eigenartig vortam, sunyrte iyn nichtr aus und at davei
die Aeußerung: „Das tue ich nicht!“ 3. besahl ihm dar—
ruf, bis zum zweiten Baum zu laufen, was K. auch nicht
tat. Das Kriegsgericht erkannte gegen K. auf eine Strafe
pon 14 Tagen strengem Arrest. — Und der Unterofsfizier,
der durch solche Befehle unsere militärischen Einrichtungen
dem Gespött der ganzen Welt preisgibt? Bekommt der
denn keine Strafe?
Von der Luftschiffahrt.
Erster deutscher Ueberlandflug. Der
deutsche Fliegerbund wird Mitte August einen Ueberland⸗
iug veranstalten, der in Frankfurta. M. beginnen
ind über Wiesbaden, Mainz und Mannheim führen
oll. Die Länge der Strecke beträgt etwa 100 Kilometer.
Fine noch festzusetzende Anzahl von Zwischenlandungen
oll gestattet werden. Im ganzen kommen Preise in Höhe
»on etwa 50 000 Mark und mehrere Chrenpreise zur Ver—
eilung. Die Propositionen werden von einer aus akti—
»en Fliegern bestehenden Kommission ausgearbeitet und
önnen vom 27. Juli ab von Teilnehmern am Fluge bei
dem Deutschen Fliegerbund in Frankfurt, Neue Mainzertraße
76, zweiter Stock, eingefordert werden.
Der BadenBadener Fliegerwettbe—
verb, der wegen der ungünstigen Witterung verschoben
mßte, findet nunmehr bestimmt vom 22. bis 24. Juli
. Vervilichtet wurden Jeannin, der einen Zweidecler
enuttzt, Amerigo mit einem decker und Beh—
tend, der die Fahrten mit einene tend Eindecler aus
ühren wird. Die Flüge auf dem städtischen Gelände bei
em Bahnhof Baden-Oos beginnen nachmittags 1 Uhr.
*Noch ein Stur z. Bei den Mier Flugversuchen
n Bournemouth kam wieder ein Unfall vor. Der eng—
ische Luftschiffer Rawlinson war in seiner Farmanma—
chine aufgestiegen und hatte erst eine Höhe von etwa 20
Fuß erreicht, als sich der Apparat plöblich überschlug und
»er Flieger mit großer Gewalt zu Boden geschleudert
wurde; die Flugmaschine fiel auf ihn. Rawlinson lag
unbeweglich auf der Erde und das Publikum glaubte zu
erst, dasselbe Schicksal habe ihn ereilt, wie zwei Tage
vorher den jungen Rolls. Naͤchher zeigte es sich an
daß der Flieger keine ernstlichen inneren Verletzungen da
vongetragen hatte. Er hotte das Schlüsselbein und au—
zerdem noch einen Fuß gebrochen. Rawlinson hat schon
mehrere Unfälle gehabi, einmal fiel er bei Nizza in die
zee, wurde aber im letzten Augenblick noch glücklich ge—
ettet, in Wolverhampton stürzte er bereits einmal aus
einer Maschine.
*Einneues Opfer. Der bei den Flugver suchen
u Gent am 10. Juli verunglückte Fläeger KHinet
st gestorben.
*]]UQueber den Sund. Der dänische Aviatiker Svend⸗
en ist in Kopenhagen aufgestiegen und überflog den Sund.
er landete nach 31 Minnlen wohlbehalien bei Malmo.
eι ααα
Arbeiterbewegung.
— Einigungsversuche. Aus Karlsruhe wird
erichtet: Die hier geführten Einigungsverhandlungen im
ßipsergewerbe für das Lohngebiet Baden, Würt—
emberg, Rheinpfalz und Elsaß haben nach zweitägiger
dauer einstweilen nur hinsichtlich der Festsetzung der ta—
iflichen Instanzen und der Sch'edsgerichte, sowie in ei—
sigen anderen untergeordnelen Punklen eine Einigung ge—
eitigt. Alle übrigen Punkte von teils wirtschaftlicher,
eils sozialer Bedeutung mußten dem Schiedsgericht zur
Entscheidung überlassen werden. Am Dienstag werden die
derbandlungen fortefotzt
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 19. Juli.
K. Festschrift. Aus Anlaß der 40. Wiederkehr der
Schlacht von Spichern wurde vom Kreiskriegerverbande
Zaarbrücken eine reich illustrierte ca 30 Seiten starke, mit
aehr als 100 Abbildungen ausgestattete Festschrifi her—
musgegeben. Unter Anderem wird diese Festschrift von be—
ufenen Federn Schilderungen der Ereignisse des ruhmrei—
hen Krieges von 1870 und 71 besonders vor und in Saar—
drücken bis zur Erstürmung der Spicheren Höhen, sowie
im Umkreise von Saarbrücken, Weißenburg, Wörth u. Metz,
chließlich Reproduktionen von Schlachtengemälden hervor—
cagender Meister (Werner, Röchling, Hunten, Bleibtreu)
zringen. — Mit dieser Festschrift bezweckt der Kreiskrieger—
»erband das Interesse für die Vaterländische Geschichte,
usbesondere für diejenige der engeren Heimat zu beleben
ind in weitere Kreise zu tragen. Der äußest niedrige Preis
ovon nur „20 Pfennig“ für ein Exemplar wird jedem die
Anschaffung leicht ermöglichen. Ein etwaiger Gewinn fließt
dem Veteranen-Unterstützungssonds des Kreiskrieger-Ver—
bandes zu. Diese Festschrift kann auch an Richtmit—
zlieder abgegeben werden. Die Bestellungen müfsen bis
pätestens den 24. d. M. bei dem Vorsitzenden der Ver—
ereine des Kreiskriegerverbandes gemacht sein.
In den deutschen Münzstätten sind im Monat Juni
». J. für 6 026 400 M. Doppelkronen und zwar sämtlich
auf Privatrechnurg, für 2079 000 Dreimaärkstücke, für
135 817 Mů αιν -
—
vleder am Bette des verwundeten Geliebten. Sie pflegte,
röstete und küßte ihn, aber er wollte sich nicht von ihr be⸗
ühren lassen. „Nimm den Brief fort“, sagte er unaufhör⸗
ich; „en tut mir wehe und wird Dich unglücklich machen.
Kimm den Brief, den Du aus Bordeaur geschrieben, — er
brennt mich mehr als eine Wunde!“
„Was hatte Waldemar nur mit dem Briefe?“ dachte sie
halbwachend nach. „Er enthält kein böses Wort. Waes kann
ihn nur kränken? Er ist kurz und sachlich — von Liebe steht
war nichts darin.“ Sie wiederholte den Inhalt Wort für
Wort und wurde darüber ganz munter.
Das Zwielicht fiel grau durch das Fenster und erhellte
das Zimmer notdürftig. Unwillkürlich fuchten ihre Augen
den Brief, von dem sie geträumt. Sie schaute nach dem
kZchreibtische. Der Brief war nicht da. Es irieb sie aus dem
Bette. Unter dem Tische, dem Sofa, dem Bette suchte sie,
— der Brief blieb verschwunden. Trotz der Kälte im Zim⸗
ner, wotz ihrer mangelhaften Bekleidung fühlte sie Schweiß⸗
robpfen von der Stirne herabrinnen. Wo war der Briet
Jeblieben?
Ein scharfes Klopfen an der Tür unterbrach ihr Tun.
Sie löschte das Licht aus. Es war ganz hell im Zimmer.
„Was gibt es?“ fragte sie.
„Stehen Sie auf, Fräulein Bourlier“, rief draußen
ine scharfe Stimme. „Man verlangt nach Ihnen.“
„Wer ist dort?“ ——
„Ich bin's, Mademoiselle Antoinette, die Directrice des
Bensionats. Bitte, lassen Sie mich ein. Es ist gut, wenn
die Nachbarschaft meine Botschaft nicht hört.“
Defiree öffnete die Tür. Die Dame krat ein und zeigte
ine aufgeregte Miene, die ihr ohnehin häßliches Gesicht fast
u einer Fratze verzerrte.
„Vollenden Sie Ihre Toilette, Mademoiselle“, sagte sie
n keifendem Tone ohne vorherigen Gruß. „Zwei Herren
jon der Polizei sind unten und wünschen Sie zu sprechen.
gIch gab ihnen mein Wort, daß Sie sich meiner Gesellschaft
nicht entzi hen werden.“
„Die Polizei? Was habe ich mit ihr zu schaffen? Ich
hin eine harmlose Reisende, das muß doch jeder sehen.“
„In dieser Zeit kann man sich in Frankreich nicht ge⸗
nug vor Feinden schützen. Wenn Sie ein gutes Gewissen
haben, brauchen Sie die Neugierde der Behörde nicht zu
scheuen.“
„Ich bin eine Französin, Madame!“ rief Desiree voll
dlen Stolzes.
„Bitte, Mademoiselle. Man wird die Richtigkeit Ihrer
zapiere prüsen. Nun beeilen Sie sich, die Polizei wird un—
eduldig.“
Desirze fügte sich der Drängenden. Während sie ihn
daar ordnete, fragte sie n
vanzigpfennigstücke, für 105 010,10 Zeqnpfennigstücke, für
3 088,35 M. Fünfpfennigstücke, für 19 735,02 M. Zwei—
fennigstücke und für 42 196,65 M. Einpfennigstücke zur
lusprägung gelangk.
Veteranenfeier. In der Versammlung betreffend Be—
rechung über obige Feier haben die sämtlichen Gesang—
ereine Dudweilers ihre Beteiligung zugesagt. Demnächst
AAl eine Versammlung der sämtlichen Vorstände derjenigen
zereine, welche sich an dem Feste beteiligen wollen, zur
idqgültigen Festsetzung des Programms stattfinden.
Die Gewinnliste der Rheinischen Luftschiff-Lotterie ist
»ei der Geschäftsstelle der Dudweiler Zeitung für Interes⸗
unten einzusehen.
Veteranen, welche keinem militärischen Vereine ange⸗
ören, werden auf die Anzeige des Vorsitzenden des Krieger—
zereins, Herrn Rektor Knorz, aufmerksam gemacht.
Internationaler Bergarbeiter-Kongreß. Der 21. in—
ernationale Bergarbeiterkongreß, der in der zweiten August⸗
»oche in Brüssel zusammentritt, wird über eine Reihe von
zragen Beschluß zu fassen haben, die über den Kreis der
Zergarbeiter hinaus allgemeines Interesse beanspruchen dürfen.
ẽrklärlicherweise ist die Mehrzahl der auf der Tagesordnung
tehenden Anträge auf eine Verbesserung der Arbeitsbeding—
ingen, auf die Hebung der Lebenslage der Bergarbeiterschaft
end ihrer Angehörigen und auf die Vermehrung des Gruben—
hutzes zur Sicherung von Leib und Leben gerichtet.
Zur Frage der Grubenkontrolle, die in Preußen durch
ie Einführung des Sicherheitsmännersystems eine Förderung
ffahren hat, liegen zwei Anträge vor, von deutscher und
ritischer Seite Der deutsche Antrag verlangt die Zulassung
on Grubenkontrolleuren, die, von den Arbeitern gewählt
ind vom Staate besoldet, das Recht haben sollen, so oft fie
»ollen oder so oft die Arbeiter verlangen, die Gruben zu
ispizieren. Die belgischen und französischen Verbände for—
ern die Verstaatlichung der Bergwerke. Zur Lohnfrage
er deutschen Verbände einen Antrag eingebracht, der den
lbschluß von Tarifverträgen zwischen Uuternehmern und Ar—
eitern empfiehlt; dieser Autrag wurde von den Franzosen
nterstützt, doch fordern sie, ebenso wie die Belgier, außer—
em die Festlegung eines Minimallohnes.
Verbesserungen der Berggesetzgebung werden von bri—
ischer, deutscher, belgischer und französischer Seite angestrebt.
die deutschen Verbände treten für die Abschafsung der Frauen—
ind Kinderarbeit in der Bergwerksindustrie ein. In einem
ndern Antrag von deuischer Seite wird die alte Forderung
es achtstündigen Arbeitstages für die Arbeiter über und
nter Tage erneut erhoben; für besonders nasse und heiße
Arbeitsorte wird die Einschränkung dieser Maximalarbeits⸗
eit auf sechs Stunden verlangt. In derselben Richtung
ewegen sich die Anträge der Belgier und Franzosen Die
hewährung auskömmlicher Renten für den Invaliditätsind
Altersfall wird von französischer, belgischer, britischer
ind deutscher Seite gefo' dert. Belgien tritt für die Ein—
ührung jährlicher Bergarbeiterferien ein, die 14 Tage
uern sollen. Die britischen Bergleute erneuern ihren schon
uf früheren Kongressen behandelten Antrag, der sich für
en allgemeinen Weltfsrieden und für die Austragung schwe⸗
ender Streitigkeiten im Wege des Ausgleichs und schieds⸗
erichtlicher Entscheidung ausspricht. Besondere Beachtung
erdienen die belgischen und französischen Anträge, die sich
uf die internationale Regelung der Produktion — nament—
ich bei Ausbruch eines Streits — beziehen.
Auf dem vor zwei Jahren in Paris abgehaltenen in—
ernationalen Bergarbeiterkongreß wurde die Weiterbehand⸗
ung dieser Augelegenheit aus taktischen Gründen dem in—
ernationalen Komitee übertragen, das jetzt in Brüssel dem
dongreß seine Vorschläge unterbreiten wird. Der Kongreß
vird voraussichtlich eine Woche dauern.
Eine Neuregelung der Sonntagsruhe. Ein Ent⸗
hurf über die Neuregelung der handelsgewerblichen Sonn—
agsruhe wird, wie bereits gelegentlich gemeldet wurde,
em Reichstage voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jah—
es zugehen. Die Novelle will vorschlagen, völlige Sonn—
agsruhe in allen Betrieben, die mit keiner offenen Ver—
aufsstelle verbunden sind, für gewisse Betriebe und in Fest⸗
eiten oder in der Zeit der Branchen-Hochsaison sind Aus—
ahmen zulässig, doch darf die Arbeitszeit zwei Stunden
icht überschreiten; näheres haben die“ Ortestalute anzus
rdnen. Beschränkte Sonntagsruhe herrscht vei allen offenen
Lerkaufsstellen. Im allgemeinen soll die Verkaufszeit bei
hynen aber nur noch drei Stunden währen, die möglichst
o gelegt wird, daß sie vor die Kirche fällt, also die Ange⸗
tellten nach Beendigung des Gottesdienstes Herren ihrer
zeit sind. Da beobachlet worden ist, daß den Angestellten
ielsach die Möglichkeit zum Kirchenbesuch fehlt, so muß
er Schluß des Geschästs bereits 39 Minnten vor Beginn
es Gottesdienstes beginnen und nach Beendigung des
hottesdienstes die gleiche Zeit bis zur erneuten Geschästs—
röffnung verstreichen. Im allgemeinen haben die Geschäfte
Aso von Leinhalb bis 1einhalb Uhr vormittags zu schließen.
Für die sog. Lebens. *3.«)sen „Fleisch, Mat“
— VDED IXEIECCLEEECAEA
„Wissen Sie nicht, wohin der Brief gelommen ist, der
auf meinem Schreibtifche lag?“
Keine Antwort. J —
„Mir wurde ein Brief entwendet, verstehen Sie mich,
Madame?“
9 Mademoiselle — ich weiß von nichts. Beeilen Sie
„Nehmen Sie auch Mantel und Hut mit“, meinte Ma⸗
emoiselle Antoinette. „Sie werden mit den Herren einen
Zpaziergang machen müssen.“
„Ich bezweifle es“, entgegnete Desiree ruhig, „indessen
— vie Sie wünschen. Und mein Koffer?“
Bleibt bei mir, bis das Logis bezahlt ist.“
„Hier ist das Geld“, sagte die junge Dame, zwei Na—
»oleons auf den Tisch legend. „Das Ueberschießende ist
Ihr Trinkgeld. Gehen wirl!“
Die Directrice brummte etwas und machte den Weg
rei. Sie stiegen die Treppe hinab, — der Koffer blieb im
zimmev.
Inm Salon befanden sich zwei Herren in Zivil, doch
ah man ihnen ihr Geschäft auf den ersten Blick an. Es
— Detettives, die gekommen waren, Desiree zu ver⸗
u⸗ *
„Im Namen der Republik erkläre ich Sie als meine
Jefaugene“, sagte Herr Blichart, der eine der Polizisten.
Folgen Sie uns ohne Aufsehen, wenn wir nicht Gewalt
nwenden sollen.“
„XWelches Verbrechens klagt man mich an?“ fragte De—
ree tödlich erschrocken.
„Das werden Sie auf dem Stadthause erfahren“, er⸗
8 der Polizist; ‚wir sind zun nstlarungene nicht
efugt.
„Keine Umstände, kommen üali «
errschte sie nie —— zaglich min
Ich bin bereit“, entgegnete D Ich die Fassung
viedergewinnend. „Offenbar handeln Nhier um ein
ißverstäͤnduis, weiches sich schnell aus.laren wird. Darum
asse ich verderhand meinen Koffer hier. Es wird doch
eine Schwieriakeiten haben?“ erane sie Mademoifell⸗
lniene die Polizei ih
„Wenn die Polizei ihn nicht mi
inden Sie ihn jederzeit hier“, 5„J e e
uckend, mit malitids anfgeworfenen Lippen. „Aber ich
laube nicht, daß Sie freilommen werden Spione bält man
est. „Spione?!“ Desire fühlte den Boden sich wan⸗
en. Sie eine Spionin? Woher konnte ꝛ r ent⸗
hrende Verdacht entstanden sein? Vergeblie e nach.
zhre Papiere waren in Orduung. Neman ie, nie⸗
iand hätte sie ankllagen lönnen.
Nude folgte sie den Maͤnnern und betrat zwischen ib⸗
Vorkost, Butter, Backware usw., ist die Uberschreitung der
reistündigen Maximalzeit bis zu höchstens .h Stunden zu⸗
ässig. In diesem Falle müssen die Stunden so gelegt
verden, daß spätestens un 2 Uhr nachmittags überall
yollständige Sonntagsruhe eintritt, auch die jetzigen Aus—
sahmen für Bäckereien und Blumengeschäfte follen fort⸗
allen. Ferner soll in Zukunft streng darauf geachtet wer—
en, daß an Sonntagen beim Eintreten der Schlußzeiten
ein Kunde mehr bedient wird, auch dann nicht weun er
ereits vorher im Laden anwesend war. An Wochentags⸗
benden ist dle Bedienung der beim Schluß anwesenden
unden zulässig. Der Entwurf verzichtet auf den Erlaf
on Sonderbestimmungen für große, mittlere und kleine
zemeinden, da die Verhältnisse in den Einzelstaaten grund—
erschieden sind. Hier wird das Ortsstatut eingreifen, um
u verhindern, daß zu große Härten auftreten, welche der—
rtige gesetzliche Bestimmungen meist im Gefolge haben.
ils freizugebende Sonntage gelten in Zukunft nur noch
ie beiden, die den Festen vorangehen, ist im ganzen sechs;
„ie Geschäfte dürfen aber auch an ihnen höchstens neun
-tunden offen halten. Eine Verschärfung der Strafbe—
immungen für Zuwiderhandlungen beabsichtigt die Novelle
icht einzuführen, die geltenden reichen aus.
Saarbrücken, 18. Juli. Uber den Mord vom ver—
lossenen Freitag abend erfährt die Saarbrücker Volkszeitung
on einem Augenzeugen noch folgendes: Das Drama
pielte sich etwva 10 Min. nach 9 in der NPorkstraße ab.
das Paar, der 24 Jahre alte Richard Schwarz und die
8 Jahre alte' Modistin Anna Kern gingen dort auf und
b und hatten einen heftigen Wortwechsel, weil das Mäd—
hen das Verhältnis lösen wollte. Der Mörder zog einen
Zrief aus der Tasche und warf ihn den Mädcheun vor die
züße. Dann zog er plötzlich einen mit 6 Patronen ge—
idenen Revolver größeren Kalibers aus der Tasche und
hoß auf seine Braut. Dieselbe schlug mit der Hand nach der
Nordwaffe und der Schuß ging fehl. Uber den Vorfall
»ar das Mädchen so erschrocken, daß sie leichenblaß vor
ym stand. Der Mörder richtete die Waffe nun von neuem
egen den Kopf seiner Braut und diesmal traf der Schuß
ie linke Schläfe. Einen markerschütternden Schrei aus—
oßend, sank die Getroffene zn Boden und war im Augen—
lick tot. Der Mörder warf sich mit dem Gesicht zu Boden,.
en Revolver in der Hand unter sich. Die in der direkten
ähe wohnenden Leute eilten herbei und meinten, beide
eien tot. Doch da sprang der Mörder auf, ließ den Re—
olver fallen und warf sich heulend über die blutüberströmte
leiche, das tote Mädchen mit dem Namen rufend. Dann
vrang er auf und wollte das Weite suchen. Ein Architekt
tzte ihm nach und schlug ihm mit einem wuchtigen Schlag
»eines Spazierstockes auf den Kopf, so daß der Mörder be—
ußtlos zu Boden stürzte und der Stock in Stücke ging.
er in der Talstraße wohnende Arzt Dr. Becker erschien
irze Zeit nach der Tat auf der Mordstelle; er konnte
ber nur den Tod des erschossenen Mädchens feststellen.
Die Erschossene lag auf dem Rücken; das Blut quoll aus
der ziemlich großen Wunde. Drei Schutzleute erschienen
alsbald auf dem Tatorte. Der Mörder wurde von den—
selben festgenonmen und ließ sich willig abführen. Die
Beamten brauchten ihn nicht zu fesseln; „Macht mit mir,
vas Ihr wollt“, sagte er zu denselben und ging mit ihnen.
Er wurde auf die Zentralwache gebracht und am Samstag
norgen dem Untersuchungsrichter vorgeführt, dem er die
Tat in ihren Einzelheiten eingestand. Die Leiche der Er—
chossenen wurde gegen halb 11 Uhr abends mit dem
Leichenwagen nach der Leichenhalle des Friedhofes nach
MNalstatt verbracht, wo heute die Obduktion erfolgt.
Saarbrücken, 18. Juli. Der Jahresbericht der Han—
»elskammer bezeichnet das Jahr 1909 im ganzen als wenig
rfreulich. Die Unsicherheit durch die Reichsfinanzreform
n der ersten, durch die Revision des amerikanischen Zoll—
arifs in der zweiten Hälfte des Jahres hat namentlich
nuf den im Bezirk der Handelskammer vertretenen Berg—
ind Hüttenbetrieb schwere Schatten geworfen. Von der
Lereinigung der drei Saarstädte zur Großstadt Saarbrücken
erspricht sich der Bericht viel, wenn auch die Erhöhung
er Kommunalsteuern einen Rüchschlag zur Folge haben
vird. Besonderen Aufschwung wird Saarbrücken aber erst
urch die Kanalisierung der Mosel und Saar erfahren
Dem Bericht ist ein sehr interessanter Aufsatz über die För⸗
er- und Preispolitik des staatlichen Saarkohlenbergbaus
902 —1910 mit reichem statistischen Material beigegeben
Heiligenwald, 16. Juli. Auf schreckliche Weise kam
orgestern das Zeinhalbjährige Kind des Bergmanns Wen—
el Schwan hierselbst ums Leben. Die im Garten beschäf—⸗
igte Mutter hatle das Kind bei sich. Nach beendigter
Urbeit lief das Kind voraus ins Haus, kletterie auf einer
Ztuhl in der Näbe des Herdes und zog die mit kochendem
Vasser gefüllte Trommel einer Waschmaschine über sich
erab. Die schrecklichen Verbrühungen hatten den baldigen
Tod zur Fola«
nftätter 19
—RX —
nen die Straße. Hier herrschte ein wildes Treiben untd
Behen. Die Marinesoldaten, welche man ausgeschifst hatte.
narschierten eng geschlossen nach den Depots. An ihre
Zeite drungten fich Weiber und Kinder, die sie begrüßten
ind ihrem Ersfrischungen brachten, beschäftigungslose Män—
ier, welche, betrunken schon in aller Frühe, die Mar—
eilsalse brutlien.
„Mademoiselle könnten im Gewühl entwischen“, meinte
Zlichart. „Ich werde Ihnen Handschellen anlegen und sa⸗
jen, Sie seien eine Diebin, sonst packt Sie die Kanaille
sier.“ Er zeigte auf die Menge hier, welche sie neugierig
ingafste.
— anz recht“, meinte Piffard, der andere. „Halten Sie
nal die Pfötchen her, Mademoiiselle, es tut nicht weh.“
Er zog ein paar eiserne Ringe aus der Tasche und
vollte Deßree, die zitternd und unfähig, sich zu wehren,
astand, feneln, als ihn ein kräftiger Arm zurüchstieß.
„Sind Sie vori Sinnen, Mann“, fragte eine donnernde
ztimme, „was sollen diese Dummheiten? Geben Sie die
dame freil“ ι
SHerr dyAlincourt“, jauchzte Desiree, „schützen Sie mich
Major, — diese Menschen wollen mich verhaften, fes⸗
eln. —8 —
Der Graf nahm das Mädchen in seine Arme. Er war
n glänzender Uniform. Die Polizisten traten bescheiden
urück.
„Sie ist eine Spionin, Herr Major, halten zu Gnaden“,
erichtete Blichard. „Wir haben Befehl, sie zu vrrhaften,
ind müssen ihn ohne Rüchsicht aus führen.“
„Nun gut, aber doch nicht in dieser brutalen Weise?“
„Wir bemerkten keinen Wagen“, entschuldigte sich Piffard,
und die Zeit drängt.“
„Treten Sie wieder in das Hotel ein“, entschied der
Graf; „ich werde selbst einen Wagen besorgen und Sie
nach der Präfektur begleiten. Diese junge Dame ist un—
chuldig. Der Verdacht ist ein so ungeheuerlicher, daß ich
elbst mit dem Herrn sprechen werde.“
Er bat Desiree, Geduld zu haben, und schritt gerades⸗
vegs durch die vorüberziehenden Soldaten, die ihm ehrer⸗
bietig Platz machten. Die Polizisten führten Desiree in das
Hotel zurück, sehr zur rechten Zeit, denn einige Weiber hat⸗
len bereits das Wort „Spionin“ aufgeschnappt und drängten
ich drohend herbei.
„Hoffentlich wird der Herr Major uns nicht zu lange
varten lassen“, brummte Piffard unzufrieden. „In zehn Mi—
uuten gehen wir los, sonsi haben wir beim Generalkommis⸗
ar den Teufel.“
„Sie können von Glück sagen, daß Sie solchen Schatz
»aben“. bemerlte der andere roh. Der macht Sie am Eud⸗
ldam Backes von hier, indem er von einem beladen.
»euwagen herunterfiel und bei dem Sturze den Tod fan
in kleines Kind, das bei dem Verunglückten auf de
Vagen saß, fiel ebenfalls herunter, kam aber, wunderbare
veise, ohne Schaden zu nehmen davon. Backes stand
er Mitte der 50er Jahre.
Ludweiler, 14 Juli. Mit der Beförderung zum Ba—
eiger ist Herr Bautechniker Jakob Klein von hier no
Lüttlingen versetzt worden.
Metz, 15. Inli. Ein Großpächter im Kanton M—
ourde infolge des anhallend schlechten Weiters geisteskran
dachdem seine Heuernte größtenteils verniendtet wir, woll
r seine Pferde und andere Tiere erstechen. Er wure
och rechtzeitig daran verhindert und auf Grund ärztliche
Unordnung nach Saargemünd überführt.
Schierstein, 16. Juli. Ein schrecklicher Doppelselbs
mord verübte gestern Abend 6 Uhr ein junges, bisher no
inbekanntes Paar. Die beiden fesselten sich mit Stricke
neinander und stürzten sich am großen Taimmu von eint
Bank aus in den Rhein. Sie verschwanden sofort in de
Fluten und konnten, obwohl Personen in der Nähe ware,
ticht mehr gerettet werden. Das augenblicklich sehr reißend
Wasser hat an der Stelle eine Tiefe von 5 bis 68 Meterp
Die von Fischern vorgenommenen Nachforschungen war«
erfolglos. Eine weitere Meldung sagt, daß die beiden scho
am Nachmittag gesehen worden sind, wie sie auf der
hdafendamm auf- und abgingen. Ein Sandwächter bemerk⸗
löhlich, wie sie sich zusammenbanden, und obgleich
ofoct zu Rade zu ihnen eilte, konnte er doch nicht meb
urecht kommen. Sie ließen sich rücklings in den Stroi
allen, trieben noch kurze Zeit auf dem Wasser und sanke
dann unter. Die Namen konnten nicht festgestellt werden
och ist man sicher, daß es sich um einen etwa 16jähriger
zchüler und ein etwa 18jähriges Mädchen aus Wiesbaden
andel⸗
Mörs, 17. Jul'. Bei einem Gewitter ist im Kam.
der Laudwirt Breitbach unter einem Bume vom Blitz e
chlagen worden.
* Heidelverg, 18. Juli. (Panit.) Als gestern aben
während der Schloßbeleuchtung ein fürchtbares Unwelie
einsetzte, floh die nach Tausenden zählende Menge nad
der alten Neckarbrücke. Hier entstand eine wilde Panit,
vobei einige Kinder getötet wurden. Verschiedene Kinde
ind Erwachsene wurden heute polizeilich als vermißt ge⸗
neldet. Wie verlautet, sollen sie beim Gedränge in der
ieckar gefallen sein.
* Freiburg, i. Br., 18. Juli. EEisenbahn-un
all.) In Littenweiler sind die drei letzten Wagen eines
nit Verspätung vom Höllental kommenden dicht besetzten
zersonenzuges insolge zu früher Weichensiellung entgleist
)er erste Wagen stellte sich quer über das Gleis, der
weite wurde umgeworfen, der dritte blieb innerhalb der
sleisanlagen stehen. Etwa zwölf Personen sind zum Teil
chwer verletzt; sie wurden durch Santätsmannschafien nach
»em Freiburger Spital verbracht. — Nach amtlicher Dar—
tellung wurden 15 Personen durch Holz uͤnd Glassplitier
ꝛerletzt. Mehrere der Verletzten konnten nach Anlegund
ines Verbandes ihre Reise fortsetzen.
*Trier, 18. Juli. (MMoselkanalisierung.
zine in dem luxemburgischen Orte Grevenmacher statige
abte Versammlung für die Moielkanalisierung nahm eine
desolution an, nach der die luxemburgische Kammer und
as Ministeriunt ersucht werden, zur Verwirklichung des
edeutsamen Unternehmens im Einvernehmen mit der
reußischen und der reichsländischen Regierung ohne Ver—
ug die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen.
Muttermörder In Haßleben bei Erfudt ist die 60
ihrige Witwe Zimmer von ihrem Sohn anaßlich eines
———
äter ist verhaftet. 2
Das Bebeltelegramm. Aus Bremen wird be
ichtet: In der Disziplinarsache wegen des Bebeltelegram
nes wurde den Volksschullehrern Sonnemann, Oslersehlte
Uftkan und Luttmann auf Grund der Voruntersuchung ein
zerweis erteilt. De vorläufig angestellte Lehrer Rumpt
vurde entlassen.
Deutschland lehrt. Aus Porto Alegre (Südbrasilien)
vird berichtet: Die Berufung deutscher Lehroffiziere für
deer und Marine wurde nunmehr beschlossen.
Attentatsversuch. Während der Abhaltung einer
zeelenmesse in der Peter-Paulskirche, bei der Mitglieder
es Kaiserhauses und hohe Würdenträger zugegen wa
en, wurde von der Polizei eine Anzahl Hofbeamte ver
aftet, welche einer revolutionären Verbindung angehören
)urch die Geistesgegenwart der Polizei wurde ein ge
lantes nihilistisches Attentat verhindert.
Schreckliche Tat. Der Postamtsdiener Molnar ha
einen fünf Kindern den Hals mit einem Rasiermessen
zurchschnitten und sich felbst tödliche Verletzungen beige
zracht, sodaß er ins Krankenhaus Budapest gebracht wurde
Als die Frau in die Wohnung zurückkehrte, wurde sie vo
ZSchmerz wahnsinnig. In einem hinterlassenen Schreiben
zgab Molnar als Grund an, daß er seine Familie mi
inem Monatsgehalt von 60 Kronen nicht erhalten koönne
Ueberfall. Auf das russische Departement in Wladi
awkas (Kaukasus) wurde von einer revolutionären Bande
in Attentat verüp Die Joerroristen üherfielen das De
XEESXCLLIL-LIeAC—
Tret, veur zu Tage kann das rititar artres«·⸗·) 2sh
Desiree antwortete nicht. Bewegungele⸗ saß sie neben
der VPortierloge und harrte mit klopfendem Herzen auf den
lugenblick, der sie von der etlen Gesellschaft dieser Männer
befreien würde.
Endlich vollte ein Wagen vor die Pension s
bequeme Kutsche mit 288 Wappen F usn
einem gallonierten Kutscher auf dem Bog.
„Sie gehört meinem Freunde, dem rokurator
Lamezan. Ich habe ihm die Equipage 8* der Nase y
gefischt, als er gerade spazieren fahren woli⸗ sagte der
Braf lachend, als er aus dem Wagen sprans. „Steigen
Sie ein, meine arme Freundin, und auch Sie, meine Her—
en. Da Sie Ihre Beute doch min einmal nicht aus
e aden lassen wollen. so lafsen Sie sich wenigstens
Die Polizisten setzten sich bescheiden au ü
e und ng nahmen ee Dine
utscher trieb die Pferde an und
ohlenden i brach sie BVahn durch den
„Nun sagen Sie mir, was ist geschehen?“
Braß. „Spionin? Es ist zu eb 8 XS
en wäre. de F Sie lamen, Ihren Vater zu suchen?
Ich nehme an, da ie mi i
Denme an, s r die volle Wahrheit gefag
„Beim allmächtigen Gott, das habe ich“, sprach Desiree,
die Rechte auf das Herz legend. „Das ist das einzige Ziel
meiner Reise. Ich habe auch gar keine Ahnung, wie der
schimpfliche Verdacht gegen mich entstehen konnte.“
„Reichten Sie Ihre Pässe bei der Maire ein?“
„Nein, ich schrieb gestern nur meinen Namen in's
Fremdenbuch. Meine Papiere habe ich bei mir; es ist ein
belgischer Paß, vom französischen Konsul visiert, und mein
Heimatschein. Die Tante sah darauf, daß ich meine Legi
uͤmation in Ordnung hielt.“
„Das ist gut“, nickte d'Alincourt nachdenklich, abev
es beweist noch nichts. Kennen Sie hier in Bordeaur nie—
mand persönlich, der für Sie Bürgschaft leisten kann?
„Niemand. Herr Malvezin hat mich natürlich nie ge—
ehen, nuwv meinen Papa — er würde über den jedenfalls
Iuskunft geben können.“
„Das wird nicht nötig sein“, meinte der Graf, „mein
zeugnis wird besser wirken, Sie nehmen es doch an?“
„Sie sind mein Retter, Herr Graf.“
Fortseßung soto