Full text : Dudweiler Zeitung

„so were die Einrichung eines Beschwerdever
ins erforderlich, da man die Entscheidung über di
eilung oder Versagung des Wandergewerbescheins nag
»xun Beduürfnis nicht in die Hand einer Behörde leger
iann

αα ÊÊααα
Internationale Flotten abrüstung. Noosevekts Plu
einer internationalen Flottenabrüstung ist auch den Kabi—
netten in Paris und London zugegangen. Die Undurch
führbarkeit des Planes ist, wie die Blätter melden, au
Deutschlands Ablehnung zurlickzuführen, da alle übrigen
Flottenstaaten für Roosevelts Abrüstungsider gewonner
wurden. Es ist wahrfscheinlich, daß der Plan in Jahres—
frist von den Vereinigten Staaten vifiziell angenommen
werden wird

Gαα ααιιιαOαOOůO
Arbeiterbewegung.
— Grubenarbeiterstreik. Die Situation der streiken
den Grubenarbeiter in Bäl bao (Spanien) wird immer
kritischet. Eine ganze Anzahl Grubenarbeiter beginnt be—
reits auszuwandern. Viele haben ihre Kinder bei frem
den Leuten untergebracht, da sie selbst außer Stande sind
die Kinder zu ernähren. Die Grubenbesitzer erklären, daf
der Streik nur aus politischen Gründen geführt werde,
weshalb sie es ablehnen, mit den Streikenden in Ver
handlungen einzutreten. In Bilbao und Sevilla wird
der Generalstreik aller Arbeiter erwartet. In Ter—
rol ist die Agitation unter den Arbeitern bedeutend ge
wachsen und es ist bereits zu einigen Zusammenstößen
zwischen den Streikenden und den Arbeitswilligen ge—
kommen. sa daß Militär einichreiten mußte

α
——

Von der Luftschiffahrt.
*Gelungener Ueberlandflug. Der Avia—
tiler Erich Lochner aus Aachen flog vom Trup
penübungsplatz Darmstadt mit einer Eulerflugmaschine über
vLand. Der Flug dauerte 51 Minuten in einer durch
schnittlichen Höhe von zirka 200 Meter. Lochner landeie
aus etwa 120 WMeter Höhe im Gleitfluge, weil er nicht
genug Benzin mitgenommen hatte und der Motor siehen
blieb. Die Landung erfolgte 9. Kilometer von dem
Flugplatz entfernt. Lochner verschaffte sich dann Benzin,
slog nach 20 Minuten Aufenthalt nach Hause und landete
50 Meter von der Flugmaschinenhalle glatt.
*Eine Dauerfahrt des ‚„M. 3.“ Vom Mili—
tärluftschiff „ M. 3“, das Mittwoch Abend in Tegel zu ei⸗—
ner Fahrt nach Gotha aufstieg, isft an den Siaatsmini—
ster Dr. von Richter in Gotha kbelegraphiert worden: „Den
Gothaern melde ich besten Gruß vom Wrilitärluftschiff „M.
3“. Haben die Halle und Landungsplatz erkundet. Lan—
den wollen wir heute nicht, da wir eine große Dauer—
fahrt vorhaben und sie nicht unterbrechen wollen. An
Bord alles in tadelloser Versassung. Schiff fährt mit hal⸗
ber Kraft, kommt aber sehr gut vorwärts. Beften Gruß
Major Groß.“ (Nach weiteren Meldungen erfolgte der
Aufftieg vom Tegeler Schießübungsplatz um 11 Uhr
nachts. Um 6.15 früh passierte das Lustschiff Erfurt, er—
reichte um 7 Uhr Gotha, führte einige Schieifen über der
Stadt aus, und schlug dann die Richtung nach Eisenach
ein, wo es um 7.20 Uhr gesichtet wurde.)
*Die Metzer Luftschiffmanöver. Don⸗
nerstag Vormittag stiegen nur die beiden Luftschiffe „Zep—
pelin“ und „Parseval‘ auf. Sie werden von der Wietzer
Luftschifferkompanie bedient, die zu einem Bataillon er—
weitert werden soll. Kommandeur ist Hauptmann Ge—
orge. Auch die Berliner Luftschifferabteilunqg uummt an
den Manövern teis

αααααααιαιααααιασXC
Handel und Verkehr.
Kein Telephon Deutschland⸗-England. Nach Mit
teilungen der Kölner Oberpostdirektion mußte gegenwär—
Ag von der Einrichtung eines Fernsprechvertehrs zwischen
Deutschland und England Abstand. genommen werden. Vei
der Verbindung der Kabel mit den langen oberirdischen
Vveitungen, wie sie beispielsweise beim Anschluß an die
Kabel England-Frankreich oder England Beigien nötig
sein würden, werde die Sprache von Teilnehmer zu Teit
iehmer nur undeutlich übermittelt. Die Versuche werden
indessen nach Inbetriebnahme des neuen zwischen England
und Frankreich ausgelegten Seetaneis wieder aufgenom—
nen werden.
Der Handel in Kiautschou. Nach den soeben er—
chienenen Ausweisen des chinesischen Seezollamtes für
oas erste Quartal 1910 hat sich der Handel unseres
Schutzgebietes wiederum erfreulich weiterentwichelt. Die
Besamtzolleinnahmen betrugen 401 983 Hk. Tls. gegenüber
318 326 im Vorjahre und 282 868 Hl. Tis im“ Jahre
1908. Der Schiffsverkehr ist von 107 auf 147 Dampfer
zestiegen, auch der in der Statistik nicht besonders namhaf
gemachte Dschunlenvertehr hat zugenommen. Von wichti
gen Ausfuhrgütern des Schutzgebietes sind zu neunen:
frische Eier, von denen anstatt 1600 000 Stück im Vor—
iahr, 7 830 000 Stück exportiert wurden; Erdnüsse, die
von 85 000 Pituls auf 390 000 stiegen; Bohnenoͤl, von
dem anstatt 375 Pikuls 6470 ausgesührt wurden. Zun
rsten Male zeigt sich auch die Wirksamkeit der in vden
Schutzgebiet neu angelegten Salzpfannen, bei denen durg
Sonnenausdünstung des Meerwafssers, ähnlich wie das
zie Jananer seit Kahren tun. Sals nnnen ni «7
A
er war schon lange Jahre Wittwer, ließ er seinen Sohn
zu sich rufen. Dann sank er wie erschöpft auf einen
Sessel nieder. Bald darauf erschien sein Sohn Erich;
erstaunt betrachtete er seinen Vater, der qanz das Bild
eines gebrochenen Mannes bot.
Wenn Valker und Sohn in ihren Gesichtszügen Ahn—
lichkeit mit einander hatken, so hätte doch der Ausdrud
derselben nicht leicht eine größere Verschiedenheit bieken
?nen. In dem Antklitz des alken Häuslinger lag eine
Weichheit, ein Wohlwollen, die einen merkwürdigen Ge—
gensatz zu der unbeugsamen Energie, die sich auf der
breiten Stirn, in den kiefer liegenden Augen des Sohnes
kundgab. Seine vom ersten Flaum der Mannheit be—
schaliele Oberlippe — er war kaum zwanig Jahre —
verriet große Festigkeit, aber auch einen gewissen sarastischen
 Zug.
„Wir sind bankerott, Erich!“ stöhnke der alle Mann
‚was soll aus uns werden ?“
„Wir fangen von vorne an,“ versehzlke der Sohn
krocken. „Warum hast Du aber nichk früher eiwas da—
oon gesagt, wie es um uns steht, nun erst jetzt, wo es
zu spät ist, vielleicht ist es gar noch nicht so weit?
Ich wollte Dich nicht erschrecken, wollke Dir den
Schmerz und die Entkäuschung ersparen, weil ich immer
noch Hoffnung hegke, aber nun ist es wirklich zu spät.
ich habe alles versucht in den lekten Tagen. Wochen
oergebens —*
Glaubst Du, daß nun die Enktkaäͤuschung weniger
Jark ist, Vater ?“ entgegnete der junge Mann mil einer
sellsamen Ruhe und Gelassenheit und in einem Ton,
der den alten Mann unwillkürlich aufblücken ließt „Ich
war der nächste, dem Du es anverkrauen mußkest — nun
bist Du bei allen Deinen Freunden herumgelaufen,
rann es mir schon denken, und keiner hat Dir geholsen.“
,S5o ist es — Du hast es erralen. Ach, womit habe
ich es verdient, daß diese Schande noch auf mich fallen
muß.“
d wo warst Du jetzt? Ich sehe es Dir an, Du
hattest auf den letzten Gang die größie Hofsnung ge—
setzt und bist abgeblitzt.“
,Spotte nichk, Erich, Du ahnst nicht, wie weh es mir
um das Lerz ist, bei Neuburger war ich, ich glaubke
aanr beffintaf. er würde mir die Summe vorstrecken

vurden fast 85 000 Pituis exportiert. Ziegenfelle sind
on 46 000 auf 70 000 Stück, Strohborten von 17600
uuf 24 000 Pituls gelommen. In der Einfuhr ist na
nentlich bei den Metallwaren eine kräftige Siteigerung zu
onjtatieren; auch die Einfuhr chinesischer Güter hat star
ugenonmimen. Der „Rivale“ Tsingiaus, Tschifu, ist um
iber 12 Prozent in seinen Zolleinnahnien zurückgegangen;
Singtau hat um 75 Prozent zugenommen. Mit dicsem
zgeonis darf das Schußzgebiet recht zufrieden sein

Lokales und Vermischtes.
Ehrlichkeit. Bei der am 23. d. M. stattfindenden
dauptlohnung verlohnte sich ein jüngerer Beainter um 20
Mark. Der Lehrhauer Christ. Wirrh aus Dudweiler hatte
den Betrag zu viel erhalten; er brachte ihn sofort dem
lohnenden Beamten zurück. — Wirth hat durch sein Ver—
salten bewiesen, daß das Sprüchwort: „Ehrlich währt am
ängsten!“ bei dem Bergmannsstande noch in Grinnerung
st und auch gehandhabt wird. Brgmsfr.
Ein heftiges Gewitter, selbstredend wieder mit be—
eutenden Niederschlägen, hatten wir vergangene Nacht
wischen 3 und 4 Uhr. Béeinahe hätten wir gestern ein—
nal einen Tag ohne Regen gehabt, doch gab es morgens
rüh schon ein kleines Spritzerchen. Der Juli hat all un—
er Hofsen zu Schanden gemacht — was wirs der
lugust bringen?
Personalnachrichten. Dem Vergassessor Willert aus
dem Oberbergamtsbezirke Dorimund ist die freigewordene
Oberlehrerstelle an der Bergschule zu Saarbrücken vom 1.
August ds. Is. ab auftragsweise übertragen. — Der seit—
ser mit der Verwaltung einer Wegerärterstelle bei dem
Bergwerl Reden betraute Militäranwärter Heinrich Schaͤfer
st vom 1 Julind Aa aum Wegewärker Frnannt worden.
Brgmsfrd.)
Der Vorsitzende der Kgl. Bergwerksdirektion, Herr
ßeheimer Bergrat Cleff, ist vom 287 Juli bis 3. Septem—
»er beurlaubt und vou Saarbrücken abwesend. Zusendun—
gen an die Königliche Bergwerksdirektion wolle Anan des—
zalb nicht, wie dies recht oft geschicht, zu Händen des Herrn
veheimen Bergrat Cleff richten, sondern stets an „den Vor⸗
itzenden der Königlichen Bergwerksdirektion“ senden.
Spiritus. Vom 1. Oktober dieses Jahres ab darf
Brennspiritus im Kleinhandel nur in Behältnissen feilgeboten
werden, die verschlossen und mit einer Angabe des Alkohol—
gehaltes versehen sind, wodurch die Gewähr für die gute
veckentsprechende Beschaffenheit die Ware gegeben und die
Bebrauchsfähiakeit —X Spiritusapparaten aller Art erhöh
wird. J
Ein christlicher Bergarbeiterführer üher die Lage.
Aus Gelsenkirchen, 24. Juli, wird geschrieben: Gewerk—⸗
schaftssekretär Effert-Essen, der belanuüte Führer des Ge—
verkvereins christlicher Bergarbeiter Deutschlands, hat sich
am Sonntag in einer vom christlichen Gewerkschaftskartell
einberufenen sehr stark besuchten Versammlung eingehend
über die allgemeine Wirtschaftslage, uͤber das Verhältnis
der christlichen Gewerkschaften zu den freien Organisationen
und über die Stellungnahme der dem christlichen Gewerk—
derein angeschlossenen Bergarbeiter zu einem etwaigen neuen
Hrubenarbeiterstreik ausgelassen. Im Hinblick auf die zu
erwartenden Preßerörterungen von hüben und drüben, die
ich aller Voraussicht nach an Efferts Rede knüpfen werden,
zeben wir seine Darlegungen, die wohl als eine pro—
zrammatische Erklärung des Gewerkvereinsvorstandes auf⸗
ufassen sind, in möglichster Ausführlichkeit wieder. Der
dedner warf zunächst einen Rückblick auf die Entivickelung
er christlichen Gewerkschaften, deren Mitgliederzahl in den
etzten zehn Jahren von 77 000 auf 300 000 angewachsen
ei. Dann, zur Besprechung der Industrielage übergehend,
vies Effert darauf hin, daß der Tiefstand der Krise offen⸗
bar überwunden sei. Die Eisen- und Stahlerzeugung in
Deutschland zeige steigende Tendenz, ebenso die Kohlenför⸗
derung mit Ausnahme derjenigen des Saargebiets. Der
Ausgang der Bewegung im Baugewerbe könne als zu—
friedenstellend für die Arbeiterschaft angesehen werden; die
kommende Zeit des Friedens mmüsse zur Stärkung und zum
Ausbau der Organisation verwandt werden, weil sonst nach
Ablauf des jetzigen Vertrags neue Kämpfe kommen müßten.
Auch bei den Metallarbeitern müsse eine aufsteigende Kurve
»es Wirtschaftslebens im Eisengewerbe zur Vervollkomm—
uung der Organisation genüßt werden. Im Bergbau sind
war einige Anzeichen der Besserung zu verspüren: die all—
gjemeine Lage aber und insbefondere die Lage der Berg—
irbeiterschaft ist nach keineswegs günstig. Durch die Vor—
nachtstellung der Hüttenzechen und der nichtsyndizierten
zechen sind die reinen Syndikatszechen in eine bedrängte
Lage gekonmen und es erscheint fraglich, ob unter den
jegenwärtigen Zuständen eine Erneuerung des Syndikats
nöglich ist. Für die Bergarbeiterschaft wuͤrde die syndikats—
ose Zeit die größten Gefahren im Gefolge haben, weil die
inter ihrer Herrschaft einseßende Preisdrückerei in erster
ivie die Arbeiter treffen würde. Molltats die Robn
— — 44
b h in doch einmal vor dem Gesangnis vewahri
und hat er sich damals kausendmal mein Freuud genannt
— untonst — oh, die Schmach, die Schande. die Schande.
nie qauf mich fälli 77
„Wer will behaupten, daß es eine Swande ist, was
Dich, was uns beltifft,“ unkerbrach ihn Erich hark. „Eir
Unalück ist es; doch nun genug der Worke. Nachdem ich
weiß, was Dich bedrückt, ist Dein Kummer auch der
meinige. Ich werde mich sofork über den wirklichen Ge—
schäftsstand orientiren, dann werden wir zunächst den
Zläubigern einen Vergleich anbiekten, gehen Sie darau
ein, so wird es auch wieder gelingen, die Scharke auszu⸗
vehen — wenn nicht, so geht die Sache ihren bestimmken
dauf, ich werde mich nach einer geeignelen Slelle umtun
uind wo anders mein Glück versuchen.“
„Aber auf ehrlichem Wege, Erich?“
„Nakürlich, Vater. Nur ein Dummktopf kann glauben
aß Spitzbüberei die beste Glücksleiler sei oder auf einen
Fxreund bauen. menn er üch noch so aff als solcher
nennt.“*
„Sprich nicht so, Erich. Deine Worte erschrecken
nich fast, so darfst Du die Welt doch nicht beurkeilen.
Au bist noch zu jung, um ein solches Urkeil aus voller
Aberzeugung fällen zu können; vielleicht konnken sie mi
och nicht helfen, an die ich mich wandke, und nur die
dotlage hat mich verbittert. denn was märe der Menst
hne Freunde ?“
„Ein Pfad mit soviel Schlingen weniger. Läufl
inser Lebensschifflein glakt dahin, so haben wir Freunde
enug, sobald es aber auf eine Klippe stößt, fahren die
freunde dem Lande zu und lassen es ruhig versinken.
„Das ist eine traurige Anschauung.“
„Ist es denn nicht so, Vaker? Hast Du denn nicht
elbst erfahren, wie Dich alle Freunde im Stiche lassen?
ber wir wollen uns nicht länger mit solchen Bekracht—
ingen aufhalten, sondern handein; ich werde sofort die
röligen Schrikke vornehmen; erhole Du Dich erst wieder
on der Aufregung, in der Du Dich begreiflicher Weise
efindest; Berndt wird im Stande sein, mir die nötigen
—
elassen werden. um noch zu retten. was noch zu rellen
g.
Alsg Frich sein⸗⸗NMafor norsfden bhbotte. da-befand

den ihnen gebührenden Anteil an der aufsteigenden Kon—
junktur sichern, so sei es dringend notwendig, die Arbeiter
»xganisationen zu kräftigen. Besonders für die christlicht
Bergarbeiterschaft bringe die nächste Zeit große und ernste
Aufgaben. Er erinnert an die Sicherheitsmännermahlen
Das Geseßz, das den Bergarbeitern die neue Eiurichtung
bringe. Um einerseits der Arbeiterschaft die Vorteile des
vesetzes nutzbar zu mächen und andererseits die Mängel des
Resetzes zu prüfen, und auf ihre Abstellung hinwirken zu
fönnen, müsse jedem wohlberechtigten Bergarbeiter die Teil—
nahme an der Wahl zur Pflicht genacht werden. Nicht
ninder wichtig seien die am 17. Septeniber stattfindenden
Knappschaftswahlen im Ruhrbezirk. Der alte Bergarbeiter⸗
»erband habe seinen Feldzugsplan für die nächste Jeit auf—⸗
gestellt und ihn im sozialdemokratischen Hänptorgan ge—
vissermaßen als programmatische Kundgebung veröffentlicht.
Der betreffende Artitel ergehe sich in scharfen Hetzereien
gegen den Gewerkschaftsverein und berühre am Schlus
uch die Frage eines etwaigen Streiks. Besonders inter—
ssant sei dabei die Enthüllung. daß man diesen Streik au
ozialdemokratischer Seite dazu benutzen wolle, den christ
ichen Gewerkyerein zu zertrümmern. Diese Absicht sei dem
Hewerkverein längst bekannt gewesen: man habe aber die
sozialdemokratischen Führer nicht für so dumm gehalten,
daß sie nach dem Fiasko von 1905 diese bruderliebenden
Pläne im Vorwärts proklamieren würden. In dem Ar—
ikel werfe man dem Gewerkverein Bundnisse mit der
Zechen vor. Solche. Bündnisse brauche der Gewerkvereu
aicht und er werde solche Bündnisse auch nicht schließen
Auf dieses Zusammengehen mit den Vertretern der Groß⸗
ndustrie verständen sich die Sozialdemokraten besser, wie die
Vorkommnisse in Essen, Altenessen, Stoppenberg und Dort—
nund zur Genüge bewiesen hätten. Bei den bevorstehenden
nappschaftswahlen würden vom Gewerkverein nur solche
dandidaten aufgestellt werden, die dem Gewerkverein min—
estens ein Jahr lang als Mitglieder angehört hätten. In
»iesem Sinne seien auch die leitenden Persönlichkeiten der
onfessionellen Arbeiterverbände (evangelischer Arbeiterbund
sw.) beschieden worden, die sich wegen eines Zusammen—
gehens mit dem Gewerkverein äan dessen Leitung gewandt
saben. Daß bei der Aufstellung der Kandidaten diejenigen
dameraden den Vorrang erhiellen, die gleichzeitig Mit—
stieder eines konfessionellen und gleichzeitig Milglieder eines
nappenvereins seien, verstehe sich von selbst.
Der Gewerkverein sei bereit, mit diesen konfessionellen
Vereinen — eillerlei ob evangelisch oder katholisch — zusam⸗
nen zu arbeiten und man habe keine Ursache, deswegen
erst beim alten Verband oder bei der sozialdemokratischen
Partei anzufragen. Ebensowenig habe man Veranlassung
iese Stellen um Rat zu fragen wegen des Zeitpunktes, von
»em ab die Mitglieder des Gewerkvereins die erhöhten Beiräge
 zu zahlen haben. Soviel könne aber heuie schon
»erraten werden, daß die Gewerkvereinsmitglieder zu gele—
zener Zeit wüßten, was ihnen dienlich sei. Eigentlich köͤnne
s dem alten Verbande ja doch nur recht fein, wenn der
vewerkverein geringere Beiträge zahle, weil es ihm dadurch
eichter gemacht werde, den Gewerkverein kaput zu streiken.
Möge der alte Verband mit diesen Streik nur kommen; der
hriftliche Gewerkverein werde ihm die gebührende Antwort
geben. Auf keinen Fall werde es den Altverbändlern ge—
lingen, das Vertrauen der chriftlichen Arbeiter in ihren
Führer zu erschüttern. Die Entscheidung über die Erhebung
eines Kampfbeitrages habe bei den Mitgliedern des Ge—
werkvereins gelegen und diese hätten in richtiger Erkennt—
nis der Sachlage eine ablehnende Antwort gegeben. Da—
rüber, ob es zum Kampf komme, werde nicht allein der
ilte Verband entscheiden, auch nicht in Verbindung mit der
ozialdemokratischen Partei, sondern in dieser wichtigen Frage
verde der christliche Gewerkverein, seine Mitglieder und seine
Führer, ein ernstes und entscheidendes Wort mitzureden
saben. Da brauche man doch nur an die Hilferufe vom
Jahre 1905 zu erinnern. Damals habe der alte Verband
den christlichen Gewerkverein beschworen, die im Streik
befindlichen Altverbändler doch nur ja nicht im Stich zu
afssen. Wer jetzt einen Streik wolle, müsse rechtzeitig an
die Konsequenzen'denken. Die Führer des Gewerkvereins,
zie auch in der Zwischenzeit nicht geschlafen hätten, würden
iach der Kundgebung im Vorwärts noch wachsamer alt
»isher sein. Der teuflische Plan, den der Vorwärisartikel
enthüllt habe, müsse für die Mitglieder des Gewerkvereins
ein Ansporn sein, ihre Organisation weiter zu stärken.
In der Diskussion sprach namens des alten Bergarbei—
erverbandes Arbeitersekretär Löffler-Bochum. Unter größter
inruhe der Versammlung suchte er zu beweisen, daß tat—
ächlich der christliche Gewerkverein bei den Knappschaftsvahlen
 mit den Zechen paktieren wollte. Ties gehe daraus
servor, daß nationalliberale Parteiführer und Sekretäre
hand in Hand mit den Gewerkvereinsführern Propaganda
reiben. Bei früheren Gelegenheiten habe der Gewerkvereir
en alten Verbend vielfach nötig gehabt und seinen Ral
n diofor Ro⸗fiehrine hrou⸗ uurr die Rra⸗
A —
, Meser in einem noch trostloseren ustano ais vd
her. Er haltke sich vor dem Augenblick gesuͤcchtet, we
r seinem Sohne alles mitteilen mußte — well er glaubte.
derselbe würde gleich ihm den Kopf verlieren und sich
n herben Klagen ergehen. Statt dessen hatte derselb⸗
iber seine Misteilung mit einer Ruhe aufgenommen, als
jandle es sich nur um einen geschäfilichen Beclust und
zicht um den vollständigen Zusammenbruch der allen
Firma. War das wirklich der stille Träumer, als wel
hen er ihn bisher immer bekrachlet hatie, wenn er st
ssill an seinem Platze bei seiner Arbeit saß. Ein un
gewöhnlicher Ernst hatte ihn zwar von jeher von seiner
Altersgenossen unterschieden, daß sich aber dahinker eine
olche Weltverachlung verbarg, wie er sie soeben kundge
eben, davon, halke er nichts an ihrn bemerkt und wie
ieselbe gerade jetzt so unverhohlen zum Ausdruck kam.
chmerzte ihn mehr, als es ein Trost gewesen war, weil
r die Sache nicht so kragisch nahm. Der Kopf des alken
Mannes sank immer kieser auf die Brust herab und
Tränen rannen ihm in den weißen Bart.
„Sollkte Erich doch recht haben,“ enkrang es stöhnend
einer Brust, „sie lassen uns doch versinken — o, Aind.
ver hat Dir schon so frühzeitig den Glauben an die
Menschheit geraubt. Wehe, wehe, wenn Dein Herz von
diesem Gefuͤhl überwuchert wird, wenn sich solche
schlacken darum setzen, dann wird auch Dir die Freund⸗
chaft nur ein hohler Begriff sein.
2. Kapitel.
Einige Tage späker verkündete die Zeilung den Ban⸗
erott der Firma L. Häuslinger — das Verhängnis
jatte sich nicht aufhallken lassen, irotz der Bemühung
Erichs, einen Vergleich zu erzielen. —
Der reiche Privatier Neuburger saß gerade mit seinen
Tochter beim Morgenkaffee, als er dieses neueste Ereigiis
 las und er ließ einen Augenblick die Zeitung sinken
ind starrte wie geistesabwesend durch das Feaster.
So hat er es doch nicht authalten können, es hälle
ym auch nichts geholfen,“ suchte er gewisse in iym auf
teigende Bedenken selbst zu beschwichügen.
„Was meinst Du, Vater?“ fragte die gegenüber
aende Tochter; die seine Worte nicht verstanden hatte
Ach, Häusslinger hat fallirt. es mußte so kommer

anzuregen, wer den im Jahre 1905 mit der Unter
Efferts veröffentlichen Aufruf verfaßt habe und wer
wistiae Vater des Referats gewesen sei, das ein chris'
Hewerkschaft beamter auf dem Berliner Bergarbeiterko
achalten. Für die Veröffentlichung im Vorwärts
Löffler die Verantwortlichkeit des alten Verbandes ab.
entsprechende Aufklärung und Erwiderung werde in.
Bergarbeiterzeitung erfolgen. Selbstredend müsse der
»unkt eines neuen Kampfes im Ruhrgebiet genau ab—
gen werden: darin lasse man sich von keiner außenstehe
deite bestimmen: Das sei die ureigenste Sache der
rbelter und ihrer Organisationen, zu denen auch der
erkverein christlichr Bergarbeiter gehöre. Nach L
prach ein katholischer Arbeitersekretär. Dann hiel
hewerkvereinsführer Effert die Schlußansprache, die
jer nochmal'gen Aufforderung zur Stärkung der Ora
ion dihhe 7 7 *35.
Fahrharten. Die fünf Tage betragende Gültiqg
auer der Rückfahrkarten nach Brüssel ist für die Zei
dortigen Weltausstellung auf 10 Tage verlängert wo
Die Preise der Rückfahrkarten Saarbrücken-Brüssel s
ich für die erste, zweite und dritte Wagenklasse auf 5
ezw. 38,30 bezw. 23,10 Mark; ein besonderer Zut
st nur bei Benutzung der Luxuszüge zu entrichten.
Knappschaftliches. Herr Knapyschaftsdirektot 8
vom 23. JZuli bis 6. August ds. Irs. beurlaubt.
zertretung ist Herrn Berginspektor Dr. jurn et phil.
bertragen worden.
Feuilleton. Wir mußten heute mit einem neuen
nan „Der falsche Freund“ beginnen da der Ersatz fü
»eim Gießen verunglückte Mater noch nicht eingetroffe
Wegen Absatzmangels müssen im August auf
meisten unserer Gruben 3, auf Grube Velsen zwei 5
schichten eingelegt werden; nur Berginspektion 1 zu
dorf braucht nicht zu feiern. Die Feierschichten werde
olgenden Tagen verfahren: Am 8., 15. und 22. 3
eiern die Berginspektionen 3 zu Von der Heydt,
Sulzbach, 9 zu Friedrichssthal, 10 zu Göttelborn un
zu Camphausen. Am 8., 15. und 29. August feiern
Berginspektionen 4 zu Dudweiler, 6 zu Reden, 7 zu He
8 zu Neunkirchen. Am 8. und 15. August feiert die *
inspektin 18 zu Fürstenhausen. Am 15. 28. und
MAugust feiert die Berginspektion 2 zu Loitisenthal. —
velchen Einwirkungen ein guter und flotter Kohlen«
ibhängig ist, das mögen unsere Bergleute aus folge
Bericht der Königl. Bergwerksdirektion über die ungüns.
Absatzverhältnisse ersehen: „Die fiskalischen Saargrt
hatten unter der Ungunst der Konjunktur im Jahre
benso sehr zu leiden wie andere Kohlenbezirke; nur m
ich bei ihnen der allgemeine Rückschlag weit mehr
einschneidender bemerkbar als in dem Jahre 1902,
»en Tiefstand nach der Hochkonjunktur des Jahres
„ildete. Immerhin ist es gelungen, trotz der vermind
Nachfrage, obgleich die Belegschaft wesentlich erhöht wo
var, mit wenigen Feierschichten durchzukommen und
Förderung auf dem Stande des Vorjahres zu halten.
Absatz der fiskalischen Saargruben hatten in erster
unter der Konkurrenz der Privatgruben an der Saar
eiden, welche wesentliche Preiskonzessionen gemacht ho
um ihren Abnehmerkreis zu erweitern und ihre starkeg
jene Förderung unterzübringen. Aber äatich der eng
Wettbewerb lastete im Berichtsjahr schwer auf dem
»eutschen Kohlenmarkt und es sind so niedrige Preise
tellt wie selten zuvor. Die Einfuhr der englischen K.
vurde durch das Darniederliegen des Rotterdamer Fr
enmarktes und dem günstigen Rheinwasserstand erleich
er eine ungestörte und daher billige Verfrachtung währ
es ganzen Sommers sicherte, wo sonst die Schiffahrt
uhen pflegt. Die außerordentlichen reichen Niederschl
Ȋhrend des ganzen Sommers hatten noch eine wei
rzolge. Sie ermöglichten nämlich eine fast ungestörte
„olle Ausnützung der Betriebswasserkräfte in Süddeu
and und der Schweiz, und dadurch wurde eine wesent
dohlenersparnis bei einem großen Teil der Verbrau
erzielt, welche sonst im Hochsommer ihre Zuflucht
Dampfkraft nehmen mußten. Aus fast allen Kreisen un
Abnehmer liefen daher große Abbestellungen ein, un
zelang uns nicht ohne weiteres, neue Abnehmer für
überschüssigen Mengen zu finden. Der milde Winter
eine Belebung des Hausbrandgeschäftes aber überhaupt
zu und brachte einen weiteren Rückstand des Verbrau
aus allen Kreisen unserer Abnehmer. Wenn auch
2aufe des Jahres bei einzelnen Betriebszweigen eine
inge Besserung der allgemeinen Marktlage festgestellt
en konnte, so kam diese erfreuliche Tatsache dem Ver
er fiskalischen Saarkohlen jedenfalls nicht zu gute.
sbsatz nach dem Auslande, welchen wir im Vorjahr—
ark hatten zurückgehen lassen müssen, hat noch keine
esserung erfahren und ist sogar noch weiter gegen
iedrigen Ziffern des Vorjahres zurückgegangen; es
ns oben nicht mögli“, 80 Gonkirrronsz, dio Sehein der
denn er hat nicht Schrikk gehalkten mit der Zeit
gegnele er ausweichend.
„uUnd er ist vorher bei Dir gewesen, hal Dich
hilfe angerufen, Du aber hast sie ihm verweigert!“
Waoher zweißt Du das?“ fragte der ehemal⸗
zaufherr unsicher, weil er befürchtete, Helene koͤnnte
rum wissen, welchen Liebesdienst ihm dieser einst
viesen hatle. Nakürlich von ihm selbst; ich erinn
nich jetzt, ich hörta Dich mit ihm auf der Treppe spreche
als er bei mir borgen oder vielmehr belleln wollie, der
n seiner Lage kommt beides auf eins heraus.“
„Nein, er war zu feinfühlend, zu edel. um mir v
erblümt in das Gesicht zu sagen, daß Du ihn ab—
viesen hattest, aber über den Sinn seiner Worke wi
nir Klarheil.“ „Du hast eine schwere Schuld auf De
geladen.“
iSchweig, was verstehst Du von Geschaften,.“ entge
ete Reuburger hark, nachdem er überzeugt war, d
eine Tochter nichts aus der Vergangenheit wußle. .
jabe mir es nicht soviel Jahre sauer werden lasse
im mein Geld in solcher Weise aufs Spiel zu setze
Uein, keine Freundschaft in der Welt ist ein sold
Opfer wert. —*
Er hielt wie erschrocken uͤber seine eigenen Wo—
nne. Seine Tochter hatle ihr Gesicht mit beiden Händ
edeckt und es war nicht zu unterscheiden, ob sie wein
Aber der Liebe zu dem Gelde stand doch noch die Lie
u seiner Tochter und er empfand Reue, daß er v
hr so verächtlich von der Freundschaft gesprochen halb
denn wie kalter Reif mußlen sich seine Worte auf
Bemüt legen.
„Es war auch schon zu spät, als er zu mir ka
es wäre meine Hilfe sicher nur wie ein Tropfen Was
iuf einen heißen Stein gewesen. Man kann es sich
etzt überlegen, ob ihm nicht unker die Arme zu greif⸗
st, um wieder von vorne anfangen zu können.“
„Meinst Du, daß Häuslinger jehzt Deine Hilfe a
rehmen wird? Und wenn er es wirklich über sich
vinnt — sein Sohn? Erich ist ebenso stolz, mie *—
Zeist stark iste
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.