seanen eigenen Nanen ingesetzt, venn, hatte er ge
cechnet, auf diese Weise erhalte ich zum mindesten zwe
Stimmen und brauche dann nicht zu spendieren, da ick
ja nur auf eine Stimme gewettet habe, aber nicht au
mehr, und freute sich im füllen schon auf das lange Ge
sicht des Herrn Vorstandes. Die Wahl war vorbei unm'
das Ergebnis wurde festgestellt und — o Schreck! — au
den Wirt fiel fage und schreibe, eine Stimme, nicht meh
und nicht weniger. Dieser boshafte Kegelvorstand kannte
seinen Pappenheimer von Wirt und hatie ihn gar nicht
gewählt. Somit rührte die eine Stimme, die der Wiri
erhalten hat, von ihm selbst her. Die Wette war also
verloren, und wohl oder übel mußte er nun auch die
Sesellschaft einen Abend lang freihalten.
Regie und Regisseure. In einem Aufsatz über „Re—
gie und Regisseure“ spricht der Schauspieler des Deutscher
Theaters in Berlin, Stefan Großmann, in der demnächs
erscheinenden neuesten Nummer der „Schaubühne“ über die
Stellung des Regisseurs zu dem von ihm inszenierter
Ztücke. Nach einer Fülle trefflicher Beobachtungen übern
Regiekunst, über den Durchschnitts-Regisfseur einerseits
der meist erst nachträglich das Stück „entdeckt“, das er
inszeniert hat, und dem künstlerischen Regisseur anderer
ieits, der vorher, in der Stille, bereits ein geistiges Ver
Jältnis zu dem Werk, das er gewissermaßen neu schafft
gewonnen hat, kommt Großmann auf Max Reinhardt 31
prechen und schildert dessen Regietätigkeit in folgender
sicher allgemein interessterender Weise: Max Reinhard
lommt mit seiner fertigen Auffassung, mit dem ausgear—
beiteten Regiebuch auf die erste Probe und — schweigt
Er läßt die Schauspieler, jeden einzelnen, bringen, was
iie bringen wollen. Dann erst öffnet er sein eigenes Her
uind vereinigt die Bilder. Er ist ein Regifseur de
Sammlung. Vallentin (der verstorbene Regisseur de
Deutschen Theaters) war Autokrat, Reinhardi ist konstitu
tionell. Wer einmal Reinhardt bei den Proben am Wer
gesehen hat, der ist ganz erstaunt, wie lautlos hier di
Arbeit fortschreitet. Jeder Rat wird dem Künstier ftil
zugeflüstert. Die Schauspieler wachsen an diesem Regis
seur, owig aber der Regisseur wächst auch an den Schau
spielern! allentin zwang seine Vision den anderen auf;
Reinhardt bemüht sich, jedes Schaufpielers eigene Flamm
zu entfachen. Diese große Gelassenheit hat nur der Re
gisseur, der seine Leute (sachlich) liebt. Das ist die letzie
ind erste Voraussetzung für das schwierige Werk.
Mißverständnis. Ein niedliches Geschichtchen vor
einer in Heide in Dithmarschen vor einigen Jahren ver
anstalteten Wanderausstellung der schleswig-holsteinischen
Kunstgenossenschaft wird nachträglich vom „Heider Anzei
ger“ erzählt. Die Schuljugend war von den Lehrern ir
die Ausstellung geführt worden, und am solgenden Tage
hatten in einer Mädchenklasse die Kinder Gelegenheit, übe
das Gesehene sich zu äußern, wobei teils recht treffende
zum Teil aber auch recht drollige Urteile abgegeben wur
den. Den Vogel schoß dabei ein kleines Mädchen ab, das
vom Lehrer gefragt wurde, welches Bild ihm denn gan
»esonders gefallen habe, und darauf die Antwort gab
„Das Bild mit den drei Kühen.“ „So, so, hast Du den
auch den Namen des Künstlers behalten?“ lautet bedeut
sam die Frage des Lehrers, die jedoch ohne Antwor
bleibt. „Aber ich weiß, wie die Kühe heißen.“ — „Na
wie heißen sie denn?“ fragt mit erftauntem Gesicht der
Lehrer, worauf er von der Kleinen die Antwort erhält
,Die eine heißt Hans, die andere Olde und die dritte
Zeekamp!“ Sie hatte den unter dem Bilde ange
brachten Namen des Kuünstlers Hans Olde-Seekamp, der
noch heute als Direktor an der Großherzoglichen Kunst
akademie in Weimar itätig ist, auf die drei Kühe verteilt
Am Zeughaus in Berlin angeschlagen ist, und zwar
in goldenen Lettern, ein Gedicht, das der „Kladderadatsch“
n seiner letzten Nummer dem Andenken der Köniain Lnii—
gewidmet hat. Das Gedicht hat nur zwei Strophen, vor
denen die zweite folgendermaßen lautet:
„Der Weiterstrahl, der Deutschlands Glück zersplittert
Zerschlug auch dir das königliche Herz,
Und heute noch, nach hundert Jahren zittert
In unsrer Seele leise re r Schmer;
der Kommandant des 5 Genecal von Use—
»om, hat bei der Redatt „ʒtladderadatsch“ anfra—
jen lassen, ob er »Gedicht anschlagen lassen dürfe,
vas natürlich beljane urde. Imsolgedessen sieht man nun
m der Außenseite des Zeughauses am Portal das für
diesen Zweck in Goldschrist gesetzte Gedicht, mit einem
kahmen von frischem Grun umgeben und links von einer
— D Schleife
lankiert. Während des ganzen Tages lasen dort dvichte
Menschenaruvven das Suldiounasgedicht 08 qsaddern
datsch“.
Was König Edwards Begräbnis kostet. Die
zenauen Zahlen der Kosten, die England für die würdige
Bestattung König Edwards aufwandte, sind in der Vo—
lage enthalten, die das Ministerium des Innern den Par
lamenten jetzt zugestellt hat. Insgesamt hat das Begraͤb—
nis 810 000 Mark gekostet. Die einzelnen Beträge ver
eilen sich wie folgt: Dem Oberzeremonienmeister fuͤr In
itandsetzung der Gemächer der königlichen Gäste, für die
Trauergbzeichen und für Zuschüsse an die Dienerschaft zur
Anschassung von Trauerkleidern 76000 Mark. An den
Aerhofmeister für die Bewirtung der fremden Fürstlich
leiten 106 000 M. An den Oberstallmeister für Wagenmiete
aemietete Pferde. Sisfenhahnkniten usw. 99 900 M Aur
— — — — ——
Flͤßen. Nein, ver rommt nicht zurnc, ver heialet mein«
Schwester nicht mehr.“
Wilde Freude leuchtete in seinen grausamen Augen,
seine Stimme knurrte und krächzte mehr als je und seineé
dände krallten sich zusammen.
Der Advotkat sah ihn mit Grausen von der Seite an.
„Demgemäß haben Sie von jener Seite nichts mehr
zut befürchten, leider auch nicht van seiten Ihrer armer
Schwester.“
„Allerdings, allerdings“, gab Olivier nach einigen
Sinnen zurück. „Dann wäre ich also Alleinerbe meine?
Vaters und unumschränkter Herr seines Grund— und Bar
yermögens?“
„Sobald der Tod amtlich festgestellt ist, ganz gewiß.“
„Nun, so beschleunigen Sie gütigst die Todeserklärung
Herr Notar.“
„Ich will es versuchen, denn ich alaube felbit an Bour
liers Tod.“
„Das ist gut“, sagte der liebevolle Sohn zynisch. „Ol
Desiree lebt oder nicht, ist von keiner Bedeutung. Auch
ohne ihre Totenschein verfüge ich frei, und zwar so, daß
Sie, Herr Advokat, die Fabrik verkaufen, die Villanabel
Iu meinem Einzuge herrichten laffen. Es ist doch nach
Deinem Wunsch, Madelon?“ wandie er fich an die Frau
die der ganzen Unterhandlung stumm gelauscht hatte.
„Ich bin dabei, wenn nur nicht Pumarquet —“
„Ah bah, Pumarquet ist tot, alles ist tot, nur wir
eben“, lachte Olivier. „Auch Deinen Mann werden wii
in den Zeitungen aufbieten lassen, und da er sich natür.
lich nicht melden kann, ins Abgangsregister eintragen
Dann heiraten wir uns. Madelon, ich babe es Dir ve
vrochen.“
„Aber die Prussiens“, mahnte Madelon.
„Ach, die bekümmern sich um ums nicht mehr, wenn
vir auch in die Villa ziehen. Im Gegenteil, ich habe die
Absicht, ihnen von dort aus manch' lustigen Streich zu
spielen. Wollen Sie meine Dispositionen erfüllen? wandie
er sich an Devereux. „Wollen Sie das Landhaus herrichten
assen? Ich kann mich ja nicht bewegen.“
„Wie Sie wünschen“, entgegnete der Notar geschmeidig.
Sie werden zufrieden sein, und auch Geld steht Ihnen
zur Verfügung. Ich habe Vollmacht, es auf der Bau zu
erheben und ich glaube es verantworten zu können, selbst
venn Herr Bourlier wieder erscheinen sollte.“
„Das wäre — des Teufels“, wollte Olivier sagen,
aber er verschluckte das Wort, das nicht kindlich geklungen
hätte. „Also abgemacht. In acht Tagen denke ich transport⸗
hig zu sein, dann siedeln wir nach Bazailles über. Wiffen
Sie, mit den Roinon aebt es ichon sSätte ich mirp nur
nNe Admiralität für Reise und Unterhaltkosten der Marine—
»ffiziete und Matrosen 76 000 Mark. An das Kriegsmi—
nisterium für Reisegelder, Nahrungsmittel und Unterkunf
der Truppen 300 000 Mark. An das Ministerium de
ffentlichen Arbeiten für die Instandsetzung der Westmin
ter Hall und der St. George Chapel, sowie für beson
dere Arbeiten in den königlichen Parkanlagen 110 000 M.
ind schließlich besondere Ausgaben der Beamten des Ober
zeremonienmeisters, besondere Ausgaben des Domkapitel⸗
zon Windsor, der irischen Constabler, der Polizei von
Dublin und für besondere Schiffe für die fremden Gäste
0 000 Mark. Die Vorlage enthält auch einige interessante
Angaben über die Kosten königlicher Besuche. Man er
ieht u. a. auch daraus, daß der Besuch Könic
Fdwards und der Königin Alexandra in Berlin der
nglischen Herrschaften genau 53 700 Mark und 75 Pfen—
nige gekostet hat. Der Besuch des Zarenpaares in Cowes
ostete 15 910 M. und der Besuch des Königs von Por
tugal in London 138 960 M. und 93 Pig.
Aokales und Vermischtes.
Eingesandt. Wie aus dem Anzeigeteil ersichtlich, ver—
instaltet der ev. Arb.-Verein am Sonntag den 24. und
Sonntag den 31. Juli im Saale der Wwe. Riedschy eine
Hedächtnisfeier zum 100jährigen Todestag der Königir.
Luise. Nach einem Prolog und einer Gedächtnisrede vird
on Mitgliedern des Arb.«Vereins die vaterländische Tra—
ödie: „Schill und seine Offiziere“ zur Aufführung gelangen
Vie aus der Geschichte bekannt, spielt die Tragoͤdie zurzei
er Niederlage Preußens im Jahre 1809, zu jener ungluͤck.
eligen Zeit, wo unser damaliges Königreich Preußen unter
dem Joche des scheinbar unbezwinglichen Napoleons schwer
darniederlag. Ein Drang nach Freiheit ging durch das
schwer geknechtete preußische Volk. Zu jenen Männern
aun, welche es als ihre heiligste Pflicht erkannten, diesen
Freiheitsdrang des gesamten Volkes in die Tat umzusetzen
ind dem Vaterland die geraubte Freiheit wiederzugeben
zählt auch der Husarenmajor Ferd. v. Schill, dessen trag—
sches Schicksal in vorstehsendem Schauspiel recht lebhaft vor
ARugen geführt wird. Im 1. Akt wird Major v. Schil
»urch Frl. Rückel, seine Braut, von seinem waghalsiger
Vorhaben vergeblich zurückzuhalten versucht. Er nimmt
a er der Unterstützung und Hilse des Volkes sicher ist
»en Kampf auf Freiheit oder Tod auf. Der 2. Akt ver—
inschaulicht uns in zwangloser Unterhaltung der Bürger
intereinander die Lage des Landes und die Begeisterung
des gesamten Volkes. Major v. Schill trifft sodann alle
Vorbereitungen zum Kriege und fordert seine Getreuen aaf,
im Kampfe gegen Napoleon mit allen Kräften nach dem
rinen Ziele zu streben, damit recht bald wieder Glück und
Zufriedenheit ins Vaterland Einkehr halte. Im 3. Akt
ehen wir, wie der Kampf seine Opfer fordert. Als Ver—
vundete hat man Major v. Lützow und den freiwilligen
dämpfer Schmidt in einer Bauernstube untergebracht. Letzterer
tirbt den Heldentot, nachdem er noch zuvor durch feinen
rreund Steffens die letzten Grüße an seine alte Mutter
ind seine Braut daheim ausrichten läßt. Major v. Lützow,
»essen Zustand ebenfalls ein bedenklicher ist, wird durch
»en Besuchs der übrigen Offiziere wieder aufgerichtet. Major
o. Schill wird, als er die Kunde von dem Heldentode
einiger seiner Getreuen erfährt, fast entmutigt. Graf Rüh⸗
ling, der einstens in Major v. Schill gedrungen, den Kampf
aufzunehmen, erkenut das Verderbliche der Lage und sucht
hn zur Flucht zu bewegen. Doch vergebens. Ein letzter
rettender Strahl erscheint v. Schill, als Leutnannt Quistorp
nit seinen Infanteristen sich ihm anschließt. Mit diesem
internimmt er einen Angriff auf die in französischem Besitz
efindlichen Festung Stralsund. Der 4. Akt wird einge⸗
eitet durch eine große Schlachten-BPantomime. In diesem
nörderischen Kampf wird Steffens, der Getreue des Majors
. Schill und dieser selbst niedergeschossen. — Nach Schluß
ieser Aufführung wird noch die Erschießung der 11 Schill—
chen Offiziere in 3 lebenden Bildern vorgeführt.
schülerversicherung. Die Gemeinde Dudweiler steht
n Unterhandlungen mut einer Versicherungsgesellschaft zur
kersicherung der Schulkinder gegen Tod uͤnd Invalidität,
ervorgerufen durch Unfall bei Schulausflügen oder in der
zchule (beim Turnen usw.) Die Versicherungssumme soll
ei Tod auf 2000 und bei Ganzivalidität auf 3000 Marf
auten.
Turninspektor Poller in Saarbrücken hat als Inspek—
ionsbezirk die Kreise Saarbrücken Stadt und Land. Saar—
louis und Merzig überwiesen erhalten.
Gaunerin. Am Mittwoch abend erschien in einem
siesigen Spezereiwarengeschäft ein Mädchen und kaufte eine
Jroße Menge Lebensmittel ein. Sie erklärte, im Auftrage
einer hiesigen Herrschaft zu kommen, die ihr Dienstmädchen
entlassen habe und an deren Stelle sie als Dienstmädchen
eingestellt worden sei. Nachdem sie eine ganze Menge Waren
eingekauft hatke, verschwand sie mit diefen, ohne Bezahlung
zu leisten. Das letztere kam den Verkäufern doch sonderbat
'or — sie erkundigten sich bei der von dem Mödchen ge—
iannten Herrschaft, mußten jedoch 2u ihrem Leidwesen er—
ahronn ds ä
en schiesen Knochen ein zweites Mal gevbrochen, er wire
ielleicht wieder gerade geworden, aber der gesunde mußte
»aran glauben und der sekte Arm. Ich kann noch heule
uicht die Feder halten. Madelon ist mein Schreiber und
nein Wärter. Machen wie nur Anstalten, den Pumarquet
ot zu erklären, daß unsere Hochzeit vor sich gehen kann.“
„Alles nach Ihrem Wunsch“, nickte Devereuxr, indem er
ich mit einem bewundernden Blick auf Madelon erhob. Ich
werde die Handwerker senden, das Geld erheben und vie
Aufrufe erlassen. Die Vermögensformalitäten erledigen mir
vohl auf der Villa, denn ich nehme an, daß Sie sich nicht
in Sedan sehen laffen wollen.“
Gewiß nicht. Ich mag das zerschossene Nest nicht
vor Augen haben, so lange noch die bajuvarische Besatung
darin liegt. Hier draußen merkt man die Einnahme nicht
o. Sapiristi, daß ich nichts dazu tun kann, die Kerle aus
dem Lande zu jagen.“
„Nun, das wird auch ohne Ihr Zutun geschehen?,
agte der alte Chauvinist. „Bei Orleans bereiten sich große
Dinge vor. Die Armee von Paris macht einen Ausfall.
Zourbaki mit seinem Korps dringt von Suden vor und die
Anseren zerquetschen die Prussiens wie einen Wurm, der
wischen Walzen gerät, zu Brei, zu einem Nichts.“
„Ja, das muß gehen“, lachte Olivier, die Hände reibend.
Und was nach Deutschland will, schneiden wir ab und
chlagen tot, was wir erreichen können.“
„Rege Dich nicht auf,“ bat Madelon den Patienten,
dessen Augen wie die eines Wahnsinnigen leuchteten. „Du
aarfst ja doch nicht dabei lein. Ich leidees nicht, und der
Doktor hat's verboten.“
„Und mein lahmes Bein“, lachte der ehemalige Frank⸗
tireur, in dem sich wieder die Kriegslust regte. Aber ich
veiß schon, was ich ne, sobald das Geld flüssig wird.“
Devereux verabschie deie sich und kehrte nach der Stadt
zurück, wo er alle Aufträge mit Vorsicht und Verschwiegen
heit ausführte. Galt es doch, die Behörden nicht auf dine
landbekannte Perfönlichkeit aufmerksam zu machen.
Der alte Laurence, der Hüter der Villa, war außer
sich vor Freude, als die Handwerker kamen uͤnd er hörte,
Herr Bourlier kehre wieder zurück. Daß dieser Bourlier
der totgeglaubte Olivier war, stimmite sein Entzücken ein
wenig herab. Aber immerhin fing das neue Jahr gu an,
denn gerade am Sylvestertage trug man den Ger inn
in das Haus seines Valters.
Ein wenig kam der Alte von seiner guten Meinung
urück, als um Mitternacht die Gläser Madelons und
Dliviers, der Vater und Schwester verloren hatte, im hell
rleuchteten Salon fröhlich aneinander klangen.
Es ist nicht id9. mie 4 sein sost moinie er knnf⸗
der heilende Wunderknabe. Einen neuen Beitrac
Adem dumpfen Aberglauben großer Massen des italleni—
chen Volkes liefert eine Geschichte aus dem Fischerdorf
Arganani. Dort lenkt, wie man aus Florenz schreib
ein achtjähriger Knabe die Aufmerksamkeit der weitesten Um—
gebung auf sich. Man erzählt von ihm, daß er imstande se
chwere Krankheiten zu heilen und außerdem die Gabe besäße
aus dem Blute des Ringfingers (9) der linken Hand die Zu
cunft zu lesen. Zahlreiche mit allen Krankheiten behaftet
Menschen wallfahrten täglich nach Argnani, um die Hilf—
des kleinen Giovanni Piombino in Anfpruch zu nehmen und
sich ihr Schicksal künden zu lassen. Von den Dorfbewohner!
wird der Wunderknabe wie ein Heiliger verehrt. Sie ver
angten jüngst, daß „il patrono amabile“ in der Kirch⸗
yor dem Altar die Kranken empfangen sollen wogegen sich freilid
»er Klerus hartnäckig sträubte, so daß die Kirche bis au
veiters jetzt geschlossen ist. Das Wunderlichste an dieser
ounderlichen Geschichte, daß verschiedene Provinzblätter die
Sache mit einem heiligen Ernste wiedergeben, der in un—
erem Zeitalter einiges Aufsehen erregt. Sie haben ihre
Berichterstatter nach Argnani gesandt, die den jungen Hel—
den — der übrigens bereits eine Viertelmillion Lire milt
einer Kunst verdient hat ·— als einen klugen Knaben mit
iußerst lebhaftem Gesichtsausdruck beschreiben.
Das „freie Amerika“. Wenn Deuische ins gelobt
Land der persönlichen und politischen Freiheit kommen
»ann pflegen ihre ersten Briefe stets überzulaufen von Be—
zeisterung für die Neue Welt, und es gibt nichts im allen
Vaterlande, daß ihnen nicht veraltet und verbesserungsde⸗
»ürstig vorkommt. Dieser Amerikakoller ist erfohrungegemäß
»ei denen am größten, die in jungen Jahren ausgewandert
sind und infolgedessen die Zustände in Deutschland gar
nicht beurteilen können. Erst viel später kommu bei dern
neisten die Ernüchterung. Denn die gepriesene amerikanische
Freiheit ist eine eigene Sache. In keinem Lande der Weit
vird der Staatsbürger so bevormundet wie in der Unson.
Zwar ob er zu essen und zu trinken hat, ob ihm in Krauk—
Jeitssällen auch ärztliche Behandlung zu teil wird, ob er
eine menschenwürdige Wohnung hat. das alles kümmert
dort den Staat nicht im geringsten, jeder darf dort ver—
ommen wo und wie er will. Wohl aber schreiben dim
Amerikaner die Landesgesetze genau vor, ob er Bier trinken
»arf, respektive wann er es trinken darf, wie er den Sonn—
ug zu verleben hat usp. Die Abstinenzbewegung ist ge—
rade in Amerika zur regelrechten Kar kalur geworden, und
belche Folgen das Gebot absoluter Sonntagsruhe nach sich
ieht, davon kann sich jeder überzeugen, der am Samstacç
ibend durch die Straßen Neuyorks und anderer Großstädt
geht. So viel Betrunkene wie er dort an einem Rbend
in den Rinnsteinen liegen sieht, wird in Berlin, Dresder
und anderen deutschen Städten das ganze Jahr nicht er—
vplicken Der Amer'kaner und vor allem der Deutschameri—
kanischer kann ferner nicht genug spotten über die i
Deutschland übliche polizeiliche Bevormundung und Grob
)eit der Beamten. In Amerika braucht man sich bekannt
ich nicht polizeilich anzumelden, darum ist das freie Rmerike
zuch das Vorado aller Spitzbuden. Was aber die Rücksich—
ichtslosigkeit unserer Polizeibaamten betrifft, so sind sie
virklich nur Waisenknaben gegen ihre amerikanischen Kol—
egen. Man muß sich nur von Augenzeugen erzählen lassen,
nit welcher Brutalität amerikanische Polizeiorgane bei Volks
iufläufen ganz harmloser Natur mit ihren Knüppeln aus
»ie Menge einhauen, ganz gleich, ob Frauen, Kinder oder
Hreise fich darunter befinden. Das ist in merika an der
Tagesordnung, und kein Mensch findet etwas dabei Trotz
alledem ist Amerika für viele Leute das Musterland.
Krieg den Fliegen. Der BVorsitzende der Gesundheits—
ommission in Middlesborough, Alfred Mattisou, halt
einen Feldzug gegen Fliegen eröffnet, indem er einen Preis
»on 10 Pfennigen für 50 Exemplare der gewöhnlicher
dausfliege oder 12 Exemplare der großen blauen Schmeiß⸗
liege ausgesetzt hat. Bis Mittwoch abend waren bereils
30000 Fliegen abgeliefert, wofür zirka 120 Mk. bezahlt
vurden. Die „Strecke“ eines einzigen „Jägers“ betruͤg
irka 1200 Fliegen, der verschiedensften Gatltungen. Die
Zahl der abgelieferten Fliegen wäre zweifellos noch vie
zrößer gewesen, aber die Angestellten des Herrn Maltisor
— D
einen Tag und ersuchten die Fliegenfänger, am nächsten
Tage wieder zu kommen. Mattison hat unzwischen weitere
200 M. auf sein „Fliegenkonto“ abgeschrieben.
Der Durst Eurapas. Als leistungsfähigstes Volk
Europas auf dem Gebiet der Durststillurg sind zur Zeit
zweifellos die Dänen zu betrachten, die jaͤhrlich pro Kopf
war nur 104 Liter Bier und nur ganz geringfügige
Mengen Wein trinken, den edlen Rebenfaft aber durch 24
Liter Schnaps ersetzen. Im Gegensotz zu ihnen sind die
Schweden durchaus nicht so trinkfroh, als sie nach der
hewohnheit der höheren Stände, die Mahlzeiten mit einen
Iquavit zu beginnen, angesehen werden. Der Durchschnitts—
wede bringt os eir abbf äR Liter 180 v e
———— — — —
uttelnd. „Bet Herzlosigreit kommt dald vas Ungrucrꝛ
sisedrein. Der junge Herr hätte in Vadelincomat bletben
sollen.“
Er hatte recht. Die beiden Schloßbewohner blieben
ticht lange allein. Bald stellten sich Gäste aller Art ein.
Zuerst klamen dem Anschein nach ehrsame Bürger, die sich
iber nicht scheuten, einzelne Prussiens aus dem Hinterhalte
u überfallen und ihnen den Garaus zu machen, dann
lichtscheues Voll, das unter der Maske der Franktireurs
die Landstraße unsicher machte, und alle fanden Unter
chlupf und Unterstützung bei dem ehemaligen Lancierleut
iant, der sich so an die Spitze der aufrührerischen Beweg⸗
iung stellte, ohne selbst das Haus zu verlassen. Der Um⸗
tand, daß in der Villa früher ein segensreiches Lazarett
zewesen war, schützte Olivier vor Nachfrichunge
—
Als Tyrolts Briefwechsel mit Desiree plötzlich unter—⸗
brochen wurde, wandte sich dieser naturgemäß an Frau
ovon Tarandal um Aufklärung. Aber es dauerte lange, ehe
er den Grund erfahren konnte, und die Nachricht, daß sich
das Mädchen auf einem Dampfer nach— Bordeaux begeben
habe und dort verschollen war, erfüllte ihn mit unaus.
prechlichem Kummer und wohlberechtigtem Schmerze. Den
ioch ließ er sich durch die Trauernachricht nicht beugen.
Noch hoffte er aus Briefe aus Südfrankreich, wohin sie
ich allein gewendet haben konnte, Briefe, die ihm ihre
glückliche Ankunft, das Aufsinden Bourliers und die er—
offte Versöhnung melden würden. Doch jede Nachricht bließ
ius. Woche um Woche verging in steter Besorgnis zwi
chen Hoffnung und Enttäuschung. Trotzdem schritt Walde
mars Genesung vorwärts. Endlich hielt er die Tatenlosig
eit nicht mehr aus. Zur Kräftigung seiner Gesundheit erbat
er sich einen einmonatlichen Ursaub und diefer murde ihm
zereitwilliost gewöbrt.
Ahermals nahm er Abschied von den Eltern, in derem
dause er die Heilung seiner Wunden abgewartet hatte. Vori
hren Segenswünschen begleitet, zog er abermals in die
Welt, wie einst zum Kampfe, denn er verheimlichte sich kei—
teswegs, daß er bei der Nachsuche in Feindesland ecrnstli—
hen Gefahren entgegengehe.
Zunächst reiste er nuch Brüssel. Frau von Tarandal
halle ihm auf seine flehenslichea Briefenne oünen
zuletzt gar nicht mehr geantworten Sie lebte zurückgezogen
von aller Welt, nachdem sie von Desiree verlassen worden
var und der Tod ihres Bruders festgestellt schien. Die
zerstreuungen der großen Stadt, um derentwillen sie Luek—
varden aufgegeben, haͤtte für sie allen Reiz verloren. Die
darrofnnndenz mit Basbemar ihm . —
vährend der Norweger sich dank der kräftigen Abstinen
»ewegung in seinem Lande sogar nur mit 3 Liter Brann
vein und 31 Liter Bier begnügt. Allen landläufigen Vor
tellungen zum Trotz erscheint Rußland im Lichte der Sta
istik als ein Land von großer Mäßigkeit, da dort au
»en Kopf der Bevölkerung nur 5 Liter Branntwein un
bensoviel Bier entfallen. Das liegt aber wohl nur e
»er mangelhaften russischen Statistiki. Die übrigen Groß
taaten haben sich in puncto „Trinken“ gegenseitig nich
vorzuwerfen. Der Franzose trinkt im Jahre nur 32 Lit
Bier, fügt ihm aber noch 10,3 Liter Schnaps und 108 Lit
Wein hinzu, ist also kein Kostverächter und liebt den Tru—
in jeder Form. Der Engländer begnügt sich mit 6 Lite
Branntwein und 2 Liter Wein, ergänzt aber das Mank
durch 152 Liter Double Stout, Pale Ale und andere nich
»ben düun gebrannte Biere. Der Holländer erledigt seir
Durstopfer verhältnismäßig bescheiden mit 38 Liter Bie
ind 8,5 Liter Branntwein. Um so trinkfester tst dafü
iber sein Nachbar, der Belgier, der für seinen Jahresduri
21 Liter Bier und 9 Liler Schnaps verbraucht. J
Isterreich und Ungarn fällt auf den Kopf ein Jahresver
»rauch von 11,4 Liter Schnaps, der stch ziemlich gleich au
beide Reichshälften verteilt. Auch der Weinkonsum ist in
16 Liter ungefähr gleich. Während der Ungar aber in
Jahre nur 11 Liter Bier trinkt, verbraucht der Osterreiche
zicht weniger als 80 Liter. Für den Italiener seheide
Bier mit 2 Liter und Branntwein mit 1,3 Liter Brann
vein gänzlich aus, ex hält sich aber dafür mit 98 Lite
Wein schadlos. Der deutsche Durst endlich ist mit eine
urzen Zahlenangabe nicht abzutun. Berücksichtigt mar
das ganze Zollvereinsgebiet (einschließlich Luxeimburg), so
chwankt der jährliche Bierverbrauch pro Kopf zwischen 11*
ind 125 Liter, während der Weinverbrauch mit 7 Lite
ziemlich konstant bleibt und der Schnapskonsum nicht über 6,—
Liter hinausgeht. Ein ganz anderes Bild aber bietet sich
venn man die einzelnen Steuergebiete betrachtet. E
verden nämlich an Bier pro Kopf vertrunken im Brau—
steuergebiet Norddeutschland 98 Liter, in Elsaß-Lotringer
18 Liter, in Baden 158 Liter, in Württemberg 169 Lite—
ind in Bayern 240 Liter. Die biertüchtigsten Städte
ind die Berliner mit 200 Liter, die Nürnberger mit 32.
riter, die Frankfurter mit 432 Liter und als Rekordhelde
ie Münchener mit 570 Liter. Auch Wien, wo gleichzeitig
in großer Weinverbrauch stattfindet, kann sich mit 15
iter wohl sehen lassen.
Wahrheit und Lüge. Eine Karlsruher Dame ha—
»enn dortigen Evangelischen Gemeindeboten die folgender
Worte zur Verfügung gestellt, die auf ihre Bitte vor
Moltke und Bismarck einst in ihr Album geschrieben wus
»en. Moltke scheieb:
Lüge vergeht, Wahrheit besteht.
v. Moltke, Feldmarschall.
dürst Bismarck schrieb darunter:
Wohl weiß ich, daß in jener Welst
Die Wahrheit stets den Sieg behält,
Doch gegen Lügen dieses Lebens
rämuft selbst ein Feldmarschall vergebens
v. Bismarck, Reichskanzler.
Saarbrücken, 22. JIuli. Wegen härslicher Differenzen
vollte gestern morgen eine Frau in die Saar springen
ymm letzten Augenblicke wurde sie von Passanten »urückge—
ehalten. Ein Polizeibeamter brachte die fassungslose Fra
meiner Wirtschaft unter. — Ein Brückenspringer produ—
ert sich seit etlichen Tagen an der alten Brücke hier. Er
»ringt mit den Kleidern in die Saar. (Der Brückensprin⸗
er ist ein ehemaliger Legionär.) (Sbr. Volksz.)
Saarbrücken, 21. Juli. Ein Langfinger stattete einen
heschäft in der Stephanstraße in St. Johann nachts eine
zesuch ab und hieß Uhren und Ketten im Gesaintwert
»on etwa 800 Mark mitgehen. Der Einbrecher hatte nacht
»ie Türe aufgesprengt und sich so Eingang in den Lade
oerschafft. Bis jetzt konnte er noch nicht ermittelt werden
sSaarbrücken, 21. Juli. Um dem Dirnenunwesen z1—
steuern, wurde, wie wir von zuverlässiger Seite erfahren
diesen Dämchen das Wohnen in der Nähe des Marktplatzes
St. Johann unlersagt. In diesem Stadtteil sollen i
letzter Zeit wenig angenehme Zustände eingerissen sein; es
kam öfters zu Reibereien zwischen den Schutzleuten und
»en „Herrenbekanntschaften? dieser Dämchen und so fah
zie Behörde sich veranlaßt, etwas energifche Maßnahmen
u ergreifen. Noch diese Woche müssen alle diese „Lebe—
»amen“ ihr Logis verlassen. Ein Verbot an diese Mäd—
hen, die am Marktplatz gelegenen Wirtschaften zu besuchen
oll auch ergangen sein.
Altenwald, 21. Juli. Am nächsten Sonntag finde
auf dem Bergfestplatze bei den Eisenbahnschächten das dies—
ährige Bundesfest des „Sängerbundes des Sulzbachtales
tatt. Nach den Vorbereitungen zu schließen, verspricht das
Bundesfest sehr schön zu werden.
Quierschied, 21 Juli. Bei dem gestern hier niederge—
nrgeneee Gomittes cchlisg doy Rlitz in das Haus de—
— d —„—‘—“ —20—„— — —⏑⏑ —
cuyngen. Vurch Devereur und Prevendaux war site auf
dem Laufenden erhalten worden, und das war alles so
raurig, daß sie trostlos dahinsiechte.
Und dennoch war sie sehr glücklich, als Waldemar eines
Tages ganz unerwartet ins Zimmer trat.
willkommen, herzlich willlommen“, sagte ste mit trü—
»em VLächeln. „Wenn ich auch weiß daß Ihre Gegenwo
mir neue Sorgen und neue Aufregung bringen wird, freue
ich mich doch herzlich, Sie gesund wiederzusehen.“
Sie betrachtete ihn mit Wohlgesallen. Er hatte sich
eit ihrer Trennung sehr verändert, war stärker und ge—
zräunter geworden. Die Pflege im Vaterhause hatte ibm
vohlgetan.
Waldemar fand Frau von Tarandal dagegen keines—
vegs wohl erhalten. Die Dame hatte ihre Körperfülle ein⸗
zebüßt, war älter und hinfälliger geworden, und das dünne
daar leicht ergraut, die Augen schienen gerötet von den
ielen vergossenen Tränen.
„Ja, schauen Sie mich nur an“, bemerkte sie traurig.
„Ich habe es schweyr büßen müfsen, daß ich Desiree von
mir ließ.“
Da waren sie mitten in dem Fahrwasser, daß Waldemar
hierhergetragen hatte.
„Wie war das nur möglich?“ fragte er in verzweif—⸗
ungsvoller Laune, den Vorwurf niederkämpfend, der sich
hm gegen seinen Willen ausdrängte.
„Sie kennen den festen Wirlen meiner Nichte“, sagte
sie seufzend. „Ich bin machtlos gegen ihn. Bis zuletzt
hoffte ich auf das Scheitern ihres Planes, auf die Furch
vor dem Ungewissen, und auch, daß sie Jean gleich auf—
finden würde. Daß er Soldat geworden war. hatte ich mi
nicht träumen lassen.“
„Was sagen Sie? Herr Bourlier nahm Dienste?“
„Er wurde Offizier. Ich erfuhr das selbst erst vor
wenigen Tagen von Prevendaux, der mir zugleich die Ver—
lustlifte der ersten Schlacht bei Orleans schickte. Mein armer
Bruder figurierte mit darauf. Der Schmerz warf mich
fast auf das Krankenbett. Deshalb ließ ich Sie auch ohne
Antwort, Waldemar. Verzeihen Sie mir.“ —
„Was ist da zu verzeihen? Ich kann mich ganz in
Ihre Lage denken, gnädige Frau. Der Verlust ist ent
etzlich, für mich nicht weniger als für Sie. Vielleicht liegt
»in Irrtum vor. Bitte, zeigen Sie mir die Noerlufelitte
Tortsekung folaft