für den einen oder anderen Teu auszusprechen. Aus die
sem Grunde müsse das Ziel Frankreichs dahin gehen, seint
diplomatischen Beziehungen denjenigen Englands anzu
passen, um einen bewafsneten Konflikt zu vermeiden, der
durch die Meinungs-Verschiedenheiten zwischen den Verei—
nigten Staaten und Japan zu befürchten sei, sowie weger
des möglicken Konslittes, der durch die Rolle des Ha
fens von Wladiwostok verursacht werden könne. Es se'
daher für Frankreich unumgänglich notwendig, wenn es
seine Rolle als Großmacht weiter spielen wolle, über eine
mächtige Flotite von Panzerschiffen zu verfügen, welche ee
in die Lage ver ebe, einen Krieg in weiter Ferne zu un—
ternehmen
Ein großes Eisenbahnunglück.
* Mülheim, 31. März. Der Lloyderpreßzug Altona
Senua, der 1.26 Uhr von Düsseldorf abfährt und um
2.05 Uhr in Köln eintreffen soll, fuhr Mittwoch kurz vor
Mülheim am Rhein von hinten auf einen Militär—
zug, der Osterurlauber nach Elsaß-Lothrin
genn bringen sollte. Die drei letzten Wagen des Militär
zuges sind vollständig zertrümmert. Die Zahl der Toten,
die teilweise gräßlich verstümmelt sind, wird zwischen 25
bis 80, angenommen.
Zu dem folgenschweren Unglück erfahren wir noch fsol
zende Einzelheiten: Das Eisenbahnunglück ereignete fic
n der Nähe der Ueberführung an der Gladbacher Straße,
700 bis 800 Meter vom Bahnhof entfernt. Der von Düs—
seidorf kommende Militärzug hatte Haltesignal und
durf.e in den Bahnhof nicht einfahren. Ob der Expreß
zug, der in einer flachen Kurve ankam, auch Haltesignal
hatte, ist nicht zu erfahren. Die Lokomotive fuhr bis in
die Hälfte des lebten Wagens und bildete mit diesem eine
kompakte Masse, die nur mit Mühe von Lokomotiven aus—
inandergezogen werden konnte. Der letzte Wagen ist zur
Hälfte zerrümmert. Die darin befindlichen Militärperso
den mußten durch das Dach, das abgehauen werden mußte
herausgezogen worden. Der zweitleßte Wagen blieb ziem—
lich unverletzt. Ter dritte Wagen suhr durch den vierten
zurch und durch und rasierte ihn zu Trümmern und zu
Splittern von dem Wagengestell herab. In diesem Wa
gen konn!e kaum einer mit dem Leben davonkommen.
Der fünfte bis siebente Wagen sind nur zum kleinen Teil
»eschädigt. Die Wagen waren sämtlich dritter Klasse. To
ind 19 Personen, 25 tödlich verwundet, eine größere An
zahl Leichtverletzter wurde in die Krankenhäuser von Mül
zseim, Deutz und Köln überführt. Der Erxpreßzug bliel
ast ganz unbeschädigt und konnte nach Köln weiterfahren.
Sinige Passagiece haben leichte Verletzungen erlitten.
Als Ursache des Eisenbahnunglücks in Mülheim
st das Ueberfahren des Haltesignals durch den Expreßzug
estgestellt worden. Das Signal stand richtig und ist vow
Lokomotivführer übersehen worden. Eisenbahnminister v
Breitenbach hat das in Betracht kommende Perso
naal selbst verhört. Nach amtlichen Angaben beläuft sich
die Zahl der Toten auf 19. Ferner sind 39 Soldaten
ind 2 Schaffner schwer verletztt, eine größere
Anzahl Perfonen ist leichter verletzt. — Der Köl—
rer Gouvernenur besuchte die Unglückssstätte bei Mül—
zeim. Die Eisenbahnverwaltung in Köln entsandte einen
Zug mit Hilfsmannschaft; ein Arbeitszug ging von der
Werlstätte Opladen ab. Die Befreinng der Verwundeten
und Leichen ist sehr mühsam. Die Soldaten gehörten den
stegimentern Nr. 93, 130, 131, 144 und 145 an.
Die Bergung der Toten und Verletzten gestaltete sich
iußerst schwierig. Besonders bei den in einander gescho
»enen Wagen machten die Versuche, in das Innere de
Wagen zu dringen, anfänglich unüberwindliche Schwieria
eiten. Es bedurste stundenlanger Arbeit, ehe die anstren
genden Arbeiten von Erfolg begleitet waren. In der
Abendstunden trafen bereits aus Westfalen zahlreiche Fa
nilien in Mülheim ein und erkundigten sich nach ihren
Angehörigen.
Namen der Getösteten und Verletzten
Dio bei dem Eisenbahnunglück getöteten Personen sind:
ie Musketiere Fischer, Krzycniak, Schuck, Benzola, Möh
en, und der Hornist Röttgen, sämtlich aus Metz; ferne
ex· Musletier Brudftet, der Gefreite Köhler, der Ka
xonier Bedors und die Musletiere Suenning, Bongers
Kleczkowsli. Renz, Kokoweinski, Köhler, Ortmann, Ku
letzkit, Schnock und Rreuß. Schwer verletzt sind
Steinchen, Hezet, Bollwerk, Budzinski, Theodor Worberg
Greschkowiak, Heimann, Kot hoff, Wawrzyniak, Brücker
Marr, Burmann, Baloniak, Kozak, Peblansk“ *ayncko
wiak, Woyczeyk, Mrasek, Sösteen, Budnick, W— 3, Mi
kolezyk, Spelleken, Jäger, Ulot, Wewers, Doncz9l, Häus
ler, Kurek, Osterland, Meyer, Heitrich, Zdiarstik, Krako
wick, Presloski, Wiedelmann. Hage, Sypakowski, Hofschen
Brhsmann, Köpfert, Terfoorth, Teerhaan und Draczenski
* 242 ⸗
Von der Luftschiffahrt.
*Ballonhalle in Düsseldorf. Die Düsfl—
dorfer Stadtvorordneten stimmten einem Vertrag mit der
Deutschen Luftschiffahrts-Gesellschaft über die Veranstalt
ung von Flügen von Düsseldorf aus in der Zeit vom 18
JInuni bis 31. Juli und vom 1. Oktober 1910 bis 31
Mai 1911 zu. Die Stadt verpflichtet sich, außer entspre
chender Herrichtung des Landungsplatzes eine Ballonhall—
zu bauen. Die der Stadt entstehenden Kosten werden c—
gen ste sehnfuchtsvonn und schmergend. Von den Zuhörertn.
ahnte nur einer, was in der Seele des Spielers vorging:
Der Fürst. Er hielt förmlich den Atem an, um besser hören
zu können.
Seit Santoff die Schwelle dieses Hauses überschritten
hatte, fühlte er auch, daß das, was ihn um Siegfrieds Wil—
len hierhergeführt, einen schweren Kampf bedeutete, sowohl
für den Freund, als auch für dessen Eltern.
Das Spiel des jungen Grasen wurde immer sanfter,
und ging endlich in eine schwermütige, reizende Melodie
iber, durch die es wie verbaltene Tränen klang.
„Ah, — das Heimatlied“, murmelte Santoff erleichtert
uufatmend. Dies wilde Spiel hatte ihm fast bange gemacht,
es hatte ihm wie ein böser Traum die Sinne beschwert, wie
etwas, das man gern von sich abschütteln möchte. Nach ei—
nem kurzen Vorspiel begann Siegfried mit weicher Tenor—
stimme, die sich unwillkürlich in die Herzen der Zuhörer
ichmeicheste
„Ein süßer Laut umschmeichelt meine Sinne
Gleich einer Mutter Kosewort.
Wie Worte tiefer, süßer, heil'ger Minne
Tönt's mir im Herzen immerfort:
Traute Heimat sei gegrüßt.
Ein heiß Gefühl den Busen mir durchglühe
Vein Wesen wunderbar erfüllt.
Zu dir, wo reiches Glück mir still erblühet
Zieht mich die Sehnsucht ungestillt!
Traute Heimat sei gegarüßt!“
Wie ein Hauch war der letzte Ton verklungen. Gräfin
Luise hatte Tränen in den Augen, als das Lied zu Ende
war und ihr Sohn auf sie zutrat.
„Das war schön“, sagte sie einfach, ihm die Hand drük⸗
lend, auch Graf Düren stimmte bei: „recht wirlungsvoll, in
der Tat, so haft Du selten gespielt.“
„Gieb' mir, bitte, das Manuskript, wenn Du es bei
Dir bost“, begann die Gräfin wieder.
„Wozu Mutter?“
„Ich möchte es mir zum Andenken an den heutigen
Abend aufbewahren, außerdem will ich es nochmals durchle⸗
en.“
„Hier ift es“, erwiderte Siegfried und entnahm seinev
Bricstasche einen zusammengefaltenen Bogen. Die Gräfin
strich wie liebkosend darüber hin.
„Es hat mir sehr gefallen — sehr“, sagte sie noch ein—
mal.
Die Gesellschaft sab sich wieder zurück in das vorige
n 0bO Mark betragen. Außerdem wurde veschroffen, ver
düsseldorser Ortsgruppe des Deutschen Luftflottenvereines
ur Veranstaltung von Schauflügen mit Aeroplanen eine
Beihilsfe von 3000 Mark zu gewähren.
*Der neue Lenkballonsin Kiel. Ueber der
Aufstieg des neuen Kieler Lenkballons schreibt ein Augen
zeuge dem „B. T.“ folgendes: „Der Mechaniker Stessen,
Sohn eines Gastwirtes in Kronshagen an der Peripherie
»on Kiel, war mit Unterstützung einiger Bauern der Um—
zegend an die Ausführung eines Motorluftschiffs herange—
treten, dem das Prinzip der Halbstarren zugrunde geleg
worden war. Ziemilich unbeachtet vollzog sich die Fertig—
tellung dieses Luftschiffs kleinster Dimensionen, denn der
Ballonkörper faßte nur 500 Kubikmeter. Das in Bambus
ind leichten Hölzern gehaltene Gerüst der Gondel, das
in der üblichen Art mit der Hülle verbunden ist, träg
inen 405PS. Motor von etwa 90 Kilogramm Gewicht,
'o daß mit Betriebsstoff und einigem Ballast die Auf—
iahme von zwei nicht allzu schweren Personen möglich
ist. Der für Karfreitag geplante Aufstieg war der Kieler
Feuerwehr avisiert, um sich deren Hilfe bei irgendwie ent
ehenden Unfüllen zu sichern. Die Füllungex Wasserstoff
ollzog sich obhne Schwierigkeit. Der Konstrutere en
cahm allein in der Gondel Platz und leicht erhobb
as Luftschiff, um binnen kurzer Zeit bis zu etwa 300
Neter emporzuststeigen. Steffen hat bisher weder eine
fahrt im Lenkbaren noch im Freiballon gemacht und rann
uf eine Prarxis im Ballon deshalh keinerlei Anspruch
tiachen. Bald neigte sich denn auch die Spitze zur Erde
ind mit erheblicher Geschmindigkeit schoß der Lenkbare
ernieder, um in einem Knick zu landen. Die Beschädig
ungen an dem starren Teilt waren nicht sehr erheblich
uch der Führer kam ohne sonderlichen Schoc davon. Der
Notor aber siand und da der Ort zur Landnung völlig
ungeeignet war, so gab der Führer Ballast und stieg mü
‚bgestelltem Motor als Freiballon wieder auf, um auf
inem dafür sehr geeignetem Wiesenterrain gut zu landen.
)stern unternahm der Erfinder Steffen mit seinem Lenk
allon „Kielia 1“ in Kronshagen die zweite Fahrt. Sie
elang besser als die erste. Das Schiff, das direkt gegen
en Wind fuhr, führte mehrere vortrefflich gelungene Ma—
löper aus? Es erreichte eine Höhe von 600 Metern und
lieb eine Stunde lang in der Luf
— —
Lokales und ZDermugtes.
Dudweiler, den 1. April 19810.
Ausstellung. Bei der Ausstellung von Polizeihunder
n Neunkirchen erhielt Herr Direktor Pankow in Dudweiler
iuf seinen Hund „Nero“ (Führer Schutzmann Seiter in
dudweiler) einen 3. Preis und Leistunasbewertung „gut“
Poft. Die Postschalter sind von heute, 1. April ab,
zon morgens 7 Uhr an geöffnet. Die innere Einrichtungß
inseres neuen Postamtes ist eine vollständig der Neuzeit
intsprechende: es sind für die Abfertigang des Publikums
3 Briefschalter und 1 Paketschalter vo anden. Für Fern
espräche ist eine Extrazelle mit scha ichten Wänden ein—
gerichtet. Der ganze innere Ausbau cäsenliert sich in hüb—
cher für das Auge angenehmer Wes.
Unser' Stadttheater⸗-Ensemble im Nassauerhof hat
jestern abend das reizende Lustspiel „Liebes-Manöver“ zur
Aufführung gebracht. Das Spiel war ein gutes und recht
lottes. Die Damen erschienen alle in hocheleganten Toi—
etten, die Herren als Offiziere in tadellosen Uniformen.
Aber auch die Bühne selbst, welche die Wohnung des Obersi
v. Velsen darstellte, war auf das geschmackvollste ausgestattei
ind wir können mit Bestimmtheit sagen, daß das Unter
iehmen jeder Großstadtbühne nichts nachgibt. Heute abent
geht, der Schlager der Saison „Fräulein Mama“ in Szene
ein reizendes Werk, daß wir jedem den Besuch aufs Beste—
mpfehlen können. Herr Reuß fpielt den Baron v. Kahlen⸗
herg, eine komische Rolle, welche die Besucher aufs Best
müsieren wird, Fräulein Granzius, die fesche Liebhaberin,
pielt die Titelrolle, ebenfals alle andern Rollen sind aufs
Beste besetzt.
Am Denkmal des Fürsten Bismarck auf dem Schloß
alatz in Saarbrücken ließ hente vormittag der Bismarckklub
ser Getreuen in Saarbrücken, der das Denkmal mit Tannen⸗
rün, Fähnchen usw. auf das Prächtigste hatte ausschmücker
assen, durch eine Abordnung einen Kranz niederlegen, desser
-chleife die Widmung trug:
„Tief in des deutschen Eichenstammes Rinde
Grubst du, Gewalt'ger deinen Namen ein.
Daß niemals diese Runenschrift verschwinde,
Dein Volk will heut und ewig Hüter sein.
Schulanfaug. Am nächsten Montag beginnt der Unter—⸗
icht in den Volksschulen um halb 8 Uhr vormittags.
Singefandt. Dem Umbau des früher Enderleinschen.
zauses (Ecke Brücken- und Saarbrückerstraße) ist zum großen
Zedauern vieler Interessenten der dort befindliche Brief—
aften zum Opfer gefallen, Wir mäöchten nun dringend
zitten, ihn in der Nähe seines früheren Standortes wiedern
inbringen zu lassen und schlagen als geeigneten Platz da
für den Nassauer Hof vor. Wenn auch das Postamt selbsti
nn die Saarbrückerstraße verlegt worden ist, so dürfte doc
Zin Ir, wo inzwischen eltnige kalte Platten serviert worden
waren.
Man gruppierte sich um die Tafei.
Dieses Lied war eigentlich schuld,.“ nahm Fürst San⸗
toff die Unterhaluag wieder auf, „daß wiv Fräulein Alice
Bernhardi, von der wir vorhin sprachen, näher kennen lern⸗
en. Wir waren zu einer kleinen Soiree geladen, wo die
Dame ebenfalls anwesend war. Man bestürmte Siegfried mit
Bitten um einen seiner meisterhaften Vorträge, und zuletzt
zab er, als der Beifall kein Ende nehmen wollte, das Lied
sum besten. Alles war entzückt, Fräulein Bernhardi eben—
jalls, und sie ließ mit Bitten nicht nach, bis ihr das Manus—
kript ausgehändigt wurde. Sie sang es seitdem einige mal
im Konzertfaal, und erntete immer rauschenden Beifall.“
Der Gral atmete nun sichtlich erleichtett aui. .
J5 „Und — das ist — alles?“ fragte er, indes die Präsb
dentin, die aufmerksam zugehört hatte, wieder in ihren leich⸗
ten und spöttischen Ton verfiel:
„Also, deshalb wurden Sie so bevorzugt. Die Dame
sat wohl einen tiefen Eindruck auf Sie gemacht?“
„Auf mich?“ O gnädige Frau, wenn Sie wüßten, wie
lief das Bild meiner geliebten, leider mir so früh entrisse—
nen Gattin in meinem Herzen wohnt, Sie würden nicht so
fragen“, entgeanete der Fürst traurig mit einem tiefen Seuf⸗
er.
ANh, entschuldigen Sie, ich habe da unvorsichtiger Weise
eine noch unvernarbte Wunde berührt —“
„Die auch sehr wahrscheinlich nie vernarben wird“, er—⸗
gänzte Santoff wehmütig, als sie innehielt.
„So müssen Sie nicht sprechen, Sie sind noch jung, das
deben liegt noch vor Ihnen“, fiel Graf Düren ernst ein.
Siegfried erwähnte in seinen Briefen oftmals, daß Sie sich
so sehr Ihrem Schmerze hingeben. Sie sollten doch auch an
Ihren Sohn denken, dem Sie sich zu erhalten trachten müs⸗
len. Wie alt ist denn der Kleine jetzt?“
‚Ein halbes Jahr etwa“, antwortete Santoff gepreßt.
„Und so lange haben Sie ihn nicht mehr gesehen?“
.einl Ich floh sofort nach dem Tode meiner Gatlin
zie Stätte meines verlorenen Glückes, und werde vorläufig
iuch nicht dahin zurückkehren. Ich lasse mir täglich über das
Befinden des Kindes Bericht erstatten, die Nachrichten lau—
en sehr günstig, ich kann vollständig beruhigt sein.“
„Aber ein kleines Kind verlangt sorgfältige Pflege“,
nischte sich die Präsidentin wieder ein, „die Dienstboten sind
öllig unzuverlässig. Sie können doch Ihren Sohn nicht so
insam aufwachsen lassen, und werden schon um des Kindes—
oillen daran denlen müssen, sich wieder zu vermählen, da⸗
nit ihm die zarte Sorafalt zu teil wird. die ed au seinem
erade dort, wegen des starken Personenverkehrs ein Brief⸗
asten besonders gut angebracht sein.
Mehrere Bürger.
Eingesandt. Wie alljährlich, so wird auch der Verein
ier nationalliberalen Jugend in diesem Jahr einen Bis—
narck-Kommers am Sonntag den 10. April abends 8 Uhr
im Saale des Gastwirtes Herrn Joh. Fries veranftalten
um des Reiches Baumeister des Fürsten Otto von Bismarc
zu gedenken. Nach dem uns bekannt gewordenen Programn
teht den Mitglieder mit ihren Angebörigen ein genußreicher
Abend bevor.
Polizeibericht. Im Laufe des verflossenen Viertel—
ahres gelangten zur Anzeige wegen Vergehen und Ver—
»rechen 142 Personen wegen Uebertretung 262 Versonen
Festgenommen und im Verwahrlokal untergebracht wurden
22 Personen, wegen Unfugs pp. 3 Personen, wegen Bettelns
Soldat wegen Urlaubsüberschreitung, 3 Entsprnngene
Fürsorgezöglinge. Obdachlos meldeten sich eine weibliche
und 23 männliche Versonen.
Zur Aufklärung. Folgender Artikel ist uns mit der
Bitte um Aufnahme zugegangen. Die Verantwortung müs—
en wir dem Einsender überlassen. Die Saarpost veröffent—
licht in ihrer Nr. 69 vom Montaq, den 14. März in der
kKubritk „Aus der Geœwerkschaftsbewegung“ einen
ürtikel unter dem Titel „Entlarvte Berlinerei“. Jeder
oyal denkende Arbeiter, der nur einigermaßen mit den Ver—
ältnissen der Werkstättenarbeiter der Königl. Saargruben
nd ihres Verbandes bekannt ist, muß über diese Art, wie
ier die Grubenhandwerker und besonders die, welche dem
zrubenbandwerkerverbande angehören, behandelt werden
ein Mißfallen aussprechen. Der Artikel bringt Unwahr
eiten und gehässige Angriffe auf den Grubenhandwerker
erband und auf die „Berliner“ resp. ihre Fachabteilungen.
zmm Voraus sei erklärt, daß die „Berliner“ mit unsere:
zache gar nichts zu tun haben und unserem Verbande
Janz fernstehen.
Nun zu dem Ariikel selbst. Wenn gleich zu Anfang
esselben von großen Erfolgen der „Christlichen“ gesprochen
bird und von einem früheren „Lokalverbande“ der Werk—
lättenarbeiter, der also heute nicht bestehen soll, so ist das
eine Verdrehung der Tatsache, um die öffentliche Meluung
ind die Grubenhandwerker selbst irre zu führen. Demgegen«
iber kann ich erklären, daß der Grubenhandwerkerverband
rach wie vor noch weiter fortbesteht. Wenn auch wirklich
200 Leute von den 1600 Werkfstättenarbeitern sich der
hristlichen Metellarbeiterverband angesch'ossen haben sollen,
vas ich einstweilen noch sehr bezweifle, so ist damit die
kristenz des Verbandes noch lange nicht vernichtet. Welche
Sympathie für den Anschluß an den christlichen Metallar⸗
zeiterverband unter den Werkstättenarbeitern der Saar
zruben herrscht, davon geben die letzten Versammlungen
inseres Verbandes das beste Zeugnis. In ver letzten Voc—
tandssitzuna, welche Ende Februar in Dudweiler stattfand,
saben sämtliche anwesende Vorstandsmitglieder namens
hrer Lokalabteilungen erklärt, falls unser Verband sick
»em christlichen Metallarbeiterverbande anschließe, würder
ie und ihren Lokalabteilungen aus dem Verbande austre—
en. Auch in den beiden lekzten Versammlungeu am 6
ind 18. März in Friedrichsthal resp. Louisenlhal herrschte
»ieselbe Meinung. Die 300 Werkstättenarbeiter, welch
ich dem Metellarbeiterverbande angeschlossen haben sollen
sind jedenfalls Leute, welche schon früher den christlicher
dewerkschaften angehört haben und sich zum Metallarbeiter
erbande überschreiben ließen, vielleicht auch Maschinister
velche mit dem Werkstättenarbeitor überhaupt nichts zu tur
saben.
Der Verband der Werkstättenarbeiter der Kal. Saar
zruben wurde gegründet zur Vertretung der lokalen Inter
ssen der Werkstältenarbeiter, zur Förderung von Kamerad
chaftlichkeit und zur VPflege treuer vaterlöndischer Gesin
aung. Er zäblt u seinen Mitaliedern solche Leute, welch
der Gewerkschaft, der Fachtabteilung und keiuer Organisation
angehbren. Zur Erreichung unseres Zieles haben wir
bisher friedlich miteinander gearbeitet, und keinem wurd
wegen seiner Zugehörigkeit zu einer Organisation zu nahr
jetreten. Früher, ehe unser Verband bestand, hat sich di
dewerkschaft nicht um die Grubden Handwerker gekümmlrt
egt, nahdem derselbe besteht, glaubt man einen gute
Jang machen zu können und sucht deshalb mit allen mög
ichen Mitteln Uneinigkeiten in die Reihen der Gruben
sandwerker zu bringen und so den Verband zu sprenger
ind seine Mitglieder für die eigenen Zwecke zu gewinnen
dies ist aber nach Lage der Verhältnisse, wie ja auch dic
ve iletzten Versammlungen es bewiesen, unmöglich. In
genannten Artikel und auch in Versammlungen beschäftigen
ich die „Christen“ auch mit unserem Monatsbeitrage! Das
st doch eine Sache, die uns lediglich aklein angeht. Di—
risenbahner, auf die man sich in dem Artikel berufen, waren
lug genug, trot ihres Anschlusses sich ihre Selbständigkeit
u wahren. Sie haben sich wohl angeschlossen, auch soli
Sedeihen nicht entbehren lann.
„und Sie glauben, daß eine Stiefmutter dem Kinde
diese „zarte Sorgfalt“ angedeihen lassen wird?“ —
ganz gewiß“, erwiderte die Prastdenten eisrig, Iweinn
eine Gattin finden, die Sie liebt, so wird sie diese Liebe
Nauf das Kind übertragen.“
Devr Fürst konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken,
als er sah, wie die Wangen der Sprecherin sich immer hö—
jer färbten.
Meine Guüter liegen ziemlich einsam“, hob er wieder an,
hart an der österreichischen Grenze, wer weiß, ob eine Frau
ich dort glücklich fühlen würde, ich selbst bin ein stiller
Mann geworden, und wenig geeignet, den Gesellschafter ei—
ner anspruchspollen Frau zu spielen.“ —
Es amüsierte ihn, die Praͤsidentin so in Eifer geraten
zu sehen.
Ja, müssen Sie denn gerade eine „anspruchsvolle Gat⸗
in“ wählen?“ fragte sie sanft.
„Das kann man doch im Voraus garnicht wissen, au⸗
zerdem sind die Frauen alle mehr oder minder anspruchs⸗
„‚oll, das stellt sich gewöhnlich erst nach der Hochzeit heraus.
„O, Sie sind boshaft, Fürst, und tun den armen Frauen
AInrecht.“
Lothar fiand mit auf der Brust verschränkten Armen und
insterem Gesicht dabei. Er bemerkte sehr wohl den spötti⸗
chen Blick, den Santoff mit Siegfried tauschte, und fühlte
ogleich heraus, daß die beiden sich über seine Mutter lustig
zachten. Er kannte auch genau ihre Schwäche, die auf eine
rochmalige Verheiratung hinauslief.
„Du wolltest doch vorhin mit mir einen Gang durch den
park machen, Mama', suchte er sie abzulenken, doch sie wies
en Sohn ganz entsetzt ab.
„Wo denkst du hin, Lothar, jetzt ist es viel zu kůhl ge⸗
vorden; um keinen Preis möchte ich noch den Park auf⸗
uchen.“
Wiederum zuckte es verächtlich um die Wundwinkel San⸗
offs.
ß „Aber uns beiden könnte eine kleine Promenade im
Nondschein nicht schaden“, wandte er sich an Siegfried. „Was
neinst Du, wenn wir noch ein wenig frische Luft schöpften?
Ich liebe das und man schläft auch besser“
Ich bin gern bereit, Arer.“
„So komm.“
ols Lothar bemerkte, daß seine Mutter sich anschickte,
rotz der „Kühle“ ebenfalls mitzugehen, vertrat er ihr ener⸗
isch den Weg.
„Du bleibst hier“, flüsterte er, „Fühlst Du denn nicht,
vie Du Dich lächerlich machst?“
Zaut fügte er binzu: Kamm, Mama, wir wollen jetz
narisch erklärt, in allen sozialpolitischen Fragen; haben aber
hre eigene Verwaltung und Kasse Die zweifelhafteste Gr—
rungenschaft der Gewerkschaft ist wohl die, daß man die
Fisenbahner za ihrem eigenen Schaden gespaltet hat. Nach
allen Erfahrungen, die wir bisher gemacht haben, dürfte
es jedem denkenden Menschen klar sein, warum die Gru—
benhandwerker so wenig Symvathie für den Metallarbei—
rerverband haben und so treu an ihrem „Verbändchen“
fesihalten. Man will mit Leuten, die so radikal gegen
Andersdenkende vorgehen, nichts zu tun baben. Wir sind
gerne bereit, an der Verbesserung der Lage der Arbeiter
nitzuarbeiten und zur Lösung der sozialen Frage unser
Teil beizutragen, so weit es in unsern Krästen steht, aber,
zei solchem Auftreten der „Christlichen“ lehnen wir es ab
nit ihnen gemeinsame Sache zu machen
J. Veith,
Vorsitzender des Grubenhandwerkerverbandes.
Von den Saargruben. Die Einführung der Mar—
enkontrolle auf sämtlichen Saargruben ist geplant. Es
'oll dieselbe Markenkontrolle werden, wie sie in anderen
Bergbaurevieren und namentlich in Westfalen schon besteht.
Ddadurch wird das Verlesen vor und das Abmelden nach
der Schicht in Fortfall kommen. — Im Berawerkdirektions⸗
»ezirk Saarbrücken werden zum 1. April üher 39 ehemalige
Bergschüler zu Hilfssteigern angestellt. Nach einer Ver—
füqung der Königl. Berawerksdirektion ist das Gehalt
er Hilfssteiger von 1400 Mark auf 1550 Mark jährlich
»rhöht worden. Sollte nach einem Jahre die Verstaatlich—
ing der Hilfssteigerlaufbahn nicht erfolgen, so erhalten sie
im zweiten Jahre 1630 Mk. Gehalt. — Wie verlautet,
verden die im Bergetat vorgesehenen Assistentenstellen auf
den Gruben bestimmt eingeführt werdeun. Es kommen hier⸗
siür die Steiger üher Tage in Betracht. Die Grubenbe—
amten sprachen sich in der letzten Versammlung des Ver—
bandes techn. Berg-, Hüttene und Salinenbeamten ein—
timmig gegen die Einführund dieser Stellen aus, und es
vurde eine Deputation gewählt, die u. a auch beim Herrn
»dandelsminister Sydow vorstellig werden sollte. Die Bitte
im Gewährung einer Audienz, die der Verbandsvorstand
in den Herrn M'nister richtete, ist bis jetzt unbeantwortet
zeblieben. Saarbr. Volkszta.
Saarbrücken, 1. Apris. Verbrannt ist am 1. Oster⸗
eier'ag auf der Wiese zwischen Malhosen und dem Pfaf—
enkopf das 5jährige Mädchen der Familie Kiefer. Die
dinder hatten ein Feuer angemacht; im Spieleifer wollte
ie kleine Kiefer ein Papier anzünden, die Kleider aber
ingen dabei Feuer und zog sich das Mädchen derartige
zerletzungen zu, daß es gleich darauf starb Lokalanz.
Grube Reden, 31. März Gestern morgen gegeu7
ihr verunalückte im Bildstockschacht, Abteilung 13, der
zeramann Paul Hermann von Heiligenwald durch nieder—
gehende Gesteinsmassen tötlich. Der so jäh Vahingeraffte
var der einzige Ernährer seiner Mutter. — Genau um
ieselbe Zeit verunglückte in Abteilung 16, .ebenfalls im
gildstockschacht, ein Schlepper namens .„Lauer aus Lands—
veiler so schwer, daß er sofort dem Neunkirchener Knapp—
chaftslazarett überführt werden mußte.
(Fr. B. GenAnz.)
eGelsenktirchen, 33. März. GGrubenunglück.)
zeute nach 2.30 Uhr ereignete sich im Wetterschacht der
zeche „Dalberg“ in Rotthausen eine Schlagwetterexplosion,
son der fünf Leute betrofsen wurden. Bis jetzt sind ein
Toter und zwei schwer Verletzte zutage gebracht worden.
Zwei Hauer sind in den Schacht gestürzt. Man hofft
ie im Lause des Tages zu bergen.
* Mainz, 31. Maͤrz. (MMilitärische Durch—
renner.) Der in der 7. Kompanie des Inf. Reg. Nr.
8 zu Kastel dienende Musle ier Ferner, bereits mit Fest—
— VD
rieb sich, nachdem er seinen Militärmantel in Mainz zu
zeld gemacht hatte, unerklannt in der Welt herum. In
imburg a. Lwurde er nun festgenommen und hierher
edracht. Ein anderer Soldat desselben Regimenis, von
inem Unteroffizier verfolgt, jagte die alte Mombacher
ztraße entlang. Srraßenkehrer, die den Durchbrenner mit
hren Besen aufhalten wollten, bedrohte er mit dem her—
usgerissenen Seitengewehr. Der Flüchtige wurde später
ingeholt und zur Kaserne gebracht.
* Wald michelbach, 31. März. Gerschüttete
gergleute.) In einem Steinwerk bei Mörlenbach sind
wei Arbeiter namens Schmatt von rutschenden Steinmas—
en verschüttet und bteben sosfort tot. Die Staatsanwalt
chaft war heute an der Unglückstelle.
* Frankfurt, 323. Mäarz. Ende der Harem 8⸗
Scha ustelhung.) TDas Forz:ipräsidium hat auf An—
rag des hiesigen rürkischen Generalkonsuls das weitere
Aufireten der Harems-Trupre unterfagt und die Aus
versung aus Preuten gezen den Impresario und die
Mitglieder der Truppe vecfügt. Bestimmend hierzu war
»az das ganze Uaternehmen sich als ein beirügerischer
Ansug herqau-stelle, und daß es sich insbesondere weder
im echte Haremsdamen noch um Cunichen handelie, viel—
nehr um Dirn personal, das in lernerlei Beziehungen 2u
denm Hatem des rüberen Sulians zu bringen ist
insere Zimmer aufsuc,en, es in spat geworden.
Dabei reichte er ihr den Arm und führte sie hinaus.
„Die Alte ist köstlich“, raunte Samntoff Siegfried zu.
Noch lange wanderten die Freunde Arm in Arm durch
den mondbeschienenen Park. Sie sprachen wenig, nur hie
nd da blieben sie stehen, um irgend eine Gruppe alter
ßäume, eine Statue oder die seltene Pracht der gärtnerischen
Anlagen zu bewundern. Sie atmeten in vollen Zügen die
eine Luft dieser köstlichen Sommernacht.
Am folgenden Morgen kam die Sonne golden und majestätisch
hinter den Bergen hervor. Siegfried hatte seine al—
sen Zimmer wieder bezogen, in denen alles unverändert ge—
hlieben war, und die sich in dem runden, mächtigen Turm
besfanden. Er liebte von allen Gemüchern im Schlosse ge⸗
rade diese am meisten, und behnuptete stets, es seien die
schönsten, weil man von da aus eine herrliche Fernsicht ge⸗
noß. Dep Vlick fonnte ungekindert hinausschweifen über
die gesegueten, grünenden Fluren, bis zu den blauen Ber⸗
gen, die dort drüben den Horizont begrenzten. Die Sonnen⸗
trahlen spiegelten sich heute in Miluonen von Tautropfen,
die an Graäsern und Blumen hingen. Siegiried war früh
ufgestanden. Er schoh die seibenen Gardinen zurück und
zffnete das Fenster. dessen runde, in Blei gejfaßte Scheiben
en anhrimelnden Blick noch vermehrten, den man beim Be⸗
rachten der ganzen Einrichziug enipsand. Der junge Mann
chaute entzuückten Auges auf die Herrlichkeit, die sich unten
uͤsbreitete. Eine fait weihevolle, andoachtige Stimmung kam
ber ihn und unwillkuürlich sfatteit er die Hände, wie er als
dind immer getan, wenn er morgens an dieser Sielle stand.
ein Blick fleg binaui zum wöollentos blauen Hunmel, soi
abereer ecine Welte uneentich. Daun vog, ert fich wen
inaus. Er sah, wie kiner der Stalllneche eiñ gefarteste⸗
deitpferd berausführte.
„Rar rritet denn so früh schon aus?“ murmelte er ei⸗
taunt, A noch mehr de wunderte er sich, als er gleich da
rauf jennen Vetter Lethar aus den Vortal des Schlosses
reten ĩah.
„Wohin willst Du denn in aller Morgenfrühe, Du biß
doch' nie ein solcher Frühaufsteher gewesen?“ rief er hinab
Der Angerufene schien ein wenig verlegen.
„Der schöne Morgen lockte mich, — ich weiß selbst noch
nicht, wohin mein Weg mich führt!“
Dabei schwenkte er grüßend den hellgrauen Hut gegen
en jungen Grafen, und dem Pferde die Sporen gebend
itt er davon. Kopfschüttelnd schaute Siegfried dem Reiter
aꝙ, der es sehr eilig zu haben schien, den „ichönen Mor—
n 30u genießen. —