Full text : Dudweiler Zeitung

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Rolomiales.
X Aus Kamerun. Nach inzwischen in Berlin einge
gangenen Berichten des Gouvernements von Kamerun
heschränkt sich die mit der Exrmordund des Kauf
manns Brétij ch neider in ZBZuzammenyang stehende
Bewegung der Makkaim— Südosten der Kolonic
auf, das von dem nördlichen Zwe'g dieses Ssammes be⸗
wohnte Gebiet, das im Süden vom Nyong, im Westen
von der Strafe von Atok nach Necelemendake und im
Osten von der Straße von Abonga nach Mbaung Dume be—
grenzt wird. Die nach dem Morde von der Station
Dume jsosort eingeleitelen Operationen werden vom Major
Dominik mit zwei Kompanien Schutztruppen fortge
setzt. Ein vergeblicher Angriff der Makka auf die Station
Dume, wobei Unterzahlmeister Arnold durch einen Pfeil
schuß am Oberschenkel verwundet wurde, macht die Ab—
tommandierung eines Teiles der Truppe unler Haupt
mann Marschner zum Schutze der Station erforderlich
Major Dominik glaubt, daß die militärische Aktion bis
Mitte August durchgeführt ist. Erst dann werden vor
aussichtlich genauere Feststellungen über die näheren Um—
stände, unter denen Kaufmann Bretschneider ermordet wor—
den ist, erfolgen können. Sieben beteiligte Häuptling
wurden bereits ebhoαν d gehe
— cue ——— —
Lokales und Vermischtes.
Veteranenfest. Der Festausschuß hat in
einer gestern abend abgehaltenen Sitzung einstimmig
beschlossen, daß das Veteranenfest nur von denjenigen
Bereinen gefeiert wird, welche dem Kreiskrieger
Berband angehören, folglich auch nur deren Veteranen
geehrt werden. Infolgedessen hat der Festausschuß
auf die vom Gemeinderatbewilligten
200 Mark zur Ehrung der Veteranen
verzichtet.
Benefiz⸗Abend. Fräulein Flora Bräuning, der aner—
annte Liebling des Publikums, hat am nächsten Donners—
ag Benefiz. Hierzu hat sie sich ein Sudermaun'sches Stück:
„Das Glück im Winkel“, ausgesucht. Dieses Zaktige Stück
ist eines der besten und inhaltreichsten, das der Suder—
mann'schen Feder sein Entstehen verdankt. — Frl. Flora
Bräuning, welche die Theaterbesucher in Dudweiler schon
o manchen Abend durch ihr überaus reizendes Spiel ent—
zückt, wird gewiß die große Freude zu Teil, an ihrem
Ehrenabend ein volles Haus zu sehen. Es wäre dies ja
kein unberechtigter Wunsch, vielmehr eine gegenseitige Au—
erkennung: Sie hat dem Publikum so manche genußreiche
Stunde bereitet — tragen wir Sorge, daß auch sie sich der
Anerkennung ihrer Leistungen durch flotten Besisch zuͤ er—
freuen hat!
„Die Steuern — ach die Steuern — —“. Schon
vieder ist ein Quartal fällig, am 15. August. Wir wollen
aicht unterlassen, schon jetzt darauf hinzuweisen, da ja am
b. August Abschlagslohnung ist. Hierdurch wird wohl die
ersten Tage nach dem Zahltage ein größeres Gedränge an
der Kasse entstehen. Wer also kann, zahle schon früher
— wer die nötigen Moneten nicht hat, muß die Sache
aber auch vor dem 15. August glatt machen, sonst: Mahn—
zettel! Steuern sind eben ein notwendiges Ubel und müsfer
bezahlt werden.
Feuilleton. In unserer heutigen Nummer ist bie Fort—
etzung des Romans', Uuter Feinden“ enthalten. Die Er—
satzmater traf erst heute früh ein.
Zur VBeerdigung des Herrn Superintendenten und
emeritierten Pfarrers Lichnock sind sämtliche Mitglieder des
Presbyterums heute nach Kreuznach gefahren.
Vortrag. Wir verweisen an dieser Stelle nochmals
uuf den heute abend im Saale Riedschy stattfindenden
Vortrag über Kleinwohnungswesen. Alle Interessenten
verden gebeten, sich den Vortrag anzuhören. Im übriger
iehe die Bekanntmachung unseres Herrn Bürgermeisters.
Die Straßenbahn hat eine vollständige Umwälzung
n ihren Fahrzeiten sowohl wie auch in Kreuzung der Wa—
gen usw. eintreten lassen. Bis jetzt ist dem Publikun
hierüber noch nicht die geringste Mitkeilung gemacht worden
lüAber die Fahrzeiten, besonders wie abends die Wager
fahren, weiß im Publikum Niemand Bescheid. Von eine!
zarten Rücksichtsnahme gegen das Publikum kann man hier
wohl nicht reden! Die Straßenbahn ist ein dem öffent
lichen Verkehr dienendes Institut. Mit Fug und Recht
könnte das Publikum hier doch wohl verlangen, daß ihn.
auch zu Wissen getan wird, wenn solch' einschneidende Ver—
hältnisse eintreten. In Rußland mag dies ja wohl nich
vonnöten sein, hier in Dudweiler zaählt man sich wem
auch nicht zur Großstadt, so doch zur eivilisierten Einmoh—
nerschaft
„Ochsenübungen“. Die unter diesem Spitznamen sei
zwei Jahrenzbei den Infanterietruppen eingeführten Ubun—
gen verbunden mit Schlachten und sofortigem Verzehrer
eines Ochsen haben ergeben, daß sie durchaus zweckmäßig
ind:; sie werden in diesem Zahre in erweitertem Maße pa

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Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
24. Fortsetzung.)
„Laniie iijm, Papas, sagte ste vtttend, indem sie ihre
Hand in die seine legte. „Waldemar war mein Leitstern in
gejahrvollen Stunden, mein Freund in der Not, mein Ret—
ter aus Gefahr. Daß Du mich hier siehst, ist sein Werk
Danke ihm das, mein Vater.“
Bourlier blickte zuerst sein Kind, und dann den Mann
hrer Wahl an. Es wurde ihm offenbar sehr schwer, ihre
Bitte zu erfüllen, widerstrebend reichte er dem Freunde die
Hand, um dieselbe aber nach kurzer Berührung zurückzu—⸗
ziehen, dann begann er mühfam sprechend:
„Mein Kind hat recht. Sie haben sich um uns, um
mich vielfach verdient gemacht, und ich wäre undankbar,
wollte ich das nicht anerkennen. Das iue ich zunächst da⸗
durch, daß ich Sie um Verzeihung bitte für jedes Wort,
das Sie kränken mußte, daß ich Sie falsch beschuldiate
Sind Sie so zufriedengestellts
»DNein, Herv Bourlier“, antwortete Waldemar, „das
alles habe ich längst verziehen, denn Sie handelien im
Groll, den ich freilich nicht verschuldet hatte. Auch nichi
Anerkennung und Dank ist es, was ich von Ihnen heische, ich
verlange mehr. Ich will Ihre Liebe und Ihr Vertrauen
wieder haben, die Sie mir einst schenkten. Das habe ich
um Sie verdient Köännon Sio mir es sãnaer vorenthal⸗
ten?⸗
„Ja, Herr Tyrolt, das kann ich, das muß ich“, ent⸗
gegnete der Alte schroff, indem er sich hoch aufrichtete.
„Sie sind der Feind meiner Nation. Sehen Sie den Rod
an, den Sie tragen, das Kreuz, das auf Ihrer Brust
hängt. Es sind die Zeichen, daß zwischen uns beiden ein
Abgrund klafft, der nie und durchaus nicht überbrückt
werden kann. Ich achte Sie als Ehrenmann, ich hasse Sie
als den Unterjecher meiner Nation. Wir beide lbönnen nie
mehr zusammenkommen. Sollten Sie sich jemals Illusionen
liber meine Gefinnuna gemacht bahen. svbedonere ich
Sie.“
Waldemar trat stumm zurück. Er war zu stolz, ein
weiteres Wort auszusprechen. Diesem unvernünftigen Haß
zegenüber war er machtlos.
Desiree aber wandte sich voll Entrüstung gegen ihren
Vater. Heftig trocknete sie ihre Tränenspuren, welche noch
von dem Entzücken des Wiedersehens übrig geblieben wa—⸗
ren und faßte Waldemars Hand nur noch festev.
„Du sprichst nicht edel, Papa“, sagte sie in tief vor⸗
wurfzvolsen Tone. Du herschanzesz Deine Und ubann

illen Infanterie-, Jäger- und Schützenbataillonen fortgeseßt
Da die Truppen in der Regel das zu ihrer Verpflegung
bestimmte Vieh im Kriege meist selbst zu schlachten haben
nüssen die Mannschaften naturgemäß schon zu Friedens—
zeiten damit vertraut gemacht werden. Wenn auch durch
die Einführung der Feldküchen die Zubereitung der Kost
vesentlich gefördert wird, so wird doch damit zu rechnen
ein, daß diese Feldküchen nicht immer rechtzeitig herange—
ogen werden können und die Leute nach wie vor im eigenen
Feldkessel kochen müssen. Die Erfahrungen, welche auf
diesem Gebiete während des südafrikanischen Krieges gemacht
vorden sind, werden bei diesen „Ochsenübungen“ ganz be—
onders nützbar gemacht. Nicht zu unterschätzen ist ferner,
)aß die Offiziere, denen im Kriege das Amt eines „Ver—
»flegungs-Offiziers“ übertragen wird, schon im Frieden die
erforderliche Fachkenntnis sich aneignen und erweitern,
vozu ihnen bei den „Ochsenübungen“ hinlänglich Gelegen—
seit geboten wird.
Ein verblüffendes Rechenspiel finden wir in den
„M. N. N.“: Nimm die Zahl deiner lebenden Brüder und
nultipliziere sie mit 2. Addiere 3. Multipliziere das Re—
ultat mit 53. Addiere die Zahl deiner lebenden Schwestern.
Multipliziere mit 10. Zähle die Zahl deiner verstorbenen
veschwister hinzu und ziehe 130 vom Resultat ab. Die
erste Ziffer der resultierten Zahl ergibt deine lebenden
zrüder, die mittlere deine lebenden Schwestern und die
etzte deine verstorbenen Geschwister.
Der erste Helgoländer Rekrut. In Helgoland fand
ie erste Rekrutierung seit der Zugehörigkeit Helgolands zu
deutschland statt. Am 1. August 1890 ging Helgoland
on England an Deutschland über. Es wuͤrde damals der
Insel eine 20jährige Steuerfreiheit, sowie Befreiung vom
Nilitärdienst auf die gleiche Dauer gewährt. Diese Zeit—
dauer ist jetzt verflossen.
Ausbau des Grubenrettungswesens. In den letzten
Jahren ist das Interesse für das Grubenrettungswesen
Janz außerordentlich gewachsen. Aus zahlreichen wichtigen
Bergbau-Bezirken ist über die Einrichtung von Reltungszen—
ralen berichtet worden, die im Falle eines Grubenunglücks
er schwer betroffenen Zeche zu Hilfe kommen sollen. Auck
ie Behörden haben sich der Frage des Grubenrettungs
vesens angenommen und haben, teilweise mit Hilfe der Ge—
etzgebung, Maßnahmen zu ihrer Organisation getroffen.
doch weitergehende Maßnahmen zum Ausbau des Rettungs⸗
oesens beabsichtigt jetzt der Verein für die bergbaulichen
Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund zu treffen.
Zzunächst sollen, soweit das nichte schon der Fall ist, von
eder einzelnen Grube Rettungsopparate angeschafft und
Kettungsmannschaften ausgebildet werden. Im ganzen sol—
die Anschaffung von etwa 250 neuen Apparaten und die
Ausbildung von etwa 1000 weiteren Rettungsmannschaften
in Aussicht genommen sein, so daß die Gruben in Zukunft
jast über 1000 Rettungsapparate und 3500 ausgebildete
Kettungsmannschaften verfügen werden. Da die heutiger
Kettungsapparate nun trotz wesentlicher Verbesserungen in
den letzten Jahren immer noch recht kompliziert sind und
nit peinlichster Sorgfalt aufbewahrt und behandelt werden
nüssen, und schließlich auch nur in Händen gut ausgebideter
Mannschaften von Nutzen sein können, sind vielfach Be—
»enken geäußert worden, ob auf den Gruben immer geeig
ete Kräfte zur Instandhaltung der Apparate und zuͤr
zründlichen Ausbildung der Mannschaften zur Verfügung
tehen werden. Diese Bedenken sind, wie mancher bedauer⸗
iche Zufall mit den Apparaten ofi gelehrt hat, nur zu
»egründet. Die vom Bergbauverein geplante Rektungszen
rale soll daher die Instandhaltung der Geräte und Ein
ichtungen für das Grubenrettungswesen sowie die Ausbil
ung der Mannschaften auf allen Gruben des Reviers uͤber
»achen. Die Ueberwachung der Geräte und Einrichtungen
oll von besonderen sachverständigen Beamten ausgeführ
perden, die regelmäßig auf den Gruben Revisionen vor—
ehmen. Unter den übrigen Aufgaben der Haupfistelle ist
och die Untersuchung, Prüfung und Begutachtung neuer
donstruktionen von Geräten und anderen Zweigen des
zrubenrettungswesens besonders hervorzuheben. Der ge—
annte Verein glaubt, daß es ihm so gelingen wird, die
Arganisation für das Rettungswesen immer! weiter aus zu⸗
»auen; es ist ihm jedenfalls zu wünscheu, daß seine auf die
Erleichterung des schweren Bergmannsberufes gerichleten
Bestrebungen von Erfolg begleitet sind.
Die drei Staatslotterien im deutschen Reiche, die sich
in Preußen, Sachsen und Hamburg befinden, werden in
diesem Jahre 31325 500 Mark für den Staatsfäckel ab—
verfen. 18560 000 Mark dürfte die preußische Siaatslot⸗
erie, 8 525 000 Mark die sächsische und 4240 800 Mart
die Hamburger einbringen. Aus Privat-Loterien wird der
Staat eine Einnahme don 11 Millionen Mark haben.
Saarbrücken, 2. Aug. Anläaßlich der Eriunerungs—
eierlichkeiten wird am Sonntag von der Stadt aus eine
Beleuchtung des Winterbergs und des Winterbergdenkmals
Q 11æ beα A— So M

ter politijchem Zwist, erstierst oie guten Regungen Dei—
nes Herzens durch chauvinistische Spiegelsechtereien. Das
kann Deine wahre Nalur nicht sein, und ich erkenne meinen
dlen Vater nicht wieder. Vergiß nicht, was ich meinem
berlobten verdanke. Ohne ihn stände ich nicht hier. Er be—
rreite mich aus der Not und führte mich zu Dir, denn alle
meine Brlese drieben unbeantwortet, ich war snr Euch ver—
schollen, gestorben. Und diese Rede soll Dein Dant sein
ür so viel treue Liebe? Für seine Aufopferung bietest Du
ihm solchen Lohn? Nein, Papa, das darfst Du nicht. Du
wävest ja schlechter als Olivier; der versuchte nur Walde⸗
mars Körper zu töten, Du aber tötest seine Seele, daß er
darob verzweifeln muß, weil Liebe und Dankbarkeit in der
Welt verloren gegangen.“
Bourlier senkte sein Haupt. Die Worte seiner Tochtev,
die er soeben noch liebselig in den Armen gehalten, und die
ich nun empört von ihm abwandte, trafen ihn tief.
*VNun wohl“, sagte er nach einer langen Pause, wäh—⸗
lend er das Gesicht mit den Händen bededt gehalten hatte
ich sehe ein, daß ich Unrecht habe, aber bei Gott im
dimmel, ich kann nicht anders. Niemand vermag aus sich
herauszugehen. In diesem Meere von Blut ist das Gute
in mir erstickt worden. Ich sinne nur auf Wiedervergeltung,
auf, Rache für mein armes, zertreienes Vaterlande Vieil—
eicht ändert die Zeit meine Gedaͤnken, jetzt kann ich nicht
anders. Ich vermag Deinen einstigen Verlobten nicht in
die Arme zu schließen, mich nicht mit ihm zu versöhnen.
Ich kann nicht zu ihm sagen: „Waldemar, alles ist ver—
gessen, seien Sie wieder mein Sohn, nehmen Sie' meine
Tochter hin, ich gebe Euch meinen Segen.“ Nein, ich segne
Zie nicht, den Feind Frankreichs, der dieses Ordenszeichen
mit denr Blute meiner Brüder erlauft hat. — Wenn ich
Ihnen nicht fluche, so geschieht das der Verdienfte wegen.
die Sie sich um uns erworben haben — aber ich scheide
mich von Ihnen, und wenn meine Tochter mich liebt so
muß sie ein Gleiches tun.“
„Nein, Papa, das fordere nicht!“ rief Destree mit
liebevoller Begeisterung. „Ich bleibe dem Manne treu, den
ich von Herzen liebe, gleichviel, ob ihn meine Landsleute
Freund oder Feind nennen. Die Liebe kennt keine Landes
grenzen, keine Politik und keinen Völkerhaß.“ —
Nun denn, so folge ihm, ich kann Dich nicht zurückhalten,
 bin ich doch nuͤr ein elender Gefangener, diesem
Herrn auf Ja und Nein untergeben. Sein Wille gilt hier
ind nicht der meinige. Geh und laß mich denken, ich halte
Dich nicht wiedergesehen, denn folgst Du diesem Mann ge—⸗
en meinen Willen, so bist Du tot für mich“
„Halt, Herv Bourlier!“ rief Waldemar vortretend,
reben Sio nicht weifter Surechon Sie ü 5

Doppelkonzerte auf dem Staden und in der verlängerten
Alleestraße. 9 Uhr: Freudenfeuer auf dem Winterberg,
Reppersberg, Kaninchenberg, Kobenhütte, Schwarzenbero
ind auf der Rußhütte. deinviertel Uhr: Beginn der großen
Beleuchtung des Winterbergs. Wechselnde bunte Beleuchtung
des ganzen Berges und des Denkmals. Wasserfälle nuͤtlels
elektrischen Feuers in den Steinbrüchen und vom Denkmal,
Luftfeuerwerk. Dauer der Beleuchtung mindestens eine
halbe Stunde. Der Beginn und Schluß der Beleuchtung
vird durch Kanonenschüfse bekannt gegeben. Die Beleuch—
ung findet bei jeder Witterung stail.
Heusweiler, 1. Aug. Das ehemalige Kretzersche Herren⸗
haus in Bietscheid bei Grube Dilsburg, das seinerzeit von
der Berginspektion Göttelborn mit dem Gute angekauft wurde,
ist neuerdings in ein Erholungsheim für Grubenbegamte
umgewandelt worden. Eine schöne Parkanlage hinter dem
svebäude bietet Gelegenheit zu Spaziergängen. Das An⸗
xesen liegt in gesunder, reiner Luft, umgeben von grünenden
Feldern und Wald.
Schwalbach, 1. Aug. Eine viel belachte Verwechselung
am am Samstag abend hier vor. Die Mitspielenden des
Lereins „Geselligkeit“ hatlen ihre Generalprobe zum ge—
trigen Konzert. Da der Cellospieler Groß noch fehlte
chickte der Vorsitzende einen Jungen fort zu Groß, daß er
zleich mit seinem Cello kommen sollte. Wahrscheinlich hatte
»er Junge den Namen Cello noch nicht gehört, und da der
iesige Polizeisergeant auch den gleichen Namen trägt, lief
er in dessen Wohnung mit dem Ausftrage, er solle gleich
nit seiner Schelle (Ortsschelley kommen. Da der Mann
iber auf dem Felde, eine Viertelstunde vom Orte, beschäftigt
var, lief dessen Frau ihn rufen. Dieser ging nun eiligft
iach Hause, zog eine bessere Uniform an und kam daua
chweißtriefend im Lokale Augustin an, wo er sich dem Vor
itzenden mit seiner Schelle zur Verfügung stellte. Das Ge—
ächter, das nun erfolote, kann sich jeder selbst ausmalen.,
(Sbr. Volksztg.)
Großblittersdorf, 1. Aug. Gelegentlich des Feuerwehr—
estes in Lixingen kamen mehrere junge Leute in einen
Disput, welcher in Tätlichkeit ausariele. 8—7 Personen
vurden erheblich verletzt und mußten sich in ärztliche Be—
sjandlung begeben. (Sbr. Vlksztg.)
Folschweiler, 2. Aug. Hier wurde am Samstag von
inem St. Avolder Bierwagen ein Mädchen überfahren.
die Verletzungen waren so schwer, daß der Tod noch am
Ibend eintrat. Kurz vorher empfing das Kind durch den
IArtspfarrer die hl. Kommunion. Der Fuhrknecht des Bier—
vagens rettete ein kleines Schwesterchen der Getöteten vor
dem Ueberfahrenwerden. Hierbei kam er selbst unter ein
Rad und wurde ihm ein Bein schwer gequetscht.
(Sbr. Volksztg.)
Bochum, 2. Aug. Der Deutsche Gruben- und Fabrik—
eamtenverband, der zurzeit in 292 Zweigvereinen 14 070
Nitglieder zählt, über ein Vermögen von rund 2dreiviertel
Millionen Mark verfügt und in 20 Jahren seines Bestehens
etwa 1581 000 Mk. Unterstützungen und Beihilfen an die
»ei ihm versicherten Mitglieder und deren Angehörige zur
Auszahlung gebracht hat, läßt hier an der Rechener Straße
etzt ein eigenes Verwaltungsgebäude errichten, zu dem
jeute mittag in feierlicher Weise der Grundstein gelegt
vorden ist. Das neue Heim des Verbandes wird im Spät.
)erbst d. J. fertiggestellt sein und soll alsdann in Ver—
»indung mit der 20jährigen Jubelfeier des Verbandes kest—
ich eingeweiht werden.
Worms, 1. Aug. Ein 20jähriger Turner fiel, während
r den sogenannten Riesenschwung machte, so unglücklich, daß
r das Rückkreuz brach und im Städtischen Krankenhauf
»ohin er alsbald verbracht worden war, seinen Verletzungen
rlag. — Im Krankenhause ist ferner an Blutvergiftung
in Schreiner gestorben, der sich in der vorigen Woche bei
der Arbeit eine unbedeutende Verletzung am Fuße dadurch
ugezogen hatte, daß er in einen Nagel getreten war. Er
»eobachte die Wunde nicht, bis sich Schmerzen im Kreu,
einstellten, jetzt war die ärztliche Kunst bereits vergeblich
*Mors, 2. August. (Giftige Pilze.) Hier er—
rankte eine aus fsechs Personen bestehende Bergmannsfa—
nilie an Pilzvergiftung. Rwei Kinder ünd schon ge—
torben.
* Krefeld, 2. Aug. (Veichenländung.) Bei
lerdingen wurde die Leiche eines 30 jährigen Herrn
zeländet, an dem anscheinend ein Verbrechen beganger
vorden. Bekleidet war der Tote mit Gehrock, duntle
dose, gelben Stiefeln, Handschuhen. Eine elegante Tasche
ie um den Leib geschnallt getragen wurde, war zer
chnitten. Uhr und Geldtasche fehlten. Das Geücht tru—
chwere Verletzungen.
* Essen, 2. Aug. (Falschmünzer.) In der Woh—
iung des Stuckateurs Kornapp entdeckte die Polizei eine
‚ollständig eingerichtete Falschmünzerwerkstatt, in welcher
Drei- und Fünsmarkstücke in großen Mengen hergesteilt
vurden. Es handelt sich um eine weitverzweigte Bande
* Dortmund, 2. Aug. Gerweigerte Haft—
»ntlassung.) Die Straftammer hat die von dem
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uxin, wenn Sie daruber . 3 1.
Zie Ihr Kind nicht mit Gewalt von sich, nachdem Sie
hasselbe kaum wiedergefunden haben. Als wir hdierher
uhren, wurde ich mit Ihrer Tochter darüber einig, wie
vir es halten würden, falls Sie sich wirklich jedem in—
nigeren Gefühle verschließen sollten. Niemals kam mir der
sßedanke, meine Braut ihrer Pflicht als Tochter abwendig
u machen. Ich habe sie wahrlich nicht aus sernem Lande
geholt, um sie wieder vom Herzen desjenigen zu reißen,
den zu suchen sie ausgezogen war. Desiree soll bei Ihnen
leiben, hier und überall. Der Fall von Paris steht be—
or, ihm folgt der Frieden und die Entlassung der Kriegs—
efangenen. Dann mögen Sie mit meiner Braut in die
deimat ziehen. Wir sind jung, wir können warten, bis ein
döherer Ihr Herz gelenkt hat. Wenn Sie keinen Groll
nehr hegen werden, wenn der goldene Friede auch bei
Ihnen einkehrt, dann werden Sie anders über unsere
reue Liebe denken, dann werden Sie vielleicht aus eige⸗
ier JInitiative unsere Hände ineinander fügen. —“ α
* „Das wird nie geschehen, mein Herr, niel
„Warten wir es ab. Des Menschen Herz ist wandel⸗
var. Gott lenkt es nach seinem Entschluß, und wir bauen
uf ihn. Mut und Vertrauen beseligen uns in gleicher
veise, wir sind noch jung, wir können warten. Lebe wohl,
desiree, auf Wiedersehen! Mache Deinen Vater glücllich.
er braucht Dich in seiner Herzensnacht mehr als ich
reben Sie wohl!“
Mit höflichem Gruß gegen Bourlier, der sich grollend
ibwandte, schritt Tyrolt hinaus. Der Kutscher brachte
desirees Köfferchen in die Stube und bestieg wieder seinen
Bock. Desiree stand am Fenster, bis Waldemar abgefahren
var; dann wandte sie sich zu ihrem Vater.
„Traure nicht, Papa“, fagte sie mitleidig, „es kommt
alles, wie es kommen soll. Ueber die Freude, daß wir uns
wiedergefunden haben, können wir —* alles andere ver—
gessen, was doch einmal nicht zu ändern ist. Du verr
nochtest es ja in Sedan, versuch es einmal hier. Noch bin
ch ja bei Dir und will Dich pflegen und lieb haben, wie
nich mein Herz dazu treibt“ v!
*
*
28 — — J
Das Zusammenleben mit seiner Tochter verfehlte
seinen Einssuß auf Bourliers Stimmung nicht. Allen
Menschen kam er näher, nur Waldemar blieb er fern, ab⸗
ichtlich, er wollte sich der besseren Ueberzeugung nicht beu—
jen. Der Geliebte Desirees war für ihn die Verkörper⸗
ing der deutschen Nation, die zu hassen seine Pflicht war.
Nißmutig ging er ihm aus dem Wege, wenn jener seine
zesuche machte, denen Bourlier selbst einen dienstlichen An—⸗
vich ah Die MWoriuipfteseion hattöon anufnehößrt moil fie

gegen Stellung einer Kaution von 100 000 Mark «.
ehnt. Die Staatsanwaltschaft begründet dies damit,
der vorliegende Fall so schwer liegt, daß eine Ho
lassung nicht gerechtfertigt erscheint.
* Waltrop i. W., 2. August. GGine Erinn
ung an die Unglücksfahrt der „Deutij
land“.) Beim Roggenschneiden wurde in einem Felde
Waltrop eine Flaggenrakete gefunden, die Direktor Co
mann während seines Kampfes mit dem Sturm auf
Fahrt nach Münster aus dem Luftschiff geworsen ha—
der Inhalt der Karte, die an die nächste Postanstalt zwe
Weitergabe eines Telegramms gerichtet ist, besagt folg
oes: „Wir fahren nach Münster. Bitte dringend, dor
Garnison melden. Molordefett. Nach Düsseldorf mel
daß Gas nach Münster gesandt wird.“ Die Absicht, N
ster zu erreichen, wurde belanntlich vereitelt.
* Saarbrücken, 2. August. (Ein Schwindle
In großem Maßstabe hat, wie die „Neue Saarbru—
zeitung“ meldet, hier ein Schwindler zahlreiche auswe
ige Firmen geschädigt, der sich unter dem Namen Eg
Albert Ebert aus sKönigsberg i. Pr., von Posen ko
mend, Mitte Juli, ein möbliertes Zimmer hier miel
und unter der Adresse „Egon Ebert“ ein Export- und J
ortgeschäft gründete. Es gingen massenhaft Sendune—
ei ihm ein, die er alsbald verschwinden ließ; am
zuli verschwand aber auch Ebert. Da in den darau's—
enden Tagen noch weitere Sendungen einträfen und za
elche Firmen sich nach Ebert erkundigten, unter ihnen a.
ine, die eine Sendung Fettwaren im Werte von 10
Nark geliefert hatte, wurde die Kriminalpolizei verst
igt, bei der inzwischen auch eine Bielefelder Firma,.
im 700 Mark geschädigt wurde, Anzeige gemacht ha
ßon Ebert hat man bisher keine Spur.
* Kaiserslautern, 2. Aug. (Messerheld.) v8
ie „Pfälzische Presse“ aus Hinterweidenthal meldet,
ort der 36jährige verheiratete Bader Hergen von d
7jährigen Heinrich Granche er st ochen worden.
* Stuttgart, 2. August. AutomobilbUnfal
gestern abend fuhr ein Automobil des Automobilgescha
es Paul Staiger auf einer Probefahrt auf dem Engebe
bei Leonberg an einem Baum und wurde vollständig ze
rümmert; die zweir Chauffeure kamen mit dem Schreck
avon, während der dritte Insasse, der Hausmeister Em
doch aus Stuttgart, Vater von vier unmündigen K—
»ern, den die Chaufieure unterwegs zur Mitfahrt ernge
»en hatten, unter schweren Verletzungen ins Leonber—
drankenhaus gebracht werden mußte, wo er kurze
arauf starb.
* Metz, 2. August. Gerunglückte Bergle
e.) In Freimengen auf Schacht 5 der Saar- undꝰ
elbergwerksgesellschaft verunglückten zwei Bergleutent
ich. Der eine namens Schira wurde von niedergehend
hestein direkt erschlagen, der andere wurde in einen
Neter tiefen Schacht geschleudert und starb alshald an
rlittenen Verletzungen.
* Metz, 2. Aug. (536 Sol daten an der Ru
rkrankt.) Wahrscheinlich infolge übermäßigen Gem
es des stark kalthaltigen Metzer Wassers sind über
Zoldaten der Garnison an der Ruhr erkrankt; das Gou
ernement hat die strengsten Absperrungs- und Desinset
ionsmaßregeln ergriffen, und zwar bei allen Regimen
ern ohne Ausnahme. Es dürfen keinerlei Zivilpersone
nehr die Kasernen betreten, und niemand darf sie auße
zienstlich verlassen, und auch die dienstlich draußen b
chäftigten Mannschaften dürfen keine Wirtschaften ꝛc. be
reten. Die Korpsmanöver, die am 18. d. Mi—,
hren Anfang nehmen follten, hat man fallen lassen; b
das 16. Korps an den Brigade- und Divisionsmanövem
eilnimmt, bleibt noch abzuwarten. — Auch aus Straß
urg sind Meldungen nach Metz gelangt, daß dort e
nige Soldaten von tophusartiger Erkrankung befiall
vurden. — *
Ein gefährlicher Kreditschwindler brandschatzt z.
eit die gesamte Geschäftswelt des deutschen Re'ches. «
andelt sich um den 1872 geborenen früheren Apothel
ohann Maria von Flotow, der in Steglitz in der Bra
enburgischen Straße 26 sein Domizil hatte. Obwohl Fl
ow kein eigenes Geschäft besitzt, führen seine Geschäft
ogen den Vordruck „Apotheler und pharmazeutisches
oratorium“. Er läßt sich aus allen Teilen des Reich
rößere Lieserungen kommen, die er dann auf schneilst.
Vege in Leihhäusern oder bei Händlern verkauft. So'h
r jetzt wieder mehrere Geschäfte um eine Anzahl we
oller Schreibmaschinen geschädigt. Auch mit Kaution
chwindeleien befaßte sich Flotow, indem er Leute eng
ierte und ihnen verhältnismäßig hohe Kaucionen à«
ahm, die er für sich verbrauchte. Von zahlreichen G.
chädigten sind Anzeigen bei der Staatsandvältschäft eingt
angen, doch konnte ihnen nmicht stattgegeben werden,
zlotoww als geisteskrank entmündigt ist. Alle Pfändunge
ie bei ihm vorgenommen wurden ind irichtsos qu—
alle

4.
Auntomobilunglück. Ein schweres Automobilungu
at sich auf der Chaussee von Zossen nach Berlin ere
set. Das Auto, in dem ein Ehepaar namens Altma
us Berlin und ein diesem befreundeter Herr saßen,
on dem Chauffeur gestenert worden. Es geriet an'd
ziegung der Zernsdorser Chaussee in ein Loch und ka
adurch ins Schleudern. Dabei prallte es mit voller Kra
jsegen einen Chausseestein und schlug um. Die Insass—
12241— 2 5 nebst Ga

ü——— — ————
322AirV3 geworden waren, nur ab und zu sprach e.
sein Mißfallen über den vertrauten Umaang der Liebes
eute aus.
„Ich habe Desiree erlaubt, mit unserer Wirtin, Fral
zetzhold, das Hoftheater zu besuchen, finde es aber seh
iberflüssig, daß Sie sich an den Theaterabenden regel
näßig einstellen, Herr Leutnant. Sie kompromittieren da
nit mein Kind und sich selber, da sie so frei vor alle
zlicken mit der Tochter eines Franzosen verkehren. Su—
verden Ihrer Karriere schaden, und ich kann Ihnen kein
zrsatz dafür bieten.“ I
Waldemar hatte für diese Ausfälle nur ein Lächeln
FEr plauderte ungestört mit Desiree fort, bis Herr Bau
lier wütend das Zimmer verließ. — *
Wie sich Desiree an Frau Petzhold angeschlossen hatie
o verlehrte Bourlier mit dem Wirte, der ihm als ein ge
bildeter, vielgereister Mann sehr sympathisch war. Her
Petzhold hatte längere Zeit in Paris gelebt, sprach gu
ranzösisch und war ein Bewunderer französischer Kunß
ind Gewerbetätigkeit. Das schmeichelte Bourlier, und e
chwatzte mit dem Mann, ohne je den politischen Boden zu
etreten. Er interessierte sich auch für das jetzige Schaffe
— DD
migestellt war. Als Soldat hatte er den Besitz gute
zpezialkarten schätzen gelernt. Jetzt fing er wieder an, sin
egelmäßig geistig zu beschäftigen, und Desiree bemerkte mi
großer Genugtuung, daß die aufregende Zeitungslektü
zicht mehr den Lebenszweck ihres Vaters bildete.
So flossen die Tage in Ruhe ohne viel Abwechslun—
dahin. Bourlier verließ das Haus nie, Desiree kam oft i
die Stadt, wo sich stets Waldemar zu ihr gesellte, do
var sie jederzeit in Gesellschaft der Frau Petzhold. 3
reien durchstreiften sie die Sammlungen, die Theate
Bissige Bemerkungen des Vaters wurden sillschweigende
dauf genommen, sonst war das Verhältnis 2zwischen MNa—
ind Tochter das beste und liebevollste.
Indessen hatten die Weltereigziße einen überraschen
chnellen Verlauf genommen. Mit dem schon lange erwa—
eten Fall von Paris am 29. Januar waren die Beding
umgen zum Frieden gegeben, und als während des Waffen
tillstandes am 2. Februar die von diesem ausgeschloffen
Züdarmee der Franzosen in einer Stärke von 80 000
——
er französische Widerstand auf, und die Diplomaten be
jannen zu ordnen, was die Soldaten erworben hatten. Ar—
6. Februar 1871 erfoigie der Friedensschluß. Fran—
eich trat Elsaß und Lothringen ab, übernahm die Zah
ng von fünf Milliarden Franken als Kriegsentschädigun
ud fügte sich in die demütigende Bedingung, daß 3000
stann deutscheyr Truvppoen in das eroherie Baris ⸗in
            
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