entfernt liegt, und die Einladung erreichte
ieint im Hinblick auf das gemeldete diplomatische E'n— ns leider erst eine Viertelstunde vor der für die Tafel
hreiten zu Gunsten der Mazedonier, dieses könne nur in estimmten Zeit. Wir mußten uns also damit begnügen.
Form eines Ultimatums volle Wirkung erzielen. „Wet em Kaifer eine lange Dankesdeyesche zu senden“
cherna Poschta“ erklärt, der ewige Fr'ede bei fortwähren—
»en Zwistigkeiten sei schlimmer als ein Krieg. Das Blatt
zllaubt zu wissen, die Führer des jungtürkischen Komitees
jätten mit Wissen der Konstantinopeler Regierung Bul—
jarien durch den Generalkonsul Schopow in Salonik ein
ehnjähriges Bündnis vorgeschlagen unter Verbürgung
iller busgarischen Schul- und kirchlichen Privilegien in
azedonien. Nach der grundsätzlichen Zustimmung Bul
jJariens und mitten in den Verhandlungen habe man aber
io nene Denanafatierung der Moeedanier inszenior

TT

Von der südafrikanischen Union.
Zum November dieses Jahres wird das erste Parla
ment der neugegründeten südafrikanischen Union in Kap
adt zusammentreten. Das neue Staatengebilde vereinig.
ie vier Staaten Kapkolonie, Natal, Orangeflußkolonie um
Transvaal. Den Engländern ist somit wiederum die Ver
virklichung einer Absicht gelungen, die auf keinem gerin
zeren als Cecil Rhodes zurückzuführen ist. Der ehemalig
premierminister der Kaptkoinnie spiegelte den Buren vo
zaß in der südafrikanischen Union eine Staatenbildun
nestehek würde, die „weder englisch noch holländisch“ sei.
nüßte. Dabei verschwieg er sorgsam, daß sich der An
chluß an das britische Weltreich bei diesem doch nach eng
ischem Recht regierten Staate ganz von selbst versteht
Zo ist es denn gekommen, obwohl die Buren es tätlid
Burenkriegh und geistig nicht an Widerstand haben fehle
affen. Trotzdem frägt es sich aber, ob den Engländer
eht bei der Neugründung wirklich so wohl zumute gewe
en ist, denn die Kluft zwischen Engländern und Burein
zat sich, im Grunde genommen, eher erweitert, da di
guren kullturell fortschreiten und den alten Groll gegen die
Engländer weiter nähren, was in zahlreichen Vereinigun
gen zum Ausdruck kommt. Man wird nun gespannt sein
sönnen, wie die Wahlen zu dem neuen Parlament aus
fallen werden. Aus ihren Resultaten wird sich ein Schluß
urf den Sang der inneren Politik des Staatenbundes ma
hen lassen. Vor allem wird sich zeigen, ob der Premier⸗
ninister Louis Botha eine glückliche Hand hatte, als er
bier seiner Mitarbeiter dem Kaplande und je zwei den
anderen drei Kolonien entnahm. Es ist wohl nicht dar—⸗
an zu zweifeln, daß das holländische Burenelement, die
Afrikander, mit großer Mehrheit aus dem Wahllkampfe
jervorgehen werden. Ihre politische Vertretung stellt die
Südafrikanische Nationalpartei“ dar, die sich aus dem
Bond“ der Kapkolonie, dem „Het Voll“ in Transvaa'
uind der „Unie“ im Oranjestaat gebildet hat. Die Englän
der, die dem Imperialismus huldigen, nannten sich frü
her „Progressive“, jetzt haben sie die Bezeichnung „Unions
partei' angenommen. Ihr Führer ist der bekannte Dr.
Jameson, der durch seinen Raid von 1895 bis 1896 und
nicht minder durch das Telegramm Kaiser Wilhelms ar
Ihm Krüger bekannt geworden ist. Trotz des Zwiespal
les zwischen Burentum und Engländern ist im Grund
in den Programmen und Zielen der beiden großen Haupt
parteien tatsächlich wenig Unterschied zu bemerken. Unbe
dingte Einigleit herrscht in der Absicht, jede Einmischunç
des Mutterlandes in die inneren Angelegenheiten der
Union fernzuhalten. Für die Engländer war das Be—
enninis zu diesem Standpunkt das klügste, was sie unten
den obwalienden Verhälinissen tun konnten, denn anderen
alls würde man offene Zwistigkeiten nicht vermeiden kön
ien. In wirksichen Machtsragen der äußeren Politik würd
nman ja selbstverständlich auf das Mutterland zurückgrei
en, für das ja auch Kriegsschiffe gebaut werden Auch in
inderen Programmpunkten sind sich die beiden Parieien
einig. Vor allem hinsichtlich einer zielbewußien, gerechten
und festen Eingeborenenpolitik, die in Südafrika eine fehr
zroße Rolle spielt, ferner bezüglich der Förderung der
kinwanderung Weißer, der Unterstützung der Bergbauin
uftrie und des Ausbaues der Verkehrswege. Unzweifel—
jaft ist die nächste Zulunft der Vereinigten Staaten gan.
wesentlich von den staatsmännischen Faͤhigkeiten des ßre
mierministsers Louis Botha abhängig, der unter dem
neuen Regime in Transvaal so außerordentliches geleiste
jat. Botha ist eine seine Rivalen und Mitbürger star
iberragende Persönlichkeit, der nur mit Recht nachgesag
vird, daß er sich überaus rasch vom lnorrigen Buͤrenge
ieral zum Lobredner der britischen Herrschaft entwickel.
jat. Sollte es ihm — wenn es ihm wirklich ernst ist —
zelingen, die Afrikander mit den Engländern wirklich aus
zusöhnen oder zum mindesten sie einander näher zu brin
jen, so würde ihm ein ganz hervorragender Platz in der
nglischen und afrikanischen Geschichte ficher sein. Der Mi
aster ist lein echter Burentyp. Er hat nichts vom Schlag.
»er Cronje, Delarey und Krüger an sich, sondern steh!
»em modernen Leben näher, als die überwiegende Masf
einer Landsleute. Vielleicht ist er eben deshalb der Mann,
der versöhnend wirken kann, obwohl man sich bei der
Zähigkeit heider Rassen niesfach nichts rechteß nerri——

— — — — —
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Der „Köln. Ztg.“ wird aus Berlin gemeldet: Russi—
che und englische Blätter berichten über eine Ungegö—
ige Einmischung des deutschen Gesandten Gra—
en Quath in die letzten Ereignisse in Teheran. Am
bdorgen des Tages, an dem die Kämpse in Teheran ih—
ren Anfang nahmen, begab sich der deutsche Gesandte
sßraf Quath von seinem Sommersitz in der Nähe von Te—
jeran nach der Stadt, um sich davon zu überzeugen, daß
ür alle Deutschen Sicherheitsmaßnahmen getroffen seien,
esp. daß sich dieselben alle in Sicherheit befänden. Er
am dabei zufällig in den Garten, in welchem sich Sat—
ar Khan mit seinen Leuten aufhielt. Dabei wurde er
on Sattar Khan gebeten, der persischen Regierung eine
zotschaft zu übermitteln, nach welcher alles Blutvergießen
ermieden worden wäre. Lediglich der Umstand, daß das
zewehr eines der Leute Sattar Khans losging, hatte zur
folge, daß der Kampf seinen Anfang nahm. Also hatte
zraf Quath nur die Absicht, unnötiges Bluwergießen zu
ermeiden und trifft ietzt alle dieienigen, die sich ageger
„as Verhalten des Grafen Quath aussprechen, der Ver
acht, daß sie die Zwistigkeiten nicht verhindern wollten.
* Angesichts des Ueberschusses von 20 Millionen in der
deichskasse ist, wie man erfährt, das Reichsschatzamt z31
»em Entschluß gekommen, die Erfüllung der For—
derungen der Veteranen nicht länger hinauszuschie
»en. Der Reichstag soll sich nach seinem Wiederzusam
nentritt mit der Angelegenheit beschäftigen.
* Zur Frage der Schiffahrtsabgaben wird miitgeteilt,
daß erst, wenn der Reichstag den entsprechenden Gesetzent⸗
vurf angenommen hat, die deutsche Regierung mit Hol⸗
land und Oesterreich in Verhandlungen ireten
verde. In Berlin hält man an der Erwartung fest, daß
s schließlich doch gelingen wird, mit beiden tn au
einer Verständigung zu gelangen
* Einen interessanten Beitrag zur Lehrlingsfrage ent—
iimmt die neueste Nummer der „Sozialen Praxis“ der
Züddeutschen Schuhmacherzeitung. Ein Meister hatte ne
zen 5 Gesellen nicht weniger als 15 Lehrlinge, von de
ien einer weglief, weil er überhaupt nicht zur Handwerks—
arbeit herangezogen wurde. Das Gewerbegericht entschied,
zaß ein Lehrling unter allen Umständen Anspruch darauj
zabe, sein Handwerk genau kennen zu lernen und darin
n sorgfältiger Weise zu unterrichten wäre. Das aber sei
»ei 5 Gesellen und 15 Lehrlingen unmöglich. Nach 8 127
»er Gewerbeordnung muß die Ausbildung eines Lehr
ings derartig erfolgen, daß sie entweder vom Meister selbs'
eleitet, oder einem volljährigen Gesellen übertragen wird
WVWo die Ausbildung nicht in dieser Weise geregelt ist, da
darf der Lehrling das Lehrverhältnis unverzüglich lösen.
* Unter den großen Vorräten an Materialien, die auf
der Kaiserlichen Werft in Kiel gestohlen und kürz—
ich in Neumünster beschlagnahmt worden sind, befinden
ich Metalle im Einzelgewicht von 20—30 Pfund, aus de—
en Beschaffenheit sich mit Bestimmtheit folgern läßt, auf
velche Art und Weise sie aus der Kaiserlichen Werft von
en Dieben herausgeschafst worden sind. Ein Teil der
orgesundenen Materialien ist zweifelsohne, so berichten
iie „K. N. N.“, stückweise fortgetragen worden. Dazu be—
ienen sich die Diebe des von ihnen an beiden Enden der
Netalle besestigten Tauwerks. Dieses wurde um der
Kacken geschlagen, mit dem Rock verdeckt und unter die
em sodann auch die Bonute nerornoen Masfüerften die un

OC!|TL-— 2*
Arbeiterbewegung.
— Zum Werfjtarbeiterstreik. Durch den Ausstand der
Verftarbeiter in Hamburg wird die Fertigstellung der
»en Werften in Auftrag gegebenen Neubauten für die gro—
en Linienreedereien natürlich eine Verzögerung erleiden.
die Wersten sind nicht an bestimmte Lieferfristen gebun⸗
en, da die Reedereien augenblicklich noch keinen dringen—
en Schiffsbedarf haben, sondern nur die zurzeit noch nie—
rigen Baupreise für ihre Bestellungen ausnutzen woilten.
z8 ist deshalb auch nicht angebracht, aus der zufälligen
»äufung der Bauaufträge schon auf eine Hochkonjunkiur
m' Schifssbaugewerbe zu schließen. Dagegen ift nicht in
ebrede zu stellen, daß die nach einer außergewöhnlich lan⸗
en Periode der ungünstigen Geschäftslage im Werfstbe—
iebe jetzt einsekende Besserung schon in ihrem Anfange
ind auf unabsehbare Dauer gehemmt wird. Der Verlust,
»er den hemischen Werften durch die Betriebseinstellung
rwächst, wird noch vermehrt durch den Abgang der notß
vendigen Reparaturarbeiten; denn die Reedereien werden
ich genötigt sehen, die Arbeiten an ausländische Werften
vergeben. Dadurch erleidet also auch das Nationalpe⸗—
34 eine Einbude, die um so größer wird, je läng&
ine Einigung zwischen den Parteien auf sich warten läßt.
der Umfang des Schadens wird natürlich ziffernmaͤßig
iberhaupt nicht festzustellen sein. — Weiter wird gemel
et: Die Hafenarbeiter haben massenweise Flug—
lätter int ganzen Hafen verteilt, in denen die Arbeiter
ufgefordert werden, zur Frage der Erhebung von For—
erungen Stellung zu nehmen. Die Stillegung der hie—
igen Wersten ist nunmehr vollständig durchgesührt. So
nußte auch ein Dampfer der Deutsch-Ameritkanischen Pe—
roleu ugesellschaft Helios, der bei der Vulkanwerft in Re—
arateir lag, von ihr nach England zur Abänderung der
cneanlagen und behufs Reparamren übergeführt wer—
en. Die Hamburg-⸗-Amerika-Linie versucht jetzt Arbeits⸗
dillige anstelle der streilenden Schiffsreiniger und Schiffs
jaler zu gewinnen und wird diese auf einem eigenen
ogierschiff „Amcoria“ wohnen lassen. In Hamburg er—
ält sich andauernd das Gerücht, daß die Schiffsbesitzer
kerhandsungen mit den anderen Arkeitgaehoryerbänden pfle

Unterhaltung mit Kaiser Wilhelm.
Auf seiner letzten Nordlandreise lernte Wilhelm 2.
uch eine Dame der finnländischen Aristokratie, Fräulein
zaima Neovius, die Tochter des Staatsrats Neovius in
elsingfors kennen. Die Dame war mit dem Kaiser ir
er Villa „Troldhaugen“ bei der Witwe Edward Griegẽ
Asammen eingeladen und sang bei jener Gelegenheit dem
daiser auf dessen Wunsch Griegsche Lieder vor. Ueber ih
zeisammensein mit dem Kaiser erzählt Fräulein Neoviu⸗
ach dem „B. T.“ in der Kopenhagener Palitiken“ eol
endes:
„Das Zusammensein mit dem Kaiser wird mir un
ergeßlich bleiben. In seiner Unterhaltung ist der Kaiser
innehmend, lebhaft, betörend — er weiß über die ver—
hiedenartigsten Sachen genau Bescheid und geht mit der
zrößten Leichtigkeit von dem einen Thema zum anderen
iber. Der Kaiser erzählte u. a. von einer Reise, die er
inst durch Rußland unternommen hatte, und es war in
eressant, zu hören, welch ausgezeichneter Beobachter er ist
eine Kleinigkeit entgeht seiner Aufmerksamkeit. Er kon
ersierte über die finnländische Politik, über das
Frauenwahlrecht in Finnland, über die finnländische N
ur und über Musik... Der Kaiser fragte mich, ob ich
ie mathematische Begabung meines Vaiers, der ja ein
ervorragender Mathematiker ist, geerbt hätte. Ich gab
em Kaifer zur Antworl, daß dies leider nicht det Jal
ei, daß aber der alte Lehrer meines Vaters in Berlin
er sehr betrübt darüber war, daß ich mich nicht auch der
Nathematik widmen wollte, sich felbst und meinen R⸗

Der falsche Freund.
Driainal⸗Roman von Gustav Lange.
(15. Fortsetzung.)
„Ist es Ihr Ernst, Herr Buchheim, odgleich Sie meĩne
Befühie gegen Ihre Tochter kennen —“
w „Obgleich ich Sie kenne. Ich habe unser letzlkes Ge⸗
praͤch uber diesen Punkt wohl erwogen. Wie es mit
hen Gefühlen meiner Tochter steht, maße ich mir nicht
in, zu beurkeilen; aber indem ich Sie wieder in mein
Jaus einlade, krete ich auf die Seite Ihrer Neigung.
Benn Sie so glücklich sind, ihre Gunst zu gewinnen, so
3 * meine Zustimmung geben. Was ihr Vermögen
etrifft — *
⸗»Sprechen Sie nicht von Vermögen, Herr Buchheim.
die Person Ihrer Tochter ist der Gegenstand mneiner
jeißen Wünsche und ihre Hand eine kostbarere Gabe,
ils alle Schäͤtze der Welt.“
Der Fabrikbesitzer nahm diese Ankwork wohlgefällig
iuf; der Buchhaller hatke seine Worte sehr wohl bere
get, denn sein schlauer Sinn ahnte doch, daß im Herzen
es Fabrikbesitzers ein leichter ampf staitgefunden haile,
he er sich daju entschlossen. den Buchhaller alas Schwie
jersohn anzunehmen.
Ich habe eigentlich nur meine Tochter noch, die
neine Erbin ist, nachdem mein Sohn —“ er hiell inne
ind wandte sich ab; eine Träne glänzte in seinen Au—
jen. so ganz hatte er den Verlust noch nicht verschmerzt.
Meine Bestimmung ist geiroffen.“
Haben Sie nie wieder eiwas von Ihrem Sohne ge⸗
bort?* fragte Erich Hausünger. dem diejes piodliche
Adorechen mitten in der Aede vei ECrwahnung des Soyh⸗
nes gar nicht gefallen wollie und nur der Gedanke, das
er nun doch baid ganz gewonnenes Spiel hatle. beschwich
iigte seine Befurdiung
Nein. Ich kann mir aber den Vorwurf nicht er⸗
paren, doch zu hari gegen ihn verfahren zu sein, denr
ein ganz so schlechter Mensch war er nicht, hat er mir
doch funfzehn ausend Martk an demfelben Tag zuruͤckge⸗
and, er wollle meine Guͤle nicht mehr als notwendig
n. Anspruch nehmen, Viellelcht it er wileder ein orden
Ser Mensch ewarden

—Ach hade damals, wie Sie sich erinnern werden.,
sehr zu seinen Gunsten gesprochen, aber Sie waren nicht
zu bewegen ihm zu verzeihen.“
Der Zorn war zu mächtig erwacht in mir, als daß
ich ihm fuͤr den Augenblick haͤlkle verzeihen können; ersl
mit der Zeit sind mir andere Gedanken gekommen.“ —
Nach Ablauf einiger Wochen war Erich Häuslingers
BZlück entschieden; seine kühnsten Träume hatken sich er—
üllt. Er stand im Begriff, sich in einigen Tagen mil
Marie Buchheim, der einzigen Tochter des reichen Fabrik⸗
esitzers zu vermählen. Am gleichen Tage solltke er als
Teilhaber in die Firma einkreten und Mitbesitzer der
Naschinenfabritk werden, so hatte es sein bisheriger Che⸗
estimmi. Gänsliger konnte doch einem Sterblichen das
Zlück nicht lächeln und im Geiste hatte der Buchhalter
nehr wie einmal die Zigeuner gesegnet, durch deren
Aberfall ihm der Weg zu seinen jetzigen Erfolgen geeb
net worden war. An den ehemaligen Freund dachte er
dabei gar nicht mehr, an seine schöne Schwester ebenso⸗
venig. Wozu sich mit truͤben Erinnerungen die glän⸗
sende Gegenwart und Zukunft verdunkeln. Was hinter
ihm laq, das war dgewesen

—„Ich gebe zu, daß es in der Hauptsache mein Wunsch
ist, das Gut zu kaufen, lieber Schwiegerpapa, aber ich
Jenke, Marie wird es auch Freude machen und es ihrer
HZesundheit nur förderlich sein, wenn sie zeitweilig auj
em Lande wohnen kann. Und dann bedenken Sie, wie
vohl es Ihnen auch sein wird, wenn Sie die schöne
sahreszeit auf dem Lande verleben können, was doch
rüher immer Ihr Wunsch war. Ich leide dann nicht
mehr, daß sie Ihre kosibare Gesundheit noch länger
rufs Spiel setzen und sich mit Geschäftssorgen abquälen,
iese überlassen Sie mir, Sie haben genug gearbeite!
und verdienen die Ruhe.“ 4
O „So wird das nicht gehen; ganz ohne Tätigkeit die
zeit zu verbringen, ist mir nicht möglich,“ entgegnete
er Fabrikbesitzer ernst. „Dort an die Rähe des Gules
näpft sich für mich eine recht unangenehme Erinnerung,
ich müßte allemale, wenn ich dorkhin käme, an den
Überfall der Zigeuner denken.“
und ich an den gänstigen Zufall, der mich Ihre
zekanntschaft machen ließz, was ich doch nie zu bereuen
zatte. Außerdem muß ich immer an die Prophezeihung
er alken Fiegeunerin denken. Als ich daher jetzt durch
in Zeitunasinserat erfuhr. daß dies reizende Gut aber—
tials zu verkaufen sei, habe ich mich mit dem derzeb
igen Besitzer in Verbindung gesetzt und aus dessen
Angaben auch gefunden, wie es eine ganz guke Kapialsanlage
 ist. Wenn Sie es aber nicht wünschen, so
ehe ich selbstverständlich von dem Kaufe ab. Ihr Wille
st mir maßgebend und wird es auch allezeit bleiben.“
Der Fabrikbesitzer stand bereils sehr unter dem Ein-—
luß des Buchhallkers, nachdem es einmal fest entschieden
var, daß derselbe in einigen Tagen der Schwiegersohn
verden und die Leitung des Geschäftes in die Hand
iahm. So gab er denn auch seinen Widerstand gegen
jen Gulskauf auf, obwohl derselbe durchaus nicht nach
einem Willen war.
„Wenn Sie es gerne wänschen und auch Marie dernit
 einverstanden ist und es ihr Freude bereitet, so will
h durchaus nicht dagegen sein. Wie hoch beläuft sich
er Kaufpreis und welche Anzahlung ist zu leisten ?“
Oh. das ist schan alles in Ordnung:; ich werde aus

neinen eigenen Ainttein die Summe eriegen, vamit mie
eben,. daz ich doch nicht so ganz mik leeren Händen in
jhr Haus komme,“ entgegnete der Buchhalker und ein
eigentümliches Lächeln ielte um seine Lippen.
Der Fabrilbesitzer blickte öüberrascht zu ihm hin, alse
ius eigenen Mitkeln wollte er das Gut kaufen.
„Ich wußke nicht, daß Sie noch irçgend welches nenm⸗
enswerkes Vermögen besitzen, da ich annahm, es sei
Ihnen damals nach dem Ungalük Ihres Notors nichks
eblieben.“
„Ein armer Mann war ich damals auch, aber das
zlück war mir schon vor längerer Zeit günstig, ein
'otteriegewinn und meine Ersparnisse von meinem Ge—
alke, den ich niemals aufbrauchte, haben sich zu einem
leinen Bermoögen herangebildet.“ Dabei klopfte er an
eine Brust, wo er den Schatz verborgen hatie. „Ich
aröchte noch heuke hinausfahren. An Stelle einer länge⸗
en Hochzeitsreise werden wir für einige Wochen dann
ort unsern Aufenthalt nehmen, denn es wird Ihnen
iuch gewiß angenehmer sein, wenn wir in der Naͤhe
'nd und ich mich hin und wieder um das Geschäff
ümmern kann.“
Der Fabrikbesitzer war erfreut über diese Räcksichtahme
 seines känfligen Schwiegersohnes und gratulirke
ich im Stillen zu demselben.
„Ich brauche wohl nicht noch einmal zu versichern,
aß Sie mir auch ohne Vermögen willkommen waren;
ehalten Sie Ihre Ersparnisse zu Ihrer Verfügung und
sennen Sie mir die Summe, welche als Anzahlung natoendig
 ist.“
„Sie sind zu güͤlig, Schwiegerpapa,“ rief der Buch
alter und wollke die Hand des Fabrikbesitzers ergreifen,
im sie aus Dankbarkeit zu drücken, als einer der im
yraun tätigen Angestelten den Kopf durch die Türe
eckte.
„Zwei fremde Herren wünschen Herrn Häuslinger zu
prechen,“ sagte der Angestellke.
.Mögen zu einer gelegeneren Zeit wiederkommen,
—XVV
XX

13 sapitel.
Nur wenige Tage noch und die Hochzeit Erich Häus—
ngers mit Marie Buchheim sollke stattfinden. In aller
ztille und ohne besonderen Prunt, so war es der
Wunsch des Baters, der Tochter und auch des zukünf—
igen Schwiegersohnes, sollkte dieselbe gefeiert werden
aber es wurden doch schon allenthalben Vorbereitungen
getraffen zu diesem Feste. Die Handwerker waren be—
schäfligt, die Wohnung für das junge Paar in Stand
uu setzen, es war daher ein Kommen und Gehen in
»em Hause und überall hörte man die Stimme des
Buchhalters hindurch, der alles leitele und angab und
d schon als Herr und Besiker hier in dem Hause
ühlte.
Jekzt befand er sich mit dem Fabrikbesitzer in dessen
Frivatkontor, in lebhafter Unterhaltung mit demselben
zegriffen, wobei der alte Herr nicht ganz so recht mil
einen Ausführungen einverstanden uu sein schien.
            
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