Rummer 143. 23. Jahrgang.
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ind der Hatz der Russen. Treuere Untertanen gat der alienischen Zollbeamten bemerkten, versuchten sie über
zat nirgends, als in den Höfen und Häufern der deut- die Grenze zurück zu fliehen, wurden aber eingeholt und
hen Ansiedler. Sollte das Gesetz wirklich angenommen ntwaffnet, worauf sie in Haft genommen wurden.
eind durchgeführt werden, dann wäre es eine Ehrenpflicht Türkei
zer deutschen Regierung und des deutschen Volkes, den ee —
ertriebenen Brũdern im „Vaterland⸗ oder in den Kolo— *Der anti⸗griech sche Boykott nimmt einen bedrohlichen
en neue Heimfiänen zu bieten Tharatter an. Auch in Galata und Skutari kam es zu
derartigen Ausschreitungen, daß die Polizei einschreiten
ind mehrere Personen verhaften mußte.
* Der Arnautensührer Debreli Jussuf wurde im
Malissiagebiet mit 500 Au stindischen von den Truppen
umzingelt. Es entspann sich ein heftiger Kampf, bei
velchem die Arnauten bedeutende Verluste erlitten. Es
vurden 120 Aujsständische von den Truppen gefangen ge—
tommen. Die Verluste der Truppen ind unbelanni.
Unteroffiziers⸗Organisation.
Wie die „Welt am Montag“ erfährt, wird an Unter—
ffiziere des Beurlaubtenstandes folgendes vom Bezirlks—
ifizier gezeichnetes Zirkular versandt:
Für die Unteroffiziere des Beurlaubtenstandes wird
zie Schaffung einer Organisation beabsichtigt, zur Erhal⸗
ung des militärischen Geistes und als Gegenwirkung ge⸗
jen heeresfeindliche Bestrebungen unter Berüchsichtigung
olgender Punlkte:
Bei jedem Bezirkskommando wird eine Abteilung für
Lhargierte des Beurlaubtenstandes gebildet. — Der Ein—
ritt in die Abteilung ift ein freiwilliger. Der Beitretende
at sich zu verpflichten, einen näher zu bestimmenden Zeit⸗
aum über die vorgeschriebene Zeit hinaus in der Reserve
»der Landwehr zu bleiben. Die Abteilung untersteht dem
Bezitkslommandeur und wird vom Adjutanten oder Of—
izier des Beurlaubtenstandes geleitet.
Die Angehörigen der Abteilung haben sich den Be—
ehlen ihrer Vorgesetzten zu unterwerfen und unterstehen
n allen dien ichen Angelegenheiten den Militärgesetzen.
— Einmale; WMionat haben sich die Mitglieder der Ab—
eilung auf enisprechenden Befehl abends im Bezirkskom—
mando einzufinden, wo von Offizieren des Beurlaubten—
tandes oder von Angehörigen der Abteilung Vorträge be—
lehrenden oder patriotischen Inus gehalten werden oder
Instruktion über militärische Fraßen erteilt wird.
Die Pflichten der Angehörigen der Abteilung werden
erweitert durch Heranziehung der Unteroffiziere zu prakti—
schen Dienstverrichungen, z. B. bei Kontrollversammlun—
zen zur Unterstützung des Feldwebels, zu Instruktionzüb—
angen im Gelaͤnde, zu Schießübungen am Sonntag Vor—
mittag auf den Militärschießständen. Unkosten für Patro—
nen sind von den Unterofsizieren zu tragen; zu Gelände—
ibungen unter Benutzung der Karte.
Sie baben dem Hauptmeldeamt sobald als möglich
nitzuteilen, ob Sie eventuell bereit sind, der Abteilung
reizutreten.
(Wir halten eine solche „Organisation“, die doch nichts
veiter bezweckt, als auch die ins Zivilleben zurückgekehr⸗
en Unteroffiziere einer Art indirekter militärischer Kon—
rolle für „Wohlverhalten“ zu unterwerfen, für mehr wie
iberflüssig. Aus der „Freiwilligkeit“ schaut doch der Pferde—
uß des „Muß“ ziemlich unverblümt hervor. D. Red.)
Russische Unfreundlichkeit
gegen deutsche Kolonisten.
Es verlautet folgende Meldung über einen befremdli⸗
hen Schritt der russischen Regierung:
Die russische Regierung hat eine Vorlage über die
zeschränkung des Landbesitzes von Ausländern im Süd—⸗
vestgebiete eingebracht. Die Vorlage richtet sich gegen die
eutschen Koloniften, die im Gebiete seit 200 Jahren än—
ässig und russische Untertanen geworden sind; sie sieht ein
ollständiges Verbot des Landerwerbs oder der Pachtung
„urch deutsche Kolonisten im russischen Untertanenverbande
zoör. Die Vorlage bezieht sich auf die Geuvernements
kiew, Podolien und Wolhynien. Die Begründung der
zorlage erklärt, die deutschen Kolonisten seien in ihrem
herzen Pangermanen, und nichts verbände sie mit Ruß—
and. Sie bedrängten die russische Bevölkerung und be—
euteten für den Kriegsfall eine große Gefahr.
Diese „Begründung“ ist natürlich durchaus unwahr.
zanz abgesehen von der darin liegenden Verdächtigung
es Deutschen Reiches, das, um nur an eins zu erinnern,
vährend des russisch-japanischen Krieges und während der
ufsischen Revolutionsjahre nicht im entferntesten daran
sedacht hat, die Bedrängnis seines östlichen Nachbarn
uszunutzen — aber hat denn die russische Regierung ganz
ergessen, daß während eben dieser Revolutionsjahre die
eutschen Untertanen sich als die beinahe einzigen siaats—
reuen Untertanen erwiesen haben? Warum sollte denn
on den Deutschen des Südwestens eine entgegengesetzte
zaltung zu erwarten sein? Der wahre Grund liegt viel—
iehr darin, daß die Deutschen durch ihren Fieiß, ihre
lusdauer, ihre Ordnungsliebe nach jahrzehnteilangem, sehr
yYwerem Ringen wirtschaftlich vorwärts kommen und die
dussen ouf allen GGehieten üherflätesn Daher dor u*
den Städten des vLieckartales7 jolgen die verträeuten und t
heiß erwarteten Nachrichten, die in der beraunten stereo.
typen Fassung von der Ankunft des Luftseglers verichten
Dann begrüßen die Wogen des Riheims den dahinfllegen
yen Bruder belannter Freunde. Um die Wete mit der
tolzen Fluten des deutschen Stromes rauscht das Lufst
chiff in Windeseile dahin über Koblenz, Bonn, Kön
astlos, ohne Aufenthalt, seinem Bestimmungsort Düussel
»orf entgegen. Um 12 Uhr begrüßt der brausende Juve
»er Bewohner Düsseldorf „L. 8. 79 und seinen greiser
Führer, den Grafen Zeppelirm. — Während der nächtli—
hen Fahrt war es fast windsstill, im Mittellauf des Rhei
ies schob ein leichter Südost ein wenig nach, die Schluß
trecke verlief unter wechselnden, ganz leichten Winden. In
)urchschnitt machte das Luftschiff trotzdem eine Fahrt vor
5 Kilometern in der Stunde. Das ist eine phaͤnomenale
ind selbst die Erwartungen der Zeppelingesellschaft über
reffende Leistung. Außerordentlich befriedigte auch die
zteuerfähigkeit, sowohl auf und ab, wie auch nach der
zeiten und die Motore liefen tadellos. Die Abnahme—
ommission der „Delag“ ist auf das höchste befriedigt vor
olchen Eigenschaften des ersten Schiffes, das sie bei der
eppelingesellschaft bestellte. Die Fahrt in der Passagiersondel
ist ein hoher Gemtß. Ohne jede Ermüdung oder
Unstrengung kann man einen ganzen Tag lang in diesem
öllig erschütterungsfreien Raum ausharren und das wech
elnde Bild an den breiten Fenstern vorübergleiten lassen.
58 ist in Bezug auf Sicherheit und Bequemlichkeit ein
zassagierluftschiff par excellence. Bemerlenswert bezüglich
er Fahrtgeschwindigkeit der Deutschland“ ist noch die Tat⸗
ache, daß Oberingenieur Dürr, der nicht mitgefahren war
md von Stuttgart aus mit der Eisenbahn fuhr, obgleich
r bereits eine Stunde vor dem Luftschiff Friedrichshafen
erließ, doch erst 2 Stunden später als das Luftschiff in
düsseldorf eintraf. Die „Deutschland“ überholte der
zchnellzug bereits gegen 8 Uhr bei Mannheim.
Politische Rundschau.
ODeutsches Reich.
* Die neuen Minister v. Dallwitz und vony
—zchorlemerLieser haben ihr Amt angetreten.
* Die württembergische Regierung hatte mit Rüchksicht
muf die Erntearbeiten beabsichtigt, die Ersatzwahl im
rin würtiembergischen Reichstagswahlkreis Cann;
tüttLudwigsburag erst auf Ende August festge
etzt. Jetzt veröffentlicht nun der württembergische Staatsmzeiger“
eine Verfügung des Ministers des Innern,
velche die Ersatzwahl auf Samstag, den 30.
zuli, ansetzt. Diese Aenderung hängt, wie das amiliche
Blatt erklärt, damit zusammen, daß der Reichskanzler
urch ein in den letzten Tagen bei dem Minister des In
iern eingetrofsenes Rundschreiben die Regierungen der
zundesstaaten ersucht hat, Ersatzwahlen zum Reichstag
ntsprechend den vom Reeichstag gefaßten Resolutionen
nöglichst innerhalb von 70 Tagen, von einer Mandater—
edigung an, anzusetzen und nur ausnahmsweise ein Hin—
usziehen der Neuwahlen bis zu 90 Tagen stattfinden zu
assen.
* Der „Reichsanzeiger“ macht bekannt, daß die Städte
zreslau, Kulm und Marienburg Festungen, und daß
m Oberrhein bei Hüningen, Istein und Neuenburg, so—
vie auf dem Molsheimer Berg Festungsanlagen errichtet
vorden sind.
* Dem reichsländischen Landesausschuß von Elsaß- Lothingen
ist ein Antrag Hauß (Zentrum und Gen.) mit
Jendem Wortlaut zugegangen: Der Landesausschuß
volle beschließen, die Renerung zu ersuchen, beim Herrn
teichskanzler dahin zu werlen, daß dem Landesausschuf
on Elsaß⸗Lothringen de Entwurf einer Ver
afsung zur Aeußerung unterbreitet werde, bevor die ge
etzgebende Körperschaft des Reiches endgültig damit be—⸗
aßt werde. Der Antrag wird vom Präsidenten auf die
kagesordnung vom kommenden Mittwoch, den 29. Juli
esetzt werden; ferner ist dem Landesausschuß in derjsel⸗
en Angelegenheit ein Antrag Blumenthal und Labroise
ugegangen, der ebenfalls sehr bald auf der Tagesordung
stehen soll
Mexiko.
*Neue militärische Verstärcungen sind in dem Aufruhr⸗
ebiet angekommen, um jeden Versuch einer Erhebung so—
ort im Keime zu ersticken. An der ganzen Grenze herrschi
Unzufriedenheit gegen Amerila. Dennoch glaubt man
sicht, daß die Bevöllerung mit Rücksicht auf die von der
tegierung vorgesehenen Maßnahmen eine Erhebung wa—
en wird.
Gegen die Unzucht.
Ein Zirkular, das Italiens Ministerpräsident Luzzatti in
achen des Kampfes gegen die unsittlichen Schriften an die
zräseltur gerichtet, verdient wegen der präzisen Form, in
er es gehalten, ausgiebigere Erwähnung. Luzzatti
chreibt, er spreche aus Erfahrung, die „intensive verbre—
serische Aktion der Pornographie“ sei wirklich vorhanden,
ind der Sie, der oberster Wächter der öffentlichen Mo—
al ist, dürse nicht untätig bleiben. Besonders handle es
ich darum, die Seelen der Kinder vor dem Gifte zu
chuüßen. Das sei eine der ersien Pflichten der Gesellschaft,
ie alten Römer hätten das schon erkannt und das Evan—
jelium habe strenge und scharse Worie für jene, die den
rinderseelen Aergernis geben. Die Regierung habe zu—
iächst energische Maßnahmen gegen den Verkauf unsitili—
her Schriften in den Bahnhofsskiosken ergriffen, nun sei es
tötig, gegen die Ausstellung folcher Erzeugnisse in den
Zchaufenstern Front zu machen und auch die Vorausan—
ündigung solcher Erzeugnisse in den Schaufenstern Front
u machen und auch die Vorausankündigung solcher
zchandprodukte zu verhüten. Die große Mehrheit des
ßarlamentes sei der Fingerzeig dafür, daß sich das Land
egen die systematische Vergifung der Volksmoral auf—
ehne. Luzzatti will die Durchführung seiner strengen
Forschriften persönlich überwachen und fordert wöchent—
liche Berichte von den Präfekten über die von ihnen ge—
roffenen Maßnahmen und erklärt sich in zweifelhaften Fäl—
en zur Entscheidung bereit. Die Unterorgane, die zu Ent—
eckungen der Geheimdruckereien zur Herstellung unsittlicher
zchriften führen, werden vom Minister belohnt werden,
r bezeichnet das jetzt angeordnete Vorgehen als „einen
eiligen Kreuzzug“ im Interesse der Volksmoral. Die
ßzresse Italiens lobt vorbehaltlos das energische Auftreten
2uzratis gegen die Pest unsittlicher Schriften und ver—
pricht nachdrück iche Unterstüt ung
RS
Luftkreuzer „Deutschland.“
HOer 22. Juni des Jahres 1910 wird in der Chro—
aik der VLuftschiffahrt zu den Ruhmestagen gehoören. Der
kbag von Weilburg schrieb sich zu tief ein in das Herz
es deutschen Volkes, um schon vergenen zu jein. Noch isi
ie eingesetzte Untersuchungstommission an der Arbeit, um
ie Ursachen des Unglücks zu klären. „Es liegt nicht am
zystem“, erklären einmütig die Freunde der Zeppehne.
dun einen vollgiltigeren Beweis fur die Tuchtigtert sei—
ies Systems, seiner stolzen Luftschiffe, hätte Graf Zeppe—
in nicht erbringen können, als durch diese so glänzende
jahrt ins rheinische Land. Früh am Morgen bringt der
lektrische Funke aus dem vielgenannten Friedrichshafen am
zodensee die kurze Meldung: „L. 3. 7* ist um 3 Uhr mit
em Grafen Zeppelin zur Fahrt nach Dusseldorf aufge—
tiegen. Mit Spannung horcht wieder das deutsche Bolt
vie in jenen Tagen, als der jugendfrische Greis seine er—
sen Fahrten ins Rheintal antrat. Nur eine kurze Zeit
— dDdorn f di Meldungon n··
„Die Opfer des Pluviose.“
Von den Greueln auf der „Pluviose“, die nunmehr
udlich nach unsäglichen Mühen und auch Gefahren von
llen Resten ihrer unglücklichen Mannschaft geräumt ist,
verden Schilderungen entworfen, die tatsächlich das Aeu—
erste erteichen, was menschliche Phantasie an Schrecken
ich auszumalen vermag. Als der Dr. Savidan, der von
æer Insizierung durch Leichengift wieder hergestellt ist,
m einem der letzten Tage in den Motorensaal eindrang
ind den Zuftand der Tür zu dem äußersten Abteil am
sinteren Eunde des Fahrzeuges beim Scheine einer eleltri—
chen Lampe untersuchte, sjuhr der durch den Anblick so
ieler grauenvoller Erscheinungen Abgehärtete doch vor
zuntsetzen zurück: Eine Hand erschien, eine Hand mit zu⸗
ammengekrümmten Fingern, schwarz und beschwollen, in
iner Bewegung fürchterlichster Verzweiflung. Man hat
en Arm, der da herausgesteckt worden war, abschneiden
rüssen, um die Tür überhaupt öffnen zu können. Obwohl
ber die Imde moglichstes Schweigen bewahrt wird, ist
s doch belannt geworden, daß die letzten Leichen, die
af de Arack gesfuuden wurden. alle iarchtbare Queisch
ιιι . Ar J, waren großtenteils
erbrochen. Dem Kommandanten Paatt ist die Nase ein—
sedrückt worden. Welch furchtbarer Kampf muß sich in
en paar Augenblicken abgespielt hann, die zwischen dem
trkennen der schrecklichen Katastrophe durch die Mann—
haften und deren grauenvollem Tode verstrichen. — Das
Leichen begängnis der Opfer des „Pluviose“
at unter allgemeiner Teilnahme stattge'unden. Der Prä—
dent Fallieres, Ministerpräsident Briand, Marineminisier
Lrapeyrere, Kriegsminister Brun, Abordnungen des Parla—⸗
nents und die fremden Marineattachees, darunter der
eutsche, waren eingetroffen. Die 27 mit der National-—
lagge bededten und mit Blumen reich geschmückten Särge
vurden auf Geschützprotzen gestellt, und während die Glok—
en läuteten und Geschützdonner ertönte, setzte sich der
deichenzug unter den Klängen eines Trauermarsches nach
er Kathedrale in Bewegung. Nach der kirchlichen Feier
vurden die Leichen ins Zuckerdepot übergeführt, wo sie
rovisorisch verbleiben.
Desterreich⸗ Ungarn.
*Der neugewahlie ungarische Reichsstag ist am Don—
erstag zur ersten Sitzung zusammengetreten. Die Oppo—
tion ist gewaltig dezimiert. Die Mitgliedet der Regie—
ungspartei sind in gehobenster Stimmung. Die Opposti⸗
ion verhält sich zunächst ruhig. Den Zweck der ersten Sitzing
bildete die Verlesung des Handschreibens des
dömnigs, mit welchem der Reichstag zum Anhören der
hronrede in die Hofburg geladen wird. Das Altersprädium
Der Saitzung sührte der 96jährige Justhianer Ma—
araßk Seine Ansprache, er begrüße jene Abgeordnete, die
arrch den wahren, unverfälschten Willen der Nation in
as Haus entsendet seien, gebe aber seinem Schmerze
ber die Ungese tzlichkeiten der Regierung Ausdruck, wurde
won brausenden Entrüstungsrufen der Majorität unter
rochen, welche Madaraß zwangen, seine Rede rasch au
hließen.
Italien.
* Für die von dem sozialistischen Blatte ‚Lavoro⸗ am—
eregten Radrennen hat der König eine goldene Medaille
estiftet. Lavoro dankt dem König für diesen überaus
villklkommenen Gruß. Der sozialistische Deputierte Gra—
indei prach die Hoffnung aus, daß dank dem Vorgehen
es Königs Jialien endlich eine soziale Reform erhalien
verde, wie sie Deutschland bereiis besitze.
*Ein Telegramm aus Vicenza meidet die Verhafmung
ines österreschischen Offiziers und dreier österreichischet
zoldaten durch italienische Zollbeamten. Der Ofifizier
ind die Soldaten hatten mit Waffen die österreichische
jrenze überschritten und sich etwa 500 Meter weit auf
talienischem Gebiete befunden. Als die Oesterreicher die
— WBEXAEVAäeääEIYXò)5ZX—
⸗ituicuatx arridea u, naym das XIeuz, das id
eim Erwachen in den Händen ghalten hatte, hing es an
ie Wand, öffnete etwas die Läden der Fenster, auch
iese selbst, um die äußerst wohltuende, warme Luft her—
inströmen zu lassen und sagte in leisem, gütigen Tone
uf italienisch: Strengen Sie sich nicht an, bis ich den
)oltor bringe, Sie weren ernstlich krank und müssen jetzt
hr ruhig bleiben.“ Obwohl ich gar keine Schmerzen em⸗
fand, so war mir doch die Ruhe ein Bedürfnis, und ich
ichelte darum nur in Erwiderung seiner Ermahnung.
der Arzt lam und verordnete allerlei, das man an muir
nwendete, nachdem man mich aus dem hölzernen Sarg
aein Bett gelegt hatte. Nach und nach fühlte ich auch
as Leben in meinen Adern wiederlehren und mit dem—
elben die Erinnerung!
Lange noch bemäntelten die guten Leute, bei wel—
jen ich mich befand, die Wahrheit, erfanden barmherzige
rügen, um meine Genesung zu befördern, und erst lange
arnach erfuhr ich alles.
Beir dem Eisenbahnunglüdck waren viele tot geblieben.
— mein teurer, unvergeßlicher Mann — Fran—
ens Vater Ich war sterbend in das nächste Haus ge—
racht worden, woselbst mein armes Kind das Vicht der
Velt erblidte. Ich war dann gleich in den Starrkrampf
erfallen.
Der Chirurg des Ortes, denn Arzt war dort keiner,
rklärte mich für tot und ließ mich aufbahren. Das Kind,
in Mädchen, war lebend geboren und von einer deutschen
zrau mitgenommen worden, welche sich auf der Durchreise
ach ihrer Heimat befand, nachdem sie ihren Mann, einen
talienischen Baumeister, durch den Tod verloren hatte.
Re Frau war mit dem nächsten Zug von der entgegen⸗
esetzten Seite gekommen und hatte mich in dem trost⸗
osesten Zustande gefunden; sie verließ mich nicht, sondern
rachte mich mit Hülfe der Eisenbahnbediensteten in das
ächste Haus, wo sie mir alle Liebesdienste erwies.
Da mich aue sür tot hielten, vahm fe ne gind
nit sich und setzte ihre Reise fort. Sie bat aber zuvor die
deute, bei welchen wir uns alle befanden ihr das Hei⸗
igenbild zu überlassen, welches ich in einem Medaison
ingeschlossen am Halse trug. Dieses war mit meinen
mitialen und der Grafenkrone versehen, weshalb die guterzige
Frau meinte, durch dasselbe vielleicht eher Ver—⸗
andte des Kindes entdecken zu können. Sie wußte, —
h eine Deutsche war, weil man ein Notizbuch in meinen
kuttersprache bei mir gefunden hatte. Den Schreibnamen
er Frau wußte niemand; sie hatte nur in ihrem gebro—
senen Italienisch zu den Bauersleuten gesagt: Die
danni end treue e5 sie n d Ween vr
ier. Ich reise n ien“, hatte sie no inzugefügt,
iolleicht ———— TFamilie A Jedenfalls
chwes
Roderichs Schwester
.Iqch War erst ein Jahr vermählt, und reiste in Be⸗
leitung meines Mannes, mit welchem mich zärtliche Liebe
erband, zu dessen Tante nach Rom. Wir genossen in
ollen Zügen unser Glück, welches in nächster Bälde durch
ie zu erwartenden Vater- und Mutterfreuden noch ver—
nehrt werden, sollte. Die Tante wollte mich bei sich
flegen. So dachten wir, — anders die Vorsehung. Der
zug, indem wir Inn. hatte einen Zusammenstoß mit
inem anderen. iesen unbeschreiblichen Augenblick kann
ich niemand vorstellen! Wir einpfahlen unsere Seelen dem
herrn, dann brach Finsternis über meine Sinne herein.“
Gräfin Bertoldsheim drüdktte tief bewegt die Hand der
Sprechenden in stisler Teilnahme. Letztere iekte ann sän
jer aus. Clotilde wartete geduldia. obwobl ihr Herz hes⸗
ig pochte.
Endlich aber sprach wieder Gräfin Schärfenegg: Als
ch zu mir klam, lag ich in einem aͤrmlichen Zimmer ei⸗
es italienischen Bauernhauses zwische den Bahnstationen
N. und N. Dies erfuhr ich viel später. Ich war voll·
ommen betäubt, ohne jeglichem klarem Begriff. Nach
ängerer Zeit, von deren Dauer ich keine Ahnung hahe.
zffnete sich eine Tür und eine weibliche Gestalt trat ha
in; ich sah, daß sie im Zimmer etwas suchte und be⸗
gerkte auch, daßz zu jeder Seite meines Lagers eine große
derze brannte. Es erschien mir alles nur undeutlich, wie
/urch einen Nebel, denn ich hatte nicht einmal das —
oußtsein meines Lebens. Das Mädchen bekreuzigte sich
ind verließ wieder das Zimmer. Dann mochten neuerings
Stunden vergangen sein, als ich aus einem tiefen
zchlaf erwachend das Bewußtsein wieder fand; ich woilte
nich aufrichten, was mir jedoch nicht gelang, und ich
onnte nur den Kopf etwas aufheben, wobei ich bemerkte
aß ich zweifelsohne aufgebahrt war. Meine Schwäche]
iber verhinderte es, daß diese entsetzliche Entdedung ei⸗
sen Eindruck auf mich gemacht hätte; so legte ich den
obf vihig zurie. und dersuchte nachzudemen was sig
ber als unmöglich erwies. Es kam abermais Jemandi
herein, den ich viel deutlicher sah; 4As war diesmal eine
ilte Frau, die genz nahe an mi herantrat, sich mieder ·
miete und zu beten begann. Ich wollte sie ansprechen,
rachte aber nur ein leises Stöhnen hervor.
Im selben Augenblid sprang die Betende in großem
Zchrecken auf ere F an und b9 davon.
Lleich barauf m ein Mann herein, sehr verständig
ussah, mich genau betrachtete, auch berührte und dann
nit großer Entschiedenheit sagte: „E calda — erano spamil
6Sie ist warm, es war ein Starrkrampfi)
Route Meiichen doouri.
„Das war alles, was ich von meinem Kinde erfuhr,
— dann hörte ich nie mehr etwas von demselben, so sehr
ch suchte und forschte. Ich weiß nicht, ob meine Toch⸗
er lebt, ob sie in guten oͤder bösen Händen ist, weiß
nichts, gar nichts von ihr. Kannst Du die Groöße mei—
ies lebenslänglichen Leids begreifen?“
„Sie muß unermeßlich sein! Das kann ich Dir nach—
ühlen!“ rief Gräfin Bertoldsheim, welche mehrmals wäh⸗
end der Erzählung, zumal da ihre Freundin erwähnte,
as Kind sei ein Pädchen gewesen, das die Frau mit—
enommen habe, und diese habe Nani geheiden, schrecken⸗
hnliches Erstaunen geäußert hatte. Ihre Hände waren
islalt und ihre Wangen glühten. Ihre Freundin be—
nerlte jedoch ihre Erregung nigt
„Und wie erging es Dir hernach, Helene, daß Du
enng alles so standhaft ertrugst?“ fragte sie
ein Stefsohn Franz, den ich benachrichtigte, kam
u mir, beweinte seinen teueren Vater mit mir und brachte
nich in meine Heimat zurück. Es hätte kein eigenes Kind
teuer, hingebungsvoller an mir handeln können als er
Zeine liebe Gattin Anna wurde mir eine teure Tochten
ind als die kleine Alice ihren Einzug in diese Welt hielt,
ernte ich die Freude des Familienlebens kennen. Abes
eider wurde uus auch Anna durch den Tod entrissen
zranz aber, der Schwergeprüste, blieb auch nach diesem
itteren Schidsalsschlage edel und gut — er ist die Stütze
neines verfrühten Albers. Gott segne Erna. daß ne
hn so glüdlich macht!“
Gräfin Schärfenegg schwieg, während ihre Zuhörerin
ie immer erregter ecen war, nun in ein heftiges
Veinen ausbrach. äre ein Dritter zugegen gewesen,
o hätte ihm ihre Auffsassung der Erzählung Gräfin Schär—
enegg's entweder als eine krankhaft empfindliche erschei⸗
ien müssen oder er hätte bemerkt, daß in ihr dabei eiwas
ßBesonderes, Unerklärliches vorging. VDie Erzaählende jedoch
var so ganz in die vergangenen, erschütternden Erleb—
uisse zuruͤckversetzt, daß ihr sowohl der Farbenwechsel in
ofimange Zin —
Lervensystems enging. Als aber nun Gräsin
eims Gestall etwas erbebte, erschrak Helene nicht wentẽ
iber den Eindrud, den ihre Erzählum auf ihre 87
,in gemacht hatte, und verluchte, sie ma Lieblosung
u beruhigen. Da ihr aber dies nicht gelang, o
elte sie worauf ein Bediensiteter erschien. Dieser erhi
en Befehl, den Grasen Freny herbeizuholen. Als
diener das Zimmer verließ, saßte sich Ciotilde etwas und
agte: F
Verzeih', daß ich anstatt Dich zu beruhigen, Did
—EAAA — QR
J — — — —
scumnerzen... m voige eines traurigen Brieren won
— 28weshalb ich weniger wil Fähig bin.
X iaate sie alles. wie Jemnand, der
Graf Franz kam eilends herbei und war wicht
aig bestürzt, die beiden Damen so erregt angettefsen.
*
Und Grãfin Bertoldsheim fügte hinzn
Beruhigen Sie Ihre Mutter, Gra Framz —⸗ 89
nich einen Augenb“ zuructziehen, werde be
efobter sein und rtkommen, um noch in
kinzelnheiten dieser samen Ereignisse mit Du au
*8 — E — die Hand, Whrend
e
Trãnen aufs neue hervorque len, weshalb ⸗ mich
—A ——
mußte, um immer zu
—AA er
raz hatte.
Plazottal“ rief sie ihr zu, Nebe oe Du er⸗
atest es nicht, was ich erfahren X
— haben Grof Gnaden dema erjehren, Gotten
en?!“
Du wirst es nicht glauben nach 2 Jahren!“ und
die Grafin samt —S in einen 5 meder
Der treuen Seele slossen aus Teil die Trãnen
n e egeehen nich aheter, s
CTun si a vegen“,
p 8 en Wiener Dialelt, ‚was soll ich denn cigentua
lauben
Und hast Du fie nicht erlannt? Hast Du die Gräfin
—„chärsenegg nie gesehen?
In diesem Augenblide hörten sie Ernas Schritt, die
räfin trat eilends in ihr Zimmer, wohin ihr Frau Pla—
otta folgend, sobald J das junge Mädchen befriedigt
atte. Ihre Herrin erleichterte das Herz, indem sue
r mitteilte, weshalb sie die Erzählung der Grafin Schãr⸗
negg so ungemein ergriffen hatte, und ließ die Dienerin
icht minder erregt zurück, als sie sich wieder in den Sa—
on begab. Dort aahm sie wieder hren Plar an den
Iden ein und ergriff Helenens noch immer erkaltete
dand.
„Arme, arme Freundin!“ sagte sie, Du bist dieser
Aufregung noch nicht˖ gewachsen!“
Nein“, erwiderie Helene, „im Augenblick nur erschüt
ert es mich, aber ich fuͤhle es, daß es doch gut war, end⸗
ich einmal gesprochen zu haben, denn seit Erna bei mir
st, denke ich mehr denn je an bas fragliche Geschick mei⸗
ies Kindes und liege Nachts at Stunden lang wocht