Full text : Dudweiler Zeitung

sast überall gelagert und hãt dabei añ seinent gutent' Ernte
aussichten erheblich eingebüßt. Die Kartoffeln litien eben—
falls sehr unter der Naͤsse. Vielfach sind die Hackarbeiler
durch die Ungunst der Witterung bisher unmöglich gemach
ind die Kartoffeläcker stark verunkrautet. Die Ernte de—
Wiesenheues verschleppt sich aus dem gleichen Grund au—
zerordentlich. Die erhofften reichen Erträge des ersten
Schnittes sind vielfach durch die Ueberschwemmungen. zi
Brund gegangen oder fast wertlos geworden. In der
Kleefeldern beeinträchtigi der Kleeteufel (Kleewürger) vie
lenorts die Aussichten auf einen günstigen zweiten. Schnitt.
Auch wird wieder, namentlich in verschiedenen Bez irken
des nordöstlichen Landes. über Zunabhbme der Mäuße qe
ladt.

Lokales und Vermischtes.
Verbandsfest der Beamten-Gesangvereine. Das
Fest sollte, wie angesetzt, morgen stattfinden. Da, wie
man hört, nur ein Verein seine Beteiligung zugesagt hatte,
wurde das Fest aufgehoben. Aller Wahrscheinlichkeit nach
ist hiermit auch der Verband in die Brüche gegangen.
Saison⸗Theater. Der Zeit der 40jährigen Wiederkehr
des ruhmreichen Kampfes der Deutschen gegen die Franzosen
Rechnung tragend, inszeniert die Theatergesellschaft Bräuning
am nächsten Sonntag die Bauernkomödie von Goldamer
„Die Klosterbäuerin“ oder „die Franzosen in Frankreich“
Dieses sehr schöne Stück dürfte wohl des Beifalls der Be—
fucher sicher sein.
Gedächtnisfeier. Auf die vom Ev. Arbeiterverein im
Saale der Wwe. Riedschy veranstaltete Gedächtnisfeier sei
auch an dieser Stelle hingewiesen. Alles weitere ist aus
dem Anzeigenteil zu ersehen.
Kleinwohnungswesen. Den Bemühungen unserers
Herrn Bürgermeisters ist es gelungen, den Herrn Diplom—
Ingenieur Hake zu einem Vortrage über obiges Thema zu
gewinnen. Wir machen auch an dieser Stelle auf den Vor—
trag, der am Mittwoch stattfinden soll, aufmerksam. Inte—
ressenten dürften dabei viel Wissenswertes erfahren.
Die größten Kohlenbergwerke im Oberbergamts—
hezirk Dortmund. Im Jahre 1909 förderten die fol—
genden 23 Bergwerke mehr als eine Million Tonnen Koh—
en: Deutscher Kaiser bei Hamborn (über drei Millionen
Tonnen), Zollverein für Caternberg, Oberhausen (Gutehoff—
aungshütte), Rheiuelbe und Alma bei Gelsenkirchen, Sham—
rock bei Herne und Wanne, Prosper bei Bottrop, Konsoli—
dation und Graf Bismarck bei Gelsenkirchen, Neumühl bei
Hamborn, Concordia bei Oberhausen, Graf Moltke bei
Bladbeck, Westfalia KKaiserstuhl) bei Dortmund, Konstantin
der Große bei Bochum, Ewald 124 bei Herten, Schlägel
und Eisen und König Ludwig bei Recklinghausen, Pluto
bei Wanne, General Blumenthal bei Recklinghausen, Matthias
Stinnes bei Karnap, Hannover bei Hordel, Dahlbruch bei
Rotthausen, ver. Gladbeck bei Gladbeck, Nordstern in
horstermark. Jedes dieser 23 Bergwerke, die zusammen
im*Jahre 1909 32754 188 Tonnen Kohlen oder 39,8
Proz. der gesamten Kohlenerzeugung im Oberbergamtsbezirk
Dortmund förderten, bildeten ein örtlich zusammenhängen—
des Ganzes mit mehreren Förderschächten. Sieben von
ihnen sind im Besitz von Hüttengesellschaften. Diese för—
derten zusammen allein 10 9566 491 Tonnen Kohlen. Nur
eine von den 23 Zechen, nämlich ver. Gladbeck gehört der
Gruppe der westfälischen Staatsgruben an. Während die
meisten „reinen“ Zechen, in der ersten Hälfte des Jahres
1910 infolge ungünstiger Absatzverhältnisse ihre Erzeugung
zu ermäßigen gezwungen waren, konnten die 7 Hütten—
sowie die Staatszeche ver. Gladbeck sie noch weiter steigern
oder doch auf der bisherigen Höhe erhalten. Eine Ver—
mehrung der Zahl der über eine Million Tonnen fördern—
den Kohlenzechen ist angesichts der andauernden unbefrie—
digenden Lage des rheinisch-westfälischen Kohlenmarktes im
laufenden Jahre nicht zu erwarten. Ganz ausgeschlossen
aber dürfte die Möglichkeit einer Fördersteigerung in diesem
Jahre für die dem Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat
ingehörenden „reinen“ Kohlenzechen sein, zumal der Wett⸗
hewerb der außenstehenden reinen Cohlen⸗aechen immor vreger
ich gestaltet.
Vom belgischen Kohlen- und Koksmarkt. Die be—
reits zurzeit unseres letzten Berichts wenig einheitliche Lage
»es belgischen Kohlenmarktes hat sich in den letzten Wochen
noch ungünstiger gestaltet. In erster Linie hat der Brenn—
stoffverbrauch der Eisenindustrie abgenommen, wodurch dem
Markt die Hauptgrundlage eines flotten Absatzes genommen
wurde. Anderseits ist in den letzten Monaten der Wettbe—
werb ausländischer Kohlen gleichfalls noch stärker geworden,
wodurch die Verbraucher zurückhaltender wurden, ihre Kauf—
tätigkeit einschränkten und sich schließlich, als sie bei den hei—
mischen Zechen die gewünschten Preisermäßigungen nicht
durchzusetzen vermochten, bei den ausländischen Zechen ein—⸗
deckten. Dadurch wurden die Vorräte bei den heimischen
Kohlenbergwerken immer größer, um so mehr, als man
bei der letzten Brennstoffverbindung der Staatsbahn au*
rund 275 000t den Zuschlag nicht erhalten hatte und das—
selbe schon hei vor orston diosiährigen Maudi naunc “ ν,
— — — — —
Er konnte dem Sohne des Mannes, den er so undankbar
in der Stunde der Not verlassen hatte, nicht in das Ge—
sicht sehen.
„Schämst Du Dich nicht,“ sagte er nach einer langen
Pause, während welcher Helene mit gesenkken Augen
dagestanden hatke.
„Nein, Vater, denn San ist nur die Begleiterin
der Schuld und ich bin mir keines Unrechts bewußzk.“
„Unrecht — ein Unrecht ist es doch, wenn Du mit
dem jungen Mann hier vor aller Augen, wo jedermann
es hören kann, eine solche Szene aufführst.““
„Er wollte nicht eintreken. weil —“
—X
eine Tochter barsch.
„Er besitzt wenigstens noch soviel Verstand, um sich
selbst einzugestehen, daß er sich unker den obwal kenden
Umftänden keine Hoffnung auf eine Heirat mit Dir
machen kann. Schlag Dir ebenfalls diesen Gedanken
aus dem Sinn.“
3 WValer —“
Schweig, hier ist nicht der Ork zu einem solchen Ge⸗
spräch. AÄberlaß ihn ruhig seinem Smchicksal und die Zeit
wird lehren, daß er es nie soweit bringt, um Dir ein
G6Geim hieten zu können“

3. Kapikes
Als Erich Häuslinger auf der Anhöhe stand, die erste,
die er zu passieren hatte, ehe seine Vakerstadt für immer
seinen Blicken entiswand. da konnke er es nicht über
sich gewinnen, er nußke noch einen Blick rückwärts
tun, ehe er seinen Wig forksetzte, um die nächste Bahn—
kation zu erreichen. kr stellke sein Aöfferchen an den
Kand der Straße im Shalken einer mächtigen Linde
nieder und starrke lange aef die vor ihm liegende Stadk,
an welche sich so viele liebe, auch schmerzliche Errinner—
unngen für ihn knüpften. Dork der Turm der allers—
grauen Kirche — weikerhin, er erkrug den Anblick kaum
die väterliche Fabrik, das angebaute Wohnhaus und der
Harken, in dem er als Knabe so oft gespielt hatte.
luch Reuburgers Haus, elwas links davon, konnte er
Janz deuklich sehen. Gewiß gab es dorl jetzt Tränen
jenn unzweifelhaft hakte sich die Schale des väterlicher
Lornocs ber dom GHaunfke Helenens entladen

lür rund 200 000t der Fall gewesen war. Die im März
porgenommenen Preiserhöhungen von durchschnittlich 1,50f7
ür Kohlen waren zudem auf sehr unsicherer Grundlagé
aufgebaut und die Durchführung dieser neuen Preise fiel
n den folgenden Monaten äußerst schwer. Daß unter
oiesen niedrigen Marktverhältnissen die Erschütterung der
Preislage nicht stärker ist, wie gegenwärtig, ist eigentlick
ganz bemerkenswert, und nur der Zähigkeit der belgischer
Zechen in der Preisfrage ist es zuzuschreiben, daß der Kohlen
markt immer noch ein verhältnismäßig nicht besonders un
zünstiges Bild bietet. Immerhin haben während der letzter
ünf Wochen die Klagen über den Rückgang des Brenn
toffbedarfs bei der industriellen Großverbraucherschaft und
iber den starken Wettbewerb der ausländischen, namentlich
»eutschen und französischen Kohlen zugenommen. Mit der
Durchführung der bisherigen erhöhten Preise sieht es zur—
eit wenig gut aus und unter der Hand werden von den
zechen reistens Preise abgegeben, die sich denen, die zu
Anfang des Monats März gültig waren, erheblich genährt
aben. Dadurch, daß die in diesem Sommer äußerst reg
ierische Witterung die Tätigkeit der Ziegel- und Kalkbren
ierien sehr beeinträchtigte, erlitt auch das sommerliche
Geschäft in Feinkohlen, das sonst über die Stille des Haus
vrandkohlengeschäfts hinweghilft, eine empfindliche Beein—
trächtigung und die Zechen des Beckens von Charleroi
ahen sich deshalb vor kurzem veranlaßt, obigen Abnehmerr
eine offizielle Preis-Grmäßigung von 0,50fr für die Tonne
einzuräumen. Die Zechen des Flénubezirks hatten bereits
ab 1. Juli eine Ermäßigung von Ifr die Tonne für Fein—
kohlen eintreten lassen. Das Geschäft für Industriekohler
ist fortgesetzt sehr schleppend; neben dem sehr reichlichen
Angebot heimischer Kohlen ist das Angebot in ausländischen
Kohlen recht störend. Der Gasindustrie werden weiterhin
die alten Preise ohne jede Erhöhung eingeräumt, und die
der Eisenindustrie notierten Preise stellen auch wesentlich
geringere Erhöhung als von durchschnittlich 1,86fr die Tonne
dar. In Magerfeinkohlen ist die diessommerliche Abnahme
der Ziegel- und Kalkbrennereien nicht unwesentlich geringer
als sonst, weil diese Unternehmungen unter einer erheblichen
Sinschränkung ihres Betriebes durch die langanhaltende
Regenzeit gelitten haben. Kleine Würfel und Feinkohlen
zu sonstigen industriellen Zwecken liegen gleichfalls ruhig.
In Anthrazit — Hausbrandkohlen hesjüt man arößere
Vorräte.
Bergfest im Saarrevier. Unter dieser Aberschrift
bringt die neueste Nr. des Bergknappen das Organ des
Bewerkvereins christlicher Bergarbeiter einen Artikel über
das Bergfest, dem wir folgendes entnehmen. Die Kosten
des Festes sind recht beträchtlich. Es heißt, daß dieselbe
zro Belegschaftsmitglied 6 Mark ausmachten und für di—
Beamten das Doppelte aufgewendet würde. Dazu kommer
die Unterhaltungs- und Arbeitskosten für Bedienung usw
die ebenfalls nicht klein sind, sodaß das Bergfest in diefen
dem Fiskus etwa 400 000 Mark gekostet haben wird
sSbenso hoch werden auch die Unkosten, die den Festteil—
ehmern entstehen, zu veranschlagen sein. Zunächst büßer
alle Arbeiter den Lohn für eine Schicht ein; selbst wem
ie sich am Fest nicht beteiligen, wüssen sie am Montagç
iach dem Fest eine Schicht feiern. Hierdurch entsteht be
der jetzigen Belegschaftsstärke ein Lohnausfall von 200 000
Mark. Hierzu kommen für viele Teilnehmer die Auslager.
ür die Eisenbahnfahrten. Nicht selten sind hierfür 3,4
ind noch mehr Mark auszugeben, besonders wenn mehrer
Familienangehörigen sich an dem Fest beteiligen, wie das
aft der Fall ist. Dann wird und muß auch bei solche—
Belegenheiten für Vergnügungen und kleine Geschenke fü
diejenigen, die zu Hause blieben, Geld ausgegeben werden
vofür ruhig 100 000 Mark ausgesetzt werden können
Endlich wird auch zum Bergfest vieles an Kleidung, beson.
ders für die Frauen und Kinder aufgewandt, sodaß auch
sierfür etwa 100 000 Mark gerechnet werden dürfen.
Wenn wir daher die Gesamtsumme, die für das Bergfes'
aufgewandt und an Lohnausfall eingebüßt wird, auf
300 000 Mark veranschlagen, so wird dies eher zu niedrig
als zu hoch gegriffen sein. Und nun möchten wir fragen,
teht eine solche Aufwendung im Einklang mit dem, was
zdurch das Fest erreicht wrd? Wir glauben diese Frage
oerneinen zu sollen. Wir sind daher der Ansicht, daß troß—
dem die Absichten der Kgl. preußischen Bergverwaltung
echt gute sein mögen, in der heutigen Zeit solche Veran—
taltungen recht wenig Wert haben, so wenig für den Fiskus
wie für die Arbeiterschaft. Unseres Erachtens liegt des—
vegen eine Beibehaltung dieses Festes auch nicht mehr im
Interesse des Fiskus, eher das Gegenteil. Aber auch der
illergrößte Teil der Saarbergarbeiterschaft würde dieser
Veranstaltung kaum eine Träne nachweinen, wenn man ihr
»ie für die Bergfeste aufgewandten Gelder zukommen ließe.
Dies konnten wir schon oft hören. Vielfach drückten sich
zie Kameraden dahin aus, daß ihnen das Geld, welches
sierfür ausgeworfen würde, in baar zehnmal lieber sei,
iieo das old im Haushalt äußerst gut braus en käun-J
 1.
„Nes̃, ich erirage diesen Anblick nicht länger —
ort — fort!“ und mit Hast ergriff er seine Habe und
vollte davoneilen, aber prallte zurück, denn beinahe
jälte er einen jungen Mann gleichen Allers wie er, der
us dem Skätdchen kam, überrannk, er haltke dessen Komnen
 ganz überhört, so war er in Gedanken versunken
ewesen.
v, musterle den Fremden, der ihm emnen freund⸗
ichen Gulken Morgen“* bolk, einen Augenblick etwas
nißlranisch, nachdem er sich von seinem ersten Schrecken
rholt hatte.
„Ein hübsches Städlchen,“ sagle der Fremde, gleicham,
 als feien sie schon Bekannke. „Ich freue mich jedesaal,
 wenn mich ein Auftrag hierherführk.“
So kommen Sie öfters hierher?“ meinte Erich ein⸗
lbig, nur um etwas zu sagen, denn als er weiterging,
lieb der Fremde an seiner Seite. Derselbe machke einen
urchaus vertrauenerweckenden Eindruck und schien
einem Aussehen nach dem Arbeilterstande anzugehören.
„Leider eben nicht oft; ich bin in einer großen
Maschinbauanstalt als Monkeur angestellt und so werde
h mitunter geschäftlich hierhergesandt, wenn neue Ma—
hinen aufgesiellt werden, oder eine Renarainr varzniehmen
 ist.“
„Maschinen, brr, bei diesem Work schauert es mich
edesmal,“ entgegnete Erich Häuslinger, da er unwillkürlich
 daran denken mußte, wie sein Vatker gerade durch
die neuen Maschinen ruinirt worden war.
„Nun ja, Maschinenbauer ist nicht gerade das schön—
ste Geschäft, aber es nührt seinen Mann, wer eben ek—
vas ordentliches gelernt hat. Freilich, Sie kauschen geviß
 nicht mit mir.“ dabei ließ der Fremde prüfend
einen Blick auf den Begleiter fallen, der allerdings
einem Außeren nach den besseren Sfänden anzugehören
ren.
ꝙ „Warum?“ fragke Erich und mußle unwillkürlich
ber die Offenheit des Anderen lächeln.
„Ich vermuͤle, Sie sind Kaufmann oder dergleichen,
da verdienen Sie eben Ihr Brod leichter, bei weniger
örperlicher Anssrengung.“
„Guft geraken, ja, ich bin Kaufmann, aber wenn Sie
nich eltwa beneiden. so hahen Sie durchuus keiner
BRB M—

en. Sie verhehlten sich aber auch nicht, daß dieses wohl
aum erreichbar sei.
Wir möchten daher einen auderen Vorschlag machen,
ind zwar dahin gehend, daß die für die Bergfefte auszu—
verfende Summe für eine Familienkrankenversicherung der
Zaarbergarbeiterschaft zur Verfügung gestellt wird. Im
Zaarrevier besteht noch der große Ubelstand, daß die Berg—
arbeiter bei Erkrankung ihrer Familienangehörigen sämt—
iche Kosten für ärztliche Behandlung, sowie auch sämtliche
Arzneikosten selbst zu tragen haben. Familienkassen, wie
iie z. B. im Ruhrrevier auf allen Gruben vorhanden sind
hat man hier nicht. Manche Familie, die viel mil Krank—
)eiten geplagt ist, wurde dadurch schon an den Bettelstab
zebracht. Eine Versicherung der Familienmitglieder der
Der Bergarbeiter im Saarrevier ist daher bitter notwendig.
Würde der Fiskus sich bereit finden, zu den 400000 Mk.
noch etwas hinzuzulegen, so wäre es sicher nicht schwer, auf
diese Art eine Einrichtung zu schaffen, welche die Arzt⸗ und
Apothekerkosten für die Angehörigen der Königl. Bergleute
estreiten könnte und für die Bergarbeiterschaft nebsi Fa⸗
nilie sehr segensreich wirken würde. Wir glauben auch
icher, daß eine solche Einrichtung viel mehr Anerkennung
bei der Bergarbeiterschaft, wenigstens bei der denkenden,
inden wird, wie das Bergfest. Wo bisher dieser Gedanke
»esprochen wurde, fand er nur Zustimmung. Wir woller
aher hoffen, daß alle hier in Betracht kommenden Fatktoren
insehen, daß es im allseitigen Interesse liegt, wenn das
zergfest verschwindet, um eine soziale Einrichtung zu schaf—
en, die der gesamten Bergarbeiterbevölkerung des Saarre—
»iers zum Segen gereichen wird.“
Völklingen, 29. Juli. Gestern verunglückte auf der
Lölklinger Hütte in der Eisenkonstruktionswerkstätte der
Arbeiter Ludwig Shreiner aus Bildstock so schwer, daß der
Tod sofort eintrat. Wie man hört, war der Vexrunglückte
ein ruhiger fleißiger und nüchterner Arbeiter. Die Leiche
var am Kopfe schrecklich zugerichtet. Die Unfall-Kommission
war schnell an Ort und Stelle. um den Tatbestand aufzu—
nehmen.
* Köln, 29. Juli. (Die Tat einer Geistesge—
törten.) Heute Morgen wurde die 53jährige Frau
es in der Lichtstraße in Köln-Ehrenfeld wohnenden Wie
emeisters Josef Wefers am Fenster erhängt aufgefunden.
die 33jährige unverheiratete Tochter und drei Enkelkinder
er alten Frau im Alter von 8 bis 7 Jahren waren
rdrosselt. Dem Anschein nach ist die Tochter erst nach
heftiger Gegenwehr überwältigt worden. Der Vater de
dinder sowohl wie der Großvater, der Mann der Mör
erin, sind auf Reisen bezw. auf Urlaub. Die Täterin.
cheint in Geistesgestörtheit gehandelt zu haben. Sie sol
chon früher in einer Irrenanstalt untergebracht gewesen
sein und auch schon die Aeußerung getan haben, sio werd
die ganze Familie umbringen.
* Duisburg, 29. Juli. (Drohender Schif—
erstreik.) In einer Versammlung der Abteilung Rot—
erdam des deutschen Transportarbeiterverbandes wurde
eschlossen, einen Streil sämtlicher Schiffsknechte auf dem
gzebiete des Rheines in Deutschlands in Aussicht zu neh⸗
nen, falls vor dem 1. August keine Besserung in den
LDohnverhältnissen, in der Arbeitszeit, Sonntagsruhe und
)infichtlich des Aufenthaltes an Bord eintreten sollte.
* Schwerte, 29. Juli. (Ha ar schwund.) Wegen
des epidemischen Auftretens des Haarschwundes unter
den Schülern und Schülerinnen der Volklsschule wurden
die Schulen bis zum 10. August seitens der Behörden ge
chlossen. Bis jetzt sind über 200 Kinder erkrankt.
* Münster i. W., 29. Juli. Werhafteter Mö r⸗
der.) Es ist gelungen, den Knecht Fryse zu ergreifen,
»er am Sonntag auf dem Gutshof Hellmann bei Appel—
ülsen das Dienstmädchen Rehert mit einer Eisenstange er⸗
—X
ebensgefährlich verletzte.
* Nieder-Mörlen, 29. Juli. (Gom Auto totge—
ahren.) Auf schreckliche Weise verunglückte tödlich der
edige 31jährige Sohn des Müllers Krämer. Er besorgte
n Friedberg Geschäfte und trat mit dem Rade die Rück
ahri an. Zwischen Friedberg und Nauheim wurde der
dadler von einem Automobil, das von hinten kam, ange.
rannt, obwohl er Licht hatte. Er fiel vom Rade und
rlitt schwere Verletzungen am Hinterlopfe und eine Ge⸗
irnerschütterung. Das Automobil iurbr obwohl es der
Anfall wahrscheinlich bemerkt hatte, weiler. Gleich darau,
emerkte ein Mann auf der Chaussee das noch brennende
zicht des Rades und fand das unglückliche Opfer bewußt
os am Wege. D ververletzte wurde in das Kran
enhaus gebracht narb nach einer halben Stunde,
hne das Bewunnn eder erlangt zu haben. Am näch—
len Morgen unte: e man alle Automobile in Bad
sauheim und fand in einem solchen den Hut des Ver—⸗
malückten Das NMuio soll Musländern gehören

r
Die Dreihundertjahrfeier Elberfelds.
Festmahlin der Stadthalle.
Der prächtige große Saal der Stadthalle war bis
ruf den letzten Platz gefüllt. U. a. waren erschienen
Minister des Innern von Dallwitz, Oberpräsident Frei—
verr von Rheinbaben Landeshauntmann Dr von Vern—

„Beneiden, nem, ich bveneide Sie nicht, aber wenn i
eben Ihre Kenntnisse besäße, da könnke ich mich mit um
die schöne Stelle in unserem Geschäft bewerben und es
mal so weit bringen, wie der erst kürzlich verstorben⸗
Prokurist.“
Erich blieb einen Augenblick stehen — war das ein
Wink des Himmels, daß ihm gerade dieser Mann in
den Weg kommen und von der oöffenen Sltelle erzählen
nußte. Auf seine hastige Frage erzählle nun der An—
dere Näheres über die offene Stelle und ermunterke ihn,
sofork nach ihrer Ankunft in der Residenz sich wik um
dieselbe zu bewerben.
Bei ihrer Erzählung hakten die beiden jungen Männer
uicht sonderlich auf den Weg geachtet und halken nun
chon den größten Teil zurückgelegt. Eben kamen sie an
inem stark bewaldeten Park vorüber, in dessen Hinker⸗
rrunde sich ein statkliches, schloßarliges Gebäude erhob
Neben dem Parkeingang stand eine Tafel, auf welcher
mit weithin erkennbarer Schrift zu lesen ware .Diosos
Gut ist zu verkaufen.“
Unwillkürlich blieb Erich stehen und musterte die
Tafel. „Habt Erbarmen mit einer armen Zigeunerin,“
klang da eine schwache, winselnde Stimme neben ihm
und dem Straßengraben entstieg wie aus dem Boder
gezaubert ein in einen Mankel gehülltes Weib zwischen
Bierzig und Fünfzig mit einem von Wind und Wetter
gebräunken, runzeligen Gesichte, während dagegen un
hre Augen und ihre Zähne eine Königin sie hätte benei
sen können. „Ein Almosen, schöner, junger Herr
zeigen Sie mir Ihre Hand und ich will Ihnen auch Ih—
Glack prophezeihen.“
Der Begleiter Erichs war ebenfalls hinzugetreken
und stieß ersteren mit dem Ellbogen an, ihn gleichfalls
aufmuniernd, dem Begehr der Alken zu willfahren und
ich von Ihr seine Zukunft weissagen zu lassen.“
„Ich giaube nicht 8 entgegnete Erich und
vollie seinen Weg forksetzen, doch die Zigeunerin hielt
ihn am Rockäͤrmel fest.
zsie sollen aber sehen, daß ich es doch verstehe, in
die Zukunft zu schauen, schöner Herr! Soll ich Ihnen
um Beispiel sagen, an was Sie soeben dachten ?“
„Wern es Ihnen Spaß macht, dann meinelwegen
ach mir hahen nichf niel überffüssige Jestte

ders, Regierungspräsident Dr. Kruse (Düsseldorf).
kKeigen der Tischredner eröffnete Oberbürgermeister Fun
nit einem kurzen Kaisertoast. Es sprach dann Stadtve
ordneter Friderichs, der der Geschicke der feiernden Stad
edachte und eine e günstige Entwickelung für di.
zulunft erhoffte. rs starke Wirkung löste sein be
echtigter Wunsch . daß das prächtige Burghaus de
zürgerschaft dauernd »chalten bleiben möge. Vie Ehren
zäste begrüßte Erster Beigeordneter Pfeiffer, worauf de
Ztaatsminister von Dallwitz mit Wünschen für die Stad
Elberfeld antwortete. Der letzte der offiziellen Redne
war Oberbürgermeister Voigt (Barmen), dessen geistvolle
mit feiner Satyre durchsetzten Worte den stärksten Beifal
auslösten. Auch er drückte den Wunsch der Allgemeinhei
nach Erhaltung des Burghauses aus. Seiner Rede folg.
ein lang andauernder starker Beifall der Versammlung
Am 8 Uhr abends begann im Thaliatheater die erste Au
ührung des von Walter Bloem gedichteten Fesispiele.
Der Väter Not“.
Ein Telegramm der Kaiserin.—
Die Kaiserin sandte der Stadt Elberfeld folgende De
pesche: „Ich nehme aufrichtigen Anteil an der heutige,
Sinweihungsfeier des nach Sr. Majestät dem Kaiser und
nir benannten Alters-Pflegeheims, das sich in der Erin
terung an unsere silberne Hochzeitsfeier würdig an die
zroßartigen Wohlfahrtsanstalten Elberselds anreiht. Möge
bielen ein sorgenfreier Lebensabend unter Gottes Schu
und Wegen beschieden sein. Ich bitte Sie, der durch ib
ren Gemeinsinn so besonders ausgezeichneten Stadt Elber
feld meine besten Wünsche zu der Dreihundertjahrfeier über
nittesn zu wollen. Nuauste Viktori

Geständnis des Leipziger Mörders? Karl Kop
pius soll jetzt zugegeben haben, der Mörder des Ehepaa
res Friedrich zu sein, wie er auch schon gestanden haber
soll, seinerzeit jene Postanweisung geschrieben zu haben
d'e der Geldbriefträger Rübner, der dann überfallen um
chwer verletzt wurde, bestellte. Daß der junge Koppius
Miitäter bei den meisten Verbrechen ist, steht, wiee
heißt, fest. Der Dritte im Bund fehlt noch. Karl Kop
pius, der in seinen Briefen gern französische Wendunge;
benutzte, hat offenbar mehrfach Reisen ins Ausland um
ternommen. Er war Buchmacher und beschäftigte fich vi⸗
mit Rennwetten.
Wasserhose. In Neuburg an der Donau ging ein
mächtige Wasserhose auf der Donau nieder, welche an de
Ufern großen Schaden anrichtete. Die Bewohner flücht⸗
ten aus den Häusern.
Verhaäfteter Juwelendieb. Die Polizei verhaftet.
in Budapest einen aus Warschau zugereisten Goldarbeite
namens Händler, welcher seinem Chef, dem Juwelier No
prochersky, Juwelen in hohem Werte gestohlen hat.
Zur Massenausweisung Deutscher aus Rußlaud
Die Nachricht, 300 deutsche in Rußland angesiedelle Ar
beiterfamilien hätten täglich ihre Ausweisung aus Ruß
land zu erwarten, weil sie nicht die russische Staatsange
hörigkeit erwerben wollten, soll in dieser Fassung nich
richtig sein. Allerdings wollte die russische Regierun
diese deutschen Arbeiter dem Verbande des russischen Staa
ies dauernd durch die Erteilung der russischen Staatsbür
gerrechte einverleiben; die ersten Verhandlungen über dies—
Frage seien indessen erst soweit gediehen, daß vor Ab
auf einiger Jahre kaum eine entsprechende Verfügung de
russischen Regierung zu erwarten sei. Von einer tͤglio
)rohenden Ausweisung der hauptsächlich in Wolhynien an
ässigen Deutschen könne keine Rede sein.
Bandenunwesen. Aus der Ortschaft Venetianr
radsko wird die Entführung eines reichen bulgarischer
daufmannes in die Berge durch Banden gemeldet. Die
Zande fordert 500 türkische Pfund Lösegeld. Der Zoll
irektor von Uesküb wurde in Saloniki, wo er seinen Ur—
aub verbrachte, von Unbekannten erschossen, angeblich wei
r reaktionire Pläne gefärdert hat. — In Mitro fand
in Kampf zwischen der türkischen Grenzwache und grie
dischen Schäfern statt. Ein Schäfer fiel. Die Türken nah—
nen 20 Schafe in Beschlag. Bei Diskata erfolgte eir
zusammenstoß zwischen türkischen Soldaten und griecht
chen Palikaren, die die Grenze überschreiten wollten.“
Sßriechen wurden verwundet und gefangen genommen. d'i
ibrigen flüchteten in die Berge.
Unwetter in Persien. Schwere Gewitter mit Re
engüssen, die in dieser Jahreszeit ganz ungewöhnlich
ind, verursachen Ueberschwemmungen. In mehreren Dör—
ern kamen Häuser zum Einsturz. In Tadjrisch, dew
zommersitz der deutschen Kolonie. sind drei Versonen um
elommen.
— ZBuagverspätung durch Gepäckverladung. Nach
em einige Zeit Zugverspätungen ziemlich selten waren
angen sie allmählich so langsam wieder an. In den
neisten Fällen ist die Gepäckverladung daran schuld, die
ticht nur dem betreffenden Zuge zu einer Verspätung ver
nilft, sondern auch nachfolgende Eilzüge ꝛ.. aus den
Fahrplan bringt. Der Eisenbahnverwaltung sind diese
Htißstände, die besonders in der Reisezeit höchst unange
iehm wirken, jetzt auch aufgefallen und sie hat an die
Ztationsvorsteher und Zugbegleitpersonale eine Verfügung
gerichtet, wonach die Gepäckverladung schneller erfolgen
oll. Genügende Arbeitskräfte sollen dazu herangezogen
verden, damit der betreffende Zug unter keinen Umstän
den eine Verspaätung erhält.
MA Schmutzige Personenwagen. Auf Nebenbahnen
ritit nan vit außerordentlich schmutzige Wagen an, wie
„Aber Sie muüssen es eingestehen, wenn iqh recht habe.
Sie dachten soeben an den Kauf des Gutes, Sie wünschken.
soviel Geld zu besithzen, um dieses Schloß und alles, was
dazu gehörk, erwerben zu können.“
„Ihr habt nicht ganz unrecht — ja, Ihr kommt der
Wahrheit ziemlich nahe. Ich dachte, es könnle eine
Zeit kommen, in der dieses Eigentum wieder verkauft
würde und ich sei dann im Stande, es zu kaufen. De
habt Ihr elwas für Eure Kunst.“
Hastig griff das Weib nach dem ihr von Erich ge
reichten Geldftücke und ihre Augen funkellen dabei wie
die eines Luchses. Als sie aber die Hand des Gebers
ergriff, um aus den Linien derselben zu phrophezeien
da wehrke dieser entschieden ab.
„Katel nicht weiter,“ versetzle der junge Mann la—
hend. „Eure Kunst könnke dann das bischen gewonnen⸗
redit wieder einbüßen.“
Die beiden jungen Männer setzten ihren Weg fork,
während die Alte hinker ihrem Rücken ein Zeichen mil
der Hand machte, als ob sie Jemand winke. Zufällig
ber halte Erich Häuslinger noch einmal den Kopf nach
rückwärts gewandt und dabei die Bewegung der Zigen
aerin bemerkt.
„Die Sache scheint mir nicht recht geheuer, sagle er
m Weiterschreiten zu seinem Begleiter.
‚Wie meinen Sie das?“ fragte dieser.
„Nun, ich sah soeben, wie die Zigeunerin Jemanden
nit der Hand ein Zeichen gab. Es ist ja auch nicht gu
inzunehmen, daß sich die Alte hier allein auf der Straße
aufhallen sollte, ihre Stammesangehörigen werden sichei
n der NRähe seir. Wenn die Bande nur nicht eiwa⸗
m Schilde füm.
„Sie vermunn also, daß es die Zigeuner auf uns
baesehen haben könnten.“ entgegnete der ienieur und
vie sie gekommen waren, denn sie ve ĩ
vieder in den Park. sie verschwanden plößlis
⸗HDas war Hilfe zur rechten Zeit,“ stoͤhnk
)en es von seinem lufligen Sih aeee ane
— heran
ekommen waren. Die Kerie hälken
Hhaben Sie Schob⸗ uns umgebracht.
ur n denommen?“ fraate der Mon
            
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