Full text : Dudweiler Zeitung

J.

der neue Feuerbachtunne!
VDer neue Feuerbachtunnel nahe dem württembergischen
Flecken Feuerbach im Neckarkreis scheint seinen Erbauern
große Schwierigkeiten zu bereiten. Nach den lettien Nach
stichten haben sich größere Erdmassen in dem Tunnel ver
schoben sodaß nicht nur auf der Söhe sheande Hauser

IJ
s
5

eilweise starle Risse zeigen, sondern auch die Verkehrs—
sicherheit des alten Tunnels, durch den die Züge nach
Rorddeutschland verkehren, gefährdet ist. Unsere Karten
skizze zeigt die Genend nördlich von Stuttaart mit der
Tunnelftrecke

—Z2

— —
Vermiischtes.
Selbstzündende Zigarren und Zigaretten. Der
Industrie ift es wieder einmal gelungen, der Steuerbe
hörde auf legalem Wege ein Schnippchen zu schlagen und
ihre Anpassungsfähigkeit an veraͤnderte Verhälinisse dar
zutun. Die Zigarren- und Zigaretienindustrie hat einen
Ausweg gefunden, um die Zundholz steuer zu ersparen: e.
werden naämlich neuerdings, wie die „Vojsische Zeitung
mitteilt, selbstzundende Zigarren und Zigaretten herge
ellt, die an einem Ende mit einer braunen Zündmaäss
ꝛersehen sind und durch Reibung an einer Reibfläche ir
Brand gesetzt werden. Diese Zigarren und Zigaretten
deren Geschmack und Geruch von der Zündmasse nicht be
einflußt sein soll, haben besonders bei Jägern, Solda
ten, wie überhaupt bei Leuten, die vielfach im Freien
sind, Anklang gefunden, da die Entzündung selbst bei
türmischem Weiter ohne weiteres möglich isi. Selbst der
gewiegteste Steuertechniker kann diese Tabalsprodukte nicht
unter das Zündsteuergesetz bringen, da nach diesem al—
steuerpflichtige Zündwaren nur alle mit einer Zuündmasse
versehenen Stäbchen oder Spänchen aus Holz, Stroh, ge
preßten Pflanzenfasern, Vavve oder hnlichen *7zf
zen gelten.
Ein Waldgürtel für Berlin. Der Landwirtschafts
minister Freiherr von Schorlemer-Lieser hat am Sonnabend
und Montag mit deut Bürgermeister von Berkin Dr. Reicke
und einigen anderen Herren eine Fahrt in die nächste
Umgegend von Berein unternommen, um die für die
Schaffung eines Wald-und Wiesengür—
tels in Aussicht genommenen Gelände zu besichtigen.
Ueber den Verlauf dieser Rundfahrt äußerte der Minister
dem Wtitarbeiter eines Berliner Blattes: Schon aus dei
Tatsache, daß ich sobald nach dem Eintritt in mein je tzi⸗
ges Amt mich mit der Berliner Waldschutzfrage beschäf⸗
tige, können Sie mein Interesse und die Bedeutung er—
sehen, welche ich der Sache beilege. Aber soweit dies
noch erforderlich war, hat diese Fahrt in mir die Ueber
zeugung bestärkt, daß Groß-Berlin hier einen guten und
lobenswerten Kampf führt, und daß es in der Tat not
wendig ist, ihm einen Waldgürtel zu erhalten. Die
Staatsregierung wird es nicht an Entgegenkommen fehlen
lassen; natürlich müssen die Städte auch etwas bieten
Denn große Au gaben hat sich innerhalb der ganzen Mo
narchie die Forstverwaltung gestellt und diese Aufgaben
dürsen nicht leiden. Ich zweifle jedoch nicht daran, daß
wir zu einem Einvernehmen gelangen werden. Der gute
Wille ist jedenfalls auf beiden Seilen vorhanden und ich
llaube, daß der Staat und die Städte ein beide Teile
xfriedende⸗ ANAefommen erzielen werden. Die Bedins
X — — * —α —
kine Hochzensresse
180
Reisehnmoreske von Adolf Thiele.
Nachdruck verboten.
Am Eibsee, 12. Juli
Teuerste Mama!
Nun bin ich schon ganze zwei Tage von Euch fort
und muß mich wirklich beeilen, Euch Rachricht von mir
ju geben. Ach, ich bin so glücklich; ich kann Dir's gar
nicht sagen. Emil ist aber auch so lieb und gut, und was
ꝛv mir an den Augen absehen kann, tut er gewiß. Und
r ist doch auch ein so hübscher Mann, nicht wahr, beste
Dama?
Unsere Reise ging über München mit der Bahn nach
einer kleinen Stadt (den Namen habe ich vergessen) und
ann mit der Post hierher. Es gefällt mir wircklich sehr.
Die mächtigen Berge, die dunklen Wälder, die stillen Seen,
dazu das herrliche Wetter — ach, es ist alles so nett umd
o reizend.
Und doch zieht mich das Heimweh immer wieder zu
Fuch. Ich kann es gar nicht sagen, wie ich mich nach
unserer gemütlichen, hübschen Wohnunig sehne, die Du uns
neiden so reizend einrichtest.
Mit den herzlichsten Grüßen an Euch alle
Deine überglückliche Tochter Emma.
P. S. Emil kann gar nicht ohne mich sein. Selbst
jetzt sitzt er neben mir und schreibt eifrig in sein Notizbuch.

* w
nus Fmils Notizbuk⸗
So, nun wäre ich also glüclich verheiratet und zwar
im vollen Sinne des Wortes: glücklich und verheiratet. Ich
glaube, daß dies nicht immer Widersprüche zu sein brau—
chen. Mein Frauchen und ich sind wirklich einmal ein
Paar, das durch Neigung zusammengeführt wurde und bei
dem auch alles Aeußerliche recht wohl stimmt“— Dieser
neugebadene Zustand soll mich aber keineswegs hindern, ei—
ner alten Gewohnheit treu zu bleiben. Nach wie vor will
ich bisweilen meine Stimmungen in diesem Büchlein nieber—
legen und sie späteren Tagen aufbewahren. (Wie sie jetzt
so herzig dasitzt und schreibt! Es ist wirklich zum Malen)
Meine jetzige Grundstimmung aber neben dem Glücke, ein
folches Frauchen errungen zu haben, ist die Freude, sie
mit den Wundern Tirols bekannt machen zu können, die—
ses schönen Landes, das ich einst mit so viel Genuß durch⸗
nandert⸗ — Nehenbei. ich war recht froh daß jeant Si G

maen, unter denen wir dazu gelangen sonen, sieyen serdp.
»erständlich in diesem Augenblick noch nicht fest und sind
noch Gegenstand von Erwägungen. Aber die Lösung der
Frage als solche werden Einzelheiten hofentlich nicht auf
alten.
Ein Merkblatt über den Alkoholgenuß der Kin—
der. Der Verein gegen WMißorauch geistiger Getränke hat
ein Merkblatt über die Gefahren des Alkse algenusses bei
Kindern herausgegeben. Ueber die Verbreaung und die
Aufnahme dieses Blattes wird gemeldet: Insgesamt sind
veit über 2 Millionen Merkblätter beschafft und zum größ—
en Teile bei Gesegenheit der öffentlichen Impfungen be—
teits im Jahre 1909 verteilt worden. Außer den Nach—
chauterminen der öffentlichen Impfungen sind auch zahl—
ꝛeiche andere Gelegenheiten zu ihrer Verbreitung benutz
worden. So haben z. B. die Kreisärzte bei den von
hnen vorgenommenen Schulbesichtigungen, die Merkblätter
erteilt und ihren Inhalt erläutert, auch bei den Kreis—
rehrerkowerenzen über ihren Inhalt Vorträge gehalten.
Die Lehrer haben die Merkblätter beim Unterricht oden
bei den Schulentlassungen besprochen, auch wohl das Ein
kleben der Blätter in die Schulbücher vorgeschrieben. Die
Aufnahme der Belehrung wird, von Ausnahmefällen ab—
gesehen, allgemein als günstig bezeichnet. Daß durchgrei—
fende Erfolge von einer einmaligen Verteilung nicht zu
erwarten sind, war vorauszusehen. Erfreulicherweise hat
nach einen Ministerialerlaß vom 8. März 1909 die über—
wiegende Zahl der Kreise und Gemeinden sich zur Wie
derholung der Verbreitung bereit finden lassen. Der Er—
laß stetlt an die Regierungspräsidenten das Ersuchen,
dort, wo überhaupt noch keine Verteilung stattgefunden
hat, oder wo eine Wiederholung solcher nicht in Aussich!
genommen ist, auf die Nützlichkeit der Maßnahme hinzu—
weisen. Er weist weiter auf die Zweckmäßigkeit hin, auch
auf eine Verbreitung solcher Merkblätter, die die Gemein
gefährlichkeit des Alkoholgenusses überhaupt schildern, Be
dacht zu nehmen. Der Minister will nun, wie der Reichs
und Staatsanzeiger meldet, auch weiterhin zur Erleichte
zung der Maßnahmen Merkblätter in benötigter Anzah.
imentgeltlich liesern, niimmt aber an, daß vom nächsten
FJahre an der Bedarf seitens der beteiligten Verbände
elbst beschafst werden wird. Ueber diese neuerlichen Maß
tahmen erwartet der Minister Bericht bis zum 1. Ja
nuar 1912. Es wäre sehr erwünscht, daß auch in der
anderen deutschen Staaten, soweit es nicht bereits gesche
hen, die Verbreitung von Merkblättern über die Schäd
ichkeit des Alkoholgenusses im Kindesalter in ähnlich
ystematischer und dringlicher Art, wie dies seitens des
reußischen Ministeriums der geistlichen, Unterrichts- und
htedizinalangelegenbeiten veschietet *22dert würde
Lokales und Vermischtes.
Saison-Theater. Zum Donnerstag zweiter Benefiz—
ibend, und zwar für Herrn Alexander Erbel. Wir glauben,
daß Herr Erbel für seinen Ehrenabend einen glücklicher
Hriff getan hat, hat er doch ein Stück der so überaus be—
iebten Schriftstellerin Charlotte Birch-Pfeiffer gewählt, und
dazu noch das Stück, welches als das Beste vom Besten
»ezeichnet wird, das die Schriftstellerin geleistet. „Dor'
ind Stadt“ lautet der Titel des Stückes. Herr Erbel gib
ich der angenehmen Hoffnung hin, daß die Zugkraft dieses
Stückes ihm ein volles Haus bringen wird.
Die diesjährigen Versetzungsprüfungen an den
Bergvorschulen finden wie folgt statt: Kouisenthal: 27.
Juli, vorm. 8.30 Uhr, Sul zbach: 28. Juli, vorm. 8.30
ihr, Göttelboern: 29. Juli, vorm. 9 Uhr, Neun—
irchen: 30. Juli, vorm. 9 Uhr.
Die Temperatur ist heute früh ungemein frisch. Das
hermometer zeigt im Freien noch keine 12 Grad Celsius.
Es dürfte selten ein Jahr gewesen sein, in welchem solche
ibnorme Witterungsverhältnisse zu verzeichnen waren.“ Es
regnet: ungemeine Kühle, die Sonne scheint: Gewitter mit
Regen und Kühle. So geht es jetzt schon wochenlang, und
immer ist noch keine offensichtliche Besserung!“
Ein ehrendes Andenken. Wie noch erinnerlich sein
vird, verunglückten im August 1908 die Bergleute Merl
denrikus, Klos und Doninger insolge einer Schlagwetter—
xplosion. Um den braven Knappen, die gemeinfam der
'od fanden, auch gemeinsam ein ehrendes Andenken für
lle Zeiten zu bewahren, läßt die Königl. Berginspektior
Dudweiler ihnen ein Denkmal auf ihrer Grabstätte errichten
Zunahme der Meerungeheuer. Wer gelegentlich die
Berichte darüber liest, wie es in den westindischen, brasilia—
nischen und asiatischen Häfen von Haifischen wimmelt, hat
vohl meistens ähnliche Anwandlungen wie der Bürger aus
»em Osterspaziergange im „Faust“ und tröstet sich mit dem
Hedanken, daß nur draußen weit in Ost und West die Haic
nuf die Menschen siürzen. Zu einer recht e heblichen Er—
nüchterung führt die Tatsache, daß erst im vorigen Jahr im
Bolf von Ouanerobad ein großer Haifisch erlegt worden ist
»er in Fiume ausgestellt war, und daß noch zwei ander
zroße Haie in der letzten Zeit in den istrianisch-dalmatischen
düstengewässern getötet wurden. Zu all dem kommt noch
»aß die österrcichische Regierung einem Erfinder kürzlich ein
leines Kricgsfahrzeug zur Verfüsgung geftellt hat, um einen
Ppparat praktisch zu erproben, mit dent dieser jeden Haifisch
innen 2 Miruten ins Jenseits befördern wilk Die fasté
— MCAL X
enßann vis Garmisch geyt unß yr meyr der Eivequeme
zniftmaonen

e
Oetz. 15. Auli
Geliebtefte Mama!
Nur wenige Worte heute, da die Post gleich abgeht.
Meine Sehnsucht nach Hause ist leider mehr und mehr ge—
vachsen. Und doch darf ich Emil nichts davon sagen. Et
indet so ungemein viel Freude an diefer Reise, daß ich
hm doch unmöglich sagen kann, ich kehrte lieber um Doch
ch bringe ihm dieses Opfer gein, sehr gern, denn er ist
jar so lieb und gut, und alle Tage nimmt sein herzige?
Pesen zu. Nein, ich muß ihm zeigen dakß ich mich“ mnt
hm freue.
P. S. Schreibe nur ja nichts darüber in · Deinem
Brief, den ich postlagend Reran erwarse! Tue auf jegen
Fall. als wenn mir di⸗ Reise sehr hiel Veranüden mahte!

—3 —
Aus Emils Notizbuche.
Es ist eigentlich nicht Sitte bet uns Mannern, zuzu⸗
gestehen, daß uns eine Frau glücklich macht. Wir haben
urin einen vielleicht unberechtigten Stolz, alles uns selbst
zu verdanken, alles, was uns bealückt, aus uns selbst zu
schöpfen. Aber diesem verschwiegenen Büchlein gegenüber
'ann ich schon eine Ausnahme maͤchen. Emma ist aber auch
Jjar zu liebevoll, zu herzlich und dabei so schalthaft und
iaiv! Und was mich beinahe am meisten freut: meine Ab—
iht, ihr mit dieser Reise ein Vergnügen zu bereiten, habe
5 völlig erreicht. Es ist erstaunlich, wie all das Neue,
vas sie steht, stie entzüct, wie gern sie sich belehren läßt,
vie ihr Reisedurst — so möchte ich es fast nennen — sie—
ig wächst. Ich hätte hinter diesem stillen Mädchen nicht
ine solche Lebhaftigkeit gesucht. Wie alles Schöne und
Blückliche hat indessen auch diese Reise ihre Schättenseiten.
Das Re doch furchtbar unbequemi Man hat stets
nur die weder in der Foltermaschine, dem Post—⸗
wagen, g. chüttelt und geschmort zu werden oder
im Schwei gesichts über Bera und Tal zu klet—
tern. Das woe doch anders, als ich zum ersten Ma—
e hier wanderte. Ler jetzt — ich mit meinen 180 Zoll-⸗
o»fund! — Und jede Nacht in einem anderen Bette liegen,
und eins immer heißer und gebirgiger als das anderel —
Dabei — es ist zwar schmachvoll, aber wahr — habe ich
nich an mein heimisches Bräu so gewöhnt, daß mir gar
ichts anderes mehr schmeckt, am ollerwenigfsten der Tiroler
Landwein. Und überhaupt die ganze Kost! Der Zieen⸗
and v¶ gesfern. der uns als Gemshrafen“ qufdetischt pur—,

Amgitterung vieler Badeplätze dort unten dient auch nicht
nur drm Zwecke, die Badenden an dem Ueberschreiten einer
zewissen Meerestiefe zu verhindern, sondern sie vor Gefähr—
icherem zu bewahren, weil auch ein kleinerer Hai von etwa
wei Meter Länge imstande ist, einem Menschen die Bein—
nuskulatur bis auf die Knochen herunterzustreifen und töd—
iche Verletzungen beizubringen. Schlimmer als in der Ast—
ia scheint die Gefahr in den englischen Seebädern zu sein,
vo sich die unaufgeklärten Unglücksfälle beim Baden in un—
eimlicher Weise vermehrt haben. Man setzt sie zum Teil
auf Rechnung von Haifischen, denen in der letzten Badesai—
on mehrere Personen nur mit knapper Not entgangen sind
ꝛum andern Teil aber auf jene urheimlichen Riesen aus der
Familie der Kopffüßler (Kephalopoden), den Oktoboden, die
nit ihrem langen, schlangenähnlichen Armen den Badenden
n die Tiefe zu ziehen suchen vor dem dann, wenn er unter⸗
zeht, verbreitet wird, daß er am Herzschlag gestorben oder
»om Wadenkrampf überrascht und ertrunken sei. Auch einige
chwere Verwundungen durch giftige Fische, die Blutvergif—
ung zur Folge hatten, figurieren in der neuesten Unfalls—
hronik der englischen Seebäder.
Der deutsche Gruß, jene von Darmsiadt ausgegangene
llgemeine Bewegung, statt des Hutabnehmens beim Begegnen
zekannter durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbe—
eckung zu grüßen, macht immer weitere Fortschritte. So
)at fich der vom 19. —23. Juli in Halberstadt versammelt
sewesene deutsche Tanzlehrertag ebenfalls mit der Frage
eschäftigt und nach einem Referat des Schriftführers der
VHenossenschaft deutscher Tanzl hrer Herrn Schmidt und einer!
ingehenden Diskussion einmütig folgende Resolution ange—
iommen: der 18. deuische Tan lehrertrag hält die Bestre—
ungen des Vereins für deutschen Gruß sür zeitgemäß und
neschließt, den deutschen Gruß in seinen Vobrnsan aufzuneh—
ner
Knappschaftliches. An sämtliche Altesien des Saarbr.
Knappschaftsvereins ist der Bescheid ergangen, daß alle
Anträge für Sterbegeld, Begräbnisbeihilfe Witwenpension
und Waisengeld nur durch den zuständigen Knappschafts—
iltesten erledigt werden. Dazu sind erforderlich folgende
Anterlagen: Knappschaftsbuch, Sterbeschein, Geburts- und
deiratsurkunde, sowie die notwendigen Vollmachten.
Der Vorstand des Saarbrücker Knappschaftsvereins
eröffentlicht nunmehr auch die Rechnungs- und Vermögens—
ibersicht seiner Invalidenversicherungskasse für das Kalender—
ahr 1909. Danach setzten sich die Einnahmen dieser Kasse
wie folgt zusammen: An Beiträgen 838 753,92 Mk., an
zinsen 313 949,09 Mk., an Renten (885 125 bis 127 des
Hesetzes) Renten 675,97 M., an Heilverfahren 44,85 M. Ver—
nögensanlage 5900,00 Mk., zusammen 1158 423,83 Mk.
sierzu Bestand am Anfange des Jahres mit 159 643,59
Mk., Summe 1318 067,42 Mk. Die Ausgaben betragen:
An Renten (88 125 bis 127 des Gesetzes) 692 5344,20
Mk., an Beitragserstattungen (KS 12ä, 128 Absatz 6 des
Hesetzes) 14873,77 Mk., an Heilverfahren 11477,34 Mk.
in Verwaltungskosten 29 094,55 Mk., an Erhebungen be
vewährung oder Entziehung von Renten- oder Beitrags—
erstattungen 8 031,46 Mk., an Schiedsgericht, Beschwerde—
Berufungs- und Revistonsverfahren 337,73 Mk., an Ver—
nögensanlage 395 671,90 Mk., Summe 1 152 030,95 Mk.
odaß ein Barbestand von 166 036,47 Mk. verbleibt. Das
VLermögen stellt sich am Ende des Kalenderjahres auf
1554207,98 gegen 9157 281,74 anfangs, sodaß ein Mehr
on 396 926,24 Mk. zu verzeichnen ist. Das Gesamtver—
nögen des Vereins am Ende des Berichtsjahres beläuft sich
»uf 184 420,58 Mk., bei der Krankenkasse 19 244 345,42
Nk., bei der Pensionskasse, 554 207,985 Mk. bei der
Invalidenversichernnaskasse. zusammen auf 28 982 973,986
Me (Brgmsfrd.)
Bescheidene Bitte. In Unter-Grainau bei Garmisch
hefindet sich, wie nan der Täglichen Rundschau mitteilt
am Eingang zu einem hübschen Privatgrundstück an einem
prächtigen alten Baum ein Taferl, das auf den ersten Blick
als ein gewöhnliches Materl erscheint, wie sie jedem Alpen—
wanderer wohlbekannt sind. Bei näherem Hinschauen aber
liest man folgendes Sprüchlein, das in jener Wagen- und
rutomobilreichen Gegend besonders beherzigenswert ist
Lieber Wanderer und Christ,
Radfahrer und Automobilist,
So es dir fehlen tut an Raum,
Renne ja nicht an diesen Baum,
Dieweil du es tätest im Jenseits büßen,
Wenn ich hier sollt noch zwei Meter abtreten müssen
Fall lieber auf die andere Seite!
Sechs Meter ist die Straßenbreite.
Merk dir das und laß dies Taferl hangen, lieber Christ
So du auf dieser Erde nicht ein zu großer Lümmel bist
Schwere Strafen. Im bahnbenutzenden Publikum
verden folgenhde Fälle interessieren. Ein Fahrgast, der au
der Strecke Berlin-Erckner mit einer abgelaufenen Fahr
rarte betroffen worden war, erhielt wegen Betruges nich
veniger als 3 Wochen Gefängnis, während ein anderen
liegt mir heute noch in den Gliedern. Nun, ich brind
w ui Ahee gern. Min will ich hungern und n
ind Landwein trinken, wenn ich nur mein herziges Frau—
hen das schöne Tirot zeigen kann. Schäme Dich, alter
Bursche, so zu lamentieren“ Laß Dir nicht das Geringste
nerken, damit Du ihr die Freude nicht verdirbist! Du weißt
voch. wie gern sie reif

*
Meran. 2D. vII
Geliepte Mamal
Es ist sehr gut, daß Du meiner Bitte gemäß in Dei⸗
rem lieben Brief nichts von meiner Unlust geschrieben hast.
Es ist leider zu wahr: das Reisen wird mir alle Tage
iangenehmer, ja geradezu verhaßt. Ich bin nun einmal
ür dieses herumziehende Leben nicht geschaffen.
Wie reizend denke ich es mir, wenn ich so als Haus—
nütterchen in unserer hübschen Wohnung unter den blitz
lanken neuen Möbeln schalten und walten und mein Männ—
hen hegen und pflegen könntel Und nun — schreclicher
vedante! — sollen wir noch 12 Tage unterwegs seinl
Weißt Du, liebe Mama, eines kann ich Dir nicht ver—
chweigen: Emil ist ja recht gut und ich habe ihn sehr lieb,
ber ich weiß nicht, wie dies einmal werden soll, wenn er
zei seinen jetzigen Gewohnheiten bleibt. Er ist so unstät,
o ruhelos, er, der doch sonst so etwas Gesetztes und Be—
zagliches hatte, das so gut zu meinem Wesen paßte. Ueberal
nüssen wir hingehen, alles will er mir zeigen; es ist manch—
mal, als suche er ein inneres Unbehagen durch eine Menge
iußerer Eindrücke zu betäuben.
Ich lasse mir natürlich nichts merken, sondern tue ihm
zu Liede, als interessierte ich mich für alles. Und ich säße
ach so gern in unserem traulichen, stillumfriedeten Heim!

*
us Emils Notizbuch⸗
Ich bin nur froh, daß ich wieder einmal sitze. — Das
hebirge wäre recht schön, wenn nur die vielen Berge nicht
vören. Diesen alten Stoßseufzer kann ich auch mit unter—
chreiben. Im Hochgebirge droben ging es noch an, da
var es wenigstens kühl, aber hier in Meran ist eine Glut!
Schauderhaft! Und dabei den ganzen Tag herumkraxeln zu
nüssen, bergauf, bergab, um jede von den lumpigen Sehens—
vürdigkeiten zu betrachten. — Aber was tut man nicht, um
iner liebenswürdigen Frau eine Freude zu bereiten!
Freilich, gewundert hat's mich ein wenig, daß meine
zẽmma so gar viel Freude am Herumlaufen und Anschauen
at. Ich hätte sie mir eigentlich ein Bischen — wie ss

er eine Bahnsteigkarte für 10 Pfg. gelöst hatte und
ine Strecke für 20 Pfg. gefahren war, zu 8 Tager
ängnis verurteilt wurde.
Eingesandt. Bei dem am Sonntag den 24 d8s.
»eranstalteten Wettstreit des Athletenklubs „Siegfried
Pollerschen Garten (Limbura erhielten folgende Herren
tehende Vreise:

1. Klasse im Ringen:
1. Preis: Heinrich Wunn
. Jakob Hartmann
J Peter Busse
Johann Minke
Matthias Spang
Fritz Schmidt
Gg. Wirtz
Karl Hartmann
klasse im Stemmen
1. Preis: Fritz Schmidt
. deinrich Wunn
. Matth. Spang
Peter Jungmann
Jakob Hartmann
Peter Busse
David Schirra
Georg Wirtz
Klasse im Ringen
1. Preis; August Brückner
Johann Wendel
Max Jung
Ludwig Pitz
Peter Schug
Karl Jost
Peter Büch
Matthias Schmitz
Wilhelm Spang
Jakob Baldes
Ichann Wilhelm
Willy Meyer
2. Klasse im Stemmen
Nreis: Karl Jost
Johann Wilhelm
Max Jung
August Brückner
Peter Schug
Wilhelm Spang
Philipp Otto
Peter Büch
Mattias Schmitz
Johann Wendel
Jak. Baldes
Zöglinge im Ringen
.Preis: Karl Klein
2. Peter Busse
. »* Peter Arnold
Chr. Stroh
Matthias Stettler
Matthias Braun
Peter Brödel
Peter Bucher
Philipp Aulenbacher
Zöglinge im Stemmen:
Wilhelm Weber
karl Klein
Chr. Stroh
Matthias Stettler
Matthias Braun
—W Peter Brödel
Fischbach-Camphausen, 25. Juli. Der neuerbaute
inn Tonbreunen nahe unseres Ortes soll nunmehr in
rieb gesetzt werden. Der Ton, dessen geförderte Menge
miner mehr steigert, soll also nicht mehr, wie bisher,
dohzustande verschickt, sondern gleich an Ort und Stell
»rannt werden.
Camphausen, 25. Juli. Die letzten Reste eines
Wahrzeichens oon Camphausen, die der hier einzig au⸗
ührten Gerhardt'schen Seilausgleichung, werden nun
zültig beseitigt. Nachdem die genannte Vorrichtung s
ängere Zeit außer Betrieb gesetzt ist, wird nun der g
dilssschacht mit Bergen ausgefüllt und das Seilscheibeng
usw. anseinander genommen. „. GBrgmsfrd
saarbrücken, 26. Juli. Die Witwe Koch aus
Stadtteil Burbach, von der wir vor einigen Tagen bericht
daß sie beim Feueranzünden Petroleum verwendet und
abei schrecklich verbrannt hat, ist bereits am Samstage
gen im Krankenhbause, wohin man sie gebracht hatte,
torben. (Sbr. Vlkszta
Reden, 25. Juli. Gestern nachnüttag vadete ein
tenenr um Ginbenmeiher bei der Grube Itzen oAlitz. Plör
sagenrn —rumger oder eigentiich nsamer gedacht.
O je, wenn sie dies läfe!
Nach meinen früheren Beobachtungen ging ste ganz
hrer Häuslichkeit auf, die sie mit Grazie verschönerte
o sehr behaglich zu machen verstand. Dies zoq mich
mmer zu ihr hin.
Und nun!
n sp B. Dieses Blatt muß schleunigst herausgerissen n
ven.
so l
Finale.
Szene: Ein Promenadenweg bei Bozen. Emil und S—
na (beide blaß vor Anstrengung und Hitze, lassen sich
leicher Zeit auf einer Ruhebank nieder mit den Worten
Du entschuldigst.“
Beide (zugleich): „Bitte.“
Sie: „Nicht wahr, Emil, wir brauchen ja nicht lane
tzen zu bleiben?“
Ed: „O nein, liebe Emma, wir können nachher gleb—
deitergehen.“
Sie: „Es ist recht hübsch hier in dem kühlen Laul
r natürlich nur, um einmal vorübergehend ausm
uhen.“
Er: „Freilich wunderschön kühl, zu einer kurzen Sti
ion sehr passend.“
Sie: „Dann können wir nachher mit frischen Kräft
veiter. Es ist ja hier noch manches zu sehen.“
Er: „Jawohl; da ist z. B. der Kaldarienberg mit se
ner schönen Aussicht. Der wird Dir sehr gefallen, da mi
en wir hinauf.“
5 Freilich, leber Mann, da mussen wir hinaui
ause.
Sie: „Hast Du schon das hübsche Häuschen dort ar
zem Berge betrachtet?“
Er (ein wenig erschrecend): Ja, sehr hübsch. Wolle
vir hinauf gehen?“
Sie: „Wie Du willst, lieber Emil! Doch noch eint
lugenblicki Ist Dir nicht die Aehnlichteit aufgefallen w
nserem zukünftigen Wohnhause?“
Er (zerstreut): „Freilich, sosort! Nur zwei Stodwerl
die weiße Farbe. das Schleferdach. die T—ür an der S
te — ⸗ . e
Sie: Ach, nun hat Mama alles so hübsch eingerichtt
Freust Du Dich nicht auch schon auf unser Heim? (schne
nsallend) Natürlich muüssen wir erst diese genußzreiche Fe
e beendet haben.“
J Er Etwas verwitrt):. Ich bin aana Deiner Anñ⸗
—V —
            
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