Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 166.
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Posischtiebtach At. 4 ααα * —2 cA— v Posischließfach Nr. 14.
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Asqh ait Auenciime der Sonn. und ——— CVI aolten ld. 4 pra ahpaiung Petthen.
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28. Jahrgang.

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Amtliches Pubsikanonsorgan Mit zwei Bellagen: Iamen
Abounnameunts preie für die Bürgermeisterel Dudweiler. Sonntagsblatt und heitere Blätter. b0 4 pro Aspaltige Nabiizele
nonailich 70 ⸗ frei in's Haus — —
Vebracht, J —
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— ———— * Zum Zweck des Abschlusses eines deutschajapanischen
dandelsvertrages werden Verhandlungen eingeseitet wer⸗
den. Die deutschen Interessentenkreise wurden bereits vom
Reichssamt des Innern veranlaßt, ihre Wünsche bezüglich
der sie angehenden neuen japanischen Zollpositionen kuündugeben.

* Wie mit Bestimmtheit verlautet, wird Bebel auf dem
»evorstehenden Parteitag das Referat über die Affäre der
»adischen Sozialdemokraten halten. Die Angelegenheit
vird dadurch besonders verschärft, daß Bebel als fanati—
icher Geaner des Revisionismus bekannt ist.
Oesterreich⸗Ungarn.
* Graf Julius Andrassy, der Führer der partei⸗
osen Siebenundsechziger, erklärt, daß er trotz an ihn ge—
ichteter Aufforderung n icht in die Regierungspartei
intrete, weil er das Militärprogramm derselben für nicht
zusreichend, die Verwerfung des Pluralitätswahlrechtes
für nicht im Interesse des Ungartums gelegen erachte und
die Absicht einer Verstaatlichung der Verwaltung ihm wi—
hexstrebe. Er bleibe außer jedem Parteiverband, um an
»er Regierung Kritik zu üben, nicht aber Opposition um
eꝛden Preis zu treiben. Man glaubt, daß zahlreiche An—
zänger Andrassys nun der Regierungspartei beitreten
verden.
Dänemark.
* Der neue dänische Ministerpräsident erklärte zu den
Neldungen, Dänemark suche eine Allianz mit England,
zie verantwortliche dänische Politik sei, wie immer, eine
steutralitätsvolitif
England.
* In . Beantwortung einer Interpellation über den
ussisch⸗en glischen Zwischenfall erklärte der Minister
»es Auswärtigen, Sir Eduard Gresy, im Unterhause
nach seinen Informationen habe sich das englische Fischer
boot 43 Meilen von der russischen Küste befunden. Er
zabe deshalb den englischen Botschaster in Petersburg be—
auftragt, die russische Regierung um sofortige Freigabe
des beschlagnahmten Bootes zu ersuchen.
Montenegro.
* Die Skupfchtina wurde für den 19. August zu ei⸗
ier außerordentlichen Session einberufen. (Sicherlich zur
dönigreich-Proklamation. D. Red.)
China.
* Die Regierung verbot, weitere Petitionen der Dele—
jierten des Volkes, worin die Einberusung einer Natio—
nalversammlung gefordert wird, an den Regenten ein
ureichen. Diese Haltung der Regierung gibt den gehei—
nen Gesellschaften Anlaß, die öffentliche Meinung wie—
erholt gegen die Regierung aufzustacheln.
Marokko.
*Aus Fez wird unter dem 15. Juli gemeldet: Die
zeraber in der Umgegend von Taza haben sich zur
BZildung einer Mahalla vereinigt, die den französischen
Bormarsch im Mulujagebiet aufhalten soll. Sie
ießen durch Ausrufer ankündigen, daß sie während eines
zeitraumes von zehn Tagen jeden Handelsverkehr mit
er Grenze von Algerien unmöglich machen wollen
—M——.—»—rrhdldooe—
Die Zigarrenstummel⸗Sammler
organisieren sich!
Aus Paris wird geschrieben: Die Megotiers (Zigatr—⸗
enstummel-Sammler) sind in heller Empörung: Dei
Staat will ihnen das Handwerk verbieten oder zum min—⸗
desten erschweren. Der reiche französische Staat sieht sich
in seinen Einnahmen durch den Handel jener jen eits vom
uten und Bösen vegetierenden Existenzen gefährdet. Die
Negotiers, die ihren Namen nach den Megots (Zigaret⸗
ensinrrresn) führen, wollen ihre Korporation verteidigen,
e , so schreibt man der ‚„F. Z3.“, ein Syndikat
zr inz wie die Lumpensammler und andere, die
on materiellen Abfällen der menschlichen Gesellschaft
eben. (Ein Synditat der von den geistigen Abfällen
rebenden gibt es meines Wissens noch nichtl) Nun hat
varis allerdings 70 berufsmäßige Megotiers, dagegen
ne große Anzahl von „Amateurs“. Letztere, die ihnen
us Handwerk pfuschen, gehören zur Gilde der Pariser
Mhhantasieberufe““ Da sie für nichts Vorstadien gemacht

————

MgO

Schloß Paretz.
zum hundertjährigen Todestage der
Königin Luise.
Die schönste, in ihrem alten Wesen ungetrübte Erin—⸗
ierungsstätte an Preußens edle Königin birgt nicht das
Veichbild Berlins, sondern weit draußen in der Mark
iegt der stille Landsitz, den sich Friedrich Wilhelm 2.
toch als Kronprinz in ländlichem Stil schaffen ließ, und
er noch heute das Gedenken an jene stillen, schöne Tage
or dem Ausbruch der preußischen Kataftrophe so rein fest—
zält. Aber über seinen Erinnerungswert hinaus darf Pa—
etz und insbesondere sein Schloß eine hohe künstlerische
Vertung beanspruchen, als einer der wenigen Plätze, wo
ie Stimmung des „Empire“ ohne ausladende napoleoni—
che Prachtentfaltung sich bewahrt hat. Nicht umsonst hat
einrich Hübner, der Berliner Maler, in liebevollem Ver—
enken seine reizenden Interieurs gemalt, und moderne
dekorationskünstler wie E. R. Weiß und Karl Walser
olen sich von den prächtigen Wanddekorationen des
zchlosses Antegungen für eine Neubelebung unserer raum—
chmückenden Kunft. Und die allermodernsten Architekten,
ie zur edlen Proportionskunst des Klassizismus so gern
urückkehren, pilgern oft genug hinaus nach dem märki—
chen Königssitz, der dem Wanderer hinter den Wiesen
md Feldern der Havellandschaft als immer neue Ueher—⸗
aschung entgegentritt.
Denn das ganze Dorf ist ein seltenes Exempel einer
inheitlichen Anlage, die auf kronprinzlichen Besehl aus
em Boden emporstieg, eine Schöpfung des Oberbaurats
david Gilly. Die Torhäuschen, der Dorfkrug mit feiner
Zzäulenvorhalle, die Schmiede mit ihrer gotisch-imitierten
yassade begrüßen den Eintretenden. Da ist dem märki—
chen Wanderer Fontane ein possierliches Versehen in die
yeder gelaufen. Auch die Dorfkirche hat nämlich eine go⸗
isterende Fassade erhalten, während das klassizistische
zchloß eine selbständige Schöpfung im Zeitstil ist. Das
ehagte dem alten Fontane absolut nicht, dem als echtem
kind seiner Zeit alles, was nach der Renaissance gebaut
vurde. nur als Werk beklagenswerten Verialles galt. S—
obte er denn die imitierte Kirchenfassade als e'n ech
anittelalterliches Werk sehr heftig, sie steche sehr vorteilhaft
zon dem gegenübergelegenen Schloßbau ab. „Wieviel An—
zeimelndes ist in dieser gotischen Formenfülle, in diesem
seichtum von Details und wieviel Erkältendes in dieser
loß durchfensterten Fläche, die sich nirgends zu einem
Anament erhebt.“ Natürlich ist beide Male der alte Gilly
er Schöpfer. Moderne Augen bekennen ohne Zögern ihre
Liebe für das Ebenmaß dieser schlichten Putzflaͤche der
riedrigen langgezogenen Fassade, aus der nur das Mit⸗
elstück sich reicher heraushebt. Nach außen fhlicht, entfal—
et der jetzt dem Prinzen Heinrich gehörige Bau erst im
Innern seine Reize. Ein Sommerschloß hat es Fontane
jenannt, anmutig, hell, geräumig, aber in allem übri—
jen von einer Ausschmückung, die heutzutage kaum noch
»en Ansprüchen eines Torflords genügen würde. Aus die—
er Anspruchslosigkeit blickt die höchste Delikatesse. Zwar
md es nur Papiertapeten und Stuckkamine, aber jedes
Ztück ist mit reinem künstlerischen Geschmack durchgebildet.
da grünt und blüht es an den Wänden, ganze Wälder
un sich auf, und auf japanischen Blütenzweigen sitzen
roße exotische „indianische“ Vögel. Oder die Detorationen
ersetzen uns in einen üppigen Park, wo überall es von
»en Zweigen zwitschert und schlanke Stämme sich im
Frühlingswind wiegen. Da stehen die Möbel von jener
Behaglichkeit, die seit den Tagen des Klassizismus kein
dunstgewerbler wieder erreicht hat, und wie gern würde
nan sich in eine reichgeblümte Sofaecke drücken, wenn der
eͤgl. preußische Aufseher es erlaubte. An den Wänden
ängen immer noch die schneeigen Mullgardinen; auf dem
disch findet man Friedrich Gillys Dedikationsexemplar
ziner Aufnahme von der Marienburg, eines der ersten
zeugnisse für die Wiederentdeckung der Gotil. Und an
»en Wänden erst tut sich der ganze Reiz jener glücklichen
cage auf, wenn man die hübschen englischen Stiche und
Zchablunstblätter mustert, die in großer Zahl noch hier
ewahrt sind, mit allen ihren idyllischen und so oft fen—
imentalen Geschichten. Aber auch Auspruchsvolleres fin—
et sich hier an Kunstwerken, darunter einige Pferdestudien
rwon Franz Krünger und ein⸗ vriginatso Günzuatite gi—

Unsere Minister auf Urlaub.
Der Reichskanzler bleibt in Hohenfinow und
rledigt von dort aus die lausenden Arbeiten. Falls die
zeschäfle es erlauben, wird er Ende August (nach Posen)
loch für einige Wochen zur Erholung in die Berge gehen
der Staatsselkretäir des Aeußern, von Kiderlen
Vaechter, hat seinen Urlaub (Kissingen) bereits hin
er sich; er übernimmt Anfang August die Geschäfte und
»leibt in Berlin. Der Staatssekretär des Innern, Staats
ninister Delbrück, tritt am 18. Juli einen achtwöchi
jen Urlaub an. Er begibt sich zunächst auf 3 bis 4 Wo
hen nach Karlsbad und dann nach Tabbartz in Thürin
zen; Ende September übernimmt er die Geschäfte wie
»er. Der Staatsselretär des Reichsschatzamtgs, Wer—
nuth, befindet sich mit sechswöchentlichem Urlaub in
Wengen in der Schweiz; er kehrt Anfang August zur
lebernahme der Geschäfte nach Berlin zurück. Der Staats
ekretär des Reichsjustizamts, Dr. Lisco, begibt sict
ẽnde Juli bis Mitte September nach dem Schwarzwald
der Staatssekretär des Reichskolonialamts, v. Linde;
1u ist, bleibt zunächst in Berlin, und beabsichtigt seiner.
iesjährigen Urlaub im Spätherbst (September) anzutre
en. Der Staatssekretär des Reichspostamts, Kraetke.,
zeht Mitte August mit sechswöchentlichem Urlaub nach
Italien. Der Staatssekretär des Reichsmarineamts, von
Dirpi tz, hat sich, wie alljährlich, nach der Kieler Woche
iach St. Blasien begeben, wo er bis in den September
sinein in seiner dortigen Villa verbleibt; jedoch führt der
Staatssekretär von dort aus die Geschäfte.
Von den preußischen Ministern kehrt der Kriegsmini—
ter, v. Heeringen, Anfang August von seinem Ur—
aub aus der Schweiz zurück. Der Minister der öffentli—
hen ebeiten tritt am 15. Juli einen sechswöchentlichen
irlaub nach der Schweiz an. Der Justizminister, Dr.
Beseler, geht Anfang August mit sechswöchentlichem
Arlaub nach der Schweiz und Tirol. Der Minister für
zandel und Gewerbe, Sydow, tritt am 18. Juli ei—
ien sechswöchentlichen Urlaub nach Bayern und Tirol an.
Der Kultusminister, v. Trott zu Solz, tritt Ende
zuli einen fünf⸗ bis sechswöchentlichen Urlaub an; wo—
in, steht noch nicht sest. Die neuen Minister endlich, des
zunern, v. Dalüwitz, der Landwirtschaft, Frhr. von
53chorlhbemer, und der Finanzen, Dr. Len tzze, haben
eit 14 Tagen die Amtsgeschäfte übernommen und sich
hre Entichlüsse über einen etwaigen Urlaub vorbehalten.
—— ä e— —
Von der Luftschiffahrt.
*„VB. 8. 6ÿ» als Passagierltuftschiff. Den
zemühungen der Verkehrsvereine am Bodensee ist es ge—
ungen, zur Hebung der diesjährigen geringen Fremden—
adison Passagierfahrien mit Luftschiff „8. 3. 6“, das seit
Aufgabe der Wienerfahrt untätigen der Halle liegt, zu
„eranstalten. Gegenwärtig wird eine Kabine aus Alu—
ninium in den Vausgana eingebaut: die Fertligstellung
vird beschleunigt.
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Der Unterstaatssekretä3r im Eisenbahnministerium,
Fleck, hat aus Gesundheitsrücksichten seinen Absschied
ingereicht.
*An Berliner amtlicher Stelle fehlt über angebliche
Anruhen in Kamerun noch jede Nachricht. Man hält
ie kursierenden Gerüchte für übertrieben, wenn nicht für
zanz erfunden.
* Der deutsche Botschafter in London, Fürst Metter—
tich, stattete dem englischen Premierminister persönlich sei⸗
en Dank ab für die objektive Bewertung der deutschen
ẽcLottenbauten und für Asquiths deutschfreundliche Rede
—R 2442

Unter Feinden.
hr aufrichtiger Freund bin ich, Uebste Desiree. Ha—⸗
sen Sie guten Mut. Es kann nichts vorliegen als eine
ibscheuliche Verleumdung. Weshalb zogen Sie auch in ein
Damenpensionat? Schlimm genug daß auf die Verdächtig—
ung irgend einer alten Jungfer hin eine anständige Dame
berhaftet werden kann und dazu noch so rücksichtslos wie
non Euch, Ihr Herren.“
„Wir taten nur, was unsere Pflicht ist, Herr Major⸗,
miwortete Blichart.
„Gar so unschuldig wird die Dame wohl nicht sein,“
aeinte Piffart. „Wir arretierten schon manches Fräulein,
»as wie die Unschuld selber aussah, und nuchher blieb sie
»och in Gewahrsam. Die Dame hat eine richtige Spionen⸗
iase.“
„Ich bewundere Ihren Scharfsinn“, sagte der Offizier
ächelnd, „hoffentlich wird der Herr Maire keine Abneigung
gegen Niedliche Stumpfnäschen haben.“
„Die Dame kommt nicht vor den Maire, sondern zum
herrn Generalkommissar“, sagte Blichart wichtig.
„Generalkommissar, was ist das für eine neue Charge?“
Augenblicklich die höchste in Bordeaux. Herr von Sou—⸗
nis ist die rechte Hand des Retters Frankreichs, des Herrn
gambetta, der ihn selbst als oberste Polizei- und Militär—⸗
ehörde eingesetzt hat.“
„Das republikanische Frankreich stellt alles aufs den
dopf“, murrte der Graf kopischüttelnd. Indessen wir
verden auch mit dem Herrn von Gambettas Signatur fer⸗
ig werden.“
Der Wagen hielt am Stadthause. Die Insassen stiegen
uus. Während Desiree mit den beiden Polizisten in das
Tor trat, sagte d'Alineourt zum Kutscher:
„Mein Kompliment an Herrn von Lamezan. Sagen
Sie nur, ich hätte Sie mit der Waffe in der Hand zuß
zrahrt gezwungen. Das übrige werde ich verantworten und
ür Ihren Schreck und Bereitwilligkeit, hier!“
Er warf dem Rosselenker einen Doppellouis zu, den
ieser geschikt auffing. Eine tiesfe Verbeugung mit abge—
ogenem Hut quittierte den Empfang. Der Kutscher trieb
eine Pferde an und Graf d'Nlincourt trat in das Stadt⸗
aus.
Herr von Soumis, der frühere Militärbevollmächtigte
u Tours, empfing ihn mit ausnehmender Höflichkeit.
„Der Ruf Ihres Totenrittes bei Sedan ist bis zu uns
edrungen“, sagte er, dem Gaste einen Stuhl anbietend.
General Galliset nannte Ihren Namen mit Auszeichnung.
die Ehrenlegion, ja das Comthurkreuz ist Ihnen gewiß,
ch oein Nnanceement vunn Moritsoumanet nermag ich Ahnen

anzubieten. Sie kommin jedenfalls, um Diensie im rehubli
anischen Heere zu nehmen?“
„Deshalb verließ ich Belgien mit meinen Kameraden.
zch stehe zur Verfügung Frankreichs. Doch das führt mich
ugenblicklich nicht zu Ihnen, Herr von Soumis, sondern
as Schicksal einer jungen Dame, des Fräulein Bourlier —“
„Der Spionin!“ rief der Kommissar, mit ärgerlicher
Niene aufstehend. „Ein eklatanter Fall gemeiner Spionage,
vie dieser Brief bezeugt.“ Er deutete auf ein Schreiben,
velches auf seinem Tische lag. „Uebrigens habe ich eigent⸗
ich mit dieser Angelegenheit nur insofern zu schaffen, uls
ch dem Polizeiches zeigen wollie, daß dergleichen Gesindel
nassenhaft in Bordeaux weilt, während sich jener einbildet,
3pionage wäre eine Fabel.“
„Demnach ließen Sie die Dame verhaften, Herr Ge⸗
eralkommissard⸗
Ich nicht, der Polizeihtuptling. Ich ließ das Ge—
höpf nur zu mir kommen, weil ich ihm selbst auf den
zahn fühlen will.“
„Dann wird der Dame Gerechtigkeit werden, die so
nschuldig verdächtigt wurde, daß ich mit Freuden jede
zürgschaft übernehme.“
„Tun Sie das nicht, Herr Graf“, sagte der Beamte iro—
nisch lächelnd. „Die Dame, die sehr hübsch sein muß, daß
Ie vornehmen und heldenmütigen Verteidiger fand,
stark kompromittiert. gea
„Das wäre?“ ——
„Es wurde eine Korrespondenz mit einem deuitschen
fizier aufgefangen, die deutlich dafür spricht, daß sie, um
3 spionieren, heraekommen ist. Wollen Sie den Brief
esen?“
deAlincourt biß sich auf die Lippen. So war er den—⸗
Doch von diesem kleinen Maͤdchen ohne Herzensroman du—
iert worden? Was konnte ein deutscher Offizier der Ver—
ockten anders sein als ein Geliebter?
Ich habe kein Recht, den Brief des Fräulein Bour—
ier zu lesen“, sagte er diskret. „Aber Sie würden mich
ehr verbinden, wollten Sie die junge Dame in meiner
segenwart vereren. Ich vin Uverzeugt, daß sie daun
ur die Wahrheit sprechen wird.“
„Es freut mich, einem so tapfern Mann, wie Sie,
herr Major, gefällig sein zu können. „Huissier“, befahl er
em Wachthabenden, führen Sie die Delinquentin vor!“
Beide Herren setzten sich wieder, der Generalkommis⸗
air mit wichtiger Miene hinter seinen aktenbedeckten Dip⸗
matentifsch, d'Alincourt einigermaßen verborgen in eine
ensternische.
Einige Minuten später trat Desiree ein.
Aoerr van Soumiet hetrachtete die schlanfte rifintratische

 Gestaut nicht ohne Interesse. Er war ein seiner ren—
ier weiblicher Schönheit. Desirees schönes Auge, daß sich
iehend auf ihn richtete, verfehlte seine Wirlung nicht. Er
eutete auf einen Stuhl, daß sie sich setzen möge, und
vinkte dem Huissier, abzutreten.
„Sie heißen Desiree Bourlier? Haben Sie Papiere?“
Hier ein belgischer Paß und mein Heimatischein.“
Zie legte beides vor den Generalkommissar auf den Tisch.
„Vom französischen Konsul visiert“, sagte von Sou—
pi „ganz schön! In wessen Auftrag reisten Sie hier⸗
jer?“
IIch ktam in eigener Angelegenheit, um meinen Va—
er aufzusuchen, der nach Bordeaux gereist und gänzlich
»erschollen ist. Ich hatte die Absicht, heute bei Malvezin,
Rue de Fey 14, Erkundigungen nach ihm einzuziehen.
Nach seinen Ratschlägen wollte ich meinen Vater auf—
suchen.“
„Und unsere Stellungen, Rüstungen, Bewegungen
austundschaften. Ist es nicht so?“
„Nein, gewiß nicht, Herr Generallommissar. Ich bin
eine gute Patriotin und denle gar nicht an Verrat. In
wessen Interesse sollte ich wohl so Schändliches unter—
lehmen?“
„Im Interesse der Prussiens und m Verbindung mit
dem Leutnant Waldemar Tyrolt in Reichenbach.“
Desirees Mund entsuhr ein Schrei. Das war also
der Kern des Verdachtes!
„Sie wissen?“ fragte sie tonlos.
Belennen Sie sich schuldig, gestern an den Mann
einen Brief geschrieben zu haben?“
„Mein Gott, jal“
In welchem Verhältnisse stehen Sie zu diesem Ty—
—
„Er ist menn Verlobter“. entgegnete Desiree mit Fe—
stigkeit.
„Wie, Sie sind verlobt mit einem Prussien, verlobt
mit den Willen Ihres Vaters, der gleichfalls nach Bor—
deaux kam? fragite de Soumis. „Dann haben wir ja
noch mehr Spione in der Stadt?“
Desiree nahm allen Mut zusammen. Der Graf hatte
hnen zugehört. Jetzt mußte er die ganze Wahr heit er⸗
faͤhren, jolite auch seine Zuneigung ertötet, seine Eigen—
ijebe auf das Empfindlichste verletzt werden.
Tyrolt war als Direltor im Geschäste meines Va
sers ätig. Wir verlobien uns in Friedenszeit mit sei⸗
iem Willen, als jener aber zur eindlichen Armee stoßen
nußte, trennte der Vater unsern Bund. Der Vater steht
nit Herrn Tyrolt in gar keiner Beziehung, ich aber bin
kin Feu nebehen und mordo es hleihen bhis zum lebten

Hauch — —
„Das ist ungeheuer poetisch, mein Fräulein“. sagte
pöttisch der Kommissar“, „enilasitet Sie aber nicht im
Feringsiten. Wer weiß, ob das alles, was Sie sagen.
nicht anmutige Fabeln sind?“
IIch bitie um Entschuldigung, Herr de Soumis, daß
ch in die Verhandlung eingreise“, sprach Graf d'Alin⸗
rourt hervortretend, „mein Zeugnis kann aber hier von
gewicht sein. Die Angaben, welche Fräulein Bourlier
machte, beruhen ganz und gar auf Wahrheit. Ich kenne
den deutschen Offizier und den Vater der Dame persön⸗
iich. Ich finde auch die betrefsenden Stellen in dem
Briese ganz unverfänglich, wenn man nicht gewaltsam
iach einer Deutung sucht!“
„Sie meinen, Herr Graf?“ fragte Soumis mit ver⸗
wundern aufgerisjienen Augen und bestürztem Gesichtsaus⸗
druck.
Alles, was das Fräulein hier aussagt, hat es mir
ereiis auf dem Schiffe mitgeteilt, ihre Verlobung, ihre
Zzuneigung zu dem Oijfizier, ihre Absicht, den Vater zu
uͤchen, der, wie ich annehme, Soldat geworden ist. Ja,
gein Herr Generallommissar, ein braver Soldat ist dieser
ßatriot geworden kein Spion. Schlagen Sie einmal die
Listen nach, Sie Herden den Nanen jinden!“
„Wie ist der Name Ihres Vaters?“ fragte de Sou⸗
nis ganz verdutzt.
Jean Bourlier.“
Der Name tommt mir bekannt vor. Ich habe das
Verzeichnis der Offiziere, sehen wir einmal.“
Er suchte in den Aklten. Endlich zog er einen Alt
von Ranglisten hervor.
„Hier ist es“, sagte er. „Hören Sie einmal: 15. Ar⸗
meekorps General dAurelles de Palladine. 1. Diviston
Maruin de Pallieret. 2. Brigade Bertrand. 204. Regi⸗
nent Trepillon, Oberst, 1. Kompanie Kapitän Robert Bi⸗
zet (Nevers). 2. Kompanie Jean Bourlier (Sedan) Ka⸗
oitän.“
Das ist mein Vater!“ rief Desiree glückstrahlend.
Der Gesuchte“, bestaͤtigte der Graf. „Aber wie
onnie der Kaufmann eine Kapitänstelle erhalten?“
Trepillon stand für ihn ein“, antwortete Soumis
twas befangen. „Uebrigens hat seine Persönlichleit —
er Ersolg sür ihn gesprochen. Die Zweihunderwierer
Jaben Artenay gehalten und die Bavern zweimal ee
chlagen.“
Also ist Herr Bourlier ein Held“, sagte der Graf.
ie Hand Desirees ergreifend, „nun wissen Sie, wo Sie
zhren Vater sinden. Und Sie, Herr Generalkommissar
—3 ve uerzcucuna gelommen sein. vaß
            
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