Full text : Dudweiler Zeitung

Ninde gegennber der Regterung over ven Warteien oder
irgendwelchen Kombinationen zu binden. So eng sei denr
doch der politische Gesichtskreis und so kurzsichtig sei dent
doch das politische Urieilsvermögen der nationaälliberaler
Partei und ihrer Führung mit nichten. Die nationallibe
rale Partei werde, wie sich dies aus dem Zwange der
Lage mit großer Natürlichkeit ergebe, eine Politit der
freien Hand und der unbehinderten Selbständigkeit nact
allen Seiten treiben. Die Partei habe die Verpflichtung,
nach allen Seiten für die kommenden Wahlen zu rüsten,
und es nach Möglichteit zu verhindern, daß sich in einem
IIXL———

Hof und Gesellschaft.
es Der Kronprinz und die Kronprinzes—
s in des Deutschen Reiches sind in Hopfreben Gwre—
genzer Wald), zu einem dreiwöchigem Jagdaufenthalt ein—
getroffen.
* Der Großherzogin sund die Großherzo—
gin von Hessen sind in Mainz von ihrer England—
teile eingetroffen, von wo sie sich zum vorläufigen Au
fenthalt nach Schloß Wolfs fgarten begaben.

Heer und Flotte.
* Das erste feldgraue Regiment wird das am 1. Ok
tober neu zu errichtende sächsische Husaren-Kegiment Nr
20, das dauernd und allein, für alle Friedens-, also auch
Paradezwecke, die feldgraue Uniform erhält. Nur die
Stiefel werden, vorläufig wenigstens, nicht feldbraun, son—
dern schwarz sein. Die neue vom König bereits geneh—
nidte Uniform besteht aus einer feldarauen Attila mit
dunkelgrüner Verschnürung und feldgrauer Reithose. Die
kKnöpfe, Oliven und Nummern sind mattsilberfarbig ge—
halten; die Abzeichen an der Pelzmütze und der Mütze sind
tornblumenblau. Bandolier, Säbeltasche, sowie alle glän—
jenden Beschläge am Sattel- und Zaumzeuge sind wegge—
jallen. Die Uniform hat den Vorlteil wesentlicher Billig
teit im Vergleich mit den bisherigen Husaren-Uniformen;
so soll die Offiziersequipierung des neuen Regiments sich
um etwa tausend Mark niedriger stellen als die der bei—
den säsichschen Husaren-Reaimenter 18 und 19.

—An

Die mandschurischen Eisenbahnen.
Die mandschurischen Eisenbahnen gewinnen anläßlich
des russisch-japanischen Abkommens und des Gegensattes
— 8
2 —

2*

33
—2—— 2 83
—
————— — —
dieser Mächte zu Amerika, gerade in oer Eisenbahnfrage,
besondere Bedeutung. Wir führen die Linien unsern Le—
sern im Bilde vor.

Gerichtszeitung.
JSozialdemokratische Lehrlinge. Eine für das
Verhältnis von VLehrherren und Lehrlingen wichtige Ent—
jcheidung ällte die Handwerker- und Gewerbekammer in
Zittau in Beantwortung der Frage, ob der Lehrherr
gegen einen Lehrling, der sich einer sozialdemokratischen
Organisation angeschlossen hat, vorgehen könne. Die Kam—
mer entschied: „Sollte der Lehrling trotz Verbots des
Lehrherrn weiter der Organisation angehören, so ist letz—
erer berechtigt, ihn ohne Beendiaung der vereinbar—
en Lehrzeit zu entlassen“
αααιιOααX
Arbeiterbewegung.
Droschkenkutscherstreif. Die Droschkenkutscher in
Dresden beschlossen, in den Streit zu treten. Sie for—
r.... — — —
vie strebsam, er wird es gewiß noch einmal an etwas
zringen.
.„Das Alls stelle ich doch gar nicht in Abrede, Mub
er,“ erwiderte; Elfriede schluchzend. „Ich kann mir
iber wirklich nicht erklären, was Euer Lob bezwecken
oll, welches dem Herrn Buchhaller in den letzten Mo—
aten nun schon forkwährend gesungen worden ist ?“
„Du willst es nur nicht verstehen — wenn Du es
aber durchaus noch extra hören willst, so will ich es
Dir ohne besondere Umschweife kurz und bündig sagen.
Herr Häuslinger hat sich mir gegenüber schon oft uͤber
die Unfrenndlichkeit beklagt, mit welcher Du ihn be—
handelst, obwohl er doch lange genug unser Fresund ist,
um eine andere Behandlung zu verdienen. Er hak auch
o durchblicken lassen. daß er die Absicht heat, Dich zu
heiraten.“
„Mutter, glaub das nicht — nimmermehr heiraket
der ein so armes Mädchen, wie ich bin, oder mich
müßte alles täuschen.“
Das ist nur Einbildung von Dir,.“ versetzke die
Wittwe in leicht gereiztem Tone. „Ich halke Herrn
hãuslinger durchaus nicht für einen Mitgiftjäger und
jlaube an seine reellen Absichlen. Nun denke, welch
zlückliches Los Dir an seiner Seite beschieden wäre
iuch für Deinen Bruder, denn er wird sicher noch ein⸗
nal Prokurist bei Buchheims. Ernst ist derselben Mein⸗
ing wie ich und auf dessen Urkeil wirst Du doch etwas
geben, wenn Du auf mich allein denn gar nicht bören
villst.
3 us auf Mukker und laß mich meine Wege gehen;
ich verzichke gern auf das glänzende Loos an seiner
zeite.
Dann sprich es wenigstens offen aus, welches
Mißtrauen Du gegen Herrn Häuslinger hegst und
welche Veranlassung er Dir dazu gegeben hat, daß Du
hmeförmlich aus dem Wege gehst.“
„Einen bestimmten Grund vermag ich nicht anzugeber
— es ist ein so unbestimmtkes Ekwas, was mich glauben
äßt, er habe kein Herz, seine Versicherungen schweben
nur auf den Lippen und er sei im Stande, ruhig über
ein gebrochenes Frauenherz hinwegzukommen, ohne
sandere Gewmissensbisse zu empfinden Ich mäöchk⸗

ern in Zukunst statt 1 Wiark' tagtichen Lohn 1,50 Mark,
owie 25 Prozent Anteil an den Einnahmen. Sie haben
en jetzigen Zeirpuntt sür die Inszenierung des Streit—
»eshalb gewählt, weil jetzt in Dresden die bekannte Dres
»ener Vogelwiese beginnt, während der in Dresden für di,
Ddauer einer Woche ein starker Fremdenverkehr herrscht.
Bergarbeiterausstand. Der „Matin“ meldet aus
Zan Sebastian: Die Ausstandsbewegung in Bilbao
zreift immer weiter um sich. Auf den meisten Gruvben ist
die Arbeit eingestellt. Die Gruüben liegen ruhig. Große
Nassen Ausständiger belagern die Zugaänge zu den Gru
bhen, andere durchziehen die Straßen und Ortschaften, um
die Nichtstreilenden aufzufordern, sich dem Streit anzu—
chließen. Zu ernstlichen Ruhestörungen ist es bisher nicht
sekommen. Die Behörden haben unmifassende Maßregeln
ur Aufrechterhaltung der Ruhe getroffen, da sie bei der
iblehnenden Haltiung der Gruübenbesiter Ausschreitungen
wvfircbten

Von der Lujztschiftalbert.
*Die Münchner Fahrt des „. 6“. In Leip—
ig hatte sich um Mitternacht eine Anzahl Mitglieder des
Magistrats, Vertreier der Presse u. a. auf dem Rathaus
urm versammelt, welcher durch Lichter und Magnesium
ackeln festlich erleuchte war. Um 42 Uhr erschien „P. 6*
don Norden her und passierte in schneller Fahrt das Zen—
trum der Stadt unter den Zurusen der Bewohner, welch«
urch das Summen der Propetler auf das NRahen des
Luftschisses aufmertsam gemacht worden war. Um 2 Uhr
entfernte sich das Luflichiff in südlicher Richung. — „P
63“ erlitt bei Löbesta dt einen Propellerbrusch
Das Vuftschiff setzte nach der Reparanur die Fahrt fort.
— Nach dem Wiederaufstieg passierte es Sonntag 11 Uhr
ormittags bei Gegenwind in ruhiger Fahrt Plauen,
n Hof wurde das Schiff um 12 Uhr gesichtet. — Nach
veiter eingetroffenen Nachrichten mußte das Vuftschiff in
solge heftiger Gewitter bei Goldtronach in der Nähe
von Bayreuth land. Ueber München ging ein
efsftiges Gewitter nmieder.
„M. 3.“ Der Militärballon „MR. 3“ ist Sonntag jrih6
Uhr vor der Luiftschisfhalle in Teg'el glatt Jelandet.
*Flugwoche in Berlhin. Die Meldungen für
die Flugwoche in Johannisthal vom 7. bis 13. August
sind in Anbeiracht des Unistandes, daß erst 21 Deutsche
im Bestze dos Führerzeugnisses sinid, was Bedingung für
die Teilnahme am Wettbewerb ist, außerordenthich zahl
reich. Der „Sport im Wort“ meldet: Am stärksten ver—
reten von den Flugzeug-Syslenmen ist das deutsche Wright—⸗
Flugzeug, von dem nicht weniger als neun Eremplare ge⸗
meldet sind, und zwar von KLrorvettentapitän Engelhardt
zwei, Robert Thelen zwei, Fridolin Keidel zwei, Schauen⸗
burg eins, Ostar Heim zwei. Letzterer hat sein Zeugnis
in Oesterreich erworben, ist aber Reichsdeutscher und als
jolcher zur Teilnahme an den Weitbewerben berechtigt. Der
Aviatit⸗Doppeldecker (System Farman) der Aviatik G. m.
b. H. in Mühlhausen ist in zwei Exemplaren vertreten
die beide von Jeannin gemeldet sind. Drei Antoninette
Flugzeuge sind von Eugen Wiencziers gemeldet, der am
J. Mai d. J. dn aussehenerregenden Flug über Straß—
»urg ausge ührt hat. Wiencziers ist der einzige Deutsche
der sein Führerzeugnis auf dem Antoinette“ Eindecker er
vorben hat. Ein Voisin-Flugzeug wird von Felix Laitsch
enutzt werden. Hans Grade hat zwei seiner Eindeckt
gemeldet, und dasselbe Flugzeug wird Ernst Plochmann
horführen. Für Simon Brunhüber, von dessen Flügen
mif dem Truppenübungsplatz Döberitz in letzier Zeit viel
ach berichtet wurde, hat Oberstleutnant Huth zwei Som
ner⸗ und einen Farman⸗Apparat gemeldet. Die Deuische
Fluggesellschaft in Frantfurt a. M. hat für Ellery vonñ
Gorissen ein Euler-Flugzeug angemeldet. Adolf Behrend
—————
lich wird Hermann Dorner, der unlängst mit seinenn Eindecker
 eigener Konstrultion den dritten Lanzpreis erwarb,
einen eigenen Apparat vorführen. Es werden sich somii
14 Flieger wit 25 Flugzeugen an dem Wettbewerb betei—
igen, 16 Zweidecler, 9 Eindecker. Sechs weitere Anmel—
zungen mußten außerdem zurückgewiesen werden, weil die
Anmeldenden noch nicht die Führerzeugnisse erworben hat⸗
sen und auch noch nicht die Bedingungen fur die Erwerb—
ma des Führerzeugnisses erfüllen konnten.
Humoristische Ecke.
*Unangenehme Bestätigung. „Sind Sie
»er Ansicht, daß mein Schlachtengemälde so, wie ich be—
ibsichtige, alle Schrecken des Krieges vor Augen zu füh—
en imstande istä“ — „O ia, Es ist das Sjchrecklichste.
vas ich je gesehen habe!“
*Beim Mansver. Wachtmeister (zum Einjähri—
gen, der Schauspieler ist, und den bei einer Uebung das
Pferd abgeworfen): „Ja, ja, das ist halt doch was an—
deres, als das ganze Jahr auf so ein paar lumpioden
Rollen herumreiten!“
*Die Umkehrung. Beim Stallappell wird be—
ohlen, daß die Soldaten zuerst ihre eigenen Namen und
dann den Namen ihres Pferdes rufen sollen. Es wird
nich ganz richtig gemeldet: „Müller — Junol“ — —
„Krause Springinsseld!“ usw., bis die Reihe an einen
Sinjährigen kommt, der die vorgeschriebene Reihenfolge
berwechselt: „Mithridates — Kohn!“ — ‚Das könnte Ib—
sten in vassent“ saat der Nordofeßto

nun nicht gern einem soschen vornehmen Serrn zum
„spielball dienen.“
„Du bist ein närrisches Ding und ärgerst mich noch
ns Grab mit Deinem albernen Getktue. Was soll ich
herrn Häuslinger sagen, wenn er, was ich bestimmf
vermute, um Dich anhält? Er wird es lächerlich finden,
wenn ich ihm Deine Ankwort gebe und ich muß m'ich
chämen.“
Ein liefer Seufzer klang vom Fenster her, Elfriede
sang sichtlich schwer mit sich. Noch nie hatte sie ihrem
Mütterchen, das sie zärklich liebte, den geringsten Kum—
mer oder UArger bereitet und es tat ihr daher sehr leid,
daß es gerade in dieser ihr Lebensglück aufs kiefste be—
rührenden Frage geschehen sollte. Sie war auch überzeugt,
hre Mutter hatte nur die beste Absicht und sie hiell
Erich Häuslinger wirklich für einen iauteren Charatter,
aber es war doch auch ihre Schuld nicht, wenn sie
iesem Manne nicht so entgegenkommen konnke, wie ihre
Nutter und ihr Bruder es wünschien.
„Du sollst Dich meiner nicht schämen, Mutter,“ sagte
Elfriede endlich. „Nein. ich will keine Veranlassung da⸗
zu geben.“
13 „So willst Du den Herrn Häuslinger freundlicher be—
handeln und wenn er um Dich anhält, so kann ich ihm
in Deinem Namen sagen —“
*Ja. Du tannst ihm sagen. daß ich um Veiner“
und meines Bruders Willen dieses Opfer bringen will.“
O, sprich nicht von Opfer, Elfriede, Dein Gläück ist
z8,* rief die Wittwe freudig erregl. An Deiner Zu⸗
timmung erkenne ich meine vernüuftige Tochtett«

5. Kapitel.
Neidlos schauke Ernst retschmann auf seinen Freund,
yen das Glück so begünstigke. Die beiden Maämer
varen schon längst Dutzbrüder und hakken einen innigen
Freundschaflsbund mit einander geschlossen. Auch dem
Monkeur war das Eingreifen damais bei dem Unfall
des Fabrikbesihers nicht unbelohnt geblieben, er war
nach und nach zum Meister in der betreffenden Ableil—
ing und schließlich zum Obermeister in Buchheims Fa—
rik befördert worden, was er zum größlen Teil na—
rlich auch seinen Kennknissen und Fähigkeiten zu ver⸗
anken hafte. Aher damit heanuofe er sich noch“ nice.

Lokales und Vermischtes.
Brandsignale ertönten gestern abend gegen 9 Uhr
Lon dem Turme unserer Kirchen riefen die Glocken di—
Zürger zur Hülfe — doch war weder etwas zu sehen noch
zu löschen. In dem früheren „Alten Kittchen“, das zu Woh—
nungen eingerichtet ist, wohnt eine Familie. Deren Kinder
jatten auf dem Tische mit Zündhölzer gespielt, wodurch die
Tischdecke in Brand geriet. Dies war der Brand, um den
»ie ganze Bürgerschaft Dudweilers in Nufreaung versetz
vurde.
Bei dieser Gelegenheit möchte nwir unsere maßgebendern
Personen in der Gemeinde Dunweiler auf das in grau
Vorzeit gehörende, jetzt ganz und gar nicht mehr angebracht«
und zeitgemäße „Stürmen“ mit den Kirchenglocken auf—
merksam machen. Wir haben jetzt eine gut organisierte, in
'adellosem Zustande befindliche Feuerwehr. Bricht nun
irgend ein Brand aus, so ist es doch lediglich Sache der
Feuerwehr, die ja doch zu diesem Zwecke gegründet wurde,
»u alarmieren und des Brandes Herr zu werden. Dabei
st das Hinzuströmen des Publikums als ein Hindernis zu
betrachten. In größeren Städten kann wan diesem Hinder—
nis durch Absperren der Brandstelle entgegentreten; da ist
eben Polizei genügend vorhanden, und wenn dieise nicht
ausreicht, Militär zur Stelle.
Und nun muß man sich berechtigter Weise doch fragen:
Warum wird denn das Publitum durch das Stürmen der
dirchenglocken noch besonders auf den Brand aufmerksam
Jemacht? Ohne das Stürmen, lediglich durch die Signale
»er Feuerwehr, wird schon viel zu viel Publikum, meist
Neugierige, angezogen — warum müssen denn die Kirchen⸗
Jlocken noch die Leute aus den fernsten Winkeln unseres
Irtes herbeiziehen?
Früher benötigte man die Leute zur Herbeischaffung des
Wassers. Das ist doch jetzt nicht mehr nötig, denn unsere
Wasserleitung ist mit Hydranten versehen. Schon bei der
Arbeit an den Hydranten und zur Legung der Schläuche
st das Publikum sehr überflüssig und hinderlich.
Es wäre deshalb angebracht, das Stürmen der Glocken
oöllig zu unterlassen. Die maßgebenden Persönlichkeiten
verden sicher mit uns und der Bürgerschaft eines Sinnes
ein, daß dies recht gut unterbleiben kann!
sssämtliche Hauptleitungen des Fernsprechnetzes Saar—
»rücken-Dudweiler find von heute nachmittag 4 Uhr bis
norgen früh 7 Uhr außer Betrieb.
Kreisturnfest odes Mittelrheinktreises in Kreuznach.
Vom Allgemeinen Turnverein Dudweiler waren eine ganze
Reihe von Turnern vergangenen Sonntag zum Preisturnen
n Kreuznach gewesen. Diese haben gut abgeschnitten und
verschiedene Preise zu erhoffen. Gestern abend wurden die
Lreisturner mit klingendem Spiele vom Bahnhof Dudwei—
er abgeholt und zum Vereinslokale Ww. Riedschy geleitet,
voselbst der Vorsitzende Herr Königl. Steiger Escher sie in
einer Ansprache ehrte.
Versammlungen der Zahlsielle Dudweiler des Christlichen
 Gewerkvereins der Bergarbeiter finden morgen bei
derrn P. Bayer und im Gafsthaus zur Vost statt bsiehe
Anzeige).
Herr Pfarrer und Superintendent W. Lichnock *
Der bei seinen Pfarrkindern sowohl wie auch bei der kathoͤ—
ischen Einwohnerschaft in so gutem Andenken stehende
frühere Pfarrer in Dudweiler Herr Lichnock hat in Kreuz⸗
nach das Zeitliche gesegnet. Der Verblichene war aber
nicht nur tüchtig und treu in seinem Berufe, er war auch
ein vortrefflicher edelgesinnter Mensch, ein liebenswürdiger
Charakter von vornehmer Denkungsart, ein Feind jeglicher
engherziger Gesinnung, ein für alles Schöne, Wahre und
Bute begeisterter Mann, ein Mann der erfüllt von echtem
Bürgersinn es als einer seiner schönsten Aufgabe betrachtete,
nicht sich selbst zu leben, sonderndem Gemeinwohle nach besten
Kräften zu dienen. Das Andenken an ihn wird bei uns
allezeit fortlehen und werden wir ihm auch nach dem Tode
allzeit freundschaftliche Gesinnung und Treue bewahren!
Das neue Fernsprechamt. Vom Telegraphenamt er—
ielten wir gestern die Mitteilung, daß wegen Umlegung
er Fernsprechkabel in das neue Vermittelungsamt uͤnser
kelephonverkehr heute von etwa 4 Uhr nachmittags bis
norgen Vormittag 7 Uhr außer Betrieb gesetzt werden
nüsse. Keine gerade willkommene Botschaft, aber man
nuß sie hinnehmen; anderen Leuten wird es auch so gehen
eind wer sich diesmal besonders darüber freut, das sind die
relephonfräuleins, die nun einige Stunden Ruhe haben.
an— e 6ν v * —I8RaAꝑpu

tte er fraher durch Selbsistudlum sein Wissen bereichert,
o suchte er dasselbe in der Praxis zur Anwendung zu
riugen. Wenn andere Männer seines Alkers und
ztandes diesem und jenem Vergnügen huldigken, nach
)er läglichen Arbeit Zerstreuung suchten, da saß er zu—
neist zu Hause in dem kleinen Zimmerchen, rechnefe,
eichnete und probirle. Er arbeileke in seinen Muse—
lunden an einer Maschine, welche eine bedeutende Ver—
esserung in sich schloß und seine Mühe und Fleiß
olllen auch nicht ganz ohne Früchte bleiben, denn
schon waren die Modelle ferlig und ein bekannter Pa—
lentanwalt, an den er sich gewandt, hatte sich sehr lo—
hend darüber ausgesprochen und ihm sicheren Erfolg in
Aussicht gestellt, wenn es erst gelänge, eine Maschinenjabrik
 dafür zu inkeressieren, die diese Maschine horzukellen
 üͤbernehme.
In Krekschmanns Zimmerchen sah es recht kunker⸗
unt aus. Den ohnehin kleinen Raum beengten die
rufgestellten Modelle, Zeichnungen und angefangenen
Teile, sodaß kaum noch ein Plätzchen zum Niedersetzen
lieb. Furchkbar ärgerlich aber konnke Krekschmann
tels werden, wenn seine Mutter fremden Personen
einen Einblick in sein Allerheiligstes gestattete, um ihnen
'n ihrem mütterlichen Stolz zu zeigen, welch ein bedeu—
ender Mann, welch ein gescheidter Kopf doch ihr einzi—
zer Sohn war, denn es blieb doch nicht immer beim
loßen Ansehen, denn es mußte doch auch dieses und
enes zum besseren Verständnis angegriffen werden und
dadurch war schon wiederholt die Harmonie zwischen
Mutter und Sohn gestört worden. Mit Argusaugen
zehütete in lehter Zeit der Monkeur seine Schätze, um
aunmehr, wo die Maschine ihrer Vollendung enkgegen—
zing, keinen Einblick mehr in seine Geheimnisse zu ge—
statten, zum größten Leidwesen seiner Mutter, die ihre
Neugierde auch kaum noch zügeln konnte.
Es war Ernst Krekschmann nicht unbekannk, daß
schon mancher um die Früchte seiner Erfindung gekom⸗—
men ist, weil vorzeitig Unberufene in das Geheimnis
eingeweiht worden, dem wolltke er ganz entschieden vor—
heugen, daher gab er den Schlüssel zu seinem Zimmer
nicht mehr aus der Hand, seildem zu ertennen war,
velchem Zwecke die Maschine dienen sollte.
Nur seinen Fronnd Frich fänslinger moihfte ⸗»in

»en ganzen Tag diese Kästen bedienen. Der Neubau de
Zaarbrücker Fernsprechamtes ist soweit vorgeschritten, dar
)»as neue Amt nach Verlauf einiger Wochen dem Betriebt
bergeben werden wird. Ta Apparate neuester Konstruk
ion nach dem Zentralbatteriesystem mit Glühlampensig
aalisierung eingetührt werden, so sei hier ein Auszug aus—
rem Aufsatze der „Zeitschrift für Schwachstrymtechnik'
viedergegeben, der die an das Ortsfernsprechamt Saar
drücken angeschlossenen Teilnehmer interessieren dürfte
Jede Sprechstelle braucht elektrischen Strom zum Speise
des Mikrophons, das die Schallwellen der Sprache i—
elektrische Stromwellen umwandelt, und ferner zum An
rufen des Amtes und auch des gewünschten Teilnehmers
Bekannllich sind für diesen Zweck bei jeder Sprechstelle eir
oder zwei galvanische Troclenelemente aufgestellt und zun
Anrufen des Amtes und der Teilnehmer dient der Kurbel—
nduktor, der sich in jedem Apparat befindet. Beide Ein
richtungen haben mancherlei Schwächen. Die Element,
erschöpfen sich je nach der Inanspruchnahme des Fern—
prechapparats in kürzerer oder längerer Zeit, und,
chwächer der Strom vird, umso leiser wird die Sprache
die Kurbelinduktoren versagen nicht selten infolge mechanische
Nängel, ader der Strom wird zu schwach, weil die Mag
iete in ihrem Magnetismus nachgelafsen haben, öder der
Ztrom wird zu stark und kann dann zu Beschädigung de—
Amtspersonals oder der Teilnehmer Anlaß geben, wenn di
Kurbel zu schnell gedreht wird. Bei dem Zentralbetrieb
ystem ist für den Anruf des Amtes und für die Speisung
der Mikrophone der Teilnehmerapparate und für all
Signale im Amt nur eine gemeinsame elektrische Batteri—
vorhanden, die im Anmit aufgestellt ist. Diese Batterie, di
aus großen Akkulumatoren besteht und in der Fernsprech
entrale eine Spannung von 28 Volt hat, steht ständi—
inter peinlichster Aufsicht und bildet daher eine in ihre
Wirkung stets gleichmäßige, nie versagende Stromquelle
ZSie ermöglicht gleichzeitig die Verwendung von kleinen
lektrischen Glühlampen zu allen Signalen. Solche Glüh—
ampen bilden ein viel auffälligeres Zeichen als die jetz
ebräuchlichen Fallklappen, nehmen weniger Platz ein und
nd betriebssicherer. Das Amt wird dadurch automatisch
)adurch angerufen, daß der Teilnehmer den Hörer
om Haken abhebt, der Kurbelinduktor bei den Teil—
ehmerstellen ist dadurch entbehrlich. Das Anrufen des
gewünschten Teilnehmers besorgt das Amt. Von größter
Bedeutung für die Güte des Beltriebs ist auch, daß das
Zentralbatteriesystem eine einwandfreie Uberwachung jeder
estehenden Verbindung im Amt mittels automatisch
»irkender Glühlampensignale ermöglicht. Zu jeder herge—
tellten Verbindung gehören nämlich zwei Uberwachungs—
lampen, die eine zur Leitung des Anrufenden, die ander—
zu der des argerufenen Teilnehmers. Sie leuchtet, went
der Hörer bei der betreffenden Sprechstelle angehängt is'
und erlöschen, sovald der Hörer abgenommen ist. Hiernac
kann im Amt jederzeit der Stand der Verbindung beurtei
verden. Wenn beide Teilnehmer ihre Hörer angehäng
saben, also wenn das Gespräch beendet ist, leuchten an
Amt beide Uberwachungslampen. Nur wenn dies der
Fall isi, darf die Verbindung getrennt werden. Dami
»erschwindet die mit Recht so beliebte Zwischenfrage „Spre—
hen Sie noch?“ die bei der Unvollkommenheit der alter
Linrichtung leider ein notwendiges Ubel war, von der Bild
läche, und das noch weit unangenehmere vorzeitige Tren
nen im Gange befindlicher Gespräche wird sicher zu der
Seltenheiten zu rechnen sein. Der Umstand, daß jeder
»erbundenen Leitung während der Dauer der Verbindung
eine besondere Uberwachungslampe im Amt zugeteilt ist
bietet den Teilnehnern die Möglichkeit, sich auch während
der Verbindung sogleich dem Amte bemerkbar zu machen
wird nämlich der bewegliche Haken am Sprechapparat mehr⸗
nals auf und ab bewegt, so flackert im Anmit im selben
Rhytmus die Uberwachungslampe und veranlaßt die Ge—
ilfin, sogleich in die Verbindung einzutreten und nach dem
Vunsch zu fragen. War z. B. jemand unrichtig verbunden
o kann er mit Hilfe dieses Signals die Aufmerksamkeit
es Amtes so schnell erregen, daß der Irrtum sich in kür
ester Zeit richtig stellen länt
Camphausen, 1. Aug. Die Belegschaft der hiesigen
vraube hatte am verflossenen Samstag eine Feierschicht. E—
jatte sich ein größerer Maschinendefekt eingeftellt.
sulzbach, 1. August. Auf dem Aufgange der neuen
Lisenbahnbrücke spielte eine Anzahl Kinder. Ein Bübcher
»on 5 Jahren, das auf dem Geländer saß, stürzte an einer
Seite herunter und trug schwere Verletzungen davon.
Friedrichsthal, 1. Aug. Samstag nacht wurde aus
»em Stalle des Herrn Pitrong in der Elversbergerstraß
in Schwein im Werte von ca. 60 M. gestohlen. Da man
yor dem Stalle heute morgen Blut entddeckie, so ist man
illgemein der Ansicht, daß die dreisten Diebe ihr Opfe
direkt an Ort und Stelle getötet haben. um es ungeni—
—— E ——

— — ——— ⸗æ
allezseine Geheimnisse ein, diesem konnte er ja vertraucen
h»enn-wie es ihn freute, welche hervorragende Stelle e
jetzt bei Buchheim bekleideke, so würde sich dieser gewiß
auch freuen, wenn seine Erfindung sich praktisch bewährke
und an Versicherungen hierüber hatte es der Buchhalter
ruch nie fehlen lassen. Stundenlang saßen sie beide oft
hoeisammen und während Kretschmann nicht müde wurde.
dem Freunde zu erklären, welchem Zwecke dieser ode⸗
Mer Teil diente, mit glühenden Worken schilderle, we
ches Aufsehen die Maschine unbedingt erregen müsse,
denn sie vollbringe eine Arbeitsleistung in gleicher Zeit
wie so und soviele Menschenhände. Er konme auch
wirklich keinen aufmerksameren Zuhörer finden, wie den
Bu“ ilter, der bei seinen Erklärungen und Schilderun⸗
gen eist stumm dasaß oder höchstens mit dem Kopfe
uickte, dafür aber um so eisriger den Worken des ver—
rauensseligen Freundes lauschte. Höchstens daß er sich
cheinbar ein unmaßgebendes Urteil erlaubte, ob nicht
ieser oder jener Teil besser vielleicht so gemachk werden
önnke. Der Monkeur griff freudig in solchen Fällen
ie Idee seines Freundes auf, denn dieser bewies doch
adurch, welches Inkeresse er daran nahm und verwirk—
ichle auch manches, was sich als Verbesserung seines
eigenen Entwurfs herausstellle.
„Du mußt unbedingt als Erfinder mit genannk wer⸗
den,“ meinke der Monkeur einmal scherzend seinem
Freunde gegenüber, als dieser wieder einmal eine recht
gesunde Idee kund gegeben hatkte. „Ich verdanke Di
nanchen praktischen Wink.“
Meinst Du,“ entgegnele darauf der Buchhalker mil
einem verschmitzten Lächeln. „Ich denke, Du überschätzf
meine Mitarbeit; ich werde Dich aber beim Wort nehmen,
venn Du einmal ein reicher Mann geworden bist. —
Es war um die Zeit, als Elfriede nach der Aus—
ꝛinandersetzung mit ihrer Multer sich wirklich etwas
reundlicher Erich Häuslinger gegenüber stellte. Der junge
Mann war entlzückt, als er alles so nach seinem Wunsche
inschlagen sah und wollke sich diesen Umschwung auch
ofort zu Nutze machen „das Eisen schmieden, so lange
g warm iste wie er derne au sagen pflegafe.
            
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