veiß ich.“ — Verteidiger: Uns interesstert nur, daß Gö⸗
en auch seine intimsten Freunde belogen hat.
Die Aussage des Hauptmann Hildebrandt in
wesel wird verlesen. Es heißt in ihr, daß Göben von
inem Duell ohne Zeugen einmal gesprochen habe. —
Runmehr wird als nächster Zeuge Schriftsteller Otto v.
Loß berg aufgerufen. Dieser hat mit von Göben
usammen in Südafrika gefochten. Ihm sei es auffällig,
»aß von Göben gleich im ersten Gefecht seine eigene Per—
on so aufs Spiel setzte, daß Zeuge ihn ermahnen muß—
e, Er habe viele Leute gesehen, die sich exponiert haben,
tadellos wie Göben habe sich aber niemand benommen
Zum Eisenbahnunglück bei Paris.
uUeber das gemeldete furchtbare Eisenbahnunglück bei
zillepreur auf der Strecke von Versailles nach Dreurx,
ntwirft die „Frkf. Ztg.“ das folgende ergreifende Bild:
das Unglück rief in Paris eine gewaltige Erregung her—
»or. Es gehört zu den nervenerschütterndsten, die in der
etzten Zeit vorgekommen sind, weniger wegen der Zahl
der Opser, als wegen der begleitenden Umstände. Der
Zachverhalt selbst ist kurz folgender: Der vom Invaliden—
Zahnhof gegen Abend nach Dreur abgelassene Lokalzug
var vor dem Bahnhojse Villepreux-les-Clayes wegen Ach—
enbruches stehen geblieben und konnte nicht weiter. Dem
Bahnhofs-Personal zusolge waren alle Signale zum Hal—
en für die anderen Züge gegeben. Trotzdem brauste der
Zchnellzug nach Granville sogar noch mit beschleunigter
geschwindigkeit, da er eine kleine Verzögerung gehabt
‚atte, heran und auf den stehenden Zug los. Einige Per—
sonen hatten noch Zeit, aus den Abteilen zu springen.
Aber alle Bemühungen des Stationsvorstehers, die Kata—
trophe zu vermeiden, waren vergeblich. Ein furchtbarer
Zrach, die hinteren Wagen des haltenden Zuges zersplit
erten buchstäblich, die anderen mit der Lokomotive wur—⸗
den aus den, Schienen gehoben und seitwärts geworfen.
der heranbrausende Zug wurde durch die Trümmermas—⸗
en aller Art allmählich zum Stehen gebracht. Nun trat
ber ein neues Unheil ein, das das Entsetzen aufs äͤu⸗—
erste steigerte. Aus der Lokomotive schlugen kolossale
zlammen auf und ergriffen mit Blitzesschnelle den Ten—
er, den Gepäck⸗ und Restaurationswagen, um auch kurz
»arauf auf die mit Pafssagieren gefüllten Abteile überzu—
zreifen. Mit Todesverachtung suchten Bahnangestellte und
herzuklommende die Passagiere aus den brennenden Ab—
eilen zu ziehen. Ein großer Teil wurde so gerettet, aber
zald waren Portierengriffe und die inneren Eisenstangen
in den Fenstern rotglühend geworden, so daß es unmög—
ich war, sich an sie zu halten und weitere Rettungsar—
eiten zu verrichten. Spritzen waren auch nicht zur Stelle,
da die Ortschaft nahezu drei Kilometer von dem Bahn—
hose entfernt liegt. So verbrannten denn vor den Au—
gen der entsetzten Beamten und herbeigeeilten Zuschauer
nehr als zwölf Personen unter markerschütternden Schmer—
ensschreien. Als die Feuerwehren aus den benachbarten
Ortschaften eintrafen, konnte auch noch nichts unternom—
nen werden, da es an Wasser fehlte. Damit waren aber
zie Greuelszenen noth nicht erschöpft. Vor dem entsetzlichen
Anblick der rauchenden Trümmer, den schneidenden Weh—
rufen, dem schrecklichen Geruche des verbrannten Fleisches
vurde der Sitaätionsvorsteher Co zie, der bis dahin
ibermenschlich dem Unheile zu steuern gesucht haite, plötz—
ich wahnsiñnig. Er bahnte sich mit Händen und
Füßen einen Weg durch die zusammengescharten Massen
ind schloß sich in sein Bureau ein, wo er ein grausiges
heulen vernehmen ließ. Noch konnte man nicht zu ihm
zringen, als ein zweiter Wahnsinnsruf gellte. Der Ma—
chinist des zusammengefahrenen Zuges war gleichfalls
»on Tobsucht befallen und man mußte ihn binden und
ꝛinsperren, um ihn dann gefesselt nach dem nächsten Asyle
nit dem Stationsvorsteher zusammen zu transportieren.
NReunzehn Tote wurden soiget aus den Trümmern her—
msgeholt und ferner sind mindestens 80 Personen ver—
etzt, die meisten, darunter schwer. Die Untersuchung hat
hereits ergeben, daß die Schuld ausschließlich den Maschi—
aisten des Schnellzuges nach Gramville trifft, der, um die
vereits erwähnte Verzögerung einzuholen, sich 'um die
zaltesianale nicht gekümmert haben soll. 75
üòùò
Von der Luftschiffahrt.
*Vom ‚Zeppelin 7.“ Das Personal der Deut—⸗
chen Luftschiffahrts⸗Aktien-Gesellschaft, ist, soweit es nicht
an der Fahrt des „L. 3. 7 teilnimmt, bereits per
Bahn nach Düsseldorf abgereist. — Wie jetzt anscheinend
zestimmt verlautet, nimmt der „L. 3. 7“ (sernerhin
„Deutschland' genannt), die Route: Stuttgart,
Mainz, Köln, Düsseldorf“. Möge das Schiff
einem neuen Namen Ehre machen.
*Die Vorexpeditionnach Spitzbergen,
velche die Aufgabe hat, die Möglichkeit einer späteren
arktischen Expedition mit Zeppelin-Luftschiffen festzusiellen,
vird am 2. Juli Kiel mit dem Dampfer „Mainz“ des
Norddeutschen Lloyd verlassen. Bei Spitzbergen liegt der
zroße, norwegische Eisdampfer „Phönix“ bereit, auf dem
Ieee in die Eisregion unternommen werden sollen.
— —
Handel und Verkehr.
Deutschlands auswärtiger Haudel. Nach dem
Maihefte der Monatlichen Nachweise über den auswärti—
den Handel betrua im Mai dis. Is.:
Hosfnung hegte. Du würdest Dich sur sie erwarmen und
sie zu Deiner Frau machen, denn sie ist ein gar liebes,
bse eschöpf, das geeignet ist, ein häusliches Glück zu
ichern!“
Das glaube ich auch', ERie Franz, „und weil wir
jetzt von ihr sprechen, will ich Dir ein Geständnis ma—
chen; ich hatte mir vorgenommen, wenn sich ihre Neig—
ung zu mir, welche ich bisher als Kinderei erachtete, be—
währte, sie zu meiner Frau zu nehmen. Ich wollte näm—
iich in dem Bewußtsein, noch beglüden zu können, Er—
atz für eigenes Glück finden; denn ich dachte selbjt für
unmer mit dem Leben abgeschlossen zu haben! — Nun
aber ist es anders geworden! Erna hat mein totge—
zlaubtes Herz zu neuem Leben erweckt, und das Phan—
asiegebilde mit Milla als Lebensgefährtin verschwimmt in
Nebeldunst! — Könnte sie nur Rollsherg erhören, er baßt
o gut zu ihrl“
Am Abend desselben Tages war im Garken, wo
Erna mit Alice spielte, das Heu gemäht und in Haufen
gerteilt, während ein mildes Lüftchen dessen herrlichen
Duft zu der Terrasse emporwehte, auf welcher Gräfin
Schärsenegg die hölzernen Nadeln ihrer Strickerei rasch
dewegend, saß. Unten auf dem Wiesengrunde jubelte die
Fleine vor Freude über ihr schönes Spiel so lange, bis
hre Großmama, von ihrer kindlichen Heiterkeit angezo—
gen, mit ihren schwermütigen blauen Augen sanft lächelnd
aufstand und sich über das steinerne Geländer der Altane
neigend, voll Zärtlichkeit rief: „Der kleine Narr!“ und,
dann hinab ging zu ihrer Enkelin und zu Erna.
Alice empfing sie mit Freudenbezeugungen und
neinte, es sei sehr schade, daß sie nicht mitspielen könne.“
KRein. mitspielen werde ich nicht, mein Engerl, aber
da im Heu sitzen werde ich und zusehen, wie Du fröh—-lich
herumhüpfft“, sagte die Gräfin. 1
Fräulein Bertold, welche schon etwas ermüdet und
sehr erhitzt war, ließ sich neben ihr nieder, während das
lustige Kind seine munteren Sprünge fortsetzte. Bald aber
wurde letzteres von der Kinderfrau geholt, und Gräfin
Schärfenegg blieb allein mit ihrer Gesellschafterin zurück.
„Mein Kind'“, sagte sie, „Franz schien mir vorhin jehr
raurig!“ *
Da stieg Erna heiße Röte in die Wangen, und Träü—
aen traten in ihre Augen. Die Gräfin ergriff ihre Hand
ind sagte noch: u —8
Wein Kind können Sie nicht anders??“
Wielleicht mit der — es kam so umnerwartet,
ch dachte so gar nicht davan... es tut mmir unendlich
eid ..aber glauben Sie mir ... bitte Gräfin, glau—
en Sie mir wenigstens, es kam ohne Verschulden mel—
erleits — ich dachte wirklich nicht daran!“
.ODie Cinfuyia im opezialhandel 5 200 7501 20
sen gegen 5465 165 Lonnen im Mai v. J., ferner
9281 Stück Pferde, Léserfahrzeuge, worunter. 10187
zserde, in den fünf en Januar bis Mai dis. Is
3 105 557 Tonnen, . 44 Stück gegen 22 460 238 Ton—
sen und 58 301 Stück in der gleichen Zeit des Vorjahrs.
2. Die Ausfuhr 4251306 Tonnen gegen
809 248 Tonnen im Mai v. J., ferner 559 Stück, wor—
mnter 460 Pferde in den fünf NRonaten Januar bis Mai
— VVDD
Tonnen und 3029 Stück in der gleichen Zeit des Vor—
ahres.
3. Der Wert der Einfuhr ohne Edelmetalle
m Mai 698,8 Mill. M., in den fünf Monaten Januar
»is Mai d. J. 3547,9 gegen 3442,1 Mill. M. in der
gleichen Zeit des Vorjahres. —
4. Der Wert der Ausfuhr im Mai 576 Mill.
Nark, in den fünf Roöonaten Januar bis Mai 2929,2
Nill. M. aegen 2517 4 Mill. M. im Vorjahre.
Gegen die Vorjahrsmonate Janmuar bis Mar yat die
zinfuhr ohne Edelmetalle um 105,8 Mill. M., mit Edel⸗
ietallen um 202,7 Mill. M., die Ausfuhr dort umn 411,8
ill. M., hier um 391 Mill. M. zugenommen. Beden—
end ist die Ausfuhrsteigerung bei Erzeugnissen der Land—
dirtschaft usp., unedlen Metallen und Waren daraus,
Pinnstoffen und Waren daraus, nämlich um 84,7 73,7
nd 70,2 Millionen Mark
Vermischtes.
Bismarck in Mainz. Als zu Beginn des sfiebziger
eldzuges das erste Hauptquartier in Mainz eingerichtet
urde, erhielt Bismarck von der Einquartierungskommijs
on das Haus des Seltfabrikanten Kupferberg als Woh
ung zugewiesen. Ueber die Tage, die Bismarck in die—
em gastlichen Hause vom 2. bis 7. August verbrachte,
rzählt Dr. med. Kupferberg-Mainz, der jüngste Sohn des
amaligen Gastgebers, in der „Köln. Ztg.“ folgendes: Als
zismarck bei uns einzog, war mein ältester Bruder Franz
lUs Einjähriger hei den Dragonern bereits einige Tage
orher mit ins Feindesland abgerückt. Mein zweitältester
zruder hatte sich, da er zum Dienen noch zu jung war,
ls freiwilliges Mitglied einer Sanitätskolonne, die nach
zrankreich ging, angeschlossen. Im elterlichen Hause blie—
en meine Schwestern Lina und Helene, mein Bruder Flor
ind ich. Die Haupterinnerung für uns Kinder bildete
or allem Bismarcks imposante Etscheinung, betrug doch
eine Größe, wenn ich nicht irre, 1,90 Meter. Sein durch—
ringend unter den buschigen Brauen blickendes Adlerauge
leibt uns unvergeßlich. Mehrmals überraschte er uns
eide Knaben, wie wir uns in seinem in der Waschlklüche
nprovisierten Stalle mit seinem riesenhaften Pferde be—
häftigten, auf das wir mit Hilfe einer Leiter zu klettern
ersuchten. Eines Tages sprach er seine Freude darüber
us, daß wir Interesse an Pferden hätten, „dies müssen
ie Knaben“. Damit hob er mich auf den Rücken des
zferdes, was ich früher mit der Leiter vergeblich ver
ucht hatte, da das Pferd sehr unruhig stand. Ein fer—
ierer Gegenstand unserer Bewunderung war des Kanz—
ers Riesenpallasch und Helm. Bismarck trug in Mainz
ets die Kürassieruniform. Ehe er das Speisezimmer mei—
ier Eltern betrat, stellte er stets den Pallasch, auf den er
»en Helm stülpte, in eine Ecke. Wie schmerzlich für uns
rinder, daß wir nicht mitessen durften. Zum Zeitvertreib
rachteten wir danach, den Pallasch aus der Scheide zu
iehen, allein die Mühe war vergeblich. Meine älteste
zchwester lebte in Frankreich (Epernay), an einen Setkt—
abrikanten verheiratet. Eines Tages, während Bismard
nit den Eltern beim Mittagessen saß, kam ein Brief die—
er Schwester. Als der Kanzler die französische Freimarke
ah, fragte er sogleich, was denn die Tochter Neues aus
zjrankreich berichte, worauf ihm mein Vater den Briej
eilweise vorlesen mußte, in welchem der Passus vorkam,
»aß die Franzosen nicht eher ruhen wollten, als bis sie
n Berlin eiñfzögen und Bismarcks Kopf und Wilhelms
)degen besäßen. Bismarck schmunzelte und meinte scher—
ind, daß das den Franzosen doch nicht so leicht werden
Alte. Es' ist für Bismarcks umfassenden Geist bezeich—
end, daß er er sich auch für das Geschäft meines Va—
ers und dessen Aussichten für die Zukunft lebhaft interes
ierte. In einer Plauderstunde kam die Rede darauf, daß
zie Anschauungen des Volkes — auch in Mainz — über
hn, Bismarck, in verhältnismäßig kurzer Zeit völlig an—
ere geworden wären. Bismarck wußte das am besten.
er hatte sogar Kenntnis davon, daß viele süddeutsche Da—
nen die Photographie des Attentäters Blind als Reliquie
n ihren Albums aufbewahrt hatten. Meine Mutter ist
ei diesem Gespräch feuerrot geworden, und Bismarck
ieckte: „Also auch Sie, Frau Kupferberg?“ Und die ver—
egene Antwort lautete: „Ich zwar nicht, aber meine Toch—
er!“ „Na, da sehen Sie, daß ich recht hatte“, antwor
ete der Nanzler
Von der Sekundärbahn. Reisender: „Don—⸗
ierwetter, wann fahren wir denn eigentlich weiter?“ —
Zchaffner: „Weunn dem Herrn Vorstand seine Pfeiffen wie—
er geht, sie is ihm in Dreck einigefallent “!
Erraten. „Aber, Kinder, schämt euch doch, auf
illen Vieren im Schmutz herumzukriechen wie die Ferkel.“
- Ferlels spielen wir aber doch gerade, Mama.“*
Dorfb.) *
ιιι ε, gure ruist, und
hen deshalb. solue er ineadac len baßz d
uücht liebt! Und dann, die arme Willa
„Dafür können Sie nichts, liebes Keind! Hoffen wir
daß die Liebe in Millas jungem Herzen nicht zu tiefe
Vurzeln gefaßt hat, und daß sie noch glüchlich wird!“ —
Ich halte sie aber für eine tiesfe Natur, für eine
reue Seele“, sagte Erna, „Gräfin, bitte, beurlauben Sie
nich! Lassen Sie mich auf einige Zeit heimkehrer zu
en Mehnen, dort werde ich reiflich über den ehrenden
lintrag des guten Grafen nachdenken!“ — *
-SDas tut mir leid“, entgegnete die Gräfin, ‚denn wir
ind, nun alle so, sehr an Sie gewöhnt! Aber wir dürfen
w igennütig sein. Wann wollen Sie gehen, mein
inde 5 ———— ier —— —
giWann Sie es erlaubenl et rere
Grasn Sgarsenegg sah das Mädchen nachdentllch
m, und als ihr Blid so an ihrem Antlitz hing, sagte sie
lötzlich unwilskürlich:
„Es ist doch eigentümlich — diese Aehnlichkeit. —
Zie erinnern mich nämlich so oft an meinen verstorbenen
Nann, der feste —F um den Mund, den auch Franz hat.
fin sonderbares Zusammentreffen! — „Aber wer weiß“,
cherzie sie, „vielleicht ist es ein Zeichen, daß meines Soh—
ies Wunsch in Erfüllung gehen wird; denn Eheleute sol⸗
len sich oft gleich sehen“ —
Irna mußte durch ihre Tränen lächeln.
SIn diesem Augenblick unterbrach sie ein Gärknerbur⸗
sche, der eilig auf sie zugelaufen kam. Er hielt die Mütze
n der Hand, war ganz außer Atem und sah blaß und
erstört aus, als er plötzlich vor ihnen still stand.
„Bitt', Frau Gräfin, sie bringen den Herrn Grafenl“
— sagte er aͤtemlos und ganz unbermittelt.
Wie so den Herrn Grafen!“ rief die alte Dame be—
türzt.
Ja, a Paar Männer tragen ihn aufil
Nuf das höchste betroffen blickten die Gräfin und
Frna einander an und lenkten ihre Schritte eilends und
mit heftig pochenden Herzen dem Hause zu. Gerade als
ie dasselbe erreichten, erblickten sie mit Entsetzen eine von
ier Männern getragene Bahre. Die arme Gräfin, war
or Schreck und Angst erstarrt, während Erng endlich die
ange Frage wagte: „Was ist denn geschehen?!“ worauf
ie Mänuer ihre Hüte abnehmend, ruhig erwiderten: Dem
hZerrn Grafen ist an Unglück g'schehen, er hat helfen wol—
en, es waren Pferd' durch'gangen — und da is' er sel⸗
er verunglückt!“...
Werunglückt!“ rief die Gräfin, Gott! — Aber doch
nicht tot?!“ —
„Kann sein, daß er no' lebt“, entgegnete einer der
Männer mit der dieser Klasse bei großen Katastrovhen ei—
Einer, der fich seilbst taxiert. In New-York ve
indet sich ein Kinderhospital, das Fraͤulen adys Van
erbilt regelmäßig besuchte, wobei sie din uPatien
en Früchte und Blumen mitzubringen u Ta—
zes machte man sie auf einen Knaben au deir
in großer Schlingel sein sollte. „O, er ur erbesser
ich“‘“, seujzte die Wärterin. Fräulein Vanderduit unter—
dielt sich eine Weile mit dem kleinen vBurschen, und al—
ie sich erhob, sagte sie zu ihm: „Ich habe allerlei Schlim—
mes von dir gehört. Run wünsche ich aber, oaß du mir
orsprichst, brav zu sein. Wenn du eine ganze Woche lane
⸗av bist, werde ich dir einen Dollar schenter, weun V.
— nächsten Donnerstag wiedertomme.“ — Der Junge
dersprach, zu versuchen vrav zu sein. Dies Versprechen
sielt er indessen nicht. Als Fräulein Vanderbiti bei ihrem
tächsten Besuche an sein Bett trat, sagte sie: „Ich werde
licht die Schwestern jragen, wie du dich diese Woche be
ragen hast, ich wunsche es von Dir selbst zu hören. Num—
vas glaubst du — verdienst du das Geld, das ich dir
ersprochen habe oder nicht?“ — Der Knabe warf Fri—
Landerbilt einen unsicheren Blick zu. Dann sprach er m
—or mn—o Gih niir 20h EGKoiste
Für die im Ahrtal Geschadigten. Angesichts des
Notstandes, der namentlich im Ahrtale durch die Hoch—
vasserschäden in der vorigen Woche hervorgerufen wurde
st in der Presse die Bildung eines Berliner Hilfskomitees
ls erwünscht bezeichnet worden. Wir erfahren dazu, daß
as im Jahre 1909 gebildete und noch heute bestehende
komitee für die durch Hochwasser betrofsenen Hilfsbedürf
igen, Geschäftsführer Kommerzienrat Selberg-Berlin NW.
lsenstraße 10, bereit ist, Beiträge für die Ueberschwemm—
en entgegenzunehmen.
Unbeaufsichtigte Kinder. Das sünfjährige Sohn
yen eines Ziegeleiarbeiters in Wulften, das sein 35 jäh
iges Schwesterchen in einem Wagen mit sich führte, zog
iesen durch eine geschlossene Bahnbarriere. Im nächsten
lugenblick brauste der fällige Personenzug heran, ersaßte
en Wagen und zermalmie das kleine Mädchen, das so
ort tot war. Der Knabe wurde auf die Seite geschleu—
ert und schwer verletzt; er ist seinen Verletzungen erlegen.
Junischnee. Im Riesengebirge hat es geschneit. Der
zchnee blieb einige Stunden liegen.
Automobilunglück. Das einem Breslauer Geschäfts—
tann gehörige Automobil wurde beim Passieren einer
durve in der Nähe von Jordansmühl (Nimptsche) beim
Ainfahren eines Hinterrades gegen einen Kilometerstein
eingeworfen. Die Insassen wurden in den Chausseegra—
en geschleudert. Der Naufmann Kirschner-Berlin erlitt
inen Schädelbruch und war sofort tot. Die Frau des
Besitzers trug schwere innere Verletzungen davon. Der
zesitzet und der Wagenlenler blieben unverletzt.
Die letzten Opfer der „Pluviose“ wurden Diens
ag vormittag geborgen.
Schiffszusammenfstosz. Aus London wird berichtet:
sdachts stieß bei dichtem Nebel in Holyhead der von Bil—
ao kommende Dampfer La Rochelle aus Bayonne, mit
em irischen Dampfer Yews zufammen. La Rochelle sanf
ofort, 10 Mann, darunter der Kapitän, ertranken, 9 an
ere wurden gerettet. Der Dampfer „Yews“ ist schwer
eschädigt.
Gegen den Fleischtruft. Das Justizamt des Staa—
es Missouri leitete ein Verfahren zur Verhinderung der
heschäftstätigkeit des Fleischtrustes in Missouri ein.
Der Feuersbrunst in Mohilew am Dnjepr, sind 600
dolzhäuser, 2 Kirchen, das Volkshaus, sowie mehrere
Schulen zum Opfer gefallen. 10 Menschen sind bei dem
Zrande umgekommen
Aus West⸗ und Süd⸗Deut!4aud.
* Köln, 21. Juni. KarbitErplosion.) In
inem Betriebe an der Josephsiraße fand eine Karbit-Exr—
losion statt. Ein 20jähriger Arbeiter wurde hierbei so
chwer verletzt, daß er im Bürgerhojpital verstarb.
*Köln, 21. Juni. (Hoher Besuch.) Der König
on Sachsen ist hier eingetroffen und hat im Domhotel
Vohnung genommen.
* Bonn, 21. Juni. (Ertrunken.) Bei einer Ver—
nügungsfahrt auf dem Rhein kenterte auf der Beueler
zeite ein Nachen, in dem sich drei Jungen im Alter von
2 bis 15 Jahren befanden. Während zwei gerettet wer
»en konnten, ertrank der 12jährige Sohn des Maurermei—
ters Otto Kaufmann aus Kessenich.
* Düsseldorf, 22. Juni. Glektrische Bahn—
Düsseldorf-Köln.) Die Nachricht, daß die Gründ—
ing einer Gesellschaft zum Bau einer eleéktrischen Schnell—
»ahn Düsseldorf-Köln mit eihem Kapital von 12 Millio—
ien Mark bevorstehe, wird in Berlin bestätigt. Beteiligt
in der Gründung sind, so heißt es, voraussichtlich zu glei—
hen Teilen die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft und
Ziemens u. Schuckert, die ja gemeinsam den Bau der
Zahn ausführen wollen.
* Duisburg, 21. Juni. Bestrafter Rowdie.)
der aus Ungarn stammende Handlanger Augustin Ilia
in Marxloh hatte den 20jährigen Bergmann Gust. Löbrich
zurch einen Messerstich in die Brust so schwer verletzt, daß
ieser nach 14 Tagen starb. J. erhielt vom Schwurge—
icht wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todeserfolg
Jahre und 6 Monate Gefängnis.
x*Gelsenkirchen, 21. Juni. ödlicher Stur z)
25 84*1 ——; r 84 — ———— . — 22ö—
——————
genen Kaltblütigteit. »Der Kutscher jj unn an Nori
Iffahren!“
Die Diener des Hauses kamen jetzt herbei, Erna lüf⸗
lete das Tuch, welches üter die Gestält des Grafen aus⸗
ebreitet war und tieses Weh malte sich auf ihren Zü—
gen! Starkmütig legte sie jedoch ihren Arm um die be—
dauernswerte Gräfin und fagte:
‚Vertrauen Sie auf Gott! Er kann ge helfen, selbst
wenn die Gefahr am größten ist. Der Graf ist vielleicht
»och nur betäubt! Veczweifeln Sie nicht, liebe, gute
sräfin!“
Dann führte sie die unglückliche, einer Ohnmacht nahe
Frau ins —*— während der augenscheinlich Tote auf
ein Bett gelegt wurde. Erna benützte einen Augenblick,
da Therese, die Kammerfrau, ihre Dame bediente, um
illein in hrem Zimmer alrg zu suchen. Dort sank
hres Herzens, fur den Verunglüctten zum Erlöser, der
iuf Erden wandelnd, durch sein bloßes Wort Kranke heilte
ind Tote auferwedte, und begab sich dann zu der trostes⸗
edürftigen Gräfin
qeg 10. Kapitel. e
„Der Herr Graf lebt, Frau Gräfin“, sagte der Arzt,
in treuer Freund des Hauses, „wir werden ihn erhalten!“
Da brach die arme Mutter in Tränen aus, denn die
urchtbare Spannung hatte sie gelähmt, und sie war bis
etzt siumm vor sich hinstarrend neben dem Kranken —
Totgeglaubten gesessen.
„Es ist wohl eine innerliche Verletzung da“, fuhr der
doktor in mitleidigem Tone fort, „die Augen haben sehr
elitten und jedenfalls wird es ein langer Heilprozeß sein,
ber trotzdem kann man hoffen, üble Folgen zu verhüten.
der Herr Graf muß jedenfalls sehr gut gepflegt werden.“
Nach der unsäglich bangen Stunde, welche Gräfin
zchärfenegg überstanden hatte und in welcher sie schon
as Herzensopfer gebracht, diese, ihre letzte Stütze, diesen
reuergebenen Sohn der Erde zurückgeben zu müssen, schie⸗
ien ihr die Worte des Arztes wie vom Himmel zu kom⸗
nen, und die wiedergelehrte Hoffnung brachte ihr auch
eues Leben.
Als ihr Stiefsohn zu sich kam, war sie ruhig und
genug, um ihm ihre Besorgnis nicht merlen zu
Vsen. 7
Er aber stand große Schmerzen aus und der Verlust
ꝛines Augenlichtes betrübte ihn lief; er klagte jedoch we⸗
ug und, vertraute sich ganz seinem guten Doltor em, des⸗
en Versicherung, daß er das Gesicht wieder erlangen.
buürde hn vderihigte und dessen Behanbiate ihrtonnn
erung seiner Schmerzen brachte.
eeee sah, wie notwendig fie gerade jetzt war
rach, nicht, mehw von Gehen, sondern e et anαα
ins stürzte der Arbeiter Gustav Veckers 20 Meter hoch
zjinab. Er zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er
ald darauf starb.
* Steele, 21. Juni. (Ertrunken.) Beim Kahnfah
n auf der Ruhr ertrank der 19jährige Sohn des Berg
nvaliden Albers aus Königssteele. Die Leiche ist bisher
och nicht gefunden worden.
* Hagen, 21. Juni. ( Kohe Tat.) Im benachbar
en Helse wurde der Arbeiter Borg in seinem Blute lie—
end, schwerverletzt auf der Straße aufgefunden. An den
rlittenen jchweren Verletzungen starb der Mann im Kran—
enhaus, wohin man ihn gebracht hatte. Die Täter, ein
Urbeiter und 1 Bahnwäriter, wurden verhaftet.
* Frankfurt, 21. Juni. (Kodessturz aus der
zZtraßenbahn.) Der im Siechenhaus wohnende 53
zahre alte Gärtiner Ludwig Rauscher stürzte in der Nähe
es städtischen Krankenhauses aus einem Trambahnwa—
en. Rauscher stand auf der Plattform des Wagens und
ürzte beim Befahren der großen Kurve vor dem Via—
ukt bei einem siarken Ruck des Wagens von der Plati—
orm so unglücklich, daß er unter den Wagen geriet und
berfahren wurde. Der Kopf wurde in zwei Teile ge—
rennt.
*Hanau, 21. Juni. (Selbstmord.) Ein zugerei—
zezs Liebespaar, der Friseur Fehle, zuletzt in Höchst, und
Naria Schmitz, zuletzt in Franksurt a. M. in Stellung,
jat sich im Main ertränkt.
1
Hochwasser.
Main;z, 21. Juni. Der Rhein ist nunmehr über
eine Ufer getreten und hat die Ausladestellen oberhalb
»es Fischtores überflutet. Auch der Regattaplatz auf dem
ioch Sonntag frei verklehrt werden konnte, ist bei den
Tribünen überflutet.
Mannheim, 21. Juni. Das Hochwasler
»es Rheins erreichte in verflossener Nacht mit 751
ztm. seinen höchsten Stand, während der Neckar über
36 nicht hinausging. Die Friesenheimer Insel steht nun
benfalls zum größten Teil unter Wasser. Das Wasser
ällt jetzt langsam.
Augsburg, 21. Juni. Die Zerstörungen durch
»as Hochwasser schreiten von Stunde zu Stunde fort. Auj
»em bayrischen Lechufer bei Hochzoll ist ein weiteres Haus
n den Fluten verschwunden. Ein etwa hundert Meter
anger Landstreifen mit sechs Häusern ist dem Einsturz
tiahe. Die Häuser sind bereits geräumt. Einige große
Zpinnereien mußten den Betrieb wegen des Hochwassers
instellen. Der Schaden beläuft sich auf zirka 15 Millio
ien Mark.
Neustadit a. d. Donau, 21. Juni. Das Hochwas—
ser der Donau hat die Schutzd ämme bei Mittelwohr
ind Irsching dreimal durchbrochen. Der Ort Röbr bei
seustadt mußte fast ganz geräumt werden.
Die Drachenburg bei Godesberg.
Eine Kunstausstellung ilt im Schloß Drachenburg bei
dönigswinter eröffnet worden. Sie enthält eine große
Reihe von Gemälden moderner deuticher Meister. Die
lusstellung präsentiert sich in den araßen Räumen des
dis Urachenburg bei Godesbergtee,
n Gotik gehaltenen Schlosses ganz ausgezeichnet. Außer
dem findet in dem alten Park noch eine Gartenbauaus—
tellung statt. Auf der Schloßterrasse ist ein Rosarium
ron gegen 5000 —R
— —e—
unie mient ihrer lieben tieinen Alice, wei
ie die Sorge um das Kind der Großmutter abnehmen
vollte, welche an das Lager des teueren Kranken geses⸗
ielt war.
Die warmen Bäder, welche Graf Franz nehmen
nußte, und die Eisumschlöge, welche beständig auf seinen
lugen gewechselt wurden, hatten schon nach einigen Ta⸗—
jen die beste Wirkung, so daß er sich bedeutend wohler
fühlte, und eine Woche nach seinem Unfall sagte Gräfin
Schärfenegg zu Erna: „Er fragte heute wieder nach Ihnen,
nein Kind.
„Was fragte er?“ war die halblaute Erwiderung.
Ob Sie noch hier und ihm entschieden abgeneigt
vbären? Ich bejahte ersteres und verneinte letzteres. —
dat 9 recht daran?“
Sehr recht, liebe Gräfin, bitte grüßen Sie ihn von
nir, geht es ihm wirklich viel Aerß
„Ja, Gottlob — aber es scheint mir, als könne ein
Inenndes Wort von Ihnen seine Genesung sehr be⸗
ordern.
——X soll denn das für ein Wort seinde fragte R
onlos. FI
¶Vonen Sie nicht mit mir zu ihm kommen, mein
ind?“
„Wenn Sie es wünschen, aber wie sieht er aus?“
Er sieht sehr angegriffen aus, und die armen Augen
cheinen erloschen!“ * *27
Ist er noch ganz blind?“ 4
Ja, leider — wiewohl dies den Dolkor nicht wun⸗“
dert un er von der Heilung seiner Augen unbedingt über⸗
eugt ist. J
„Armer Graf Franz! — Aber gehen wir zu ihm —
itte. —
Dunkel war es im Krankenzimmer, eintönig tidte die
Uhr am Kamin, und der Leidende atmete noch schwer. 4
„Fräulein Bertold frägt, ob sie Dich stört, wenn sie
nit mir hereinkommt?“
„Will' sie es im Ernst?“ und schon schwebte ein Lä—
heln . den Lippen des Grafen. n
„Laß sie nicht warten, Mutterl“ — F
So müssen Sie Ihren Heldenmut, Ihre Nächften;
iebe bezahlen, Graf Fraͤnz“, sagte Erna an das Bett
erantretend.
„Was ich getan, war einfach meine Pflicht, aber bitte,
rwähnen Sie es nicht mehr; ich danke nen unsäglich,
daß Sie gekommen sind. Wie geht es J nenꝰꝰ
Sie mußte seinen Willen tun und von Alltäglichkeiten
prechen, waͤhrend sie des Lobes über seine edle Tat voll
var. Der Kutscher hatte den Sachverhalt genau erzãhlt⸗
Er fuhr seinen Herrn durch die Körblerstratze heim. als
in paar Pferde eines Kutschierwagens scheuten. In beb⸗
etem igh eine Dame mit cinem Kinde.“ durch n