Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 164.
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7 758 — — — —
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Erscheint 71 ——1383384 — * 9— M Anzeigen
räglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und J J— J uosten 10 3 pro Gspaltig Petitzeile
Feiertage. — —— F a auswärtige 184

Dienstaqg, den 19. Juli 1910.

23. Jahrgang.

Amtfsiches Publikafionsorgan —
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Vdebracht, I—
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en Rotteriekolletteuren nicht genugeno Zeit“ pur den Ver⸗ oAzu, daß man in dieser zundgevung Asquiths, der man ien Phrafen etwas ausrichten; ste mussen zur Sandlung
auf der Lose zur ersten Klasse einer jeden Ztehung blei- das größte Gewicht beilegen müsse, einen rückhaltlosen Be- schreiten. Natürlich versetzt der Rufsisch- Japanische Verben
 würde. Um dieser Schwierigkeit zu begegnen, hat weis für einen erfreulichen Umschwung in der Beurteil- rag China einen tödlichen Schlag. Es ist die Pflicht
ich die Lotterieverwaltung entschlossen, die gesamten ung der deuischeanglischen Beziehungen jenseits des Aer— Lhinas, sich aufzurafsen und wieder zu gewinnen, was es
380 000 Lose in zwei Serien; zu teilen, deren Jede gleich— me niceres erblicken müsse. Ein freundschaftliches Verhält— erloren hat. Die Welt muß sehen, daß China nicht län—
autend die Nummerne1 bis 1905000 enthält. Fürdie nis Deutschlands zu England sei bisher leider meist an jer ungestraft geplündert werden kann. Wir haben wohl
Zziehungen hat die Verwaltung also in Zutunft nur mil dem in England oftnals geltend gemachten „Aber“ der das Maͤterial für eine vorzügliche Armee, aber es fehlt
90 009 siatt bisher 340 000 Nummern zu rechnen, und deutschen Flottenvermehrung gescheitert. Der irrtümlichen Ins an den nötigen Geldmitteln, diese zu organisieren,
adurch wird es möglich, es für ddie ersten vier. Klassen Auffassung, als richte sich unsere Flottenvermehrung ge— ind hier könnte Amerika in die Bresche treten.“
ei De Zieungstagen wie bisher zu belassen, während zen England, sei von underen anmitlichen Stellen entgegen—
die Ziehung der fünften Klasse in 21 Tagen exledigt wer— zetreten worden, und dasselbe habe jetzt auch Asquith
»en kann. Außer der Ersparung an Wenten für den estgestellt. Dem Ausbau der deutschen Flotie könnte Hof und Gesellschaft.
anzen V — wird dadurch auch flar die Kollet. eeine gegen England gerichtete Tendenz zugeschrieben wer— * —* biser Pa nihe 77 hundertsten Wieder—⸗
eure mehr Zeit für den Verkauf der Lose —zu jeder ersten den, wie umgelehrt die englischen Flottenrüstungen nicht ehr des Todestages der Königin Luisse von den
klasse gewonnen. Die Gewinnzichungen asolgen 8 deutschfe ndlich seien. In Deutschland habe man volles zahlreich erschienenen Känigin-LuiseGedenkschriften für
—— zerständnis für die Bedeutung, die die britische Nation “und, 5000 Mark Gyemplare ankaufen lassen und zu Ge—
5303 gezogen wird, diese Nummer in beaden Serien ge— hren maritimen Streitkräften angesichts ihrer erdumspan- chentken für die Schüler der höheren und der Volksschulen
oinnt. Die notwendige Folge davon ist, daß in Zutunft senden Interessen beimesse, und es bleibe nur zu wün- »estimmt. Fünfzig Eremplare, die telegraphisch direkt von
uch zwei Prämien zu 300 000 Mark und zwei Haupu— chen, daß die Frage der Flotlenrüstungen fortan auf beie Bord der „Hohenzollern“ von Bergen aus bestellt wur—
ewinne von 500 000 Mark erscheinen roerden, wie denn den Seuen mit der ihr zukommenden Ruhe und Sachlich- den, sind dem Kaiser mittels Depeschenbootes nachzusenberhaupt
 alle Gewinne in zweifacher Anzahl vorhanden eit beurteilt werde.“ on nd en an die Kinder deuischer Eltern in Bergen
ein müssen. Die Gewinnaussichten werden sich also in * Das Zentrum stellte für WarbburgcHorter veg erden.
—— — 3 — Deds Adeechwnd ver⸗ ls 8 für das puin Abheh en * —3— ee — er 9
eren — die bis os mit höhe zehei Dr. Wü i 8 i fü ichs⸗ 6 und nah⸗
en Nummern als 190 000 spielen, ihre bisherige Num— Iieie ewa —DE rlin auf, für den Reichs nen mit der Königin Alexandria im Buckingham-Pa—
ner. Da aber bei jedem Lotteriespieren vielfach mit ge— *Marschanes * — x ast und am Sonntag mit dem König und der Königin
hissen Gefuͤhlsmomenlen gereclnel wird, soil nach Mag *Marschall Hermes da Fonseca, der neugewählte m Marlborough-House das Frühstück ein.
ichkeit versucht werden, die in Wegfall lmmenden Num— ßräsident von Brafilien, der sein Amt im Herbstan— — —.
nern durch ähnlich lautende zu ersetzen. So sollen bei— — 8 Sir an pnc erin7 Spiel und Sport.
ielsweise di 230*6500 bis 2305 n * ⸗
aeeen e etecrt o drhe
α ιαα, e er hoee hieie rmanszvern begab. Wahrend seines . Ausenthaltes in n die englische Presse bespricht der englische Royal Au—
i I9d do fuhete ne die entspeechesde nhee deutschland brachten die brasilianischen Zeitungen aus- 0mobilklub die Prinz Heinrich-Fahrt 1911, die, wie wir
nit medrigeren Nummern zuerteilt bekommen, so vaß ꝑ üͤhrliche Telegrainme über die ihm zuteil gewordene Auf- Odn meldeten 3wischen je 50. Mitgliedern des Kaisertu
eine Klieuten mit aühnlich küngenden Loonninniern“ ver ahme. Als er dann zurücktehrte, wurde er begeistert be- den Automobiltubs und des Royal Automobiltrubs statt.
rüßt. Bis dahin war Fonseca viel gehaßt, da er als inden soll. Als Titel für die Fahrt wird darin vorge—⸗
9 h α de v ge driegsminister die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht chlagen „Prinz Heinrich-Fahrt zur Erinnerung an die
pielten Nummern ist das einzige Unangenehme an der ——— 3 ⸗
anzen Aenderung, aber die außs dieser sonst entstehenden urchgesetzt hatte, man beschuldigte ihn, eine Militärdikta— drönung König Georgs“. Bei Ausarbeitung der Satz-—8
 zn n ueren erde ur oanzustreben. ingen sollen im einzelnen folgende Punkte berüclsichtigt
nen tann Die neuen“ 40 000vofe werden nur in gan * Kürzlich waren eingehende Mitteilungen erschienen derden. Die Fahrtteiftung jedes Tages soll 150 englische
en, halben, viertel und achtelzAbschnitten ausgegeben wer iber den Inhalt eines Gesetzentwurfes zur Regelung Dilen mie re e Inn Wagen sou —8 Jiaegen
— * F n 3 55 — — ⸗
»en. o daß atso teine nenen Zehutel-mose wieht heraus—. Fernta gorn he dessen Srundzüge wwäschzn dam zuy Adiorhauden jollen zut Kontrolle versehelt werden. Faiis
ommen. Ob man an die Stelle der früheren ein Zehn— ländigen, Reichsressort und dem vreußischen Ministerum — — F
* 7 Fen ——— daranf hingewiesen s notwendig wird, diese Siegel durch die Unparteiischen
el⸗Lose auch ein Achtel-Lose treten lassen soll, unterliegt —6 J
ioch Erwägungen bei der Lotteriedirektion. Jm Inleresse ad dile diese Einzelheiten über die künflige Vorlage auf ffnen zu lasen um Repagraturen worzumehmen. Pagtet
»er Vereinfachung des ganzen Lotteriebetriebes darfie es dombinationen beruhen. Eine endgült'ige Entscheidung den jede angesangenen 5 Minuten bis Wiederverschluß der
ich Ansicht Sachtundiger negen, wenn das baschahe Ein ber die Riegelung der Frage ist noch an keiner amtlie daube mit je einem Strafpunkt berechnet. Zugelassen wer⸗
adigende Wutung durfte daraus daum zue esürglen, en Stelle erfolgt. Die Regelung der Sonntagsruhe wird In Sodenudn z0 gie Ferdreen de e
nt? ue Ei ereits seit laͤngerer Zeit an den zuständigen Stellen er Homburg v. d. O begi 1
din. aam Gegenteil eper eine Verbesserumg der. Emnoahmen eecug ien 4 ad veed an der Jnanspruc- xn nach Bremerhaven führen, wo die Konlurrenten nach
aus der Lotterie; geht doch die Erfahrung bei vielen 5
dollekteuren dahin daß in den letzten Tagen vor jeder ahme der sozialpoliuischen Ableilung des Reichsanmus des Southampton eingeschifft werden sollen. Von dort wird
Ziehung sfast alle⸗ Spiellufigen die aus Wiemgel an vos ennern mit anderen großen Vorlagen gelegen, daß die ie Fahrt weiter Lon Edinburg gehen und dann nach
Ai einen bin ehntel dinlen mehr, erhalien konnen, am. rage noch nicht zum Abschluß gebracht worden ijst. 3 an wen udhurse de
de⸗ hege — 3 Türkei. zahrt ist nach den Auslassungen des Royal Automobilwe
 Die 3 serdern d Finwen eeede un v py 5 Vige — ap
rtanen ni mehr a ehrer an griechischen alen chen den itgliedern de ohal⸗Automobilflub u e
somien egune leichter szin . Zz eng, Wermehrunge guseten.¶ nde de Sntlcsteng atier imn Dienste vestndnte disertchen . Naomohnthuos ohach ai ene wirmansie
 en, e winne o en 328 a hen griechischen Lehrer herbeizusühren. iale Konturrenz aufzufassen. Mit diesem gesellschaftlichen
plan 9J— at, iewe J we en Zrehhen er * zreignis soll allerdings auch die Erprobung der Leift-————
 —
t en, wer de räside Monist ist na alparaiso abge⸗ u 2
iese mittleren Gewinne hilden doch das Rückgrat der eist, von wo er sich auf dem Kreuzer „Esmeralda“ nach ehe — — ** —“ *
janzen Lotterie und man könnte dafüͤr wohl unbedenklich zanama begeben wird. Er wird danach New-York und Gerichtszeitung.
zen einen oder anderen Gewinne von 60 000, 80 000 oder ruropa besuchen. F 3 3
d o in Wegell komnmen assen Je groͤßer F Freuttesehes innes Desfenden duerte n Vor⸗
unzahi der kleineren und mittleren Gewinne ist, um wng rruntren mnit dern Ah vos eeetet der
o groößer sind doch die Gewinnaussichten für den einzei harde⸗Division (Berlin) in seiner letzten Sißung zu be—⸗
enꝰ Spieler und um sjo sarter wird die Beileiligung an agen ie, er, rieee rens
e fein. J J horsamsverweigerung hatte sich der Pioniergefreite Klöhn
»om 3. Eisenbahnreginent zu verantworten. Er hatte
Politische Rundschau. * oor längerer Zeit einmal eine Auseinanderse zung mit
Deutsches Reich. 7 dem Ein ährig Freiwilligen Zitzewiß gehabt. Eines Vachts
x* Die offiziös Norddeutsche Allgemeine Zeitung' begegneten sich die beiden gegen 1 Uhr in der Kolon⸗
Die offiz 9 a henneet nn ienstraße in Schöneberg. Wie Klöhn behauptete, hatte er
chreibt an der pitze b iet . e * zitzewitz, der inzwischen Unteroffizier geworden war, bei
ichtiger Genugtuung sind in in der schlechten Beieuchiung nicht erkannt. Er grüßte infol-⸗
en aufgenommen worden, die F ische en Jedessen erst zwei Schritie vor dem Herankommenden. 3.
er Asquith bei der Beratung der deenen n In Jlaubte, K. habe ihm gegenüber die Achtung verletzt, und
ungen für Flottenbau⸗zwecke über die deu i Feahl ihm, ftehen zu bleiben; er richteie dann den Be—
ʒeglehungen gemacht hat·· 2a e 78 r ehl an Kiöhn, auf dem VBürgersteige hundert Schritte
deichsregierung gibt sodann den — eV, narsch, marsche zu machen und wieder zurückzukomien.
— der von diesen Wo⸗ejohrr —aa diesfer Bofehl nachts auß affener Straße etwas

Europa und die Monroedoktrin.
Bon unterrichteter Seite wird uns geschrieben: De.
wischenfall mit dem sogenannten Kaiserbriee an den
zräsidenten Madriz wäre sicherlich vermieden worden,
enn das Verhaͤltnis der europäischen Staaten zu der
»genannten Monroedoktrin geklärter wäre, als dies heuté
er Fall ist. Auf beiden Seiten hat man bisher eine
raltisfche Auseinandersetzung in diefer Frage vermieden,
bährend andererseits die von der Washingtoner Regie—
ung betonte Doktrin, wonach von seiten der Regierung
erꝰ Vereinigten Staaten keine Einmischung europäischer
Nächte in die inneren Angelegenheiten der Vereinigte⸗
aaten geduldet wird, die Unsicherheit der völkerrecht
en Beziehungen mehr und mehr erhöht. Ursprünglich
eschränkie sich die Union darauf, und zwar im Rahmen
er Jahresbotschaft des Präsidenten Monroe vom 2. De⸗
ember 1823, den europäischen Mächten das Recht der
Inlervention auf amerikanischem Boden und des Erwer⸗
es amerikanischen Gebietes, sei es durch Gewalt oder
urch Vertrag, zu verbieten. Erst in jüngerer Zeit hat
ann ˖ die Wafhingtoner Regierung auch die Schutzherrschaft
ber die mittei⸗ und südanterikanischen Staaten für sich in
Anspruch genommen. Während eine offizielle Anerkennung
ieser Grundsätze durch die europäischen Staaten bisher
cicht erfolgt ist, haben die letzteren innerhalb des ver—
ofsenen Jahrzehnts praktisch doch mehr oder weniger die
egemonie der Vereinigten Staaten in Amerika anerkannt.
m besonderen trifft dies für England zu, das bei sei—⸗
en Grenzstreitigkeiien mit Venezuela die Regierung zu
vashington im November 1896 als Sch'edsrichter und
Amit die Monroedoktrin im Prinzip anerkannte. In
inem weiteren Vertrage mit England im Jahre 1901
ehle die Union ihr Aufsichtsrecht gegenüber dem an Stelle
es Panamakanals zu erbauenden Nicaraguakanal durch.
Vie man sieht, nimmt also England den Vereinigten
Ztaaten gegenüber eine Kaltung ein, die völkerrechtlich
ei weitem enger umschrieben ist als die anderer Staa⸗—
en. Es kann deshalb nicht wundernehmen, wenn Groß—
ritannien auch in der Frage der Anerkennung des Präsi⸗
enten Madriz eine größere Zurückhaltung beobachtet als
idere europaische Laͤnder und seine Zustimmung von der
orausgehenden Ratifitation durch die Vereinigten Staa—
en abhäugig macht. Was die anderen Länder des euro—
ãischen Kontinents betrifft, so sind sie den Vereinigten
Ztaaten gegenüber nur insofern in der Frage der Mon—
bedottrin gebunden, als sie die Aufnahme einer auf die
Zonderstellung Nordamerikas bezüglichen Erklärung in
as Protokoll der Haager Konferenz zugelassen haben.
leber die Bedeutung dieses Aktes wird man sich klar,
venn man erwägt, daß die Vereinigten Staaten, die die
Monroecdoktrin unter Garantie der Gegenseitigkeit, d. h.
der Nichteinmischung in europäische Angelegenheiten, für
Anspruch nehmen, zu wiederholten Malen in Eu—
niervenierten, ohne sich durch die Doktrin gebunden
u betrachten. Der jetzige Zwischenfall hat vielleicht das
Jute, daß die Frage der politischen Vorherrschaft der Ver—
inigien Staaten endlich einmal zum Austrag gebracht und
»amit die Zweideutigkeiten vermieden werden, die der ge—
unden Entwickelung der Beziehungen zwischen den euro—
äischen Staaten und der Union einerseits, den mittel—
Wy südamerikanischen Staaten andererseits im Weg«
tanden.

Preußische Klassenlotterie.
Dem Vernehmen nach sind in den letzten Tagen die
zestimmungen über die künftige Gefstaltung der
reußischen Klassenlhotterie herausgekom—
nen. Durch das Eintreten Elsaß-Lothringens in die
reußische Lotteriegemeinschaft ist bekanntlich wiederum eine
Lermehrung der Lose notwendig geworden, umsomehr,
ils ohnehin die bisherige Anzahl der Lose der gesteiger—
en Nachfrage kaum mehr entsprach.
Es werden in Zukunft, wie wir der „Köln. Zig.“
entnehmen, im ganzen 380 000 Lose vorhanden sein,
ilso 40 000 mehr als bisher. Durch diese große Ver—
nehrung der Lose entsieht nun für die Lotterieverwaltung
ind das ganze Lotteriewesen die Schwierigkeit, daß,
oenn das bisherige Ziehungssystem beibehalten würde,
ie Ziehung der fünften Klasse noch erheblich länger dauern
nüßte: das in aber deswegen nicht angängig. wein sont

Unter Feinden. —
soman von Karl Matthias.
15. Fortseßung.)

und wir trabten langsam der belgischen Grenze zu. Im
ebten französischen Dorfe blieben Pferde und Waffen. Der
generai und ich, die Leutnants Eruzat le Hereditere und
Jabini traten als Civilisten in das neutrale Land.“
Graf d'Alincourt schwieg. Desiree sah gleichfalls sinnend
‚or sich nieder. Die Erzählung des jungen Helden stimmte
e nur noch trüber. Sie fah nicht die französische Großtat,
ondern nur die Greuel und Schrecken des Gemetzels, das
zlut, das geflossen, die Schmerzen, welche die Gejallenen
rlitten. Sie bebte vor dieser Schlächterei zurück, die fana⸗
ische Bluigier erzeugt, — das Verständnis für das Helden—
um in der Schlacht war ihr in den Laaaretten verloren ge⸗
angen.
Ich habe Sie erschreckt“, sagte der Graf, betroffen, kein
Vort der Bewunderung zu hsren, indem er ihre Hand zu
rhaschen suchte. „Vielleicht habe ich durch meine Schilderung
uch ichmerzhafte Erinnerungen erwetkt? Verzeihen Sie es
ur!“ * — E
„Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen“, enigegnete sie
hüchtern, „im Gegenteil, Sie müssen mir zürnen, weil ich
zhnen den Zoll meiner Bewunderung vorenthielt. Ich tat
8 unabsichtlich. Meine Gedanden weilten bei dem entsetz⸗
ichen Unglück, das sich überall zeigte. O, diese Wunden,
ieses Elend. Wenn ich daran denke, daß ich es wiedersehen
oll, ersiartt mir das Blut in den Adern.“
„Ja, der Krieg ist jcα“, nickte er. „Leider ist er
och lange nicht zu Eude. wird noch viel Blut fließen
n Frankreichs Auen, bis der letzte Preuße unser Land ver
assen hat.“ — — — —
„Glauben Sie wirlklich, daß es gelingen wird, den Feind
u vertreibend“ a ————
„Es muß gelingen. Der Krieg bis aufs Messer wurde
roklamiert. Kein Mann in Frankreich wird ehrenvoll sierben
zürfen, der nicht die Waffe gegen die Invasion erhebt.“
„Da ist es freilich nicht zu verwundern, wenn mein Va—⸗
er Soldat geworden ist.“
Verzweifeln Sie deshalb nicht, teures Fräulein. Nicht
ede Kugel trifft und dann ist es ja zweifelhaft, ob man ihn
miter die Kombattanten einreiht. Aber oft will es mir schei—
jen, als ob noch ein anderer in den Reihen unserer Armee
ände, dem Ihre Seufzer gelten.“ —W
Es ist nicht der Fall, Herr Graf.“ —4
Sp haben Sie noch niemanden diese kleine Hand zu—
esagt?“
Desiree antwortete nicht. Die Lüge wollte nicht über
sre Lippen, doch hütete sie sich wohl, einem Franzosen ihr
erzensgeheimnis mitzuteilen.
„Nun, ich habe mir in den Kopf gesetzt, daß Sie den⸗
och für einen anderen Franzosen als Ihren Papa beten sol⸗
nn. und deshalb will ich mir um Sie Verdienste erwerne

werde ZJyre Schrine reiten, wenn Sie den vVater suchen,
ch werde Sie vor den Gefahren schützen— kurz, ich werde
Ales tun, damn Sie mich ein wenig lieb gewinnen. Und
da ich mit Schrecken an den Augenblick der Trennung denke,
ain ich entschlossen, nicht eher von Ihnen zu weichen, als bis
zie Ihren Vater gefunden haben.“
Herr Graf, was tat ich, um diese Güte zu verdienen?“
„Sie fragen? Ihre Schönheit, Ihre Liebenswürdiglkeit,
zIhre Hilflosigkeit haben es mir angetan. Wie habe ich Sie
vermißt, als Sie kvank waren, wie schlug mein Herz, als
ch Sie zuerst wieder erblicktel Ja, ich verehre Sie, Fräu—⸗
ein Desiree, ich liebe Sie.“
„Herv Graf,“ sprach Desiree, ihm langsam die Hand ent⸗
ziehend, welche er während seiner Rede ergriffen hatte. „Ich
ditte Sie, halten Sie ein. Ich darf Ihre Worte nicht hö⸗
zen, denn sie berauben mich des Schutzes, dessen ich so sehr
zedürftig bin.“
Sie stand auf und wollte sich entsernen. Aber d'Alin⸗
ourt erhob flehend die Hände.
„Bleiben Sie, holdes Fräulein, gehen Sie nicht im
zorn von mir. Ich will schweigen und alle Wünsche in mei—⸗
ner Brust begraben, bis eine bessere, eine günstigere Zeit
ekommen ist. Entziehen Sie mir Ihr Vertrauen nicht.“
„Ich würde mich selbs elend dadurch machen. Aber ich
nüßte mich verachten, wollte ich serner solchen Reden lau—
chen.“
„Kein Wort mehr von Liebe, teure Desiree“, sagte er,
e mit glühenden Augen betrachtend; „ich schweige, bis Sie
nir selbst das Recht zu sprechen geben werden. Ich hoffe,
zies Recht durch meine Taten zu verdienen. Bis dahin gelte
ür uns nur die Freundschaft. Reichen Sie mir die Hand,
um Beweise, daß Sie mir vollständig vertrauen.“
Desiree legte die Hand in seine Rechte. Er sah sie lange
nnig an, während sie die Augen niederschlug. Beide setz⸗
en sich wieder auf ihre Plätze. Aber die Unterhaltung wollte
uicht fließen — sie fanden den einfachen, vertraulichen Ton
nicht mehr.
„Ich möchte meine Sachen richten. In wenigen Stun—⸗
zen werden wir in Bordeaur landen“, sagte Desiree nach
jner Weile. „Leben Sie wohl indes, wir sehen uns noch
or der Landung wieder.“
„Sie wollen mich allein lassen?“ fragte er schmollend.
Sie sind mir auch nicht ein bischen gut.“
„Ich bin Ihre Freundin, — gab ich Ihnen nicht darauf
ie dand, Hervr Graf?“
‚Wie kühl der Titel klingtl“
„Er gebührt Ihnen, und mir, ihn zu gebrauchen. Ich
itte Sie, bleiben Sie mein Freund.“
O immer, immer!“ rief er mit Emphase und küßte

nu. — F
Sie ließ es sich ruhig gefallen und schied mit einem
reundlichen Kopfnicken. J

*

Aber wiere
„Wir schlagen uns durch — wozu ist man Kavallerist?
Zehen Sie drüben die blauen Linien? Sobald sie dünn ge⸗
vorden sind, lasse ich aufsitzen und reite sie mit meinen Ker.
en über den Haufen. Fällt, wer fällt, dver Ueberlebende
tann's der Nachwelt erzählen, wie französische Kürassiere zu
terben wissen. Das ist mein Ran“
Ich nickte und richtete meinen letzten Blick auf das
driegstheater rings herum. Ueberall tobte das vernichtende
kinzelgefecht, überall wichen unsere Leute zurück und bedeck—
en mit ihren Leibern den Boden, der unter dem Kanonen⸗
donner wie bei einem Erdbeben schwankte. Soweit mei—
Auge die nahen Gebirge bestrich, sah ich brüllende Geschütze
ind dazwischen ununterbrochen immer neue Heeressäulen der
Ddeuischen auftauchen und wie die Lava eines Vultkans zu
Zal fließen. Endlich war der Moment eingetreten, den Galli—
et erwartet hatte: Die Gelände von jenseits waren nur von
zuseinander gezogenen Schützenzügen besetzt. Drauf und
dran! das Signal ertönte; die Reiter, welche hinter uns ge—
alten, saßen mit grimmen Mienen auf, den Pallasch in der
sechten, den Karabiner in der Linken. „Vive la France!“
choll es durch die Reihen, und die Massen seßzten sich in Ga
opp. Mit wehenden Standarten und flatternden Roßschwei⸗
en, die Offiziere weit in der Front, ich dicht neben Galli⸗
et, der seine totgeweihten Scharen zur Attacke führte. Jede
andere Truppe, dem Angriff, als wir wie eine Windsbraut da⸗
jinstürmten, preisgegeben, wäre wie Spreu auseinanderge⸗
logen. Die Deutschen hielten Stand. Aber da waren wir
auch heran. Kartaͤtschensalven forderten neue Opfer. Weiter
zing's — der Pallasch machte uns Bahn. Ganze Züge stürz—
en in die quer vorliegenden, tiefen Steinbrüche. Die Ueb—
igen raften weiter, mitten in die preußischen Reserven hin—
ein, welche sich uns entgegenstellten. Fast alle Offiziere fie—
sen — ganze Schwadronen wälzien sich in ihrem Blute, Vor—
värts!“ rief Gallifet, „Falle wer fällt. Es lebe Frankreich!
Air nachl“ Sein Saͤbei tötete wie der Blitzstrahl Gottes.
Ich hieb nieder, was mir vor die Klinge kam. Durch! Durch!
Jenseit der Höhe hielten wir an: Galuset, drei Offiziere und
echszehn Kürassiere. Alle andern waren auf dem Todesritt
zeblieben. Ich wandte mein Roß, das wie im Fieber zit—
erte und ganz mit Blut und weißem Gischt bedeckt war.
Mein letzter Blick fiel aus die Siadt. Vom Münster Sedans
vehte die weiße Fahne. Kapitulation! Tränen irübten mei—
nen Blick. aber Gallifet rief: Vorwärts. vive la France!“

Das Schiff hielt am Quai des Quatrons in Bordeaux.
Da Desiree die Gelegenheit, mit dem Grafen in einem Ho⸗
el zu wohnen, vermeiden wollte, nahm sie in einem Pen—⸗
ionat für Damen, welches den Namen Minerva führte, Auf—⸗
enthalt. Hier hatte Raoul d'Alincourt Schwierigkeit, ihr
den Hof zu machen. Desiree war dem rilierlichen Erasen
durchaus gewogen, aber gerade dieses Gefühl hielt sie von
ihm fern. Hätte sie ihm sagen können, daß sie Braut wäre,
'o würde sie unbedenklich mit ihm zusammengeblieben sein.
darum auch lehnte fie sein Anerbieten, die Nachforschungen
ogleich zu beginnen, ab und zog sich müde und wie zer⸗
Hhlagen in ihr Pensionat zurück. Um sich eines Teiles ihrer
Zorge zu entledigen, setzte sie sich sogleich nieder und schrieb
inen Brief an Tyrolt. damit er weniastens benachrichtigt
i

Berzeih' mir, daß ich, ohne Deinen Rat einzuholen, hier⸗
her ging. Mich trieb die Pflicht hierher, das ist meine Ent⸗
chuldigung. Nun bin ich in Bordeaux an der Schwelle des
Beheimnisses. Ich werde hier alles erfahren und Dir sofort
Bericht erstatten. Ich schwöre Dir, daß ich nicht ohne Nach⸗
eicht zurückkehren werde, den ich bin klug und auf der Hut
und werde alles auskundschaften, was uns zu wissen not
tut. Ich werde vor nichts zurückschrecken, schlau und tapfer
ein, bis ich den Vater gefunden habe, dessen Liebe ich um
jeden Preis wieder gewinnen will.“
Sie adressierte den Brief und ließ ihn auf dem
Zchreibtische liegen, nachdem sie jenen sorgsam geschlossen
zatte. Sie wollte ihn am andern Tage, wenn sie zu Mal—
vezin gehe, sebst zum Postamt tragen. Dann begab sie sich
in den Salon, um sich ein Essen auftragen zu lassen. Die
Pension war voller Fremder. Die Unruhe und der Lärm
waren ihr schnell zuwider. Sie speiste hastig und zog sich
auf ihr Zimmer zurück.
Ihr Körper und ihr Geist waren müde; die Augen
chmerziten sie. Sie beschloß, sich niederzulegen, ohne Licht
zu machen. Seufzend lehnte sie sich in die Kissen und dachte
iber ihre Lage nach, die durch die Bekanntschaft mit d'Alin⸗
ourt nud heikler geworden war. Wie konnte sie die Be⸗
verbungen dieses Mannes mit ihrer treuen Liebe zu Wal—⸗
emar in Einklang bringen? Sie suchte vergeblich eine Ent—⸗
chuldigung in ihrer kritischen Lage, und mit diesem Be—
nühen kam Vergessen über sie. Sie war entschlummert.
Der Traum spann ihre Gedanlken weiter sort. Sie wad
            
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