afsung. sofort ein'ge 10 Afund Aagle zu taufen. Alsbau
atte man das Weibchen auch soweit, daß es diese mi—
Vohlgefallen und Begierde im Baffin aufzufischen be
jann. Der männliche SeeElesant ist recht gut am Futtern
ind frißt kleine Schellfische mit besonderem Wohlbehagen
»erschmäht aber volltommen die Aale. Lange wird di
Fütterung mit Aalen nicht anhalten können Deshalb kam
nan auf die Idee, dem Weibchen andere lehende Fische
mzubieten, um herauszufinden, ob das Tier überhaupf
indere Fischnahrung als Aale annehmen würde. Es siellie
ich alsbald heraus, daß das Weibchen ein größerer Fein
chmecker zu sein scheint, als sein Gemahl. Geeignete le—
ende Seefische zu bekommen ist unmöglich, Flußfische
chon leichter. Nun fragte es sich, werden die schaͤrsen
zlossenstacheln der Flußfische den Tieren nicht schaden?
deshalb war es ein glücklicher Gedanke, dem Tiere le
ende Schleie anzubieten. Der Versuch, der mit der erste
zchleie gemacht wurde, glückte vollkommen, noch am sel—
en Nachmittage fraß das Tier weitere vier Schlese, so—
aß man durchaus nicht mehr zu besfürchten braucht, das
kier werde etwa, wenn ihm Male nicht mehr geboten
verden, des Hungertodes sterben. Die Sorge, daß dies
zeschehen könnie. ist um so unbegründeter, ats die Tiere
uch in ihrer Heimat zur Sommerzeit 3 bis 4 Monai—
rur auf dem Lande leben, ohne ins Wasser zu gehen und
dahrung zu suchen. — Erwähnt se noch, daß der See
klefant ausgewachsen bis zu 23 Fuß lang wird und in
er Form einem sehr großen Seehund ähnelt. An dem
unden Kopf ist das Fehlen eines äußeren Ohres und
ie enorme Größe der kreisrunden, dunklen, nach vorn
erichteten Augen auffallend. Beim männlichen Geschlech:
esitzt der erwachsene See-Elefant eine rüsselartige Ver—
aängerung der Schnauze, die auch bei dem im Tierpar
efindlichen juͤgen Männchen schon in der Anlage vor—
anden is—
okales und Vermischtes.
Dudweiler, den 7. Juli.
Es regnet ... Es regnet seinen Lauf, heißt es in
»em bekannten tieffinnigen ,Poem“, aber nur allzulange
chon und allzuviel. Es gibt Menschen, die gar nicht begreifen
vollen, wo eigentlich das Wasser alle herkommt. Angesichts
er annormalen Witterung hat die Preisberichtsstelle des
Deutschen Landwirtschaftsrats ihren meteorolog. Berichter—
tatter Professor Dr. Leß um eine gutachtliche Aeußerung
iber den wahrscheinlichen Witterungscharakter dieses Som—
ners gebeten. Der bekannte Meteorologe hat einen Vericht
rstattet, dem wir folgendes entnehmen: Seit dem letzten
dezember haben alle Monate in Norddeutschland zu hohe
Nitteltemperaturen gehabt. Verschiedene Umstände haben
usammen dahin gewirkt, daß bei uns, namentlich im Nord—
‚ssten, seit vielen Wochen trockene, warme östliche Winde
nehr als sonst in dieser Jahreszeit die Oberherrschaft hatten.
Wenn sie also auch gegenwärtig durch die im Juni beson—
ers kühlen Nordwestwinde und durch eine an Niederschlägen
weiche Zeit abgelöft worden sind, so dürfte immerhin mit
er nicht geringen Wahrscheinlichkeii zu rechnen sein, daß
ie Os· 1 — 4 —* n 2*
vwoaldeniar war veim Eauire ODioiters aufgesprungen.
Bleich und bebend stützte er sich auf die Lehne seines Stuhles.
Als er die Worte vernahm, die sein Feind eigens für ihn
zerechnet hatte, warf er stolz den Kopf zurück. Aber noch
chwieg er in weiser Mäßigung; denn er fühlte Desirees
dand auf seinem Arm und bhörte ihr ängstliches Atmen dicht
in fseinem Ohr.
Durch den brausenden Lärm der künstlichen Entrüstung,
er den Saal erfüllte, hörte er ihre flehende Stimme:
„Schweige, Geliebter, bei unserer Liebe beschwöre ich
dich!“
Er aber schüttelte leise das Haupt.
„Wie ist alles so schnell gekommen?“ fragten die Herren,
ich zu Olivier drängend, „woher haben Sie diese Nach—
ichten?“
—D
alles in sieberhafter Aufregung, man verschlingt förmlich
zie Berichte, die von der Grenze kommen. Unser Gesandter
sgenedetti hat dem preußischen Könige das liebenswürdigste
Anerbieten in der spanischen Thronfolgesache gestellt. Er
vñrde in schimpflichster Weise beleidigt. Der König ist nach
riesem Affront nach Berlin geflüchtet. Herr von Bismarck
jat eine unglaubliche Koalition der deutschen Stämme zu—⸗
ammengebracht. Wir stehen allen deutschen Völkern gegen—
iber; aber wir werden sie zerschmettern — zerschmettern wie
ieses Glas.“
Er warf das Kelchglas, das man ihm mit Wein gefüll⸗
migegengebracht hatte, gegen die Wand, aber absichtlich so
»atßz es dicht an Waldemars Kopf vorbeischwirrte und un
nittelbar hinter dessen Rücken in Stuücke brach. r
Da reckte sich Tyrolt empor.
„Meye mene telel“, rief er mit grollender Stimme. „tri⸗
mphiered nicht zu fruͤh, edier Zöglittg der dertotterien sran
zösischen Armee. Ihr steht einem Heere von Helden gegeniber.
Wehrt Euch, daß sich das zweischneidige Schwert, das
Ihr im frechen Uebermute aus der Scheide gezogen, nicht
zegen Euch lehre und Euch bis auf den Tod verwunde!““
„Was sagt er, was wagt er?“ fragten die Gäste, empört
on dem Manne zuxöcktretend. den ne soeben noch bealüch—
vunscht und geehrt hatten. ——
„Die Wahrheit, die Worte der Vernunft“, antwortete
ieser in loderndem Zorn. „Ich habe die Albernheiten krank⸗
jafter National⸗-Eitelkeit mit mitleidigem Lächeln angehört;
ch habe die Achsel gezuckt, als die kriegslüsternen Politiker
ier mein Vaterland ohne einen Schwertstreich zu erobern
»ähnten; ich habe alle die Schwätzereien unbeaniwortet gez
assen, als man den Abfall der deutschen Stämme von der
zeutschen Sache vorausseßte — Gottlob, die Depeschen haben
as Gegenteil bestätigt — ich habe geschwiegen; aber
codenheit noch verhältnismäßig oft im Laufe dieses Som—
ers wiederkehren und sich hier jedesmal während mehr
der weniger langer Zeit behaupten werden. — Hossen
dir's Beste.
Voraussichtliche Witterung.“ Vorläufig keine Aenderung.
Die Telefondamen haben im allgemeinen keine sehr
ateressante Beschäftigung. Gespräche mithören sollen sie
icht, zum mindeslen dürfen sie nicht darüber reden. Aber
twas sollen sie doch entlastet werden. Die Oberpostdirektion
zerlin will Phonographen einstellen sür befonders häufig
»iederkehrende Antworten, z. B. „Leitung gestört“, „Leitung
zesetzt“, „bitte später nochmals rufen“ u. a. m. Ein Druck
iuf einen Knopf und der Phonograph schnarrt seine Rede
n die Leitung. Ob dadurch Zeit erlpart wird, ist aller—
ings fraglich.
Der Deutsche Kraftwagenpark für militärische Zwecke
ind Dienstleistungen hat sich in den letzten Jahren stetig
ind stark vermehrt. Während die Gesanitzahl der für den
driegsfall zur Verfügung stehenden Kraftwagen vor drei
Jahren nur wenig über 27 000 betrug, waren im Jahre
909 nahezu 42 000 derartigen Wagen vorhanden. Davon
varen 39 500 Wagen für den Personenverkehr und rund
»500 Wagen für Lastentransporte bestimmt. Besonders
rark hat sich in den letzten beiden Jahren das Lastwagen—
naterial entwickelt: es hat sich gegenüber dem Bestande von
907 nahezu verdoppelt Es trifft deshalb durchaus zu,
venn einer der französischen Heerführer, General Langlois
dor einiger Zeit im Senat darauf hingewiesen hat, daß
Deutschland in bezug auf die Entwickelung des militärischen
Krafiwagendienstes weit voraus sei und daß diese Ueber—
egenheit für den Mobilmachungsfall von wesentlicher Be—
drutung werden könne. Wenn das deutsche Heerwefen auch
in dieser Beziehung einen erheblichen Vorsprung errungen
zat, ist dies in erster Linie dem Vorgänger des jetzigen
driegsministers, dem General von Einem, zu danken, der
zdie hohe Bedeutung des Automobils für militärische Zwecke
ofort erkannt und keinen Augenblick verabsäumt hat, die
Lorzuͤge dieses Transportmittels für das deutsche Heer nutz—
»ar zu machen. Die Heeresverwaltung hat sich aber nicht
darauf beschränkt, im Verbande der Armee selbst einen stän—
zigen leistungsfähigen Kraftwagenpark zu schaffen. Sie hat
dielmehr mit zahlreichen Großbetrieben, namentlich mit Groß—
»rauereien und sonstigen Wirtschaftsunternehmungen, deren
Geschäft den Transport schwerer Lasten mit sich bringt,
mehrjährige Verträge abgeschlossen des Inhalts, daß diese
Firmen für ihre eigene Rechnung Kraftwagen erbauen
assen, wobei jedoch bei der Herstellung der Wagen gewisse
Forderungen und Vorschriften der Heeresverwaltung berück—
zichtigt werden müssen, daß die Besitzer diese Wagen dann
ständig benutzen, aber dafür, daß sie diese Kraftwagen je—
»erzeit in brauchbaren Zuständen für die Heeresverwaltungen
zur Verfügung halten, nach bestimmten Vereinbarungen all⸗
ährlich Entschädigungen empfangen. VDieses Verfahren ist
ür beide Teile entschieden vorteilhaft. Die beteiligten Groß—
»etriebe haben ein stabiles, leistungsfähiges Materiol zur
Versügung. Die Heeresverwaltung aber sport die jedenfalls
sehr hedeutenden Kosten, die eine dauernde Bereitschaft und
Unterhaltung so vieler Kraftwagen nötig machen würde
und vor allen Dingen bleibt die Heeresverwaltung davor
oewahrt, im Ernstfalle veraltete, nicht mehr auf der Höhe
tehende Systeme verwenden zu müssen. Im Gegenteil,
»ieses Verfahren gibt die Gewähr, daß die im Ernstfalle
hon außen herangezogenen Kraftwagen, da sie durchgehends
uiur wenige Jahre im Betrieb sein dürften, nach neuesten
Systemen erbaut siad. In Wirklichkeit duͤrfte also die Zahl
»er Lastwagen mit Motorbetrieb, welche die Heeresverwal—
ung gegebenenfalls zur Verfügung hat, über den oben an—
egebenen Bestand erheblich hinausgehen.
Unteroffizierschüler und -Vorschüler. Für die dies—
ihrige Herbsteinstellung ist noch ein erheblicher Bedarf an
nteroffizierschülern und Unteroffiziervorschülern vorhanden.
zunge Leute im Alter von 141,, bis 17 Jahren, die zum
cintritt bereit sind, können sich jederzeit beim Bezirkskom—
nando melden. Die Aufnahmebedingungen werden jedem
uf Wunsch verabfolgt, liegen auch zur Einsichtnahme auf
en Polizeirevieren aus.
Quierschied, 5. Juli. Vergangene Nacht statteten Diebe
em Laden des Uhrmachers Jos. Kunrath von hier einen
zesuch ab. Sie drangen durch ein Fensier des Hinterge—
äudes ein, erbrachen die Schlösser von vier Türen und
elangten so in den Laden. Die elektrische Klingel hatten
ie wohlweislich durchschnitten. Ein Versuch, den Kassen—
chrank zu erbrechen, ist ihnen mißlungen. Als Beute fielen
en Dieben in die Hände Uhren, Uhrketten für Herren und
damen, Trauringe, Broschen usw. im Werte von ungefähr
000 Mark. Diebe, drei an der Zahl, wurden bei ihrem
bzuge von dem inzwischen erwachten Besitzer noch gesehen,
ud aber leidrr unerkannt entkommen. (Sbr. Volksztg.)
Großblittersdorf, 5. Juli. Der Wirt Hallick von hier
zab sich gestern abend um 5 Uhr aufs Feld, um nach
zen Schimpf, den mir dieser Exleumnant antun wortte, werde
ch nicht sanftmütig ertragen. Das lange Glas, welches er
on sich schleuderte, sollte mich treffen. Natürlich hat es mich
efehlt. Aber seine Reden haben mich verletzt und darauf
vill ich ihm dienen. Ich habe es geahnt, daß der Heraus—
orderung des eitlen Franzosenkaisers ganz Deutschland ant—
vorten würde, daß sich alle Stämme unserer Nation wie ein
Nann erheben würden, wenn man Preußens König, den
Ichirmherrn des Norddeutschen Bundes, in seiner Majiessät
erletzt. Nicht nur wir Sachsen, ein jeder deutsche Stamm
sält zum Reiche, wenn der Erbfeind droht und aufs neue
eine beutegierige Hand nach deutschen Besitztum ausstreckt
der Verheerung in unsere Fluren tragen will. Nicht Ab—
all ist es also, was geschehen, sondern Treue, die den Deut⸗
chen stets auszeichnet; nicht Feigheit führte die Sachsen zum
reußischen Trutzbündnis, sondern Mut, das Vertrauen, das
zefühl der Zusgmmengehörigteit. Und dieses Volk von Brü—⸗
zern wollt Ihr zerschmettern mit Euren absintduftenden Offi—
ieren, Euren undisziplinierten Soldatenhorden? Wehe Euch,
zhr abenteuerlustigen Unruhestifter, die Ihr den Völkerfrie—
en stört, um ein Phantom, die Lüge des Kaiserreiches auf—
echt zu erhalten. Wenn Ihr zuckend am Boden liegt, werdet
zhr einsehen, wie groß Eure Narrheit war. Denn Eure
Jernichtung wird das Ende des Spazierganges nach Berlin
ein, von dem Ihr faselt in Eurer wahnsinnigen Selbstver—
„lendung. Und nun Gott befohlen und auf Wiedersehen in
zaris!“
Er wandte sich zum Gehen. Desiree war in einen Sessel
esunken, Frau von Tarandal beugte sich zitternd und Worie
er Liebe flüsternd über sie. Die Frauen drückten sich ängst⸗
ich in eine Ecke des Salons, die Männer standen um Olivier
eschaart, der wutbebend vergeblich nach Worten suchte. Alles
var wie auf den Platz gebannt, nur Bourlier behielt die
raft der Bewegung und vertrat seinem Fabrikdirektor den
beg.
„Wohin wollen Sie?“ fragte er, keuchend vor Aufregung
ind Zorn. „Bleiben Sie, ich befehle Ihnen, alle Anwesen⸗
⸗en um Verzeihung für Ihre unbedachten Worte zu bitten.“
„Laß ihn doch gehen, Papa“, spottete sein Sohn, bevor
och Tyrolt antworten konnte. „Er muß ja nach Hause,
deutschland gegen unsere undisziplinierten Soldatenhorden
u schützen und unsere Vernichtung vorzubereiten.“
„Sie sprechen die Wahrheit, Herr Exleutnant“, erwiderte
vrolt stolz. „Ich reise nach Dresden, um mich dort dem
98. Schützenregiment zu stellen, dem ich als Offizier ange—
söre. Merken sich sich die Regimentsnummer, Sie werden
ielleicht noch einmal von ihr hören.“
Sie wollen Frankreich verlassen, um gegen uns zu
impfen?“ fragate Bourlier beftig. „Sie erklären sich öffent—
ascht. Als seine Angehörigen, durch sein Ausbleiben be—
nruhigt, nach ihm ausschickten, fanden sie ihn tot auf dem
reien Felde vor. Es zeigt sich an ihm Spuren eines
zlitzschlages.
Engelfangen, 5. Juli. Wegen Meineidsverdacht wurde
ier am Freitag ein erst 18 Jahre altes Mädchen verhaftet
Trier, 153. Juli. Ein beim Bahnbau beschäftigter Schieß—
neister in dem Eifelort Hällschlag ist beim Nachsehen eines
zßohrschusses von dem plötzlich losgegangeneun Schuß voll—
tändig zerrissen worden.
* Köln, 6. Jun. (8Se1bst mor d.) Der Fahnenjum⸗
er Quark vom 65. Inf.-Regt. hat sich in der Kaserne
erschossen. Der Grund zur Tat dürfte darin zu suchen
sein, daß Qu. nicht befördert wurde.
* Aachen, 6. Juli. (RJug-Zusammenstoß.) Bei
inem Zusammenfloß eines holländischen Zuges mit einem
elgischen Arbeiterzuge am hiesigen Bahnhof sind 18 Ar—
beiter schwer und etwa zehn leichter verletzt worden. Der
Packwagen und ein Personenwagen des Arbeiterzuges sind
»öllig zertrümmert.
* Düffeldorf, 6. Juli. (Berbrechen.) In einem
hause in Mündelheim wurde die Leiche eines Mannes
jefunden, der sich dort zum Schlafen niedergelegt hatte
ind an dem, nach dem Befunde der Verletzungen, ein
Lerbrechen begangen worden ist. Es handelt sich um den
30 Jahre alten Peter Schönberger aus Sulzbach hei
Zaarbrucken.
* Kaldenkirchen, 6. Juli. Histrischer Fund.)
Fin bemerkenswerter Fund ist vor einigen Tagen im
KNheinlande in der sogenannten Peel-Heide hinter Venlo
uuf holländischem Gebiet gemacht worden. Man fand bei
dem Torfstechen in einer Tiefe von 154 Meter einen blin—
enden Helm miit goldenen Platten und silbernen Knöp—
sen und Stiften, serner einen großen Mantelhaken, die
zronzene Spitze eines Pfeilköchers, ein golddurchwirktes
Zäckchen mit 41 silbernen und bronzenen Münzen, die
„umeist das Bildnis des römischen Kaisers Konstantin
rugen, sowie einen vergoldeten Stiefelsporn.
* Remscheid, 6. Juli. (Ein Dramad) Hier hat ein
Arbeiter seine Ehefrau durch Messerstiche am Kopfe ver—
etzt. Als die Polizei kam, floh er in einen Wald und
rhängle sich.
* Dortmund, 6. Juli. (Soziale Einrichtung)
Das Eisenwerk „Phönix“ hat für seine Bureaubeamten bei
dem Hörder Verein einen dienstfreien Nachmittag einge—
iührt, indem jeden Samstag nachmit!ag abwechselnd die
dälfte aller Beamten dienstfrei ist.
* Hohensyburg, 6. Juli. (Treppenftur z.) Hier
türzte die junge Frau des Bergmanns Schneider die
Treppe herunter und erlitt einen Schädelbruch. Die Frau
tarb turz darauf.
* Darmstadt, 6. Juli. (Flugleistung.) Erich
Lochner aus Aachen flog hier um die Bedingungen für
»en Erhalt des internationalen Flugzeugführer-Patentes.
er umflog den Darmstädter Truppenübungsplatz neunmal
nit drei glatten Zwischenlandungen. Die zurückgelegte Ge—
amtentfernung betrug 35 Kilometer. Der Aviatiker er—
eichte Höhen bis zu 100 Metern. Den Flügen wohnte
ine große Anzahl von Offizieren bei.
* Karlsruhe, 6. Juli. (Ghrung Dernburgs.)
der Großherzog hat dem Staatssekretär a. D. Dern-—
urg das Großkreuz mit Eichenlaub des Ordens vom
ähringer Löwen verliehen.
NMeuer Weihbischof in Gnesen. Domherr Jasinski
u Posen ist zum Weihbischof in Gnesen ernannt' worden.
asinskti war früher Divisionspfarrer in Königsberg.
Speicherbrand. Ein verheerendes Großfeuer wütete
iden umfangreichen Speichereien am König Albert-Hafen
A Dresden. Der Brand enistand in den riesigen Baum—
oollvorräten. Die zahlreichen Dampfspritzen standen dem
euer vollständig machtlos gegenüber. Nach stundenlan—
er Arbeit gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu be—
hränken. Ein Feuerwehrmann ist ums Leben gekommen,
nige andere haben erhebliche Brandwunden erlitten. Der
shaden beziffert sich auf 2 Millionen und ist durch Ver—
cherung gedeckt.
Hofrichter. Wie verlautét, wird Hofrichter bereits
zinde der Woche unter starker Eskorte nach der Festung
lrad überführt werden, wo er seine Strafe verbüßen
oird. Hofrichter wird jetzt zu Arbeiten in der Kanzle'
zerwendet und 8 Stunden täglich Dienst haben.
Studenten⸗-Unruhen. Die Universität Lemberg bleibt
zis auf weiteres geschlossen, da man neue Ausschreitungen
efürchtet. — Unter den Wiener polnischen Arbeitern ist
ine erregte Stimmung vorhanden, weil sich das Gerücht
»erbreitet hat, daß der Justizminister Dr. von Hochen
urger eine besondere Untersuchungs⸗Kommission nach Lem
„erg senden will, die die Schuldigen bei den Ausschrei—
ungen in der Universität unparteiisch seststellen soll.
Fürst Bülow. „Echo de Paris“ meldet aus Mai—
ind: Fürst Bülow, der sich seit einigen Tagen in Be
leitung seiner Schwiencrmutter in Mailand aufhält
bird wahrscheinlich schon in den nächsf'en Tagen nad
eutschland abreisen, um in Norderney jeinen gewohnten
ommeramnienthalt nehmen.
WVorsichtsmaßregeln. Der Pariser „Matin“ berich
et, daß das Spezial-Rekrutierungs-Bureau des Deparie
ients der Seine, sowie verschiedene andere Verwaltungs
ellen der Militär-Verwaltung von Paris vom Kriegsmi
isterium den geheimen Befehl erhalten haben, driugend
ie Mobilmachungsbefehle für alle Arbeiter und Angesiellte
GEisenhet 7 — 2 42 J— u:
—als Frantreichs Feind? Saben Sie auch bedacht, daß ein
solcher nie der Mann meiner Tochter werden kann?“
„Um meiner Ehre, um meines Vatetlandes willen muß
ch mich in das Aergste schicken“, antwortete Tyrolt, einen
Zlick unsäglichen Schmerzes auf die Geliebte richtend. „Die—
er Krieg, den Uebermut und Frivolität heraufbeschworen,
wird viele Herzen brechen. Warum soll mir ein besseres
Schicssal werden? Ich werde meine Pflicht tun, so lange ich
lebe, denn ich stelle die Pflicht über die Liebe. Muß es sein,
so will ich lieber für immer scheiden, als meine Ehre ver—
ieren. Lebe wohl Desiree, teure Einziggeliebte, leb wohll!“
„Nein, ich will, ich kann nicht von Dir scheiden!“ rief
die Unglückliche, sich an ihn klammernd. „Bleib bei mir, ver—
lasse mich nicht, ich würde vor Schmerz und Sehnsucht ster⸗
en.“
„Ich darf es nicht, Desiree. Wir müssen uns trennen,
vohl für immer. Frage Deinen Vater. ob Du noch ferner
nir gehören kannst.“
„Zu mir, meine Tochter!“ befahl Bourlier streng. „Be—
rühre dieen Mann nicht, der mich und uns alle beschimpft
jat!“
Ich liebe ihn, Vater, meinen Retter, von ganzer Seele.
Ihm gehöre ich für das Leben.“
„Dein Leben gehört Deinem Vaterlande, das seine un—
eren Feinden. Wir haben nichts mehr miteinander zu schaf—
en, wenn er mein Haus verläßt.“
„Du hörst es, Geliebte“, flüsterte Waldemar, ihre Stirne
nit innigem Kusse berührend und dann die fast Sinnlose
anft in den Arm der Frau von Tarandal legend, „es muß
zeschieden sein. Vielleicht führt uns der Himmel dennoch
vieder zusammen.“
„Nach dem Kriege“, hohnlachte Olivier, der die Worte
zennoch erlauscht hatte. „Nun, die Chassepots unserer Bra—
zen werden Ihnen die Heiratsgedanken vertreiben und die
Pditrailleusen ein Lied schnarren, das nicht nach Hochzeit
lingen wird.“
Waldemar schien ihn nicht zu hören. Tief traurig wandte
ꝛ⁊ sich an scinen einstigen Chef.
„Wenn ich in dieser schrecklichen Stunde ein Wort ge—
prochen habe, das Sie verletzt hat, Herr Bourlier, so bitte
ch. verzeihen Sie mir. Halten Sie es meiner Gereiztheit zu
zute. Bewahren Sie mir ein freundliches Andenken, wie ich
Ihrer sieis in Liebe und Hochachtung gedenken werde Gott
chütze Sie und Ihr Haus.“
Er verließ den Salon. Einer der jungen Leute nmiachte
Mrene, ihm den Weg zu vertreten, aber der strenge Blick
»urlier s hielt ihn zurück. Als sich die Tür hinter dem
cheidenden geschlossen halte, packte den Maire eine unbändige
921
aran, daß oie Angejtellten der Eisenbalen bei diesen Mo—
ilmachungen nicht wie die übrigen Bürger behandelt
derden, und daß für sie die übliche Instruktions-Periode
ortjaällt. Das Blatt schließt aus dem ergangenen Befehl,
aß alle Vorbereitungen getrofsen werden, um für den
zall der Verkündigung des Generalstreils alle Eisenbah—
ser zu zwingen, die Arbeit fortzusetzen. Der Befehl be—
rifft 180 000 Eisenbahner. Die nötigen Arbeiten zur
Durchsführung dieser Mobilmachung werden noch im Laufe
ieser Woche beendet sein.
Blitzschlag. In der Kirche zu Nantiat (Franktreich,
wylug während einer Leichenseier der Blitz ein und tötete
in 16jähriges Mädchen.
Racheakt? Aus St. Quentin wird gemeldet, daß
in 18jähriger Tischlergehilse namens Detraur vor dem
Zolizeikommissar einen Schutzmann durch WMiesserftiche le—
ensgefährlich verletzte; der Angre fer, der sofort verhaftet
varde, erklärte, er kenne den Schußmann nicht, er habe
iur den kürzlich hoingerichtelen Liabeuf rächen wollen.
Schrecklicher Mord. Der in Jeklalterinenburg an—
ässise Dr. Bekarewitsch, dessen Frau und zwei Kinder
vurden ermordet und die Wohnung ausgeraubt. Von
»en Tätern sehylt noch jede Spur.
Offiziersschusden. Durch Vermistelung des russi—
chen Gesandten in Belgrad ist zwischen der russischen
zank und dem flawischen Offiziers-Verein hinsichtlich der
egelung der Schulden der serbischen Ofsiziere eine Ver—
noarung getrossen worden. Die Bantk streckt 4 Millio—
en Franks vor, die im Amortisationswege zurückbezahlt
verden.
Schisfisuuglück. In der Langanesbucht an der Nord—
zitze von Island ist das isländische Schiff „Kierstine“ ge—
eniert. Zwölf Personen sind umgekommen.
Opfer des Unabhängigkeitsfestes. Aus New—
hork wird berichtet: Beim Abschiehen von Feuerwerk an—
äßlich der Feier des Unabhängigleitssestes wurden im
anzen Lande 27 Personen getötet und 1758 verwundet.
Kaiser-Gedenkstein. Zu Ehren Kaiser Wilhelms isi
1 Aalesund ein Densstein enzeweiht worden, der sieben
sdeter hoch ist. auf der Vocrder,eite das Hohenzollernwap⸗
en mit dem Porzrätmeoaillon des Kaisers in Bronze
eigt und die Inschrift „W. 2. 1904“ rägt. Die Stadi
st beflaggt.
Grundloses Gerücht. Zu der Behauptung, daß Rai—
er Wilhelm der nächste Preisträger des Friedens-Nobel⸗
zreises jein werde, meldet eine Ualmöer Zeitung, das
zerücht stamme von einer Aeußerung her, die der Er—
raͤsident Roosevert während seines Stockholmer Besuches
etan haben soll. Roosevelt soll nämlich erklart haben,
aß Kaiser Wilhelm das Recht habe, den Nobepreis zu
rwarten, weil durch die Energie des Kaisers der euro—
„äische Krieg, der infolge der Einverleibung Bosnens
gedroht habe, verhindert worden sei. Der Vorsibende des
iorwegischen Friedenspreisausschusses hat das Gerücht als
rundlos ertlärt.
Großfener. In der Stellmacherei und Waggonfabrik
bon Orenstein und RKoppel in Berrin ist aus bisher noch
nicht aufgeklärter Unsache ein gewalt'ges Feuer ausgedro—
hen. Bis in die Morgenstanden geiang es nicht, den
Brand zu löschen.
Berlinisches. Die Bevölkerung von Berlin
jat sich vom Zuni v. J. bis Juni d. J. nur um 17 807
iuf die Zahl von 2119 425 vermehrt, diese geringe Zu—
iahme ist auf den Fortzug nach den Vororten zurüchkzu—
ihren. Der Besitzwechsel von Grundstücken in Berlin ist
n Mai dis. Is. ganz auffallend zurückgegangen und er—
ffnet keine günstigen Ausblicke für den Grunostücksmarkt
dagegen nimmt der Personenverlehr andauernd zu. De
ßroße Berliner Straßenbahn beförderte z. B. im Mai d
J. fast 3 Mill. Fahrgäste mehr als im Mai v. J. und
in Juni d. J. sogar über 3 Mill onen. Die Hoch- und
Untergrundbahnen hatten eine Steigerung von 135 300
ßersonen und die Omnibus-Gesellschaft von 540 000 Fahrzästen
zu verzeichnen. Ferner wurden durch Kraftomnibus—
inien rund 240 000 Personen im Mai d. J. mehr be—
fördert. Durch die Stadt- und Ringbahnen und die städ—
ische Straßenbahnen wurden insgesamt 13 Mill. Kapr
zäste mehr befördert.
Eine tragikomische Geschichte spielte sich gelegent
ich eines Festes auf dem Rittergute Hanswalde bei Saa—
eld (Ostpreußen) ab. Als das Hoch auf die Gutsherr⸗
chaft verklungen war, kommandiert der Inspektor, der
en Festzug leitete: „Leute, nun singt zum Schluß das
ried „Ueb' immer Treu und Redlichkeit“. Musik spielen.“
dieses geschah auch. Während nun die Leute sangen,
vurde von bisher nicht ermittelten Personen die Speise—
ammer erbrochen und eine Menge Vorräͤte gestohlen. Erst
ils die Leute zum Tanz an den Speicher gezogen wa—
en, entdeckte die Gutsherrin, daß trotz der guten Lehre
es soeben gesungenen Liedes Schinlen, Würfte und
zpeck verschwunden waren.
Die mit dem Perspektiv. Eine kuriose Art von
daturbetrachtung. die man gerade auch unter den Deut.
3 Engländern und Amerikanern allzu häufig findet,
air von K. Cermann im Kunstwart“ glossiert:
Warum sollte ich denn im Gehn
Durch mein Perspektiv nicht sehn?
Schön ift es auch anderswo. *
Hier bin ich mal sowieso
hzier habt ihr ihn in Buschs wohlwollendem Konierfei,
gem ihr in muerẽfreulicher Wirklichleit auf jeder Sommer—
—
„Es ist meiner Amtspflicht entgegen, diesen frechen Prut-⸗
aen ohne Satisfaltion abreisen zu lassen“, schrie er, mit den
dänden herumfuchtelnd. Ich werde ihn verhaften und den
dommandanten ausliesern. Er ist ein Spion, er muß er
chossen werden.“
„Ja, ein Spion, ein Spion, der in unserer Mitte lebte,
die Kriegsgeheimnisse zu erspähen“, bestätigte Prevendaux.
Die Schwächen unserer Nation zu verraten“, fügte ein
inderer hinzu.
Srantreich hat keine Schwächen, unterbrach ihn Bour⸗
lior breper Aber dieser Maun, den ich geliebt habe,
ind der umd in loller Verblendung verneß. war kein Spion.
dassen Sie hn ziehen. Wenn er den Wahnsinn begeht, sich
uinter den Trümmeen jeines ogenannen Deutschlands mit
egraben zu lafsen, so mag er seines Sillen haben. Fur
oche Schwarnier Iwbi es iein baseres Aezept als die fran⸗
ösische Kugel.“
Zwei Stunden später bestieg Waldenter Tyrolt den bel·
ischen Zug, der ihn aus Sedans Maueru nach der Heimat
ihren soine. Er wählte diesen Umweg, da die deutschen
ürenzen in der Tat bereits gesperrt waren. Von Ramur
aus, wo er den Fruhzug abwarten muhte, schrieb er ein les⸗
es Mal an Desiree. Ail' seine heiße Liebe, seine grenzen⸗
ose Verehrung legte er in den Zeilen nieder. Er bat noch⸗
nals um Verzeihung, wenn er den Vater gekraänkt habe und
prach seine Hoffnung auf endliche Versöhnung aus.
Diefer Brief gelangle nie in die Hände der Geliebten.
Dlivier, der nach der gestörten Verlobung die Villa nicht
nehr verließ, lag auf der Lauer und fing das Schreiben auf,
im es sogleich zu vernichten.
Durch Europa aber erschallte der Kriegsruf. Zwei Geg⸗
rier, die sich seit lange haßten, zogen aus, ihre Kräfte zu
nessen. Gott allein lannte den Ausgang des fürchterlichen
Zrieges.
38
In breiten Heeresmassen fluteten die deutschen Regimen⸗
er über Frankreichs Grenzen. Nachdem insolge der Ein⸗
ahme von Saarbrücken sich das französische Volk einen kur⸗
en Tag in Entzücken und Siegesjubel gewiegt hatte, brach
ie fürchterliche Stunde des Gerichts herein. Bei Spichern,
Vörih und Weißenburg wurden die an sich tapferen Truppen
er Franzosen von kopflosen Generalen in sichere Vernichtung
eführt. Die gefürchteten Turkos und Spahis erwiesen sich
ls Popanze, mit denen man wohl Kinder, aber nicht kriegs—
aͤchtige Maͤnner schrecken konnte. Sie wurden mit den an⸗
eren theatralisch aufgeputzten Gefangenen zu Tausenden in
en deutschen Festungen interniert. Unaufhaltsam drangen
e verhaßten Prussiens in Frankreich ein. König Wilbhelm