Lokales und Vermischtes.
Krieger: Verein Dudweiler. Die Abfahrtszeit nach
Zaarbrücken erfolgt morgen früh mit dem Vorzug 6 Uht
59 Minuten. Antreten 6 Uhr 15 Minuten. Giehe auch
Anzeige.) — Der Waffenbrüderverein tritt zur Abfahrt mi'
dem Zuge 7.25 Min. um 7 Uhr an.
Die Straßenbahn fährt seit gestern wieder im alten
Beleise. Die Abfahrtszeiten sind dieselben wie vorher,
auch erfolgen die Kreuzungen wieder an den früheren Stel—
len. Das Vorgehen der Straßenbahn, Fahrzeiten anders
legen, Züge ausfallen lassen usw., ohne dies zur Kenutnis
zu bringen, hat im Publikum aroße Entrüstung- hervor—
gerufen!
Bei Bränden wird das „Stürmen“ mit Kirchenglocken,
owie auch die Signale der Feuerwehr durch Hörner
ünftig fortfallen. Auf dem hiesigen Gaswerk ist eine
Dampfsirene eingebaut worden, die künftig beim Ausbrechen
»eines Brandes in Tätigkeit gesetzt wird, ähnlich, wie dies
n Saarbrücken, Sulzbach usw. der Fall ist.
Aquarien-Ausstellung. Unsere verehrte Einwohner—
ichaft machen wir darauf aufmerksam, daß die Ausstellung
ihrem Ende zugeht. Schluß derselben ist am Montag
abend. Wer es bis jetzt versäumt hat, der Ausstellung
einen Besuch zu machen, wolle dies bis dahin nachholen
— denn diejenigen, welche den Besuch unterlassen. haben
virklich etwas versäumt.
Der Rheinische Gemeindetag ist gestern unter dem
Vorsitz des Bürgermeisters Dengler aus Godesberg in Köln
zusammengetreten. Er bedauerte es tief, daß die preußische
Landgemeindeordnung nicht mehr in der letzten Tagung
des Landtages erledigt worden ist, erklärte aber den Ent—
wurf für völlig unzureichend. Ferner wurde beschlossen, den
Kampf gegen die Schund und Schmuzliteratur fortzusetzen,
die Kirmes- und sonstigen Lustbarkeiten streng zu über—
vachen, Jugend und Volksbibliotheken zu fördern.
Goldene Worte des Kardinals Kopp. Einige
markante und sehr bemerkenswerte Sätze hat bei der Ju—
belfeier der Breslauer katholischen Arbeitervereine dieser
Tage Kardinal v. Kopp gesprochen. Er sagte: Wir fragen
nicht, welcher Religion unser Landesherr ist; wir wissen,
daß er von Gott berufen ist, unsere bürgerlichen Verhält—
nisse zu leiten und erkennen ihn als solchen vorbehaltslos
an. Wir fragen nicht, ob die Träger der Obrigkeii, dieser
Gewalt, der wir unterstehen, katholisch oder nicht katholisch
sind; es ist uns genug, daß die Obrigkeit von Gott gesetzt
ist, um in Gehorsam und Vertrauen uxs ihr unterzuordnen.
Wir fragen nicht, ob der Herr, der Arbeitgeben, der Vor—
gesetzte, katholisch oder nichtkatholisch ist; die Arbeit, die
wir ihm schulden, erfüllen wir als Gewissenspflicht. Wir
fragen nicht, welcher Religion unser Mitmensch ist, wenn
wir ihn in Not und unserer Hilfe bedürflig sehen; wir er—
»licken in ihm unseren Mitbruder, den wir nach der Lehre
»es Apostels in Wahrheit und Tat lieben sollen.
Der Geh. Oberregierungsrat Bormann und seine
ßemahlin geb. Noell zu Charlottenburg feiern am 9. Aug.
»as Fest der goldenen Hochzeit.
sssaison⸗Theater. Rächsten Sonntag wird durch die
Theatergesellschaft Bräuning im Nassauer Hof nachmittags
ie letzte Kindervorstellung gegeben. Abends geht das
Volksstück „Tochter der Freiheit“ über die Bretter. Auch
dieses Stück ist ein ganz hervorragendes Repertoirstück
aller Bühnen. Ein Besuch ist deshalb aufs wärmste zu
empfehlen.
St. Ingbert, 5. Aug. Auf hiesiger Grube verunglück—
ten gestern uacht die in einem Schachte beschäftiglen Berg—
leute Kappel von St. Ingbert und Deckarm von Rohrbach.
Beide stürzten von einem Gerüste im Schachte 8 Meter tief
herab. Kappel erlitt einen Armbruch und innerliche Brand—
berletzunagen: Deckarm kam mit einigen Wunden am Kopfe
davon.
Blieskastel, a. Aug. Das Dienstmädchen des Eisen—
händlers O. Knapp wollte in einen Spirituskocher Spiritus
nachgießen. Dabei explodierte die Flasche und das Mäd—
chen erlitt schwere Brandwunden an den Armen und im
Gesicht. Sein Dienstherr löschte die Flammen, die bereits
auf die Vorhänge übergegriffen hatten.
Aus Elsaß-Lothringen. In Bolchen leuchtete die Frau
des Bäckers Copette mit einen Benzinlampe in den Back—
ofen. Die Lampe explodierte und Frau Copette warf sie
in ihrer Aufregung zur Erde. Unglücklicherweise wurde die
daneben stehende Frau des Pächters Leblane von den Flam—
nen ergriffen urd so verbrannt, daß sie bald darauf starb.
Trier, 4. Aug. Die Leiche des ertrunkenen Musketiers
Mörsch ist heute Vormittag von dem Schwimmsschulbesitzer
Schadow, der die Mosel mit einem fünfzackigen Wolf ab—
suchte, etwa 100 Meter unterhalb der Unfallstelle in einem
Baggerloch gefunden worden. Die Leiche war in dem
Baggerloch mit der Leine an versandetem Gestrüpp hängen
zeblieben, sodaß sie von selbst wahrscheinsich nicht mehr au
die SsHorfsaächo oaeslandt 6r50
Unter Feinden.
Noman von Karl Matthias.
(26. Fortsetzung.)
„Sto konnen nicht vergeben und vergessen“, sagkte ein
Herr zu seiner Begleiterin, die gleich ihm an der Rampe
eines Lustdampfers stand, der bei Beginn der Flotten-Re—
vue dem Ufer zugefahren war und abseits in der Nähe der
„Hoche“ hielt. „Diese Zurückhaltung ist das Eingeständnis,
oaß sie die Boulangisten und die anderen Reyancheschreier in
Paris fürchten.“
„Ich bitte Dich, sprich nicht so laut, der Papa könnte
Dich hören“, warute die Dame, eine noch immer schöne
Brünette, an seiner Seite.
„Pah, der hört nichts“, lächelte ihr Gatte, ein starker
hochgebauter Mann, im Aufange der Fünfziger, behaglich
einen blonden Vollbart streichend. „Seitdem er mit dem
Franzosen drüben spricht, hört und sieht er nichts mehr
yon der ganzen Flottenparade.“
Aber der Blonde irrte sich. Der Bezeichnete, ein Greis
mit silberweißen Haaren und Bart, aber von ungebengter
Haltung und eleganter Erscheinuing wandte sich plötzlich
dem Ehepaare zu, daß soeben seine Reden im zärtlichsten
Tone ausgetauscht hatte, ergriff seines Nachbars Arm und
vellte ihn seinen Kindern vor.
„Mein Schwiegersohn Waldemar Tyrolt und meine
Wochter Desiree, seine Frau. Dies hier Herr Graf djAlin⸗
court, General der Republik.“
Der Letztere verbeugte sich, ohne die Dame aus den
Augen zu lassen. Bei, Nenneng des Namens erhellte der
Ausdruck der Freude sein männlich schönes. nefgebräuntes
Antlitz.
„Ihr Vornahme, Madame, verbunden mit dem Namen
Ihres Herrn Vaters, erweckt in mir die Erinnerung an ein
hochbedeutendes Erlebnis“, sagte er mit volltönender Stimme.
„Vor fünfundzwanzig Jahren hatte ich das Glück, mil
einer jungen Dame gleichen Namens auf der „Esperance“
nach Bordeaur au sahren und sie von dort nach Orleans zu
vegleiten.“
„Das war ich, Herr General“, entgegnete die überraschte
Frau, die schon bei Nennung seines Namens gestutzt hatte.
„Ich habe Sie nicht vergessen, Sie retteten mich vor Kerker
und Untergang.“
„Wir haben viel von ihnen gesprochen, mein Herr!“ rief
Tyrolt voll Freude über dieses Zusammentreffen nach so
langen Jahren; „es war stets mein Wunsch, Sie kennen
zu lernen und Ihnen zu danken“ —400
St. Wendel, b. Aug. Auf der Landstraße wurde
abends ein Förster aus der Gegend von Birkenfeld von
Wegelagerern überfallen. Der Förster, der auf seinem
Fahrrad saß, wurde durch Steinwürfe zu Fall gebracht.
derner wurden Revolverschüsse auf ihn abgegeben, von
denen einer traf und ihn am Kopfe schwer verletzt. Er
konnte sich noch nach einem Arzete schleppen. Die Täter
entkamen.
Kirn, 4. Aug. In Breitenheim stürzte ein Torpfeiler um
uind erschlug einen 6 Jahre alten Jungen. — Kleine Kinder
pielten im nahen Oberhausen mit einer geladenen Pistole.
Diese entlud sich und verletzte ein Kind tödlich.
Karlingen, 4. Aug. Der Ackerer Johann Festor von
hier war im Walde in der Nähe des Bahnhofes Hargarten
damit beschäftigt, Baumstämme aufzuladen. Auf einmal
vurden die Pferde scheu. Festor wollte sie beruhigen, er—
hielt aber dabei von einem Pferde einen heftigen Schlag
iuf den Unterleib. Sofort wurde der Verletzte ins Lazarett
nach Saarlouis transportiert. Gegen 9 Uhr abends ist er
einen Verlekungen oplse
* Deidesheim, 5. Nug. (Der Kampf mit dem
Sauerwurm.) Die ürgeheuren Zerstörungen, die der
Heu⸗ und Sauerwurm in den Weinbaugebieten in den letz—
ien Jahren anrichtete, veranlaßten einen großen Wettbe
verb auf dem Gebiete der Schädlingsbekämpfung. Neuer—
dings hat der Guisbesiter Stadler eine Methode ausge
arbeitet, mit der man das Uebel an der Wurzel saßt.
Stadler fängt die Motten des Heu- und Sauerwurmes in
donservengläser, die, mit Bier oder Aepfelwein halb ge—
üllt, in die Wernberge gehängt werden. Die erften Ver—
suche zeigten bereins das überraschende Resultat, daß oft
in einer Nacht sich hunderte von Motten in einem Glas
ingen. Wenn man bedenkt, daß wohl die Hälfte der
Motten Weibchen sind, von denen jedes etwa dreißig be
zruchtete Eier absetzt, so läßt sich leicht ausrechnen, wie—
biel zutünftige Würmer hier fast mühelos vernichtet wer—
»en. Von dieser Erkenntnis ausdehend, haben nun sfast
mtliche Großgrundbesitzer die Mottenbekämpfung nachk
zieser Methode aufgenommen. Bei den Versuchen wurd
ruch die Beobachtung gemacht, daß inmitten der Ver
uchsfelder nach ein paar Tagen fast keine Motten mehr
zefangen wurden, während an der Grenze des Versuchs—
zeldes nach wie vor Motten, die durch die Säure ange—
lockt aus den Nachbarweinbergen kamen. ihren Tod de—
sunden haben.
* Mainz, 5. Aug. (Rache ist sfüß!) Das Dienst⸗
nädchen eines Gefluͤgelhändlers geriet mit ihrer Herr—
schaft in Streitigkeiten, worauf das Mädchen die Stell—⸗
ung verließ. Als sich abends nach ihrem Fortgang die
Hherrschaft zu Bett begeben hatte, verspürte sie ploͤtzlich
ein entsetzliches Jucken und Stechen am ganzen Körper.
Entsetzt sprang der Geslügelhändler mit seiner Familie
aus den Betten. Sie forschten sofort nach der Ursache
und fanden zu ihrem Erstaunen eine große Dosis Juckpul—
ver in den Beiten vor. Die Herrschaft zeigte das Dienst—
mädchen auf der Polizei an, die efrig nach irgend einem
Paragraph sucht, der gegen das boshasfte Dienstmädchen
zur Anwendung gebracht werden könnte.
* Mainz, 5. Aug. (Wom Ueberlandflug.) Bis
jetzt liegen feste Anme dungen vor von folgenden Piloten:
von Kitemer, Oberleutnant im Garde Kürassier-Regiment,
Jeannin und von PMumm. Fest in Aussicht gestellt ha—
ben ihre Meldungen: von Gorissen und Lindpaitner. Die
Strecke nach Mainz ist den Fliegern wegen techmischer
Schwierigkeiten freigestelit worden.
* Friedberg, 5. Aug. (Altertumsfunde.) Bei
der Wiederherstellung des hiesigen Rathauses, die infolge
des Bombenattentats ersorderlich war, stieß man auf ei—
nen alten gewölbten Keller, von dessen Existenz man keine
Ahnung hatte. Das Gewölbe ist 60 Zentimeter dick, die
döhe des Kellers ist 54 Meter, der Flächeninhalt beträg
36 Quadratmeter. Bis jest ist der Keller noch nicht aus
Jeräumt worden, doch hat man bereits einige Altertümer
teils mittelalterlichen, teils römischen Ursprungs gefunden
Bei der Räumung hofft man auf größere Ausbeute. Das
stathaus war im Jahre 1738 umgebaut und wahrschein
ich ist bei dieser Gelegenheit der Keller verschüttet worden.
* München, 5. Aug. Geuerbestattungs
Pläne.) Wie in Nürnberg, so ist in den letzten Tagern
auch hier wieder der Bau eines Krematoriums im Ma
gistrat und Gemeindekollegtium besprochen worden. Auch
hier stellt sich der Magisteat auf den Standpunkt, daß e?
zum Bau der Krematorien der Genehmigung der Regie
ung dedarfe, während in den Gemeindekollegien diese An
icht nicht geteilt wird. Die Magistrate der —* Jen
tehen der Feuerbestatting prinzipieli zwar nicht entgegen
wenigstens in ihrer Mehrheit nicht, aber sie weigern sich
ie Sondervorschriften zum Vetriebe der Kremairienzu
rlassen, solange die Regierung nicht nsdrücttich die
aubnis zur Feuerbestattung erteilt hat.
Großer Diebstahl. Aus Berlin wird berichtet: Der
Pelzwarenfirma Segall wurden Pelzwaren im Werte vor
0 000 Mark gestohlen. Von den Tätern fehlt jede Spur
Eine Apachenschlacht. Zwischen zwei Apachenban
»en zwischen Marseille und Toulon bestand seit einige
zeit eine heftige Fehde. Schließlich wurde der Austraç
des Zwistes durch einen regelrechten Kampf an vorbe
immtem Platz beschlossen. Die Touloner Bande nahn
»ie Bahn und traf sich mit den Marseillern um 2 Uhr
8.4* Anna — 8 *
Aler zu suchen. Eine Heldentat! Und Sie sind der Deutsche,
den die Heldin so verschwiegen in ihrem Herzen trug? Ich
freue mich, Sie kennen zu lernen, mein Herrt“, fuhr er sort,
die Hand Waldemars treuherzig schüttelnd. „Damals benei—
dete ich Sie um den Schatz, den Sie erobert hatten, heute
heglückwünsche ich Sie, denn Madame ist nicht weniger rei⸗
zend als damals zur Zeit unserer Reise noch dem Lrieas
chauplatze dey Südarmee“
„Bedanke Dich, Testreen, lachte Waldemar, seine Frau
umarmens; „eine Matrone, an der ein Viertelsahrhundert
purlos vorübergegangen und die soeben ihrem Sohn zu⸗
winkte, der an Bord der „Hohenzollern“ als Seeoffizier fei⸗
nen Dienst tut, ist eine Seheunswürdigkeit.“
„Dennoch nehme ich mein Wort nicht zurück“, behauptete
der General. „Ein Beweis ist, daß ich Madame auf den
rsten Blick wiedererkannte. In der Tat, Sie sind die
Mutter eines deutschen Marineoffiziers?“ wandte er sich an
Frau Tyrolt. „Das muß Sie mit Stolz erfüllen, ist doch
Ztolz auf die dentiche Marine dio Sianatur des beutigen
dages.“
„Ja, wir sind stolz auf unseren Sohn“, antwortete
Tyrolt dem General, der, obwohl im schwarzen Rocke mit
»em Bande der Ehrenlegion, seine soldatische Empfindlich—
eit nicht unterdrücken konnte. „Ein guter Schwiegersohn
»in ich aber nicht minder, weunngleich unser Sohn ein
»eutscher Offizier und Papa selbst der nationalste aller
Franzosen ist. So verwischen sich allmählich die Gegensuͤtze
»er Völker. Unser Vater hat es gelernt, die Tatsachen zu
egreifen, die uns der Krieg und der darauffolgende Frie⸗
den lehrte. Im freien Lande hat er die Vorzüge beider Na—
onen schätzen gelernt.“
„Sie leben in Lüttich?“ e
„Wir haben Fabriken in Lüttich und in Aachen“, fagre
der alte Herr nicht ohne Stolz. „Bourlier et fils heißt die
Firma. Richtiger hieße sie: et beaufils. Aber ich darf mei⸗
nen Schwiegersohn nicht eitel machen.“
„Ihr Sohn fiel bei Sedan, wenn mirp recht ist?“
„Nein, er lebt noch heute“, antwortete der alte Herr
mit leichter Mißstimmung. „Er wohnt in Paris und wurde
ein Held der radikalen Feder. Wenn er erführe, daß wir
heute dem deutschen Schauspiel zusehen, er denuncierte mich
und Sie nicht minder, Herr Graf, ais Vaterlandsverräter
und hängte uns Beiden einen Spionenprozeß an.
„Ah, das wäre“, lachte d'Alincourt, „ich bin als Mili—
lärbevollmächtigter in Holtenau.“
„Gleichviel. Mich trieb er auch sehr umkindlich durch
olche Verdächtigungen aus der Heimat, zum Frommen mei
ier Gemütsruhe. Denn dieser Streich führte mich meinem
zchwiegersohn in die Arme, der mein Kompagnon wurde.
dun arbeiten wir ein VBierteliabrbundert nee
vurden, eröffneten sie etn heftiges Feuer. Das FAeöolver—
gefecht dauerte ununterbrochen zehn Minuten. Dazwischen
am es an einzelnen Punkten auch zum Nahkampf mit
dolch und Messer. Schließlich traien die Touloner den
ückzug an unter Zurücklassung eines Toten und eines
ödlich Verwundeten. Auf Seite der Marseiller sollen auch
ßerluste zu verzeichnen sein; allein aus guten Gründen
rachten sie ihre Opser vor der Polizei in Sicherheit.
Bomben-Erxplosion. Als eine Polizei-Paironille in
»er Vorstadt Levallois Perret bei Paris die Nachtrunde
nachte, erselgte bei dem alten Velodrom eine gewaltige
*xplosion. Die Polizei stellte sest, daß eine Bombe vor
em alleinstehenden Hause neben einer Automobilfabril
plodiert war. Die Läden des Hauses waren fortgerif⸗
en, die Fenster zertrümmert. Auf dem Trottoir naeben
ner Mauer wurde eine zweite Bombe gesunden, deren
zündschnur ausgegangen war. Die Poüzei ließ das Ge—
niude ruüumen und brachte im Beisein eines Beamten des
Laboratorums die Boube zur Explosion. Die Polizei
Jlaubt, es handle sich um einen persönlichen Racheakt ge—
zen den inm Hause wohnenden Polizei-Juspektor.
Rassenhasz. Aus Odessa wird berichtet: Trotz der
indauernden Cholera- und Pestepidemie befahl der Stadt—
hauptmann, die noch von dem berühmten Pirogoff ge⸗
zründete Stadtheitanstalt zu Fhließen, da das medizinische
personal meistenteils aus Juden besiehe.
Freundschaftskundgebnungen. Zu Ehren der in
Zondon zu Besuch weilenden RPlitglieder der Deutschen
Landwirtchasts-Geseilschaft gab die National Farmers
Anion ein Frühstäck, bei dem der Präsident der Union
Lolin Campbell die Gäste herzlichst als Bürger einer gro—
zen befreundeten Nation begrüßte. Landwirtschaftsmini—
ter Carrington brachte einen Trinkspruch auf den deutschen
daiser aus und fahrte weiter aus, er habe, als er den
dönig Georg und den deutschen Kaiser gemeinsam an der
Bahre des Königs Edward stehen fah, die Empfindung
zsehabt, daß die von beiden Herrschern vertretenen Natio—
ien nicht nur auf dem Gebiete des Handels sriedlich mit—
inander wetteifern sollten, sondern, daß sie vielmehr eine
zöhere und heiligere Bestimmung hätten, Schulter an
—Ab———
riedens.
Türkischer „Pump“. Wie verlautet, nahm der Fi—
ianzminister Dichavid-Bei in Paris die Verhandlungen
wegen einer Aneihe wieder auf. Er nahm mit England
und Frankreich wegen der Zustimmung zu einer Gewerbe
teuer sjür die Fremden in der Türkei Fühlun—
in ααιιαιαιαα I—————— o —
IE
Berlin, 6. Ang. Schon deit längerer Zeit sind Ver—
zandlungen über die Neugestalftung des Zol!
agerverkehrs im Gang, auf Grind deren das
Reichsschatzamt den Entwurf einer neuen Zollager
Erdnung ausgearbeitet hat, der den jetzigen Verkehrs
»edürfnissen und den bekannt gewordenen Wunschen de—
dandels nach Möglichkeit Rechnung tragen soll. Der Ent
vurs ist zunächst den Bundesregierungen zur Prüfung
ind Aeußerung zugegangen, doch soll den wirtschaftlichen
orporatiönen und anderen beteiligten Kreisen Gelegen
jeit gebolen werden, ihre Wünsche, soweit sie nicht be
ceits berücksichtigt sind, noch geltend zu machen. Eine in
diesem Sinne umgestaltete Postzollordnung ist bereits in
draft und eine neue Eisenbahnzollordnung ist bereits ir
borberatung. Die dann noch verbleibende Umarbeitung
er Begleitscheinordnung und einiger kleinerer Ausfähr—
ingsanweisungen wird vom Reichsschatzamt ebenfalls bald
n Angriff genommen werden
Kiel, 5. Aug. Wenn die Arbeiter in Hamburg nicht
n Laufe der nächsten 14 Tage die Arbeit wieder aufnehmen
»erden voraussichtlich sämtliche Seeschiffswerften 600/0 ihrer
lrbeiterschaft aussperren. In Kiel würden von dieser Maaß—
egeln 3002 Arbeiter betroffen werden. Dte drei Kaiser—
ichen Werften in Kiel, Danzig und Wilhelmshafen werden
durch die ganze Lohnbewegung der Arbeiter auf den Pri—
oatwerften in keiner Weise berührt.
Kiel, 6. Aug. In drei von etwa 4000 Werftarbeitern
der hiesigen Privatwerften besuchten Versammlungen wurde
einstimmig das Vorgehen der Organisationen gegen den
Verein der Schiffsreeder gebilligt und ebenfalls einstimmig
heschlossen, fest zu den Streikenden in Hamburg zu stehen,
und wenn die Organisationsleitung es für nötig erachte.
selbst die Arbeit niederzulegen.
Wittingau, 5. Ang. Das 182jährige Töchterchen eines
Wirtschaftsbeamten des Fürstentums Schlerenberg versank
in Begriffe, eine vom Vater geschossene Wildente aus dem
Teich zu holen, im Schlamm. Der Vater sprang nach und
Hersank ebenfalls. Die Leichen sind geborgen.
Wien, 5. Aug. Der 2õjährige Rennstallbesitzer Goldt
chmidt tötete sich durch einen Schuß ins Herz, nachdem eir
»orher große Summen verloren hatte.
Brüssel, 6. Aug. Ein starkes Gewitter, begleitet mi
Jeftigem Hagelschlag ist gestern über Brüssel niedergegangen.
Es fielen Schlossen von Wallnußaröße und richtelen großer
Schaden an.
Madrid, 6. Aug. Der Deputierte Felin hat im Namen
Don Jaime an alle Karlisten Spaniens einen Aufruf ge—
ichtet zur Teilnahme an der katholischen Kundgebung, die
7 752 in Sian Sebastian geplant ist. Aus verschie—
— ERXALOOAAEEW—
„O, zuviel der Anerkennung, wehrte der Franzose; in
vwerbindlicher Weise. „Welch ein Glück. Sie überstanden due
föährliche Krankheit. Ich habe oft mit Bewunderung
lunge Mädchen gedacht. das ausgegangen war. ibren
Miede vnd Glac sind uns srrm nehlneken bis auf ven feium
gen Tag.“
„Ihr Schwiegersohn ist ein Deutscher und zu dem Deut⸗
schen paßt die Treue“, sagte der Graf, Desiree, die sich an
bie Seite Waldemars schmiegte, mit einem bewundernden
Blick streifend. „Es gab eine Zeit, wo ich der deuischen
Treue grollte, es war eine Zeit voll Blut und Grauen. Glück⸗
lich sind die, die sie nie gesehen. die schrecklichen Tage von
Zedan.“
„Wir denken oft an sie“, nickte Desiree schwermütig.
Ach, nicht alle, die treu mit uns die Gefahr teilten, konnm
ten sich der schönen Friedenszeit freuen.“
„Sie meint meine Schwester Nataly“, erklärte Bourliev.
„Die Teure starb bald nach dem Friedensschluß an einem
nervösen Leiden.“
„Rrd auch einen braven Mann — wenn er auch nur
mein Buͤrsche war — haben wir in Dresden begraben“,
fügte Tyrolt hinzu. Er hieß Naumann und war die treueste
Seele unter der Sonne. Frieden seinem Angedenken, und
allen, die treu ausharrten in schwerer Zeit, gleichviel für
welche Sache sie kämpften.“
In diesem Augenblicke donnerte es von allen Schiffen.
Die Flottenparade war zu Ende. Die „Hohenzollern“ wandte
sich mit dem Kaiser ihrem Platze zu ma sie hei der Roie
vor Aler ging.
Aber es war devr Donner des Festes, — das Zeicher
obaß ein Friedenswerk zu Nutz und Frommen aller Nati—
znen geschaffen sei, — nicht das Brüllen der Geschütze, die
Lölker morden. Dem Frieden und dem Handel gali das
Rollen der Geschütze, der Jubel der Seeleute, die Tonwoger
er Hörner und Posaunen, der brausende Zurnf der Volls
nenge, die, soweit das Auge reichte, die User die Tribünen,
zie Schiffe und Föhrde und See bedeckten. Und die Sonne
achte aus heiterem Himmel auf das Fest des Völlerfriedens
jerab; dieselbe Sonne, die vor fünfundzwanzig Jahren über
die Greuel der Verwüssung, des Hasses und der Schmerzen
zufgegangen war. Die Wunden haben sich geschlossen, die
Schmerzen sind vergessen, der Haß ist begraben, nur die Er—⸗
innerung ist geblieben aĩ den Tag, der Deutschlands Macht
und Größe geschaffen — den Taa von Seden
cB
denen Prvvinzen werden Anzeichen einer aufständische
vegung gemeldet.
Tromsoe, 6. Aug. Von Spitzbergen wird geme
»ie Teilnehmer an der arktischen Studienreise Zepp
varen am 24. Juli auf der „Mainz“ in der Lil,
inem Teil der Großbai angekommen. Dort gelang
zeppelin, einen zur Luftschiffstation geeigneten Pla
inden. Mehrfache Aufstiege mit kleinen Ballons wi
borgenommen, die eine große Höhe erreichten. An
Juli ging die „Mainz“ und „Phönix“ an die Eisgren
wo Zeppelin mit seinen Bealeitern landeinwärts
Westen zog.
Warschau, 6. Aug. Am Donnerstag abend kar—
Warschau ein an der sogenannten „Elektroralna“ ime
Haushofe stehend, der Wagen, der mit Celluloid belt
var, auf unbekannte Weise in Brand und das Cell—
xplodierte. Die Flammen umarmten angenblicklich
ölzernen Seitenhausflügel des Gebäudes, wo die Woh
des armen Tapezierers Fuchs liegt. Die ganze Fa
am in der Feuersbrunst um. Bisher wurden 7 Lei
darunter sechs weibliche, aufgefunden. Wwei Kinder
ötlich verletzt.
Newyork, 6. Aug. Aus Seattle traf hier ein
zramm ein, nach welchem der kanadische Pazifik-Dan
Priuzeß May“ bei der Centerinsel untergegangen
An Bord des Schiffes befanden sich 160 Personen, d.
Schicksal ungewiß ist. Einzelheiten über den Unter—
»es Dampfers weiß wan noch nicht. — Aus San Fran
iegt eine Drahtnachricht vor, die das Unglück best—
ind weiter meldet, man glaube, daß die Passagicre ger
eien. Sicheres ist aber hierüber nicht bekannt.
Paris, 5. Aug. In Pont a⸗Mousson wurde ein
eroffizier des 12. Dragonerregiments verhaftet wegen
eutender Fouragediebstähle. Er hatte für Offizierspf
das Futter zu liefern, entwendete einen Teil deselben
verkaufte es in die Stadt. Weitere Nerhbaftungen
bevor.
Paris, 6. Aug. „Matin“ meldet aus Lorent:
deutsche Kaifer hat 2 hiesigen Matrosen, welche sich an
Rettungsarbeiten bei der deutschen Botschaft in Paris,
läßlich der Uberschwemmung in hervorragender Weise
leiligt hatten, eine Auszeichnung in Form einer Med—
zdurch den Marine-Präfekten in Lorent zugehen lassen.
Baris, 6. Aug. Der „Garlois“ meldet aus Madi
dönig Alfons beaufteragte den Prunzen Ferdinan
dem önig von Norwegen und dem Großhe
zog von Hessen die Insignten des Ordens vom ar
»enen Vließ zu überbringen.
Madrid, 6. Aug. Der Ministertat hat sich mit de
Plan einer Einführung der allgemeinen Mil
rärdienstpflischt in seinen groken Zügen einw
tanden erklärt.
Monstantinopel, 5. Aug. Die Blätier melden non
iche kleine Kämpfse fraänzösischer Truppen mit
druppen des Sultans von Wadai, in denen
Franzosen geschlagen wurden. — In der Nähe vonn?
oina habe eine hestiger Kampf türkischer Truppen m
Araberstämmen stattgefunden. Die türkischen Truppen he
ben drei Tote und neun Verwundete. Die Araber erarü
sen unter großen Verlusten die Flucht.
Koustantinopel, (. Aug. Wie die Blätter melden
erteilte die kretische Regierung auf die Schrit
der Konsuln wegen der Nichtbeschickung der griechische
Kationabversammlung eine aünstige Antwort.
Saloniki, 6. Aug. Wegen der zunehme den Umtrieh—
der Banden und der Unruhe, welche sich anläßlich da
Entwafsnung eines großen Teils der christlichen Bevölle
ung der Provinz bemächtigt, wurde die militärische B
vachung der Bahnlinien, welche seit zwei Jahren auisaq⸗
zört bat. wieder im vollen Umfange eingeführt.
—XMÆEEEIXR —E
Der, heutigen Nummer dieser Zeitung lie
ein Flugblatt der „Deutschen Ammoniak-Vereinigung G.n
b. H. Bochum“ bei, welches die Vorteile des in der der
schen Landwirtschaft von Jahr zu Jahr in steigen
Mengen verbrauchten schwefelsauren Ammoniaks zur Her
ȟngung der Wintersaaten an Hand von Verfuchserg
nissen aus der Praxis hervorhebt. Das Blatt sei unse
Lesern zur Diuivehssicht — emefobson
Evangelischer Gottesdienst.
11. Sonntag nach Trinitatis, den 7. August 1910
dollekte für das Asyl für Trunksüchtige in Lintort
Dudweiler.
8.— Uhr. Pfr. Schmidt.
91/, Uhr. Beichte derselbe.
O. — Uhr. Hl. Abendmahl Pfr. Trommershaufen.
Herrensohr.
9.30 Uhr.
101. Uhr Ghr: Mauαä
— — —
Die Cholera. Im Lazarett von Sinope (Türh
sst ein Fall von Cholera mit tödlichem Ausgange vorg
ommen. — Das Wilajet War wurde für cholseraverdö
ig erklärt.
Ein Komplott. Im Zusammenhange mit der Eui
deckung des Komplotts gegen den Präsidenten Gom
»on Venezuela wurde eine Anzahl Personen verbait
vährend mehrere andere flüchteten.
Eine Bestechungsaffäre. Vor dem Kongreßkom
tee in Muscogee, welches angebliche Bestechungsversud
in Verbindung mit versuchter Erwerbung wertvoller J
dianerländereien untersucht, erklärte Bundessenator Gort
iach ihm von dem republikanischen Politiker Hammon g
nachten Mitteilungen sei der Vizepräsident Sherman
der Ländereiangelegenheit interessiert. Der Vizepräside
sjabe sich auch bestechen lassen. — Gegen diese Beschuldi
ingen hat Sherman energisch Protest eingelegt, er erklä
ie öffentlich als dreiste Verleumdung. Gegen Senan
jore hat er Beleidigungsklage angestrengt, worauf les
er mit der Veröffentlichung erdrückenden Beweismateria
drohte. — Nach einer späteren Meldung erklärte Vi—
präsident Shermann, daß die vom Senator Gore erb
Jene Beschuldiagunga isieder BRearanodung entuiehre
— &c;;h———
Humorislische Ecke.
*Das Flußpferd. Ein Leser aus Stuttgart
„ählt der „Frankf. Ztg.“ über die Sängerin Marie W
ein Geschichtchen, das bestätigt, daß diese Künstlerin nie
an Eitelkeit litt. Anfangs der achtziger Jahre gastier
ie in Stuttgart, und es hieß damals, sie sei zu eine
Zastspiel nach Paris eingeladen. Auf die Frage, ob i
den Ruf annehme, verneinte sie mit den Worien: „
hob'n mi schon in Deutschland an alts Flußpferd g'he
hen; i bin nöt neugierig, wie dös auf französisch heißt
»Der höfliche Werner. Werner ist ein wohi
rzogener Junge. Der Pava hatte ihm beigebracht, b
*Lakonisch. Pattent (der aus dem Bade zurüld
kehrt, entrüstet)y: „Jahrelang haben Sie mir ein Herzle
den eingeredet, Herr Doktor! Wissen Sie, an was mic
der Badearzt behandelt hat? ... An der Lebersu qgor'
irzt: „Kann ich auch!“
*)Amtsstil. „Der Veteran hatte im letzten Kriea
zeide Arme verloren und mußte jetzt von der Hand
en Mund leben ...“
*DieServiette. Russe: „Iß sich Deutschland groi
ztig Zand! Soaar Taschentücher kriat man sich bei Dine
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