Full text : Dudweiler Zeitung

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Nummer 166. nnerstaqg, den 21. Juli 1910 23. Jahrgang.
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Postschlietzsach Nr. 14 B— — F *3 * * F Postschließfach Nr. 14.
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Ersqeint —18837— — 1 IW— —æ*
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Artikel geschrieben zu haben, weiche die Deutschen wae⸗ seit laͤngerer, Zeit an den zustandigen Stellen erwogen Tarkei.
nen, noch fernerhin den Oesterreichern die „Nibebungen— wird, ist bekannt. Es hat jedoch hauptsächlich an der »Infolge der gemeldeten Bandenbewegungen wurde
eue⸗ zu hallen. Inansprrehna hme der sozialpolitischen Abte'lung im Reichs ine scharfe militärische Vewachung der Bahnlinie Katscha-In
 englischen Blättern werden als die „Leidtraczenden“ imt des Innern mit anderen grofen Vorlagen — Reichs nit⸗Uesküb-⸗Salonit angeordnet. Ein Sonderzug führie
»ei diesem Bündnisse Deutschland, Amerila und China er cherurgrordneing. Arbeinsstammern, Haꝛisarbeiter, Ge Lruppen von Verisovits nach Köprülü, die man hier sehr
»ezeichnet. Die Chinesen haben allerdings alle Ursache, verbeordaung — gelegen, daß die Frage der Sonntaas ringend verlangte. Die Bande des Wojaden Christo hat
nißgestimmt zu sein, denn Rußkand und Japan dispo— ruhe noch nicht zu einem Abschluß gebracht worden ist. oie Aufforderung, sich zu ergeben, abgelehnt: sie soll
nsieren über die mandschurischen Eisenbahnen, d. h. in *Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: „An imzingelt sein.
Virklichteit über die Mandschurei selbst, als ob es sich etzten Samstag, den 16. Juli hat die preußische Staats Das „Echo de Paris“ meldet aus Konstantinopel, daß
im ihren eigenen Besih handele und in Wirklichteitist isenbahnverwaltung im Ruhrkohlenbezirt die der Großwesir nach Marienbad und der Schweiz gehen
die Mandschuͤrei doch eine chinesische Provinz. noruie Zahl von mehr als 30000 0ffenenWagen verde. Auf der Reise nach dem böhmischen Kurorie werde
Wenn aber die Engländer so tun, als ob sie sich freu— zur Bag ma gestellt. Es ist dies das erste Mal, daß er den österreichischen Minister des Aeußern, Grafen Aeh—
en, Zhnende Denfchlanv · Ametite ind Ching dier ven das Iriu⸗ Zehntausend erreicht und sogar überschritten enthal, besuchen. Dieser Besuch hänge mit den Wünschen
ingefallenen⸗ seien so wollen wir doch einmal die Stell⸗ wyr ven ist. Das zweite Zehntansend wurde im März der Türlei zusammen, einen möglichst engen Anschluß an
inge Englands! zu diefem Vertrage unler die Lupe neb— 909 ung die Zahl von 23 900 Wagen im Mai 1905 er— den Dreibund zu finden.
nen. Der Gegensatz Englands zu Deutschland bedingt Tiehi Wenn man berrüclsi htigt. daß die geschäftlichen *Ein Kommunique der Pforte bestätigt im we
reilich, daß John Bull sich freuen muß, wenn Rußland Berhältnine besonders für Kohlen und Kokls immer noch entlichen, daß das Geheimkomitee eine allgemeine Er—
nurch Entlastung un fernen Often gegen uns die Hande zu wünshen übrig lussen. so darf das jetzige Ergebnis sebung und die Ermordung einiger Mitglieder des Ka—
rei betommi, aber — das ist auch alles. Nach jeder an. 7 Bagen agtenuns gis en guͤnstiges Zeichen betrachtet inetts und der Kammer plante. Es fsollie ein neues
een Richiung kann der Vertrag fur die⸗ britische Poliuit v —— als auch an den übrigen Tagen des rabinett aus Witgliedern der Opposition gebildet, vie
ir manenehm sein. Belanumch wird fast allgemein die zuli — R den anderen Kohlenbezirken der Eisen ammer aufgelöst werden und Neuwahlen sollten siatteueeunee
 eget hlaufenden —engtisch japant Ae ehr recht beträchtlich war. Er ist indessen von der finden. Der Belagerungszustand sollte aufgehoben und
hen Bündnisses für unwahrscheinlich gehalten, sowohl in — betrieblich und in der Wagengestell— die zwangsweise verabschiedeten Beamten sollten wieder
Fapan wie in England hat man dafuͤr plädiert, es ab— mgeg an — wordhen.— ingesetzt werden. Unler den aufgefundenen Papieren be—
aufen zu lassen. Wenn aber die Freundschaft zwischen a 8 ip pnniseen eee wird die Kündigung jaß üindet sich ein Aufruf an das kürkische Heer in Albanien,
eiden Staalen ihr Ende rreicht, so ist, Indien von neuem ! doan ⸗ —6 dahin ausgelegt, nicht gegen die Albanier, sondern gegen die jetzige Re—
bedroht. um so mehr, als das Gewicht Japans dann Wpe die Frage der igpanischen Einwanderung ierung zu marschieren
uch noch durch Rußlans verstärkt wird. Ferner werden iach rorien endgültrgen Regelung zugeführt wer—
ie neuen Verbündeten enze antiamerikanische Haltung ein— e enn —“ Japan nicht den anderen Staa—
jehmen, die England mit Rücksicht auf die „Ideale“ des gleichstelle, werde Japan alle amerikanischen Waren
Angelsacu,entums durchaus nicht mitmachen kann. Das delegen. und daher müsse Japan zur
dabineit Et. James wird sich überhaupt, wenn es zwi. zündigung aller Verträge schreiten. Japan sei bereit,
en Washing vu ind Totig zum Klappen kommt, aus ie Eebe abzuschaffen, die den Ausländern verbieten,
eden Faill geͤnötigt sehen, für das derwanr und —9— de —8 Ve ihee — what iien
12h sprechende Arerika zu optieren. So kann Englan 20
p De e —ES ren de e enen einem neuen Handelsvertradge
zenn seine mchste Fol e wird fein, daß ihm der japa derant wird berichtet: Di
uische Berinen Finern aAleitet und mit deir ie beu en ir erichtet: Die Sozialdemokra⸗
at imn Gegner wird. Die englische Presse sollle daher e e e I für die
ermeiden, sich über das Mißgeschick anderer lustig au sabt a. * —— 8 — g
nachen Selbst Grey ee den Vertrag nur mii verbetreibende Gg. Klampfer aus Zirndorf auäifgestellt.
rinem en ehd ee aiene ie Freude Frant genwartia veriritt den Wahlkreis der Bauernbündler
⸗ Ave
reiché. Wenn Deschanel seiner Genugtuung Ausdrun gab,
daß Rußland wieder freie Hand bekommt, so hat er das
hne Zweifel redlich gemeint, denn nichts ist den Fran—
osen unangenehmer, als wenn ihr Verbündeter in ein
fernöstliches“ Abenteuer verwickelt wird, das ihn eventuell
vis zum Tode schwächt, im günstigsten Falle aber ibn den
europäischen Fragen entrückt.
Im allgemeinen ist der Vertragsalqchluß nach Auf⸗
assung der internationalen Presse eines der bedeutsamsten
oiplomatischen Ereignisse der Neuzeit, ebenso bedeutend
als der Abschluß des Dreibundes unddas Zustandekom⸗
nen der Tripel-Entente. Nun sind in der politischen Welt
vohl schon genug Ententen hergestellt, oder sollte es noch
nehr zu ententieren geben? Selbst nach dem Tode des
eigentlichen Ententerich., Edwards 7.. blüht das Geschäft
a noch. S. V. 3. *
7 RJ *
Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Der häufig zu offiziösen Meldungen benutzte „Neue
Zol. Tgsd.“ schreibt: „Eine Korrespondenz hat eingehende
Mitteilungen gebracht über den Inhalt eines Gesetzent⸗
vurfes zur Regelung der Sonntagsruhe, dessen Grund—
ätze zwischen dem zustäündigen Reichsressort und dem
zreußischen Ministerium vereinbart wären. Da die
Vitteilungen geeignet sind, in den beteiligien Kreisen er—
zebliche Beunruhigungen zu verursachen, so erscheint es
totwendig, darauf hinzuweisen, daß alle, von der Korre—
pondenz veröffentlichten Einzelheiten über die künftige
Vorlage rein auf Kombinationen beruhen. Eine endgül—
ige Entscheidung über die Regelung der Frage ist noch
meleiner amtlichen Stelle erfsolgt. Es ist daher auch
zänzlich ausgeschlossen, schon heute irgend welche zutref—
senden Mitteilungen über die künftige Gestalktung eines
Entwurfes zu machen, über dessen Einzelheiten noch nichtés
eststeht Daß die Regeluna der Sonntaassruhe bereite

—3 — —⏑—
Neue politische Wetterwolken?
Große diplomatische Verträge wie der eben zwischer
Rußland und Japan abgeschlossene, pflegen in der Zei—
ungswelt eine Verwirrung zu erzeugen, wie ein großern
Slein, der in einen Froschteich geschleudert wird. An
mmüsantesten für den Kenner und Beobachter ist der un
geheure Widerspruch in den Urteilen. Es sind Kommen
are zu diesem Vertrag geschrieben, die einen wunderbas
an nulen, wie wenn man ein Kamel eine hohe Pappe
cruellern sähe. Nachdem eine Reihe von Tagen verlau
en ist, hat die Ansicht der ernsthaft in Betracht zu zie
henden Kreise sich gellärt. Man lann sagen, daß die in
ernauonale Presse heute einstimmig das Urteil fällt, der
zertrag erhöhe die Stoßlraft Rußlands gegen seine west⸗
ichen Nachbarstaaten und die Stoßkkraft Japans gegen
Imerila.
Hiermit kommen wir der Beurteilung der Frage
iäher, welche Bedeutung der Vertrag für uns Deu tsche
abe. Auch in dieser Hinsicht gingen zunächst die Ansich⸗
en ktunterbunt durcheinander. Ein besonderer „Sachver
landiger“, bekam heraus, daß die internationale Kon⸗
lellation sich dadurch brillant zu Deutschlands Gunsten ge⸗
indert habe. Die meisten nationalgesinnten Zeitungen fin⸗
den aber gerade das Gegenteil und halten die Lage fü.
Fedrohlich und verdüstert. Die „Hamb. Nachr.“ meinen,
venn Ruͤßland jetzt wieder zu einer aktiveren Ballanpo—
sitit übergehe, dürse Deutschland keinesfalls den Fehle
wiederholen, den es mit der Politik der „Nibelungentreue“
gemacht habe; es müsse vielmehr diesen Fehler wiede:
qdut machen. Es würde eine dankenswerte Aufgabe fün
den neuen Staatssekretär des Auswärtigen Amtes sein
Re Gereiztheit und das Mißtrauen zu beseitigen, die un—
ere Haliung in der Annerxionsfrage in Petersburg erreg
habe. Die „Hamb. Nachr.“ fordern einen „völligen Bruck
nit der Politik der Nibelungentreue“ für den Fall einen
Abrechnung zwischen Rußland und Oesterreich. (1)
Wir halten es für ausgeschlossen, daß Rußland die
Balkanfrage wieder aufrollt, um Oesterreich mit Krieg 3zu
uͤberziehen. Wenn die „Hamb. Nachr.“ es glauben, sc
lsiegt der Grund wohl in ihrer fast krankhaften Aversion
zegen Oesterreich. Darum fordern sie auch in jedem neuen
Quartal, wir sollten uns von Oesterreich lossagen, ob—
hon wir damit auch den letzten Freund verlören, denn
es ist uns nicht bekannt, daß ein anderer Staat bereit
wäre, Oesterreichs Platz einzunehmen. Am wen'gsten das
nit Frankreich verbündete Rufland. Andere Bläite;
ind denn auch keineswegs der Meinung der „Hamburg.
Nachr.“, Rußland habe es auf Oesterreich abgesehen, son
ern halten es für wahrsche nlicher, daß es mit dem Deun
chen Reiche anbinden wolle. Dieser Meinung ist u. a.
nuch der politische Rundscharer der „Allg. ev.-lutber. Kir
henztg.“. welcher schreibt:
„Der sfrüher so einsiedlerische Zar, der im leichten
Zportanzug in seinen Gärten blieb, ist seit einigen Jah—
en ein eifriger Offizier, der unermüdlich seine Truppen
nspiziert. Kein Wort mehr von Abrüstung und —A
zen und Haager Kongreß; die Armee soll wieder der
Ztolz auf ihr Handwerk haben, sie hat neue Uniformen
tatt des unscheinbaren Anzuges aus Alexander 3. Zeiten
rhalten, sie wird auch sonst in jeder Beziehung „gehoben
ind — tolossal vermehrt. Nicht weniger wie drei Ar
meekorps werden vom nichsten Jahre ab neu aufgestellt
ã᷑nn WMoment schien es, als solle die Westgrenze ent
alößt werden so daß die Franjzosen, d'ie ein vertragsmä—
ziges Recht auf die russische Kampfesfront längs un eren
Grenze haben, von Beklemmung ergrifsen wurden. Jer:
aber erweist es sich, daß an Stelle der verlegten Regi—
menter ganze Brigaden kommen, d'e Verlegung aber nu;
geschieht, um eine andere — gefährdete — Front zr
schern: die Kusten des sinnischen Meerbusens. Die russi—
chen Rüstungen supponieren einen deutschen Krieg, der,
vie man druͤben jetzt erklannt haben will, von uns nich
n die Sümpfe von Minsk und Pinsk und überhaupt nicht
ruf napoleonische Pfade getragen werden würde, sondern
n das buchtenreiche Estland und über die Narowa geger
Petersburg.“
Wenn die Dinge so liegen, so müßte uns eventuel
die Unterstüktung Oesterreichs sehr erwünscht sein und die
Famb. Nachr“ düriten dann recht betrübt sein, so viele

— —
Arbeiterbewegung.
— Ausstand. Aus Madrid wird berichtet: Der
Ausstand der Grubenarbeiter nimmt große Aus—
»ehnung an. Dank der getroffenen energischen Vorsichtsnaßregeln
 sind bis jetzt keinerlei Ruhestörungen zu ver—
eichnen gewesen. Die Truppen, welche die strategisch
vichtigen Punkte besetzt halten, sind mit Maschinengeweh⸗
en ausgerüstet. Die Zahl der Streikenden dürfte sich auf
100 000 belaufen. Die sozialistische Partei, die einen
‚zroßen Prozentsaß der Grubenarbeiter umfaßt, z. B.
illigt die Bewegung nicht und unterstützt sie nur aus
Zolidarität.
— Eisenbahnerftreik. Der Eisenbahnerstreik, der sich
bisher auf etwa 10 000 Angestellte erstreckte, hat in den
Fisenbahn-Werkstätten von Cateshead begonnen und er—
treckt sich bereits auf New-Castle und dessen gefamte Um—
gebung. Bisher haben die großen schottischen Expreßzüge
eine Verspätung erlitten. Dagegen ist die Kohlenförde—
rung vollständig eingestellt. Die Schiffe können die Häfen
nicht verlassen, da ihnen die Einnahme von Kohlen durch
den Streik unmöglich gemacht worden ist. In verschiede
sen Häfen ist deshalb bereits ein Streik der Dockarbeiter
rusgebrochen.
— Ausstand. Aus Ottowa wird berichtet: Infolge
es Ausstandes fährt auf dem gesamten kanadischen Grenz⸗
isenbahnnetz von den Personenzügen weniger als die
dälfte. Der Güterverkehr ist gänzlich eingestellt. 11 500
Ungestellte befinden sich im Ausstand. Das Geschäftsleben
it stark in Mitleidenichaft gezogen.
2
Von der Luftschiffahrt.
*)Der neue MilitärAeroplan. Mit dem
doffmannschen Militär-Aeroplan unternahm sein Führer
Ir Mrück einen einstündigen Tlug Er stien aAuf bom

e
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias
Us6. Fortsetzung.)
„Was wivyver Vater sagen, wenn ich ihm so unier
die Augen treten werde“, dachte sie. Er wird mich kaum
wiedererlennen. Aber mein Anblick wird ihn milde und
niitleidig stimmen. In meinen trüben Augen und bleichen
Wangen wird er den Kummer und die Angst lesen, die ich
seinetwegen ausgestanden, und er wird mir verzeihen.“
Frau Josnes kam mit einem Tablett, auf welchem sich
Brot, Butter und Eier befsanden, zurück.
„Es war niemand, aber ich habe Ihnen einen kleinen
Imbiß mitgebracht“, sagte sie. „Nehmen Sie Platz, gentenen
Sie etwas, Sie müssen ja hungrig sein.“
Desiree trat vom Spiegel zurück und setzte sich an
den Tisch. Sie versuchte von den Schnitten zu essen,
die ihr die Wirtin vorlegte. Aber die Ungeduld, die in ih⸗
ren Adern tobte, die Ueberreiztheit ihrer Rerven ließ wirk⸗
lichen Appetit nicht aufkommen. Nach vergeblichen Versuchen
schob sie den Teller von sich und stützte den Kopf, der sie
chmerzte, mit der zitternden Hand.
„Beruhigen Sie sich doch, Fräulein“, bat die Alte.
Ihr Bräutigam wird schon kommen.“
„Der Herr Graf ist nicht mein Bräutigam“, wehrte
das Mädchen ab, „er steht mir gänzlich fern.“
„Doch der Herr hat Sie gewiß sehr gern und will es
blos nicht sagen. Er hat mir auf die Seele gebunden, Sie
ja recht zu pflegen, als er sortging. Und Geld hat er mir
auch gegeben, einen ganzen Louis, damit es Ihnen an
nichts fehle.“
„Das Geld dürfen Sie nicht behalten!“ fuhr Destree
nuin. „Ich vin wohlhabend genug, um meine Penstion de—
zahlen zu können.“
Sie zog das Portemonnaie aus der Tasche und ent⸗
nahm diesem fünf Goldstücke, die sie der Alten zuschob.
epiehen Sie mir, dem Grafen den Louisd'or zurückugeben?“

GWewiß, darauf können Sie sich verlassen“, deteuerte
die Josnes. Mein Gott, ich wußie ja nicht — aber daß
Sie gar so empfindlich sind. Können Sie denn den Herrn
Major nicht leidenk“
„Neinl“
„Nun, ich hätte auf das Gegenteil geschworen. Aber
vssen Sie doch. Oder wunschen Sie etwas anderes? Fleisch,
ackwerk, Tee?“
Nichts, nichts, nur Ruhel“
Gerode wie der Kabitän dem bas Bilbchen brüben

nter denm Spregel geyort —
„Das Bild, ganz richtig, ich hielt es vorhin in der
dand“, sprach Desiree.
„Es stellt die verstorbene Frau des Herrn Kapitän vor“,
schwatzte die Alte. „Er mag sie wohl sehr geliebt haben.
Ztundenlang saß er da und guckte das Bildchen an. Es muß
eine schöne Frau gewesen sein. Wissen Sie auch, Fräulein,
daß Sie mit ihr Aehnlichkeit haben?“
Torheit. Sie täuscht die Einbildung.“
Nein, gewiß nicht, sie fiel mir gleich auf. Sehen Sie
selbst.“
Sie ging, um das Bildchen zu holen. Aber bevor sie
es ergreifen konnte, klang draußen die Tür.
„Der Graf, gottlob“, rief Desiree und wollte hinaus⸗
ilen.
„Nein, bleiben Sie, ich gehe schon selbst“, sagte die Jo—
tes, die junge Dame mit listigem Lächeln betrachtend. „Und
ie will den Herrn Offizier nicht lieben“, dachte sie.
Inzwischen klopfte es bereits an der Zimmertüre, und
zevor die Wirtin öffnen konnte, trat ein Sergeantmajor der
Mobilgarde ein.
Pardon, ich habe es eilüg“, sprach er, die Mütze lün⸗
end. Ein Schreiben an den Grafen d'Alincourt, Oberst⸗
eutnant beim Siabe des siebzehnten Armeekorps. Er soll
ier in Quartier liegen.“
„Der Graf wohnt nicht in diesem Hause“, sagte Desiree.
„Hm. Der Sanitätsleutnant Pres gab mir doch an
wo kann ich den Herrn Oberstleutnant finden.“
„Wir erwarten ihn allerdings“, mischte sich die Wirtin
zinein. „Er kommt ganz sicher hierher, wenn auch nicht
leich.“
„So will ich den Brief hier lassen“, entschied sich der
interoffizier, das gnädige Fräulein wird mir eine Be—
cheinigung geben!“
„Ich? Nein, wenden Sie sich an Frau Josnes, — wenn
je's übernehmen will.“
„Die Alte“, brummte der Sergeantmajor übelgelauni.
Mir soll's recht sein. Sie stehen für die richtige Besorg⸗
ing.“
„O mit Freuden, lieber Herr“, versicherte die Wirtin
ind unterschrieb den Schein.
VDer Pann trollte ohne Abschied davon. Die trotzige
Antwort der Dame hatte ihn beleidigt. Frau Josnes stellte
»en Brief gegen den Spiegel, daß er in die Augen fallen
nußte, um nicht vergessen zu werden, dann begann sie den
kisch abzuräumen.
„Gewiß ein Befehl vom Kommando“, plauderte stie.
O, ich kenne das. Wenn solche dicken Depeschen ankommen
ehen die Herren. um nicht wiederzutebren“

. Deftree antwortete nicht, aver die Worte der Wirtin
fielen ihr schwer auf das Herz. War das wirklich ein
Abberufungsbefehl? Wenn er fort mußte, wer stand ihr
dann fernerhin hilfreich zur Seite?
Während die Alte ein- und ausging, saß jene in tiefem
Sinnen mit halbgeschlossenen Augen. Das Licht der Lampe
blendete sie.
„Dus Fräulein ist müde, es sollte sich zu Bett legen“,
prach die Josnes nach langem Stillschweigen, das nur
durch den Sturm auf der Gasse und das Knistern des
erlöschenden Kaminfseuers unterbrochen wurde. „Lassen Sie
uins schlafen gehen. Im Schlafe vergißt man allen Kum—
ner und der nächste Tag kommt schneiler heran.“
Desiree leistete keinen Widerstand. Sie ließ sich aus—
leiden und zudecken. Sie war zu müde, selbst etwas zu
un. Allmählich kam der Schlummer über sie, aber in ihm
hjörte die Apathie der Seele auf und die des Körpers be—
Jann gegen ihren Willen. Wie gefesselt, unfähig sich zu be—
vegen, lag sie da und glaubte zu hören und zu sehen.
Das Bild unter dem Spiegel beschäftigte sie. Es kam ihr
por, als löse sich die weißgelleidete Gestalt von dem Papier
und wachse und dehne sich, bis sie den Fußboden erreiche.
Und diese Gestalt trat auf sie zu und legte die Hand
n die ihrige. Aber die Hand war eisig kalt und das Gesicht,
velches sie mit toten Augen anblickte, war ihr eigenes
Besicht, nur älter blässer und trauriger, Als die Schläferin
zu ihr sprechen wollte, flatterte jene nach allen Richtungen
auseinander, schwebte wie ein Nebel längs der Decke hin
uind zog dann, sich senlend, durch den Kamin ins Freie. Da—
'auf öffnete sich leise die Türe. Ein Mann trat in das
Zimmer. Er war in grauer Uniform und trug ein Offiziersappi.
 Der Mann suchte etwas auf der Kommode. Eundlich
job er das Bild empor. Aber die Gestalt darauf war ver—
vischt. Seufzend ließ er den Karton fallen und eilte nach
der Tür. Da entsann sich die Schläferin, wo sie ihn gesehen
hatte. In Bazeilles war er gewesen. So war ihr Papa
hinausgegangen, als er ihr geflucht hatte. „Papa“, wollte
sie rusen, aber sie brachte keinen Ton über ihre Lippen und
oie Tür schloß sich lautlos. Dann umfing sie tiefes Dunkel;
als es wich, stand d'Alincourt vor ihrem Bette und bat sie
aufzustehen, da er verwundet sei. Und sie willfahrte seiner
Bitte und pflegte ihn, und dann war es Waldemar, der
»lutend vor ihr lag. Als sie ihn aber verbinden wollte,
dürzte Soumis herein und rief: Spionin. Spionin!“ umb
das hinter ihm eindringende Volt wollte sie zerreißen.
Desiree erwachte mit einem Schrei der Todesfurcht.
Angswoll wollte fie das Beit verlafsen, aber Fieberschauer
chüttelte sie. Es war kalt im Zimmer geworden, das Feuer
m Kamin qgänalich erloschen. Rinerun hüne nkönn n vi

— —E
Tecke und veschroz Jo ven Morgen abzuwarten. Watlos
chaute sie zum Stubenplafond empor. Dort spielte unruhig
ein rotes Licht. Es mochte wohl durch einen Spalt des
rensterladens von irgend einer Flamme der Straßenb⸗
euchtung herstammen. Wie ein Irrwisch fladerte d
Zchein vor ihren Augen und erhitzte die Einbildungskraft
rufs neue. Sie sah die Flammen von Sedan vor ihrer
Blicken. die springenden Granaten. die lodernden Gebäude
ie verwundeten Menschen, Blut in Strömen, und das
ote, feurige Blut tropfte von der Zimmerdeke auf sie
ernieder.
Abermals entrang sich ein Schrei ihren Lippen. Sie
prang aus dem Bette und kleidete sich mit zitternden
dänden an. Dann wollte sie Licht machen, aber sie ver
nochte es nicht. Mit heiserer Stimme rief sie nach der Wirtin.
Als diese mit einer brennenden Kerze eintrat, fand sie
desiree zusammengekauert auf dem Sopha, bebend vor
Angst und Frost, mit wilder, wie geistesgestörter Miene.
„Bleiben Sie bei mir, Madame“, fslehte sie. Ich
terbe in der Einsamkeit, die von gräßlichen Schrecgestallen
rfüllt ist. Verlassen Sie mich nicht mehr.“
„Armes Fräulein, wie Sie sich dech aufgeregt haben“,
agte die Wirtin, ohne den geringsten Unwillen zu zeigen,
rotzdem sie aus ihrer Nachtruhe geweckt war. Nein, nein,
ch gehe nicht wieder fort. Sie haben Fieber, Kind, und
nüssen wieder ins Bett, aber ich will mir ein Lager auf
em Sopha machen, und die Lampe zünden wir auch an,
»a werden Sie schon wieder ruhiger werden. Wenn's sechs
chlägt, werde ich Kaffee machen und nachher zum Doktor
aufen. Haben Sie nur keine Furcht, ich bleibe bei Ihnen.“
Mit vielen Bitten bewog sie Desiree, das Bett wieder
ifzusuchen, dann fachte sie das Feuer im Kamin an. Die
Lampe verbreitete einen sanften Schimmer in der Stube.
Als Frau Josnes sich entfernte, um ein Kopfpolster zu ho—
en, richtete sich Desirer auf. Das Bild unter dem Spiegel
var ihr ins Auge gefallen. Sie erinnerte sich des Traumes,
ie mußte das Gesicht der weißen Dame sehen. Schnellt
ntschlossen erhob sie sich nahm das Bild und hielt es
icht unter die Lichtstrahlen der Lampe.
„Oh mein Gott, welche Aehnlichkeit“, entrang es sich
hren Lippen. Träume ich noch immer oder trügen mich
neine Augen?
Das Bild entglitt ihren Händen. Sie kniete auf den
deppich nieder, um es aufzuheben. Der Lichtschein sfiel
reller auf das Bild.
„Nein, nein, ich irre mich nicht“, stöhnte sie. Es ist
ie Photoaraphie. die im Salon auf dem Kamin stand
apa hatie iren lostharen Rahmen herum machen lassen,
inen Rabmen. der mit Türkifen und Opalen geschmücct
            
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