Rummer 139. 28. Jahrgang.
Ppostschließfach Nr. 14. ν83] 23 * c J F * — v Postschließfach Nr. 14.
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utritt der Nürnberger Lebensversicherungs⸗Bank anzuzeigen, auch muß sich der Berletzte innerhalb 24 Stutrden nacht dem Unfall in ärztliche Behandlung begeben. Todesfälle müssen soforit
V rsicherung geben die Versicherungsbedingungen Au'schtuß. die vom Berraze oder von der Nürnberger Lebensverñcherungsa⸗Band au berieben sind — o 0 0 o
—E — — — —
ver Prozeßkosten verurteilt, weil er nicht rechtzeiug ender muß wiederholt darauf hingewiesen werden. var
Auntersuchung gegen Alberti eingeleitet hatte, als er Mit- ger von Arbeitern und Arbeitgebern akzeptierte Einig
eilung von der Unordnung in der von Alberti geleiteten ingsvertrag eine An echtung des Dresdener Schiedsspru⸗—
Zparbank erhielt. hes ausschließt, und daß die Arbeiter sich daher ins Un—
echt setzen würden, wenn sie jetzt in der Tat die Unter⸗
verfung unter den Schiedsspruch ablehnten. Gewiß ist
der Schiedsspruch in manchen Punkten unzulänglich —
das haben die Unparteiischen selbst vorbehaltlos aner—
annt —, aber man befand sich eben in einer Zwangs—⸗
age, weil man binnen wenigen Tagen für eine Unmasse
»on Orten die schwierigsten Fragen lösen mußte. Es
ommt ja auch in Betracht, daß der Spruch des Schieds—⸗
erichts noch keine endgültige Regelung schafft. Das
zchiedsgericht hat vielmehr, gerade weil es sich über die
Nängel seiner Arbeit klar war, die weitere Behandlung
der noch ungeschlichteten Differenzen den örtlichen Instan—
zen zurückgegeben und ferner bestimmt, daß da, wo bis
zum 8. Juli erne örtliche Einigung nicht zustande kommt,
zie im allgemeinen Vertrage vorgesehene zweite Instanz
»is zum 15. Juli die letzte Entscheidung zu treffen hat.
Der Apparat, der hier aufgeboten wird, ist gewiß außer—⸗
ordentlich kompliziert, und man kann es verstehen, daß
tiemand be'ondere Freude an dieser Art der Erledigung
at, aber auf der anderen Seite wird auch niemand ei—
len besseren Vorschlag zur Beilegung der Differenzen ma—
hen können. Auf alle Fälle haben beide Parteien sich
uf den Berliner Einigungsvertrag verpflichtet; man muß
aher erwarten, daß die Zentralvorstände der Arbeiter
benso wie der Arbeitgeber mit vollem Nachdruck auf
eine vertragstreu Haltung ihrer Mitglieder hinwirken
verden.
Die Wahrheit über den Kaiser!
ileber die offiziöse Journalistik anläßlich der Erkrank⸗
mg des Kaisers ließ dem Berliner Vertreter des „D. G
in VBeamter, der in standiger persönlichet Verbindung
nit dem preußischen Hofe steht, folgende Mitteilungen zu—
ommen;: „Die neuerliche Unpäßlichkeit Kaiser Wilhelms
ust in der Oeffentlichkeit wieder größtes Interesse und
niensivste Teilnahme hervor. Diejenigen Bureaus, in de⸗
en über das Befinden des Kaisers und Königs und
iber die Reisedispositionen und Programmänderungen
luskunft erwartet wird, sind von den Vertretern der Presse
ormlich belagert. Auch bei Telephonanschlüssen, die ab—
chtlich im Fernsprechverzeichnis nicht registriert sind, steht
ie Klingel nicht still. Das herrschende Prinzip ist zurzeit
nöglichit genaue und stets wahre, rückhaltlose Auskunft
u Jeben, sobald uns die richtige Uebermittelung an die
dessentlichkeit in der Verson des Anfragenden garantier!
richeint.
Es sind aber, so fuhr mein Gewährsmann fort, be⸗
eits Bedenken aufgetaucht, ob nicht schon, als der Kaiser
en Furunkel am Handgelenk hatte, des guten in der of⸗
zziösen Information zu viel getan wurde, und ob es
ucht geraten sei, während der jetzigen Erkrankung etwas
urückzuhalten und nur auf die etwa — hoffentlich aber
ücht — notwendig werdenden Bulletins zu verweisen,
nil anderen Worten: die offiziösen Mitteilungen einzustel⸗
en und nur noch offizielle Notizen auszugeben.
Diese Bedenken sind entstanden, weil in der Presse
ie und da wieder der leise Vorwurf des „Byzantinis⸗
nus“ erhoben wurde. Man erinnert sich vielleicht daran,
aß vor längerer Zeit einmal — es war vor der Daily⸗
telegraph⸗⸗Angelegenheit — dem Wolffschen Telegraphen⸗
ureau nahegelegt wurde, die sogenannten Hofnachrichten
mf ein Windestmaß zu reduzieren. Dies ist auch nach⸗
veisbar geschehen. Und wohl mit Recht. Denn rein hö⸗
ische Notizen find so eigentlich der Stoff und das Futter
es Byzantinismus. Eswas ganz anderes ist aber die
ffiziöse Journalistik bei Erkrankung eines regierenden Mo⸗
rarchen. Hier handelt es sich nicht um Neugier, um eine
irt Sport, zu wissen, was alles bei Hofe vorgeht, son⸗
ern um überaus wichtige, ja ganz gewaltige Interessen
aolitischet und wirtschafilicher Natur. Die stürmischsten
Interessenten sind bei solchen Gelegenheiten die Börsianer,
ie doch sicherlich nicht byzantinisch“ fühlen.
Und darum ist es im Verkehr der Hofmarschallämter
imd ahnlichen Stellen mit der Presse und so mit der Oef⸗
entlichteit erster und oberster Grundsatz geworden und
vird es bleiben: Ueber das physische Befinden des regie—
enden Herrn nie die Auskunft zu verweigern, nie aber
ruch irgend etwas zu vertuschen und zu verschleiern. Denn
hriich währt auch hier am längsten. Eine ängstliche Zu⸗
ückhaltung oder unrichtige Information würde sich bitter
ãchen und ein nicht wieder gut zu machendes Mißtrauen
jerborrufen, daß dann wilde Gerüchte, die tollsten Kom⸗
inationen und eine dauernde Beunruhigung im Gefolge
ãtie. Die deutsche Presse und die öffentliche Meinung
arf sich also schon aus diesem Grunde diesmal wieder
mif den guten Willen und die rückhaltlose Aufrichtigkeit
milicher Witteilungen verlassen“
Politische Nundschau. 1
Deutsches Reich.
2Die „B. Z.“ teilt mit, daß die Kieler Kaiser—
ei se als abgesagt gelten könne, da einige zur nächsten
imgebung des Kaisers gehörigen Generäle bis zum 4.
duli, dem Termin der Nordlandreise, beurlaubt seien.
* Nachdem der preußische Landtag den Gesetzentwurf
ber die Reisekosten der Staatsbeamten abgefertigt
at, soll nunmehr auch im Reiche die endgiltige Rege—
ung der Reifekostenfrage erfolgen. Wie wir hören, wird
er Bundesrat bereits in den nächsten Tagen über
en ihm seit dem 4. Februar 1910 vorliegenden Entwurj
iner Verordnung über die Tagegelder, die Vorkosten und
ie Umzugskosten der Reichsbeamten einschließlich der ge—
andtschaftlichen Konsularbeamten Beschluß fassen.
* der Sitellenwechsel im preußischen Kultus—
ninisterium, der infolge des Ausscheidens des Unter—⸗
taatssekretärs Dr. Wever stattfand, hat auch einen Wech—
el in der Leitung der einzelnen Abteilungen zur Folge
ehabt. Der neue Ministerialdirektor von Bremen wurde
nit der Leitung der ersten und zweiten Unterrichtsabteil—
ing, die bisher in der Hand des jetzigen Unterstaatssekre⸗
irs Dr. Schwartzkopff lag, beauftragt. Es sind das die
(bteilung sür das höhere Schulwesen und diejenige für
as Elementarunterrichtswesen. An Stelle ves Wirklichen
zeh. Oberregierungsrats von Bremen wurde dem Wirkl.
zeh. Oberregierungsrat Müller die Wahrnehmung der
dirigentengeschäfte bei der zweiten Unterrichtsabteilung,
ger für Elementarschulwesen, übertragen.
s Generaloberst Frhr. v. d. Goltz ist von seiner Reise
us Innere Argentiniens nach Buenos Aires zurückgekehrt.
8 wird gemeldet, daß die Reise ein förmlicher Triumph—
ug war und viel zur Vermehrung der Sympathien für
deutschland in Argentinien beigetragen habe.
* Bei der Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Stettin
MeckermündeÜsedom-Wollin) wurden für
.Böblendorfi (itkons. 9456 und für Kuntze
Sozdem.) 10 158 Stimmen. Die Ergevnisse aus einigen
)Irtschaften stehen noch aus, sie dürften jedoch an dem
defultat nichts ändern. — Der „Vorwärts“ schreibt zu
iesem Siege: Die Sozialdemokratie ist auf dem Marsche
ud ihre Aufgabe muß es sein, alle Kräfte auszunutzen
ie Gunst der Umstände zu nutzen und alles aufzubieten,
aß die schönen Verheißungen der letzten Nachwahlen bei
en allgemeinen Reichssstagswahlen, die diesmal so be—
eutungsvoll sein werden, ihre Erfüllung finden.
Oesterreich⸗ Ungarn.
⸗ Großes Aufsehen erregi ein Beschluß des Pester
zomitats, wonach zum die Sjähritgen Geburts—⸗
ag des Kaisers Franz Josefkeine be—
dnderen Festlichkeiten veranstaltet werden sol⸗
u. Der Beschluß hat in politischen Kreisen lebhaften
mwillen hervorgerufen, da er von den treuen Magyaren
persönliche Beleidigung des greisen Monarchen em—
funden wird. Auch andere ungarische Bezirke lehnen die
eierlichkteiten ab
Portugal.
* Die Demission des Kabinetts hat in politischen
kreisen nicht überrascht und wurde schon seit einiger Zeit
rwartet. Es hat noch keine der politischen Persönlichkei—
en Auftrag erhalten, ein neues Kabinett zu bilden.
* Die aus Lissabon im Anschluß an die Demis—
sison des Kabinetts eingetroffenen Nachrichten lauten
ehr ernst. Man spricht neuerlich von einer Abdankung
es Königs Manuel. Jedenfalls ist der Boden für
ine Republit in Vortugal gut vorbereitet.
Rumänien.
»Die rumänische Regierung hat auf diplomatischem
Vege in Athen gegen den Ueberfall auf einen rum ä⸗
tischen BVampfer protestiert und erklären lassen,
aß, falls Rumänien nicht volle Genugtuung erhalte, es
Naßnahmen ergreifen würde, welche für die Wirtschafts⸗
Interessen Griechenlands die traurigsten Folgen zeitigen
nüßten.
Persien.
*Die russischen Kosaken in Täbris entwaff—
neten die dortige persische Polizei und schlepp⸗
en die Polizisten in das russische Lager. Der Grund
sierzu ist vorläufig unbekannt.
Marokko.
“Die „Köln. Zig.“ läßt sich aus Tanger berichten: Die
Ztämme zwischen Tesa und Fez sind völlig von Mu—
ey Kebirabgefallen, der, von der Aussichts—
osigkeit seines Unternehmens überzeugt, in östlicher Rich
ung gefhohen ist. Die Tsul Hiaina und Branes er—
ennen Muley Hafid als Sultan an, für dessen Herr—
haft von dieser Seite, trotz der gegenteiligen Meldungen,
ie eine ernstlhische Gefahr drohte.
— — —
Hof und Gesellschaft.
x*zHerzog Paul Friedrich von Meckhen—
urgSchwerin, der älteste, 38 Jahre alte Onkel
des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin ist seit eini—
sen Tagen an Nierentolil nicht unerheblich er⸗
— ⸗—
— — — —
Die Strafprozeßnovelle.
Die Justizkommission des Reichstages trat in die
zeratung des dritten Abschnittes des zweiten Buches der
ztrasprozeßnovelle ein, der von der Voruntersuch
in gihandelt. Die Aenderungen bewegen sich, von Ne—
enpuniten abgesehen, in der Richtung, daß der Vertei—
igung freierer Spielraum zur Betätigung gewährt und
ugleich Sicherheit dafür geschaffen wird, daß der Ange—
chuldigte volle Kenntnis von den Ergebnissen der Unter
uchung erhält. Die Vorschriften sollen in Verbindung mi
mianderen Stellen getroffenen Aenderungen für die Zu—
unft den Vorwurf ausschließen, daß der Angeklagte in
er Voruntersuchung ohne ausreichenden Schutz dem ihm
nbekannten Gange des Verfahrens gegenüberstehe. 8 182
rhält folgenden Wortlaut: „Die Voruntersuchung ist von
er Staatsanwaltschaft in allen Sachen zu beantragen, die
ror dem Reichs⸗ oder Schwurgericht zu verhandeln sind
owie bei Vergehen wider die Sittlichkeit gegenüber ju
endlichen Personen. Auch in Sachen, die vor dem Land
ericht zu verhandeln sind, ist sie zu beantragen, wenn
in Verbrechen den Gegenstand der Untersuchung bildei
ind die strafbare Handlung nicht lediglich wegen Rück
alles sich als Verbrechen darstellt, sowie in anderen Fäl
en, wenn sie zur weiteren Ausführung erforderlich ist.
Rachdem die nächsten Paragraphen unverändert angenom—
nen waren, wurde die Beratung unterbrochen durch die
stachricht von dem durch Herzschlag plötzlich erfolgten
dinscheiden des Abg. Schmid sWarburg (Itr.),
der bis vor wenigen Tagen den Sitzungen der Kommis—
ton beigewohnt und sich stets lebhaft an den Beratunger
heteiligt hat. Nachdem die Sitzung zunächst auf eine Vier—
elstunde unterbrochen war, eröffnete sie der Vorsistend
vieder und widmete dem Verstorbenen einen herzlichen
stachruf, worauf sich die Kommisston auf Dienstaq ver—
agte.
Ser Schiedsspruch . Baugewerve.
Aus zahlreichen Städten liesen Meldungen ein, daß
die Bauarbeiter den Schiedespruch der Dresdener Un—
»arteiischen nicht anerkenunen und die Wiederauf—
15 mo dor rheiftnerweingner Dem⸗⸗ 222
——
J
Fraukreich.
»Oas Marine⸗-Tribunale hat das Urteil im Prozeß
oegen des ArsenalrSkandals in —A
der Haupt-Angetlagte, der früher sehr angesehene Droge⸗
ie⸗Besitzer Jauze-Baloy, einer der Hauptlieferanten für
»as Wtaͤrine Arsenal, der wegen falscher Lieferungen Un—
erschlagungen und Bestechung von Angestellten des Arse⸗
ijais angetlagt war, wurde zu 8 Jahren Gesängnis und
ZJahren Ehrverluft verurteilt. Die Mitangeklagten, ein
ingestellter von ihm und drei Marine-Arbeiter wurden zu
Zefangnisstrafen von einem halben bis zu einem Jahre
erurteil⸗
Das Befinden des Kaisers hat sich, wie verlautet,
veiterhin durchaus günstig gestaltet. Die Schwellung am
echten Knie ist fast völlig geschwunden. Irgend ein
zchmerzgefühl hat sich nicht bemerkbar gemacht. Die Reise⸗
disposinonen nach Kiel werden immer noch in vollem
imfange aufrecht erhalten. Es wird erwartet, daß Fer
taiser noch den überwiegend größten Teil der dee
Zeranstaltungen bei der Kieler Woche beiwohnen kann.
die Kaiser-Jacht „Meteor“ soll erst am übernächsten Sonn⸗
ag zu den Rennen starten, sodaß die altive Teilnahme
es Kaisers an den Segelfahrten völlig außer Zweifel ist.
Hochamtlich wird zu der aufsehenerregenden Mitteil⸗
mg eines Berliner Mittagsblattes, der Kaiser habe
zor drei Wochen einen Automobilunfjall erlitten, erklärt,
aß diese Meldung vollständig erfunden sei. —
der Heilungsprozeß im Kniegelenkt des Monarchen macht
indauernd die besien Forischritte. Auch ist das Allge⸗
meinbesinden des Kaisers ein recht gutes.
ferzog Pauvtriedrich zud Mecklenbutq.
rankt. Er wird im Marienpalais verpflegt. Das All—
emeinbefinden ist nach dem Berichte des Arztes befrie—
igend, Temperatur und Puls sind normal.
A—
Heer und Flotte.
—* Die neue Felduniform wird im diesjährigen
raisermanöper zum ersten Male von größeren Verbänden
etragen werden, um die Wirkung in großer Masse für
en Kriegsfall besser beurteilen zu können. Sowohl beim
wie beim 17. Armeekorps wird je ein?e Infanteriedi—⸗
Asion mit den zugeteilten Kavallerie- und Artillerie-Ab—
eilungen die neue Unifsorm tragen. Die Truppen werden
„ie Felduniform auch während der Vormanöver tragen,
edoch an den Kaiserparadetagen wahrscheinlich ihre blauen
Uniformen tragen. Die zu tragende Felduniform besteht
uus grauem Rock und Hose, die anderen Ausrüstungsstücke,
vjie An neuen Uniform gehören werden aus Sparfsam—
Däãnemark.
*Vom Reichsgericht wurde das Urteil im Prozeß ge—
en die früheren Minister Christensen und Berg gespro
hen. Der frühere Premierminister Christensen ist freige
prochen wordeii. Das Gericht gab der Meinung Aus⸗
ruck, daß die Mitteilungen über die Handlungen des frü—
eren Ministers Alberti, die Christensen zugegangen wa—
en, jedenfalls eine Untersuchung erfordert hätten. Der
weite Angeklagte, fruͤhere Minister Berg wurde zu einer
—— —— ———⏑ —6
RPoderichs Schwester.
willenstraftig ihre Trãnen trognete. Gott segne Vi
nein gutes, mein starkes Kind. Aber wozu die große
File, uns zu verlassen, Dein Vater hat uns ja erklärt,
vie es *n1 diesen traurigen Fällen zuzugehen vflegt; es
auert noch ängere Zeit, bis es zur unbedingten, Notvendiç
“eit wird, daß Du uns ein so großes Opfer bringst,
oarum willst Du uns also schon früher den Kummer ma⸗
ijen, uns von Dir trennen zu müssen?“
„Meine gute teuere Musterl Deine Liebe zu mir ist
8 Ich empfinde sie auf das Dankbarste und er—⸗
idere sie aquf das Wärmste, dessen sei versicher, aber
ben deswegen darf ich nicht säumen, so rasch als mög—
ich so zu handeln, wie ich Dir am ehesten und sichersten
ehflich sein kann; dafz meines armen Vaters Wittel
geiz sind, wissen wir leider nur zu bestimmt. Was
lje eischen dem jetzigen Augenblick und denjenigen liegt,
a aser. Notlage empfinden müssen, ist doch nur
rehrlurc? Frist; darum, Mutter, lahß mich lieber
lei⸗e Vosdesn wie es später doch tun —— laß
ue efrie digung, schon im Voraus für Dich zu sor⸗
en wirst es dann gewiß als eine Wohltat empfin⸗
er ) Du willst es ja doch auch gerne haben, nicht
ak. aß mir die schwere Lage , werde, und
nir dann eben nur große Tätigkeit, mir reges Handeln
as Anglüg minder empfindlich maͤchen, einerseits durch
as — gleich die richtige Bahn eingeschlagen zu ha—
en, andererfeits dirg betãubende Zerstreuung in einem
anz neuem Wirkungskreis.“
Das edle ee Mädchen sprach noch lange in die
em Sinne, die tter hörte ste an und lieh sich endlich
u ihrer Anschauung bekehren. .
Als sie aber Roderichs Schritte hörien, bot Enn te
Nutter, ihm von ihrem ge nichts zu verraten, 2
r d gtrens gehnfach pne würde. ů
räfin Bertholdsheim atte Belannte in Graz und
inen sich in — eit Auskunst über die Fami—-ie
neen Der Graf habe gus Liebe und nicht sei⸗
iem Stande gemäß geheiratet. Er und seine Angehoͤrigen
ührten ein sehr weltliches Leben, obwohl sie alle auf
einem guten Fuß mit dem übel handen. Ier die Gräfin
pegen ihres Mangels an Erziehung und VDait unfeund
ich gufgenommen habe, leblere Vürde defonders fur in
ꝛristokratische ieee keine enehme Herrin sein,
sr einen fasi lächerlichen ** besitze; im Gruͤnde
e lie aber eine gute Frau, und die Schreiberin des Brie,
war der Ansicht, daß die Stelie immerhin für den An⸗
—A
en, etwas Besseres —— u — schwerem
83 gab en ca hre eie 3 sic
nußte es tun, denn sie lonnie sich nicht a
mnt· zu genau, daß die αα Spetulatꝛon
alle Zu Grunde gerichtet und die ihernte nun den
etzten —— des Vermdgend zerstört hatte; die schöͤne, der
inilie so izuere wesung durde ja sedensalta ah de
i der Verhandlungen verkauft werden mülsen, am
ie Schulden zu bezahlen, und von dem Vermoͤgen, das
ann noch übrig blieb, wurben die an Ueberfluß gewöhn⸗
en Eltern kaum leben können. Roderich würde duch ge⸗
wunaen sein, au arbeiten.
— 2222 v EF
Has tust Du, Ernake fragte der Bruder,“ in I der
3 —— — *8
e Sachen, etzhen rauchel/ —
Be Heuse tritt n. enea beicg
vãhrend Roderich am Fensier ui Nach einer Welle sagt
x in nahezu verzweifelten Ton· —
ins Vas loll aus mir werden, Erna, wenn Du for
Sie büdt sich tieser über den Koffer und anlworten
icht. Biee
Du gehst, Ernal — Fort gehst Du, hinaus in dle
rembe Wen Du zartes, e Geschöpf, um Brod
u suchen Und — ⸗Ich kann Dir ere en: bleibe!
Ind doch, hier an diesem Herzen wäre Dein ie Was
nein ist, ist auch Dein! Teile das Wenige mit mir und
ilf mir tragen, duldenl“ *
Sie weinte nun heftig. Er sah sie an, aber er ging
—X zZu ihr. Er war wie gelähmt!
Ich bin ja vermählt!“ sagte er dumpf, „vermählt!“
viedetlt er noch bitterer, und Du? Dun bist meine
bwesterl“ 2*
Sie weinkte nicht mehr
, Roderich, sei barmherzigl“ bat sie, erlchwere mir
nelne dufgabe nicht!“
Taqs darauf reisie 3 shrem Vater nach Graz.
. Kapitel.
* Aus einem schonen ege in der I zu
raz stürzt dienfteifrig ein VLakai heraus Er õoffnet den
kürschlag, während ein zweiter das e, ühen
immt, und beide geleiten den Grafen ertoldsheim mit
einer Tochter in den ersten Stod hinauf führen sie durch
nehrere Prunkgemächer in ein kleineres Wohnzimmer und
rfuchen sie, dort einen Augenblid zu warten: Die Frau
Fräfin werden gleich lommen“. Indessen aber warten die
Jeiden ziemlich lange; denn die Frau Gräfin iln gar nicht
u Hause.
Endlich, kommen sie; man hört im Vorzimmer laut
ind heiter sprechen, und drei Damen treten ein.
Fewihe Bertold nicht wahr? — das ist 13 Herr
dapã Entschuldigen Sie, wenn ich v gleich sehr ein⸗
hend mit Ihnen spreche; aber eine meines Stan
J ele Verpua u Sie mncichen A
einen cIriff davon * 7 auch gleich meine Toilette
bechtvenn noqh Fise it teine geit nehr dazu mnt
iet 7r Soiree bei der Baronin E. — konnen wirt
mmocçiich versaͤunlen. Es in ein Rout, del dem d
e Kronleuchter angezündet werden! Ach Kinderl! Steht
icht so dal Gehn gehtl Euere Rolalleider brauchen ewig
ang zum Knoͤpfeln Wie viel Knvpfe sind schon darank
254 Geht nur kÿggs Fraͤulein —* mor 8
verde ich vlelleicht gft sinden, Jyrg re 5 —
ingen mitzuteilen; lehßt aber mußß Hie Wehe ie/
»err iee ae beruhigt; denn Sie sehen, daß
yhre Tochter bei einer Frau melnes Standes gut au⸗⸗
—V
. pyr Ehen 7* ——ã—ni — Grã⸗
in Wellenstein geslossen; grü erablassen ver⸗
ieß das re ae Schrittes re nur die
dtimme der beiden Angekommenen gehört zu haben. Let⸗
ere sahen einander an; Erna wußzte nicht, ob fie weinen
lehen jonte waͤhlte aber lederes ihon —des Solers
vegen. ¶ ehetuig m IιXα
Was soll ich nun A fragte sse mit einem
—3 Lacheln, ich lann doch nicht hier warten.
is die Dame morgen geu findet, mir weine Beschaͤftig⸗
ingen mitzuteilenl ————
*, Gewiß nicht!“ enkgegnekle Graf Berkoldsheim, Du
nußt doch ein Zimmer Weiege bekommenlꝰ·
2Da ethob sich der schwere Vorhang einer Seitentür,
md eines der Mädchen, welches vorhin die Dame dvon
Ztand begleitet hatte. lam ver demseloen dum Vo⸗
chein. Se ————
I Liebes Frauleinl“ sagte sie freundlich mit einer we
leinen Gestalt entsprechenden Stimme; ‚ich will Sie auß
jhr Zimmer I und Jehhen ob Ihnen dort
wrer Bequemlichtelt nichts sehlt. Mamaä hat es vorhi
a hrer Eile vergeffeni“ Dann bligte sfie den Grafen an
ind jaate in Veonlwortung seines Glides: Sejen Sie
anz unbesorgt. ich earee Bertold nichts ab⸗
ehen lafsenl — ——[
Sgietmit reichte sie thm die HSand, die er sehr herzli
rücte; denn er sah dem jungen Nesen die —* in den
lugen an. πν — — —— αναααα
V Moͤge Ihnen melne Tochter recht nützlich sein“, sagke
r, und Golt lohne es Ihnen, wenn Sie ihr die schwer
age erleichtern!“ Dann schloß er tief ergriffen sein Kind
ne Herz und verließ das Haus, 23 die Milla Erna
n — 8— führte, welches für sie beftimmt war. —
Machen Sie * hier ganz bequeml“ sagte sie, s dari
mgelangt. Wir gehen in einer halben Siunde zu Tis
e an Se ee vorehen. beuie allein zu biel
Gräfin Bertoldsheim lehnte sich nun tränenlos zurüdk,
ie hatte ihr Opfer gebracht; ihre Kinder wußten das
lergste. — Roderich stand eine Weile da, wie in Stein
erwandelt, während Erna in die Knie gesunlken war, ihr
Antlitz im Schooße der Mutter bergend.
Ziemlich lange blieb Alles still im Zimmer, aber nach
iniger Zeit erhob das junge Mädchen ihr lieb⸗
iches Haupt und sah lhren Bruder an; dieser verstand
hren Blick und beide faßten sich mit unendlicher Willens⸗
raft, sich selbst vergessend, um der teuren Mutter willen.
Sie trösteten sie mit allem Möglichen, was ihnen ihre
dian Anhänglichkeit eingab; versicherien sie, daß sie
beide bei ihrer ine und Unternehmungslust sehr gern
und leicht arbeiten würden, um ihre teuren Eltern zu er⸗
halten, und sprachen so lange in diesem Sinne zu ihr,
bis die Freude über die tiese Liebe ihrer Kinder wieder
Platz fand in ihrem sonst so schwer Herzen,.
uind ihr dieses Gefühl einen kräftigen Trost brachte.
Sie dankte peg und schloß sie warm an ihre Brust,
he sie sich * uhe begab. Dann aber brach Noderich
usammen. Und erst, als Erna auch ihn beruhigt und
he hatte, konnte sie um Kraft für sich selbsi beten
e
Ein Ader Herbst war die Folge dieser Entfessel⸗
mg der Elemente, welche einem Wulerich gleich der Herr
ichleit des Sommers ein Ende gemacht hatte.
Die gonen reichsten Felder irugen nur mehr Stop⸗
eln, die Bäume waren ihrer Frucht und ihres Laubes
änzlich beraubt und trostlos ih es im Lande aus.
Ffsnf Wochen waren vergangen, da stand Erna eines
dages am Fenster und blidte mit Tränen in den Augen
3 diese eredee hinab. Sie hatte eben einen Briel
jelesen, den sie nun zu ihrer Wutter brachte, indem sie
agte: habe soeben einen Antrag auf meine Anzeige
nder Zeitung erhalten; hier der Brief, liebe Mama. —
Wber bitte, sei stark, rege Dich nicht mehr darüber auf;
du weißt, es ist mir ein Teost, Dir und dem Vater
eine Hilfe verschaffen zu können. —
„Aus Groz“, bemerkte die Gräfin, „unterschrieben
vrãäsin Wellenstein. Der Name gr mir belannt.“
Dann las sie den Brief, gab ihn der Tochter zurüd
————
er erl⸗ a, „bi n e
hwachr Eeri doch ruhig in Gotles Ramemn⸗ ireve
In Gottes Romnen“. sPprach die arme Frau, indem