chlages. Bisher ist noch keine Antwort auf die Nore rin
zetrofsen, in der die vier Schutzmächte die Zustimmung
der Kreter verlangen. daß der Ausschluß der Muhameda—
ier aus der National-Versammlung zurückgenommen wird.
da diese aber im nächsten Monat zusammentritt, wollen
ie Schutzmächte Kriegsschiffe nach Kreta entsenden, um
hre Forderung zu unterstützen. Wird die Forderung ab—
zelehnt, fo soll die Versammlung aufgelöst und wenn
tötig, die Ordnung durch Truppenlandungen ausfrecht er—
alten werden
Hochwasser und Unwetter.
— Koblenz, 10. Juni. Regierungspraͤsident Frhr.
. Hödel äußerte sich über den Umfang des Un—
eils, die Verluste an Menschenleben, die Höhe des
Schadens und die Notwendigklteit der Hiljsveranstaltung.
die Zahl der Totenbeträgt nach der amtlichen Auf—
zahme bis ejetzt 59. Eine genaue Fesistellung der Op—
erzahl, etwa durch die Arbeiterliste, ist nicht möglich, da
iele der Vermißten aus Aufregung oder andern Gründen
nicht in das Arbeitsverhältnis zurückgekehrt zu sein schei—
ien, auch die Summe der Sachschäden läßt sich noch nicht
gzenau angeben. Der Schaden geht freilich in
Rie Millionen. Außer der Hisle, die vom Staat,
yon der Provinz, von den Kret ud den leider meisi
ehr wenig wohlha In Gemenen geleistet werden kann
ind soll, wird auch die gemeinnueige Wohltätigleit ge—
nug Feld für ein gutes Werk finden. Die Verwaltungs—
ehörde rechnet auf diese freiwillige Unterstützung und er—
ucht die Presse, in einem Aufruf die Hilisbereitschaft der
emittelten Bovölkerung anazuregen. — —
Trier, 16. Juni. Die Schäden, die durch der.
Volkenbruch im Ahrtal angerichtet wurden, lassen sich im—
ner noch nicht übersehen. Gestern wurden wieder 24 Lei
hen geborgen, womit die Zahl der Toten 84 erreicht hat.
Miülhausen, 16. Juni. Durch das fortgesetzt
teigende Hoch wasser des Rheins wurde ein großer
Teu der Schiffsbrücke bei Hüningen auf der elsässischen
Seite zerstöri. Eine Anzahl Ponton trieb mit der rei—
zenden Strömung stromabwärts gegen die Schiffsbrücke
hei Neuenburg und riß diese fast völlig weg. Etwa 30
bersonen, die * zur Zeit der Katastrophe auf der Brücke
befanden, trieben mit den losgerissenen Brückenteilen
tromabwärts. Sie konnten jedoch durch die sosort aufge—
botene Rettungsrannschaft bei Blodelsheim in Sicherheit
gebracht werden
Mainz, 10. Juni. Rhein, Main und Nek—
rar steigen weiter.
Karüsruhe, 16. Juni. In Achern ist ein schwe—
rer Wolkenbruch niedergegangen, der immensen Schaden
ingerichtet hat. Die Kirschenernte ist vollständig vernich⸗
et. — In Kappelrodek ging ebenfalls ein schwerer Wol⸗
enbruch nieder. Die Gebirgsbäche fielen wie gewal—
ige Sturzbäche zu Tal. Die Niederuigen verwandeln sich
neinen See. — Aus Oberkirch wird gemeldet: Ein
VWolkenunbruch ging über das vordere Renchtal nie—
er, die Wassermassen stürzten in Strömen ab und rich
eten namentlich in Oberkirch, Gaisbach, Winterbach, Lau
enbach, Oedsbach empfindlichen Schaden an. In Gais
zach überflutet das Wasser die Straßen. Besonders gro
zen Schaden richtete es in der Wirtschaft „Zum Kranz
m, wo die Kellerräume bis zur Decke mit Wasser ange
ullt waren. Der Schaden an Futteraewächsen int sehr
edeutend.
Mannheim, 16. Juni, Das Hochwafser in
der Schweiz und im oberen Neckartal macht fich bei uns
erst jeßt geitend. Der Rhein und der Neckar sind gestie—
gen. Der Neckar ist im Begriff, seine Ufser zu überschrei⸗
en. Die Fluten bringen große Mengen Heu.
Ulm, 16. Zuni. Die Iller führt Hochwasser, wie
either nie. Oberhalb Ulm sind die Hochwasserdämme ge—
rochen, die Ufser überschwemmt. Die Orte stehen meisi
inter Wasser. Das Vieh wurde in Sicherheit gebracht.
der Donaupegel zeigt 320 Zim.
Augsburg, 16. Juni. Der Lech hat unterhalb
lugsburg sechs Landorte überss,sch wemmt und
reigt noch. Viel Vieh ist ertrunken. Die Bahnbrücke ist
tark gefährdet.
München, 16. Juni. Die Verheerungen, die das
zochwasser verursachte, sind erheblich bedeutender,
us ursprünglich angenommen wurde. Seit gestern abend
leigt das Wasser aufs neue, sodaß man für die nächsten
rkage weitere Katastrophen befürchtet.
Zürich, 16. Juni. Die Wasser-Katastrophe nimmt
mmer bedenklichere Formen an. Im Kanton Glarus ist
ine ganze Anzahl Brücken fortgeschwemmt. Bei Schwyz
vpurde ein Haus vom Wasser weggerissen, eine ganze An—
ahl weiterer Häuser sind gefährdet. In Bern wurde eben⸗
alis ein Haus weggeschwemmt. Der Schaden im ganzen
FJebiet belaͤuft sich auf viele Millionen. Am Vierwaldstät—
ser⸗See tlrägt die Ueberschwemmung einen katastrophalen
Tharakter. Die Feuerwehr ist überall in Tätigkeit. Das
ganze Reuß-Tal ist ein See.
Genf, 16. Juni. In'olge des Umfanges, welchen
ie Ueberschwemmungs-Kaiaftrophe angenommen hat. hat
der Bundesrat in außerordentlicher Sitzung beschlossen,
zie Genietruppen zur Beteiligung an den Rettimgsarbei—
en nach dem Ueberschwemmungsgebiet abzusenden. In
Zen Kantinen Zürich, Zug und Graubünden ist der ange—
ichtete Schaden unberechenhar
e Mn Jo ti amo.
3 liebe Dichl“
Stuliebe Dit — hal hal hal, — das ist eine barba⸗
eAsche Sprache,“ —— fie, „aber ich will es versuchen
venn Du mein Lehrmessier Jein willst. erklaͤrte . —*
seinen Schoß hüpfend und hell lachend, daß alle ihre
rubchen zuin Vorschein lanen. 5 52
Roderlch bat Erna, den Unlerricht, in der dgushal⸗
fümg zu übernehmen und gefällig, wie war/ging /lie
im nachssen Morgen schon zu diesem wed den zweiten
Stod hinauf. — mi wed
Giulietta lag noch in tiesem Schlummer, aus wel⸗
hem sie nicht gewedt werden wollte. Sie hatte sich das
A druůcklich verdelen. Nan ließ sie alio in aller? Rube
ichlafen.
Erna fand sich bald hinem, zwer Haushartungen zu
uhren wohrend ditae id — ——
mmern zu müssen, und ihr sorgenloses, — 3
dasein fortzusetzen. Roderich führte es nur ein, daß ihr
den Vormmag, wenn sie erwachte, der Speisezettel ge⸗
wurde, um ihr einiges Ansehen vor der ei⸗
Jenen Dienerschaft zu verleihen. Indessen verbrachte ex
die Stunden, welche seine Frau während doch
bie Sonne —— längst am Himm htete. meist in
Gesellschaft rna's. — —E
Am frühen Morgen ritten die Beiden zusammen aud
md etn 4— das Häusliche besorgie, —*
r; denn er war Schriftsteller geworden. Inb
Sein Idealimus und seine etwas zu hoch n
Anforderungen an die e Charaktere ließen ihn
im öffentlichen Leben keine Freude finden; hier fand sich
ein Beruf, der ihm zusagte. Gegen den Reichtum seiner
hedanken, gegen die Hoͤhe seiner Auffassung und die un⸗
dergleichliche Schönheit seiner Phantasiegebilde blieb alles
Zreisbare, Wirkliche weit zurüd, und daärum hatte er sich
eine innere Welt geschaffen, in der er sich glückllich fühlte,
ie er aber zudi vor jedem Blick verhüllte, Erna aber
unso deutlicher sehen ließ. Sie war die Einzige,die
eine edle Kuͤnstlernatur volllommen begri und ihn an⸗
negte, seine Begabung für die Schriftstellerei zu verwerten.
Auf seiner Reise hatte er Eindrüde genug empfangen,
zie er nun in gelungenster Weise zu Papier brachte. Man
ah, daß er seine Seele in seine ; legte,
denn was er schrieb, war eine Poesie von Morgenröte be⸗
schienen, es waren Farben so zart und dzg wieder so
—— Formen so Jeelch wie die der besten Meister,
dandlungen eigener Ari, Gedanken von seltener Tiefe,
as V aber Cen We —8* die
qrößzte nnu zum e Wenn
IJ rente sie sich unbe⸗
Von der Luftschiffahrt.
»„Die Zeppeinfahrt nach Wien. Graf Zep
Aelin wird nach den neuesten Dispositionen im Septem—
ser nach Wien kommen, zur Zeit, da Kaiser Wilhelm
hier weilt behuss Gratulation beim Kaiser Franz Josef
Letzterer beklagte das eingetretene Mißgeschickk und gab
bestimmten Hoffnung Ausdruck, Zeppelin in Wien zu
ehen
*Deutscher Fliegerbund. Der Deutsche Flie—
gerbund, unter welchem sich vor kurzer Zeit bekanntlich
aAlle rein aviatischen Vereine Deutschlands vereinigt ha—
hen, beabsichtigt, demnächst zum erstenmal in die Oeffent⸗
ichkeit zu treten. Wie man hört, plant er einen Uebe r—
andslug Franktfur——Mainz⸗zWiesbaden
—Mannh'eim auszuschreiben, der von deutschen Flie—
gern mit in Deutschland hergestellten Apparaten bestritten
verden soll. Die Preise follen die Geamthöhe von etwa
0 000 Marktk erreichen und ist ein größerer Teil dieser
zumme bereits fest gezeichnet, auch sind verschiedene Ehren
—
gendwie gestatten, soll der Flug noch in diesem Jahre
um Austrag kommen. Um die Propositionen möglichs'
achgemäß zu gestalten, beabsichtigt das Präsidium des
deilischen Fliegerbundes, dessen Vorsitzender Prinz Alber'
u Schleswig-Holstein-⸗Glücksburg ist, eine Kommission, be
tehend aus aktiven Fliegern, mit ihrer Ausarbeitung zu
eirauen. Bekanntlich hat die deutsche Fliegekunst mit der
Erfolgen des Auslandes nicht in dem Maße Schritt ge
zalten, wie es den deutschen Erfolgen auf dem Gebieu
zes Lenkballonwesens entsprochen hätte, und dies wird
inter anderm mit Recht von sachverständiger Seite au
»en Mangel von größeren Preisen für Flugleistungen in
Deutschland im · Gegensatz zum Ausland zurückgeführt.
Frankreich hat z. B. bis zu 24 Millionen an Preisen
ür Aviatik aufgebracht und das Budapester Meeting war
nit 500 000 Kronen dotiert. Es ist daher mit Freude
u begrüßen, daß der Deutsche Fliegerbund in dieser Rich
ung Abh 'e zu schaffen bestrebt ist. Als besonders er
reulich muß es auch bezeichnet werden, daß er seine Auf
nerksamkeit den Ueberlandflügen im Gegensatz zu der
Wwettflügen auf geschlossenen Bahnen zuwendet, denn es
st zweifellos, daß für das Ziel des Flugwesens, Ver—
ehrsmittel zu schaffen, die Ueberlandflüge foörderlicher sind
ils Rundflüge auf hergerichteten Flugplätzen. Der vor
dem Deutschen Fliegerbund beschrittene Weg erscheint als
der einzige, der dem genannten Ziel näher führen kann
Auch der Gedanke, den Flug national zu gestalten, er—
cheint besonders glücklich.
*Ein Ueberlandflug. Der Aviatiker White
at auf seinem Biplan einen Ueberlandflug aus der Mitte
zondons heraus ausgeführt. Er stieg am Krystallpalasi
a London auf und flog in der Richtung auf Brooklands.
arx legte in 25 Minuten 30 Kilometer zurück.
Das Allensteiner Drama.
In der Mittwoch-Sitzung machte der Verteidiger zu
ächst die Mitteilung, er habe gehört, daß Kriegsgerichts
at Conradi die Leiche des Ermordeten auf das Bett ge—
egt habe, sodaß die Obzuzenten sie gar nicht in der ur—
prünglichen Lage gesehen hätten. Da auch der Staatsan⸗
balt auf die Lage der Leiche großes Gewicht legt und
ontroversen darüber entstanden sind, werden die in Be—
racht kommenden Zeugen, die die Leiche aufgefunden
aben, nochmals vernommen. — Der Zeuge Rittmeister
Zrae tz schildert den Morgen nach der Mordnacht, wie
zöben ihn ersuchen ließ, zum Hause Schönebeck zu kom⸗—
ien. Der Maior habe sich erschossen und die Frau liede
m Wahnsinn. Der Zeuge gibt dann Auskunft über die
rage der Leiche und die näheren Begleitumslände der
luffindung. Als nächste Zeugin wird Frau Rittmeisten
BSraetz, die beste Freundin der Frau von Schönebec
ernommen. Die Zeugin fuhr am Morgen nach der Mord
at gleich nach dem Hause des Majors von Schönebech
Auf der Treppe, so erzählte die Zeugin, hörte ich schor
das Schreien der Frau von Schönebeck. Frau v. Schöne
beck saß aufrecht im Bett, sie war kreidebleich und fuhr
immer mit den Händen in der Luft herum. Sie sagte:
Ist es denn wahr, bitte sagen Sie mir, daß es nicht
vahr ist, daß mein Mann nicht erschossen ist. Das kanr
a nicht sein. Ich dagte: Er ist vielleicht noch nicht tot
s ist noch Retlung möglich. Beim Einsteigen in den
Wagen wollte ihr Hauptmann von Göben behilflich sein,
je entzog sich ihm aber. Die Zustände im Schlafzimmer
zält die Zeugin für volle Wahrbeit. nicht aber für Schau—
pielerei.
Für die weitere Vernehmung der Zeugin und einer
teihe weiterer Zeugen wird die Oefsensmchteit auf Antrag
des Staatsanwalts wegen Gefährdung der Sittlichkeit
ausgeschlossen. Nur drei Zeitungsvertreter sollen Zutrit
ur Verhandlung haben. Zeugin Frau Grähtz sagt dann
veiter aus: Es sei eine erschuͤtternde Szene gewesen, als
n einem Abend nach dem Mord Frau von Schönebec
hren Jungen zu Bett brachte und laut mit ihm betete
sUutter und Kind seien vollkommen erschüttert gewesen
zin Geschworener: Die Zeugin hat doch der An
eklagten? gesagt, daß der Major sehr schwer verwunde;
ei. Wann hat die Angeklagte nun den wirklichen Tod
hres Mannes erfahren? — Zeugin? Diese Nachricht hat
nein Mann mitgebracht, als er Mittags heim kam. Frau
mm Schöneheck fah ihn mit aroßen Augen fragend an
ibric,eiben vdenn erst aAn dieter en.
u die Schätze seines Leine und Gemüts. Er aber
achte bei Allem, was er quh. ee an den Eindruck,
»en es auf sie machen könnle wußte ja, daß nur
ẽdles, Lauteres ihren Beifall haben konnte, uͤnd seine Ar⸗
eiten waren von ihr beeinflußt, ohne daß er sich davon
dechenschaft gab, und darum auch religiös angehaucht, ob⸗
chon er selbst gerade nicht ein frommer Mann zu nennen
»ar. Erna aber mußte ihn dafür halten, wenn sie auch
edauerte, daß er in religiöser Beziehung so geringe Be—
ürfnisse zeigte. Darüber tröstete sie sich jedoch in Hin⸗
lick auf ug edlen Sinn, der sie zu der Ueberzeugung
eranlaßte, Roderich müsse Inter ihrem Einfluß im Glau—⸗
en ebenso fest werden 8 vn
Zu Tisch kam Giulietta zu ihrem Gatten, während
Erna dann nicht mehr oben war, denn sie deg mit ih⸗
en Eltern, und die junge Frau fragte ihren Gatten nie,
vdomit er den Vormiltag verbrachte. — Es war, als be—
tünden diese Stunden nicht für sie, während sie von dem
Zeelenleben zwischen ihm und seiner Schwester keine Ah⸗
rund hatte, ebenso wenig wie von der geistigen Tätigkeit
stoderich's, dem es niemals in den Sinn lam, ihr ein
Vort darüber zu sagen. Er wußte sehr gut, daß er von
hr nicht verstanden worden wäre, cuch wenn er nicht in
iner ihr fremden Sprache geschrieben hätte.
In dieser Weise verging Tag um Tag, einem Uhr⸗
verke gleich.
Schon wurde der 12. Oktober vom Blocklalender her⸗
bgerissen, man rüstete zum Einzug in die Winterquar⸗
iere. —
Giulietta aber, die schöne, glückliche, junge Frau, die
etzt bald auch Mutter zu werden — konnte, begann
u kränkeln; die größte Liebe und Pflege konnten es
erhindern, daß se dahinzuwelken schien, und nichts, nicht
e een Erscheinen erheiterte mehr br blaies
esichtchen.
Ich e sie vernachlässigt,“ sagte er reuevon und he⸗
ragie in Wien die ersten Aerz ce
‚SHeimweh,“ war deren Ausspruch, „es wird besser
verden, wenn sie ihr Kind in ihren Armen wiegen wird.“
Und — es wurde besser — aber nicht auf lange. Als
das Kind das erste Zähnchen bekam und auf den Ruf
des Kukuls in den Dornbacher Wäldern zu achten begann,
erbleichte wieder die junge Mutter und sagte schwermütig:
,Roderik, ik mus Italia geh'n!“
Da brachte er sie und die kleine Marietta nach Jid⸗
ien, mit der Absicht, 3 mit ihr wieder in seine
deimat zurück zu kehren. Aber immer gr und mehr
og 95 ky Abwesenheit in die Länge. Mond verging
um, Monb. Gunlietta, mollbe. nichts Bra p⏑⏑ Darnoö—
mein Mann schüttelte den Kopf und (agte, es ist vorbei
Da schluchzte Frau von Schönebeck laut auf und sie hat
lange Zeit gebraucht, bis sie sich beruhigte. Aber gesag
hat sie nichts. — Verteidiger: Die Angeklagte hat in den
Tagen, als sie bei Ihnen weilte, nicht den Wunsch aus
gesprochen, Herrn von Göben zu sehen oder Nachricht vor
Ihnen zu bekommen oder ihm Nachricht zu geben? —
Zeugin: Nein, niemals. — Ein Geschworener: Hat
vie Angeklagte niemals den Wunsch ausgesprochen, ihren
Nann noch einmal zu sehen? — Zeugin: Sie hat dauernd
danach verlangt. Am Tage vor dem Begräbnis sind Frau
von Schönebeck und ich über eine Stunde bei der Leiche
gewesen. — Ein Geschworener: Wie benahm sich
die Angeklagte bei der Leiche? — Zeugin: Als sie den
Zaal betrat, wo die Leiche aufgebahrt lag, blieb sie ersi
nn der Tür wie angewurzelt stehen, dann fing sie an zu
zittern und wankte in den Saal. Ich mußte sie stützen,
ie rief nur mehrfach Gustl, Gustl und schluchzte lange vor
ich hin ohne Tränen. Sie küßte fortwährend seine Hand
ind streichelte Gesicht, Arme und Hände. Sie wollte nicht
der Leiche weg, und sagte nur immer: du Guter, dr
uter.
Die Angeklagte ist vollkommen erschöpft zusam—
mengesunken. Sie hält das Taschentuch vor die Augen
und weint fortwährend. Sie ist einer Ohnmacht nahe. —
Der Vorsitzende laͤßt eine Paufe eintreten. Draußen be—
tommt die Angeklagte einen Weinkrampf, und es
nüssen die Professoren Puppe und Meyer zu Hilfe geru—
en werden. Erst nach etwa M Stunden hat sie sich wie
der soweit beruhigt, daß die Verhandlung von neuem be
gonnen werden kann. Der nochmals vernommene Ritt
neister v. Grättz gibt an: Göben machte trotz des mili—
ärischen Verbots wiederholt den Versuch, Frau v. Schöne
heck zu sprechen. Hierauf erklärt die Angeklagte, daß sie
uicht weiter verhandlungsfähig sei. Die Fortsetzung wurde
uuf Donnerstag vertagt. Auf dem Gerichtskorrido—
exlitt die Angeklaate einen Ohnmachtsanfall.
Statistik der Eisenbahn⸗Unfälle.
Unser Bild zeigt eine vergleichende Zusammenstellung
der Eisenbahnunfälle in verschiedenen Ländern. Die Sta—
V
S
2
vl48
*
I*
283
*
istit gibt die Zahl der Unfälle auf je 1 Million Reifende
an. Ddanach sieht Deutschland in bezug auf die Sicherheit
der Eisenbahnen an der Spitze aller Kulturländer.
WÛο”àà MXäĩKttccheWd MRusdx MEGB.
Humoristische Ecke.
*Sein erster Gedanke. Bauer (eine starkge⸗
schnürte Dame betrachtend): „Da schau, wia leicht könnt'
der a Knödl in der Taille stecken bleib'n!“
*zKomplizierter Fall. „Gott, — und wir
haben geglaubt, daß Mutter keine Ahnung von unserer
deimlichen Verlobung hat!“ — „Na, — ganz so war es
zenn doch nicht! Wir wußten ja, daß Mama wußte, daß
vir wußten, daß sie weiß, daß wir uns liebten!“
*Naiv Auf der landwirtschaftlichen Wanderausstell—
ing der D. L.«G. in Hamburg fragte eine niedliche Ham—
urgerin bei Besichtigung der veredelten Landschweine ih—
en Vater: „Vater, gibt es denn auch veredelte Stadt—
b Wene, Roderich's Brliẽse Nangen immer seyntucte⸗
zoller, endlich schrieb er, er kehre allein zurüt
4. Kapitel. —
Es war Nitternacht. Der Schlag der Schwarzwär
eruhr klang hell durch die erleuchtete Halle.
Eine zarte Mädchengestalt, in ein duftiges, rree
arbiges Kleid von weichem Crepe gehüllt, stand vor d
haustür. An ihrem Busen nisteie ein dichtes Sträußchen
on dunkelroten Rosen, sren ihr herrliches Haar teils
iber ihren Nacen herabfiel, teils gleichsam eine Vden
drone über ihrem anmutigen Haupte bildete.* Erwar⸗
ungsvoll blickte sie hinaus in die finstere Nacht, denn fie
reute sich unbeschreiblich, den teuren Bruder, den sie num
chon so lange hatte enibehren püsen wieder zu sehen/
ind wie Erna so dastand und die ee bis zu sei⸗
ier Ankunft zählte, empfand sie die Wohltat solcher ver⸗
tändnisinniger Pen Iphen. wie die ihrigen zu Roderich
varen, in vollem Maße. ια αιια,
Sie erinnerte sich an alle ihre Bekannten, fand aber
argends eiwas Aehnliches und hries sich umfo guglides,
n, dem Bruder den Freund zu Wrnn und p, ihm die
este Freundin sein zu können. Bies e ihrer rei⸗
ien Seele so vollkommen, daß es ihr junges Leben ganz
ue und befriedigte. *—
Endlich hörte sie einen Wagen, der im nächsten Au—
jenblid vor der Tür stillsiand, üund aus welchem Roderich
jexgussprang, um ihr in die Arme zu falleg.
I Ex Mien unendlich heiter, ja mehr als das, wahrha
glüdlich füh er gus 3. er die ans Her⸗ e
und dann vorwärts eilte, die teuern Eltern zu umarmen
Der sont ie ernie to ane n aee
ind scherzte heute ununterbrochen; dn rieb er sich die
Hände, als er am trauten, wohlbekannten Kaminfeuer
stand, und sagte: Wie wohl tut mir's, dahß ich mich wie⸗
der Noderich nennen — daß ich wiederdensceonn
höre, daß ich bei F — Lieben, binl
„Und fied fragte die Dutter, fier“
m e daß sie wieder kommt. Sie hat
eucbt: 44
mo Atse iebt; es war eine Laune, sie blelbt in ih
Das jagte er ganz heiler. Die liebevolle Mutter aber
bellagte tief seine verfehlte Wahl und lächelte nur, um
ihm die reine Freude des Wiedersehens nicht zu verder
ben. Ihm fiel vhnehin der Vater als sehr verändert auf.
Dieser schien gebeugter, und V Blick sorgenschwer. Ro—
derich fragte *—— Nob ihm eiwas fehle, er aber
scherzte die bange Frage hinweg, verließ jedoch schon bald
den frohen Kreid, um an seinem Schreibtisch zu arbeiten.
wie er es steis bis tief in die Nacht zu tun pfliegle.
Ziffern waren es und Vechnungen. bei welchen er se
Iange verweilte
24
An die vichtige Adresse. Theatersetret
Soeben kommt eine briefliche Anfrage an die Intendan⸗
elche Oper unsere Hofbühne zur Feier der Anwesenhei
Napoleon 1. im Jahre 1810 ausgefüͤhrt hat? Wissen He
Intendant vtelleicht —?“ — Intendant: Nein ..b⸗
Aagen Sie doch einfach die Domen vom Ballett — d
meisten müssen ja diese denkwürdige Vorstellung noch mit
gemacht haben?“
Aus aller Welt.
Wurstvergiftung. Aus Aachen wird berichtet: Nach
dem Genuß von Leberwurst sind in Eupen insgesamt 80
Personen, die Angehörigen von 12 Familien, unter Ver—
giftungs-Erscheinungen schwer erkrankt. Alle zeigen hohes
Fieber, über 40 Grad. Die Erkrankten besinden sich sämt
lich in bedenklichem Zustande.
Raubmorde Die 75 Jahre alte Milchfrau Rasu in
Feldwiese bei Elsterburg in Plauen i. V. wurde in ihrer
Wohnung ermordet. Es liegt ein Raubmord vor. Vom
Täter fehlt jede Spur.
Verschollen. Wie aus Grenoble gemeldet wird
sind der Industrielle Alliman und eine Frau Baronnat
die in der Grande Chartreuse-Gruppe eine Bergbesteigungt
unternommen hatten, seither verschollen. Man befürchtet
daß sie während eines Wollkenbruchs in den Reizebach ge
stürzt und ertrunken sind.
Militärverschwörung. Unter den Truppen in Lis
sabon wurde eine revolußonäre Bewegung entdeckt. Je
den Tag werden zahlreiche Soldaten verhaftet und au⸗
die Festungen gebracht.
Vermiĩchtes.
Ueber gebundene und ungebundene Bücher sag
Peter Rosegger in Heimgärtner Tagebuch folgendes: „Wenn
man Robert Hamerling ein Buch schenken wollte, und er
erbat sich ausdrücklich ein nichtgebundenes, ein broschier
tes Exemplar, so konnte man sich freuen, denn dann hatte
er die Absicht, das Buch zu lesen. Gebundene Vücher
liebie er nicht. Bücher hat man nicht, um sie in der.
Kasten zu stellen und von hinten anzuschauen, sagte ern
mit einmal, Bücher hat man, um sie zu lesen. Und da—
zu sind gebundene Exemplare unhandlich, besonders wenn
ie größeres Format haben. Bücher nimmt man gern auf
Spaziergängen mit, also müssen sie bequem in den Sad
zu siecken sein. Man liest sie gern im Bette, dazu müs—
sen sie bequem zu halten sein. Man muß sie biegen kön
nen, ohne daß sie bersten. Man muß ihnen den Kragen
umdrehen können, ohne daß es ihnen wehe ut. Das
Ales kann man mit einem agebundenen Buche nicht ma—
chen Das Hamerlin-ort fallt mir ein, wenn ich manch
mal einen feinge enen Prachtband auseinanderreiße
um die losen Bonn überall hin mi nehmen zu können.
Von meinen Lie Uingsschriftstellern habe ich aber zwei
Eremplare, ein gebundenes, zum Einstellen in den Ehren⸗
tasien, das andere broschiert zum Lesen. Den Liebling
will ich überall bei mir haben, und er soll mir nicht den
Sack verdehnen oder zerlöchern, wenn er überhaupt in
einem Platß hat. Er soll mich nicht belästigen, nicht be—
schweren, er soll mir nicht die Hand trampfig machen
beim Halten. Das tut der geistige Freund auch nie, daa
iut nur der Buchbinder mit seinem steifen, oft plumper
Einband. Ich freue mich immer, wenn ich in einem Bü.
herkasten mit Prachtbänden, die unversehrt sind, auch ein
mal eins sehe, dem die Ecken abgestoßen sind, oder dem
gar der Rücken gebrochen ist. Gerade das ist das Auserwahlte,
das Gelesene, das Geliebte. Aber das ist eben
auch ein Zeichen der heillosen Veräͤußerlichung unserer
Zeit. Viele kaufen nicht Bücher, sie kaufen nur Einbände
und so wie bei den Leuten das Gewand mehr gilt als
das Herz, der Ruf mehr als das Werk, so gilt bei den
Büchern der Einband mehr als der Inhalt.
Einen Ast braucht das Vöglein... „Einen Ass
raucht das Vöglein, um sein Nest drauf zu bau'n“, so
heißt es im Liede. Von dieser „Bauvorschrift“ haben sich
zwei Vogelpärchen nun Abweichungen gesiattet, über die
aus Kassel folgendes geschrieben wird: An einem Bahn
übergang auf der Landstraße Sielen-Hümme ist an dem
Ende eines Armes der hohlen eisernen Wegschranke ir—
gendwie ein Loch entstanden, und ein Bachstelzenpärchen
hat nun diese Oeffnung dazu benutzt, um in den Hohl⸗
raum der Stange zu gelangen und dort sein Nestcher
zu bauen, Eier hinein zu legen und sie zu bebrüten. Ge
genwärtig befinden sich sfüns Bachstelzchen in dem Neste
Es stört die sonst so scheuen Bachstelzeneltern nicht im ge
ringfien, daß die Schranke mit ihrem lebenden Inhalt täg
lich 150 bis 200mal auf⸗ und niedergeht, und daß de
Schrankenwärter von Zeit zu Zeit seine kleinen Schütz
linge durch das Loch beobachtet. — Ein ähnliches Idyl
inmitten der lärmenden Umwelt ist gegenwärtig an einem
Personenwagen der Kleinbahn Kassel-Naumburg zu beob
ichten. Unter die Plattform dieses Wagens, der nie län
gere Zeit stand, hat ein Rotschwänzchenpaar sein Nest ge
baut. Das Brutgeschäft ist während der Fahrt be
torgt worden, und jetzt begleiten die beiden Alten der
Zug, um ihren Kleinen auf jeder Station Futter zu brin—
gen. Das Zugpersonal nimmt sich der kleinen Fahrgäste
mit großer Liebe an und sieht darauf, daß dem Nesichen
und feinen Insassen nichts vassiert.
77 Dereev guhr er auf seine ee —XXXC
tam jedesmal etwas beruhigt von dort zurück. —
Die Saaten stehen wunderschön,“ sagte er zu seinen
Frau. Die Ernte wird uns retien, so egt wir un⸗
auch sonst stehen mögen!“ F
Komm, Erna, komm hinaus mit mirl“, rief Rode⸗
cich vom Garten unten der Schwester zum Fensier zu,
aß uns einen ordentsichen Spaziergang machen durch
Wald und Flur. Der Regen hat die Luft etwas abge⸗
kühlt und mir ist heute so wonnig zu Mute, wie es Adam
einst hätte sein müssen, wenn er in das Paradies zurüd⸗
gelehrt wärel!“
Fröhlich nickte ihm Erna g und rüstete sich zum Spa—
ziergang. Draußen war der Mai wonnig hereingebrochen
die Sonne glitzerte im Bach und schimmerte hell durd
das zarte Grün der Bäume, die Falter flatterten auf den
in Blüte siehenden Zweigen hin und her, und so ging
alles seinen Gang, ohne darauf zu achten, daß ein schö—
nes junges Weib seinen Gatten verlassen hatte; achtete er
doch selbst nicht darauf und war er gleich der Mailuft so
lorglos und frohgesinnt.
In geradezu übermütiger Stimmung plauderte und
scherzite er toll durcheinander. Plötzlich aber wurde er
etwas ernster und sagte: Ich denke mir oft, Erna, daß
Du nicht pecine Schwester werden, sondern eigentlich mir
zur Frau hättest bestimmt sein sollen.“
„Wie kannst Du nur so unsinnig reden,“ rief sie, über—
dies weißt Du ja gar nicht, ob ich überhaupt Deine Frau
hätte werden wollen?
Mag sein, ich glaube aber dochl“
Wer weiß?“! scherzte sie.
Mun, Feen gibt es leider keine, welche Dich aus
meiner Schwester zu meiner Frau umwandeln könnten.
So will ich mir lieber den gluͤclichen Tag nicht mit tö—
richten und noch dazu verstimmenden Betrachtungen
berderben.“ J
Da blidte aber sie wieder ernst und bekümmert zu
Hm empor und fragte unvermittelt:
— — Roderich, was wird denn das werden mi
Deiner Ehed
Was es werden soll, Erna? Ieni wird es nimmer
anders, es ist mir wie beim Erwachen aus einem langen
pösen Traum. Man ist ja dann froh, daß es nur ein
Traum war, und so bin auch ich wob. meinem früheren
Teben, meiner früheren Umgebung wiedergegeben zu sein
Wie kannsi Du froh sein, armer Roderich. ich alaub⸗
nicht; daß Du es bist.