Full text : Dudweiler Zeitung

vifren Freisen mit Vorrrebe saus der ge—
zährlhichste Feind Englands gebrand;-narkt
 wird, keineswegs ungerecht und in
einer Weise, die uns erlaubt, Ddeutschland zu einem un—
erer besten Kunden zu zählen. Nichtsdestoweniger wäre
s jedoch ein Irrtum, wenn man diese eine Tatsache als
eine Regel betrachten wollte. Würden wir dies iun, so
vürden wir die Vorzugstarife, die unsere Kolonien mit
Selbstverwaluung uns im Interesse der Reichseinheit ge—
vähren, zu bedauern haben, und andererseits uns über
ie außerordentlich seindliche Behandlung, die uns der
Verbündete im fernen Osten durch seinen neuen Tarif an
zedeihen läßt, freuen müssen. Tatsächlich ist es eine un—
Olitische Handlungsweise zwischen Verbündeten, die wirt
chatlichen Beziehungen der Nationen zu erschweren. Die
etreffenden Regierungen können dies ja für eine gewisse
Zeit außer acht lassen, um wichtigere politische Zweclke
zu verfolgen, aber die Bündnisse werden dadurch ge—
schwächt. Heutzutage sind internationale Freundschafien
ticht auf die Beziehungen zwischen den Regierungen be—
schränkt. Falls sie nicht durch vollstümliche Suͤmmung
auf beiden Seiten unterstützt werden, werden sie nur von
weifelhafter Dauer sein. Diese Ansicht über Tarise möch—
en wir unseren politischen Freunden in Tokio zur Be—
üeksichtigung anempfehlen. Das anglo⸗japanische Bünd⸗
ais ist nicht so fest, daß es die Spannung aushalten
laun, der es jetzt unterworsen wird. — Daß ein Tory—
hlatt sich zu einer solchen Anerkennung des deutschen Ver—
zaltens auischwinat. ist wirklich eine Leittein⸗
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 17. Juli.
AWir bitten unsere verehrlichen Mit—⸗
dürger, und zwar hauptsächlich die Anwohner
er Saarbrücker Straße, am morgigen Festtage
iserer Bergleute ihre Häuser beflaggen zu
vollen.
Zum Bergfest. Die Belegschaft der Grube Dudweiler
tellt sich morgen früh zum Besuch der Gottesdienste in
Aniform bezw. Bergkittel auf dem östlichen Flügel von
Dudweiler (Hütte) auf, und zwar in 4 Abteilungen: 1.
Abteilung: 1289 (Führer Herr Obersteiger Becker), 2. Abt.:
0-22 (Führer Herr Maschinenwerkmeister Grosse), 3.
Abt.: Maschinenabt. und Tagearbeiter (Führer Herr Ma—
chinenwerkmeister Reutler), 4. Abt.: Grubenabteilungen
Jägersfreude (Führer Herr Obersteiger Kirst). Pro Kopf
»er Belegschaft sind 6.60 Mk. ausgeworfen, das macht bei
einer Belegschaft von 5200 Mann (einschl. 120 Beamten)
28600 Mark.
Veteranenfest. Wie aus einer Anzeige des Herrn
dektor Knorz zu ersehen, findet heute abend im kleinen
Zaale des Herrn P. Bayer eine Besprechung der Vor—
itzenden und Dirigenten derjenigen Vereine, die sich an
»em Veteranenfest beteiligen wollen, statt. Wir wollen
nicht versäumen, auch an dieser Stelle hierauf aufmerksam
u machen.
Theater⸗Saison. Morgen, Sonntag, kommt zur Auf—
ührung: „Muttersegen“ oder „Gottes Gnade ist groß.“
Dies ist ein fünfaktiges Schauspiel mit Gesang. Das Stück
st ein sehr volkstümliches und erfreut sich in allen
—chichten der Bevölkerung großer Beliebtheit. Freunde
eines guten Schauspiels sollten deshalb die Gelegenheit
uicht vorübergehen lassen, einige Stunden der Erholung
ind der Erbauung zu genießen.
Für den diesjährigen Zentrums-Parteitag bezw.
Delegiertenversammlung für den Regierungsbezirk Trier in
seunkirchen sind der 16. und 17. Oktober in Aussicht ge—
nommen.
Hindernis. Der Personenzug von Neunkirchen nach
Saarbrücken mußte am Donnerstag zwischen 6 und 7 Uhr
auf freier Strecke hinter Neunkirchen stillhalten. Ein auf
den Schienen stehender Kinderwagen, der wahrscheinlich aus
dem Gepäckwagen des Schnellzuges gestürzt war, war vom
Personenzug überfahren worden. Das Gerippe des Wagens
hatte sich in die Räder verwickelt. Es dauerte geraume
Weile, bis das Hindernis beseitigt war.
Aus der „Jugend.“ Bei einer bkonomischen Musterung
läßt der General die im Sanitätsdienst ausgebildeten
Mannschaften antreten und fragt: „Angenommen, Sie
reffen in der Stadt einen Soldaten in sinnlos betrunkenem
Zustande. Was machen Sie?“ — „Ich führe ihn auf
Wegen, wo ich keinen Vorgesetzten vermute, nach Hause,
lege ihn zu Bett, decke ihn nicht zu warm zu, lege ihm
nasse Tücher auf den Kopf und stelle einen Eimer zurecht
usw....“ — „Na,“ sagte der General, „Sie scheinen ja
darin große Erfahrung zu haben, was sind Sie denn?“
Er meinte natürlich im Zivilberuf) — Prompte Antwort
Bursche bei Herrn Leutnant Schulze.“
Die poetische Parkverwaltung. Man eeer
F. Ztg. aus Schmiedeberg (Schlesien): Auf einer Tafel
m hiesigen Stadtpark befindet sich folgende poetische Be—
anntmo⸗

Wie war das moglichr
„Ungeheuer einsach. Die guten Deutschen nahmen uns
Offizieren das Ehrenwort ab, keinen Fluchtversuch zu ma—
hen. Wer das Wort verweigerte, wurde bewacht wie der
zemeine Mannz wer es gab, erhielt die Freiheit, sich in den
Quartieren zu bewegen, wie er wollte. Ich verpfändete das
Wort und versteckte mich in Colombe, als der Transport
veitermarschierte. Dann vertauschte ich meine Uniform mit
einem Zivilanzug und entkam glücklich durch die Cote d'or
iach Nevers.“
„Und Ihr Ehrenwort,“ fragte Herr von Soumis ganz
erschrocken.
„Ich gab es den Prussiens, das verpflichtet zu nichts.
die Hauptsache ist, daß ich hier bin und bereit, in den Dienst
des Vaterlandes wieder einzutreten.“
„Sie haben recht“, entschied der Kommissar; „den Ver—
wüstern Frankreichs gegenüber fällt jeder Skrupel fort. Sie
wünschen jedenfalls eine neue Kapitaͤnstelle?“
„Eine Obristenstelle gebührt mir, lieber Freund!“ rief
Trepillon, sich in die Brust werfend. „Ich habe sie verdient
durch meine Bravour vor dem Feinde, durch meinen strate—
risch geistvollen Seitenzug, als ich den Prussiens entwischte.“
„Nun wohl“, sagte de Soumis, verschmitzt lächelnd.
Ihr Eifer ist anerlennenswert; ich hoffe, General d'Aurelles
chätzt Sie hoch genug, um meine Disposition, welche Ihnen
»as 204. Regiment andertraut, nicht zu mißbilligen.“
„Er wird entzückt sein, einen Offizier wie Trepillon in
einer Armee zu wissen.“
gad ist mit diesem Herrn, der in Ihrer Begleitung
am?“
„Mein Freund, Jean Bourlier, ein ausgezeichneter Offi⸗
ier,“ antwortete der Gefragte, seinen Begleiter vorstellend.
Ich stehe für seine Kenntnisse, seinen Mut und seinen Pa⸗
riotismus. Er ist das Ideal eines Kompagniechefs, wie
jeschafsen zu der Stelle, welche Sie mir zugedachi hatten.“
Herr von Soumis nickte dem Nähertretenden zu.
„Sie gehörten wahrscheinlich auch zu den Offizieren der
dapitulationsarmee?“
„Nein“, entgegnete Bourlier, „ich bin nicht Soldat ge⸗—
wesen, aber ich brenne vor Vegierde, dem Vaterlande meine
dienste zu weihen. Es gibt keinen erbitterteren Feind der
deutschen als ich. Ich hoffe, Großes zu leisten, wenn man
nich den Elenden gegenüberstellt, die mir alles, alles ge—
raubt haben.“
„Das klingt vortrefflich““, meinte Herr von Soumis kühl,
aber da Sie bisher noch nicht gedient haben, wird Ihnen
vohl nichts übrig bleiben, als das Chassepot zu schuliern.“
„Ein Troupier“ Das ist Wahnsinni“ schrie Trepillon
ornia. .Lassen Sie sich durch seine Bescheidenheit nicht be

dast du auf einer Bank gesessen,
Ddein Butterbrot dabei gegessen,
Zo wirf's Papier nicht achtlos fort,
da sonst verunziert wird der Ort.
Zteck's lieber ein, es kommt die Zeit,
Wo du es brauchest anderweit —!
lin streng befolgte Innehaltung
Ersucht die hies'ge Parkverwaltung.
Ein auf einer Bank angebrachtes Poem in demselben
Zark lautet folgendermaßen:
dast du gegessen und geruht,
Hetrunken aus der Flasche,
Zo steck die Reste — sei so gut —
Nur wieder in die Tasche.
Lapier und Glas sind keine Zier —
Das merke dir!“
Wassersnot und Wassersnot. Unter diesen Ueber—
hrift schreibt Herr Karl Engel Schmidt in Paris die fol—
enden in Deutschland und besonders in Elsaß-Lothringen
eherzigenswerten Ausführungen im Berliner „Tag“.
Da habe ich aus Deutschland einen Brief erhalten, der
nir, wie die Franzosen sagen, einen Schoppen guten Blutes
emacht hat. Tobias Rilp oder aber Hans Falstaff sagte
inmal: Es ist mir ein wahres Labsal, einen solchen Narren
u sehen. Mein Korrespondent, keineswegs ein Narr, aber
eine Idee ist über die Maßen närrisch — närrisch und
eutsch. Er schreibt mir nämlich, am Rhein und in seinen
stebentälern sei eine große Wassersnot, wobei Hunderte
on Menschen ertrunken, die Ernte vernichtet und mehrere
undert Millionen Geld verloren gegangen seien. Da nun
or einenm halben Jahr, als in Paris anderthalb Straßen
berschwemmt waren und die Keller von hundert Häusern
inter Wasser standen, die braven Deut'chen eine halbe
Nillion Mark gesammelt und nach Frankreich geschickt hät—
en, so sei es bei dem ungleich größeren Unglück, das jetzt
deutschland betroffen habe, nicht mehr als billig, wenn jetzt
ie Franzosen den Beutel auftäten. Ich solle also dafür
orgen, daß die Pariser Presse sich der Sache annehme.
darüber habe ich mich schief gelacht. Die Idee, daß die
ranzosen den deutschen Ueberschwemmten drei Pfennig
hicken sollten, ist wirklich ungefähr das Komischste, das man
ch denken kann. Erstens geben die Franzosen überhaupt
ichts her, zweitens geben sie den Deutschen nichts, drittens
tuß man verrückt wie ein Märzhase, sein Paris mit den
theinlanden vergleichen zu wollen. Wenn in Paris je—
iand hustet, hallt hundertfacher Donner durch die ganze
Lelt; wenn es am Rhein hundertmal donnert, vernimmt
ian in Paris nicht einmal einen leisen Hustenlaut. Ob—
leich ich die deutsche Presse nicht so ordentlich verfolge, wie
ch sollte, bin ich doch überzeugt, daß auch im Deutschen
Keiche selbst für die deutschen Ueberschwemmten weniger
held gesammelt worden ist als dereinst für die armen
Franzosen, die in Wahrheit überhaupt gar nicht über—
chwennit waren, sondern nur fo entisetzlich laut schrieen
ils ob ob sie ersaufen müßten. Wenn aber sogar die
ieben Deutschen für die angeblich überschwemmten Fran—
osen mehr Geld geben als für die wirklich überschwemmten
ind sogar ertrunkenen Deutschen, dann kann man doch von
en Franzosen nicht verlangen, daß sie ihre Geldbeutel
usschütten sollen. Davon sind sie überhaupt keine Freunde.
ürst Bülow hat sie ja ihrer Sparsamkeit wegen gelobt,
ind dieses Lob verdienen sie im höchsten Maße. Von den
und zehn Millionen, die den sogenannten Ueberschwemmten
Frankreich zugeschickt wurden, kamen nicht ganz drei aus
rankreich selbst, der große Rest wurde von den weniger
arsamen Ausländern aufgebracht. Wie sollen sie also
eld für die notleidenden Rheinländer haben? Man muß
ch merken: es gibt Wassersnot und Wassersnot! Wenn
in Rhein Menschen, Dörfer und Saaten ersaufen, so geht
as den Rhein und vielleicht noch die anstoßenden fünfzig
dilometer an. Wenn aber in Paris das Pflaster der
iferstrafen überschwemmt ist, ohne daß dabei ein einziger
Nensch ertrinkt, ein einziges Haus einstürzt, dann ist das
ne fürchterliche Kalamitaͤt für den ganzen Erdball. Denn
zaris ist der lichtspendende Mittelpunkt des Weltalls, und
as lausigste Haar des letzten Camelots hat sür die mo—
erne Kultur mehr Wert als sämtliche Winzer und Bauern
er beiden Rheinufer von Basel bis Köln. Wer das nicht
laubt, der weiß nicht was er spricht. Ein solcher Ig—
orant mag sich dann einbilden, es zieme sich, den Parisern
ie hohle Hand zu zeigen zugunsten der überschwemmten
theinländer. Ich werde mich hüten. diese Lächerlichkeit
uuf mich zu laden.
Saarbrücken, 16. Juli. Der Vorstand des national—
iberalen Wahlvereins des Wahlkreises Saarbrücken, der
estern eine Sitzung abhielt. nahm während derselben Ver—
nlassung, eine Resolution zu fassen, in der der Abg. Bas—
ermann volles Vertrauen ausgedrückt und die Preßangriffe
egen ihn lebhaft bedauern werde. Der Vorstand bedauert,
aß B. kein Reichsstagsmandat mehr annehmen wolle, drückt
iber die Hoffnung aus, daß seine Tätigkeit der Parte

rreit, STouinis, er
neinem Ehrenwort.“
„Na, na,“ meinte der Kommissar ironisch laͤchelnd — e
nochte wohl an das gebrochene Ehrenwort bei Colombe den⸗
en. „Kennen Sie Herrn Bourlier so genau?“ J
„Wie genau! Sahen wir uns nicht täglich in Sedan?
zhn und seinen Sohn, einen Leutnant der 8. Lanciers.
luch ein Genie, der Sohn. Was der im Kasino für Sekt—
dechnungen bezahlte! Es war kolossal. Er starb für Frank⸗
eich; der Vater erbte sein Talent. Sie können ihm unbe—
enklich eine Kompagnie anvertrauen. Ich werde Bourliers
zehrmeister sein; theoretische Kenntnisse besitzt der übergenug
- die praltischen sind meine Sache. Abgemacht?“
„Meinetwegen,“ nickte Soumis. „Sie haben die Ver—
ntwortung dem General gegenüber. Die Zeit drängt, ich
abe noch viel zu erledigen. Hier sind die Anweisungen
uf das Arsenal, hier die Bestellungen. Gott befohlen uͤnd
uf Wiedersehen, um einige Privatangelegenheiten zu
rdnen.“
Trepillon verstand ihn. Auch Bourlier wurde es klar,
aß nachträglich eine Anforderung an seine Kasse gemacht
erden würde. Was verschlug ihm das? Mit Barmitteln
ar er reichlich versehen. Sein Ziel war erreicht: er konnte
zten und töten lassen. Er war Kapitän wie Troepillon
berst.
Mit solchen Offizieren hoffte das neue Frankreich die
eutschen Sieger aus dem Lande zu treiben!
Bourlier war auf einem Rotrerdamer Schiff, welches
reisefertig im Hafen gefunden und auf dem er sofort
zassage genommen hatte, nach Bordeaux gekommen. Hier
esuchte er seinen Geschäftsfreund Malvezin, deponierte bei
ym überflüssige Gelder und erklärte, daß er vorderhand in
er Stadt bleibe. In Wahrheit hatte der racheglühende
Nann den Entschluß gefaßt, selbst in die Reihen der Lan—
esverteidiger zu treten. Die allgemeine Bewegung in
en Süd⸗Departements kam seinen Wünschen zu statten. So
eiste er geradewegs nach Tours wo die Werbedureaus waren.
Bevor sich Bourlier in dem Depot der Troupiers mel⸗
en konnte, war er dem ehemaligen Kapitän Trepillon be⸗
egnet, der sich ohne einen Sou in der Tasche umhertrieb.
ẽr kannte den abenteuerlichen Ofsizier oberflächlich. In Se—
an hatte er den Mann gemieden; hier schloß er sich ihm an,
bgleich Trepillon sofort seinen Säckel empfindlich erleichterte.
lls er jenem seinen Entschluß, sich anwerben zu lassen, mit—
eilte, erbot sich der Kapitän sofort, ihm eine Offiziersftelle
u verschaffen. Das Glück war ihm günftig genug, sein Wort
alten zu können. Freilich mußte Bourlier die Charge mit
inem Tausendfranksbillet bezahlen, welches wohl zum Teil
Trepillons Händen haften bließ

nnualill

erhalten bleibe.
Von der Saar. 13. Juli. (Vom Wein.) Die Nebel
er letzten Tage haben der Peronospora eine starke Ver—
reitung gegeben. Besonders sind jnnge Pflanzen und
zodenlagen betroffen, an Blättern und Träubchen findet
ian den Pilz. Hierdurch wird der Ernteertrag weiter in
rrage gestellt, nachdem in den letzten Tagen schon viele
räubchen, die durch die schlechte Witterung gelitten hatten,
bgefallen sind. Die Winzer rechnen jetzt schon nur mit
inem Ertrage wie im vorigen Jahr.
Völklingen, 15. Juli. Herr Kommerzienrat Röchling,
zorsitzender des Stahlwerksverbandes, ist auf Vorschlag des
zentralverbandes deutscher Industrieller vom Reichskanzler
mden Wirtschaftlichen Ausschuß berufen worden.
Schwalbach, 14. Juli. Bei dem gestrigen Gewitter
hlug der Blitz in das Wohnhaus des Steigers Süß von
er auf dem sog. Gluckenhof. Es war ein kalter Strahl.
das Dach- und Mauerwerk wurden jedoch stark beschädigt.
Kottweiler, 14. Juli. Spielende Kinder machten sich
n einem Wagen zu schaffen. Plötzlich schlug die Wagen—
eichsel dem 6 Jahre alten Hermann Müller von hier ge—
en den Kopf, sodaß der Knabe tot auf den Boden fiel.
Püttlingen, 14. Juli. Die neuen Glocken für die hie—
ge Pfarrkirche sind in Auftrag gegeben. Insgesamt sind
20 Zentner Metall zur Herstellung desselben nötig. Die
rößte wiegt 65 Zentner.
Vortmmund, 10. Juli. (Gerhangnisvoreer
zehltrittt.) In einer Feldbahnfabrit stürzte infolge
ines Fehltrittes der 14 Jahre alte Hülfsarbeiter Rudosj
zandel aus beträchtlicher Höhe und verletzte sich so schwer,
aß er kurz darauf starb.
*Bochum, 15. Juli. (Blitzschlag.) Bei einem
chweren Unwetter, das über die Gegend von Haltern
und Dülmen hinwegzog, schlug ein Biüitz in die westfä⸗
isch-anhaltische Sprengstoff Fabrik. Mit awäaltiger De—
onation flogen drei Pulvernmühlen in die Luft. Men—
chenleben sind dabei nicht zu Schaden gekommen, der Ma—
erialschaden ist bedeutend. Nach einer anderen Meldung
ind durch die Explosion mehrere Menge Häuser zerstört
orden.
* Essen, 15. Juli. (Darlehns wundel.) We—
en gewerbsmäßigen Wuchers hatte sich der Berginvalide
riedrich Trümpler aus Kettwig vor der hiesigen Straf
immer zu verantworten. Der Angeklagte betreibt seit
ahren ein sogenanntes Darlehensgeschäft als Selbstdar—
hensgeber. In emigen Füllen sollen die Zinsen, die
refür die Kergabe des Geldes berechnet hatle, sich auf
0—-80 Prozent belaufen. Er selbst bestreitet die ihm zur
Last gelegten Straftaten und behauptet, und zwar unwi—
erlegt, daß sehr viele Darlehenssucher aus eigenem An—
ciebe höhere Vermittelungsgebühr versprochen hätten. Die
dotlage, sowie die Unerfahrenheit der Darlehenssucher
»ollen ihm gänzlich unbekannt dewesen sein. Der Staats—
inwalt hielt den Angeklagten in mehreren Fällen für
ibersührt und beantragte 1 Jahr Gefängnis und 5 Jahre
xẽhrvernist. Das Gericht hielt vier Fälle des gewerbs—
näßigen Wuchers für nachgewiesen und verurteilte den
ngeklagten zu 6 Monaten Gefängnis unter Anrechnung
on 3 Monalten Untersuchungshaft.
* Recklinghausen, 15. Juli. eberfahrenes
dinn d.) Von einen Rutschwagen wurde hier der sjährige
zohn des Bergmanus End übersahren. Die Räder des
Vagens gingen dem Kinde über den Hals. Der Tod
at sosort ein.
* Duisburg, 15. Juli. (Die Zollbehörde
paßtnicht!, Die hiesige Strafkammer hielt in einem
zjerdeschmuggelprozeß eine Sitzung an der deutsch-höllän
ischen Grenze ab. Am 17. Novemiber v. J. harte der
lrveiser Gerhard Peters aus Elten mit seinen beiden
zöhnen Hermann und Franziskus einen Tranusport holl—
ndischer Pferde für den Pferdehändler Julius Heilbronn
nstatt die vorgeschriebene Zollstraße entlang, über einer
zrenzweg von Beek nach Elten gebracht. Er war auch
lücklich damit durchgekommen, ohne von den Grenzwäch
ern angehalten zu werden. Die Sache kam aber doch
eraus und Peters wie Heilbronn wurden wegen Zoll—
interziehung unter Anklage gestellt. Während der Ver—
and!ung vor der Strafkammer siellte sich zur Klärung
er Sachlage eine Ortsbesichtigung als notwendig heraus.
doer gesamte Gerichtshof vegab sich alsbald mit den An—
zellaggen und den Zeugen an die deuisch-holländische
zrenze nach Elten, wo die Verhandlung fortgesetzt wor—
»en ist. Diese endete damit, daß Gerhard Peters und
zulius Heilbronn wegen Vergehens gegen Paragrapher
35 und 136 des Zollgesetzes zu je 2700 Mark Geld
trafe und außerdem zur Erlegung des Wertes der einge
Hmuggelten 9 Pfierde in Höhe von 58550 Mnaereu·ñ
urden.
Muünsfter, 15. Juli. (Altertums-Falsifita—
e.) Hier wurde der Kunst- und Antiquitätenhändler Mal
»eimann auf Grund eines Haftbefehls der hiesigen Staats
inwaltschaft festgenommen und in Untersuchungshaft ab
jeführt. Er steht im Verdacht, umfangreiche Fälschungen
iamentlich romanischer und gotischer Holzskulpturen, vor
enommen zu haben. Mit Heimann sfollen verschiedene an—
ere Personen in Verbindung stehen, die von seinen
jälschungen wußten, ihm bei Beschaffung der Originale
ehilflich waren und ihm beim Absatze seiner Fälschungen
ur Seite standen. Er soll schon iahresang zahlreiche ge—

VDer neugebackene Oberst erwies sich noch weiterhin ar
zetreuer Freund. Er weihte seinen wohlhabenden Schützling
n die Geheimnisse des Gewehres, der Degenführung und
es Exerzier⸗Reglements ein, so daß der Offizier von we—
igen Stunden nicht mehr befürchten mußte, vor seinen Leu—
en als Laie dazuftehen. Dem 204. Regimente zugeteilt,
essen Oberst richtig Trepillon war, wurden Herrn Bourlie!
50 Leute übergeben, lauter undisziplinierte, neu eingeklei—
ete Bauern aus der Marche, welche man wie das Vieh her
eigetrieben. Seine Leutnants waren ehemalige Unteroffiziere
velche als Depotverwalter und Halbinvaliden gedient hat—
en, Menschen, die vom besten Willen beseelt, die Rekruten
rillten. Acht Tage später marschierte das Regiment die
Loire aufwärts bis Blois, wo Truppen, von Vendome kom—
—
ische Korps gebildet und nach Orleans dirigiert. General
»Aurelles ließ das Gelände nördlich der Stadt besetzen. Die
Ma4er wurden im Walde von Orleans vostiert und bis Ar—
enay vorgeschoben.
Der Feind ließ nicht lange auf sich warten. Unter dem
Rberbesehl des Generals von der Tann rückte das 1. bay—
rische Korps, durch die 22. preußische Division verstärkt, nach
züden. Vor Orleans angekommen, stießen die Bayern auf
ie französische Streitmacht. Neun Batterien beschofsen diest
ofort bei Artenay; zwei andere sandten ihre pünktlich tref⸗
enden Geschosse von Assas her in die rechte Flanke des
jeindes. Ein Teil des 1. bayer. Regiments nahm das hef—
ig umstrittene Artenay mit Löwenmut. Mit dem Bajonett
orwärts stürmend, räumten die Bayern nach stundenlanger,
»lutiger Arbeit die Gehöfte und Gassen, besetzten Haus für
daus und trieben die kriegsuntüchtigen Horden der neuen
rmee wie Hammielherden vor sich her.
Die Kriegsbegeisterung war verichmunden. der Patrio—
ismus erstickt.
Sobald die Feinde in nächster Nähe erschienen und die
dartätschen einschlugen, hielt die junge Mannschaft nicht aus.
llle waren auf ihre Rettung bedacht; sie liefen fort, Haupt—
iann und Unteroffizier, Leutnant und Gemeiner, und allen
oraus Oberst Trepillon, der seinen Braunen wacker an
pornte, um aus der gefährlichen Situation zu kommen. und
bourlier blieb auch nicht zurück.
Mit dem kühnen — der Rächer seines Sohnes
u werden, hatte er die Epauletten — genommen, jetz!
nußte er weichen, ohne das Bewußtsein, auch nur einen
Mann getötet zu haben. Auch seine Leute hatten nicht viel
dazugetan. Sie knallten nur so ins Blaue hinein, nicht ins
zlaue der bayerischen Röcke, sondern ziellos, ungewiß, ohne
leberlegung, nur um durch das Schießen ihre Angst zu
55uber

älschte Bilder abgesetzt haben, die samtlich in rassfinie«
Veise ausgeführt und von Originalsen kaum zu unt
heiden waren.
* Uunkel a. Rh., 15. Zuli. (EErtrunken.) Hier«
ein großer Kahn, als er an ein Schiff anfahren wollté
infolge Ueberlasuung gesunken. Von den zwei Inmsasse.
konnte sich einer durch Schwimmen retten, der ande
ertrank.
* Metz, 15. Juli. Bootunfall.) Zwei Bizesen
vebel der Metzer Garnison, eine Frau und ein Kind has
en eine Fernfahrt auf der Mosel unternommen. Geger
Mitternacht kippten die Nachen um. Die Insasien fiele.
ins Wasser. Beide Vizefeldwebel ertranken, während di
rau und das Kind aerettet werden konnten.
Unwetter. Wie über Berlin, so ging auch ÜUber
Potsdam ein schweres Gewitter nieder. Der Blitz schlus
unein altes Rüster, unter dem der gerade in Potsdan.
ingekommene Vizewachtmeister Harms, ein Schüler und
ein Kaufmann standen. Das Glockenspiel der Garnisons
irche ertönte, als der Blitz einschlug. Er hüllte der
saum in ein Flammenmeer. Die drei Personen, welche
unter ihm Schutz gesucht hatten, wurden zu Boden ge
tissen. Aus der Kommandantnur eilten sofort Soldater
zerbei und bemühten sich um die Verwundeten. Es ge
ang schließlich, sie ins Leben zurückzurufen. Alle drei lit
en unter Lähmungserfscheinungen.
Wolkenbruch. Aus Halle wird berichtet: Ei
Wolkenbruch zerriß bei Polleben den Bahndamm de
zalle⸗Hettstedter Eisenbahn an drei Stellen. Ein Güten
ug entgleiste. Das Lokomotivpersonal wurde schwer ver
»rüht. Die Strecke ist voraussichtlich auf einige Tage ge
perrt.
s Deutscher Schiffbau. In Gegenwart des Groß
herzogs Friedrich Frauz 4. lief auf der Neptunwerft
Roftock das größte dort erbaute Cchiff, ein für die
„eutsch-australische Dampfschiffahrts-Geseilschaft Hambur
bestimmter Frachtdampfer von 8000 Tonnen Tragfähig
eit, glücklich vom Stapel. Die Taufe wurde vom Bür
gerineister Wildsang-Wismar vollzogen. Das Schiff er—
ielt den Namen Wismar.
Falschmünzer-Familie. Wie aus Angerburg de
ichtet wird, sind dort der frühere Eisenbahnschaffner Su
zau nebst Frau und dem 15jährigen Rohn wegen Falsch
nünzerei verhaftet worden. Eine Anzahl Falsifikate, sr
vie Apparate zur Herstellung falscher Geldstücke wurd
eschlagnahmt.
Cholera⸗Panik. Aus Jekaterinoslaw (Rußland
vird berichtet: Das Auftreten der Cholera im Bergwerks
ebiet rief in allen Bergwerken eine kritische Lage her
or. Im Bergwerk Eriworog setzten die Bergleute au—
zurcht vor Erkrantung in den Schächten die Arbeit aus
die Hälfte verlangte Entlassung. Die Verwaltung, di
ie Einstellung des Betriebes befürchtet, weigert sich, di
rbeiter zu entlassen. In einigen Dörfern mit großer
drankenzahl weisen die Bauern die ärztliche Hilfe zurück
der Gouverneur ist in das Bergwerksgebiet gereist.
So ist's recht! Im Londoner Grafschaftsrat wurd—
in Antrag eingebracht, die Vorführung der Films de—
Jeffries-Johnson VBoxkampfes als nicht wünschenswert zu
zerbieten, da dieselben nicht einen gewöhnlichen Wettlamp
arstellien, sondern als ein Kampf zwischen der weißen
ind schwarzen Rasse ausposaunt seien. Der Antrag ist
tit 45 gegen 29 Stimmen angenommen worden. E
derden daher die vom Grafschastsrat konzessionierten Kine
natographentheater von der Vorführung der genannte
zilns absehen müssen

—üü ü———
Von der Lujftschiffahrt.
Die Ursache der „Erbslöh“-Katastrophe.
Fortgesetzt mehren sich noch die Stimmen, die ein
ẽrllärung über die Ursache der Katastrophe des Erbslköh
zuftschises zu geben versuchen. In der „Tägl. Rundsch.
ommt ein Fachmann zu einem Ergebnis, das von de—
ibrigen Erklärungen, die bisher abgegeben wurden, ab
veicht. Wir lassen einen Auszua aus den Darlegunge
olgen:
„Die größte Wahrscheinlichkeit hat jene Ursache su
ich, die auch ein anderes Prallschiff, das unseres Luß
chifferbataillons, wiederholt kennen gelernt hat: ei.
Schlaffwerden der Hülle, ein Verlust der prallen Form
ber dann die Steuerfähigkeit sofort aufhebt. Mit einen
Fnick in der Mitte hat das Militärluftschiff einmal ein
sturzähnliche Waldlandung, einmal eine Wasserlandun
unternehmen müssen. Um das Schlaffwerden zu verhü
ten, haben die Prallschiffe durchweg einen Ventilator, de
einen Luftsack, das sogenannte Bélonett im Innern de
großen Gashülle, je nach Bedarf aufbläst und damit de
Rest des Gases wieder prall gegen die Hülle drängt
Von der Arbeit dieses Ventilators hängt alles ab. Ver
agt er in einem Moment, in dem das Gas, etwa in
solge des Temperatursturzes in kaltem Nebel, sich schne
zusammenzieht, dann ist die Katastrophe da. Die „Zepr
lin Schiffe“ behalten unter allen Umständen wenigsten
ihre Form und infolgedessen konnte die „Deutschland
noch verhältnismäßig sanft, wenigstens ohne Opfer e
Menschenleben, im Teutoburger Walde stranden, währen
»er „Erbslöh“ wie ein Stein niedersauste. Der La
nacht sich kaum eine Vorstellung davon, von welcher Wi
ung die Temperaturunterschiede in den verschiedenc(
ruftschichten, besonders, wenn auch noch Feuchtigkeltsu
7Hiede hinzufonimen. sein können. Ich versönfich ho—

Crepillons Regiment hatte bei Assas gestanden um
wurde über Creucy und Chevilly zurückgedrängt. Als di
bayerischen Kürassiere in die fliehenden Reihen einhieben, ge
lang es der 2. Kompagnie der 204er unter Kapitän Bour
lier im Walde von Orleans Deckung zu finden, allerdinge
mit einem Verluste von 30 Mann, dem fünften Teile säm—
licher Leute.
„Das ist der Krleg“, ließ sich Oberst Trepillon hören
als sie im Waldesschatten endlich Platz zum Verschnaufen fan
den. „Machen Sie sich nichts aus dieser Schlappe, liebern
Bourlier, sie ist nur der Anfang zu einem großen Siege
Wir werden dennoch bei Orleans die Prussiens in die Pfann
hauen. Sie sollen nur kommen, die Blauen und die Schwar
zen, wir vernichten sie, angenonimen, daß der General mei
nen Direkltiven folgt.“
Allein d'Aurelles de Paladine hatte es anders beschlos
sen als Oberst Trepillon. Die französischen Streitkräfte wur
den langsam auf Orleans zurückgezogen. Die 204er rückten.
in die Stadt ein, wo sie in Bürgerquartiere gelegt wurden
da die Kasernen und öffentlichen Gebäude von Soldate
iüberfüllt waren.
Beourlier gelanate halbtot in sein Quartier, das ibn
bei einer alten Witwe in der Nähe der Place de la Vierge
angewiesen wurde. Als er eintrat, wußte er kaum, wo er sich
befand. Nach der Ueberanstrengung war eine entnervende
Reaktion über ihn gekommen. Von der Wirtin in ein klei—
—VV0
und Uniform auf das Bett hin und verfiel in Schlaf. Er
träumte von einer glücklichen Zeit, sah sich wieder an der
Zeite seiner schönen Gattin, die ihn leider so früh verlassen
satte, und die Kinder Olivier und Desiree spielten zu seinen
züßen. Und mit dieser Erinnerung erwachte er.
Das ganze Elend seiner Lage kam über ihn. Verzwei
felnd rang er die Hände und wußte sich keinen Trost. Da
fühlte er seine Brieftasche. Sie barg, außer dem Gelde, das
Bild seiner Gattin — es war das einzige Andenken, das er
aus der Villa bei Bazeilles mit sich genommen hatte.
Schwermütig befreite er das Bild von seiner Umhüllung
— es war eine Photographie, in Farben ausgemalt. Lange
aß er da, die Augen innig auf die friedlich holden Züg
zerichtet, umd gedachte — seiner Tochter Desiree, die er aul.
zegeben und verstoßen.
„Nein“, sagte er, „ich will nicht weich werden. Ich habe
echt getan. Die Zeit des Glücks liegt unwiederbringlich hin—
er mir. vor mix die Rache“

Forttehung
            
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