Full text : Dudweiler Zeitung

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 11. Juli.
Verbands-Krieger⸗Vereine. Zur Besprechung über
iie Ehrung der Veteranen in der Gemeinde Dudweiler
indet heute abend eine Versammlung der Vorstände statt.
die Zahl der Veteranen in den obigen Vereinen beträgt:
Krieger⸗Verein Dudweiler 77
Waffenbrüder-Verein Dudweiler 17
drieger⸗Verein Herrensohr 6
Militär⸗Verein 3
drieger⸗Verein Jägersfreude 16
Zufammen 119
Außer diesen befinden sich auch noch Veteranen in un—
erer Gemeinde, welche den genannten Vereinen nicht, oder
jar keinen Vereinen angehören.
—A kommender Tonnerstag findet
ine Sudermann-Vorstellung statt, wo Herr Josef Hartlh,
rüher Mitglied des Straßburger Stadttheaters, als Gast
ind zwar in der Rolle des Grafen Trast auftreten wird.
— Wir weisen auf diese Vorstellung ganz besonders hin.
Die Zwangsversteigerung Baldes ist durch Gerichts—
eschluß aufgehoben und findet nicht statt.
Ppfarrei Holz. Das Kreisblatt enthält die Urkunde
iber die neue Pfarrei Holz. Danach werden die Gemein—
»en Holz und Bietschied von der Pfarrei Heusweiler und
ie Gemeinde Wahlschied von der Pfarrei Miesbach ge—
rennt und zu einer eigenen Pfarrei Holz vereinigt.
Voraussichtliche Witterung. Besserung immer noch
icht von Bestand.
Die Knappschaftsverwaltung in Saarbrücken hat im
kinverständnis init der Kgl. Bergwerksdirektion angeordnet,
aß vom 1. Juti d. Irs. ab die Steiger beim Ausstellen
ines Krankenscheines die Knappschaftsverwaltung sofort
n Kenntnis zu setzen haben, um eine bessere Kontrolle
iber die kranken Bergleute ausüben zu können. Es sind
u diesem Zwecke besondere Formulare gedruckt und den
Zteigern ausgehändigt worden.
Pioniere mit scheinwerfern Während der dies—
ährigen Kaisermanöver werden — wie die „Mil.-pol.
dorrespondenz“ meldet — einige Pionierbataillone mit
eichtem und schwerem Scheinwerfergerät ausgerüstet. Das
eichte Scheinwecfergerät ist tragbar und hat eine Leuchtveite
 von 400 Metern. Es wird aus der Schützenlinie
—
ich anf den Fahrzengen und verfügt über eine Leuchtweite
is zu 1600 Metern.
Turnspiele in der Armee. Die in der neuen „Turu—
orschrift für die Infanterie“ angeordneten Bewegungs—
ind Ballspiele werden auch für die berittenen Truppen
ingeführt werden. Besonders wird jetzt in der Armee
Jarauf gehalten, daß den Mannschaften in ihrer dienstfreien
zeit freiwilliges Turnen gestattet ist. Die bei diesen frei—
billigen Veranstaltungen etwa vorkonunenden Beschädigun—
jen gelten als Dienstbeschädigungen, wenn der Kompagnie—
hef usw. die Zeit zum Spielen bestimmt hat und ein Vorge—
etzter dabei zugegen gewesen ist. Der große Wert dieser
reiwilligen Betätigung ist nicht zu verkennen. Da der
Irmee augenblicklich noch nicht genügend eigenes Lehrper—
onal für die Bewegungs- und Ballspiele zur Verfügung
teht, hat sich das Kultusministerium bereit erklärt, mit den
hmunterstehenden Lehrkräften den militärischen Dienststellen
uszuhelfen. .318
ιιιανα p_ur vifÜæes Ravalleriestiesels ausgegeben,
der erheblich leichter und im Schaft dünner gearbeitet ist
ils der bisherige Reitstiefel, und dessen nach englischem
Nuster geschnittener Vorder- und Hinterschaft gleichhoch ist.
Der Stiefel wiegt nach diesen Abänderungen nicht mehr
als der kurze Infanteriestiefel, müßte also, falls er danet—
yaft genug ist, für ein Fußgefecht brauchbar sein. Der
ieue Probestiefel, der wegen der weichen Schäfte eine Vor—
ichtung zum Anknöpfen an die Reithose besitzt, wird in
edem Armeekorps von einem Kavallerie- und einem Feld—
tillerie⸗Regiment erproht
Der Vakuum-Straßenreiniger. Wenn die in New—
Jork angestellten Versuche mit einem neuen eigenartigen
System der Staubentfernung ein günstiges Ergebnis zeitigen
was allem Anschein zu erwarten ist, so steht diese Stadt
n Kürze vor Einführung des Systems des Vakuumreinigers.
das Straßenreinigungsdepartement der City hat bereits
ine der neuen Reinigungsmaschinen in Dienst gestellt.
üs ist ein großes Automobil, an dessen Vorderseile der
Zakuumreiniger angebracht ist. Man rühmt dem neuen
keinigungswagen eine ebenso große Schnelligkeit wie Sorgalt
 der Arbeit nach. Einer der Hauptvorteile des neuen
5ystems besteht darin, daß der Staub, der von allen andern
— —9

on tausend Bränden widerstrahlende 2oltenhimmel der
dacht erfüllte das Gemach mit ungewissem Schein. Vater
ind Tochter schwiegen, sie wußten sich nichts Tröstliches zu
agen, da ihre Gedanken nicht dieselbe Richtung nehmen konn
en. Es verband die Sympathie, nicht Gleichheit der Ueber—
eugungen. Der Mann dachte an seinen Sohn und die
zchmach des Vaterlandes. das Mädchen an den Geliebten.
er bei dem feindlichen Heere siand.
So saßen die beiden bis gegen Mitternacht. Da geschah
in Blitz, ein Knall, eine Erplosion, die sie jah aufriß. Eine
zombe war in die Rue d'Espagne gesallen und jenseits der
ztraßenmauer geborsten. Die Mauer brach zusammen, das
dach des Nebenhauses polterte auf das Pflafter nieder. Ein
deulen erhob sich auf der Gasse und im Hause; die Verwun—
eten schrieen in nervenzerreißenden Tönen um Hilfe; die
ufgeweckten Wächter schimpften; auf der Straße setzten sie
hre Verwünschungen fort.
Desiree hatte bei dem blenden Pulverblitz die Augen mit
er Hand verhüllt und ihr Antlitz an der Brust ihres Vaters
eborgen, der selbst vor Schreck zitternd dasaß, als die Ex—
losion ertönte und die Fensterscheiben klirrend in den Vor—⸗
arten fielen.
„Ach, Vater, es ist zu schrecklich“, jammerte das Mäd⸗
jen, „ich vergehe vor Angstl!“
„Du armes Kind“, tröstete der Mann, der selbst des
rostes bedurfte. „O wären wir weit, weit von hier. Klam⸗
iere Dich an mich, muß es gestorben sein, so möchte ich
iit Dir zusammensterben.“
„Nein Papa“, flüsterte Desiree, „sprich nicht vom Ster⸗
en. Ich möchte leben und glücklich sein. — glücklich mit
zm — mit meinem Waldemar.“
„Mit dem Feinde des Vaterlandes?“ fragte er heftig.
Eher will ich Dich tot wissen! Geh, Du bifl keine Fran—
ösin!“
Er wandte sich grollend ab. Desiree schwankte zu der
Lante.
Frau von Tarandal atmete ruhig. Der furchtbare Knall
zatte sie nicht erwecken können. Uebermüdet lag sie in tie—
em Schlafe * *

v
Die entsetzliche Nacht war. vorüber. Der Morgen des
weiten September brach herein. Ueberall in der Siadt sah
ian bleiche Gesichter und schlotternde Gestalten der obdach—
»sen Menschen, welche auf dem Pflaster herumlungerten. Nach
em Rausche des vergangenen Abends war die Ernüchterung
ingetreten.
Von der Citadelle wehte die weiße Fahne. Der Kaises
elbst habe sich dem Feinde ausgeliefert, hieß es, der Kau
zx. der den Bewobnern von Sedan bisher ein Vortuld ge⸗

un durch den Sauger sofort gebunden und dem Staub⸗
isten zugeführt wird. Die Bedienung des neuen Reinigungs—
utomobils erforder? nur 2 Mann, von denen der eine
s Chauffeur, der andere zur Beaufsichtigung des Saug—
oparates dient.
Der Hund als Ruhestörer. Professor Tr. Bilger,
er in Eschersheim eine Villa bewohnt, hatte zum Schutze
es Eigentums sich einen Wachhund zugelegt. Der Hund
ußte hachts von 11 bis 4 Uhr außerhalb der Villo ver—
ringen. Mit dieser Ausquartierung war aber der Hund
icht zufrieden und er suchte seinem Unmut durch fort—
»ähreüdes Bellen Ausdruck zu geben. Die Bewohner der
achbarvillen waren aber von diesem nächtlichen Hunde—
onzert nicht sehr erbaut, und als eine versuchte Inhibier—
ng auf gütlichem Wege keinen Erfolg hatte, erstattete ein
zillenbesizer Anzeige wegen nächtlicher Ruhestörung. Das
-chöffengericht hat vor einiger Zeit den Professor zu 100
Naͤrk Geldstrafe verurteilt, weil sein Hund in den letzten
rei Monaten durch fortgesetztes Bellen nächtliche Ruhe—
örungen verursacht habe. Gegen dieses Urteil legte Pro—
ssor Bilger Berufung ein. Tie Strafkammer hob das
chöffengerichtliche Urleil nur insoweit auf, daß sie die
ztrafe auf 50 Mark herabsetzte. In der Urteilsbegrün—
ung wurde noch ausgeführt, daß das minutenlange, grund—
ose Bellen eines Hundes zur Nachtzeit nicht gestattet wer—
en könne. Ein Wachhund dürfte wohl einmal anschlagen,
»enn er Geräusch höre oder gereizt werde, im übrigen
nüsse er aber so dressiert sein, daß er sich sonst ruhig ver—
alte. Wie das bewerkstelligt werden müssen sei Sache des
undebesitzers.
Was die englische Manöverflotte kostet. Kürzlich be—
annen die großen englischen Flottenmanöver, die in diesem
dahre in einem befionders großen Maßstabe stattfinden.
Nicht weniger als 43 Schlachtschisse und 25 geschützte
dreuzer zusammengezogen; und doch repräsentiert diese
mponierende Manöverslotte nur einen Teil der britischen
Zeestreitkraft. Ein englisches Blatt hat eine Becechnung
ufgestellt, welchen Geldwert diese Mianöverkflotte darstellt.
die Kosten der Ausrüstung und der Ausbildung sodie der
zerpflegung der Mannschaften bedeuten schon an und für
h ein Vermögen von vielen Millionen, aber die Zahlen
äachsen ins Unermeßliche, wenn man den Wert der Schiffe
llein zusammenstellt. Die Manöverflotte verfügt über 7
dreadnoughts, die ein Kapital von rund 245 Millionen
Nark darstellen; dazu kommen 2 Schlachtschisfe vom Lord—
selso-Typ mit 60 Millionen Mark Wert, 8 Schlachtschiffe
om King-Edward-Typ mit 232 Millionen, sieben Formi—
dables mit 147 Millionen, 4 Albemarles mit 84 Millionen,
Majesties mit 4 Albions mit 72 Millionen. Die 43
Zchlachtschiffe bedeuten zusammen einen Wert von 1058
Millionen Mark. Die Kreuzerflotte verfügt über 3 Invin—
ibles im Werte von zusammen 105 Millionen Mark, zwei
Zhannons von 55,6 Millionen, 4 Achilles im Werie von
4,4 Millionen u. s. w., im Ganzen über 25 gepanzerte
rahrzeuge, die ein Kapital von 538 Millionen repräsen—
eren. Dazu kommen aber noch die kleineren Schiffe, die
D Kreuzer, Avisos und Minenschiffe, die durchschnittlich
Millionen kosten, die 105 Torpedobootszerstörer, die je
200 000 Mark darstellen, 60 Unterseeboote im Werte von
1200000 Mark, gegen 40 Torpedoboote, Hilfskreuzer
sw. Alles in allem stellt diese Manöverflotte im britischen
dationalverniögen einen Posten von 2269 Millionen Mk.
ar. Wenn man annimmt, daß ein Dreadnought durch—
hnittlich 30 Millionen Mark kostet, so würde man mit
iesem Gelde nicht weniger als 75 moderne Dreadnoughts
Autrurucnen, I1. Juli. Der Bazar zum Besten der
atholischen Kraukenschwestern in Saarbrücken hat einen
deinertrag von üher 5000 Mark gehabt.
Saarbrücken, 11. Juli. Ein bedauerlicher Unglücks—
au cyoueie sich gestern morgen auf der Burbacher Hütte.
der Arbeiter Karp, welcher in der Adjustage beschäftigt ist,
ürzte won einem, neun Meter hohen Kran herab. Der
Lerunglückte, der im Alter von 22 Jahren steht, wurde
ns Hüttenlazarett gebracht. Aß seinem Aufkommen wird
uwoitels da er sich schwere innere Verletzungen zugezogen

Altenwald, 10. Juli. Heute abend fand hier eine
zersammlung statt zwecks Gründunqg eines neuen Militär—
ereins. Der Verein kam zustande. Erster Vorsitzender
urde Herr Knappschaftsältester Dorscheid.
Altenwald, 11. Juli. Am Samstag nachmittag ver—
uichte ein neunjähriges Mädchen von hier, ihrem Leben
urch Erhängen ein Ende zu machen. Die jagendliche
Selbstmörderin hatte an einem Baum auf der Bannbrücke
chon einen Strick angebracht und war gerade im Begriffe,
ich die Schlinge um den Hals zu legen, als der Vorfall
von einigen jungen Burschen, die sich in der Nähe befan—
ien, bemerkt wurde. Diese eilten sofort hinzu und so ge—
ang es noch rechtzeitig, das Mädchen von seinem Vorhaben
MN 0o—— —X

A, in dessen Geschick sieh das Vos ocu vatton verror—
erte. Ganz Sedan krümmie sich unter diesem sürchterlichen
ichlage. Das Heer war wie ein zerschmettertes Gesäß, ohne
‚usammenhang, ohne inneres Gefüge, die Scherben des Na—
onalstolzes. Der Bürger fürchtete es nur noch, wie man
käuber und Diebe fürchtet; man fing an, die Stunden bis
u seinem Abzuge zu zählen. Und die Stunde kam herdei.
die Massen wurden von den Offizieren zusammengetieben.
sesunde und Kranke, wenn sie sich noch an der Krücke sort—
hleppen konnten, zogen in langen Reihen durch die weitge—
ffneten Tore, warfen dort ihre Waffen von sich und gingen
/urch die blutgetränkten Gefilde in die Gesangeuschaft, fort,
deit fort aus dem schönen Frankreich.
Auch Bourlier vermochte nicht in der Stadt zu bleiben.
IUls die Gefangenen die Tore geräumt hatten, wanderte auch
r hinaus, um sein Besitztum wieder azu sehen und seinen
Zohn zu suchen.
Die Frauen blieben in der Stadt zurück. Selbstlos wal⸗
eten sie ihres Amtes, das sie sich selbst erkoren hatten. Nur
iie Schwerverwundeten und die Nichttransportablen waren
n der Rue d'Espagne zurückgeblieben. Als auf dem Pflaster
ꝛer Schritt der preußischen Bataillone klang, die mit Pfei—
en und Trommeln die Straßen durchzogen, da schien das
eine Haus in seinen Grundfesten zu erbeben, und lautes
tammern durchzitterte die halbgeleerten Räume. In der
zerzweiflung rissen sich zwei der Verwundeten die Verbände
b, und verbluteten unter den Händen der verzweifelten
jrauen.
In ihnen war bald der Entschluß, Sedan zu verlassen,
sereift. Der Vater kehrte nicht zurück, schickte auch keine Bot
chaft.
Bittend wandte sich Frau von Tarandal an Herrn
ßrevendaux, und diesem gelang es, Pferd und Wagen auf⸗
utreiben, was keine Kleinigkeit war, denn man hatte alles
zuhrwert zur Fortichafiung Verwundeter mit Reschlaa be—
ogt.

Oer Freund des Hauses Bourlier mußte sich auch be—
snenten, selbst zu katschieren, da kein zuverlässiger Mann zu
iesem Dienst aufzutreiben war, ein Dienst, der nebenbei auch
Nut erforderte, denn vor den Toren wimmelte es von aller—
ei Marodeurs. Der Sicherheit wegen, um nicht aufgehalten
u werden, hatte sich Prevendaux einen Passierschein von dem
reußischen Kommandaunten ausstellen lassen, welcher ihm auf
as Liebenswürdigste gewährt wurde. Aber er bedurfte des
Lapieres nicht. Die deutschen Wachen und Patrouillen hat⸗
en andere Dinge vor, als harmlose Leute zu belästigen. Sie
ule folgten der strengen Manneszucht. Gut getleidet und
ut verpflegt, raubten sie nicht an den Heerstraßen, wie man
nen nachsagte,. sie schüßten vielmehyr das irauzögische Eigen—

eranlaßt hat, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.
(EIFr.«B. Gen.⸗A.)
St. Ingbert, 10. Juli. Heute fand hier die Grund—
einlegung eines Hauses für den Zweigverein des Sera—
hischen Liebeswerkes für Knaben-Erziehung statt. Tas
daus ist mit dem Bauplatz auf 190 0040 M. veranschlagt.
Meltlach, 9. Juli. Der Erweiterun zsbau des hiesigen
Zahnhofes geht seiner Vollendung entgegen; man ist zur—
eit mit der Ueberdachung beschäftigt. Infolge dieser Ver—
rößerung hat sich die Notwendigkeit eines zweiten Aus—
anges ergeben. Im Mettlacher Tunnel ist man mit der
deulegung der Gleise beschäftigt.
Kleinblittersdorf, 11. Juli. Ein seltenes Ereignis
at sich hier zugetragen. Ein Mann von 78 Jahren hat
schemit einem 17jährigen Mädchen verlobt.
Michelbach, 8. Juli. Unlängst sind hier im Hartstein—
berk Oster uud König für annähernd 750 M. Treibriemen
erschnitten worden. Als Täter hatte man 2entlassene
rbeiter in Verdacht. Gestern wurden dieselben vor Gericht
ür schuldig befunden und zu 9 Monaten Gesängnis ver—
trteil. Eine Warnung für rohe Sachbeschädiger.
Dortmund, 11. Juli. Ein 10 Jahre alter Schüler
Albert Haach aus Horstmar fuhr nachmittags mit einem
Kinderwagen zu seiner in Wickede wohnenden Großmutter.
In seiner Begleitung befanden sich zwei seiner Schwestern
im Alter von Jeinhalb und 3 Jahren. Unterwegs warf er
das Leinhalb Jahre alte Schwesterchen in einen am Weg
zjelegenen Teich, ließ sein 3Zjähriges Schwesterchen im Stich
ind fuhr mit dem Kinderwagen weiter. Bei seiner Groß—
nutter angelangt, ließ er von dem Vorfall nichts verlauten.
ind kehrte abends zu seinen Eltern zurück. Hier ins Gebel
zsenommen, bekannte er, was er getan hatte. Die 3 Jahre
lte Schwester ist inzwischen zu den Eltern zurückgekehrt,
»dährend das jüngere Kind ertrunken ist. Der Junge ist
stgenommen und soll in einer Fürsorgeerziehungsanftall
ntergebracht werden.
* Tortinund, 11. Zuli. Sebboituord. Ter 57
zahre alte Bergmann Heinrich Jaun wurde in seiner
Johnung, Riheinchestr. 102, erhangt aufge unden.
* Borhunm, 12. Juli. Gerschuttet.) Die seit Ton—
erstag auf der Zeche Hägenwintel im benachbarien Lin
en a. d. R. diurch Gestemsälte verschütteten Hauer Ge—
rüder vieuhaus haben noch nicht geborgen werden kön
ien, obwohl die Netumgsmannschaft Tag und Nacht un—
nterbrochen anu ihrer Befreiung mit Aufopferung atler
rräste gearbeitet hat. Ant Samstag Vornittag gaben die
zerschüteten lopfzeichen. Man hatie also die Hosnung,
e noch lebend zu bergen. Die Arbeiter waren auch un—
eachtet der häufigen Nachstürze schon soweit geodiehen,
aß man den Verschütteten ganz nahe war, als plötzlich
in gewaltiger, etwa 600 Wagen Gesteinmassen umfassen
er Nachsturz erfolgte. Seitdem ist jede Verständigung
nit den Werschütteten unterbrochen. Trotzdem wird die
zoffnung, die beiden Bergleute zu retten, noch nicht auf—
egeben. Es ist aber kaum zu erwarten, daß man vor
Nitte der Woche zu ihnen gelangt.
* Stuttgart, 10. Juli. GBestrafter Defrau—
ant.) Der ehemalige Obersekretär am Hoftheater, Vöh—
inger, ist wegen Unterue und Unterschlagungen, die er
um Schaden der Hoftheater, der Unterstützungskasse der
Vitwen⸗- und Waisen-Pensionsgesellischaft am Hoftheater
ind an der Kasse der Hoftheaterkapelle in den Jahren
906 bis 1910 verübt hat, zu einem Jahr und sechs Mo—
iaten Gefängnis verurteilt worden.
*Nürnberg, 11. Juli. Aussperrung.) Ange—
ichts des Streiks in der Bleistiftsabrit Akt.Ges. vormals
Fohann D. ... ahmen die vier hiesigen größten Bleistift—
Ibriken eine Arbeiteraussperrung vor.

Hochwasser.
Main;z, 11. Juli. Der Wasserstand des Kheins
eigt durch das ungleiche Verhalten der Nebenslüsse kein
inheitliches Bild. Während er im mittleren Bapen fällt,
teigt er am Bodensee und von Mannheim abwärts sehr
tark. Auch die Mosel Lerngt viel Wasser. Auf der
zZahnustrecke Mainz-Bingen reicht das Rheinwasser bis hart
in die 5 ein, so daß die Veiciden alauben im Gns
er zu fahren.
*“Mannheim, 11. Juli. Der Rhein ist, nachdem
er tagsüber auf 731 Zenimeter stillgejranden, über Nacht
zuf 742 Zentimeter, der Neckar von 729 auf 735 Itm.
veiter gestiegen. Maxan metldet seit heute früh2 Uhr
nit 741 Zentimeter Stillstand.
München, 11. Juli. In Landsberg a Lech hat
as Lechhochwasser in den letzten Tagen eine bi außer⸗
Tdentlich gefährliche Situation geschaffen, daß sich der
Nagistrat genötigt sieht, die männlichen E'nwohner unter
zerufung auf den Zwang des 8 360 Absatß 10 des R.
ẽtr.?»G.⸗B. zu Nothilfsarbeitern heranzuziehen. Alle nur
erfügbaren Menschenkräfte sind zum Schutze der beson
ers bedrohten Gehäude aufgeboten. Am Muühlbachwehr,
as vom Hochwasser abgerissen wurde, arbenelen während
es Sonntags Soldaten, Strafgefangene, Land-berger
zürger und Beamte abwechselnd, um mit einem großen
chlagwerk starke Holzpfeiler für die Wiederherstellung des
Lehres in das Flußkeitt zu treiben. Von dem sogenann—
Arnd 2 4 * R*

—vor dem vumpengesindel, das sich uberall umyerzutrei—
en begann und besonders nachts seinem lichtscheuen Gewerbe
zachging. Die Toten und Verwundeten hatte man seiner un—
nenschlichen Habgier entzogen; aber das bewegliche Eigen—
um, das hier und dort umherirrende Vieh entging den ein—
„eimischen Langfingern nicht, die um so strafloser hausten,
ils jedes Verbrechen den Feinden, den Vrussiiens. augeschrie
en wurde.
Daß die Hyänen des Schlachtfeldes überall gehaust,
nerkten die Reisenden sofort, als das Gefährt über die
ufgewühlte, holprige, von allerlei Stückwerk und Geluniz
bersäete Straße dahinrollte. Zerstörte Häuser, Brandstätten
ernichtete Gärten und zerbrochene Zäune begleiteten sie au'
eden Schritt des Weges. Das waren die Spuren des uner
Aittlichen Krieges. Aber abgezogene Kadaver von Pferder
ind gefallenem Vieh, die unverscharrt überall die Luft ver
esteten, die ausgeraubten Wohnungen, in denen jedes Mö—
zelstück, das nich fortgeschleppt werden konnte, zerschlager
var, die aufgerijennen Getreidmieten, leergepflückte Obstbäume
ie teilweise ihrer Zweige beraubt waren, die aufgebrochenen
deller, vor denen Faßdauben und Reifen lagen, ein Zei
hen, daß man die geleerten Weinfässer zerstört, das hätter
le einheimischen Räuber als Erinnerungszeichen ihres Ver—
rechens zurückgelassen.
Im Dorfe Balan, das die Reisenden durchqueren muß—
en, war nichts als die Fundamente der Häuser und die
auchgeschwärzten verkohlten Pfosten der Ställe und Scheu⸗
jen übrig geblieben. Der Kirchtum war quer über die Straße
sinabgeschmettert, ein wirrer, haushoher Haufen von Stei—
jen, Dachziegeln, Holzsparren und Erz. Die Glocken waren
ertrümmert worden, die Tae derselben bereits gestohlen.
das Turmkreuz von weißem meiall krönte, aufrecht stehend,
urch einen Zufall in den Schutt eingebohrt, den wüsten Hau⸗
en, das Sinnbild göttlicher Liebe auf dem Denkmale des
Nenschenmordes und des grausamen Hasses.
Vor dem Hindernis mußte Herr Prevendaux den geraden
Veg aufgeben. Er lenkte seinen Wagen über den Sturzacker
nitten durch Kadaver, zerschmetterte Laffetten. Wagentrüm—
ner und andere schreckliche Ueberbleibsel des morderischen
andgemenges.
Die Damen, welche auf der Straße flüsternd ihre Be—
nerkungen ausgetauscht hatien, schwiegen beim Anblick die—
er Gräuel. Zitternd verhüllten sie ihr Antlitz und weinten
iber das Unglück der Menschheit, das hier, wie nirgends,
surchtbar zu Tage trat.
Prevendaurx selbst kämpfte auf dem ganzen Wege gegen
ẽkel und Mitleid. Sobald wie uur möglich, lenkte er zur
haussee ein. Von hier aus konnte man den Fluß übersehen.

große Stlicke vVanves weggerissen uno verschlungen. Stam
jeführdet ist auch das Mädchenschulhaus und das Kloster,
orwie der vom Maler Hubert Herkomer erbaute Mutter—
urm und die Vil'a des Künstlers. Einen sehr traurigen
Anblick bietet die Sandaver Brücke, deren Brückenkörper
ich in der Mitte gesenkt hat, da das zweite rechtsseitige
Bruüͤckenjoch weggerissen wurde, ferner die Turnhalle und
die Kaufmann Maierschen Vitlen, d'ie teilweise zum Ein—
turz gebracht sind. Man befürchtet einen Erdrutsch oder
Felssturz, der die städische Wasserleitung gefährden, weny
iicht gar zerstören würde.
Mehr sparen! Die soeben veröjfsentlichte Statisti
des preußischen Statistischen Landesamts über die Ergeb—
ruie der preußischen Sparkassen 1998 ist entgegen dem Au
euschenn wenig erfreulich. AÄlierdings haben die Einla—
zen um 451 Miillionen Rark zugenommen, aber auf den
Fopf der Bevölkerung Preußsens kamen an Spareinlagen
244 Mark gegen 237 Mark im Jahre 1907, und auf
edes Sparkassenhuch im Durchschnitt 308 Mark, gegen 794
Rdark im Voriahre. Das ist eine sehr geringe qualitative
Zunahme, und selbst diese geringe Zunahme ist nur no—
ninell, denn in Wirklichkeit, d. h. an dem Kaufwert des
eldes überbaupt gemessen, kann von einer solchen Zu—
tahme angehchts des andauernd und fast bedrohlich sin—
AInden Geidwerts nicht gesprochen werden.
Das kleberangebot von Arbeitskräften im Han—
elsgewerbe ist in diesem Jahre nicht mehr ganz so stark
die im vergangenen Jahr. Im Reichsdurchschnitt kamen
Mai 1999 auf je 100 offene Stellen noch 312,21 Stel—
ungsuchende, im Mai d. J. sind es noch 264,42. An der
zelherung der Beschäftigungsgetegenheit haben aber nicht
l'ie Landesteile teilgenommen. So stellt sich im Rhein—
and der Aludrang auf 472,5 gegen 326,7 im vorigen
dahr, in Westfalen au' 866,7 gegen 422,2.
Wdord. Im Norden Berlins wurde eine in Däne—
nark geborene Prostituierte namens Nielsen, von dem ehe—
naligen Retlenden Georg Olszynski aus Warschau, durch
inen Schuß in den Hals ermordet. Olszynsti ist als ein
ilter Verbrecher, obgleich er erst 23 Zahre zählt, der Kri—
ninalpolizei gut bekanut gewesen. Er hat schon mehrere
ängere Gefängnisstrafen verbüßt.
* Frau von Schönebeck wurde aus der Anstalt Kor—
au entlassen und fuhr in Begleitung ihres Gatten nach
Berlin. Sie wird sich direkt nach Schlachtensee begeben
ind dort ein Sanatorium aufsuchen. — Der
Zchrist'teller A. O. Weber, der Gatte der Frau v. Schöne—
zeck, hat gegen den verantwortlichen Redakteur der Wil—
nersdorfer Zeitung wegen eines in ihr erschienenen Ar—
ikels die Beleidigungsklage eingereicht. Die Hauptver—
handlung soll im August vor dem Charlottenburger Schöf—
engericht statt inden.
Durch eine Kerze angezüundet. In der »pfarrlirche
u Friedeck i. Schles. hatte sich eine siebzigjährige Frau
»or sich auf dem Betstuhl eine Kerze angezündet. Wäh
end des Gebetes schlief sie ein, sie kam dabei der Kerze
n nahe, und binnen wenigen Minuten stand sie in hel—
en Flammen. Jammervolle Schreie ausstoßend, wälzte
ie sich auf dem Boden. Die Frau starb schon nach weni'
gen Stunden an den furchtbaren Brandwunden.
Johann Orth. Der gerichtliche Senat des Obersi—
hofmarschallamtes zu Wien beschäftigte sich mit dem Ein—
chreiten betreffend den Beweis des Todes des feit 1890
zerschollenen Johann Orth (Erzherzogs Johann Salva
or). Der Neffe des Verschollenen, Erzherzog Josef Fer—
dinand, hat durch seinen Vertreter, Regierungsrat Bach—
rach, in einer umfassenden Eingabe den Beweis angetre—
en, daß Johann Orth tot ist. Der gerichtliche Senat hat
dem Antrage des Einschreiters willfahrt und das Be—
veisverfahren zur Feststellung des Todes Johann Orths
ingeleitet und den Wiener Advokaten Dr. Teltscher zum
durator des Verschollenen bestimmt. Gleichzeitig wurde
in Edikt auf sechs Monate erlassen, innerhalb welcher
zeit Nachrichten von Johann Orth an das Obersthofmar—
ιιιν onnen.
Die Katastrophe von Kleinscheidegg. Von den
Verschütteten sind bis jetzt fünf Tote geborgen, drei Füh⸗
rer und die beiden deutschen Touristen. Unter der La—
wine liegen noch zwei Führer begraben, die vermutlich
nuch tot sind. Ron der 12 Mann starkeu Karawane sind
3Wgerettet worden. Auch diese trugen erhebliche, wenn
uch nicht lebensgesährliche Verletzungen davon.
Russisches. Der Revisor Senator Neidhardt hat 75
Personen, darunter elf Stabsoffziere, wegen Erpressun—
gen und Bestechlichleiten dem Gericht übergeben.
Zugentgleisung. In der Naäͤhe der Station Kisil
Arwat (Rußland) entgleiste ein Eisenbahnzug. 19 Perso
ten wurden getötet, 31 verwundet.
Entgleist. Auf der Selundärbahnlinie Paris Arpa—
on entgleiste ein Zug in der Nähe von Montheny. 15
steisende ersitten zumeist leichtere Verletzungen.
Eisenbahnwagen für Aeropläne. Der Flugspori
jat sich schon so eingebürgert, daß Wettflüge be nahe so
alltägeiche Creignisse wie Pferde- oder Radrennen zu sein
cheinen. Den Bedürfnissen des neuen Sports irägt nun,
vie „Die Welt der Technik“ mitteilt, die englische Bahn—
»erwaltung als die erste offiziell Rechnung, indem sie
um Trausport von Flugapparaten besondere Wagen ein
zeführt hat. Auf der London and North Wesitern Rail
vay sind sie bereits in Beirieb. Sie besitzen die beträcht
iche Länge von 15 Mietern, ihre Breite und Höhe be
rägt je 2,6 Meter. Rechts und links sind je zwei Tü
ren von 1,5 Meter Breite und 1.7 Meter Höhe ange

— ⸗ ——
„Die Fabrit ist zerstört“, sagte er, erschrocten anhaltend.
Sein scharses Auge hatte die noch rauchenden Trümmer der
Nebenhäuser erkannt.
„Ich ahnte es“, erwiderte Desiree bebend. „Darum auch
ehrte Papa nicht zurück.“
„Er sucht noch immer nach Olivier, den er mehr liebt,
als ich je geahnt“, seufzte Frau von Tarandal.
„Wenn der Bruder seinen Heldenmut mit dem Leben be—
ahlt hätte, es wäre entsetzlich.“
„Heldenmut?“ fragte die alte Dame grollend, während
Prevendaux wieder das Pferd antrieb, „Heldenmut nennsi
)u die Tat Deines Bruders? Ich nenne es Vermessenheit.
Lahnsinn.“
Der Wagen war der Fabrik nahe gekommen. Die In—
assen konnten deutlich den Zustand derselben erkennen. Das
»auptgebäude war von fseindlicher Artillerie zusanimenge;
chossen, die eisernen Treppen und Balkenlagen, die Träget
ind Säulen ragten aus dem Schutte frei in die Luft. Die
Uureaux und Nebengebäude waren ein Raub der Flammen
jeworden, die Lagerräume standen unversehrt.
Den Zustand auf den Höfen konnten die Reisenden nichi
ehen; die Ruinen der Gebaͤude genügten, um bei ihrem An
olick ein verzweiflungsvolles Klagen zu erwecken. Doch wur—
den die Frauen bald getröstet, als sie das Herrenhaus ganz
inversehrt fanden. Das Dach mit den Luxusziegeln gleißte
goldig, aus den Essen stieg Dampf hervor, die Gitter um
den Garten waren unversehrt, das Tor offen wie immer, der
Lark prangte im grünen Blätterschmuck, aber am Giebel des
dauses wehte die weiße Fahne mit dem roten Kreuz.
„Man hat in der Villa ein Lazarett eingerichtet“, sagte
Prevendaux, sich zu den Damen umwendend und wies mil
der Spitze der Peitsche nach dem flatternden Tuch. „Wünschen
Zie, daß ich trotzdem in den Park einfahren soll?“
Frau von Tarandal nickte energisch.
„Unter allen Umständen. Unsere Anwesenheit ist hier
õötiger als je.“
„Fürchten Sie sich nicht?“
„Nein. Ich glaube auch nicht, daß man den Eigentüme—
innen den Eintritt verwehren wird. Alle Aerzte sind human,
uch die Deutschen werden keine Ausnahme machen. Lenken
Zzie getrost in den Park ein.“
Prevendaurx gehorchte mit einem schweren Seufzer. Er
urcheie ernstlich fur die Sicherheit der Damen und konnte
hr Vertrauen nicht begreisen. Langsam fuhr er um das
sJondel und hielt an der Verandatreppe. Niemand ließ sich
ehen. Siill lag das Haus in der Sonnenglut. Desiree klet—
erte aus dem Wagen und half auch der Tante auf den Bo—

ortsekzung d
            
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