86. 23. Jahrgang.
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— vᷣorwegen.
* Die vorläufigen Verhandlungen über Spitzbergen,
zie seit dem 19. Juli zwischen Delegierten der norwegi—
chen, schwedischen und russischen Regierung gepflogen wer—
z»en, sind abgeschlossen. Die Delegierten haben sich über
»en Entwurf einer Konvention geeinigt, die den beireffen
»en Regierungen zugestellt werden wird.
Südafrika.
* Der Kriegsminister im südasrikanischen Kabinett, Ge
ieral Smutts, befürwortete in einer in Prätoria gehal
senen Rede die Einführung der allgemeinen Wehrpfliche
nach Schwe zer Vorbild. Er erklaͤrte das Negerstimmrecht
fjür unmöglich, ebenso wie die afiatische Einwanderuna.
Wochen⸗Rundichau.
Die nachgerade langweilige „stille Zeit“ in der Polb
tik dient den übereifrigen Artikelschreibern dazu, die Prog
nose für die Zuknunst zu stellen. Der Fall Basserman
hat reichlichen Stoff geboten und die Erörterungen dar
iber, ob der Kanzler sich für die rechte oder linke Seit
mischeiden werde, ist für die Parteipresse ein willlomme
ner Gegenstand in dieser stoffarmen Zeit. Aber der philo
vphische Bethmann reagiert auf diese we sen Ratschläg
nicht und verlebt in Pohenfinow zurückgezogen feine Fe
tien. War das doch zu Bülows Zeiten anders! Jede
vißbegierige Zeitungsmann konite erfahren, was er gerne
zören wollte und mit all' dem, was in des Kanzleré
Absicht lag, seine Leser beglüclken. Heute weiß man nichts
nehr; man muß auf Ueberraschungen gefaßt sein. —
insfer Kronprinz will eine großfe Reise nach China, Ja
pan und Indien machen; er will den aufblühenden und
zukunftsreichen fernen Osten in Augenschein nehmen. Mar
ann den Drang unseres zukünftigen Kaisers, die Wel—
»epen imd die ter, die aller Voraussicht nach ir
nitt em btige Rolle spielen werden, aus
ige.. Anichovs —8 lornen, wohl verstehen, und
wird ihm an men. A8o erdenken können, wenn
r mit den Herrsch dIr rnden Staatsmännern je⸗
ier Reiche persönlich ung nehmen will. Daß der
Zronprinz nun gleich — wichtige politische Mission zu
rfüllen hat, wie einigter wissen wollten, wird mar
ni Ernst nicht glauben 3Nun, ja, er will die gu
en Beziehungen Deutschu. it den ostasiatischen Mäch
en durch seinen Besuch vn noch freundschaftlicher ge
talten, damit wird auch . vlen erschöpft sein. Er—
reulicherweise wird die Rei der Presse der zu be—
uchenden Staaten sympathisce egistriert und auch die
Londoner Blätier kommentieren die Nachricht befriedigt,
veil der Kronprinz sich auch Indien ansehen will. —
das von Preußen angestrebte und im Bundesrat schon
urchgeführte Schiffahrtsabgabengesetz stößt
iachdem die opponierenden Bundesstaaten ihren Wider
tand aufgegeben haben, auf neue Schwierigkeiten: Oester
eich und Holland, ohne deren Zustimmung sich nichts ma
hen läßt, bezeichnen die Vorlage und überhaupt die Er
ebung von Schiffahrtsabgaben als unannehmbar. Das
atalistische Schweigen auf deutscher Seite zu diesem in
der ganzen Sache entscheidenden Punkt berührt wirklich
nerkwürdig. Oder glaubt man in Berlin, daß man zu—
zuterletzt auch diesen Widerstand brechen wird? — Kaun
st die Massenaussperrung im Baugewerbe zurückgezogen
ieht sich das deutsche Wirtschaftsleben wiederum von ei
tiem Lohnkampf bedroht, dessen Dimensionen und Folger
ur Stunde noch nicht abzuschätzen sind. Der Ausstant
der Hamburger Werftarbeiter hat sich zu einer Lohnve
wegung ausgewachsen, von der die ganze deutsche Schiffs
bauindustrie betroffen wird. Es handelt sich also um ei
nen Ausstand von ganz ungewöhnlichen Dimensionen
dessen verhängnisvolle Nachwirkungen in unserem gesam
ten deutschen Wirtschaftsorganismus zu spüren sein werden
Auf dem Balkan ist wieder nicht alles in Ordnun—
ind zwar sollen die Beziehunzen zwischen Bulgarien unz
der Türkei sehr gespannte sein. Das klingt sehr komisch
iachdem erst vor kurzem der bulgarische König seinem Nach
barherrscher, dem kürlischen Sultan Mohamed, einen Be
such abgestattet hat, der allem Anschein nach an KHerzlich
eit nichts zu wünschen übr'g ließ. Deshalb die Ueber
raschung! Natürlich handelt es sich wieder um Mazedo
n'en, in dem die bulgarischen Banden trotz des Verbotes
wieder ihr Unwesen treiben und wo die Mohammedaner
iich nach Möglichkeit ihrer Haut wehren. Um bei der
ßforte Eindruck zu machen, rasselt man in Sofia mit dewn
Zäbel. Wahr'cheinlich wird aber auch in diesem Fall
ie Suppe nicht so heiß gegessen wie sie gekocht wird
der srischgebackene bulgarische Zar wird sich es wohl noch
»reimal überlegen, mit den überlegenen türkischen Streit
träften nähere Bekanntschaft zu machen und so seine eben
rst erhaltene Königskroöne auf dem Spiel zu setzen.
Montenegros Herrscher hat es fatt, länger noch ein
insacher Fürst zu sein: er läßt sich jetzt ebenfalls zum
dönig ausrusen. Natürlich haben d'e europäischen Groß
taaten nichts dagegen einzuwenden, wenn Fürst Nikite
auf seinen aften Tagen nach ein hischen seiner Gilelfet
Tohnen will. Zudem ist das kleine Landchen, ob es
uun ein Fürstentum oder ein Königreich ist, von unter
eordneter Bedeutung; es wird nach wie vor im Konzer
»er Mächte keine Rolle spielen. Nach Lage der Sache kam
nan also dem greisen Nikita den Königstitel sehr gern
zönnen.
In Persien haben sich Ereignisse zugetragen, die fü
»en Bestand der mühsam erkämpften Ver'assung fürchter
assen. Sattar Khan, der Hauptkämpfer für Persien?
Freiheit, ist mit seinen Leuten von den Regierungstruppe
iach heftiger Gegenwehr gefangen genommen worden. O
»as das Ende der Verfassung bedeutet, steht noch nich
est, aber es heißt, daß die Anhänger des alten Regi
nes wieder festen Fuß zu fassen beginnen. Sollte dem
o fein, so hätte die jetzige Regierung, die nur mit Hilfe
»es erbitterten Volkes den alten Tyrannenschah unschäd—
ich machen, den Keim zu einer neuen Revolution
jelegt und Persien stände am Vorabend neuer blutiger
dämpfe, die voraussichtlich den Bestand des persischen
—V—
iatürlich auf der Lauer und freut sich schon auf den fer—
ien Bissen. Vielleicht tuun ihm die Verser den Gefallen
ich⸗
Politische Rundichau.
Deutsches Reich.
* Das offizielle Programm für den Besuch des
deutschen Kaiserpaares in Brüssel ist nunmehr fest⸗
zestellt worden. Das Kaiserpaar trifft Montag, 17. Okto—
»er, im Brüsseler Nordbahnhofe ein, wo großer festlicher
ẽmpfang stattfindet. Sodann wird das Kaiserpaar, be
leitet von dem belgischen Königspaar, zwischen den Spa
ier bildenden Truppen der Garnison Brüssel nach dem
öniglichen Palais fahren. Abends findet Galadiner im
zchlosse statt. Am Dienstag, den 18. Oktober, erfolgt die
zesichtigung der Weltausstellung, an die sich ein Diner
1der deutschen Gesandtschaft anschließt. Mittwoch, 19.
Rlober, wird das Kaiserpaar nach Tervüren kommen
zierauf erfolgt eine mehrstündige Besichtigung der Stad
zrüssel. Abends ist Galatafel im Laekener Palast und
ach der Galatafel Vorstellung in der königlichen Oper
die Abreise des deutschen Kaiserpaares erfolgt am Don
erstag, 20. Oktober.
* Die wieder einmal aufgetauchte Nachricht, daß der
Ztaatsfekretär des Reichspostamts, Krätke, zurücktre
en werde, wird prompt dementiert.
* Die Wiener „Neue Freie Presse“ meldet aus Kon
tantinopel, daß der Generaloberst Frhr. von der Golt
n kurzer Zeit den altiven Dienst in der preußischen Ar
nee mit voller Pension verlassen und gänzlich in türki
che Dienste übertreten werde. Wie man zu dieser Mel—
»ung des Wiener Blattes erfährt, wird Generaloberst v.
. Goltz in der Tat, wie im vorigen Jahre, zur Teil
iahme an den großen türtischen Manövern im Septem
ber nach der Türkei reisen. Dagegen ist in der Umgeb
aing des Generals nichts davon bekannt, daß Freiherr v
3. Goltz, der augenblicklich in Ostpreußen weilt und ersi
im 30. August nach Berlin zurückkehrt, in nächster Zeit
»öllia in türkische Dienste übertreten wir
Sachen der Rheinzölle freie Hand lassen sollten, woduxch
vir nicht allein das uns zustehende Mitbestimmungsrechi
iber ein niederländisches Lebensinteresse preisgeben wür—
den, sondern uns obendrein gegenüber der ganzen ge
bildeten Welt zu Mitschuldigen an einem sehr reaktiona—
cen Schritt auf einem Gebiete machen würden, auf dem
wir sonst stolz sind, voranzuschreiten, läßt sich die Mit—
wirkung Hollands nur auf zwei Arten denken. Einmal
lönnen wir durch Vertrag — und das würde man in
Deutschland am liebsten sehen — dem Rheinverband bei—
treten, in dessen beiden Organen (Verwaltungsausschuß
ind Strombeirat) man uns dann vielleicht die preußische
Stimmenzahl zugestehen würde. So sehr wir aber auch
vo es möglich ist, warme Fürsprecher internationaͤlen Zu—
sammenschlusses sind, ein unabhängiger Staat vermag
scch nun einmal nicht einer Körperschaft anzuschließen, die
nit Stimmenmehrheit über eine seiner Lebensinteressen
Beschluß faßt. Niederland ist kein an Ueberstimmung ge—
vöhnter deutscher Bundesstaat! Ferner ist die Aluons—
phäre des Rheinverbandes sehr zu autonomer Erweiter—
ing geeignet und dies könnte uns dann immer nę
Sallgemeine politische Berührung mit deutschen Ange
xnheiten bringen, deren Unerwünschtheit sich in der Mitte
»es vorigen Jahrhunderts nur zu gut herausgestellt hat
dolland könnle aber, zweitens, auch mitwirken, indem es
ich dem Rheinverband nicht anschließt, aber dem jetzt im
Entwurf vorgesehenen Minimum der Abgaben zustimm
nd sich zu jeder Maßregel der Verbandsorgane seine Ge
iehmigung vorbehält. Auf diese Weise könnte selbstver—
tändlich jede solche Maßregel durch uns gehemmt werder
ind von der Selbständigkeit des Verbandes wenig übrig
leiben. Das würde notwendig ein fortdauernder Quel
son Unannehmlichkeiten zwischen dem Haag und Berlir
ein. Jederzeit, wenn wir eine Maßregel nicht guthießen,
vird dann eine Pression auf uns geübt werden, soll das
zustandelommen anderer erwünschter Dinge, die? nichis
nit den Rheinzöllen zu tun haben, von unserer Nachgie
igkeit abhängig gemacht werden, kurz, es wird in unser
zerhältnis zu Deutschland ein beständiger Siein des An—
oßes gebracht werden. Darum lieber eine einmalige Wei—
gzerung, wie wenig angenehm sie auch klinge, als dor
zauernde Schwierigkeiten. Darum ist unsere Mitwirkung
nn dem Rheinstrombauverband, ganz abgesehen von de
zrinzipienfrage der Schiffahrtsabgaben. jür Niederland in
edenn Farne unannelmhbar
M Warum der Kaiser nicht nach Ostasien fährt
Anläßlieh der bevorstehenden Insormationsreise unseres
Tronprinzen nach Ostasien wird eine Aeußerung unseres
daisers von Interesse sein, die sich auf eine ÄÖstasienreise
»es Kaisers bezieht. Vor wenigen Monaten erhielt der
daiser ein Sammelwerk der deutschen Kolon sten in Kiaut
chou übersandt, in welchem sich die Verfasser eingehent
nit der Entwicklung dieser jungen Kolonie beschäftigen
zu dem Widmungsschreiben, das zugleich mit dem Sam
nelwerk dem Monarchen von den Kolonisten übermittel.
hurde, geben sie dem Wunsche Ausdruck, der Kaiser mögt
ch selbst einmal persönlich von den Leistungen und Fort
chritten der Kolonisten überzeugen und die deutschen Be
vohner durch einen Besuch erfreuen. Der Monarch nahm
as Werk und die Widmung an und ließ den Verfassern,
eziehungsweise Spendern in einem längeren Schreiben
inen Dank aussprechen. In dem Briefe, der zum Teif
hr humorvoll gehalten ist, beschäftigt sich der Kaiser auch
nit der Einladung von Kiautschou. In sehr launiger
veise schreibt er, daß er den gleichen Wunsch habe, wie
ie deutschen Kolonisten und gern nach Kiautschou kom—
ten würde, da die interessanten bildlichen Darstellungen
on dem Leben und Treiben der Kolonie ihm sehr an—
iehend erschienen seien. Wenn auch eine solche Reise sehr
iel Schönes und Angenehmes erwarten lasse, so sei es
hm leider nicht möglich, diesen Wunsch der Kolonisten zu
rfüllen, da er ‚beruflich an der Ausführung einer sol—
hen Reise verhindert sei.“ Die Reise würde entschieden
ne viel zu lange Zeit in Anspruch nehmen und er könne
ich so lange von Deutschland nicht entfernen. Er beton
n dem Schreiben noch weiter, daß er das Leben und
Vohlergehen seiner Landsleute in fernen Ländern stets
nit größter Aufmerksamkeit verfolge. Ess ist nicht un—
oahrscheinlich, daß die Reise des Kronprinzen nach Ost—
sien vielleicht durch diesen Vorgang angeregt wurde. Es
st bekannt, daß der Kaifer schon mehrfach sein Bedauern
arüber ausgesprochen hat, die deutschen Kordnien nicht
ersönlich in Augenschein nehmen zu können und dadurch
»as Band zwischen Heirat und Tochterland noch enger zu
nüpfen. Die Reise des Kronprinzen wird neben dem Be—
treben, seinen Gesichtskreis durch Kenntnisnahme frenide
Ȋnder zu erweitern, sicherlich auch diesen Zwecken dienen.
Holland gegen den Rheinstrombau⸗
Verband.
Die preußische Regierung, der es gelungen ist, so nach
und nach den Widerstand der süddeutschen Staaten gegen
zie Schiffahrtsabgaben mürbe zu machen, geht nun an die
Aufgabe, auch das beteiligte Ausland, das sind Holland
ind Oesterreich-Ungarn, für die Teilnahme an den Strom
ollorganisationen zu ködern. In Holland, das in der
Freiheit der Rheinschiffahrt von vertragswidrigen Abga—
en mit Recht ein Lebensinteresse erblickt, findet sie einst—
veilen sehr, sehr wenig Gegenliebe. Das führende Blatt
der am Rheinverkehr am meisten interessierten holländi—
chen Hafenstadt, der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“
vendet sich in einem ruhig und sachlich, aber sehr ent
chieden gegen den Beitritt Hollands zu dem im Bunde⸗
raisentwurf vorgesehenen internationalen „Rhe'nstrombau—
verband“. Für diese Meinung führt das Blaͤtt recht trif
ige Gründe an:
„Da es für ausgeschlossen gelten kann“, heißt es in
ν Acrtitol. daß wir Deutschland ein für ssemoöot ir
— —
Von der Luftschiffahrt.
Die Flugwoche in Johannistal. Thelen er—
‚aang am Donneistag als Erster eine gute Anwarftschafi
nuf den Preis für den kürzesten Anflug. Er brauchie
iur 47,3 Meter. Brunhuber dagegen hatte Pech,
»a sein Apparat schon im Start kippte und leicht beschä—
igt wurde. Dorner s Bewerbung um den Bleichrö—
er⸗Preis war ein Erfolg. Er brauchte 16 Miniten 10
zelunden, drückte alio die gestrige Zeit Laitschs um zwei
zekunden. Bei den Zwischenlandungen stieg er ab und
urbelte seinen Motor allein ohne fremde Hilse an. Je an—
nien machte zwei Versuche, für den kürzesten Anlauf zu
onkurrieren. Wineziers bewarb sich dann um den
Dauer- und Passagierpreis, stieß aber, als er niederging,
nit seinem Apparat heftig auf den Boden auf, sodaß der
lpparat beschädigt wurde. Brunhuber bewarb sich um den
zreis für den kürzesten Anlauf, konnte aber die Leistung
helens nicht erresichen. Vor 7 Uhr stieg er nochmals auf,
in meinen Gleitflug vorzunehniern Wenige Minnuten später
andete er. Dorner startete mit seinem Eindecker bei 183
dilogramm Belastung um den Lastpreis des Kriegsmini—
teriunss. Er hielt sich 6 Min. 21 Sek. in der Luft. —
Mindestzeit 5 Min.) — Thelen mit 190 Kilogramm, aber
zrößerem Apparat, folgte ihm und blieb 5 Minuten oben.
ßorrissen stieg gegen 7 Uhr zu einem Ueberlandflug
uuf, von dem er kurz vor 8 Uhr zurückkehrte. Er flog zum
Britzer Kreiskankenhaus, wohin er seine Leute im Auto—
nobil vorausgeschickt hatte, landete dort, um sich nach
»em Befinden des abgestürzten Heim zu erkundigen, ist
ber nicht vorgelassen worden, da sich das Besinden Heims
vesentlich verschlimmert hat. Er ließ seine Karte zurüch
ind flog zurück. Kurz vor 8 Uhr stieg Thelen mit
210 Kilogramm Belastung auf. Beim Höhenflug hatte er
277 Weeter erreickh Das Befinden des auf der
England.
* Anläßlich des Wahlkampfes in den Vereinigien Staa—
en von Südasrika hat Dr. Jameson in einer Rede plötz
ich den Vorhang vor dem berüchtigten englischen Ein
all in Transvaal am 29. Dezember 1895 gelüfte
ind seinen erstaunten Zuhörern erzählt, was mit jene
Invasion eigentlich bezweckt werden sollte. Nach diesen
znthüllungen war es keineswegs beabsichtigt, der buri
chen Herrschaft im Transvaal ein Ende zu bereiten, nu—
oar es Cecil Rhodes', Idee, daß man in Johannesburg
on dem Krügerlsmius erlöst sein solle. Deshalb ent
andte er Jameson, um den alten Herrn zu stürzen unms
den damal'gen Präsidenten des Transvaaler Volksraads
rucas Meyer, zum Präsident der Republik zu proklamie
en. Jameson betonte, daß es nicht der Zweck der In
asion gewesen sei, Buren durch Engländer zu ersetzen
enn er habe eine Liste von neu zu ernennenden Beam
en in Transvaal bei sich gehabt, in der nicht ein einzi
rer englischer Mamoe voerzoichnet wor
Der falsche Freund.
Oriainal⸗-Roman von Gustav Lanae
114. Forisetzung.)
die wenige sind der englischen Sprache m Work und
schrift kundig und ich verdanke die Kenntnis derselben
neinem längeren Aufenthalt in England. Eine weitere
Frage drängt sich mir aber auf — warum wurde die
krfindung üͤberhaupt/ an eine englische Firma verkaufl
— haben wir dennnicht deutsche Maschinenfabriken ge—
nug, die sich derz Sache gewiß angenomuen haben
vũrden, denn daß dieselbe von Weri ist, beweist eben
der Ankauf durch die Engläuder. dieselben würden im
indeten Falle ihre Finger wohl davon gelassen haben.
Ich din uͤberzeugt. mein Vater wurde gewiß gerne J
hand dazu geboten haben. um dem Obermeister die
Fruchte seiner vielen Mahe zu sichern und die Fabrit
neines Vaters ist leistungsfähig genug; auch der Busr-Jalkter
muß dasselbbe wissen. 34 finde hiefür nur eine
Erllärung —die Maschine sollle hier in Deutschland
üͤberhaupi nicht gebauf, nicht als die Erfindung eines
deutschen belanm werden, sondera als eine englische
Erfindung, davon zeugt auch die seltsame Fassung des
xchriftstͤͤtes. Von ꝛinem Preis, der far di⸗ Abtrekung
der Rechte gezahlt worden ist, ist aͤberhaupt iht du
Kede, daruder muß eine besondere Abmachung siatkgesunden
habem Vlles in allem, die game dandlung
ommt mir verdächtig vor und nicht um meinetwillen,
Frau Kreischmann dessen wolen fie verichert sein, son⸗
dern um eines vom Schica hart geprusten Nannes
8 lassen Sie mich doch einige Rachforschungen an—
selen. wie sich die Maschine dewaͤhrt und vielleicht
—ü
ehmen, daß die mir betonnte, hoch angeschene Firnie,
wenn es wirklich um eine Tauschung sich handoelt Rennt⸗
nis ogon hat.
er ganz aus der Seele gesprochen, Herr Buchheim.“
igt Eliriede und klatschte rre förmlich in die
nde. Herr Bauslinger kann es durchaus nicht übel
12
„Das wird der erste Schlag sein,“ dachke der junge
Mann, als er die Urkunde wieder in die Umhäüllung
legte und das Päckchen Elfriede hinreichte, damit die e
es wieder an Ort und Stelle legte; was er zu wissen
wünschte, hakke er sich wohlweislich nokirt.
So ballten sich die Wolken drohend über dem Haupke
des Mannes zusammen, der hiervon keine Ahnung hakte.
ondern sich in vollkommener Sicherheit wiegte und den
der Schlag unvorbereitet um so härter treffen mußtle.
12. Kapitel.
Seit dem Tage, wo er seinem Sohne das Haus ver
»oten, ihn hinaus in die kalte fremde Welt geslsoßen
satte, um eines einzigen Fehlftritkes Willen, war der
Fabrikbesitzer wie umge wandelt in seinem ganzen Wesen.
Er hatte an nichts mehr Freude oder Inferesse; selbslt
in seinem Werke, an der Fabrik nicht, und während er
rüher jederzeik als einer der ersten von früh bis Abends
nuf dem Posten gewesen war, kümmerte er sich jetzt nur
noch insoweit um den Betrieb, als es unbedingi nok
vendig war. Er überließ die Leitung vollständig seiner.
Zeamlien, besonders Erich Häuslinger, in den er noch
mmer unbedingkes Verkrauen sekte, war die Seele des
Banzen; es war nur noch eine Frage der Zeit, bis der
alte Prokurist von seinem Posten zurücktrat und Erich
Zäuslinger an seine Skelle krat und somit der oberste
deiter des Geschästs wurde. Das Verhältnis zwischer
Zuchheim und Erich Häuslinger hatte auch insofern in—
nigere Formen angenommen, als der Fabrikbesitzer den
ungen Mann öfters des Abends zu sich in seine Wohn—
ing einlud, um mit ihm eine Partie Schach zu spielen
»der damit er seine Tochter am Clavier begleiie und
iese Besuche, die einen familiären Charakter annahmen,
vurden immer häufiger und schließlich zur Regelmaäßigeit,
sodaß dem alten Herrn etwäs fehlle, wenn der
—XRV
Nunmehr hielt Erich Häuslinger die Zeit fär ge⸗
kommen, wo er die letzie Karte mit Aussicht auf Erfolg
ausspielen konnte. Er hielt sich zunächst einige Tage
vollständig fern von der Privatwohnung des Fabrikan-—
en, der das gewohnte Schachspiel mit seinem Buͤchhalker
und die Musit seiner Tochter soforl sehr vermißie und
ich nicht wenig über das Ausbleiben des ersteren wun⸗
Jerte.
„Sie lassen sich doch gar nicht mehr bei uns sehen,“
agle der Fabrikbesitzer nachdem er eines Abends milt
einem Buchhalter das Geschäfkliche erledigt halle. Eine
zolle Woche bin ich nicht zu einer Schachparlie gekommen
ind doch dient dies zu meiner Zerstreuung. Auch Maria
entbehrt des gewohnken Spieles ungern und ich glaube,
auch sie ist verssimmk über Ihr Ausbleiben.“
„Ich bitte, mir fernere Besuche zu erlassen,“ ver⸗
etzle der Buchhalter scheinbar achtungsvoll und mit
einem gewissen Beben in der Stimme, denn es mußte
etzt zu einer Erklärung kommen.
„Erlassen?“ wiederholte der Fabrikbesitzer. „Ich
erstehe Sie nicht recht. Ist vielleicht unsere Gesellschaft
ür Sie zu langweilig und uninteressant oder sind Sie
eiwa von Abhälkungen in Anspruch genommen. die Sie
nicht zugestehen moöͤgen. ?“
„Weder das eine noch das andere,“ entgegnete der
Buchhalker in aufgeregktem Tone. Ihre Gesellschaft ist
stels angenehm und belehrend für mich gewesen; ich
bilke jedoch, nicht weiter in mich zu dringen.“
„So kommen Sie nicht los; ich habe Sie steks für
einen offenen ehrlichen Charakter gehalken und so werden
zie mir jetzt gestehen, warum Sie meinem Hause fern—
ubleiben wünschen.“
„Meine Besuche in Ihrem Hause sind für mich ver—
hängnisvoll,“ gestand Erich Häuslinger nach einigem
zögern endlich und schlug den Blick zu Boden.
„„Sie werden immer rätselhafter!“ rief der Fabrikhesitzer.
„Nun verlange ich erst reht volle Aufklärung.“
„Sie selbst zwingen mich zu einem Geständnis, welches
ch am liensten im Fiefinnersten meitez Herzens ver—⸗
horgen halke,“ sagte endlich der Buchhalter. „Ich liebe
Ihre Tochter, Herr Buchheim. Zwar weiß ich recht
jut, wie abgeschmackt meine Anmaßung und wie hoff—
umgslos diese Leidenschaft ist, aber ich kann mir nicht
helfen — sie ist mächtiger, als mein Verstand. Um
neine Ruhe wieder zu gewinnen, ist es nokwendig, daß
ch Fräulein Marie so wenig als möglich sehe. Sie
ennen nun mein Geheimnis, Herr Buchheim, welches
ch ohne Ihre Aufforderung nicht preisgegeben haben
rürde- hahen Sie mitlais mit meiner Torheit und
wenn Sie können, so vergeben Sie sie mir.“
„Und was sagt meine Tochter zu Ihrer Liebe 7e
ragie nach einer Pause der Fabrikbesiter, der nicht
wenig überrascht war von diesem Geständnis.
Zie weiß nichts davon, Herr Buchheim. Ich habe
veder direkt, noch indirekt, weder durch ein Wort, noch
zurch eine Miene Fräulein Marie meins Gefuͤhle kund-Jegeben.
Vielleicht hälte ich die Gefahr früher sehen
ind ihr ausweichen sollen. Doch ist dies der einzige
Fehler, den ich mir zum Vorwurf machen muß. Der
qtensch ist nicht immer so stark, als er sich einbildel.“
Ich achte den Grund, der sie veranlaßle, in letzker
leit meinem Hause fernzubleiben,“ erwiderie der Fabriklesitzer
mit ungewöhnlichem Ernst. „Ich will auch heute
veine Einladung nicht widerholen, sondern erst in eini-⸗
jen Tagen, ich will erst mit meiner Tochter Rüͤcksprache
nehmen.“
Der Fabrikbesitzer verließß das Konkor mit der Miens
ines Mannes, der vor eine recht schwere Entscheidung
estellt ist. Ein Lächeln der Zuversicht glitt über das
Zesicht des Ränkeschmiedes, als sich die Türe hinlker
einem Prinzipal geschlossen halke. J
„Die Liebe zu seinem Kinde wird den Sieg davonragen,“
murmelte er vor sich hin. Und Marie, oh, ich
jabe schon lange gemerkt, daß ich ihr nicht gleichgiltig
in — sie wird mein mit all‘ dem Reichtum, der Frucht
eines lebenslänglichen Gewerbefleißes. Die Partie isl
esser als Helene, deren Vater ich noch dazu so hasse.
die Würfel liegen, ich brauche jetzt nur das Resultal
ibzuwarten. — — —
2o0 Eines Tages nach Geschäftsschluß hielt der Fabrikzesitzer
den Buchhaller noch einige Augenblicke zurück.
Haben Sie heute Abend eine besondere Abhaltung?“
ragte Buchheim.
Nein, ich habe grundsätzlich keine Verpflichkungen
ind verlebe die Abende meist zu Hause,“ lautete die
Antwort.
Wollen Sie uns nicht wieder besuchen, wie in früh—⸗
erer Zeit, die Abende sind doch zu einsam,“ enlgegnete
der Fabrikbesitzer.
Das Herz des Ränkeschmiedes klopfte ungestüm und
»in babes Raot überflag sein Gesicht