Nummer 177.
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F stuch tiachtrichten gewaltigen Eindruct, m Wien vagegen — yYat orua, eine neue wert eroffnete sich ihren Blicken, und es iworden. Zu der tonzuruierenden Versammiung waren von
Die ersten Augustschlachten. 7 F anfangs ee geglaubt. Auf ey Vdrfe er⸗ kam, was alle Zeugen jener Zeit voraussahen: die bei— sechs Beamtenvereinigunzen mit insgesamt 2054 Mitglie—
August 1870! Wer von denen, die jene Tage miter⸗ zählt man sich im Gegenteil von einem großen Siege Me— en verliebten sich ineinander und beschlossen, gemeinsam dern Delegierte gesandt worden und zwar von dem Pro—
sebt haben, fühlte nicht noch jetzt, wo die Erinnerung sich MNoahons, der Kronprinz von Preußen sei schwer verwun. ꝛurchs Leben zu gehen. Aber während die Braut, das dvinzialbeamtenverband Berlin, dem Justizkanzleiverband,
un 40. Male jährt, die gewaltsame Spannung, die da- zet und gefangen, nach einer anderen Verfion mit seinem derz von neuer. froher Zuversicht geschwellt, die Vorbe- den Kanzleibeamtenvereinen Nerseburg, Kiel und Wil
is über ganz Europa lag! Freilich äußerte sie sich an Beneralstabschef im Schlachtengetümmel spurlos unterge- eitungen zur Heirat traf, ging in Cools abenteuerlichen elmshaven und dem Magistratskanzleibeamtenverein Ber—
en verschiedenen Orten ganz verschieden. In Berlin gangen. Etwas ganz Aehnliches begibt sich in Paris Sinne die Wandlung vor sich. Der Durst nach Ruhm war in. Außerdem hatten der Ganzleibeamtenverband San
nischie sich die Grundstimmung eines tiefen Ernstes mit eim Eintreffen der ersten Nachrichten. Ein Gerücht be— n ihm rege geworden, die Sehnsucht nach den Lorbee— rover, der Sifenbahnen⸗ und Srsenbahnkanzletbeamten⸗
ellet valerländischer Begeisterung. Manchmal brach die agt, die Preußen wären aufs Haupt geschlagen, 20 000 en des Forschungsreisenden und des Entdeckers ergriff Verband, sowie der Bund der Festbesoldeten ihre Vor—
Zegeisterung mächtig durch, wie jenes Abends, da man zefallen, 30 000 nebst dem Kronprinzen gefangen genom— »on ihm Besitz, und bei den Vorbereitungen zu seiner isenden als Vertreter gesandt. Der Leiter der Versamm—
den alten Moltke, als er im Begrifse war, sich zu einem men. Im Nu sind alle Häuser, alle Straßen mit Flag— ersten arktischen Reise erlosch seine leidenschaftliche Liebe ung, Geh. Kanzleisekretär Schmidt, sprach über das Pro—
Kriegsrate ins Schloß zu begeben, im Triumphe auf die jen geschmückt und die ganze Millionenstadt gerät in ei- o plötzlich, wie sie gekommen war. Frau von Schicha— zramm des neuen Bundes. Die Aufgaben des Bundes
Schullern hob. Ganz anders aber war die Stimmung au ien unbeschreiblichen Siegestaumel. Man umarmt sich und nowska ertrug diese letzte furchtbare Enttäuschung mit ei— nüßten in erster Linie darauf gerichtet sein, daß die den
ESErine. Dort feierte man bereits künftige Siege. Um üßt sich. Dann plötzlich verbreitet sich, man weiß nicht ferner Willenstraft, sie entsagte, und hinter dem stolzen Vilitäranwärtern gesebzlich vorbehaltenen Stelten im Kauz—
hir dertschenden Stimmung den adäquaten Ausdruck zu voher, die Wahrheit, und eine Szene der Wut und der öntschluß verbarg sie ihre Verzweiflung. Als dann bald eidienste der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden auch
Jeben, jang und brüllte der Mob immer von neuem die enttäuschung ohnegleichen entwickelt sich. Verrat! Verrat! darauf bekannt wurde, daß Cook mit seiner ersten Reise iach Möglichkeit mit solchen besetzt werden. Hierbei werde
Nacfeillaise, die die Regierung Napoleons soeben erst o brüill es durch die Straßen, man glaubt sich verkauft, auch seine Flitterwochen verbinden wollte — er heiratete mich die Forderung zu stellen sein, daß die im Kanzlei—
reigegeben hatte. Flugblätter über Flugblätter erschienen, und schreit wild nach den „großen Verbrechern“. unmittelbar darauf die heutige Mrs. Cook — reifte in dienst beschäftigten weiblichen Personen, die zur Zeit we—
e die bevorstehende ‚Promenade a Berlin“ geringschätzig In Deutschland, in Berlin, herrscht unbeschreiblicher ihr der Plan, der Kulturwell den Rücken zu kehren und Jen der besseren Verwendung in der Stenographie, sowie
iofferten. Auf dem einen war König Wilhelm z. B. Jubel. Und wie zu Begim sich die einzelnen Stämme rgendwo in der Fremde durch eigene Krast sich ein neues der Bedienung der Schreibmaschinen lieber eingestelit wer
iseine große Spinne dargestellt, in deren kunstreichen u treuer Waffenbrüderschaft fanden, so sind sie jetzt eifß Leben zu zimmern. Zu jener Zeit zogen die neuentdeck. den, durch Miilitäranwärter ersetzt werden und Neuein
setze sich die Staaten des norddeutschen Bundes als arme ig bestrebt, die Großtaten des Nachbarn zu rühmen. So len Gosdfelder von Nome Tausende von Glücksjägern nach kellungen weiblicher Kräste nicht mehr erfolgen. Die Re
Fuͤegen verstrickt hatten. Von linls unten aus der Ecke vissen die Preußen nicht genug von der Tapferkleit der dem fernen Norden. Ihnen schloß sich die enttäuschte gierung habe ein Interesse daran, daß die Militäranwär—
ahl sich daher zu ihrer Rettung, im Schutze eines Chase Zayern zu erzäͤhlen, deren Furor die Franzosen in Ent. Frau an, brach alle Beziehungen mit Verwandten und eer möͤglichst gut untergebracht werden, und daß es vor
epotgewehres und der wehenden Trikolore, ein breiter ettzzen und Furcht gejagt habe. Im ganzen Reich zwei— Freunden ab und zog hinaus in das Schneeland, um ihr ullem an Nachwuchs von Unteroffizieren nicht sehle. Das
Zesen: auf einem anderen Blatte führt ein tapferer Turko, elte jetzt niemand mehr an einem ruhmvollen Ausgange Blück als Goldsucherin zu erproben. Die kleinen Mitiel, önne aber infolge schlechter Zivilversorgung eintreten. Der
Aj⸗ Bajonett ein Vierleldutzend Prussiens gespießt, den des Krieges! Trotz allen Stolzes auf die Tapferkeit des die sie mitgenommen hatte, waren bald aufgezehrt, die Kriegsminister habe die nachdrücklichste Berüclsichtigung zu
ezähmten Pickelhaubenträger an einem Stricke in der ho— zeeres, das jetzt die höchsten Erwartungen übertroffen Arbeit mit Schaufel und Hacke brachte nur geringen Er- esaat
en Schule vor: KKomm, Kleiner, komm!“ Aber in die— satte, hatte man tief im Herzen schwere Befürchtungen trag, und Tage der Not, der Entbehrung und des Hun—
en selben Tagen größter Siegeszuversicht erlebt Frank⸗— ehegt, die erstens dem Chassepotgewehre und seiner an— gers folgten. Mit eigener Hand zimmerte sie sich iht
reich die erste große Enttäuschung, den ersten deutlichen rkannten Ueberlegenheit und ferner der menschenmörderi- Blockhaus, mit eigener Hand die kümmerlichen Moͤbel und
zinweis auf den drohenden Niedergang. Deutschland stellt chen Mitrailleuse gegolten hatten. Beide waren jetzt „er⸗ Zeräie, die ihr neues Heim bedeuteten. Aber die Erin—
ich ihm geeint gegenüber. Der Herzog von Nassau ant— annt“ und hatien ihre Schrecken verloren. Die dritte serung an den Mann, der ihr zum Lebensideal und zum
vortet auf das Angebot Napoleons, an der Spitze eines Ueberlegenheit“ Frankreichs waren die Turkos gewesen. delden geworden war, wurde in den Tagen der Not nur
ranzösischen Armeedorps seine verlorenen Lande wiederzu— zchauermär und angstbeflügelte Phantasie hatten ein sehr ebhafter und schmerzlicher. Sie hatte Visionen, in denen
zewinnen, mit dem lakonischen Befscheide: Ich danke! Ich chreckliches Bild von ihnen entworfen, und sie selbst hat⸗ hreder gefeierte Besteiger des MesKinley erschien; der
jabe meine Dienste soeben dem König von Preußen an— en gesagt, sie würden sich aus der Pfalz und Deutsch⸗ dunger tat ein übriges, ihr Geist verwirrte sich, und nur
eboten! Und die Gesandten der anderen deutschen Staa- and qdange Wagenladungen von Frauen bolen. Die blu- das Eingreifen eines beteundeten Arztes, des Dr. H.
en fordern einer nach dem andern die Pässe und der ige Bekanntschaft, die die 5. schlesischen Jager und die 3. Smith aus Scattle verhinderte das Schlimmste. In
Mob von Paris muß sich darauf beschränken, ihnen, vor reußischen Königsgrenadiere bei Weißenburg mit ihnen rostlosem Zustande brachte er sie 1904 auf der „Garonne“
illem aber dem preußischen Vertreter, die Fensterscheiben zemacht hatten, hatle nun soviel klargestellt, daß sie wenn mus dem Norden nach Scattle zurück und hier erholte
inzuwerfen. Der „Figaro“ aber berichtet mit überhebli— mich Teusel, so doch immerhin besiegbare Teusel waren. ie sich in einer Nervenheilanstalt unerwartet schnell und
hem Spotte, in Berlin herrsche Angst und blasses Ent Bald langen dann von ven Schlachtfeldern auch die ZJlücklich, bis sie eines Tages aus der Anstalt flüchtete.
etzen; schon seien 211 Einwohner der preußischen Haupt⸗ rsten Gefangenen an. „Kinder, jetzt kommen die ersten Als Walerin verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt; sie
tadt an — Diarrhoe gestorben! gefangenen“, hatte ein Ofsizier bei Weißenburg seinen zerfolgte Cooks Taten und seinen wachsenden Ruhm und
Inzwischen nehmen die kriegerischen Ereignisse ihren LTeitten zugerusen, „daß mic keiner lacht und spottet, es uals er im vergangenen Jahre aus dem Norden zurück—
Anfang. Wenige Tage nach der Kriegserklärung steht die ind ja arme Gefangene!“ Und ähnlich dachte man im eehrte mit der Erklärung, den Nordpol erreicht zu haben,
deutsche Südarmee formiert da und der blutige Tanz be— ganzen Lande. Man kam ihnen überall mit Talt und malte sie nach der Erinnerung und einer Photographie
ginnt. Zögernd vorerst noch und ganz allmählich. Vor— lufmerksamkeit entgegen, ja, nach boshaften Flugblättern ein Bild. Auch als die Skeptiker die Oberhand bekamen
postenplaͤnkeleien, kleine kecke Scharmützel, die trotz ihrer ener Tage wurde sogar in dieser Hinsicht von Frauen and Cooks Erfolge immer zweifelhafter wurden, gab sie
Anbedeutsamkeit dennoch, zum lachenden Erstaunen Euro »einahe ein weniges zuviel getan. Aber ob allem stand den Helden ihrer Träume nicht preis und verteidigte ihn
pas, der Pariser Boulevardpresse Gelegenheit gegeben hat das erhabene Gefuͤhl, den Imperator geschlagen zu haben. überall, persönlich und in Zeitungsartikeln, in denen sie
zu triumphierenden Siegeshymnen und gewaltigen Schlach etĩien Verhänan — „r nn Took als einen edlen, groß angelegten Menschen pries,
enschilderungen. Dann wird das Tempo allgemach schnel defsen wahre Natur von Neidern verkannt würde. Aber
er man gerät aneinander. Die „Schlaͤcht“ bei. Saar-— der Wucht der Beweise konnte ihr kampfesmüder Geist auf
rüclen wird „geschlagen“ und zu einem Siege dreier fran⸗ die Dauet nmicht fiandhalten. Sie wurde schließlich wahn⸗
ösischer Divisionen über drei preußische Kompanien. Von innig, und heute ist das Irrenhaus von Steilacom in
Trier kommt die erste Depesche vom Kriegsschauplatz nach Seatule ihr Heim geworden; dort hockt die einst gefeierte
Berlin. Sie meldet: der Feind hält sich ruhigl Auch an— Frau in einfamer Zelle vor ihrem Bild des Dr. Coot
dere Ratrichten besagen mit deutlichenn Erstaunen, dag ind erzähli den Aerzten und Wärtern von dem großen
die 88 zurüclhalten, daß sie vor uns Anast Ind auten Manne den die Welt vporkenne. ...
zu haben scheinen!“ 343 * —
Und dann fällt am 4. August der erste Schlag, die Volitische Rundschau. *
Zchlacht bei Weißenburg! Und sie ist zum Staunen Eu— Deutsches Reich.
opas ein deutscher Sieg. Aber weiter geht es Hieb auf *.Der Kaiser empfing in Swinemünde an VBord der
dieb: Wörth-Spicheren. Zwei weitere Siege der Ver— Hohenzollern? den Reich skanzler und darauf den
zündeten und zwei der besten französischen Generäle ge— Staatsselkretär v. Kiderlen⸗Wächter. Beide Her—
schlagen! Im Inland wie im Auslande traut man sei— ten wurden bei ihrer Ankunft auf dem Bahnhose vom
nen Ohren nicht. In Deuischland nicht, weil man nicht Gesandten von Treutler empfangen.
so schnelle Erfolge, im Auslande nicht, weil man die Er— * Der Kaiser kommt am 3. und 4. d. M. nach Ber⸗
folge nicht in so bedeutendem Umfange erwartet hatte. in bezw. Potsdam, um verschiedene Regierungsangele—
„Die deutschen Siege sind mit ihren Folgen garnicht ab— genheiten zu erledigen. Unter anderem wird der Monarch
uschätzen,“ das ist die einstimmige Meinung der Presse— an diesen Tagen den früheren chinesischen Gesandten Yint—
timmen aller Länder. Welch ein Wechsel in einer Wo— schang in Abschiedsaudienz empfangen und aus den Hän—
he!“ so schreiben die „Times“ in jenen Tagen. Zwei der den seines Nachfolgers Liangscheng dessen Beglaubigungs—
esten Armeen Frankreichs besiegt, die Deutschen im raschen chreiben in feierlicher Antritisaudienz entgegennehmen.
Lordringen begriffen, Pars in Gefahr.“ Die „Daily News der 5. und 6. August ist für einen Besuch des Kaiser—
tesümieren: Napoleon könne von sich sagen, Veni, vidi naares in Hannover in Aussicht genommen. An bdiesen
ictus sum!“ vird sich dann, wie alljährlich, ein längerer Aufenthalit
In Kopenhagen, Rom, Brüssel machen die Sieges beider Majestäten in Schloß Wilhelmshöhe anschließen.
Mittwoch, den 3. August 1910.
23. Jahrgang.
Frankreich.
*Der König und die Königin von Spa—
nien sind Dienssstag morgen 11 Uhr zum Besuch des
Zräsidenten Fallieres in Rambouillet einge—
roffen und haben beim Präsidenten und Gemahlin das
Ddejeuner eingenommen. Ministerpraͤsident Briand und
aehrere andere Minister, die sich gegenwärtig in Paris
efinden, nahmen an dem Dejeuner teil. Aus Anlaß des
panischen Köniasbesuches find verichiedene Festlichleitan
eylant
Aus dem Vatikan.
* Seriöse vatikanische Kreise halten es für wahrschein—
ich, daß der spanisch-vatikanische Konflikt, weil durch
tnabsichtliche Mißverständnisse entstanden, in freundschaft⸗
icher Weise beigelegt und ein Bruch vermieden werden
wird. Der Nuntius in Madrid hat Instruktionen in die—
em Sinne erhalten.
Abessinien.
* Man meldet dem „Hamb. Fr.⸗Bl.“ aus Addis
Ubeba: Wie der Minister des Auswärtigen mitteilt und
zie kaiserliche Gesandtschaft bestätigt, hat die abessinische
segierung auf das durch den deutschen Gesandten ener—
zisch und geschickt vertretene Verlangen der deutschen Re—
zierung noch 70000 Mark für die seinerzeit entlasse—
ten deutschen Beamten gezahlt. Die abessinische
Regierung betont ausdrücklich, dies geschehe nur um der
deutschen Freundschaft willen
18. Weltfriedenskongreß.
In Stockholm wurde im dichtgefüllten Saale des
setterhauses der 18. Weltfriedenskon—
zreiß vom Minister des Aeußern Grasfen Taube na—
liens des Königs begrüßt und mit einer Ansprache eröff⸗
et. Etwa 600 Delegierte aus der ganzen Welt sind er—
chhienen, darunter Dr Risht e r⸗Pforzheim, Pfarrer Um⸗
Ir ise deSwuttgart, Prof. Dr. Quid de-München und Dr.
dietz, Hohenemser und De Neufville—-Frank—⸗
urt. Senator Lafontaine aus Brüussel bezeichnete
ils Hauptaufgaben der Friedensbewegung die Schaffung
dauernder internationaler Einrichtungen. Senator Graj
Angelo de Gubernatis aus Rom verlas ein Telegramm
»es italienischen Ministerpräsidenten Luzzatti. Es wurden
Telegramme an den König von Schweden, an Luzzatti
ind andere beschlossen; eine von Valentin komponierte
Zantate des greisen Passy fand lebhaften Beifall. Zum
Präsidenten wurde Baron Bonde gewählt. Abends ver—⸗
austaltete die Stadt einen Empfang im Hotel Ropal.
Der falsche Freund.
Oriainal⸗-Roman von Gustav Lange.
(56. Fortsetzung.) —
Noch mehr wie vordem widmete rich amunger
der Schwester seines Freundes seine Aufmerksamkeit und
überhäufte sie mit Gunstbezeugungen, als sei er in einen
jörmlichen Freudenkaumel geraten. Er kam meist fruher
gus dem Geschäft nach Hause wie sein Freund, den sein
Amt als Obermeister immer länger in der Fabrit zurück
hielt, wäͤhrend dieser Zeit leistele er dann Elfriede Ge⸗
ellschaft, die bei ihrer Stickerei saß und merkwuͤrdiger
Weise, war es Zufall oder Absicht, die Wilwe hatte meisi
um diese Zeit allerlei Besorgungen in der Stadt, sodaß
die beiden jungen Leuke alleine blieben. his Ernst nack
Hause kam.
So auch heute. Erich Hãuslinger saß neben Elfriede,
die über ihre Arbeit gebeugt, uun mit halbem Ohr sei⸗
nen Worten lauschte und sich den Auschein gab, als er⸗
sordere die Stickerei ihre gauze Aufmerksamkeit.
„Fräulein Elfriede — Elfriede, schon längst müssen
sie es gemerkt haben, wie ich Sie verehre, Sie anbete
und nach einem freundlichen Blick, nach einem Lächeln
»on Ihnen hasche,“ sagke er feurig und griff nach ihrer
hand. „Nun endlich kann ich hoffen, auch von Ihnen
freundlicher behandeit zu werden
Das junge Mädchen ließ einen Augenblick die Arbeit
uhen; ihr Gesicht war von einer tiefen Röte übergossen
und um ihre Mundwinkel zuckte es verräteruch.
⸗Herr Häuslinger —“
„Ficht so förmiich, so steif; nennen Sie mich Erich
taumen Sie mir das krauie Du“ ein, wie ich Ihnen
ein Gleiches gestalte.“ unterbrach er sie.
Und wozu soil —
nele sie, ohne seine Einwendung zu ber „ddie wͤ⸗
en, ich besitze so gut wie kein Vernn mage
urchaus kein hehl daraus, aber ich weinnot. wie vie
ber diefen Puntt denken, ich dille um elne offene ebr⸗
iche Antwort.⸗
Ein teichter Schallen huschte bei der Erwaͤhnung der
dehdfrage aͤber das keinerwegs unschöne Gesiche des
quchbaliers: er strich ein vaar Mal verlegen Bber sei—⸗
i stattlichen blonden BSchnurrvart, was er immer ta.,
wenn er um eine Ankwortk verlegen war. Der kühl be⸗
echnende, nur nach Reichtum strebende Charakter kam
vieder zum Durchbruch, nachdem bei den Worken El⸗
riedes der Rausch, in dem er sich befunden halke, ver⸗
üchtet war. Er halte diesem MNädchen nicht soviel
Jernunft zugekraut, sondern geglaubt, sie durch seine
jußeren Vorzůge blenden zu können, um mit ihr einen
kurzen Liebesktraum verleben zu können.
Auf diese Frage war er nicht gefaßk; ja, was sollke
er antworken — heiraten, närrischer Gedanke — er haktke
bis jetzt selbst noch nicht ans Heiraten gedacht — in sei⸗
nen Jahren dachte man überhaupt noch nicht ernstlich
daran und dann hakte er noch viel größere Aufgaben
sich gestellt, die er erst lösen mußte, ehe er ans Heiraten
denken konnlke.
In diesem Augenblick wurde rasch die Türe geöffnek;
der Obermeister krat ein und als er die beiden beieinan⸗
Jer sitzen sah, da glitt ein Läͤcheln der Erkennknis über
ein Gesicht.
Erich, auf einige Minuken, ich muß Dich um Rat
itten,“ sagte Ernfi Kretschmann und ging direkt in sein
zimmer.
Die Dazwischenkunft des Obermeisters war für Erich
zäuslinger eine Erleichterung, denn dadurch war er auf
ine gute Art einer Antwort überhoben. Zum zweiten
Male wollke er vorsichtiger sein und sich nicht so leicht
iner solchen verfänglichen Frage aussetzen; der heulkige
Tag hatte ihm zum Bewußlsein gebracht, daß er diesem
Madchen gegenüber mit Worten allein nicht zu imna⸗
rnieren vermochte.
»Ein anderes Mal werde ich Ihnen eine ausführ—⸗
iche Antwort geben,“ sagle er mit einem überlegenen
dächeln, „etzt will ich erst einmal hören, was mein
Freund zu sagen hat, er scheint es sehr eilig zu haben,“
aach diesen Worken folgte er dem Okermeister in dessen
zimmer.
z Elfriede sah ihm mit einem Blick nach, der deullich
jenug verriet, daß sie ihn durchschaut halte und sie sich
iber seinen Charakter nicht im Iweifel befand.
„Triumphiere nur,“ flüsterle sie, Dich habe ich er⸗
annk, aber Du sollst ein schwaches Weib kennen lernen
velches Du zum Snielhall zu henutzen Dich erdreistest.“
„Lenke nur, heute kam der Patentanwdit zu
die Fabrik,“ erzählte der Obermeister und sein Gesichl
glühke förmlich vor Erregung und Freude. „Er erklärke
mir, nach sorgfältiger Prüfung halte er die von mir
konstruierle Maschine für sehr zweckmäßig, er habe die—
jelbe bereits zum Pakent angeneldet. Auch könne er mir
einen Kapitkalisten namhaft machen, welcher bereit sei,
mir die Erfindung sofort abzukaufen.“
wae Die Freude bei dem jungen Mann über diese gün—
stigen Aussichten war so groß, daß er den Buchhalker
am Arme faßte und ihn in einem Wirbel mit herum⸗
drehte. Aber wenn er gehofft hatte, dieser würde regen
Anteil an seiner Freude nehmen, so halte er sich darin
getäuscht. Erich Häuslinger schwieg zunächst und machte
aur ein bedenkliches Gesicht.
— „Nun, Du sagst doch gar nichts dazu,“ meinke der
Obermeister, dessen freudige Aufregung einen argen
S5tofß durch das Benehmen des Freundes erlikken hakte.
„Sprich offen Deine Ansicht aus, Du weißt, ich gede
hdiel auf Deinen Rat, denn Du besitzt in geschäfklicher
Hinsicht doch mehr praktischen Sinn und auch menr Er—
fahrung wie ich.“
d5Du bist heuke etwas aufgeregt, zum klaren Nach
denken nicht recht aufgelegt; die Aussicht, nach so vieler
Müuhe plötzlich so reich belohnt zu werden, macht Dich
hlind,“ sagte Erich Häuslinger endlich. „Die ganze
Sache ist aber doch noch zu unvollkommen, um praktisch
verwerket werden zu können. Dies wird auch der Ka—
aitalist schließlich einsehen,. nachdem er eingehend sich
aͤberzeugt hat; er kann vom Geschäft zurücktreten, die
erlanigke Kenntnis ausbeuten und Du hast das Nachsehen,
so kann es kommen, obgleich ich kein Prophet sein will.
„Ja, was meinst Du denn da, was ich lun soll; ich
habe doch noch die Wahl und mich durchaus noch nicht
gebunden. Indeß muß ich offen gestehen, es sagt mir
am meisten zu, wenn ich die Erfindung für eine annehm ·
bare Summe verkaufen, dieses Kapital zinsbringend an⸗
egen und meine Stelle beibehalten kann, über weiter
hinaus erhebt sich der Flug meiner Pläne nicht, ich
53 vollftãndig zufrieden sein. wenn sich dieser Munsch
p te.“
„Dagegen habe ich nichts einzuwenden; ich meine
vur. zu Linem Berkauf ist es noch aꝛu früh. Mein Rat
geyt dahin, Bu warkest ab, bis Vir das Patent erteilt
vorden ist, halt dann der Mann sein Gebot noch aufrecht,
gul, so schlägst Du ein“·
Maun ja, ich kann noch so lange warten, sagle
Areischmann tleinlaut, er vermochle aber doch nicht recht
inzusehen, warum er erst noch Wochen. Monate viel⸗
eicht warten sollte, anstakt jetzt zuzugreifen. Mußte der
zZaufer denn gerade ein Bekrüger sein, bürgle denn nicht
er Name des angesehenen Patentanwalles dafür, daß
ieser ihm einen reellen Mann bringen würde?
Mit lauerndem Blick betrachtete Erich Häuslinger
en Obermeister, wie derselbe seinen Blick über die ge⸗
iebken und so sorgsam gehüteten Modelle schweifen ließ
ind die Freude bei ihm völlig verschwunden war.
„Du dhast Deinen freien Willen und ich habe kein
Kecht, Dir irgend welche Vorschriften zu machen, aber
ch denke, es ist besser, Du handelst nicht so uͤbereilt.
Hat es so lange gedauert, so kommt es nun auf ein
Zaar Monate auch nicht an — nur Vorsicht, ein Vorkeil
st manchmal schnell aus der Hand gegeben.“
Das Work vVorsicht klang dem Obermeister unaus ge⸗
setzt in den Ohren, als ob ein unsichlbarer Warner ihm
dasselbe zuflüstere. Wollke ihn derselbe vor dem falschen
Freunde warnen?
Du hast mir noch nie einen Rat gegeben, den ich
u bereuen gehabt häile, darum werde ich auch diesmal
Deinen Worien folgen und mit dem Verkauf bis nach
Erteilung des Patentes warlen.“
*War das aͤlles, was Du mir zu sagen haltest, oder
wünschest Du noch etwas? fragte der Buchhalter. Ich
habe dem jungen Herrn Buchheim versprochen, ihn heute
Abend abzuholen, um mit ihm nach der angestrengken
Tätigkeit des Tages mit noch einigen guten Bekannlen
ein paar gemuükliche Slunden zu verleben.
Nein, ich will Dich nicht länger aufhalken, da Du
aoch anderweite Verpflichlung hast,“ entgeg nete der
Obermeister verdrossen. Er halte schon seid einiger Zeit
‚emerkt, daß seid der Rückkehr Arthur Buchheims eine
Anderung in der Lebensweise des Buchhallers einge⸗
relen waͤr. Er verbrachte unker diesem und jenem
zorwande die Abende außer dem Hause und sein üb er⸗
ächtiges Aussehen verriel zuweilen nur zu deullich, daß
r spaͤt nach Hause gekommen war und ihm der Schlas
ehlie, waͤhrend er seinen alten fFreund gauz vernach