Arbeiterbewegung.
— Die Leipziger Maurer erkennen den Schieds
pruch an. Die Maurer beschlossen die Anerkenunnig des
Zchiedespruchs und sofortig Wiederaufnahm«
»er Arbeit.
— Kein Ausstand. Die südöstlichen Bahnen in Mord
umerika erzielten eine pro visorische Einig—
ng mit dem Bahnpersonal, wodurch der befürchtete
lusstand verhütet wird.
RSS— —mRDEE—,—
Von der Lujtschiffahrt.
»Eine MansöverluftschifferAbteilung
muter der Führung des Hauptmanns Herwarth von Bit—
enseld vom Luftschiffer-Bataillon ist in der Stärke von
23 Oiffizieren, 21 Unseroffizieren und 162 Mannschaften
»on Berlin zu einer Uebung nach dem Truppenübungs—
lae Posen ausgerückt.
*Das Flugmeeting in Mülhausen ha
egonnen. Thelen und Behrend kamen über kurze
zlüge am Boden nicht hinaus. Das Hauptinteresse fan—
en die Aufstiege des Elsässers Je annin und von
zorrisssen. Den ersten Frühpreis erhielt Jeannin,
en zweiten v. Gorrissen. Ferner erhielt Jeannin den täg—
ichen Dauerflugpreis (25 Minuien 27 Sekunden).
*Wieder einerl Der erste Tag der Flugwoch.
on Reims schloß mit einem tödlichen Unfall ab. Der
Intoinette-Pilot Charles Wachter, der am Vor- und Nach
nittag glänzende Flüge unternommen hatte, stürzte mi—
seinem Antoninette-Eindecler aus einer Höhe von zirka 100
Netern ab. Man sah die Flügel des Eindeckers, der ir
riner Entfernung von etwa 3 Kilometern von der Tri
hüne schwebte, sich plötzlich nach oben richten und in
nächsten Augenblick fiel der Apparat mit riesiger Geschwin
digkeit senkrecht zur Erde nieder und zerschelite. Die Fach
seute und das Sanitäts-Personal eilten sofort hinzu und
man zog den Aviatiker mit großer Vorsicht aus den Trüm
mern der Flugmaschine hervor, konnte aber nur einer
Toten bergen. Er war auf der Stelle getötet worden
die Brust war ihm eingedrückt und das Gesicht völlice
jerschmettert, außerdem waren mehrere Glieder gebrochen.
Alle noch in der Luft befindlichen Aviatiker landeten so
ort. Der Sturz wird auf den Bruch der die Flügel
haltenden Schraube zurückgeführt.
*Aufstieg mit Zellendrachen. In Betheny
ieß sich der Hauptmann Madio von mehreren zusammen
jekoppelten Zellendrachen emportragen, wobei er eine
döhe von 110 Metern erreichte; der Flug dauerte fün
Ninuten.
Vermsqhles.
Er fallt ui rein. Ein niedliches Histörchen wirt
ver „Mif.⸗Pol. orresp.“ zufolge aus Mitteldeutschlant
zemeldet. Ein zum Divisionskommandeur ernannter Ge
eral begibt sich in Zivil nach seiner neuen Garnison. Vor
Statur untersetzt und recht korpulent, mag er im Ge—
vande des Bürgers nicht gerade den Eindruck eines Of
siziere hervorgerusfen haben. Auf dem Divisionsburear
rragt er den ihn mißtrauisch fixierenden Schreiber nackt
dem Generalstabsoffizier und dem Divisionsadjutanten
Beide waren nicht anwesend. „Das ist fatal“, sagt Se
rkxzellenz. IIch muß die Herren sofort notwendig spre
hen. Ich bin namlich der neue Divisionskommandeur.“
da legt der Bureau⸗Unteroffizier, ein „heller Sachse“, sein
zand auf die Schulter des kleinen Herrn: „Nee, Männe
sen! Auf den Hauptmann von Köpenick fallen wir hiern
niich rein.“ — Die verkannte Exzellenz erzählt die Ge—
chichte selbst mit großem Vergnügen wieder.
Die böse Zeitung. Folgende Verfügung wurde kürz—
ich an den Danziger Vollks- und Mittelschulen bekannt
gegeben: Auf Veranlassung der Königlichen Regierung
hierselbst ersuche ich, die Schüler und Schülerinnen nich
zuf Zeitungsartikel hinzuweisen und ihnen auch keine An
tegung zum Nachlesen derselben zu deben. Dr. Damus.“
— Dazu bemerkt die „Braunschweigische Zeilung“ gan,—
n unserem Sinne: Es ist also, nicht richtig, im geogra—
zhischon Unterricht auf an eheht Neuentdeckunger
mid andereß hinzuweisen, wenigstens nicht früher, als bit
ziese Tatsachen in die Lehrbücher aufgenommen sind. Die
etinder sollen nichts lesen von den Reisen unseres Kaisers
zon der Entwickelung der Luftschtffahrt usw., sondern im
ner hübsch warten, bis das alles im Lesebuch steht. Si—
herlich warten nun doch auch die Schundliteraturfabrikan—
sen, bis vie Zeitereignisse ihre offizielle, gemäßigte und
Algemeinverbindliche Darstellung in den „zur Einführungç
genehmigten Schulbüchern“ gesfunden haben, dann aber is
ber Nerv der Phantasieverseuchung abgebunden. Schade
aß wirkliche Schläue so selten ist. — Natürlich, für Kin
er nichtpassende Zeitungslektüre darf ihnen nie
sum Lesen gegeben werden.
Kleine Ursachen — große Wirkung. Von einem
dem's zu Herzen ging, daß ihm der Name „hinten hing“
. h. etwas ungewöhnlich war, weiß die „Pariser Z3tg.“
solgende tragikomische Geschichte zu erzählen: Herr Inus
sais, seines Zeichens Ledararbeiter, „erfreute“ sich eine
twas seltsamen Vornamens, er hieß nämlich Polycarp
Des öfteren wurde nun dieser Rufname Anlaß zu spöt
ischen Bemerkungen von Bekannten und zu Scherzen. über
die Herr Znussais sich ärgerte, anstatt sie mit einem
vthiaen Wort von sich abzuwehren. Mhor nielleicht was
Freichte dem Oirektor die Haud, die dieser selig u.
—XX
mHn zwei Stunden hoffe ich zurück zu sein, bis dahin
zuten Mut, Herr Bourlier! Ich glaube aͤn mein Glück und
ons ggen miit en Unglück nicht beginnen“
Erx begab sich eiligen Schrittes in seine Wohnung, wo
er Rdck und Unterkleider tauschte. Als er über die Brücke
uriging stand schon der alte Laurence mit dem Braunen
hor der Gig bereit. —— —
Ixrolt nahm die Zügel und suhr in gestrecktem Trabe
die Straße entlang. —
nweit Baan bemerkte der Fabritvlrettor Amde wenn⸗
iergestalten, die mit Laternen das Schils im Flusse absuchten.
kr hielt das Pferd an und rief einen der Manner herbei.
der Kutscher Baptist, der seine Stimme erlannt hatte, war
ogleich zur Stelle. — —
„Habt Ihr etwas gefunden?“ fragte Tyrolt mit klopfen⸗
»em Herzen.
„Ja, Herr Direktor, den Kahn und das eine Ruder;
ber von dem Herrn Leutnant finden wir keine Spur.“
„Habt Ihr auf beiden Seiten nachgesehen, ob nicht dort
zpuren hinaufführen?“
„Vom Wehr bis zu der Stelle, wo wir das Boot fan⸗
yen, ist niemand durch das Schilf gekommen. Es münßte doch
niedergetreten sein.“
,‚Was ist weiter geschehen?“
„Die Schiffer suchen nun den Fluß mit ihren Nehzen ab.
Wenn der Herr Leutnant ertrunken ist, werden sie ihn noch
or morgen finden.“
uUnfinn, das ist ja garnicht denkbar“, fuhr Tyrolt auf —
Herr Olivier hat fich geretiet.“
Die Schiffer glauben es nicht, der Strom ist gar zu
eißend.“
Tyrolt überrieselte es kalt. Sollien die Befürchtungen
»es alten Herrn wahr seins Sollte feine eigene Zuversicht
o zu Schanden werden? Es stieg wie Reue in feiner Bruft
uuf, daß er dem Hilferufenden nicht beigesprungen war, als
r Desiree in Sicherheit gebracht hatte. Nun war es zu spat.
„Der Herr Direktor fahren nach Sedanß⸗ fragte der
dutscher, dein unruhigen Braunen gewohntermaßen den Hals
lopfend. „Soll ich Sie nicht begleiten, des Pferdes wegen?“
RNein, bleiben Sie nur hier. Sie sind der einzige schere
Nann. Fragen Sie in den Bauernhütten nach, ob sich der
verr Leutnant nicht dort irgendwo aufhält. Ich hoffe. sehr
ald zurück zu sein. Adieul
r trieb sein Pferd an. In den Gassen von Balan war
s still. Nirgends mehr ein Licht zu sehen; nichts, was da⸗
auf hindeutete, daß Olivier hier Obdacht gesucht habe. Ty⸗
olts Herz krampfie sich zusammen. Wenn jenel denaoch
er Aermfste micht witzig, Artz und aut: Ale er kurzuid
»on ein paar Kameraden wiederum wegen seines Namens
gehünselt wurde, ging er auf die Spötter los, und bin
ien turzem entwickelte sich eine soleine Prügelei. Leidern
der wackere Lederarbeiter dabei erheblich den kürze
en: er wurde furchtbar veryprugert und mußte unter den
do Nrufen seiner Angreifer das Feld raumen. Selbstver—
indlich kam sein ominßier Vorname dabei wieder sehr
hlecht weg. Was tat nun Herr Polycarp Inussais? Er
ing hin und erhängte sich noch an demselben Abend.
zeine Bekannten sind natürlich entzetzt über diese gänzlich
nerwartete Wirkung ihrer Spöttereien; die Polizei aber
chickt sich an, die Haupurheber des Aufirittes zur Rechen—
chaft zu ziehen.
„Vertraulich.“ Der Diener bringt die versperrte
Nappe mit den vertraulichen Akten. Der erst vor kurzem
rnannte Herr Hofrat greift in die Westentasche um den
Zchlüssel. Verflirxrt! Vergessen! Da lächelt der Diener,
agt: „Herr Hofrat entschnuldigen schon!“ haut mit der
Faust auf das Schloß und die Mappe ist offen. Einen
lugenblick ist der Herr Hofrat statt. Dann fragt er: „Ja,
voher wissen Sie denn, daß das geht?“ — „Vom frühe—
en Herrn Hofrat.“
DSer Marinefiskus hat gegen den aus dem RKieler
Lerfiprozeß bekannien Magazindirettor Heinrich, sowie
legen den Kausmann Repenning un. und die Erben sei—
ies verstorbenen Vaters Zivilprozesse auf Ersatz von rund
24 006 M. angestrengt. Ler Fisitus leitet seine Ansprüch⸗
—As dem Geständnis des früher vom Schwurgericht ver.
cteilten Magazinaufsehers a. D. Kankowstki her, wonach
ieser auf der Werst Oel auf Heinrichs Veranlassung an
en verstorbenen Kaufmann Repenning sen. und an dessen
zohn verkauft und den Profit mit Heinrich und Repen—
ing zu aleichen Teilen geteilt haben will.
*Düren, 2. Juli. Gein Spielzeung.) Ein jun—
jer Franzose, der sich zu Sprachstudien hier auihiett,
antierte mit einem RNevolver. Ein Schuß ging los und
raf den jungen Mann in die rechte Seite. Der Tod
crat sofort ein.
* Bingen, 2. Juli. Gochwasser.) Der Rhein stieg
is heute früh 6 Uhr weiter um 20 Z3mm. auf 4.12 Mir.
damit ist der letzte Höchsistand vom 22. Juni um 2 3tm.
ind zum viertenmale der Hochwasserstand von 4 Mieter
iberschritten. Das Wasser steigt noch, auch die Witterung
st weiter regnerisch. Gut bewährt hat sich bei diesem
zommerhochwasser die von der Gemeinde Mombach an—
angs der 8oer Jahre des vorigen Jahrhunderts erbaute
niwässerungsanlage. Die Tag und Nacht in Betrieb
esetzte Maschine hält so ziemlich das gan wertwvolle Ge—
aüsegelände, das, von Dämmen eingeschrossen, sich längs
er Babn binaiebt. vollständia wassserfrei.
SFolin, 4. Zuli. KKongreßz.) Ver Bierte Kongreß
deutscher Kunstgewerbetreibender und Handwerter findet
im 19. September hier statt.
* Landau (Pfalz), 4. Juli. Stich.) Gestern nacht
im *412 Uhr geriet der 23jährige Photograph Schwan—
lart aus München mit zwei Burschen in einen Streit, in
essen Verlauf er einen Stich in die rechte Seite erhielt,
odaß er tot zusammenbrach. Die Täter, deren einer der
rühere Lehrer Guhmann aus Walzheim ist, wurden noch
n der Nacht verhaftet.
*Augsburg, 4. Juni. eberschwemmung.)
die Situation im Ueberschwemmungsgebiet hat sich so
veit gebessert, daß drei Kompanien Pioniere abrücken
onnten. Um über die zu unternehmenden Schritte über
en Wiederaufbau der Wasserbauten am Hochablaß Klar—
eit zu gewinnen, war eine Konferenz von Vertretern
es Ministeriums, der Eisenbahndireltion Augsburg und
er Stadt einberufen. Regierunasrat Hartmann-München
ührte aus, es sei sehr fraglich, ob der Lech vor dem
Vinter überhaupt zur Ruhe kommen werde. Prinz Rupp—
echt besichtigte das Ueberschwemmungsgebiet. Der stän—
ige Landratsausschuß von Schwaben und Neuburg ge—
jehmigte 50 000 Mark für die Ueberschwemmten.
* Nürnberg, 4. Juli. (Künstlerheim.) Hier fand
ie Einweihung des von 30 Nürnberger Bürgern mit ei—
iem Kostenaufwand von über 1 Million Mark gestifteten
dürnberger Künstlerheims statt. Im Mittelpunkt der ein—
rucksvollen Feier standen die Festrede Dr. Rees', der die
vViederauferstehung Nürnbergs als Deutschlands erste
unststätte wünschte und die Erwiderung des Prinzen
udwig von Bayern, der die Anwendung künstlerischer
zrinzipien auf industrielle Erzeugnisse als eine Aufgabe
er Nürnberger Kunstbetätigung bezeichnete. Die Feier
and ihren Abschluß mit einem von der Stadtgemeinde
dürnberg im historischen Rathaussaal gegebenen Festmahl.
Zrinz Ludwig toastete auf Nürnbera und seine Künstler—
haft.
* Erlangen, 4. Juli. (Universitäts -⸗—Jubi—
äum.) Bei der im Rathaus abgehaltenen Fesilichkeit
nläßlich der Jahrhundertseier der Universität Erlangen,
ielt Prinz Ludwig eine Ansprache, in der er u. a. aus—
ihrte: Wenn Sie in 100 Jahren gut bayerisch geworden
nd, so verdanlt man das in erster Linie der Verfassung,
ie Könia Max gegeben hat. und die unverbrüchlich ge—
aiten worden ist. Ein freieres Volt als das vayerische
ibt es nicht, und es ist eine Freude für das Königs—
aus, an der Spitze eines treuen und freien Vollkes z3u
ehen.
* Stuttigart, 4. Juli. (Der Schlußatt des Dra—
cas.) Auf dem hiesigen Pragfriedhose fand die Beisetz-—
der Leiche der ermordeten Sängerin Annag Sttter
t ———— F
warel! Welch' unc Leir w dann Über die senre
milie.
Der Wagen rollte über die Zugbrücken der Wälle und
durch das Stadttor in die menschenleeren Straßen. Dr. Dien—
zarde wohnte in der Rue Jureriale. Mit einem Ruck hielt
Waldemag vor der bekannten Tür, sprang von seinem Sitze
und rührse den altertümlichen Klopfer an der Pforte, dafj
das Echo in der stillen Gasse hundertfach antwortete. Nach
venigen Minuten erschien ein kahler Schädel hinter den run—
den Fenstern der Portierloge.
„Doltor Dieugarde?“ ö. 33
k FIft nicht zu Hause. Er befindet sich im Offiziexasino
uuf der Esplanade.“ 4
„Schon gut; wenn ich den Doktor verfehlen sollte, mel⸗
»en Sie ihm, daß man in der Villa Bourljer bei Bazeilled
zuf ihn wartet. Es ist Gefahr im Verzuge.“ 6
„Fine weite Reise, mein Herr; aber ich will jedes Wort
uigeg Eilen Sie nur nach der Esplanade, Sie finden
en Doktor sicher; wo es seucht ist, geht er nicht so leicht fori.“
Waldemar hörte bie ironischen Worte des Alten nicht
nehr. Er sptang wieder in das Gig und fuhr zum Kaliuv.
— —— zu den anderen Häusern ber Stadt war
jas Militärßebaube hell erleuchtet. Die Offizlere der Garni⸗
oͤn felerten zweifellos ein lustiges Gelage. Ihr lautes La⸗
hen und das Klirren der Weingläser klang Kyrott entgegen,
ils er die breite Treppe zum Wiere emporstieg.
Oben angekommen, sandte er eine Ordonnanz hinein und
jatte die Genugtuung, daß der Gesuchte in wenigen Mi—⸗
nuten, sich in seinen Mantel einhüllend, erschien. —α
— „Ich war bereits im Begriff nach Hause zu wandern“,
emerkte er, dem Wartenden zunickend. ισα
. Ich komme. Sie nach der Villa Bourlier bei Bazeilles
u sahren, Herr Doktor. Das Fraulein ist krantt nachdem
ie mit knapper Not aus den Fluten der Maas gereitet wurde.“
„Weiß schon. Der Herr Erleutnant Bourklier ist da drin⸗
ien und feiert seine eigene Errettung bei Selt und Spiel. Er
st mit seiner Schwester zusammen ins Wasser r Um
uu untersuchen, ob der kostbare Herr wirklich keinen Schaden
zjenommen, holte man mich aus dem Bette —
Ein Ruf des Entzückens glitt über Waldemars Lippen.
Wie von einer Zentnerlast befreit, hob sich seine Brust.
„Doltor, Sie geben mir das Leben durch diese Nachricht!“
ief er, dem Arzte die Hand schüttelnd. Nun aber kommen
Sie schnell — schnell. ¶ν
„Wollen Sie nicht einige Worte mit dem Herrn Exleut⸗
ant sprechen?“ 18
„Nein, garnicht nötig. Es genügt mir, ihn am Leben zu
ifssen. Wir haben keine Zeit zu verlieren. Das ZFräulein
ht an der Schwelle eines oͤtlichen Nervenfiebers.
Dann also voran“, saate der Arat crischloffen. ich nebme
A⸗
ratt. BDie Fahl der Teftneymer scatzte man auf 300 v̊
10 000 Köpfe. Eine Stunde vorher hatte in aller Stille
ind nur im Beisein einiger Angehörigen im Krematorium
ie Einäscherung der Leiche des früheren Hoskapellmeisters
»es Mörders und Selbstmörders. Dr. Obrist, stattae
unden.
* Straßzburg, 4. Juli. (DrachenAufstrege.
vnu Donnerstag, den 7. Zuli finden in den Morgen
unden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt
zs steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons
n den meisten Hauptstädten Europas auf. — Der Fin—
der eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Beloh—
aung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instrut—
ion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig
dirgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch
Nachricht sendet.
Doppel-Selbstmord. Auf den Selbstmord eines
riebespaares in Berlin läßt ein zweifacher Leichenfund
chließen, der im Spandauer Schiffahrtskanal zu Plötzen—
ee gemacht wurde. Dort wurde nachts die Leiche eines
ungen Mannes und in den Morgenstumden die Leiche ei—
ies Mädchens unweit der ersten Fundstelle aus dem Was—⸗
er gezogen. Die Identität der beiden Toten konnte bis
er noch nicht sesigestellt werden.
Ein Schurkenstreich? In Kiel wurde ein Gelegen—
eitsarbeiter verhaftet wegen Verdachts, den bei dem
zrande der hiesigen Stadtmission mitverbrannten Missio⸗
zar wegen Lohnstreitigkesten erschlagen und dann das Ge—
Ȋude in Brand gesetzt zu haben.
Zum Schönebeck-Prozeßz. Justizrat Sellv, einer der
zerteidiger im Allensteiner Prozeß gab in einer Untier—
edung der bestimmten Ueberzeugung Ausdruck, daß es
iemals wieder zu einem neuen Prozeß gegen Frau von
5zchönebeck kommen kann und wird. Die formelle Ver
agung auf unbestimmte Zeit sei in Wirklichkeit eine Ver
agung auf alle Zeit. Der Verteidiger gründete seine An
cht auf die Beobachtungen, die er während der vier
Vochen an der Angeklagten gemacht hat. Frau v. Schöne
zeck sei gegenwärtig geisteskrank, eine Simulation sei aus
neschlossen. — Frau von Schönebeck-Weber ist in der Ir—
enanstalt von hestiger Tobsucht befallen worden.
Zie mußte in die Isolierzelle eingesperrt werden.
Schadenbrände. Im Nirderlansitter Kohlenrevier
nd in den letzten Tagen auf mehreren Werken durch
zelbstentzündung infolge des Wetterumschlages sehr große
ztapel von Kohlen und Brikeits in Brand geraten. Meh—
ere 100 000 Zentner sind vernichtet.
Getötet. Aus »irschberg i. Schlesien wird berichtet:
In einem Steinbruch des Talsperrenbanes bei Mauer
»urden bei Sprengarbeiten drei Mann getötet und einer
hwer verleht.
Grenzzwischenfall Zum deutscherussischen Grenz—
wischenfall bei Milowice wird gçgemeldet: Die örtliche Be—
chtigung seitens der preußischen und russischen Behörden
rgab, daß der Schmuggler von dem betreffenden russi—
chen Grenzfsoldaten auf preußischem Gebiet erschossen wor—
»en ist. Der Grenzsoldat wurde verhaftet.
Verbrannte Kinder. Ju einem Gaͤrmethäuschen in
Wien brach ein Brand aus, bei dem zwei Augaden ver—
»rannten; ein Knabe wurde schwer verletzt. Der Brand
st wahrscheinlich durch Spielen mit Zündhölzern ent⸗
tanden.
Unwetter. Ueber Budapest ging ein sehr hefiiger
Volkenbruch nieber, der indes nur in den Stadi⸗
eilen großen Schaden anrichtete. In der Stadi
vurde der elektrische Straßenverkehr zenu3 unter—
»rochen. Mehr als hundert tiefer gelegene Häuser wurden
iberschwemmt.
Abgestürzt. Aus Wien wird berichtet: Die seit
»origen Sonntag im Schneeberggebiet vermißten Touri—
ten: der Adjunlkt der Technischen Hochschule Dr. Heinrich
Renezeder, der Ingenieur Karl Mayer »nud die
Lehramtskandidatin Beritha Wondratsche rden
eim Stadlwandgrat bot aufgefunden. Sie wa
en unangeseilt am Grat tief abgestürzt. Die Leiche Re
ezeders wurde bereits geborgen. Die Leichen der berden
inderen, die auf einer schwer zugänglichen Stelle liegen.
verden erst morgen zu Tal gebracht.
Automobilunglück. Die beiden Jocleys Jannet und
inan, der Besitzer der größten Automobil-Garage, Hirsch
ind zwei Fahrgäste suhren mit einem Automobil von
llag nach Budapest. Dabei fließ das Automobil mit ei—
sem Lastwagen zusammen. Das Automobil wurde voll—
—
chwere Arm⸗ und Beinbrüche. Auch die übrigen Insassen
vurden schwer verletzt.
Riesenbrand. Das Dorf Jaszoujfalu bei Kaschau
Ungarn) ift während eines großen Sturmes von einer
zeuersbrunst schwer heimgesucht worden. Bisher wurden
echs Tote und über 30 Verletzte aufgefunden, während
ahlreiche Personen vermißt werden. — Zu dem Brande
vird noch berichtet: Ein sturmartiger Wind ließ das
Feuer mit ungeheurer Schnelligkeit um sich greifen. Kaum
eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes war das
zanze Dorf ein Raub der Flammen geworden. Das qgo—
amte Hab und Gut der Bewoyner wurde von dem Feuer
ernichtet. Bisher wurden aus den Truümmern 9 Leichen
zezogen. Eine große Anzahl von Ortsbewohnern, na—
nentlich Kinder, werden noch vermißt. Etwa fünfzig
Nenschen sind verwundet.
Eisenbahnunglück. Am Sonntag früh stieß ein
——— eistlichen dentton S
noch einige Medtkamente ãus umserer Aporhete mit. Es isit
zut, wenn man dergleichen zur Hand hat. —
Nachdem der Doltor sich mit einigen Pulvern und Pil—⸗
en vorgesehen hatte, stiegen beide Herren in den Wagen
uind sauften über die Straßen und längs des Walles durch
das Festungstor ins Freie. Unterwegs erzählte Herr Dieu—
jarde, was er über Oliviers Rettung ersahren hatte. Wie
Valdemar angenommen, hatte der Strom das Boot mitsamt
einem lebendigen, zappelnden Anhängsel in das Schilf ge—
rieben. Mit Anstrengung hatte Olivier das Ufer gewonnen
und wetternd war er über die Wiese geschritten, die zur
Thaussee führte. Seine Stimme war von den Offizieren, die
»on Dieuze zurückkamen, gehört worden. Sie haiten den vor
Nässe und Kälte Schaudernden aufgenommen, mit Kognak
zestärkt und erwärmt und ihn im Kasino mit trockenen Klei—
dern versehen.
Bei Balan suchten die Leute noch immer. Tyrolt lohnte
sie ab und sandte sie nach Hause. Dann erreichte er nach
venigen Minuten die Villa Bourlier.
Der Hausherr kam ihm mit verstörten Blicken entgegen.
„Desiree ist wieder zu sich gekommen, und keine Nachricht
on Olivier. Ich verliere den Verstand“, jammerte er.
Der Arzt überließ es seinem Führer, den alten Herrn
iber das Schicksal seines Sohnes aufzuklären. Er legte den
Mantel ab und begab sich, von Frau Tarandal geleitet, an
as Krantenbett.
„Olivier ist in Sedan“, erzählte Tyrolt. „Ich fand ihn
m Kasino in lustigster Gesellschaft.“
„Er lebt und läßt uns in solcher Angst? Was halten
Zie von dieser Rücksichtslosigkeit?“
„Sie erklärt sich nur durch den Leichtsinn seiner Kame—
aden“, antwortete Waldemar achselzuckend. Einmal in ihrer
zesellschaft, haben sie Olivier nicht mehr fortgelassen.“
„So hätte er einen Boten schicken müssen.“ —
nei der Nacht hat das seine Schwierigteiten.“
Mud das Scheatial seiner Schwester? Gilt ihm das gar⸗
ichts?
„Er freut sich zunächst seiner eigenen Rettung. Das ist
in natürlicher Egoismus. Vielleicht hat er auch bemerkt,
aß ich Fräuletn Desiree rettete.“ ais
„In seiner Todesangst? O gewiß nicht. Er denkt eben
ur an sich. Er hat kein Herz — kein Herz!“
Der Fabrildireltor schwiea, er konnte dem Alten nicht
ridersprechen
⸗ de
⸗
Der Zustand Desirees war glücklicherweise nicht so ge⸗
ihrdrohend, wie man angenommen. der AÄrzt erweckte sie
us ihrem Schlafzustand, er ließ sie unbewußt in einen ru⸗
igen Schlummer hinüberdämmern. Die PVulver, welche er
ound, der einen Ausflug nach vem Keönigssee machen
wollte, in der Station Frankenmarkt mit einer Vorspann—
Lokomotive zusammen. Maschine, Tender und ein Wa—
Jen des Sonderzuges enigleisten. Vier Vahnbeamte wur—
den schwer, drei Ausflügler leicht verletzt.
Brand in Peterhof. In Peterhof (St. Petersburg)
st nachts das kaiferliche Theater, das benachbarte photo—
graphische Atelier von Nilow nebst einer Anzahl Datschen
liedergebrannt. Nach schwerer Arbeit gelang es der
Feuerwehr, den Brand zu bewältigen. Der Schaden ist
bedeutend.
Gestrandeter Dampfer. Aus Selundi wird gemel—
det: Der britische Dampier Sierra Leone strandete bei
lxim an der britischen Goldküste. Seine Lage ist hoff⸗
iungslos.
Verhängnisvoller Windstoß. Aus Brest wird ge—
neldet: Als der Küstenschoner „Rcemore“ mit 30 Reisen—
den an Bord in den dortigen Hafen einsuhr, wurde er
von einem Windstoß erfaßt. Acht Passagiere fielen in das
Wasser, von denen nur vier gerettet werden konnten.
Erdbeben. Depeschen zufolge, die der Pforte zuge—
jangen sind, wurden in einigen Orten des Wila,ets
Angora Erdstöße verspürt. Mehrere Häuser sind einge—
nürzt; die Bevölkerung lagert im Freien.
Ermordung eines Mönches. Im Nloster Bhilo—
her auf dem Berge Arthos ist abermals ein Mönch
iamens Seratin ermordet worden.
Bomben-Werfversuche vom Aeroplan. Der Avia—
iker Brookins unternahm in Montreal Versuche, die dar—⸗
un sollten, daß dem Aeroplan im Kriege nicht bloß im
Zpäherdienst, sondern auch im Angriff Bedeutung zu—
omme. Der Aviatiker nahm zwei Wurfsgeschosse mit und
chleuderte sie aus einer Höhe von 250 Meter auf ein zu
iesem Zweck errichtetes aus Stein konstruiertes Fort. Das
zteingebäude wurde vollständig zerstört. Die Sachver—
tändigen erklären, daß das Erperiment die Wirksamkeit
der Aeroplane als Geschoßträger volllommen dargetan
abe.
Schiaparelli 7̃. Aus Mailand wird berichtet: Der
jtronom Schiaparelli ist gestorben.
Diebstahl auf einem Dampfer. Nach einer New—
Jorter Depesche der „Daily Mail“ ist während der Ueber⸗
ahrt des der Hamburg-Amerikg-⸗Linie gehörigen Dampfers
Amerika“ ein großer Diebstahl auf diesem Schifse verübi
vorden. Zwei amerikanischen Passagieren wurden für
nehr als 20 000 Mark Goldwaren gestohlen. Die davon
ofort verständigten Schiffs-Offiziere nahmen e'ne einge—
jende Untersuchung vor, doch waren alle Recherchen um—
sonst. Man glaubt, daß die Diebe unter dem Lift-Per⸗
onal des Schiffes zu suchen sind.
Große Hitze in Amerika. Die Hitzewelle, die seit
einigen Tagen die Ostseite der Vereinigten Staaten heim⸗
jesucht hat, macht sich von neuem bemerkbar und hat be—
eits eine Anzahl Todesopfer gefordert, darunter 5 in
Philadelphia und 3 in der Provinz. Die New⸗yYorkei
Levöllerung hat zum größten Teil die Stadt verlassen.
Der durch die Hite angerichtete Schaden beziffert sich nach
der Tribune auf ungesähr 1,300 000 Dollar.
Die „schwarze Hand“. Mitglieder der „schwarzen
dand“, die erst in diesen Tagen in New-York schwere
berbrechen verübten, richteten an einen Vankier in Pa—
ermo einen Brief mit der Aufforderung, 100 000 Lire
erauszugeben, andernfalls sein Haus in die Luft ge—
prengt werden würde. Da der Bantkier nicht antwortete,
vurde eine Bombe gegen seine Villa geschleudert, die sie
zum größten Teil zerstörte. Die Wirkung der Explosion
nachte sich kilometerweit bemerlbar. Von den geheimnis—-bollen
Tätern fehlt jede Spur.
Ein nettes Wesen. Evelyn Thaw, die Heldin der
einerzeitigen sensationellen Mordaffäre Thaw, ist in Chi—
rago wegen Diebstahls einer Tausend-Dollarnote und we—
gen gewerbsmäßiger Unzucht zu zwei Monaten Gefäng—
nis verurteilt worden.
Ein Messerheld. Aus Ajaccio (Korsika) wird ge—
meldet, daß ein Schuhmacher namens Andrani, der mit
»er Familie Frisgara in Feindschaft lebte, fünf Mitglie—
her der letzteren, darunter ein fünf Monate altes Kind,
durch Messerstiche lebensgefährlich verlegzie; die Familie
Andrani wurde verhaftet.
Der Frühling als Nebensache. Lehrer:
Wenn die Bäume von neuem ausschlagen, die Vögel
vieder singen, das Gras sprießt, die Blumen zu blühen
zeginnen — was haben wir dann bald zu erwaren?“ —
Fritzchen: Ostereier.“
Stoßseufzer. „Alles nimmt ab auf der Welt:
Tage, die Jahre, die Lebenszen, das Bier im Mah⸗
nur mein Durst nicht.“
Probat. Gast: „Also dreißig Hektoliter Bier ver⸗
apfen Sie wöchentlich?“ — Wirt: So ungefähr.“ — Gast:
Es würde Ihnen leicht sein, fünfunddreißig zu verzabp⸗
en. — Wirt: „Wär' mir schon recht! Aber, wie fang ich
„ies an?“ — Gast: „Schenlen Sie die Gläser gehörig voll“
Schlagfertig. Richter: „Sie haben bei bder Er—⸗
greifung des Einbrechers sich ja recht tapfer gezeigt, Frau
Wuchtig, aber daß Sie ihn gleich so schwer verletzt haben,
war doch nicht recht.“ — Zeugin: Ich wußte, Ja gar⸗
nicht, daß es ein Einbrecher war! Ich wartete auf mei⸗
en Mann umß da aloubte ich er wäre ⸗1*
⏑—⏑—
miigebracht, nvten gute Wirkung aus, und nachvem sery ver
Doktor unter dem Versprechen, am nächsten Tage wiederzu⸗
ommen, entfernt hatte und von Baptist zurückgesahren wor⸗
en war, verabschiedete sich auch Tyrolt, um die —* aufzusu⸗
hen, die er dringend brauchte. Aber erst, als die Sonne
ihre Morgenstrahlen in sein Fenster sandte, schlummerte er
auf kurze Zeit ein. Als er erwachte, war es ganz Tag. Ge⸗
vohnheitsmäßig horchte er auf das Geräusch der Fabrik. Er
yörte wohl das Brausen des Dampfes, aber nicht das Stam⸗
ofen der Maschine, das Schnurren der Räder.
Sooort verließ Tyrolt Bett und Zimmer. Da war wie⸗
der etwas nicht in Ordnung. Er begab sich geradewegs nach
dem Maschinenhause. Pumarquet war nicht bei der Arbeit
erschienen, der Heizer verstand nichts von der Inbetriebset⸗
ing. Aurz enischlossen griff der Direktor selbst die Arbeit
in, bis der Werkmeister erschien, der seinerseits verschlafen
jatte. Dann inspizierte er alle Säle und Scheerstuben und
'ah jedes Einzelnen Arbeit nach.
Diese und andere Obliegenheiten, von denen eine die an⸗
dere drängte, banden den Direktor an die Fabrik. Erst gegen
ie Dinerzeit sand er Muße, sich nach Desirees Befinden zu
rlundigen.
Herr Bourlier empfing ihn mit heiterer Miene. Der
doktor hatte sich recht zusriehen über der Patientin Vefinden
usgedrückt.
„Sie ist ganz munter, obgleich natürlich noch Fieber vor⸗
janden,“ berichtete der alte —* Ein wenig phantasiert sie
ioch, denn sie spricht unaufhörlich von Ihnen und daß sie
Ihnen danken müsse. Nun, gar so eilig ist es wohl nicht.
Zie lönnen ihr Glück doch erwarten?“
O Herr Bourlier —“
Haben Sie meinen Sohn in der Fabrik gesehen?“
Mein, ich bin überzeugt, daß er noch in Sedan ist.“ .
Gegen Abend stellte sich Pumarquet im Maschinenhause
in. Er war angetrunken und wollte zu arbeiten anfangen.
cyrolt wies ihn aus der Fabril.
„Sie werden in diesem Zustande keinen Hebel berühren“,
agte er drohend. „Zu Ende des Monats verlassen Sie Ihre
Ztellung.“
„Hm, das wöre“, lachte der Gemaßregelte frech. Der
Zeutnant ist schuld an meinem Ausbleiben, halten Sie sich
in den. Er hat mich mit meiner Frau auf meiner Bude be—
virtet und mich von der Arbeit dispensiert. Er ist hier der
herr und nicht Sie. Ihre Direktorschaft wird ohnehin bald
u Ende sein.“
„Scheren Sie sich fort!“
Nur nicht so heftigl Kuschen Sie nur bei Zeiten. Die
zruffiens werden doch alle aus dem Lande gejagt, wenn es
rieg aibte“
Fortsekung fold