Full text : Dudweiler Zeitung

Nummer 145. 23. Jahrgang.
— —— — I ———
* Postschleßfach Nr. 14. h n . — —— — 0— — — esl. Postschließfach Nr. 14.
Erscheint 93 08 1173165 Anzeigen
naglich mit Ausnahme der Sonn- und * 344 I —124543 kosten 10 pro Gspaltig Petitzeile
Feiertage. w — * * WVx auswärtige 18 4
* 34 3
Amfliches Publikatidsorgan m it zwei Beilagen: KAlamen
Abonnementspreis für die Bürgermeisterei Dudweiler. Sonntagsblatt und heitere Blãtter. d0 4 pro Aspaltige Petitzeile
nonatlich 70 ⸗ frei in's Haus J J —
gebracht, — 7 —
dei der Pastellt 228 vierteljährlich. gernsprech⸗ Rhiußß Saarbrücken Nr. 69, 259, 269 4. 1261. — Redakution,“ Drudk und! Verlag von J Unterkeller⸗Dudweiler. Bei Jahres⸗-⸗Abonnement höͤchster Rabati.
ν ν3 α u O u utccc VhCtht Pc. Wuc ee itdue du Rulle ehh lacceh tuhuhttc guctrr uud geh ůrhhuchttichaeuhthucheenz r.
a— — — —— — — — — —— — ö—— — — — —— — — — — —— — — — —
m Amte it, dabei ist die tunstige Amtszeit der gegen-⸗ Barnggon Oporto nehmen offen an den Versammungen
wärtigen Ressortchess noch gar nicht eingerechnet. In der Radikalen teil. Die Regeneratorenpartei hält taͤglich
Frankreich dagegen hat seit Einführung der Republik die heime Sitzungen ab. Der König schwankt noch immer.
Iimtszeit eines Ministers durchschnittlich nicht mehr als 19, In Lissabon haben die Truppen vier Tage lang die Ka—
FJahre betragen. Dazu kommi, daß bei uns die Abtell eernen nicht verlassen. Das Offizierskorps inLifsabon
mgsche's weit länger als die Minister im Amte bleiben zilt als königstreu.
vährend in parlamentarisch regierten Staaten auch si— Rumänien.
neist mit dem Minister wechseln. Wir können also woh' *Die rumänische Regierung findet die Antwori
joffen, daß die „Volkszeitung“ demnächst die hohen Vot ßriechenlands unbefriedigend. Es fand ein Mi—
üge hervorhebt. die monarchisch regierte Staaten hinsicht usterrat statt, in welchem über die zu treffenden Maß—
ich der Stetigkeit der Verwaltung gegenüber parlamenta nahmen beraten wurde. Die öffentliche Meinung ist au—
risch regierten Ländern aufzuweisen haben. (Wir sind herst erregt.“
rotzdem der Meinung, daß es sehr zu empfehlen wäre, Türkei.
uuch auf diesem Gebiete mehr — zu sparen. D. Red.) p * Die wede von Saloniki beschlossen die Anus
Oesterreiche Ungarn. eisuang derijenigen Lehrer der ariechisichen Schulen,
*Wie die Prager „Boheima“ garꝑ wohl unterrichteter ie griechische Untertanen ind.
Zeite erfährt, hat Kaiser Franz Josef dem ungarischen —
Rinislerpräsidenten Grafen ehnene deerb 83 ier
s gelungen ist, die Harmonie zwischen der Krone und Die Reichstagskommission für die Reichsversicherunas—
ingarn wieder herzusiellen und in der ungarischen Poliiußs dnung verhandelte über die Art der Wahl des Vor—
iach einer langen Periode der Zwiftigkeiten und der Kri thenden pei den Krautenhassen, sowie über die Halbier⸗
en wieder Ordnung zu schaffen, eine besondere Auszeich ung der Beiträge. 53 340 wurde gegen die Stimmen der
nung durch die Verleihung des Fürstentiteis angedahen Zozialdemolraten und der Fortschrittlichen Vollspartei u n—
lassen. Die Veröffentlichung dieser Auszeichnung wird erändert nach der, Regierungsvorlage
vahrscheinlich am 80. Geburtstage des Kaifers erfolgen 1u genomm en: „Die Vorstandsmitglieder der Oris-Frankreich
 rankenkassen wählen aus ihrer Mitte den Vorsi benden des
* Das „Journal Offiziell“ eili mit: Ministet Pichon Borstandes. Gewählt ist, wer die Mehrheit der Stiimmen
abe eine Anfrage des Deputierten Brousse betreffend die owohl der Arbeitgeber als auch der Versicherten im Vor
eutschen Zollerhbhungen auf Champagner, tande erhält.“ 8 341 bleibt in senen ersten beiden Ab—
zchaumweine und Litsre schriftlich dahin beantworlet daß ätzen unverändert: Kommt die Mehrheit nmicht zustande,
er Botschafter in Berlin, Cam b'on, beauftragt wor o wird die Wahl auf einen andern Tag anberaumt.
en sei, bei der deutschen Regierung über diese Maß— dommt die Wahl auch in der zweiten Sitzung nicht zu⸗
ahme Klage zu führen, welche in Frantreich einen sehr lande, so benachrichtigt der Vorstand das Versicherungs
einlichen Eindruck hervorgerufen habe. Frankreich würze umt. Dieses bestellt einen Vertreter, der bis zu einer gül⸗
ventuell genötigt sein, entsprechende Maßnahmen zu er— igen Wahl die Rechte und Pflichten des Vorsitzenden auf
reifen. Es ware bedauerlich, wenn ein soicher Zustand dosten der Kasse ausübt.“ Auf Zentrumsantrag
on Zollrepressalien zwischen den beiden Ländern ein rd Unterstreichung des Absatzes 3 der Regierungsvor—
räte. Das deutsche Auswärtige Amt habe geantwortet, * hinzugefügt: „Ein Arbeitgeber darf nur dann als
udem es auf die budgetäre Notwendigkeit hinwies, neue HSrtreter bestellt werden, wenn die Mehrheit der Gruppe
zilsjsmittel zu schaffen, und hervorhob, daß die deutsche ver Arbeitnehmer gegen seine Wahl keinen Einspruch er—
tegierung durchaus keine übelwollende Absicht gehabt hebt.“ Zu 8 344 wird ein FZentrumsantrag an—
abe. Auch OesterreichUngarn und Italien würden von lJenommen, der Ausschuß besteht zu einem Orittel
en Zollerhöhungen betrofsen. Am Schlusse seines Ant- aus Vertretern der Arbeitgeber und zu zwer
vortschreibens versichert Pichon, er werde alles tuun, um Drittel aus Vertretern der Versicherten und
ie französischen Interessen zu schützen und Frankreich die ählt höchstens 100 Vertreter. Auf Antrag der Sozial⸗
zegenseitigkeit der guten Behandlung zu sichern, welche es »emokraten wird ein 8 3444 angefügt: Die Frisi
n seinen wirtschaftlichen Beziehungen zu einem großen wischen Anberaumung und Wahl muß mindestens vier
dachbarlande beanspruchen dürfe. Vochen betragen. 8 348 wird auf Antrag des Zen—⸗
England. rums folgendermaßen gefaßt: Die Vertreter der Arbein
* Nach der, Daily Mane wird das neue Budget gee eber und Versicherten im Ausschutz wäblen getrennt
5* b rus ihrer Gruppe die Vorstandsmitglieder und zwar die
jen das Vorjahr für einen Mehraufwand von über zehn *
Ii Arbeitgeber ein Drittel und die Versicherten zwei Drittel.
Nillionen Pfund Rechnung zu tragen haben. Hiervon Im übri bleiben die nichtaenannten Paragraphen bié
ntsallen annähernd die Winlionen auf die Steigerung des Im übrigen leiben die nichtä d
jlottenetats. Anneron
*Emilie Davison, eine Schullehrerin, e sich
hon verschiedentlich im Oberhause unnütz gemacht hat,
ersuchte mieder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenten. Sie
harf einen Kreideklumpen durch die Fenster des Crown
RAfice. An dem Klumpen klebte ein Zettel an Asquiths
1dresse mit der Aufforderung, sich der Sache der Frauen—
echtlerinnen anzunehmen. Die Demonstrantin wurde
om Polizegericht zu 5 Pfund Strafe verurteilt, die von
hren Freundinnen sofort bezahlt wurden
Griechenland.
*Wie verlautet, sind die Wahlen zur Nationalver⸗
ammlung auf den 14. August festgesetzt.
*Die durch das rumänische Ultimatum gestellte Frist
sti abgelaufen. Die griechische Regierung sträubt sich be—
onders gegen die geforderte Entschädigung, in der eine
eabsichtigte Demütigung Griechenlands erblickt wird. Einst⸗
veilen ist es noch zweifelhaft, ob die Regierung der For⸗
erung Rumäniens nachkommen wird. Eine Ablehnung
vürde voraussichtlich den Boykott griechischer Schiffe und
die Ausweisung zahlreicher Griechen aus Rumänien zur
Folge haben. Die Lage wird allgemein als sehr
ren st beurteilt. 9J
Vortugal. —
* Die Lage des Königtums ist andauernd ernst, da
es im Volke keine Anbhänger mehr hat. Die Offigiere dor
— — E —
Roch einen Händedtud der Sräfin, dann ging
et, Mutter und Tochter allein lasen —..

Montag, den 27. Juni 1910.

Unterrock⸗Politik. 3
Die englische Königin Marie pflegte bisher jede and aber bonnte nich.
zahr eine Rteise nach —— 3 J beder Diese vielfach hervor re ende Feindschaft gegen Deutsch.
kante, eine Herzogin von Meclenburg, die bei Dresden and ist um so morkwürdiger, als die meisten Länder Eu—
vohni, zu befuchen. In diesem Frühjahr ist sie wiederum opas von deutschen Familien regiert werden. Die briti—
or geresen unddie briushe Feuscruͤn The Gentlewoß Ve— russische. betgische. hottämdische, damische Dynastie sind
nan“ ein Organ fur die vornehme englische Danenwen, o gut wie deutsch. In England folgten auf die Tudors
erichtete von ihrer Heimreise, sie sei war durch Verun ind die Stuarts zwei deutsche Fürstenhäuser: die Welfen
eloiamen habe aber teiie geit⸗ gehabi, einen Rcen ind die Koburger. In Rußland ist das Haus Romanow
derwandien ant Bernmer Kaiferhofe u besuchen urch d'e Dynastie Holstein Gottorp abgelöst. Selbst die
Sierbinch wirn verstandiche weshalb ievBerliner ürstenhäuser von Spanien, Portugal und Italien enthal⸗
öfische Berichterstattung, ebenso auch das Woiffsche Tele— en viei deutsches Blut. Die Königin Maria Christina
rraphenbureau, die Reisen der jetzigen Fönigin Marie ar prutschen d ebee
iach Deutschland bisher konsequent ignoriert hat. Es war conigin ist 83 von deueaer Vautenbgttsen] Ibe
i aderes ih wean die hehe Bame“ 3 ammung. Auch in die Königshäuser von Portugal und
herliner Hof abihich“ sonine In amentamschen Biau italien haben deutsche Prinzessinnen hineingeheiratet. Ohne
ern wird das zurückgeführt auf die Königin-Mutter Al e⸗ rerg D nd ur e enny we een
andra, welche die größte Feindin Deutschlands sei, gerhien, Rornenegro und. Ser Irsel In
»ie es auf der Welt gebe. Sie habe sowohl ihren verstor⸗ derte etguitim, gin Focnget ——
»enen Mann, den König Edward, wie ihren Sohn, den it dnchen. alfo gauch wuishen Ursprungs.
etzigen König Georg und dessen Gemahlin mit Abneig— Wunn tane alss ruhig sagen, daß, Curopa M*
ing gegen Deutschland zu erfüllen verstanden, außerdem nupisae vn doen e sur i a
ei sie ine fehr siuge Frau, die Georg veliständieebee virdaen an, aber daraus schuieven woute, daß diese
errshe Daber dabe se nichte wie das so bit Ghen pen afte dem pen 37 Zu d
ver Fall ist, mit der Opposition ihrer Schwiegertochter zu d e eintte, Vede e beag e keez
ipent Wieniheria tze be onigeulg Fanee erhen Zegenbeweis liefern die beiden Schwnteen Alexandra und
de — A
armoniert sie ganz vortrefflich mit ihrer Schwiegertochter, XX F
—J— jñ * demselben denischfeindlichen Geifte 3— Politische Rundschau.
seelt ist, wie sie. i
Fast ebenso deutschfeindlich wie Königin Ale IAndrane r Q44 Derisenes Veteh
hre Schwester, die Kaiserim Heutter HMig'rra Fre do⸗r M
aw Ruheiue sie ten nicht Vvergessen, weg, ist von Berlin schon wieder abgereist, weil er vom
vas die VDeutschen spegiell die Preußen ihrer Famme, kdaiser nach Kiel eingeladen worden ist. Seine Ankunft
dem regierenden Hause von Dänemark, angetan haben. u Liel erfolgt⸗ am Samstag.
Maria Feodorowna setzte es seinerzeit durch, daß bei Hof— Bei, der Reichstags-Stichwatt in Frieedperg
uchteen faf begelmußig das damgche Rebanchelied: 53. bu din gen wurdzn für Bused GSoz) 117606 r
zchleswig, geliebtes, umstrittenes Land!“ auf das Pro— Ir HeElmo⸗ It B.d. 8) 565 Stinimen abgeen
an desen wuürde, obale ich vas bei etwal anesenden Bu ol dait somit ag w bli Seigder Saunttana
ntschen“ Gaͤsten doch höchst unangenehme Empfinbungen Atflelen auf: Busotd 9551. v. Velmolt 6339. und van
e — gerdedgh 7 enee Im
dDie Deutsetseindlichteit der be den Schwestern ist um anzen waren immen gabgegeben. Die Jteisin⸗
o überraschender, als sie beide e echt sien anigen sind der Wahlparole, für Busold zu stimmen, durchchen
 Bliles sind. Ihre Viner var ine Primzessin vonn veg gesolgt. da micht anzunehmen ist, daß die Sozial—-en
 nassen und ihr Valer ein Prinz von Sdleswig emokraten über erhebliche Reserven verfügt haben. —
holstein⸗Sonderburg⸗Glücksburg. Auch ihre Jugendzeit ha— jum Resultat über diese Wahl schreibt der Bor wärs
jen sie in Deutschland verlebt, naͤmlich in Jugenheim an dun ist auch Friedberg-Buüdingen unser. Zum ersten Wal
e Bergftrahe ¶ Aber ihre Mirttier die Königin Luife jehört uns dieser Wahlkreis, dessen soziale Struktur so—
n Danemart, var durch die Ereignisse von 18614 umz, ange unserer Belagerung getrotzt. Nach Landau, Ko
Zos ine ganz erbiterte Feindin Preußens eworven, urg, Eisenach, Usedom-Wollin hat auch der bessische
die Naiur hatte ihr ein grobes Talem fuͤr Pontit und LVahltreis unsere Hoffnungen erfülut. Der 49. Soziaudeine
 siarte Neigung zu dißlomatifcher Betaͤtigung mitge, notrat zieht in den Reichstag. Frisch weht der Wind
zeben so dah se dem Fursten Bismara gang imglaubiͤch rch das Land und cbwellt die Segel, In Hoher Flut
ie ju schafen emacht hal Ihre Tochter waren schöne anzt unser Schiff. Wir haben gute Fahrt. Die deutsche
Nadqhen anb goͤnigin Lunse versiand es ihnen die beften Ürbeiterklasse wird unbeirtt von den wechselnden Stimm.
iralparnen zu besorgen, so dah sie e Schwiegermmi. ugen ihrer Gegner ruhig und siegessicher ihren Weg ge—
er Europas“ genannt wurde. Wenn Bismarck an dem en. mögen die liberalen Parteien Stange halten oder
inen oder anderen Hofe einen unerwarteten Widerstand dieder mit ihren Freunden Frieden machen. Wir wissen,
fuͤhr, so sieckie in vieclen Fallen die Kömain Luise da. vdirt gehen vorwärts. dem Siege entgegen, so oder so.
hinter Jebt ift sie ol aber ihre poliuschen Ziele“ ver— dafür ist uns der neue Ersolg ein neuer und ein froher
nachte sie ihren beiden Töchtern, den Monarchen-Witwen zeweis 23
„on England und Rußland. Beide sind bestrebt, ganz im * Ueber den Ministerverbrauch bei uns und im Aus
heiste der Muner zu handeln Die Kömgin Alexaudra ande schreibt die „Deutsche Tageszeitung“: Die demolraellte
 vor Jahren sogar eigens einen Historiker an, der ische Berl. Voltsztg.“ hat sich das Vergnügen gemacht,
veiter michns lum sollie, als einen wissenschaftlich haltba— ie, Minisler und Staatssetretäre zusammenzuzählen, die
en Nachweis ihrer Liebungsidee zu Papier zu bringen. mter der Regierungszeit Kaiser Wilhelms 2. im Reiche
ß sie at vbon deuischer Abltammung sei. ind in Preußen amtiert haben. Sie kommt zu dem Er—
Edward 7. hat obne Frage jeine Poutit in den Dienst kbnisse, daß wir in diesen 22 Jahren 86 Minister Und
der Wunsche seiner Gemahlin“ und seiner Schwägerin ge— ztaatssekretäre einschließlich der gegenwärtig amtierenden
eilt Gieich den beiden Frauen erblicte er das Wohl. Lhabt haben, Es ift gewiß anerkennenswert, daß sich
raehen Europas in der Einntrteisuna, Demütige 'ie „Volkszeitung“, wie sie selbst sagt. „die Mühe mich;
ein g ind FrnzedrigungDeutshlands. So— erdrießen ließ“, diese Liste aufzustellen; und man könni
veit sich soiche Rele diplomausch verarbeilen lafsen. hat tsächlich der Ansicht sein, daß ein geringerer Ministerver—
ruviel erreicht, aber zu den ‚großen“ Monarchen wird rauch vielleicht hier und da zweckmäßiger gewesen wäre.
nan den siebenten Edward doch nicht rechnen, weil seinen dur sollte sich die „Volkszeitung“ auch die Mühe ma—
zdeen die Ausfu hrrung verfagt geblieben ist. König en, den Ministerverbrauch bei uns und im Auslande, vor
z1Dward hat es mit taktischem Geschick verstanden. den deui— llem in parlamentarisch regierten Staaten, gegenüberzu—
Hen Feind un u mz inn aen aber zum Lo l'a— ellen. Ihre eigene Rechnung ergibt, daß bei uns eir
1en sehule ibm doch der Muüt und auch die Bundesge Ninister oder Staatssekretär auch unter der Regierungszei
aagiser Milhemmäz 9 im Dirchsnitt Jlänger als fünf Fabre

Hof und Gesellschaft.
**s General der Artillerie von der Planitz 7. Der
rühere Generalinspektor der Fußartillerie, Generai der
Artillerie z. D. Mar Edler von der Planitz ist in Inter—
aken. wo er zur Kur weilte, gestorben. Der Verstorbene
at ein Alter von nahezu 76 Jahren erreicht. Er war ein
n “VMV des hoöor ↄιιιαιαα —3
nurigung zu Roderich war meyr als ein schwesterliches Ge⸗
sühl. Liebe war es, was sie für ihn gefühlt. Es drängte
ie mit unbeschreiblicher Gewalt, ihm alles einzugestehen,
iber Giuliettah. .. Giulietta stand vor den Augen ihres
Beistes, als wäre sie in Wirklichkeit da, und sie schwieg
m höchsten Grade beklommen. Er aber mißdeutete ihr
„chweigen, zog ihre bebende Gestalt an sein Herz um
vollte sie küssen.
Aber zitternd machte sie sich los und stand aufrecht
or ihm, ein rührendes Bild keuscher, weiblicher Liebe;
nehr als Worte der Entrüstung es getan hätten, wirkte
hr bittender, weich mitleidsvoller Blick. Giuliettal“
auchte sie nur, und als sie ihm die Hand reichte, führte
r sie ehrsurchtsvoll an seine Lippen
Sehr blaß kam Erna am anderen Morgen zum Irllh⸗
tück. Alle wußten, wie es um sie stand.
Roderich suchte ihrem Blick zu begegnen, aber er sah
arin nur stille Etgebung und nimmer wanklenden Ent⸗
chluß.
Als sie später ihren helßen Kopf an der frischen Luft
im Garten zu kühlen suchte, kam er zu ihr:
IJer sagte er leise, mein Gluc liegt in Deiner
zandl
„Das glaubst Du nicht, Rodericht Kann ich das
Beschehene ungeschehen machen? Kann ich Deine Ehe
ösen oder die Erinnerung daran vernichten?!“
Ich gäbe alles auf für Dich, Erna, alles! Kannß
du mir nicht ein Opfer bringen, das mein Lebensglüud
erlauft und mich vor Verzweiflung rettetr!
Ich verstehe Dich nicht, Roderich.“
Er antwortete nicht gleich, dann aber sagte er: Erna
jöre mich an: Ich lasse mich scheiden, scheiden von einer
Frau, die mich nie verstanden, nie geliebt — und mich ver⸗
assen hat, Du aber trittst blos zum Schein zu einem an⸗
eren Glauben über, der die Wiedervermählung Geschiede⸗
nꝛer gestattet, und bleibst im Herzen, was Du bistl“
Sie erhob sich und Tränen netzten ihre Augen:, Nein,
doderich!“ sagte sie, „wähne nicht, aaß ich Dir zu lieb
iwas Unrechtes tun könnte und um so weniger, weil ich
dich liebe. Im Herzen das eine bleiben, dabel aber das
un, was mich zu einer andern macht —nimmermehrl Es
st etwas Hohes um die Liebe, mein Roderich, aber noch
öher steht das Rechte und Gutel“

wvan und vergoß hekhe Vantestranen. Vam erhod sich
ene, die so lange Ernas Mutter gewesen. Sie neigte
ich über die andere, da sie ihre Rechte abtreten sollte,
hloß sie einen Augenblick an ihre Brust und folgte ihren
ohne, dessen innere Verfassung sie doch teilweise ahnte.
jrau Plazotta küßte Gräfin Schärfeneggs Hand, indem
je bemerkie: „J bin natürlich froh, daß i dös erlebt hab',
ind Graf Gnaden“, wandte sie sich zu Graf Franz, „müs⸗
en a froh sein, das and're wär natürlich an Ungiüd ge⸗
ves'n.“ * —
Er mußte lachein, die Gräfin aber sagte: Gehe jeßzt,
reue Seele, lasse uns Drei beisammen, Dir aber werden
dir dankbar sein, so lange wir leben·
„Mir tut mir eins leid', sagte die Alte noch, „daß i
azumal nit hab' reden dersen, wie unser junger Graf ge⸗
eitat hau“ Hiermit entfernte sie sich.
Die Familie Schärfemegg blieb nun zurück; lanoe
doch wurde keitf Laut zwischen ihnen vernehinbar.
ibt Augenblicke, wo man seine gegenseitigen Empfindun—
jen so genau kennt und einander so warm nachfühlt, als
ewegten sie die eigene Brust, und weil man sie mit der
igenen Bewegung in Verbindung bringt, so ist es, als
ätte man mit den andern nur ein Herz, Auch die Ueber⸗
eugung des gegenseitigen Verstaändnissesrzund der gegem⸗
eitigen Teilnahme kommt dazu, und desbalb fällt das
bedürsnis sich auszusprechen. weg. — 1*
So war es jetzt hier. Tausend Bilder gingen
ines jeden Sinn; bald war es Freude, bald Weh
as sie empfanden, und die Nacht btach über ihren
rachtungen herein.
Das Fenster war leicht verhängt. Alle drei sahen jetzt
en leuchtenden Abendstern in seinem vollen Glanz am
destlichen Himmel stehen und allen dreien leuchtete er
zriede ins fromme Herz. Halblaut sprach Franz den schö—
jen Weihnachtsspruch, zu dem ihn die weihevolle Stimm⸗
ing des Augenblicks veranlaßte: „Ehre sei Gott m der
höhe und Friede auf Erden den Menschen. die eines quen
 Willens sind!“
„So sei es!“ sagten die beiden anderen. Dann streckte
ie Gräfin dem edlen Sohn die Hand entgegen und sagte:
Franzl Ich weiß, daß Dein gutes Herz mir mein Glüd
nnig gönnt, aber auch Du sollst es als einGlück ansehen.
aß Du nun eine Schwester hast!“ — Als Antwort erhob
sich, zog Erna an seine Bruft und sagte im warmem
'one: Und welch' eine Schwpenerie

Sie ging mit Freuden darauf em und gab
mre auch auf mein Verlangen das eidliche Versprechen, daß
ie es nie verraten würde, wie ich zu dem Kinde gekom⸗
nen war, denn es sollte in aller Augen für das meine gelten.
Und so geschah es auch; denn nach meinem zweijäh—⸗
igen Fernbleiben von der Heimat, konnte ich es umso
eichter durchführen, und da wir auch über Annga Pla⸗
otta, welche uns ihre Wohnund angegeben hatte, das Al—
ergünstigste erfuhren, so blieben uns keinerlei Bedenken.
xxrnas Dasein erregte nicht den leisesten Verdacht daheim,
enn ich hatte keine nahen Angehörigen, und meine Ver—
vandten und Freunde waren von mir nie durch eifriges
Briefschreiben verwöhnt worden; auch kannten mich alle
als eine verschlossene Natur. Bei alledem unterl ießen wir
s jedoch nicht, mittelst Inserate nach den Angehõrigen des
dindes zu forschen, erhielten auch einmal einen Brief
»on einer Baronin Hellberg, welche uns die Adresse dieser
Billa hier sandte.
„Als wir aber auf denselben antworteten, kam keine
veltere Nachticht mehr. Wahrscheinlich unterschlug die
Wirtschafterin auch diesen Brief, denn ich erinnere mich
etzt dunkel datan, daß uns von Baronin Hellberg der
Name Linden angegeben worden war.“
Jal jal Auch ich erinnere mich“, rief hier Graf
Fxranz, ‚daß die gute alte Hellberg es mir mitieilte, aber
»a wir nie von einer Nachftage auf deren Brief hörten,
waren wir natürlich überzeugt, daß es nicht unser ver—
lorenes Kind war“, wobei er Erna liebevoll anblicte.
„Alle haben Erna stets für das unsere gehalten“, sagte
Bräfin Bertoldsheim, „Roderich betrachtete sie bis zu die⸗
ser Stunde als seine Schwester, und wir selbst hatten es
ergessen, daß wir nicht ihre Eltern sind. Sie war unser
»ler Glück und Freude!“
Und darf sie es nicht auch ferner bleiben?“ fragtre
ẽrna, indem ste sich zärtlich an die Gräfin Bertoldsheim
ainschmiegte, während diese sie als Antwort fest an sich
rüdte.
Auch Clotildens Erzãhlung war nun zu Ende, das
zeuer im Kamin fast verglommen, imd eine hohe Gestalt
chlich sich stillichweigend aus dem Zimmer; Roderich war
8. Gräfin Schärfenegg aber lag zurücgelehnt auf dem

426. Kapic
Granz mußte am Abend desselben Tage-— au kurze
Zeit abreisen und Gräfin Bertoldsheim sowohl als Gräfin
SIchärfenegg begaben sich gleich, nachdem er Abschied ge⸗
ommen, zur Ruhe, während Roderich Franz zum Wa—
jen begleitete und Erna, ihren Gedanken nachhängend, im
Wohnzimmer zurückblieb, wo ersterer sie gebeten hatte, ihn
zu erwarten. Sie hörte Franzens Wagen davon fahten.
ann Roderichs Schritte, die sich dem Wohnzimmer näher⸗
en. Ihr Herz pochte zum Zerspringen. Es war ja na⸗
ütlich, dachte Ke, daß es ihr heftigen Schmerz verursa⸗
hen mußte, nicht mehr die Schwester ihtes teuren bishe⸗
waen Lebensgefährten zu sein. Roderich trat nun ein.
„Ich wußte es jal ich wußte es jal Ernal⸗ rief er
n herzzerreißender Auftegung, Ich wußte es jal Ich
pußte es jal“ rang sichs aus seinem gequälten Herzen.
Sie ging ihm entgegen mit unendlicher Liebe im Blie⸗
vußte aber nicht, daß es Liebe war.
Jal“ sagte sie in leisem Tone, denn sie konnte nicht
aut sprechen, weil ihre Stimme zu sehr zitterte: Du hast
s immer geahnt, Roderich, aber es soll keinen Unterschied
wischen uns machen; habe ich jetzt doch zwei Mütter, und
verde ich wohl auch zwei Brüder haben können und das
nacht mich glückich!“
„Mich aber machst Du damit rasend“, rief er, „daß
du so ruhig sagen kannst: Bleib mein Bruderl Was ich
n diesen Monaten der Trennung gelitten — gekämpft,
ast Du's nie gemerkt, sagt Dir's nicht mein trübes Aus—
ehen? Und warum ich so litt, weißt Tu es nicht, siehst
u es nicht? Du, die ich liebte, so innig liebte und di⸗
neine — Schwester war!l“
Unsaͤglich erschreckt über diese leidenschaftlich gesproche⸗
nen Worte, stand Erna wie gelähmt vor ihm, das Auge
zroß und starr auf ihn gerichtet. Dann fühlte sie, daß ihr
ie Kniee btachen, und sie sank auf das kleineSofa nie⸗
er, neben welchem sie stand. Da sah sie ihn zu ihren
jüßen niedersinken, und eine unbeschteibliche Angst be—⸗
nächtigte sich ihter Brust. Die letzten Tage hatten ihr so
iel der Ettegung gebracht, daß sie geschwächt war und
aher auch die jetzige Situation nicht gleich so kräftig
iar ins Auge faßte. Nur das eine kam ihr nun plötzlich
oie eine Erleuchtung zum Bewußtsein. Auch ihre Ku
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.