Nummer 159.
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ole Erregung weicht, die sich gleichzeitig mir der Freud jeit auf eine baldige Erklarung ver Republik in Porm— Wert legt. der steht auch nach den ausdruücklichen Ortsan
über den Wechsel im Kolonialamte wieder bemerklich gal. Es finden tägtich Massenversamm ungen statt. Flug— gaben, deren fälschliche Verweudung verfolgt oird, wäh—
nachte wegen der Nennung des Geheimen Legationsrates zlätler schildern ausführlich den sinanziellen Banderolt des end die bloße Verwendung einer fremden Sprache au
Ir. Golinelli oder des als ein Dernburgsches Werkzeug Reiches und focdern Abschafsung der Dynastie. Wie es eschützten wie auf ungeschüßtzten Etikettierungen frei ist.
etrachteten Geheimen Regierungsrates Brinckner, zum heißt, wagt sich der König nur uncer dem Schutze starker 5.. —
ünftigen Gouverneur des Landes. Nun dann können dort Lorsichtsmaßregeln auf die Strahe. In dem niedern Voll Von der Brüusseler Weltausstellung.
vieder ruhige Zustände und eine gedehliche Enwwickelung vied verbreitet, daß die Zerrüttung der Finanzen das Brüfsel. 12. Zun. Die deutiche Invasi 5
inkehren. Verl der englischen Politik sei, weshalb man in dieen on ni Die Sru od ui 7* —F e
zolkslreisen beginnt. einem starlen Engländerhak Ausdrud. on en ehy nge n orn vrugen bgtich uui..
vberte von deutschen Reisenden hierher und ihre Zahl wirt
u geben während der Schulferien noch erheblich größer werden
lebt Fhon Brüsset an sich durch seine architeitoni—
chen Schoͤnheiten und die Naͤhe der inlernationalen Se——
»äder atljayrlich eene große Anziegungstraft auf alle
Reiselustigen aus, so ist d.es in diexem Jahre noch in
veit höherem Maße der Fall. Einem solchen Niassenam
drang, wie er seit einigen Wochen eingesetzt hat, ist die
Ztadt, obgleich es an Hotels nicht mangelt, nicht gewach—⸗
en, und es fehlt nicht an solchen Wirten, die die Freni—
en auszubeuten suchen. Es sind daher wohl einige Winke
ür die große Zahl derer, die den Besuch der Wellaus
iellung auf ihr Reiseprogramm geseßzt haben, vcn In
eresse. Als erster Grundsatz gilt da, nicht am Abend
»der bei Nacht anzukommen. Man jrage vorher bei den
dotels an, ob Zimmer frei sind, lasse aber sein Hand
epäck, selbst wenn man eine zusagende Antwort eralten
yat, vorerst am Bahnhof und sehe sich erst das Zimmer
n. Die im Publikum zirkulierenden Gerüchte. daß der
lufenthalt in diesem Jahre in Brüssel sehr verieuert ist,
ind glücklicherweile start übertrieben. Die meisten großen
dotels haben ihre gewöhnlichen Preife beibehalten und
uch in den Hotels in unmittelbarer Naͤhe des Nordbahnjofes
findet man durchaus preiswürdige, gule Zimmer.
Ver eine Privatwohnung vorzieht, wende sich an den
tädtischen Wohnungsnachweis an der Börse. So viel
iber die Wohnungen. Die Küche ist in Brüel im all—
ꝓmeinen recht gut und auch die Preise sind nicht höher
ils bei uns; oft wird man sogar finden, daß man eben—
oviel in Franken zahlt wie bei uns in Mark. Selbst in
»er Ausstellung ißt man, besonders in den deuischen Re—
taurants, zu durchaus normalen Preisen. Dort wie auch
n der Stadt, gibt es in jedem besseren Restaurant Mün—
hener Bier und die wohlbekannten Namen der verschiede—
ien Bräus, die in großen Lettern auf den Dächern
prangen, erwecken heimatliche Gefühte. Wohl mancher lüäßt
iich durch mangelnde Kenntnis des Französischen davon
abhalten, Brüssel zu besuchen. Diese Furcht ist durchaus
grundlos. Denn das deutsche Element ist in diesem Som—
mer so stark vertreten, daß man fast ohne jede Kenntnis
ver sranzösischen Sprache durchktommt. Ueberall findet
nan hilfsbereite Landsleute, zudem sprechen in den Ho—
se!s und Restaurants fast alle Angestellten deursch. Auj
der Place de Brouckere begegnet man zahlreichen Ver—
äufern, die mit lauter Stimme die bekannkesten deutschen
zeitungen ausrufen, und an vielen Läden liest man neben
english spoken“ auch „Man spricht deutsch“. Schwierig ist
ür den der Sprache unkundigen Fremden einzig und al—
ein die Orientierung bezüglich der elektrischen Straßen—
ahnen, doren oæ 57 Liniern gißbit Nuch inn Morkehr mit
den Droschkenkutschern ist Kenntinis des Französischen sehr
angebracht. Sie benutzen gern die Gelegenheit, einen
Fremden zu überfordern; im übrigen sei aber besonders
hetont, daß man nur wenig italienische oder schweizer
Münzen mit sitzender Helvetia in die Hand bekommit, wic
dies sonst in den Ländern der romanischen Münzunior
der Fall ist. Doch ist Vorsicht geboten, da namentlich in
nestaurants dem Fremden gerne leichtbeschädigte Mün—
en, die im Kurs unzulässig sind, aufgehängt werden.
die Ausstellung selbst ist jetzt endlich bis auf wenige klei—
jere Pavillons vollendet und es ist so viel zu sehen, daf
tan den Besuch der Ausstellung nicht länger hinauszu
hieben braucht.“ FJ. 3.
Von der Luftschiffahrt.
*Erfolgreiche Aviatiker. Aussdem Flugfeld
Fohannistal bei Berlin gewann der deutsche Aviatiter
Ddörner mit einem Monopltan eigener Konstruktion den
Lanzpreis von 3000 Mark und gleich darauf das Füh—
erpatent vor der Sportkommission des Berliner Vereins
ir Luftschiffahrt. — Der deutsche Wrigthpilot, Ingenieur
heelen, unternahm von dem Flugplatz Johannistal
»inon Uehersondeete — üroAhernen und auriüiäck.
— —F— *
den Körper ihrer Nichte sthauderte. „Die Todesnachricht trifft
ins nicht unerwartet, unsere Hoffnung auf die Rettung Oli—
ziers stand längst auf schwachen Füßen. Er starb für da⸗
Vaterland.“
„Aber wie starb er“, schluchzete das Mädchen. „Dieser
doktor wagt es nicht zu sagen, er nennt Olivier einen Feig—
ing. Sein Tod mag dieses Namens angemessen gewesen
ein. O, wenn Papa das wüßte, der arme, arme Papal“
„Wo bleibt mein Bruder?“ fragte Nataly, froh, durch
iese Frage den Kummer Desirees ablenken zu können. Nie—
nand meldet uns, daß er hier gewesen sei. Ich muß mich
iach Laurence umsehen. Vielleicht erfahren wir durch ihn
räheres.“
„Ach ja, Tantchen, erkundige Dich“, bat Destree un⸗
er Tränen. Ich kann's ja nicht, die Füße versagen mir
den Dienst.“
„Bleibi hier, erhole Dich“, sagte Frau von Tarandal und
zing die Treppe hinunter geradewegs nach dem Souterrain.
Sie hoffte, dort den alten Gärmer zu finden und hatte Glück.
Bei den Soldaten vorbei, welche in der Küche beschäftigt wa—
en und sich gar nicht um sie bekümmerten, gelangte sie nach
»er Kammer, welche früher der alte Diener bewohnt hatte.
Zie öffnete die Tür und sah Laurence in dem Lichtschacht,
mit der Ausbesserung eines alten Rocles beschäftigt, sitzen.
Als der überraschte Mann sie erblickte, stieß er einen Freu—
enschret aus, warf seine Flicteret bet Seite und ware vor
xFreuden fast der Dame zu Füßen gefallen.
„Die gnädige Frau aus Sedan heimgelkehrtl“ rief en
Ja, ist es denn möglich?“
„Machen Sie kein Aufsehen“, entgegnete sie, den Finger
auf den Mund legend. Ich und das Fräulein sind hier und
wir wollen hier auch bleiben.“
„In dieser Pesthöhle? Das ganze Haus ist voll Kranker
und Verwundeter.“
„Ich weiß es, aber das hindert uns nicht. Wir haben
die entserntesten Gemächer bezogen. Vor aliem sagen Si⸗
haben Sie Herrn Bourlier gesehen?“
„Ja, gnädige Frau. Er war gestern im Garten, nach—⸗
dem er in der Fabrik so lange gesucht, bis er unter Schutt
ind Trümmern die Leiche des Herrn Leutnant gefunden hatte.
Ach, was ich sagen wollte, ich kann Ihnen nicht beschreiben,
vie unser Herr aussah. Als ob er ielbst aus dem Grab⸗
zekommen sei.“
„Gott sei gepriesen! Also lebt er?“
„Ja, aber wie? In Jammer und Verzweiflung. Ich
onnte ihn nicht bewegen, in unser Haus einzutreten. So
ange die Prussiens hier sind, schwur er, keinen Fuß über
ie Schwelle au setzen.“
Stimemen aus Südwest.
Dernburgs Rücktritt ist auch den Südwestafrikanern
zänzlich überraschend gekommen, wie aus den soeben ein—
getroffenen dortigen Zeitungen von Mitte Juni hervor—
zeht. Begreiflicherweise wird dort die Nachricht über den
Vechsel in der Leitung des deutschen Kolonialamtes als
rohe Botschaft allgemein begrüßt. Voller Jubel ist die
m Hauptisitz der Diamantenindustrie erscheinende „Lüde—
itzbuchter Zeitung“ über den Stiurz des „Tyrann-Dio—
iys“. wie sich Ternhburg in seiner letzten Reichstagsrede
»om 4. Mai selbst bezeichnete, indem er sagte, er höre
chon leise den Klageruf von drühen: Herr, erhalte uns
en Tyrann, den Tyrann Dionys! und sügit hinzu: „Wir
nsererseits haben uns vergeblich bemüht, die psychelogi—
chen und tatsächlichen Unterlagen für dieses Selvbsitgefühl
dernburgs zu entdecken. Grund zur Genugtuung liegt
etzt unseres Erachtens nicht für Dernburg, sondeen fuüͤr
züdwestafrika vor.“ Voller Jubel sind auch die in dem
zauptsitz der Farmerinteressen erscheinenden „Windhuker
dachrichten“ über die Befreiung von dem „Minderer des
teiches“ durch Vergebung von Reichsanspruüchen an eine
zrivatgesellschaft und fällen ihr Urteil unter einiger An—
rlennung von Dernburgs unbestreitbaren Verdiensten um
insere Kolonialpolitik daheim und draußen dahin: „Er
ermochte nicht, sich eigentlich schöpferisch zu betätigen, ob⸗
oohl er auch hierin einiges Wesentliche, z. B. das süd—
oestafrikanische Eisenbahn Programm geleistet hat; viel—
iehr lag seine Hauptstärte in der Ausbeutung der Kolo—
ien zuguusten kolonialuninteressierter Kreise, worin ihn
ine gewisse Abneigung gegen unsere germanische Rasse
nterstützt zu haben scheint.“
Volle Anerkennung läßt nur die auch geographisch
»en beiden Hauptinteressenpunkten fernstehende „Deutsch—
üdwestafrikanische Zeitung“ in Swafkopmund unter Wah—
ung des Allgemeinwohls dem ersten deutschen Kolonial—
laatsselkretär zuteil werden, wie folgende Aeußerung zeigt:
So ungewöhnlich, wie das Erscheinen eines Mannes von
em Entwickelungsgange Dernburgs in einem hohen
teichsamt war, so Ungewöhnliches hat Dernburg auch in
einer Stellung gewirkt. Nur eine im scharfen Konkur—
enzkampse des kaufmännischen Bebens gehärtete Natur
onnte in verhältnismäßig so kurzer Zeit das für das
Reich und seine Kolonien leisten, was Dernburg geleistet
hat.“ Freilich muß auch dieses Blatt die Ecken und Kan—
en von Dernburgs Persönlichkeit und die daraus erwach—
enen Schäden eingestehen und zieht daraus die Schlüsse
ür einen neuen Kurs in unserer Kolonialpolitik unter
einem Nachfolger von Lindequist: „Mit Erzellenz von
rindequist rwitt nunmehr ein Mann an die Spitze des
deichskolvnialamts, der die Gabe, deren Dernburg nahezu
zolllommen ermangelte, in hohem Grade besitzt: das Ver—
tändnis für die Eigenart und die Bedürfnisse der Be—
vohnerschaft gerade des Schutzgebietes Deutsch-Südwestaf—
ika.“ In der Ungewißheit: Weitersteuerung des kaufmän—
uschen Kurses oder Rückkehr zum kolonialdilettantisch-bu—
zeaukratischen System, wird die Wahl endlich eines wirk—
ich praktischen und altbewährten Kolonialpolitikers als
dachfolger Dernburgs in Südwest wie der Durchgang
zurch Nacht zum Licht begrüßt. Die Freude über die
eẽrnennung des einstigen Gouverneurs zum Staatssekretär
zat ihren Ausdruck gefunden in einer Anzahl von Glück—
bunschdrahnmigen von Behörden und von Privaten, die
amit ihrer Beantwortung erst jetzt durch die Kolonialzei—
ungen bekannt werden. Auf einen Glückwunsch des stell—
ertretenden Gouverneurs, des Geheimen Regierungsrats
Ir. Hintrager, ging folgende Antwort des neuen Staats⸗
ekretärs ein: „Für den namens Gouvernements und des
szanzen Landes dargebrachten Glückwunsch herzlichen Dank
ind Gruß. Vertraue auf ersprießliche Entwickeliung des
zchutzgebiets durch gemeinfsame Arbeit. Bitte auch Bür—
ermeister Forkel für Keetmanshoop und den Süden und
zchützenverein Windhuk für Glückwünsche herzlich zu dan—
en.“ Der Vorstand das Farmerbundes aber wurde durch
olgende Antwort erfreut: Dem Farmerbund danke ich
herzlichst für Glückwünsche. Das Wohlergehen der Far—
ner wird mir stets besonders am Herzen liegen und ich
verde gerne nach Kräften dazu beitragen.“ Ersprießliche
5ntwickelung des Schutzgebiets durch gemeinsame Arbeit,
— diese Worte werden als Programm empfunden. Zu
oünschen wäre nur, daß aus dem Tochterlande erdu
F
Unter Feinden.
Roman von Karl Matthias.
0. Forisetzung)
„Ich will am Tore warten“, sprach der Freund angst—
ich. „Vielleicht ziehen Sie es doch noch vor, nach Sedan
urückzukehren.“
„Nein, lieber Herr Prevendaux, wir bleiben hier, mag
s kommen, wie es will. Im schlimmsten Falle finden wir
n den Dienstwohnungen Unterkunft. Es ist hier überall
zesser als in der unglückseligen Stadt“, entgegnete Nataly.
Fahren Sie in Gottesnamen zurück; herzlichsiten Dank für
Ihre Güte und Aufopferung.“
„Was kann uns mangeln“, fügte Desiree hinzu. „Wir
inden ja Papa hier. Er bedarf unserer gewiß, er und Oli—
ier — wenn letzterer noch leben sollte, O Tante, ob auch
r vielleicht verwundet in unserem Hause liegt? Ach, ich
ebe vor Schmerz und Aufregung.“
„Nun, denn, so leben Sie wohl“, fagte Prevendaux, den
damen die Hand reichend. „Grüßen Sie Freund Bourlier
ind geben Sie Nachricht, wenn Sie Ihre Koffer wünschen.“
Er trieb mit einem Seufzer der Erleichterung das Pferd
in. Die beiden Damen stiegen mutig die Stusen zur Ve—
anda empor.
Sie traten in ein wohleingerichtetes Hospital. Schon
inter der Leinwand des Vorplatzes sahen sie einige Leicht⸗
erwundete, die die Ankömmlinge mit neugierigen Augen,
iber ohne sich zu rühren, betrachteten. Das Vestibule, der
zroße Salon, die Hochparterrezimmer waren alle mit Ver—
vundeten belegt, welche teils auf den Teppichen, teils auf
»en Divans und Sophas, auf herbeigeschafften Bettstellen,
mf dem Billard und sogar auf Stroh gebettet waren. Chlor—
ind Carbolgeruch benahm den Frauen fast den Atem. Es
nochten wohl fünfzig Verwundete sein, welche hier lagen.
Alle waren gut verbunden und aufmerksam gepflegt. Meh—
rere Krankenwärter walteten sorgsam ihres Amtes. Der
Nächststehende trat den Damen sofort entgegen.
„Was wollen Sie hier?“ fragte er rauh, die deutsche
Zprache gebrauchend. „Hier ist ein Lazarett und kein Aufent⸗
alt für neugierige Frauenzimmer.“
Frau von Tarandal schüttelte den Kopf. Sie verstand
»en Mann nicht, auch Desiree konnte den Sinn seiner An—
prache nicht entziffern, obgleich sie einige deutsche Worte von
Valdemar Tyrolt gelernt hatte. Der wüste Ton des Kran—
enwärters verwirrie sie.
„Ne, laß man, Schultze“, sagte ein anderer, welcher die
flosiakeit der Damen bemerkt hatte und galanter — ein
värbeißiger Kamerad nähergetreten war. „Deinen Quaisch
erstehen die nobeln Madams nicht, denen mußt Du fran—⸗
ösisch koͤmmen. Uebrigens sehen sie gar nicht darnach aus.
is od fie dios um zuzureren gerommen wären. Bleiden Si
nian, meine Damen“, wandie er sich an Desiree, „restez vous
zeu a peu. Ick werde den Herrn Doltor rufen, docteur crier,
zer parler francais. Placez vous auf der Veranda. Hier
st das odeur nicht comme il faut.“
„Herjeh, wie Du schön französisch sprichst“, sagte Schultze
erwundert. —
„Davor wohnte ich auch in Französisch-Buchholz bei Ber⸗
in und war Barbier in der Französischen Straße“, antwor⸗
ete der Gelobte stolz und ging, nachdem er den Frauen zwei
Zessel dicht an der Treppe hingestellt hatte, den Oberarzt zu
ufen.
Mit klopfendem Herzen ließen sich die Damen nieder.
Lenige Minuten darauf erschien der Erwartete, ein sächsi—
her Arzt, der das Französische vollkommen beherrschte und
hnen höflich entgegentrat.
Nachdem sich Frau von Tarandal und ihre Nichte vor—⸗
estellt hatten, erklärte der Doktor, daß ihrem Hierbleiben
lichts im Wege stände. Das Haus sei aber von dreißig
eutschen und fünfundzwanzig französischen Verwundeten be—
egt, außerdem seien drei Aerzte und sechs Krankenwrter
a.
„Dennoch ist Platz genug in der geräumigen Villa vor—⸗
handen“, meinte er. „Das obere Stockwerk wird nur von uns
lerzten bewohnt, die Wärter kampieren im Souterrain. Neue
batienten dürsten schwerlich zukommen, in vierzehn Tagen den—
e ich überhaupt dieses Notlazarett räumen zu können. Bleiben
Zie getrost, Sie sind unter meinem Schutze ganz sicher. Wir
deutschen respeltieren gern das Eigentumsrecht, ünd Sie wer—⸗
en freundlichst in Berücksichtiguna der traurigen Umstaände
'orlieb nehmen.“
„Ich danke Ihnen, mein Herr“, entgegnete Frau von
arandal, „ich habe es nicht anders erwaärtet. Indessen sa—
en Sie uns aufrichtig, droht uns hier gar keine Gefahr?“
„Durchaus nicht. Mein Kollege, der freiwillige Arzt, ist
in gereifter Mann, verheiratet, acht Kinder; der andere
önnte dessen Sohn sein; ein unschuldvolles Gemüt, poetisch
ugelegte Natur. Ich lege für sie die Hand ins Feuer.“
„Sie beruhigen mich vollkommen, mein Herr“, sagte die
ürdige Dame. „Haben Sie hier niemand von den Bedienste—
n gesehen?“
„Nur einen Mann, der sich als Gärmer ausgab und uns
»as Haus öffnete.“
Laurence“, bemerkte Desiree.
Ich glaube, so hieß er“, fuhr der Arzt fort, sich gegen
Mädchen verbeugend. Ich muß annehmen, daß sich die
eute in unverständiger Flucht entfernt haben. Oder yas
'e sich an der Verteidigung der Fabrik beteiligt, welche, wie
zie bemerken können, infolge dieser Dummheit zusammen⸗
eschossen wurde.“
Frau von Tarandal schwieg. Sie fürchtete sich, die nähe⸗
en Umstände jenes Kampfes zu vernehmen. Aber Desiree
ögerte nicht, Erkundigungen über das Schicksal ihres Bru⸗
ers einzuziehen.
„Waren Sie Zeuge, als man die Fabrik stürmte oder
erstörte, Herr Doktor?“
„Nein, mein gnädiges Fräulein“, war die Antwort.
Wir lamen erst hier an, als das Gebäude dort in Flammen
tand. So viel ich von den Verwundeten erfahren habe, hat
ich trüben eine traurige Episode unseres Krieges angespielt.
ẽin junger Feuerkopf hatte den Widerstand gegen unsere
druppen organisiert. Aber seine Position wurde umgangen,
ie Franktireurbesatzung niedergemacht, die Fabrik zusammen—
jeschossen. Das ist das gewöhnliche Ende solcher Privat
chlachten.“
„Und der Anführer jener Patrioten, welche Sie Frank—
treurs nennen?“ fragte Desiree zitternd. „Was wurde aus
hm?⸗“
„Sprechen Sie nicht von dem Feigling“, erwiderte der
Arzt finster, „er hat seinen Lohn —“
„Seinen Lohn? Mein Herr, ich kann sie nicht verstehen!“
rauste das junge Mädchen auf. „Olivier war kein Feigling,
r war ein französischer Offizier, dessen Patriotismus man
ichten muß!“
„Olivier war mein Neffe, der Bruder des Fräulein Bour—
ier“, erklärte die alte Dame.
Der Arzt erhob sich. Er blickte Olivier fast feindlich an.
„Dann erlassen Ste mir wohl die weiteren Erzählungen“
agte er. „Ich werde Ihnen die gewünschten Zimmer anwei—⸗
en lassen.“
Er ging. Desiree vermochte sich nicht zu fassen.
„Also tot, mein armer Bruder tot“, schluchzte sie, als
zrau von Tarandal mit ihr nach dem oberen Zimmer hin⸗
ufstieg, demselben, welches sie dereinst bewohnt hatte. Sie
and noch alles an seinem Platze, Möbel, Nippes, Lampen,
zendulen, Vorhänge und Porzellan, nur die Betten und
deppiche waren entfernt, da man sie für die Verwundeten
ebraucht hatte.
Desiree warf sich in heftigem Schmerze auf eine Otto⸗
nane nieder. Frau von Tarandal saß traurig an ihrer Seite.
luch sie war von der Trauerlkunde tief ergriffen, aber in
8 unablässlichen Jammer konnte sie keine Traͤne mehr ver⸗
ießen.
„Gib Deinem Schmerze nicht zu sehr nach, Desiree“, bat
anastlich. als sie bemerkte. daß es wie ein Fieber durch