Nummer 73.
Honnerstag den 31. März 9010.
J n 6777 9 J.
—AA—— —59
23. Jahrgang.
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Redaktion, Druck und Verlag von J Unterkeller Dudweiler.
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1908), um nicht nur die Handelsveziesungen mu dem
deutschen Reiche sür beide Teile gewinnorngender zu ge—
stalten, sondern gleichzeitezg auch dahin Fühlung zu neh—
men, ob Deutschland im Bunde mit der Union sich nicht
dazu verstehen würde die Unabhängigkeit Liberas, na—
mentlich gegenüuber England, zu verdürgen. Ob Deutschland
klug daran tar, dies Anerbieten Liberias abzuweisen,
weil gerade damals jein Verhalmis zu England ein be—
sonders kritisges war, bleibe dahingestellt. Die Union
wil! ledensalls den diahm abschspfen, indem sie die Sache
Viberias zu der ihr gen macht. Die Sonderboischaft des
Präsidenten Tast, die dem Kongreß am Karfreitag zuge—
zangen ist, befürwortet daher, um Libera allmählich aus
den Händen seines englischen Hanptg!äubigers zu befreien,
die Plazierung einer liberischen Anzeihe aus dem ameri—
kanischen Martt, zu deren Sicherung sich Liberia verpflich—
ten soll, xine Zolleingenge unter die Konrolle amerilka—
nischer Beamter zu stellien. Und sie wit! werter, um die
Brenzstreitigkeiten mit England und Frantreich für die Zu—
unft auszuschalten, Liberia die Hand zum Abschluß von
definitiven Grenzvertragen bieien, wenn ihm dieses eine
ohlenstation an seiner züste, wonach die Union schon seit
dem Jahre 1886 trach!et, einräumt.
Es kann keinem Zweisel unterliegen, daß die liberi—
sche Regierung im Einverständnis mit dem ganzen Lande
diese amerikanischen Pläne billigt. Ein anderes aber ist
ꝛs, wie sich England und Frantreich dazu verhalten wer—
den, wenn auf dem jetzt ja sehr beliebten Wege der Zoll—
ontrolle und wirtschaftlichen Durchdringung, Liberia all«
nählich zu einer amerikanischen Kolonie wird. Es hieße
zie Interessen ihrer Staatsangehörigen aufs äußerste ver—
etzen, wollten England und Frankreich hier amerikanischen
xẽinfluß und amerikanisches Kapital zur Geltung kommen
assen. Ueberdies aber hat Frankreich, das seine auf die
Bründung eines großen nordafrikanischen Kolonialreichs
zerichteten Pläne jetzt mehr denn je verwirklicht, auch ein
zolitisches Iuteresse Faran, daß sich die Union nicht in
Liberia festsetzt. Und auch England wird schwerlich, wenn
nan bedenkt, welche Schwierigkeiten es schon der amerika«
nischen Politik in Ostasien macht, dulden, daß das Ster—
ienbanner früher oder später in Nordafrika über Liberig
lattert.
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Volitische Rundschau.
Deutsches Reich.
* Ein sächsisches Blatt hatte gemeldet, daß die Frage
der Schiffahrtsabgaben zug unsten Preußens
e»rledigt worden sei, nachdem sich der Bundesrat in
einer Abstimmung für Preußen entschieden habe. Demge—
Jenüber wird von anderer Seite behauptet, daß diese
Neldung zumindest verfrüht ist, da eine Abstimmung von
eindgültigem Wert im Bundesrat noch gar nicht stattgefun—
den hat.
* Für die durch den Tod des freisinnigen Abgeordneten
Dr. Hermes im Wahlkreis Bolkenhain-Landshut-Jauer
torwend'g gewordene Reichstagsersatzwahl beabsichtigen
auch die Chrisilich-Sozialen einen eigenen Kandidaten
aufzustellen, dessen Proklamierung in den nächsten Tagen
erfolgen wird.
* Nach einer Mitteisung der Generaldirektion der Badi—
chen Staatsbahnen soll vom 1. Main d. J. ab das Rau—
chen in den Speisewagen auf den badischen Linien
wieder gestattet werden.
* Der Berl. „Lok.Anz.“ schreibt: Der bayerische Mili—
ärbevollmächtigte in Berlin, Generalmajor Freiher von
Bebsattel, der zum Generalleutnant heransteht, wird mit
einer Beförderung demnächst von Berlin abberu—
fen werden und wieder in die Front zurücktreten. Es
vird versichert, daß die Veranlassung hierzu lediglich seine
devorstehende Beförderung zum Generalleutnant bilde, die
ꝛs wünschenswert erscheinen lasse, daß er wieder ein rein
nilitärisches Kommando übernehme.
* In der Bruhnschen Erpressungssache ist nach der
Voss. 3tg.“ nunmehr die Anklage erhoben worden. Sie
ichtet sich nicht nur gegen die Verleger Wilhelm und Paul
Zruhn, sondern auch noch gegen den Redakteur Dietrich
die Anklage wirst den Angetlagten 10 Fälle der versuch—
en und vollendeten Erpressung vor. Die Anklageschrift
ie augenbeickterch verviefältigt wird, soll etwa 60 Seite
Reichtum. Alfo, Du vist gewarnt, Alexander nimm Vich in
acht. Fürstin Santoff zu werden, das könnte der eingebil—
deten Frau gerade passen. Aber Du bist viel zu gut für
ie.“
„Beruhige Dich, Siegfried“, meinte der Fürst mit weh⸗
rütigem Lächeln. Fürltin Santolf wird keine mebr werden.
und wenn sie ein Cusgel wäre. Ich kann nicht vergessen
ürchte ich.“
„Sicgsried chsee dem Freund auf die Schultern.
„Jetzt ist 2ht Zeit, Deinem Schmerze nachzuhängen,
Alex, komm, laß uns ins Schloß gehen.“ —
imfassen. Geladen werden vorgusanchtuch du gZeugen, dar—
inter die Verteidiger des früheren Redalteurs der „Wahr—
seit“', Dahle!, sowee der Inhaber eines betannten Berliner
Varenhauses und der Indaber eines Nachtlokals. Nach
Lzage der Sache dürfte die Haupwerhandlung erst Anfang
Nai stattfinden.
*Aus Dessau wird berichtet: Die Sozialdemokraten
ind die demotraciche Vereinigung werden am kommenden
Sonntag eine Massen-Kundgebung un er sfreiem Him—
nel veranstalien, in der die Demotkratisierung des Ge—
neinde- und Landtags-Wahlrechtes für Anhalt gefordert
vecden wird. Die sorischrittliche Volkspartei, die eben—
alls zur Teilnahme an der Versammlung eingeladen wor
den war, hat iyre Beteligung abgelehnt
zufrecht. Die beiden Blätter behaupten, ihre Information
»om Minister des Innern erhalten zu haben. Wie es
seiet, wird der Boischafter in Wien, Reschid Pascha die—
er Tage in derselben Angelegenheit in Konstantinopel ein—
reffen.
J
—*
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————
*
Ein französischer Admiral über Kaiser Wilhelm.
A Der „Matin“ veröffentlicht unter dem Titel: „Ein
attäuschter Traum Kaiser Wilhelms“, einen längeren Aus—
ug aus dem Buche des Admirals Fournier, welches in
en nächsten Tagen erscheinen wird. Admiral Fournier
zmmt in diesem Vuch auf den Zwischenfall von Hull
urück, während dessen Kaiser Wilhelm einen deutschen
sdmiral zum fünsten Schiedsrichter ernannt wissen wollte.
sdmiral Fournier erklärt, daß Frankreich in den Verhand—
ungen, wecche hiecüber geführt worden sind, weder für
die eine noch fur die andere Partei Stellung genommen
abe. Admiral Fournier bemüht sich in seinem Buch auf
e Nolwendigkeit für Frankreich hinzuweisen, eine starke
RNarine zu unterhalien, welche die Gewähr für die Auf—
echterhalung des Friedens darstelle. Der Admiral gibt
Frankreich und England, welche in Zutunft Verbündete
ein sollen, Ratschläge, welche er für den Fall eines Krie—
ges für notwendig erachtet. Er schließt seine Erklärung
zamit: Frankreich bedürse sowohl einer starken Flotte von
Panzerschiffen, als auch einer starken Flotte für die Offen—
ive. Die Unterhaltungskosten für diese Streitkräfte wären
ür Frankreich eine Versicherungsprämie für alle Kriegs—
zefahr, da sie ein Unterpfand des Erfolges im Falle ei—
ner kriegerischen Verwickelung sei
Heer und Flotte.
* Die Befestigung von Borkum. Die ostfriesischen
Inseln, die in der Nordsee unserer Küste vorgelagert sind,
werden in einem Seekriege eine bedeutsame Rolle spie—
len. Eine der wichtigsten dieser Inseln ist das große Bor—
um. Es sind deshalb, wie die „B. 8. a. M.“ berichtet,
chon seit laugerer Zeit Befestigungen auf dieser Insel
zusgeführt worden, die namentlich in der Anlage von
Batterien für weittragende Geschütze bestehen. Ueber diese
zefestigungen dringt natürlich nur sehr selten etwas in die
Heffentlichkeit. Das Kriegsministerium hat soeben bestimmt,
daß von dem Fußartillerie-Kegiment 2, das allein von
den Landregimentern in der Bedienung der Küstengeschütze
uind im Seeschießen ausgebildet ist, drei Kompanien unter
einem Stabsoffizier nach Borkum verlegt werden sollen.
Diese Kompanien bilden gewissermaßen ein viertes Ba—
taillon. Die Verlegung soll bereits zum 15. April been—
det sein. Man sieht daraus, wie weit diese Besestigungen
bereits schon gediehen sind, und daß sie sich jetzt in voll—
ommen kriegsmäßigem Zustande befinden müssen. Die Ein—
fahrt um die Insel herum wird voraussichtlich durch Mi—
ensperren erschwert werden.
Frankreic.
⸗In Frankreich hat man ein gut wirlkendes Rezept,
im den Unwillen der Wähler über die stete Defizitwirt—
chaft zu besänstigen: man sagt ihnen, daß andere Miächte
soch viel mehr aus züben und noch west größere Schulden
ufhäuften. Auch bei der diesmaligen Beratung des Bud—
ets haben Abgeordnete und Minister alles getan, um die
es in rosenroiem vichte erscheinen zu lasen; doch gleich
eitig war man vorsichtig genug, an die Zucunft zu den
en und anzukündigen, daß im nächsien Jahre die neu ein
uführenden sozialen Gesetze, sowie militärische Maßnah
nen große Summen erfordern würden, freilich — nicht so
iel wie in anderen Landern. Das ist immer das Trost—
vort, das seine Wirkung tut. Mit Empyhase stellte der
zerichterstatter Gauthier im Senat fest, daß der Reichtum
ind die Räührigkeit Frantreichs offensichtlich in der Zu—
lahme begrissen seten. Die franzsesische Rente habe an der
Zörse den gleichen Kursstand wie die englische Rente er—
eicht. Die Staasschu!d Frankreichs wachse weniger schnell
ils die der Rachbartander, indessen würden in der Zu
unft an Frankreich große Ansprüche gestellt werden. Die
Landesverteidigung und die soziale Gesergebung würden
n den kommenden Jahren erhöhte Ausgaben ersordern.
Frankreich sei wohl in der Lage, diese Lasten auf sich zu
tehmen, aber nur unter der Bedinzung, daß man mit
nöglichster Sparsamtkeit wirtschafte, und die Einnahmen
ruf der gleichen Höhe wie die Ausgaben halte, damit der
Zredit Frankreichs keine Einbuße erieide,
Sie
sich
—0 —
wenn Sie in dieser bewegten Zeit zu Haise nichts
zu lesen haben. Wir empfehlen Ihnen in Abon—
nement unseres Blattes.
Unele Sam in Afrika.
Der amerikanische Imperialismus steckt sio seine Ziele
immer höher. War die Union bis in die lette Zeit hin—
ein nur das Land der unbegrenzten technischei und wirt—
schaft shen Möglichkeiten, so scheint sie jetzt jen Völkern
de alten Zeit zeigen zu wollen, daß ihr auch politisch
nichts unmoglich ist. Und war es schon hödst beachtens—
wert, als sie die Führerrolle auf dem amerkaneschen Ge—
samtkontinent übernahm, indem sie durch ihr wirtschaft—
liche Ueberlegenheit alle mittel- und südamerkanischen Re—
publiken in eine mehr oder minder grode plitische Ab—
hängigkeit von sich brachte, so beweist die Lesizergreisung
der Philippinen, sowie der Einfluß, den sie sich auf d'ie
Zukunft der Insel Kuba gesichert hat — wun auch diese
Insel jetzt pro sorma wieder für selbständig erklärt ist —
daß sie heute lseineswegs mehr gesonnen ist, ihren Impe—
rialismus auf den amerilkanischen Kontinen zu beschrän—
len. Sie trachtet danach, sich — zunächst dlerdings nur
wirtschaftlich — auch in Ostasien festzusehßen, — das geht
aus den amerikanischen Forderungen nach äner Neutrali—
ierung der mandschurischen Bahnen und nich einer Kon—
zessionserteiling an der Bahnlinie Tsintscsu— Zizikar —
Aigun hervor, und die jüngste Botschaft des Präsidenten
Taft läßt keinen Zweifel mehr daran, daß Amerika beab—
chtigt, auch in Afsrika festen Fuß zu fasser, indem es sich
als Retterin der ARegerrepublik Liberia ausspient.
Allerdings kann die Union für ihr Mandat als Ret—
jerin Liberias gewisse historische Berechtigingsgründe ins
Feld führen. Verdankt doch Liberia seine Enistehung als
Republik dem 1816 in Wafhington begrürdeten Kolonisa—
nionsverein, der zur Ansiedelung der durch die Aufhebung
der Stlaverei in den Vereinigten Staater freigewordenen
Neger und Mischlinge im Jahre 1821 enen östlich vom
dap Mesurado gelegenen Küsitenstrich von den dortigen
RNegerhäuptlingen erwarb und dort zunächst 30 Negerfa—
milien ansiedelte. Durch weiteren Zuzug aus der Union
sind wellere Landeserwerbungen vergrößerte sich diese Ko—
onie so ansehnlich, daß sie sich 1847 zu einer selbständi—
zen Republit Liberia erklären konnte und auch von den
Mächten als solche anerkannt wurde. Wäl jedoch England
und Frankreich die Hauptgläubiger Libertias sind, liegt die
Gefahr nahe, diese beiden Mächte würden einmal zu ge—
Jebener Zeit der liberischen Selbständigkeit ein Ende be—
eiten.
Schon im Jahre 1900 äußerte sich daher in Liberia
das Verlangen, den Vereinigten Staaten von Südamerita
angegliedert zu werden. Dieser Wunsch verhallte damals
ungehört, so daß Liberia schließlich auf den Gedanken
am. eine Sondergesandtschaft nach Bernun zu schrcken (Juli
— — — — *
Das Heimailied.
Original-Roman von Jrene v. Hellmuth.
„Dus ist der Water,“ wandte er sieß dann an seinen
Freund, „er wandert seiner Gewohnheit gemäß auf und abd,
die Hände auf den Rücken gekreuzt. Hier zur Linen besttu
et sich das Speisezimmer, es ist am belllen beteutdtet, die
uem halten sich den ganzen Abend doet aui, we un nicht
auf der Terrasse gespeist wird; was aber nur an vesenders
warmen Abenden geschieht. Die Zimmer meiner Wiutter
liegen an der Südseite, sie liebt das Sonnige, Helle, die
Fenster gehen nach dem Park hinaus. Daran schließt sich
die wertvolle Bibliothet und das Musikzimmer, sowie einiz
zrößere Säle für besondere Festlichkeiten. Dort, die durm⸗
en Fenster, das ist unsere Bildergallerie; ich sage Dir, man—⸗
ches lostbare Stück findet sich dabei. Dann, den rechten Flü⸗
gel des Schlosses bewohnt eine Verwandte unserer Familie,
von der ich Dir ebenfalls schon berichtete, die Praͤsidentin
Keonore von Düren mit ihrem Sohn Lothar. Mein Vater
heelt es für seine Pflicht, die Präsidentin zu unterstützen, als
sich nach dem Tode ihres Gatten heraussiellte, daß ihr von
dem aroßen Vermögen, das sie in die Che gebracht hatte,
kast nichts mehr übrig blieb. Der Herr Oberlandesgerichtspräsident“,
— Siegfried legte einen spöttischen Nachdruck auf
den Titel — „hatte ein gar flottes Leben geführt, und seine
Battin hat ihn dabei nach beften Kraäften umlerituht. Sie
technete eben damals schon stark auf die reichen Verwandten,
end Lothar, ihr Sohn, kanm es heute noch nicht überwin—
den, daß er der ärmeren Seitenlinie unseres Geichlechts an—⸗
hehört, und nicht wie ich, der Hauptlinie entfstanimmte. Sh
wäre er doch erbberechtigt, während er jetzt nuv von dc—
—* muß, was mein Valer ihm zukommen läßt. Na, wes
ig ist es ja auch nicht gerade, aber mein Vater verlangt
uch etwas dafür, währeud der junge Mann gar zu gern
ei und unabhängig wäre und den Herren spielen möchte. Er
at noble Passionen, von denen mein Vater aber nichts wet
n darf. Lothar muß mit den Verwaltern unserer Gur
Vrechnen, muß meinem Vater auch sonst verschiedenes be—⸗
orgen, und da blickt er immer mit scheelen Augen nach mir.
Sie beide, Tante Leonore und ihr Sohn, waren mir nie
echt Wmpathisch, sie stecken ihre Nase stets in alles, was
ennichts angeht. Nun, wirst sie ja binnen kurzem kennen
ꝛrnen, mein Freund. Ich bin fest überzeugt, meine Fras
ante, die übrigens in den besten Jahren ist, wirft aun,
ach Dir ihre Netze aus, wenn sie ersahrn, daß Du Wiwer
ist. rotz dem sie bedeulend alter ist ie Dur Das Vdeniert
amlich die latette Frau leineswegs es delüllet e nur n
talien.
* Insolge des Eatschluses Luz zattis, das Porte—
euille des Innern mit zu überneßmen, ist. die Einßigung
der Radikalen erziett worden. Die Portefseuilles werden
vahrschein ich wie folgt verreilt werdan: LuU 33.atti Vor—
itz und Inneres, Finocchiaro Justiz, Guicciar
dina Aeureres, Tedesco Finanzen, Sacchi Vau—
cen, Spingardi Krieg, Leonardi RNiarine, Er e—
varo Untzerricht und Facta Post und Telegraphie
GSriechenlano.
*Der Militär-Verband unterschrieb das vom König
Jgewünschte Protokoll des Inhalts, daß der Verband in
der Voraussezung, daß die gegenwärtige Regierung bis
zur Einberujung der National-Versammlung im Amt—(
bleihe und die beschlossenen Gesetze im Sinne de—
Rufstaͤndezbewegung durchgeführt werden, sich nunmehr auf
löse und die Teulneumer ihres Eides entvinde. Tas Pro
toroil wurde dem Konge vom Miinisterpräsidenten über
reicht. Ein Aufruf der Liga an die Bevölterung ist ver
öffentlicht worden. Der König erklärte sich einverstanden
die Botschaft in der zdrammer zu verlesen. Die Königin
die Prinzen und Prinzessinnen, alle Hof- und Staatsbe
amte wohntien der Feierlichkeit bei
Butgarien.
* In der Nätze von Adrianopel überschritten türkische
Soldaten vbulgarisches Gebiet und schossen auf die bulga—
rischen Geenzposten, die das Feuer erwiderten. Auf bei—
den Seiten wurden Verstärkungen herangezogen, die auch
bald eintrasen. Es gelang schließlich den bulgarischen
Truppen, die Türken über de Grenze zurückzuschlagen. Die
Türken ließen 6 Tote und zahlreiche Verwundete auf
dem Kampj;platz zurück
Von der Luftirchiffahrt,
*Neue Versuchsfahrten. Das in Köln ein—
etroffene Luftschiff „Parseval 3“ wurde am Mittwoch
untladen und soll gleich fertig montiert werden. Bei der
Füllung ist eine wesentliche Erleichterung eingetreten, da
as Wasserstoffgas, das seither aus Franksurt bezogen
vurde, nunmehr in eigener, bereits fertigen Wasserstoff⸗
zasanlage hergestellt wird. Die Luiftschiffübungen begin—
ien am 4. April.
*3Zu der Belästigung deutscher vufst—
ch iffer in Frankreich gibt der Führer des be—
äftigten Ballons „Bochum“, Herr P. Giesberg, folgende
Darstellung: Als wir gegen 3 Uhr etwa 16 Kilometer
südlich Mont-a-Mousson landeten, erschien sofort auf
chweißbedektem Pferde ein Major der in Pont-a-Mousson
iegenden 12. Dragoner, der unter wildem Augenrollen
e Luftschiffer anherrschte, ob sie berechtigt seien, hier zu
anden. Nachdem dann der Ballon verpackt und auf ei—
sem Karren verstaut war, ging die Reise zur Mairie im
Nammey, wo das erste Verhör stattfand, welches vom
Najor in Assistenz des Maires abgehalten wurde. Das
‚weite, 4“ Stunden lange Verhör erfolgte dann in Mont—
vnsmo ndio Grrichitter Jquf das rücküichtssosette un
Türkei.
*Trotz der offizieslen Dementi halten der „Ikdam“, so—
wie der „Jan'n die Meidang von dem bevorstehenden
Besuch des österreichischen Thronfsl!gers Erzherzog
Franz Ferdinand in qauianinzezit komuie
—————— — — — — —
ne Wirkung auf diejen ausgeübt, wuchs Siegfried empor,
in zartes stets ängstlich behütetes Kind, gleich einer Treib—
jauspestanze, die jeder schärfere Windhauch verderben konnte.
Zie viel Graf Düren auch wettern mochte, so viel Schmer;
s ihm auch bereitete, er mußte zuletzt selbst einsehen, daf
ein Sohn und Erbe, der „Träumer“, wie er ihn stets nannte
zanz und gar nicht das wurde, was er sich von ihm ver—
prochen hatte. Ob er auch zornig mit dem Fuße stampfte,
heer den zarten Knaben oft rauh bei den schmalen Schul
ern faßte, und, ibn derb schüttelnd in die Worte ausbrach:
Zunge, geh dech pht immer umher, als ob du träumtest,
vach doch cut, in dir ist ja kein Leben, keine Energie! Bist
»u denn einer Lon dem siarken, stolzen Geschlecht der Dü—
en⸗-⸗Ehrenbach?“ — es half ihm nichts, Siegfried blieb wie
r war. Seufzend starrte sein Vater oft in die Ahnengalle—
ie und betrachtete die Reihen der stolzen Vorfahren. Es
varen lauter Reckengestalten, nicht einer fand sich darunter,
er die schmalen, bleichen Züge Siegfriebds aufwies. Dev
dnabe liebte nur die Vögel. die Blumen, und vor allem die
Nusik.
Stundenlang konnte er an dem kostbaren Flügel sitzen
ind sich Melodien zusammen komponieren. Und wenn er
laubte, etwas erreicht zu haben, dann holte er freudestrah—
end die Mutter herbei und spielte es ihr vor. Diese strei—
jelte dunn zärtlich das blonde, krause Haar des Lieblings,
und fand alles überaus schön, was er spielte. Sie wurde
ie müde, dem „Getlinper“, wie der Vater es nannte, zu—
uhören. Selbstversrändiich wurde das Talent Siegfrieds
aiuf Betreiben der Mutter gepflegt. Er erhielt beruühmte Leh—
er und Gräfin Luise war entzückt, wenn man ihr von den
wroßen Forischritten ihres Sohnes berichtete, sie trieb einen
örmlichen Kullus mit ihm. Niemand durfte ihn stören,
wenn er an seinem Insirument saß und den Tasten
o „süse“ Töne entlockte, oder die Geige spielte mit einer
Meisterichaft, um die ihn mancher Musiter von Beruf benei—
»en konnte. Später, als die Verwandten — die Präsidentin
on Düren mit ihrem Sohn — im Schlosse einzog, hatte
Gräsin Luise ihre Not, den lebhaften Lorhar fern zu halten
venn Siegsried spielte.
Die beiden Knaben waren so grundverschieden von ein
ander, daß sie nie recht zusammen jrmpathisierren. An der
Präsidentin hatte der Graf ungeabnt eine Bundesgenessin er—
halten. Sie tadelte die Erzieyuug Sicgfrieds als einen gro—
ßen Mißgriff, — man sollte den Zuugen einsach zu dem
zwingen, was er nicht wollte, und von neuem begannen
zür die Gräfin Lnise die Rüuipfe um die Freieit des ge—
iebten Sohnes. Gudlich ging dieser selbst als Sieger aus
»em Streit hervor. Eine schwere enheit hatte ihn nieders
eworfen, wochenlang schwebte er rrcen Leben und Tod.,.
und der nun harteeßrüfte BVater zelobte aus eigenem An—
triebe, wenn sein Sohn und einziger Erbe genesen sollte,
diesen den Weg gehen lassen zu wollen, deun er sich selbst
erwählte.
Und als nach langen, bangen Wochen Siegfried zum
erstenmal das Krankenzimmer verlassen durfte, da leuchtete
aus den sfirengen Vateraugen die Freude über den wieder—
gewonnenen Sohn. Denn wenn er auch manchmal hart mit
Siegfried verfahren, er liebte ihn doch als den Stammhal—⸗
ter und Erben seines Hauses. Seitdem war Siegfried noch
stiller und durchsichtiger geworden, und im Schlosse wurde
das Thema der militärischen Lausbahn nicht wieder be—
rührt.
Selbst die Präsidentin schwieg wohlweislich darüber, als
sie einsah, daß Graf Düren nun auch „schwach“ geworden
vav.
Im Geheimen schalt die Frau Präsidentin Leonore von
Düren freilich oft über die „Abgötterei‘, die die Gräfim
Luise von Düren mit Siegfried trieb, während man den
lugen, aufgeweckten, lebhaften Lotbar nicht „nach Verdienst“
beachtete.
Doch man durfte dergleichen Reden nicht laut werden
Jassen, sonst konnte es leicht geschehen, daß man es mit den
reichen Verwandien gründlich verdarb, und das wollte die
luge, berechnende Frau auf jeden Fall vermeiden; denn wer
konnte wissen, was die Zukunft brachte? — Siegfried mit
einer schwächlichen Konstitution — wen mochte behaupten,
daß er ein hohes Alter erreichen wird? — Ta war es auf
alle Fälle gut, in der Nähe zu sein, zumal Graf Düren
hrem Lothar durchaus nicht abgeneiar war, man mußte es
aur veritehen, seine Vorzüge ins rechte Licht zu seben.
Freilich, daß Lothar, als er zum Jüngling heran ge—
reist war, gelegentlich ein Spielchen im Ofsizierskasino der
tahen Stadt' machte, durften Onkel und Tante nicht erfah—
en, ebensowenig, wie sie von den Spekulationen des jundgen
Maunes etwas wissen sollten. Er spielte n der Börse und
nachte auch sonst ein Geschäftchen, wo es zu machen war,
im sein ihm zu schmal erscheinendes Einkommen zu ver—
zrößern und es gelang ihm dees nicht selten. Er hätte es
gar zu gern seinem Vetter Siegfried gleichgetan, nud einzig
ind allein seinen Neigungen zu leben. Aber bei der immer—
sin untergeordneten Stellung, die Lothar im Hause seiner
Berwandten einnahm, mußte er sich unbedingt dem Willen
»es Onkels fügen. Er war gewissermaßen der Oberinspek⸗
or, mußte zu verschiedenen Zeiten des Jahres auf den Gü—
ern des Grafen Umschau halten, ob sich alles in gewünsch⸗
er Ordnung befinde, mit den Verwaltern abrechnen, über
lles Bericht erstatten, denn der Graf war ein strenger Herr,
n manchen Punkten sogar allzu peinlich.
Der; mächtige Kronleuchter im Speisesaal warf sein
volles Licht auf die reich besetzte, mit feinssem Damast ge—
deckte Tafel, die mitten in dem großen Raum stand.
Das blitzende Silbergeschirr, die geschliffenen Krystall—
kelche, überhaupt das ganze Arrangement der Tafel verriet
den Reichtum des Besitzers, Graf von Düren, liebte es, zu
lepräsentieren, zu prunken Die Feste, die er einige Max
im Jahre seinen Freunden und Nachbarn gab, hatten eine
ewisse Berühmtheit erlangt, wer dazu eine Einladung er—
sielt, rechnete es sich zur ganz besonderen Ehre, und es
»ersäumte gewiß keiner, dem Ruse des Grafen Folge zu
eisten. Er, sowie seine Vorfahren hatten es von jeher ver—
tanden, von sich reden zu machen. Der Reichtum der Gra—
en Düren-Ebrenbach war beinahe sprichwörtlich geworden.
Das Familienoberhaupt, Ewald v. Düren, Siegfrieds
Vater, hielt stets streng darauf, das Ansehen des alten Ge—
ichlechtes womöglich noch zu erhöhen. Als er sich verhei—
atete, ließ er sich ein neues Schloß bauen und mit dem raf—
iniertesten Luxus ausstatten. Trotzdem litt es ihn nicht
sange in den prunkvollen Räumen. Die Sehnsucht nach
dem waldumrauschten Stammschloß seiner Ahnen zog ihn
wiederum dorthin zurück. Er lebte in glücklichzer Harmonie
mit seiner sansten Frau, die ihn, der manchmal so jähzornig
ausbrausen konnte, richtig zu behandeln verstand. Nur ein—
mal hatten sich die Gatten entzweit. Als Siegfried geboren
wurde, bestimmte der Vater sogleich, daß sein Sohn einst,
wie alle Vorfahren, die militärische Lausbahn ergreifen muß.
Tie Mutter widersetzte sich dem auf das Entschiedenste. Sie
mochte von einem Zwang, den man auf ihren „Junagen“ aus—
über wollte, durchaus nichts wissen.
Man müsse einem jeden Menschen freie Wahl lassen,
neinie die Mutter; ein ausgezwungener Beruf, zu dem man
eine Neigung besähe, sei ein Unding. Und als hätte das
vespröch, das die Eltern an der Wiege des Kleinen geführt,