Full text : Dudweiler Zeitung

Handel und Verkehr.
Deutsches Postscheckwesen. Nach dem Stand vom
1. Juli zählt man im Deutschen Reich 51 767 Postschech
onten. Davon entfallen auf Bayern 5914 Konten, au
Württemberg mit seinem einzigen Scheckamt Stuttgari
2777. Von den bahyerischen Aemtern ist jetzt München das
größte mit 2353 Konten, fast ebenso groß ist Nuͤrnberg
mit 2335 Konten, während Ludwigshaäfen 1227 Konten
zählt. Der gesamte Umsatz der Scheckämter des Deut—
schen Reichs erreichte in der ersten Hälfte dieses Jahres
fast 10 Milliarden Mark, genau 9731254 Millionen. Gut—
geschrieben wurden 487054 Millionen, zur Last geschrie—
ben 4861 Millionen. Die bayerischen Scheckäniter setzten
in der ersten Hälfte des Jahres 99034 Millionen Mars
um; gutgeschrieben wurden 59523 Millionen, zur Las—
geschrieben 495 Millionen. Das Gesamtguthaben der In
haber betrug durchschnittlich 988 Millionen. Das wuͤrt
tembergische Scheckamt Stuttgart hatte einen Umsatz von
536 Millionen bei 26854 Millionen Gutschriften und 2675
Millionen Lastschriften. Im internationalen Ueberweif—
ungsverkehr der gesamten deutschen Post wurden in den
Monaten Februar bis Juni, den ersten ihres Bestehens,
fast 16 Millionen Mark umgesetzt. Die Zahl der Post—
scheckkonten in Deutschland ist jetzt ungefähr schon so grop,
wie sie in Oesterreich nach etwa siebzehniahrigem Bestehen
war

Koloniales.
A Die Besatzzungen der Orte Outjo, Okaukwejo
und Namutoni sind, nach der Südwestafrikanischen Zeit—
ung, eingezogenn worden. Ein Teil der Truppen ist
in Otavi siationiert worden, der Rest wird bei dem
Bahnbau verwendet. — Durch diese Verschiebungen ist der
größte Teil des Nordens der Kolonie vollkonmen von
Truppen entblößt worden, und was das schlimmiste ist,
gerade die Orte, durch die die Ovambo kommen, wenn sie
aunf Arbeit nach demnn Süden aeben.

Ein Aeroplan⸗Karussell.
Auf den MPariser Festplätzen haben die Aeroplan-Ka—
ussells alle Volksbelustigungen in den Schatten gestellt.
Für zehn Centimes kann man dort Aeroplan fahren und
war ahne iede Vorfennsniise Unser Pisd zeigt den ver—

eee ö
einerlen Apparat, der außer der Rundbewegung die ein
zelnen Aeroplane noch hebt und senkt, um den Vergnüg—
ungssüchtigen noch eine bessere Illusion des Fluasportes
an verschafen —
Humoristische Ecke.
*Bergriffund Sprache. In ei ächsi
. In einer sä
LGolksschule hatte die Lehrerin ihren kleinen —E —
n Unterschied zwischen „der“ Heide und „die“ Hei
⸗arzumachen versucht. Sie will sich nun überzeugen, o
sie auch richtig verstanden wurde, und fragt die tleine
Ine aden. —— auch sagen, was Heide al
2“ — „Heite ist D Freileins i
t— Vite iñ unnerstaa, Freilein!“ saͤutete die

* elwas ist schmerzlich.“ bemertie Crich, der un⸗
willkürlich daran denken mußtle, daß es ihm noch schlim⸗
mer ergangen war; er halte nicht allein den Verlust
des einsligen väterlichen Bermögens zu beklagen, sondern
auf seinem Namen haftele auch noch ein Nalel.
Wir haben uns darein gefuͤgt und sind heute ganz
ufrieden; ich beziehe einen auskömmlichen Gehalt bei
Buchheim und meine Schwester verdient auch ein hüb—
sches Geld mit ihrer Stickerei für vornehme Ferrschaften.
Wenn es nur immer so bliebe.“
„Und Sie hegen wirklich keinen Wunsch weiter ?“
fragle Erich Häuslinger, den diese Anspruchslosigkeis
wunderle und ihm gar nicht recht glaubhaft erschien,
weil ihm diese selbst fremd war, denn ihn beherrschte
die Sucht nach Reichtum — reich wollle er werden um
jeden Preis und er zweifelte gar nicht an der Erfülsung
dieses glühenden Wunsches.
10, Daß ich gar keinen Wunsch hätke, will ich nicht ge⸗
rade sagen,“ enkgegnete der Monteur. „Es gibt im
Leben so vielerlei Wünsche, die man hak und wovon die
meisten unerfüllt bleiben, aber ich lasse mich dadurch
nicht in meiner Zufriedenheit stören. Doch kommen Sie
jetzt, Sie werden gewiß auch hungrig sein und mit un⸗
serer einfachen Kost vorlieb nehmen.
Als Erich Häuslinger der Schwester des Monkeurs
gegenüberstand, da war er einen Augenblick ganz ver—
wirrt. Er halte bis jetzt nur sehr wenig Bekannischafken
 von jungen Mädchen gemacht und Helene Reburger
erschien ihm als die Schönste unter allen. Er halle sich
auch schon so in den Gedanken hineingelebt, daß diese
seine Gaktin werden müsse, weshalb er den anderen
ungen Damen in seiner Baterstadt gar keine Beachkung
mehr geschenkt halte. Aber mit Kreischmauns Schwester
konnte sich Helene hinsichtlich der Schönheit nicht messen,
er war bisher noch keinem so schönen Mädchen begegneft.
 Der weiße Teint ihres jugendfrischen Gesichtes
war von einem zart roken Hauch belebt; das kunstlos
frisirle, golddlonde Haar lag seidenweich leicht gewellt
um Sürn und Schläfe und die großen hiefblauen Augen
waren der Spiegel einer keuschen Seele. —— —
Bald saßen die vier Personen um den gedecken Tisch,
wie wenn sie zusammen eine Familie bildeten und ließen
tich Boe ezinfahe Mahl munden. Auch Erich Häuslinger

Lokales und Vermischtes.
Aquarien- und Terrarien⸗Ausstellung im Gasthaus
uber, Scheidterstraße. Die Ausstellung war gestern aus—
ahmsweise stark besucht. Ein Besuch ist auch wirklich
mpfehlenswert. Als ein seltenes Ereignis ist aus der
lusstellung zu bezeichnen, daß eine der dort ausgestellten
zchlangen gestern 13 Eier gelegt hat.
Personalnachrichten. Vom 1. August d. J. ist dem
kevierberginspektor Ludwig in Aachen die Stelle eines Be—
riebsinspektors bei dem Bergwerke Sulzbach übertragen
vorden; ferner ist der bisher bei der Geologischen Landes—
instalt als Hilfsarbeiter beschäftigte Bergassessor Dr. Einecke
auftragsweise mit der Verwaltung einer Betriebsinspektor—
telle bei dem Bergwerke Friedrichssthal und der bisher im
zergrevier Ost-Halle als Hilfsarbeiter beschäftigte Bergasses—
or Heubach mit der Verwaltung einer Betriebsinspektor—
telle beim Bergwerke Dudweiler betraut worden. Der
zergassessor Hahn ist vom Bergwerk Göttelhorn nach dem
zergwerk Friedrichsthal versetzt.
Fernsprechzentrale Dudweiler. Die Teilnehmer wer—
»en darauf aufmerksam gemacht, daß wegen Umlegung der
Fernsprechkabel in das neue Vermittlungsamt Saarbrücken
ie Hauptleitungen vom 1. August, nachmittags 4 Uhr ab
»is andern vormittags 7 Uhr außer Betrieb gesetzt sind.
Eine neue Bremsvorrichtung wird seit einigen Tagen
jon der Gesellschaft für Straßenbahnen im Saartal prak—
isch ausprobiert. An einigen Wagen sind probeweise Seil—
remsen angebracht, die ein schnelleres Halten der Straßen—
»ahnwagen ermöglichen. Es wurden bekanntlich in den
etzten Monaten mehrere solche Versuche mit neuen Brems—
orrichtungen gemacht, doch hatte sich noch keine recht be—
vährt. Die Gesellschaft für Straßenbahnen, die immer—
ort bestrebt ist, ihren Betrieb praktisch und gefahrlas aus—
ugestalten, wird jedenfalls diese Neueinrichtung, falls sie
ich dauernd und brauchbar erweist, nach den Probefahrter
uuf den ganzen Betrieb ausdehnen.
Geldstrafen in Ratenzahlungen. Die Zahl der Fälle,
n denen gerichtlich ausgesprochene Geldstrafen wegen Zah—
ungsunfähigkeit des Bestraften in Freiheitsstrafen umge—
wandelt wurden, hat im Landgerichtsbezirk Saarbrücken
während der letzten Jahre beständig abgenommen. Während
noch im Jahre 1907 etwa 40 Prozent der gerichtlichen
Beldstrafen nicht beigetrieben werden konnten, und die
Schuldner daher die Gefängnis⸗- oder Haftstrafen verbüßen
mußten, war dieser Prozentsatz im Jahre 1909 unter 25
zesunken. Uber drei Viertel der Geldstrafen waren also
„on den Verurteilten bezahlt worden. Die Ursache hiervon
st wohl in erster Linie in einem vor etwa zwei Jahren
rgangenen Grlaß des preußischen Justizministers zu suchen
n den Fällen, in denen ein zu Geldstrafe Verurteilter zwar
nicht auf der Stelle den ganzen Betrag zu erlegen vermag
iber doch begründete Aussicht vorhanden ist, daß mit der
Tat Zahlung erfolgen kann, nicht sogleich zur Vollstreckung
»er Freiheitsstrafe zu schreiten; vielnmehr dann dem Ver—
urteilten auf seinen Antrag hin zu gestatten, die Geldstrafe
in einzelnen angemessenen Teilbeständen nach und nach
abzutragen. Auch kann, wenn besondere Utinstände vor—
liegen, vollständiger Zahlnngsausstand auf längere Zeit
gewährt werden, aber durch das Justizministerium. Na—
mentlich von dem erstgenannten Modus ist im Landge—
richtsbezirk Saarbrücken seit dem bezüglichen Ministererlaß
hielfach Gebrauch gemacht werden.
Civilstand der Bürgermeisterei Dudweiler vom 21. bis
31. Juli 1910. Gebur ten. Herta Marg., T. v.
Friedrich Klicker, Masch. Marg., T. v. Matth. Merl, Bgm.
Wilhelm August, S. v. August Rink, Bgm., H. Ewald
Joh., S. v. Adolf Kientopp, Masch., F. Teodor Ludwig
S. v. Theodor Scheid, Bgm. Marg., T. v. Joh. Keller,
Bgm., J. Maria, T. v. Johann Fries 13. Bgm
Karoline, T. v. Peter Lauer, Bgm., F. Maria, T. v
Lhristian Hoffmann, Bgm., H. Maria Marg., T. v. Ludw.
Welker, Bgm. Frieda Luise Wilhelmine, T. v. Friedrick
Merth, Rangierer, F. Marg. Elisabeth, T. v. Augusi
Bungert, Bgm. Hrch. Karl Laurentius, T. v. Heinrich
Brill, Dreher. Gertrud, T. v. Ludwig Keller, Bgm., J.
Maria Elisabeth, T. v. Bernh. Goldmann, Bgm., F. Karl
heiny Hermann, S. v. Karl Kammer, Bausteiger. Johann
Nik., S. v. Nik. Klein 22. Bgm. Kath., T. v. Jakob
hanther, Bgm., H. Elise Mina, T. v. Peter Blank
visenbahnschaffner, H. Emma Amalie, T. v. Otto Voltmer
dgl. Steiger. Kath. Gertrud, T. v. Josef Beisicht, Bgm
Walter Georg Philipp, S. v. Karl Hunsiker, Monteur
deiraten. Adam Krämer, Bgm. mit Marg. Hoß.
Matth. Lagaly, Tagner, mit Kath. Klein. Sterbefäblle.
Ferdinand Friedrich, 53 M. Henriette Seufert, 6 M. Brill
Nik. Wwe., 73 J. Kath. Ganther, einhalb St. H. Ludw
dnorst, 4 M.
Karlingen, 29. Juli. Heute morgen wurde der Berg
nann Nik. Schirra aus Freimengen in das hiesige Kran—
tenbe3 oehracht Er war qauf Schacht 5 veruunaglückt

atte sbald seine Befangenheit verloren und fühlte sic
eimisch in dem Familienkreise dieser einfachen schlichten
Lenke. Er vermöchke sich selbst keine Rechenschaft darü⸗
er zu geben, ob es das freundliche Wesen der altken
jrau, die heitere Munterkeit ihres Sohnes oder der Lieb⸗
reiz ihrer Tochtkter war, was ihn fesselte. — — —
5Am anderen Morgen machte Erich Häuslinger dem
Fabrikbesitzer Buchheim den versprochenen Besuch. Er
jand denselben bereils in voller Tätigkeit in seinem Pridalkonlor
 und mußle daher einige Minuken warlken.
Freut mich, daß Sie Wort gehalken haben,“ sagke
endlich der Fabrikbesitzer ihm mit Wärme die Hand
drückend. Noch einmal meinen besten Dank fär die
gzeleiseke Hilfe. Nun wollen wir aber auch sofort zur
zache kommen, weßhalb ich Sie hierher bestellt habe.
Was haben Sie bezuͤglich Ihrer Zukunft für Absichten?“
„Ich will mir zunsöchst eine Stelle suchen,“ entgegneke
der junge Mann klopfenden Herzens.
Der Dienst, den Sie mir gestern leistelen, flößt miĩr
elbstverständlich ein Interesse für Sie ein; ich möchte
zhnen gerne einen Gegendienst erweisen, soweit es in
neiner Macht steht und will ihnen daher eine zufällig
zei mir frei gewordene Stelle im Kontor überiragen
velche Ihren Fähigkeiten entspricht und Ihnen die Mög
ichkeit bietet später einen besseren Posten einzunehmen
Ich bin aber auch bereit, Sie mif einem kleinen Kapita'
u unterstützen, wenn Sie etwas anderes anfangen wollen.
„Ihren letzlen gütigen Vorschlag müßke ich ablehnen
jenn verdientes Geld ist mir lieber als geborgies,“ ver⸗
etzte der junge Mann. „Ich nehme mit großem Dank
die Stelle an und werde mich Ihres Verkrauens würdig
u erweisen suchen. Wann soll ich ankreten?“
„Gut, die Sache ist also abgemacht. Treten Sie gleich
norgen früh an, wenn es Ihnen · recht. Sie melden
sich bei dem Prokuristen, der Ihnen Ihre Obliedenheiten
anweisen wird.
Damit war die Unkerredung beendet; ein neuer Le⸗
hensabschnikt begann für den jungen Mann und stolze
Hoffnung schwellte seine Brust. Die Verzweiflung halte
rotz der harken Schicksalsschläge, die ihn in der lehzten
zeit gelroffen, nicht ganz die Herrschaft über ihn ge—
vonnen, aber es war ihm doch zuweilen recht bange
im die Zukunff dewornn Monn er nun jekt das

Durch herabfallendes Gestein war ihm auf der Grube dgaẽ
Rückgrat gebrochen worden. Schirra steht in den 367
Jahren. Er hat 7 Kinder zu ernähren, von welchen daßz
ilteste noch nicht 13 Jahre alt ist. Der Verunglückte wi
iuf Veranlassung des Arztes nach Bonn in eine Heilanstah
zebracht. Es ist ein eigenartiges Zusammentreffen, das
auch der Vater des Verunglückten im Jahre 1909 durhh
»inen Unfall auf demselben Schacht ums Leben kam.
(Sbr. Volksz.)
Heinitz, 20. Juli. Wiedergefunden hat sich das Geld
80 Mark), das am vorigen Samstag einem auswärttggr
zergmann aus der Pulovoerkiste gestohlen worden wuͤr.
Ddasselbe lag zwischen Bergeversatz und Firste in der Fpr⸗
»erstrecke sorgfältig eingehuͤllt. Dem bösen Dieb scheint
och die Reue über seine unschöne Tat nachträglich gekom—
nen zu sein.
Hermeskeil, 28. Juli. Heute vormittag 10 Uhr, ver⸗
inglückte in dem Hartsteinbruch bei Bierfeld an der Bahn⸗
trecke Hermeskeil-Türkismühle Herr Weber aus Wemmelsveiler.
 Der Verunglückte ist der Schwiegersohn des Be—
ißers des Bruches, Rech aus Wennnetsweiler. Der Tod
nuß auf der Stelle eingetreten sein, denn kaum nach? 10
Ninuten wurde der Leichnam im Maschinenraum gefunden.
Vie das Unglück entstanden, ist zur Zeit nicht aufgeklärt.
Ingenommen wird, daß Weber einem Kettenzug zu nahc
am, von diesem erfaßt und dann von einer Walze zu
Tode geschleudert. Dea Verunglückte ist 30 Jahre mlt
erheiratet und hinterläßt 2 Kinder.
Gernsheim, 29. Juli. Aus dem heute nachmittag
Uhr 37 Min. hier passierenden Mannheim⸗Frankflhrter
Zuge wurde eine Flasche geworfen, wodurch ein Fahrbe—
imter eines entgegenkommenden Güterzuges so schwer, im
Besicht verletzt wurde, daß er sofort ärztliche Hilfe in An⸗
pruch nehmen mußte. Der Täter blieb unermittelt.
Trier, 29. Juli. Der „Kirchliche Amtsanzeiger fün die
diözese Trier“ enthält folgende Veröffentlichung: Seit ei—
niiger Zeit werden auch in der Diözese Versammlungen ab⸗
zehalten, angeblich, um Proteft gegen die Enzyklika Kditae
zaepe zu erheben, die dazu angetan sind den konfessionellen
Frieden zu trüben. Ich ersuche die Herren Seelsorger
n deren Sprengel derartige Versammlungen stattgefunden
‚aben, mir möglichst sichere und genaue AÄuskunft über die
ei diesen Anlässen gehaltenen Reden zukommen zu lassen
Trier 29 Quli Mihool Fol:⸗

* göln, 30. Juli. (Sur Bluttat inKöln.)“Zu
»er Bluttat in Ehrenseld, bei der 5 Personen aus bom
Leben schieden, wird noch gemeldet: Die Staatsanwoli⸗
chaft hat die Leichen, nachdem sie die Untersuchung been
oet hat, sreigegeben. Bei der Untersuchung wurden in ei—
nem Schrante zwei schlecht beschriebene Zettel gesunden.
dem einen gibt die Mörderin und Selbstmörderin von
hrem schrecklichen Vorhaben, ihre Angehörigen zu töten,
Kenntnis. In dem zweiten teilt sie mit, daß die Tat
vollbracht sei, und daß sie sich selbst das Leben nehmen
werde. Unter dem Kopflissen der Mörderin fand man
einen Geldbetrag. Nach dem Befunde der Leichen scheint
die Mörderin die meisten ihrer Opfer durch Würgen am
Halse erdrosselt zu haben. Da das 3 Jahre alte Kind Blut
spuren im Gesicht ausweist, nimmt man an, daß es wäh
tend der Tat wach geworden ist und sich gewehrt hat.
* Finnentrop, 30. Juli. (eue Bahn.) Die Teil—
trede Finnentrop-Eslohe der im Bau begriffenen Eisen
»ahnlinie Finnentrop-Meschede soll bestimmt am 1. De
ember eröffnet werden. Die Eröffnung der ganzen Linie
wurde schon vor Jahresfrist in Aussicht gestellt, jedoch
tellten sich derartige Schwierigkeiten dem Bau gegenüber,
die nicht nur 5 Millionen Mark Mehrkosten verurfachten
sondern auch die Eröffnung um 1 Jahre hinausscho
hen. Der zweite Teil von Eslohe nach Meschede wird
alls der Winter ein ständiges Arbeiten zuläßt, am 1.
Uprilen. J. in Betrieb genommen werden können. Dic
Ztrecke kürzt den bestehenden Schienenweg zwischen dem
ABeren Lenne- und Ruhrtal um mehr als Zweidrittel ab.
* Datteln, 30. Juli. (Durch den Erntewa—
Jjen getötet.) Der Landwirt Bernhard Höning im
benachbarten Olfen war mit dem Einfahren beschäftigt,
als die Pferde wild wurden. H. und sein 4jähriges Söhn
hen, das neben ihm ging, wurde umgerissen und über—⸗
fahren. Der Wagen ging ihnen üher die Rrust Beide
waren sofort tot.
* Fulda, 30. Juli. GSechs⸗Jahrhundert—
feier.) Unsere Nachbargemeinde Hünfeld, die seit dem
zroßen Brand im Jahre 1888 ihr altertümliches Gepräge
so ziemlich einggebüßt hat, feierte die 600. Wiederkehr
des Tages, an dem sie zur Stadt erhoben wurde. Das
eigentliche Alter Hünfelds ist demjenigen Fuldas gleich;
es reicht bis zum Jahre 782 zurück. Im Jahre 1310
erhielt Hünfeld vom Kaiser Heinrich 7. das Stadtrecht.
* Wiesbaden, 30. Juli. (Im Streit erschos
en.) Hier wurde der 44jährige Taglöhner Schipper von
dem 21jährigen Eisenhobler NRieber in Dotzheim während
»ines Streites mit einem Revolver erschossen. Der Täter
st als sehr rauftustiger Mensch bekannt.
* Heiligkreuzfreinach, 30. Juli. (Späte Entdeck
Uun g.) Vor 8 Jahren wurde der hochbetagte Raschreiber
Rockonhach in vin— Gartoen orrnrnvot arnνα Iα

en schmiedete, so lange es warm war, so mußie .
emporkommen, dies stand außer Zweifel, denn der reiche
Fabrikbesitzer bot ihm doch die Hand dazu. Wie würde
ich Helene freuen — merkwürdig, daß er jetzt zum er⸗
ten Male wieder an sie dachte, nachdem seid gestern
inausgesetzt die Schwester des Monteurs seine Gedanken
eschäftigt und das Bild Helenens verdrängt hakke. Ersi
etzt, wo er die erste Sprosse der Glücksleiter bestiegen
zatte, dachke er wieder einmal an die Geliebte, die ihm
inverbrüchliche Treue zugesichert hatte, worüber noch
eine vollen vierundzwanzig Stunden verflossen waren.
Kapitel
Einige Jahre waren vergangen; die äußeren Ver—
hältnisse hakken allmählig in den Gefühlen und in dem
Charakter Erich Häuslingers eine bedeutende Veränder—
ung hervorgebracht. Sein Gönner war durchaus zu—
frieden mit ihm, sodaß er es nicht an Gunstbezeugungen
fehlen ließ und bald war er nach dem Prokuristen die
maßgebenste Person im Geschäft. Ob er aber glücklick
war? Nein, ihn quälten noch immer so viele unerfüllte
Wünsche — das Verlangen, reich zu werden, beherrschte
ihn noch mehr als vordem, denn er bewegle sich jetz
— V—
Er hatke noch immer die einfache bescheidene Wohnung
 bei Kretschmanns innne, obwohl sein Gehalk es ihm
erlaͤubt hätte, eine feinere zu beziehen. Aber er hatte
ich einmal in den ileinen Kreis hineingewöhnt und dann
war es vor aliem ein Maznet, ein Wesern, welches
ihn anzog — Eisriede, das schöne Mädchen. Mit Helene
—0
eine Briefe, die er in recht langen Pausen an die eye
nalige Schulfreundin und Gelieble absandte, der ei
unberbrüchliche Treue zugesichert halke, wurden imme
kühler, und nichtssagender.
11 Wenn Helene Neuburger, die Empfängerin nur
einigermaßen bessere Menschenkennerin gewesen wäre,
so mußte es ihr schon längst aufgefallen sein, daß er
sich nur in Phrasen bewegte und es nicht von Herzen
am, was er da dem Papier anverkraute. Nur ein
inziges Mal war er während dieser Zeit in seinei
Jaterstadt gewesen und halte auch Helene einen kurzen
esuch cahgesftattet dje⸗ nafürsich sekr erfreut war. aus

der Tat verdächtig war damals der zugezogene Einwo
ner Josef Sepp verhaftet, aber mangels Beweise wiebd.
auf freien Fuß gesetzt worden. Jetzt ist nun Sepp abe
nals verhaftet worden auf Grund der Aussagen eine
Bürgers, der, von Sepp beleidigt, diesen in Gegenwa,
»on Zeugen auf dem Rathaus des Mordes beschuldigt
ẽr erklärte sich bereit, seine Angaben vor Gericht zu 6
chwören.
* Gernssheim, 30. Juli. (Un fug.) Aus dem 1u
;7 Min. hier passierenden Mannheim-Frankfurter Zuge
eine Flasche geworfen worden, wodurch ein Fahrbeamt
eines entgegenkommenden Güterzuges so schwer im Gesid
oerletzt wurde, daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspru—
nehmen mußte. Der Taäter blieb unermittelt.
* Passau, 30. Juli. (Sch muggel.) Der Saccharin
schmuggel an unserer Grenze nimmt immer mehr übe
hand. Das Geschäft ist wohl sehr einträglich und wir
meistens von Häuslern (Kleingütlern) betrieben. Die War
wird größtenteils von dritten Personen aus der Schwe
bis Passau verbracht; von da übernimmt sie der Häu—
ler und bringt den Süßstoff meistens mittels Bahn in de
Bayerischen Wald, wo die Ware dann auf Tragkörber
sucksäcken uswp. nach Böhmen geschafft und verkauft wirj
SZo konnte wieder eine sechsköpfige Schmugglerbande, d
oon Freyung (Bayer. Wald) aus eine Tour ins Böl
mische unternahm, nahe der Grenzstation Hüttl von der
kaak. Finanzwache-Oberaufseher Sestak aufgegriffen wer
den. Die Schmuggler waren größtenteils bewaffnet un
wollten gegen den Beamten vorgehen. Trotzdem Seste
allein war, konnte er drei Schmuggler mit ihrem Süßsto
festnehmen und nach Hüttl verbringen. Die einem Urwal
gleichenden Wälder beaünstigaen das Schmugqglergewert
ebr.

Des Kaisers Geschenk. Der Kaiser erwarb vo
dem Gute Vangsnaes in Sogne ein Stück Land, auf den
das von ihm dem norwegischen Volke geschentte Frithjosp—
denkmal errichtet werden soll. Nach dem norwegischen Ge—
etz wird der Kaiser jetzt die Genehmigung der norwegi
chen Regierung zum Landankauf einholen.
Doppelselbstmord. In Unterschondorf GBayern) an
Ammersee haben die Majorswitwe Sengl-Hamburg um
hre 26jährige Tochter Elsa gemeinsam Selbstmord verüb
Die Ursache dieses Selbstmordes ist in einer Liebestragö
die zu suchen. Beide Damen haben unter Hinterleaun
von Briefen ihr Hotel verlassen und sich mit einem Be
tuch zusammengebunden und dann in den See gestürzt.
Verhafteter Postdefraudant. Zur Verhaftung de
Postdefraudanten Bergmann, der mit 50 000 M. flücht
zing, wird aus Berlin gemeldet: In einem Hot
in Berlin stieg der 30 Jahre alte Techniker Karl Stein
rus Steuin ab. Bei feinen Ausflügen fiel mehrere
Bewohnern der Straße die große Achnlichkeit dieses ar
geblichen Technikers Steiner mit dem flüchtigen Postd
raudanten, Briefträger VBergmann, auf. Man verständig
die Polizei. Ein Wachtmeister begab sich nach dem Hot
und nachdem er Gewißheit erhalten hatte, daß der a
zebliche Techniker der Postbote Bergmann war, bege
ich Kriminalkommissar Schnellrath auf das Zimmer da
Steiner. In einer Handtasche fand man das beim Pof
rmt 17 gestohlene Geld, von dem nur 100 M. fehlte
or. Das Hotel wurde bewacht. Als Bergmann ah'
ingslos in das Hotel zurückkehrte, klopfte wenige Minu
ten später der Kommissar an der Tür und begehrte Ein
aß. Bergmann öffnete und ließ sich ruhig verhaften.
Der Lichtenrader Attentäter. Dem Vernehmen nag
egte Louis Rademeier, der unter dem Verdachte de
Bombenattentats in Lichtenrade mit seinem Bruder Alber
zurch die Berliner Kriminalpolizei verhaftet wurde, vo
dem Untersuchungsrichter ein teilweises Geständnis ab.
Kein Ersatz für „Z. 2“. Die Reichsregierung ha
iunmehr ebenfalls auf den Ankauf eines neuen Zeppeln
Luftschiffes als Ersatz für das bei Weilbura verunglück
vorläufig Verzicht geleistet.
Nicht so gefährlich! Mehrere oberschlesische Blä—
ter berichteten über einen angeblichen neuen Grenzzwische
fall bei Myslowitz. Amtlich wird dazu mitgeteilt, do
»on einem Grenzzwischenfall keine Rede sein könne. E
jandele sich um eine im Grenzflusse Przemsa ertrunken
uicht erschossene Frau, deren Persönlichkeit noch nicht fes—
gestellt ist. Der Leichnam befinde sich auf russischem G
biet, so daß die preußischen Behörden keinen Anlaß hä
ten, einzuschreiten. Die russische Behörde lasse den Leich
nam am Orte unbeachtet liegen. (1)
Abgesagte Kaisermanöver. Generalstabschef Hoetzen
dorf unterbreitete dem Kaiser von Oesterreich den Vo
schlag, mit Rücksicht auf die anhaltende Epidemie im Ma
növergebiet (es handelt sich um Roßkrankeit der Pferde
die heurigen Kaisermanöver gänzlich abzusagen. Der 6K
ser erteilte sene Zustimmung.
Französischer Besuch. In den Tagen vom 3.
z. August wird in Rotterdam das französische Schulsch
„Bougainville“ eintreffen. Gleichzeitig wird dort der Pr—
ident der französischen Republit Fallieres mit seiner eige
nen Dampfjacht erwartet. Präsident Fallieres wird u. a
mit den Offizieren des Schulschiffes einen Ausflug
Wasser auf dem Moerdyk machen.
Sühnekapelle. Aus Monza wird berichtet: Am 1
Jahrestage der Ermordung des Königs Humbert ist «
der Stätte beim Park, wo der König fiel, eine Sühn
ahnelsse feierlich eingeweiht worden. Die Kanellse is

einem Munde zu erfahren, datz es ihm gut gede.
onnte nun gewiß auch nicht ausbleiben, daß ihr Vakel
schließlich seine Einwilligung zur ihrer Verbindung gab
and hoch und heilig versicherie sie ihm abermals ihre
diebe und Treue — doch fie sollke erfahren, daß sie ib
Bertrauen einem Unwürdigen geschenkkt hatte.
Hinker gewinnenden Formen verbarg Erich Häus—
inger seinen wahren Charakter. Wie er auf der einer
zeue in seiner sozialen Stellung emporstieg, war au
zer andern Seite Herz und Gemüt verhärtet — schlar
ind berechnend waren alle seine Handlungen — nu
n seinem Streben, in seinem Verlangen nach Reichkun
‚lieb er consequent. Aber er verstand es meisterhafl
ille die Personen, mit denen er käglich in Berührung
am, über seinen wahren Charakker zu käuschen. Zuers
jelene, die felsenfest auf ihn bauke, dann Buchheim
er ebenfalls davon überzeugt war, in ihm den tkreu
sten, gewissenhaftesten Beamten gefunden zu haben
jann den Monfeur und seine Muller, die in ihm einer
rufrichtigen Freund sahen. Rur eine Person verhiel
ich ihm kuͤhl gegenüber — Elfriede Kretschmann, ob
bohl er es gerade ihr gegenüber nicht an Aufmerksam
eit fehlen ließ, mit allen Mittein versuchke, sich bei ihr
inzuschmeicheln und ihre Gunst zu erringen, ihr kostbare⸗
zeschenke machte und mehr wie einmal versicherke, el
neine es vollkommen aufrichktig. Instinktiv hatte sie ihr
zurchschauk; zwar konnke sie noch nicht bestimmt ange
en, weshalb, aber sie war von der Erkenninis durch
rungen, daß hinter der glänzenden Hülle dieses Mannes
ich ein fauler Kern verbarg und ging ihm, soweit e⸗
nöglich war, ohne ihn direct zu verleken. aus den
Wege. — — —
Als Buchheim eines Morgens Erich Häuslinger z3
ich in sein Privatkontor beschied, da lag ein ungewöhw
icher Ernst auf dem Antlitz. des Fabrikbesitzers, wa⸗
ein Buchhalter sofort auffiel und ihm die Gewißhei!
ab, daß es sich um ekwas Wichtligeres handele, als um
ine gewöhnliche geschäftliche Mitfeilung. Er war da
ser begreiflicher Weise sehr gespannt. wesbalb ihn seir
Thof hafte rufen lassen,
            
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