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* —D 464.
Das Wrachk b der „Deutschland“ ist mit Hilfe des Mi
ttärs abmontiert und zum großen Teil auf Wa—
zen verladen worden. Die Gondel und die Passagierka—
ine sollen durch Soldaten zum Bahnhof Wellendorf ge—
racht werden, von wo die einzeinen Teile nach Fried,
ichshafen befördert werden. Zu der Frage, was mi
em Wrack geschehen soll, erfahren wir, daß man das
ruftschiff in Friedrichshafen wieder herstellen und in
zerbst in Betrieb bringen will. Das Gerippe muß alier
ings völlig neu aufgebaut werden. Man gibt sich aber
m allgemeinen falschen Vorstellungen über den Wert des
lluminium-Gerippes hin. Dieses repräsentiert etwa zehr
ßrozent der Gesamtkosten des Luftschiffs und ist längs
icht so kostspielig wie beispielsweise die elastische Gummi—
ülle eines kleineren Luftschiffs anderer Systeme. Der Ge
amtschaden dürfte sich auf reschlich 100 000 Mark stellen
Ib inzwischen Fahrten mit einem andern Luftschiff, alfe
nit dem „L. Z3. 6“, der in Friedrichshasen hegt, veran,
zaltet werden, darüber sind Entscheidungen noch nicht ge—
roffen. Die Tragkraft des „v. 3. 6“ ist eine ereblit
eringere als die des „L. 8. 7“, und reicht höchstens ün
9 bis 12 Passagiere aus.
Die Nachricht, daß sich der „L. 3. 7 trotz der Mab—
uungen des Aachener Observatoriums, das sert erhebliche
Windstärken in Aussicht gestellt hhe, zur Pregesahrt u
ie Lüste erhoben, wird von gat iormierter Scite als
unzutreffend bezeichnet. lnehr sei am vorher—
gehenden Nachenittag die Düse Grfer Vuftschifsahris-Ge—
elischaft von der Aachener Warte benachrichtigt worden,
zaß das Wetter zwar wohl noch sehr veränderlich sei,
»aß aber ein Abflauen der Winde wohl für den nächsien
Tag zu erwarten sei. Diese Prognose stimmt ganz gut
iberein mit den Beobachtungen, die am nächsten Morgen
‚on der Fahrtleitung gemacht wurden. Die WMieldung,
velche die gefährlichen Windstärken brachte, traf erst eine
Stunde nach der Abfahrt des Luftschisses in de. düssel—
rfer Halle ein
—MBMXE —J
Von der Luftschiffahrt.
—d ite Luftschiffmanöver der in Mestz sta—
onierten Militärluftschiffe, die ursprünglich am 4. Juli
zeginnen sollten, sind bis gegen Mitte Juli verscho—
den worden. Voraussichtlich werden sie am 11. ihren An—
ang nehmen und gegen Ende August beendigt sein, also
im ganzen etwa 6 Wochen dauern. An den Manövern
verden die Luftschiffe „3 1“, „P. 1“ und „M. 2 teilrehmen.
Die Uebungen sind da'ßür bestimmt, vor allem
Führer und Mannschaften im Fahrdienste auszubilden.
65*Ballonungläück. Mittwoch früh 7 Uhr stieg
ser Freiballon „Hungaria“ vom Wiener Arsenal zu einer
ailitärischen Uebungsfahrt autiĩ. In der Gondel befanden
ich ein Oberleutnant unde uptmann. Der Ballon
andete glatt bei Neutra in n. Beim Zusammenle—
zen erplodierte jedoch der Barbn. Der Oberleutnant er—
itt dabei eine lebensgefährliche Verletzung. 15 Per—
omen, die aus der Landbevölkerung zur Hilfeleistung bei
»er Landung herbeigeeilt waren, trugen mehr oder we—
ziger schwere Brandwunden davon. Der Hauptmann ist
anverletzt geblieben. Das Unglück soll auf Unvorsichtig—
eit durch die freiwistigen Sesier r2urückzuführen sein.
Das Allensteiner Drama.
In Allenstein wird davon gesprochen, Frau
SchnebeckWeber befinde sich gegenwärtig in einem
erartig erschöpften Zustande, daß befürchtet wird, sie
verde in den nächsten Tagen verhandlungsunfähig sein.
—AVD—
Rozesses gerechnet werden.
—
Allenstein, 30. Juni. Wegen des en Zu⸗
kandes der Frau von Schönebeck mußte man .eiter⸗
derhandlung für Donnerstag aufgeben. Man versu—
hen, Freitag im Prozeß fortzufahren, doch ist die Aussicht
azu sehr gering. Donnerstag früh machte die Angeklagte
inen völlig geistesgestörten Eindruck
—»çAiM—
Straußenzucht für Südwestafrika.
Man schreibt von unterrichteter Seite: In den amt—
ichen Veröffentlichungen des Kolonialamtes ist wieder—
— — ———— —⏑äü——⏑·
lebrigens denke ich garnicht daran, Sie von hier fortzu⸗
assen. Sie wissen, wie uotwendig Sie an diesem Platze
ind. Wenn Sie sich meinen Vorstellungen nicht zugäng⸗
ich zeigen, so werden die dort Ihnen den Abschied
chwer, hoffentlich unmöglich machen.“
Er wies auf einen Wagen, welcher, von zwei feuri⸗
jen Braunen gezogen, auf der Straße herbeirollte. Trotz
der Staubwolle, die das Gefährt umgab, unterschied Wal—
»emar deutlich zwei hellgekleidete Frauengestalten und auf
dem Rüchksitz einen jungen Mann in leichtem Sport—
zewande, der von der Villa abgewendet, mit Aufmer?⸗
amkeit die Arbeiter in der Fabrit musterie.
„Meine Schwester aus Brüssel ist also doch mitge⸗
ommen“ rief Boulier wohlgemut.
„Sie erwarteten also Frau von Tarandal nicht?“
„Wenigstens nicht mit Bestimmtheit. Damen aͤndern
ft im letzten Augenblick ihre Disposition; bei meiner
zchwester bin ich dessen nie sicher. Umsomehr bin ich er⸗
reut, daß sie Wort hielt. Ah Diseree scham gesund und
lühend aus. Sie winkt mit dem Taschentuch. Sie hat
ms bereits bemerkt, uns beide, Herr Tyrolt, uns beide.“
„Gar zu gütig, Herr Boulier“, meinte ver Fabrikdi⸗
eltor, dem das Blut in die Wangen stieg, mit einiger
berlegenheit. „Sollte das gnädige Fräulein auch wirk
ich darüber erfreut sein, daß auch ich sie hier erwarte?“
„O, Sie Heuchler“, scherzte der alte Herr, indem er
rohend den Finger erhob. „Bin ich Zeuge gewesen, wie
neine Tochter den Herrn Direktor in unverantwortlicher
Veise verwöhnte und zu allerlei Ritterdiensten heranzog;
»aß sie mit ihm musizierte und disputierte, wenn sie ih⸗
en Bruder ein wenig ärgern wollte?)
Der Wagen fuhr eben durch das aus zierlich vergol⸗
eter Schmiedearbeit gefügte Eisentor, dessen Flugel weit
ffen standen, bog in den Park ein und rollte umdas
tondel, das zwischen Herrenhaus und Straße liegend,
ine Fülle herrliche Blumen und einen lustig plätschern—
en Springbrunnen zeigte. Der Sommerwind trieb den⸗
Sprühregen des Wassers über den Weg, und die Sonnen—
trahlen, die darauf fielen, brachen sich in demselben und
ildeten einen Regenbogen, dessen Farbenspiel die Durch—
ahrenden umwob. Waldemar stieß einen Ruf des En—
ückens aus und eilte die Stufe der. Veranda hinab, dem
dRiener zuvorkommend, welcher den Schlag des Wagens
ifnen wollte.
iner Tat solgte der Lohn, die junge Dame, wel—
inüchst saß, legte, ihm freundlich zulächelnd, die klei—
eiche Hand auf den Arm und schwang sich aus denm
auen; ihr solgte ein wenig schwerfällig, wie es ihre
iche Gestalt mit sich brachte. Frau von Tarandal,
holt darauf hingewiesen worden, daß die Srtraußen—
zucchh t in unsern süd westafrikanischenSchutz—
gebiet außerordentlich entwickelungsfähig ist. Obwohl
n den zahlreichen wilden Straußen ein fast unbegrenztes
Material zur Zucht zur Verfügung steht, so haben sich die
Farmer immer noch vor den besonderen Ausgaben, die
der Anbau einer Luzerne und die votwendigen Einzäun—
ingen erfordern, gescheut, die Zucht in größerem Umfange
u versuchen. Die bisherigen Anfänge b. n jedoch eni—
schieden zu Unternehmungen größeren Umsanes ermutigt.
Begenwärtig wird die Straußenzucht besonders in ded
Bezirken Gobabis, Karibib, Outjo und Windhuk betrie—
hen. Wie aussichtsvoll jedoch für Südwestafrika die Strau—
zenzucht ist, darüber enthält ein Bericht des deutschen
Zeneralkonsulates in Kapstadt nähere Mitteilungen, die
ielleicht geeignet sind, kapitalkräftige Kreise im Deut—
chen Reiche für die Straußenzucht zu interessieren. Die
‚èrosen Ersolge, die in der Kapkolonie mit der Straußen⸗
ucht erzielt worden sind, haben die Farmer in Natal be—
vogen, auch dort mit dieser Industrie einen energischen
Ausang zu machen. Alle Sachverständigen sind der An—
icht. daß der Markt für aute Qualitäten noch einer be—
deuienden Ausdehnung fätzig ist. Die Statistik weist feit
Jahrzenunten bis zum vorigen Jahre eine bestäudige Zu—
azne in der Aussfuhr don Straußenfedern aus der Kap—
olane nach, die im Tahre 1909 einen Wert von über
10 Millionen Mark erreicht hat. Die stetige Zunahme
vähcend einer so langen Zeit beweist. daß die Nachfrage
iach Straußfedern auf dem Weeltmarkie sest begründet ist,
ind daß diese Industeie unabbüngig von der wechselnden
Node eine gesunde Grundlage hat. Bisher isi der Haupt—
onkurrent Nordafrika gewesen, dessen Produktion jedoch
mmer mehr zurückzeht. Zurzeit hat Südaftika fast ein
Monopol in der Straußfeder-Erzeugung, denn die Kap—
olonie exrportiert 23mal mehr als die ganze übrige Erde,
ind während dort mehr als eine halbe Million zahmer
Strauße vorhanden ist, gibt es in allen anderen Län—
dern zusammen nur etwa 30 000. Falls man sich in
Züdwestafrika dazu entschließen würde, nur Vögel bester
Aualitöt zu halten, würde die Zucht unzweifelhaft ein
vichtiger Zweig der Farmwirtschaft werden.
Kunst und Wissenschaft.
Stzristine HEebbel— In Wien ist die ebemalige
dofichauspiclerin 66* Rehebel, die Witne des
27 Christine —
Dichters Friedrich Hebbel, im 93. Lebensjahre ge⸗
torben.
— — ——
Humoristische Ecke.
*Die Windmühle. „Du, Vata, wat is'n det
'oren Dina?“ „Re Windmühle.“ „Wird denn der Wind
doch gemahlen?“
*Abkühlung. Er: ‚Mein, Fräulein, ich träume
dag und Nacht von Ihnen. — Sie: „So, deshalb sehen
Zie auch so verschlafen aus.“
*Der Idealist. Sie: „Ist es denn nicht herrlich
n der Natur zu sitzen?“ — Er: „Jaä, aber nicht so kurz
tach dem Ersten“.
— M—erercc————
Vermischtes.
Die Ursache der Zerstörung des Heidelberger
zchlosses Das Schloß Triagven soll nach einer, neuen
Ferfügung der französischen rung neu geordnet und
a seinen ursprünglichen ». . zurückversetzt werden.
zei diesem Anlasse erzäßnun MNos Loisirs eine Anekdote
us der Geschichte des Sonnenkönigs, die dafür charakte—
istisch ist, wie im Geschicke der Staaten und Völker kleine
lrsachen manchmal zu großen Wirkungen führen. Ludwig
4. interessierte sich glühend für die Baulunst und als
as Grand Trianon gebaut wurde, kam er oft auf den
zauplatz, um die Fortschritte der Arbeit zu verfolgen.
ziness Tages bemerkte er bei der Anlage eines Fensiers
inen kleinen Fehler, den Mansard, sein berühmter Archi—
ekt, nicht beachtet hatte. Der König ereiferte sich und
f*sarto seinen Roßleitern. dem Günstser Kennotre unngd dor
sANrlich an Sie gedacht haben. Es muß sehr schön in
zrüssel gewesen sein, daß Sie uns solange allein lassen
onnten.“
„Haben Sie mich denn auch vermißt, Herr Tyrolt?“
ragte sie ein wenig kokett.
„Wie können Sie daran zweifeln, gnädiges Fräu⸗
ein! Bedarf es der Worte, um Ihnen klarzuͤlegen, daß
nser Heim öde wird, sobald der gute Geisi nicht mehr
arin waltet?“
„O, herrlicht Was nicht das Reisen tut! Jetzt bin
h ein guter Geist geworden, und fruͤher, als sch noch
urch diese Räume tollte, nannte man mich des Hausee
'obold. Da hoffe ich bald zu einer gütigen Fee zu
vanzieren, wenn ich der Tante wieder nach Belgien fol—
en werde.“
„Ach, tun Sie das ja nicht“, antwortete Waldemar
sschrocken; „bleiben Sie bei uns, verlassen Sie mich —
hren Herrn Vater nicht mehr. Wir wollen alles tuln,
m Ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu
iachen. Ich schaffe Ihnen die neuesten Noten, die in—
ressantesten Bücher, die unterhaltendsiten Spiele; wenn
zapa es erlaubt, reite, fahre, fische ich mit Ihnen“ ich
sidme Ihnen jede Stunde —“
Tyrolts Rede stockte, denn ganz unerwartet schob
cch zwischen ihn und der jungen Dame das gelbe, ver—
niffene Gesicht Oliviers, welcher mühsam vom Diener
nterstützt den Landauer verlassen hatte und nun aleich⸗
alls auf der Veranda erschienen war.
„Sie werden gut tun, Ihre galanten Vorsãtze nicht
etzt schon auszuführen“, sagte er mit heiserer Stimme,
idem er sich der nachlaͤssigen Pariser Sprechweise bedien
ꝛ. „Als wiri bei der Fabrik vorbeikamen, bemerkte ich,
n der Brücke einen Trupp feiernder Arbeiter. die Leu—
faullenzen, wenn man ihnen nicht auf die Finger sieht.
hre, Anwesenheit ist in der Fabrit sedenfails nöolnger als
ier.
Tyrolt biß sich heftig auf die Lippen. Sollte er
em anmaßenden Menschen sagen, daß sein Valter selbst
n fast mit Gewalt zurückgehälten habes Sollle er sich
»rmlich entschuldigen? Nein, das kam einer Anerkeum
ug seiner Herrschaft gleich.
Er durfte sich nichts Wrgeben, am allerwenig⸗
len in Gegenwart der Tochter des Hauses, die er liebse
Ddesiree lam seinen Worten zuvor.
Pfui Olivier“, rief sie heftig. „Wie kannst Du nur mit
er dummen Geschäftsangelegenheit unser Wiedersehen stören?
die Fabrik wird doch wohl warten können, bis Herr Tyrolt
tir einige freundliche Worte gesagt hat, auf die ich mich auf
er ganzen Herreise gefreut hääbe. Aber Du bist neidisch und
—AX
striegsminister Louvois, das Fehlerhafte der Ausführung. mich arbeiten werdet. Sei so gut und yebe mir mein«
2enotre gab dem Könige recht, Louvois aber widersprach Untlorm und meine — auf, —— ia Wene
hm, das Fenster sei sehr schön und ihm fehle nichts. nauhen, so Golt will“ Frau Hosrichter nn e
udwig wurde ärgenich und schließlich sogar zornig ind W2 7abe dieser Hoffrungssreudigkeit des Verurteilten
uhr seinen Minister gereizt an. Als Louvois dann in ihre Erregung kaum bemeistern
eine Wohnung zurückkehrte, war er verstimmt und um
ein Ministerschicksal besorgt. „Ich bin ein verloreuer
Mann“, sagte er zu sich, „aber das ist auch mein eigener
Fehler. Seit einiger Zeit bekümmert sich der König viel
u viel um den Bau. Ihm sehlt ein srischer, fröhlicher
drieg. Und den soll er nun auch haben.“ Drei Monate
päter brach der Krieg um die Erbansprüche Ludwigs 14.
zuf die Pfalz aus, der Tausenden das Leben kostete, die
Lerwüstung der Pfalz mit sich brachte und auch zur Zer—
törung des Heidelberger Schlosses führte.
Aus der Selbstbiographie König Sauheribs. Im
Britisß Museum befindet sich die erst in jüngster Zeit
utdeckte achtseitige Säule, auf der die Selbstbiographie
es assyrischen Königs Sanherib in Keilschrift steht. Es
st dies der längste erhaltene Bericht, den man von die
em Könige kennt. Aus der Uebersetzung dieser Keil—
chrift gibt der „New-York American“ einen interessanten
lusschnitt wieder, der den assyrischen König als den Ty
annen zeigt, als der er aus dem zweiten Buch der Ko—
iige bekannt isft. Das Stück der Selbstbiographie handel.
on seinen Feldzügen und von der Vergrößerung der
ztadt Ninive. Sie ist in sehr selbstbewußiem Ton abge⸗
aßt, und die grausame Gesinnung des Königs verleugnet
ch darin nicht. König Sanherib erzählt unumwunden.
aß er gefangene Feinde schinden ließ oder zwang, aus
seißen Ziegelsteinen zu tanzen. Besonders inlereffant ist
eine Erzählung von dem Aufruhr einer seiner Untergebe—
ien: „Kirua, Präfekt von Illubru, ein Diener, der mir
itertan war, ließ sich von den Göttern in Versuchung
ühren und veranlaßte die Truppen in Cicilien zum Auf
tande. Er ließ es auf einen Kampf ankommen. Die
Bölker in Ingira und Tarsus unterftützten ihn. sie be—
nächtigten sich der eilicischen Straße und schnitten jeden
Verkehr ab. Ich sandte gegen sie Pfeilschützen, Lanzen
ind Schildträger, Wagen und Pferde, meine königlichen
Truppen ... Sie vernichteten in einem schwierigen Berg—
zelände die eilicischen Truppen, die ihn unterstüßten. Sie
roberten Ingira und Tarsus und machten reiche Beute.
Ihn selbst belagerten sie in Illubru, seiner Festung, wo
ie ihn einschlossen. Mit Belagerungsmaschinenunmd
im Sturme vernichteten sie ihn und nahmen die Siadl
ein. Kirua, der Präfekt, wurde mit der Beute seiner er—⸗
oberten Städte und den cilicischen Völkern, die ihm ge⸗
holfen hatten, zusammen mit vielen Ochsen, Eseln und
Schafen vor mich nich Ninive gebracht. Ich ließ Kirna
schinden.“ Was die Vergrößerung und Verschönerung
Nmives anbelangt, so betlagt es Sanherib, daäß keine
seiner Vorfahren daran gedacht habe, die Stadt zu er—
weitern, eine Mauer zu bauen, die Straßen gerade zu
richten und Kanäle zu graben, sowie für den Königspa—
ast zu sorgen „Daher richtete ich“, heißt es dann, „der
König von Assyrien, meine Aufmerksamkeit darauf, diese
Arbeit gemäß dem Willen der Götter auszuführen.“ Die—
ser Entschluß Sanheribs bedeutete für viele Völker eine
chwere Prüfung. Er selbst berichtet, wie er aus dem
Lande der Chaldäer, der Aramäer, die Cilicier, der Phi⸗
ister, der Tyrer und anderer Stämme, die im noch nicht
intertan waren, Männer gewaltsam wegschleppte, um sie
ur Arbeit, hauptsächlich zunächst zum Ziegeistreichen, zu
wingen. In aller Ausführlichteit beschreibt er auch, wie
»as Bauholz von diesen Zwangsarbeitern unter v'elen
ithsalen herangeschafft wurde. Einige mußten in den
Läldern ihrer Heimat die größten Bäume fällen, um sie
ann zu gewaltigen Flößen zusammenzusetzen, die wäh—
end des Hochstandes der Flüsse im Frühahr flußabwärtis
eleitet wurden.
Frau Hofrichters Begegnung mit ihrem Mann.
zrau Hofrichter schildert einem Mitarbeiter der „Zeit“ ihre
kindrücke bei der Begegnung mit ihrem Mann am Sonu
ag: „Sie glauben gar nicht, wie ich erschrocken war“,
agt Frau Hosrichter, „die Tür geht auf, ein plumpet
ensch stürzt herein und liegt zu meinen Füüen — ein
zremder. Ich starre ihn an. Ich war fassungslos; aber
iller Schmerz, der sich in mir angesammelt hatte, brach
ius mir hervor. Ich sagte: „Was hast Du mir und mei—
iem Kinde getan!“ Meine Erregung war ungeheuer
ch Gott. er war doch ein schlanker Mensch mit feinen,
leganten Zügen, die Haltung voll Eleganz. Ich sah
hn an und konnte ihn nicht wiederfinden. Das Gesicht
ufgedunsen, die Augen wirr, so lag er vor mir und
hrie in mühsamem, heiserem Diskant mit schwerer Zunge
nimer wieder: „Nicht reden! Mich hören, mich allen!“
xẽs machte ihm große Mühe, zu sprechen, und heftige Be—
vegungen zeigten, daß er irgend etwas sagen wolle, wo—
u ihm die Worte sehlten. Wenn ich es bedenke, wenn
h diesen Menschen mir zurückruse und mich an den erin—
iere, der gestern vor mir stand — ich darf mir keine Ge—
mien machen, ich müßte sonst wahnsinnig werden! Und
»as glauben Sie, was er mir gesagt hat? „Du, Schati,
3 kann alles noch einmal so schön werden, wenn du
iur es willst. Du mußt draußen für mich arbeiten, ich
ann es nicht. Du mußt mein anderes ich sein“ Er
rach zusammenhanglos und konnte den Faden nicht hal—
n. Als ich von ihm Abschied nahm, sag'e er mir:
Veißt du, Annerl, heute gehe ich so ruhig und fröhlich
nauf (in die Zelle), ich habe dich endlich geschen und
42 rνι ν st du. daß ihr fitr
ucksichts wos. Ich bit Din lich bose.
Der Gescholtene ging mit geringichätzigem Achselzucken
urück. Waldemar küßte die Hand der jungen Dame.
„Ihr Bruder hat recht“, sagte er beklommen; „ich war
zu lange abwesend. Vor allem die Pflicht und — darum
itte ich, mich zu beurlauben.“
„ANur unter der Bedingung, daß ich Sie recht bald wieder⸗
ehe“, entgegnete sie mit weicher Stimme, als ob sie für ihren
zruder um Verzeihung bitten wolle.
Waldemar verbeugte sich und eilte die Treppe hinunter.
ANivier schaute ihm mit gistigen Blicken nach — die Geschmei—
digleit des Dentschen ärgerte ihn in seiner eignen Unbehol—
eunheit.
„Der Emporkömmling fühlt sich schon als Schwiegersohn
on Bourlier“, murmelten die schmalen Lippen seines breiten
inschönen Mundes, „Aber er hat die Rechnung ohne den
erben der Firma gemacht. Ich dulde kein fremdes Blut in
nieiner Familie. Wenn auch der Alte einen Narren an ihm
zefressen hat, ich hasse ihn und werde nicht eher ruhen, bis
r seinen Abschieb erhalien hat.“ —
Während dieses Vorganges hatte Frau von Tarandal,
ie mit Bourlier im Salon Platz genommen, ihrem Herzen
ruft gemacht. Das waren freilich böse Geschichten gewesen,
ie sie schon in der ersten Stunde ihrer Anlunft mitzuteilen
ür nötig fand.
„In Brüssel ist Desiree in Lebensgefahr gewesen, weil
ie selbst einen Tandem kutschierte und das Pferd, ein un—⸗
zarischer Jucker, mit ihr durchging“, klagte sie.
„Aber ich habe es gebändigt Papa,“ verteidigte sich das
inge Mädchen mii blitzenden Augen. „O, Du hättest nach—
er das Tier sehen sollen, wie es fromm unter meiner Peit⸗
che tanzte. Ich habe Kraft in meinen Händen.“
Der alte Herr tätschelte zärtlich die weißen Finger, die
ie ihm entgegenhielt.
„In Ostende huldigte sie dem Segelsport“, klagte Frau
dataly weiter. „Ich bitte Dich, Bruder, segeln in dieser
ahreszeit, wo die Frühlingsstürme noch an der Tagesord—
uung sind! Das Boot legte sich auf die Seite; ich sah es
om Strande aus, wie es Wasser schöpfte, kaltes, sfalziges
zeewasser, und dann sank es — sank es.“
„Das ist nicht der Wahrheit gemäß“, lachte Desiree. „Die
zark sank nicht; aber ich sang aus dem „Fliegenden Hollaͤn—
er“ von Wagner: „Lieber Südwind blase doch“, und der
Vind ließ sich erweichen, sprang um und blies mich dem
dfser zu, welches ich wohlgemut, wenn auch etwas feucht,
rreichte.“
„Aber nach meiner Angst hast Du nicht gefragt, leicht⸗
nniges Kind“ seufzte die alte Damte Ich zikterte an allen
7—
Aevern, als ich Bich verzweifelt mit dem Segel hantieren
ah, während Deine Freundin Eugenie Fomane händerin—
end am Sieuer saß. Vergeblich rief ich nach Hilse, lief am
———
hnmächtig zusammenbrach.“
„Ach Tantchen“, lachte die kleine Sünderin übermütig,
das mag unendlich komisch gewesen sein. Du mußt ausge⸗
ehen haben, wie eine Henne, die junge Entlein ausgebrütet
sat und gluckssend und die Flügel schlagend am Ufer hin und
ꝛer läuft, wenn jene zum ersten Male schwimmen gehen.“
„Spotte noch, verhoͤhne mich nur um meiner Liebe wil⸗
en“, rief Frau von Tarandal ärgerlich. „Ich habe grau⸗e
daare Deinetwegen bekommen, graue Haare.“
„Aber man sieht sie nicht mehr, Tantchen“, licherte De—
iree indiskret und warf sich ihrem Vater an den Hals.
aFortsetzung folgt).
Ein Wink für junge Leute. „Bildung' ist fener
Ztern, welcher die Erde heiter und lieblich beleuchtet. Die
rste und wahrste Bildung ist der unumstößlichste Beweis
ines guten Herzens, wie auch ein munterer Mensch un—
ndlich weit im Gemüt vor einem mürrischen, düstern den
Borzug hat. Die echte Bildung ist jene freundliche
zenseitige Mitteilung, die von keinem Neid, von keiner
kEitelkeit und von keiner Verstimmung abhängig gemacht
verden kann; denn ein äußerer Firnis in Manieren und
Formen, hinter dem sich in der Regel eine wertlose, ge—
neine Seele verbürgt, läßt kalt und srostig. Wenn nun
chon ein alter, unfreundlicher Mann keinen Eindruck von
zZildung auf uns macht, so ist dies noch weit mehr bei
ungen Leuten der Fall, die dadurch imponicren wollen,
aß sie ein recht trübseliges Gesicht umhertragen. Es ist
o etwas Schönes um ein frisches, junges Antlitz und
benso um einen ruhigen, aber heiteren Alten. Zur Er—
ernung der Seelenbildung ist ein tiefes Studium der
Zeele notwendig; man wird dann vor allem darauf kom⸗
nen, daß Stichelei und Sarkasmus den unangenehmsten
*indruck auf den macht, mit dem man spricht; denn auch
er Schlechteste hat Selbstgefühl. Jeder Stand bildet s
war seinen Charakter, und es gibt Stände, welche die
ebrillten Augen ihrer Anhänger düster und mißfaunig
nachen; aber dem wahrhaft Gebildeten wird man nie sei—
jen Staud ansehen. Die Bildung ist die erste Tugend,
enn sie macht für das Gute empfänglich und steht mi
em Bösartigen in schroffem Widerspruch