Full text : Dudweiler Zeitung

Falr. Nobl befand sich noch nicht im Bestze des Führer—
eugnisses und verfügte erst über ganz geringe Ersahrun—
gen im Flugsport. Das mindeste, was man verlangen
oll, ehe ein Aviatiker zu Schauflügen zugelassen wird,
ürste doch sein, daß er den bescheidenen Anforderungen
genügt, die die Bestimmungen der Federation Aeronauti—
zue Internationale zur Erwerbung des Führerzeugnisses
tellen. Der Zustand, daß die Behörden sich um die Leist—
ingen der Aviatiker überhaupt nicht kümmern, dürfte bei
en rapid zunehmenden Schauveranstaltungen nicht mehr
i recht zu erhalten sein.“ — Wir haben zu diesen Aus—
ührungen nichts hinzuzufügen

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 27. Juni.
X. Kreis-Krieger- Verbandsfest. Am verflossenen
sonntag fand in Neudorf der 21. ordentliche Verbandstag
des Kreiskriegerverbandes Saarbrücken statt. Eröffnet wurde
dasselbe von dem Vorsitzenden Herrn Hauptmann Giani
im veinhalb Uhr. Es waren vertreten 94 Vereine mit
374 Stimmen. An Jahrbüchern Nro. 1911 wurden 5680
»estellt. Den Kassenbericht erstattete Kamr. Knorz. Die
Zinnahmen betrugen 12047,85 M, die Ausgaben 9119,85
Mark; es bleibt Vermögen 2927,60 M. Die ausscheiden—
den Vorstandsmitglieder wurden wieder- und für den ver—
ogenen Berginspektor Herrn Hönike Herr Bergrat Bellings
neugewählt. Zu Ehren der Veteranen soll am 40. Ihres—
ag der Schlacht bei Spichern eine vom Kreiskriegerverband
uind der Großstadt Saarbrücken veranstaltete Feier stattfin—
den. Der diesseitige Kreisverband beteiligt sich an einer
»om Bundesvorstand empfohlene Sammlung für den Kaiser—
Jubiläums⸗Fonds. Herr Hauptmann Wagner berichtete
iber das Fechtwesen im verflossenen Jahre. Am 18. Au—
zust v. Is. waren es 25 Jahre, daß das 1. Waisenhaus
Dsnabrück übergeben wurde. Das 8. soll jetzt erbaut wer—
den. Im ganzen haben in den Waisenhäusean 1172 Waisen
ein Elternhaus gefunden. Uber die Verwaltung des Vete—
ranen⸗Fonds berichtet Herr Hauptmann Schilde. Es sollen
aur gauz bedürftige Veteranen zur Unterstützung vorgeschla—
gen werden. Man hofft gelegentlich der Augustfeier, zu der
ämtliche Vereine Beiträge leisten, eine Summe dem Vete—
ranenfonds zuwenden zu können. Das nächstjährige Ver—
»andsfest findet in Burbach statt. Eine Geschichte des
kreiskriegerverbandes Saarbrücken wird in Bearbeitung ge—
ommen.
Berichtigung. Die Freitag⸗Nummer dieser Zeitung ent⸗
sielt einen Bericht über die leßte Sitzung unseres Gemeinde—
ates, welcher der Sbr. Volksztg. entnommen war. Auch
n der Nummer 141 der Saarpost war ein Bericht über
ieselbe Sitzung zu lesen, der in den meisten Punkten mit
em der Sbr. Vlsztg. entliehenen fast wörtlich übereinstimmte.
zeide Berichte behaupten nun, die Lehrerinnen und Lehrer
inserer Gemeinde hätten Anträge auf Erhöhung ihres Woh—
ungsgeldes um zehn Mark gestellt, und der Gemeinderat
abe dem Antrag der Lehrer entsprochen, den Antrag der
Lehrerinen aber abgelehnt. Sollte das Wohnungsgeld der
dehrer und Lehrerinnen tatsächlich Gegenstand einer Be—
atung in der letzlen Sitzung unseres Gemeinderates gewe—
en sein, so sei jener Behauptung gegenüber ausdrücklich
erklärt, daß die Lehrerinnen, Lehrer und Rektoren weder
irekt noch indirekt die Veranlassung zu der Beratung ge—
jeben haben, also auch diesbezügliche Anträge nicht gestellt
)aben. Auf Grund des neuen Besoldungsgesetzes der Lehrer
ind Lehrerinnen hatten die zuständigen Gemeindeorgane
eine Besoldungsordnung zu entwersen, welche von der Kgl
Kegierung zu Trier zu begutachten und genehmigen war.
Jedenfalls entsprach der erste Entwurf nicht in allen Punk—
en dem Besoldungsgesetze, sodaß die Königl. Regierung
ich dazu veranlaßt sah, neue Beschlüsse fassen zu lassen.
Freimarken-Automaten. In Saarbrücken hat die
dortige Postbehörde 3 Automaten für Postwertzeichnn ver—⸗
uchsweise vor dem Postamt 2 (Hauptbahnhof) aufgestellt.
die Verkaufsapparate verabfolgen gegen Einwurf eines
Zehners eine 10 Pfg.⸗, bezw. zwei 5 Pfg.⸗Marken, bezw
wei 5 Pfg.⸗Karten. Sollte sich die Einrichtung bewähren,
o werden jedenfalls auch bei den übrigen Postämtern solche
lutomaten zur Aufstellung kommen.
Voraussichtliche Witterung: Vorübergehend leichte
zesserung, jedoch nicht von Bestand.
Neuer Schacht. Heute wird im Walde der Erben
dello in der Nähe der Quierschieder Glashütte der neue
dchacht der Grube Maybach angehauen.
Camphausen, 24. Juni. Auf hiesiger Grube wurden
bersuche mit einer neuen mechanischen Kesselfeuerung an—
estellt, die gegenüber der Handfeuerung eine Reduktion der
Urbeitslöhne und auch Ersparnisse an Brennmaterial herbei—
ühren sollte. Die Resultate waren sehr gut, und die neue
zeuerung wurde bei allen 25 Dampfkesseln kürzlich ausgeführt.
ẽs wurden dadurch 10 Heizer überflüssig. Außerdem konnte
ine minderwertige Kohle verfeuert werden. Die Dampf—
eistung konnte deuee et werden, daß von den his-—
 — J ——
Sann 1se sich plotzlich empor, waͤhrend ein en
Glossener Zug sich in ihrem Gesichte ausprägt: Genug',
sagt ste, es is gecnug der Quall“ Sie trochnet ihre Au⸗
zen, etrfaßt die Feder und schreibt einen Brief mit fliegen⸗
zer Hast, mit geröteten Wangen an Rodorich.
Dann versiegelte sie den Brief und schob ihn in ihre
Tasche; denn sie war im Augenblicke sest entschlossen, ihn
ibzushicen. Sie wollte nicht mehr kämpfen, sie konnte
nicht mehr, glaubte sie, sie hatte es bei der Kraft thres
zeißen Blutes ohnehin fast übermenschlich getan. Num abet
var ein Rückschlag eingetreten, der alle Vernünftgründe,
zurch welche sie sich und den Geliebten peinigte, zu Nichte
nachte. Sie war augenblicklich wie von Sinnen und hielt
ich selbst für eine andere. Wäre sie jetzt an einem Brief—
asten vorübergegangen, so hätte sie dem verhängnisvollen
Brief ohne zu zögern hineingeworfen. Am nächsten Mor—
zen aber hatte sie, zur Erkenntnis gelangend ein Tele—
zramm nachgeschictt, der Brief möge an dessen Absenderin
upucerstattet werden. Das Uebermaß des Schmerzes konnte
ije auf kurze Zeit um ihr gesundes Urtetl bringen) nie—
nals aber fie in Wirklichleit umwandeln.
Ihre gläubige, reine Seele war ja viel zu sicher an
Jenen angelehnt, von dem es heißt, daß er die Kleinen
dicht verläßt, als daß sie ihr Gleichgewicht im Ernstfall
berloren hätte. Und wäre auch in diesem ihren schwächsten
Augenblicke Roderich vor ihr erschienen, so hätte sse eben
dessen Anblick wieder zur Erkenntnis gebracht, daß sie vor
allem seiner Achtung bedurfte, welche durch ihr eigenes
Verschulden entbehren zu müssen, ihr unerträglich gewesen
vůre, ... Und war dann die Vernunst wiedergekehrt, was
»ꝛei der Gediegenheit ihres Charakters nicht ausbleiben
onne, so wußte sie, daß sie umsoweniger imstande war
sür den Mam ihres Herzens an ihrem Glauben treulos zu
handeln, als ihre Empfindung für ihn eine in edler Weise
gesteigerte war. Sie mußte ja ihm sowohl als sich selbst
wiedie göttlie Gnade erhalten. Ihr gläubiges Gemüt
rkamte in dren ruhigen Stunden, daß sie nur
darum auf so harte Probe gestellt wurde, um sich um
ss besser als gläubige Seele zu bewähren. Sie suchte ihren
Seelenführer auf, der sie ungemein zu stärken verstand und
empfing die heiligen Sakramente, durch welche die Gnade
vieder in ihrem Herzen wirkte, so daß sie deutlich den rech—
en und einzig zur Befriedigung führenden Weg erkannte.
„Sind noch Briese für mich gekommen?“ fragte Erna
wreundlich und beiter als sie diel später in das Wobhn—

er zur Aufrechterhaltung des Betriebes dauernd benötigten
5Kesseln 9 Stück stillgelegt werden konnten. Pro Tag
erden außerdem 100 Kilogr. Kohlen gespart. Die Gefamt—
sparnisse an Brennmaterial, Löhnen, Roststäben usw.
eträgt täglich 150 Mk. oder 43 000 Mk. jährlich. In
inem Jahre sind die Anlagekosten bereits amortisiert.
GEbr. Volksztg.)
Saarbrücken, 26. Juni. In der gestrigen Schwur—
erichts⸗Sitzung hatte sich zu verantworten: Der Taglöhner
rriedrich Quintus zu Heusweler wegen Meineids und die
khefrau Johann Johe, geb. Eid zu Saarbrücken, sowie der
VLagenbauer Johann Johe, ebenda. Sämtliche Angeklagte
ind bereits öfters vorbestraft. Die Anklage gegen die Ehe—
rau Johe lautet auf Anstiftung, die gegen Johann Johe
iuf Beihilfe zur Anstiftung. Das Gericht beschloß, den An—
reklagten Quintus auf 6 Wochen der Nervenheilanstalt in
Nerzig zu überweisen. Die Angelegenheit wird also erst
ader nächsten Schwurgerichtsperiode zur Erledigung kom—
nen Saarbr. Volksztg.)
Altenwald, 27. Juni. Von einer eigentümlichen Krank—
seit wurde die etwa 12 Jahre alte Tochter der Bergmanns—
amilie A. W. in Altenwald befallen. Das Mädchen ver—
el am 31. Mai nachmittags um 4 Uhr während des
interrichts in der Schule plötzlich ig einen tiefen Schlaf.
rotzdem sofort ein Arzt herbeigerufen wurde, gelang es
icht das Mädchen wieder aufzuwecken, noch den Mund zu
ffnen, sodaß das arme Wesen 12 Tage ohne Nahrung
dar. An mehreren Tagen war der Körper des Kindes
janz starr. Die Eltern waren nicht wenig überrascht, als
»as Kind plötzlich wieder zu sprechen anfing, und zwar
achmittags um dieselbe Stunde, wo das Mädchen genau
or drei Wochen in der Schule eingeschlafen war.
Quierschied, 25. Juni. Gestern nachmittag gegen 2 Uhr
sing auf hiesiger Gemarkung, am Waldesrande auf dem
zuchssfelde ein Luftballon nieder. Der Ballon wurde
im 12 Uhr in Metz aufgelassen und war mit einem
Iberleutnant vom 144. Regiment und noch zwei Zivilisten
emannt. Das Ereignis lockte eine unzählbare Menge
Neugieriger herbei. Der Ballon wurde sofort mit Hilfe
iniger Anwesenden verpackt und von einem herbeigeholten
Fuhrmann durch die Zeppelinstraße und Grubenweg nach
em Bahnhof gebracht. Mit Genugtuung ist zu bemerken
zaß sämtliche Hilfskräfte, sowie die Eigentümer der Grund—
tücke für entstandenen Schaden sehr gut entschädigt wurden.
(Sbr. Volksztg.)
Kleinblittersdorf, 25. Juni. Der 9jährige Sohn des
zteinbruchsbesitzers Sch. aus St. Johann geriet unter die
jeldbahn, die den Kalk aus dem Bruche nach dem Bahn—
of und der Saar befördert. Der Junge wurde so schwer
erletzt, daß er an den Folgen derselben noch an demselben
Tage verschied (Sbr. Volksztg.)
Aus Elsaß⸗Lothringen. In letzter Zeit sind mehrfach
soliert stehende Posten bei Metz durch Zivilpersonen an—
Jegriffen worden. Das Gouvernement hat angeordnet, daß
iese Posten für die Folge mit geladenem Gewehr stehen.
Metz, 57. Juni. Die Mosel ist seit Samstag bis heute
on 1,70 auf 3,80 Meter gestiegen. Nach der „Lothr. Ztg,
vird aus Frankreich anhaltendes Steigen der Mosel gemel—
det. Die Moselgemeinden wurden benachrichtigt, daß eine
leberschwemmung der niedrig gelegenen Ufer zu erwarten sei
Frurrsbrunst. In Betual-Green im Nordosten von
onden brach in einem Hinterhause Feuer aus. Die
zeuerrwehr konnie erst eine Vierielsstunde später benach—
chtigt werden. Drei Personen, die sich zur Zeit des
usbruches des Brandes noch im Beit vesanden, konnten
rotz aller Anstrengung nicht mehr gerettet werden und
hurden als vollstaändig verrohlte Leichen aufgesunden.
Exrplosisns-anglück. Ein Freiwittigen-Regiment gab
nvLecds eine Vorsteltung. Tabei sollte ein Feuerwerks—
irper zur Beleuchtung uüber den Maunschaften zur Erplo—
on geobracht werden. Durch unvorsichtiges Abfeuern ist
reindes in das Regiment geschleudert worden. 20 Men
chen wälzten sich darauf im Blute. Die Ungtrücklichen wa
en zum Teit schwer verstammelt. Einem Korporal war
»er Kopf vom Rumpfe getrennt, einem anderen hingey
e Eingeweide aus dem aufgerissenen vVeive. Von den
Zuschauern wurden zwei Frauen getötet. Im Ganzen
vurden fünf Tote und 15 schwer Verletzte vom Platze
pagen. Eine ganze Anzahl Versonen sind leichter ver
etzt.
Gestrandetes Boot. An der Kãäste von Turnberry
Schottland) ift ein mit 5 Personen besetztes Boot auf
sem Meere gestrandet und umgeschlagen. Der Umsall er⸗
ignete sich in großer Entfernung von der Stadt in der
dähe der Felsen. Ein Pastor, der sich in einem anderen
zoot in der Nähe befand, ruderte den Schiffbrüchigen zu
dilfe und es gelang ihm, alle aus dem Wasser zu zie—
sen und in Sicherheit zu bringen.
Brand auf einem Dampfer. Aus La Croß (Wis⸗
onfin) wird gemeldet: Beim Brande eines Misstssippi—
dampfers entstand eine Panik, wobei vier Personen ge—
ötet und 12 verwundet wurden.
Die Bombe im Theater. In Colon G(Argentinien)
nurde eine Bombe in ein Theater geworfen,. wodurch
ahlreiche Personen verletzt wurdern
r — ——reee ——
„mmer trat, wo ihre Angehorigen versammelt waren; sie
rug keine Spuren der Erregung mehr an sich. Es -waren
ioch viele Gratulationen für sie gekommen und ein Brief
on Roderich, der aber zu Ernas Verwunderung nicht die
eiseste Erwähnung ihres Geburtstages enthielt, worin er
hr aber statt dessen seine Ankunft in zwei Tagen ankün⸗
igte. Er beruhigte sie über den Zweck seines Kommens,
edoch in sehr veränderter Schrift, und der Eindruck, den
lle von dem Schreiben empfingen, war, daß Roderich es
n großer Aufregung zu Papier gebracht haben mußte.
Nan erwartete ihn mit Spannung. Erna verbrachte die
eiden Tage bis zu seiner Ankunft in einem traumhaften
zustand, welcher der Fieberphantasie glich.-Sie lonnte we—
er schlafen noch essen, während ihre Augen beunruhigend
länzten. Was war vorgefallen? Oder hat blos ihre un—
eschreibliche Sehnsucht ihn herbeigegogene“ War es ein
lektrischer Strom gewesen? Sie war unzugänglich für al—
es; denn sie konnte an nichts anderes denken, als an das
Biedersehen des Mannes, der ihrem Herzen alles galt, der
hr Dasein beherrschte, mochte sie wollen oder nicht. End⸗
ich aber verging auch diese qualvolle Erwartutiaszeit und
soderich kam.
Er war tief schwarz gekleidet und sehr ernst, als er
us dem Eisenbahnwagen stieg.
Er schien um zehn Jahre älter. Sein Blick wae fest,
uhig und zuversichtlich, wie der Friede selbst, während in
einem ganzen Wesen die unendliche Liebe zum Ausdruck
am, die sein Herz erfüllte. Bevor er den Waggon ver—
ieß, sagte er zu Jemanden in demselben, den man nicht
ehen konnte, denn es war in den Abendstunden: „Warten
Sie, bis ich Sie rusel“ Dann war er herausgetreten,
atte der Gräfin Schärfenegg ehrerbietig die Hand geküßt,
bonach er sich mit einer solchen Sicherhett zu Erna wandte
ind sie mit einem so beruhigt und gleichzeitig warmen Blick
m sein Herz drückte, daß sowohl ihr selbst als ihrer Mut⸗
er klar wurde, daß sich die Umstände geändert hatten, und
zaß es jetzt sein Recht war, um setne Geliebte zu wer⸗
hen. Diese Umarmung saate Erna deutlich. daß ste seine
Sraut sein durfte, umd noch mebr bat es der Uchere Blla
ae Auges. V
Zest drücte er ihre Hände und noch enen mn
dre Appen, dam erst kehrte er 25 Aee VJ
nd half einer älteren schwarz gellei deten Frau uin einem
kinde am Arm, ansstelgen. Sräfim Sgorfeneda. die imaer
 richtig jühlte und daher auch dachte, aieg win deiden
etzteren in einen Wagen ein. waͤhrend ste Erna uit Ro—

Zeppelins Vorexpedition nach Spitzbergen
it am Montag mit dem Lloyddampfer „Mainz“ von Bre—
nerhaven über Kiel abgegangen.
Zeppelinschiffe für Amerika? Die amerikanische
zresse fordert die Regierung auf, für die amerikanische
zuftflotte mehrere Zeppelinluftschiffe anzukausen. Wie ver—
autet, wird das Bestreben von den Marinebehörden sehr
interstützt.
Rechtzeitig erkrankt. Fürst Philipp zu Eulenburg
st seit zwei Tagen erneut erkrankt und bettlägerig. Sein
zustand soll ernst sein. Auffallend ist das Zusammentref—
en der Neuerkrankung des Fürsten mit der geplanten
Viederaufnahme des Meineidprozesses gegen ihn.
Erfindung eines Postbeamten. Der Postmeister
Drewitz in Tost hat einen Handstempelapparat erfunden,
der es ermöglicht, die Briefsendungen mit dem Abdrud
des Antunftsstempels zu versehen, ohne daß dazu beson
ere Arbeitskräfte noch besonderer Zeitaufwand erforder
ich ist. Der Apparat ist unter Musterschutz gestellt. Auf An⸗
rdnung des Reichs-Postamts werden gegenwärtig bei
»er Ober-Postdirektion Oppeln praktische Verfuche ange—
tellt.
Zusammenstoßz. Montag früh stieß in Möhringen
das Postautomovil, das von Waldenbruch (Württemberg)
am, mit einem Bahnzug zusammen. Das Automobil ijt
imgestürzt und sämtliche Insassen wurden verletzt.
Hofrichter. Sonntag früh hat Hofrichter im Wiener
zarnisonsgericht den Besuch seiner Schwester, Gattin und
es Rechtsanwaltes der Familie Hofrichter empfangen. Die
linterredung fand im Burcau des Gerichtsleiters statt.
)r. Preßburger sagte, Hofrichter mache einen vollkommen
ebrochenen Eindruck. Als Hofrichter das Zimmer
etrat, wo ihn seine Angehörigen erwarteten, spielten sich
erzzerreißende Szenen ab. Zu seinem Rechtsanwall
vollte sich Hofrichter über sein Geständnis äußern, doch
ieß dies der Gerichtsleiter nicht zu. Hofrichter beschwerte
ich dann über die Härte des militärischen Untersuchungs—
erfahrens und bemerkte, daß er sein Geständnis im Zu—
sande vollkommener Unsfreiheit des Willens abgelegt habe.
die Unterredung dauerte fast dreiviertel Stunden. Beim
ibschied übergab Hofrichter seiner Frau ein LVotterielos
ür sein Kind. Dann übergab er dem Advokaten sein Te—
tament. Hofrichter wurde am Montag in die Militär—
ztrafanstalt Möllersdorf gebracht. — Ueber die Giftbe—
chaffung Hofrichters wird jetzt folgendes bekannt: Ein
erstorbener schlesischer Vetter Hofrichters gab ihm vor Jah—
en Cyantkali, angeblich zu photographischen Zwecken.
dofrichter verwahrte das Gift in Stangen in verkorktem
zZlase auf. Hofrichter war zu jener Zeit über das Auf—
ücken seiner Kameraden sehr enttäuscht und der Besitz
⸗es Giftes weckte den Gedanlen an das Verbrechen in
hin, das er jetzt so schwer büßben muß.
AutomobilezZusammenstoßß. Auf dem Kamennostra—
zrospekt in St. Petersburg sueß das Rutomobil des
z3roßfürsten Kyrill mit einem anderen zusammen, in dem
ch ein hoher Beamter des Ministeriums befand. Beide
lutomobile wurden stark beschädigt. Der Großfürst ist
nf die Straße geschleudert worden, blieh jedoch unver—
etzt
Ein drohendes Eisenbahnungluck. Nach emer
depesche des „New-Yort Heralde aus Caen ist lediglich
Aurch einen Zufall eine ähnliche Eisenßahn-Katastrophe
vie bei Villepreur verhindert worden. Der nach Cher
purg fahrende Expreßzug, der eine große Anzahl Passa—
siere jür die Amerika-Dauiper des Norddeutschen Lloyd
Horihin bringen sollte, erlitt bei der Station Bonneville
n der Nähe von Eyreux einen Maschinen-Defekt und der
zug mußte infolgedessen eine zeitlang liegen bleiben. Der
Zahnhofsvorsteher gab sofort die entsprechenden Signale,
vas aber nicht verhinderte, daß ein folgender Expreßzug
Alötzlich in voller Geschwindigkeit heränbrauste. Dem Ma—
chinenführer gelang es zum Glück, seinen Zug knapp vor
em stehenden Zuge zum Stehen zu bringen. Die Reisen
en hatten erst spaät die Gefahr bemerkt.
Wasfersnot. Wie aus Chambery gemeldet wird, ist
er Teich des Leysse-Flusses geborsten und hat die ganz«
ẽẽbene überschwemmt. Das Hochwasser, das bereits gro—
en Schaden angerichtet hat, bedroht zahrresche Ortschaften.
der Eisenbahnverkehr zwischen Chambery und Aix-les-Bai—
ies ist unterbrochen.
Brand in der Brüsseler Ausstellung. In dem
roßen Restaurant Metropol der Brüsseler Weltausstellung
rach ein Feuer aus, das die nebenan liegenden Aus—
ellungsgebaude des Fürsten von Monacco und die nicht
veit davon untergebrachte deutsche Abteilung stark gefähr—
ete. Das Restaurant ist vollständig niedergebrannt. Die
roßen französischen Garten-Anlagen wurden von dem
ieltausendtöpfigen Publikum zertreten.
* Düsseldorf, 27. Juni. Mie Passagierfah.
en.) Auch am Sonntag konnte das Luftschiff „Deutsch
and“ keine Aufstiege unternehmen. Der Hauptgrund war
aß der Nordwestwind gegen den Ausgang der Halle
rückte, sodaß das Herausbringen des Luftschifses mi
schwierigkeiten und Gefahren verbunden gewesen wär—
AmMal da nicht genug Mannschaften zum Halten zur Ver
ügung stehen. Trotzdem wollte man eine Fahrt versu
hen. Die Passagiere hatten bereits in der Gondel Plat
senommen, aber die Absicht mußte aus dem genannten
zrunde doch wieder aufgegeben werden. Wäre die Halle
rehbar eingerichtet, sodaß man sie jedes Mal in der
Lindrichtung einstellen könnte — der Wind würde dann
ι —— — .A. .2

ertc voraussayren neß. Am ver PVahrt erzaytte er We
vie alles gekommen war, indem er ihre Hand in der sei—
ien hielt: Giulietta hatte eine kindtsche Unvorsichtigkelt be—
angen, nämlich nach einer raschen Bicyhelefahrt hatte ste
in Gefrornes hinabgestürzt, während sie mit jungen Her⸗
en wettete, daß ste es gefahrlos tun könne. Eine Lun—
enentzündung hatte sie infolge dessen in wenigen Tagen
inweggerafft, und Roderich war zu spät gekommen, um sie
och am Leben anzutrefsen. Sie sei ahnungslos ver⸗
hieden.
Erna stellte noch einige Fragen über Giulietta an ihn;
ann aber saßen sie still schweigend nebeneinander. 8u
dause angekommen sorgte Erna so selbstverständlich für Ro—
erichs Kind, als wäre es ihr eigenes, und dieses ließ es
o freundlich und gerne geschehen, als wäre sie dessen Muter.
 Auch schlief es rasch ein und Erna schloß sich dem
Familienkreis an, über den sich eine feierliche Stille aus⸗
reitete. Mit dem nächsten Zuge kam Gräfin Bertolds⸗
m, welcher ihr Sohn das Geschehene mitgeteilt und die
r gebeten hatte, mit ihm bei Schärfenegg zusammenzutref⸗
en. Natürlich waren alle sehr betroffen von dem Schid
al, welches dem jungen Leben so vorzeitig ein Ende ge—
nacht hatte. Nachdem man alles zur Kenntnis genommen,
as den erschütternden Fall betraf, wurde nur mehr äutzerst
dentg gesprochen: Die Stimmung war eine zu ernste, als
aß jemand unter den Anwesenden Interesse an andern
zorfällen gesunden hätte. Selbst Millas übersprudelnde
deiterkeit war im Augenblick unterbrochen, denn der
Zodesengel ist stets ein unheimlicher Gast und sein Er—
cheinen hinterläßt eine Erstarrung gleich einem Frost, den
siie Sonne erst allmählig durchdringt und von der Erde
ortschmilzt, bis sie endlich wieder ihre frühere Wärme er—
angt. Und jene, die nun abermals hier vereinigt waren,
die ste es wohl durch die drückenden Empfindungen durch—
ühlten, um einer besseren, froheren Zeit entgegenzugehen,
vollten den einen Abend der Erinnerung an das zunge
Wesen widmen, welches das Leben ebenso leicht aufge—
aßt als beendet hatte, ohne es nur eines einzigen ernsten
sßedankens zu würdigen und das so plötzlich unter ihnen
richienen und ebenso plötzlich wieder verschwunden war,
nachdem es seine kurze, traurige Rolle abgespielt hatte.
„Ist ein Bild Giulittas für ihr Kind vorhanoen“?“
sragte Roderichs Mutter.
„Ein schönes, aus ihrer blühendsten Mädchenzeit, in
er ich das arme Wesen kennen lernte“, entgegnete er, „und
8 hahs i für ie Gleine mitnöehranc

erem Wind ein Aufstieg moglich gewesen. Dtie nacyt⸗
Fahrt eüfolgt Dienstag früh für die Vertreter der Presse
* Friedberg, 27. Juni. (SJum BombenAtten—
ast.) Die Vermutung, daß der zweite Friedberger Atten—
iter mit dem 20 Jahre alten Hockradt in Neuß identisch
ei, hat sich als unzutreffend herausgestellt. Die polizei
ichen Ermittelungen, die sogleich angestellt wurden, erga
en, daß Hockradt sich bei seinen Eltern in Leipzig auf—
ält, dort Beschäftigung hat und mit Wingers niemals
usammen gekommen ist. — Der gesuchte Mitschuldige des
Bankräuber Wingers ist jetzt ermittelt; es ist der
dachdecker und frühere Oberrealschüler Friedrich Kar

mfo Vingess bankrsuos

Lerner, der am 9. September 1890 in Kasserslautern ge
oren ist. Er verkehrte vor der Ausübung des Verbrhsens
 in Bad Nauheim mit einem frütheren Schulkamer
en. ducch den die Identität iestaesftellt wurde. ‚Durch Ver—
nittlung der Polizei wurde bei den Eltern in Kaisers.
autern die Photographie beschlagnahmt. Von allen Fried⸗
erger Zeugen wurde festgestellt, daß es sich um den im
zurghotel abgestiegenen Fremden handelt. Durch einen
in die Eltern gelangten Brief wurde festgestellt, daß Wer—
ier sich in Lüttich aufhält. Seine Verfolgung wurde so—
ort eingeleitet.
* Karlsruhe, 27. Juni. Gerhängnisvoller
ztreit.) Am Sonntag früh gerieten zwei Brüder in
treit; der eine flüchtete auf das Dach des von ihnen
ewohnten Hauses. Infolge eines Fehltrittes stürzte er
b und blieb auf der Stelle tot. Ein dritter Bruder
am herzu und verletzte den lebenden mit einem Messer
ihr schwer

Das Allensteiner Drama.
Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird Land
ichter Krieger über seine Beobachtungen bei der Ver
ehmung einer Zeugin aus den oberen Gesellschaftsschich
en Allensteins, die nicht erscheinen kann und Altteste vor
elegt hat. Auch diese Zeugin berichtet von den wechseln
en Stimmungen der Angeklagten, die sie im Verdach
atte, Morphium zu gebrauchen. — Auf eine Frage des
zerteidigers, warum seinem wiederholt gestellten Antrag,
zrau von Schönebeck mit Göben zu konfrontieren, nich
attgegeben worden sei, antwortet der Zeuge, daß dies
nit Rücksicht auf den Geisteszustand der Angeklagten nicht
nöglich gewesen sei. — Zeuge Weinert, ein früherer
Zursche im Schönebeckschen Hause, will beobachtet haben,
daß häufig junge Herren von der Angeklagten im Salon
oder Gartenzimmer empfangen wurden. — Zeuge Haupt
nann v. HaeftenErsurt hat nur beschränkte Erlaub—
ais zur Aussage von seiner Behörde. Der Zeuge hat die
riegsgeschichtliche Darstellung des Burenkrieges im Auf—
trag des Generalstabes herausgegeben. Er gibt an, daß
dei Abfassung des Berichts über die Schlacht am Spi.
onskop neben den Darstellungen von drei Offizieren
und von autoritativer Burenseite auch Aufzeichnungen und
mündliche Berichte Göbens mit als Material gedient ha—
ben. Jetzt stellt sich heraus, daß Göben zur Zeit des
Befechtes am Spionstkop gar nicht in Südafrika war, alse
gJar nicht am Gesecht teilgenommen hat. — Es werder
sodann noch einige Stellen aus Briefen der Ange
klagten an ihren Schwager und aus Briefen der
Mutter Göbens verlesen. Nachdem noch einige Feststellun
gen aus den Akten gemacht sind, erklärt der Vorsitzende
»aß damit sämtliche angeführten Beweismittet orichöp'
—

Darauf erstattet als erster Gutachter Professor Vr
»Ditppe sein Gutachten über die Ermordung des Majors
und den Leschensund. Er gelangt zu dem Schluß, daß
der verstorbene Major von Schönebeck den Schuß nich
m Bert empfangen hat, sondern als er stand, und daß
iie Angaben Göbens durch den objektiven Befund durch—
uus gestützt werden. — Zum Schluß der Sitzung berich—
ete Gerichtsarzt Privatdozent· Dr. Strausch⸗-Berlin über
en Gesundheitszustand, in dem sich die Angeklagte bei
hrer Verha tung in Charlottenburg befand. Er fand die
Angeklagte in großer körperlicher Unruhe. Auf Nadelstiche
eagierte sie so gut wie garnicht. Der Puls war sehr
soch. An den Armen zeiglen sich große blaue und rote
dlecken. die davon berr hbrten. daß nie üch selbst in den
— — —— — —
Als ste sich alle den Abend zur Ruhe begaben. die
io still versammelt gewesen, drücksen sie sich suunm die
dände, nurt Gräfin Bertoldsheim küßte ihren Sohn auf
ie Stirn.
Sie konnte nicht umhin, Gott zu danken, daß er ihr
dind von dem schweren Kreuz befreit hatte, das er so
ange getragen. Erna aber hatte eine Ruhe und einen hei—
igen Frieden im Herzen, der ihr schon lange sen tremd
ewesen.
Sie machte keine Pläne mehr. Sie malte sich das
dommende nicht aus; ste fühlte es nur aufdtinglich in al—⸗
en Fiebern ihres Herzens, daß der Herr es wohl macht,
»enn man ihm seine Wege befiehlt, und es senkte sich ein
üßer Kindesschlummer über ihre müden Lider herab.
Als Tags darauf Ernas Blick auf die Uhr siel, fuhr
ije erschreckt empor und bei der Erinnerung sam den vori—⸗
dgen Abend wähnte sie zu träumen. Nach dem Frühstücd
übergab ihr das Mädchen einen kleinen Brief. Er war
ont Gräfin Schärfenegg und lautete also:
„Roderich erwattet Dich schon seit einer Stunde
unter der Linde; gehe zu ihm und sei endlich glüdlich!
Deine Mutter.“
Erna ging zuerst zur Gräfin Schärfemegg, dann zur
gräfin Bertoldsheim und erst, als beide sie gesegnet hat⸗
en, begab sie sich in den Garten. Die Ruhe hatte sie
vieder verlassen, ihre Pulse flogen und ihre Wangen glüh—
en, wie im Fieber, denn all' die Herzensregungen, die sie
o lange bemüht gewesen war niederzukämpfen, brachen
urn um so gewaltiger hervor. Sie konnte es kaum erwar⸗
en, ihm endlich eingestehen zu dürfen, was er ihr war,
ind doch hielt ste eine umnüberwindliche Scheu zurück, ihren
Schritt zu beschleuntgen. Er aber kam ihr entgegen, auch
zhm schnürte die Erregung die Kehle zusanmen; er streckte
zie Arme nach ihr aus und sie lag an dem treuen Herzen,
das sie geliebi hatte, fast seitdem es zu schlagen begonnen.
Was ihre Seelen nam empfanden, konnten sie selbst
nicht ausdrücken, viel weniger lassen sich Worte sinden, um
28 zu beschreiben. Lange hielten sie sich innig unschlun⸗
en, ien Tränen lächelnd. Auch legte sich der Taumel des
zlückes, in dem sie sich befanden, nicht so bald; denn beide
—
ind nach einem Leid, das fie für endlos gehalten hatten,
var nun die Veränderung so überraschend plötzlich gekom⸗
nen, daß es sie betäuben mirßte. Er konnte nicht aufhö—
en, ihre, Haare. ihre Augen, ibren Mund mit Künsen zu
edecken —
            
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