Full text : Dudweiler Zeitung

DAs Ahr-Hochwasser geyt rangsam zuruck und mar
sann sich über die unterwuühlten und zerstörten Chausseer
mühsam einen Weg zu den Döorfern bahnen. Erst jetz
äßt sich erkennen, welches Unglück die Hochflut über das
Ahrtal gebracht hat. Einzelne Dörfer sind völlig verwü
tet. Von den Häusern stehen nur noch die Umfassungs
mauern. Im Orte Fuchshofen sind alle Bewohner bie
mif6 ertrunken. Fortgesetzt landet man nur teilweise be
kleidete Leichen. Zahlreiche Tote liegen zwischen dem Ge
oͤll versteckt, sodaß die Bergung nur schwierig zu bewäl
igen ist. Das ganze Ahrtal bildet ein einziges Steinge
õöll. Im oberen Ahrtal sind die Straßen mit Betten,
Nöbeln und Kleidern bedeckt. Ein ganzer Eisenbahnzucç
iegt im Wasser. Der Schaden ist unberechenbar. Zahl—
reiche Städte sind ohne Beleuchtung, wodurch die Gefahr
entsteht, daß die auswärtigen kroatischen Arbeiter Aus—
chreitungen verüben, weshalb Infanterie-Soldaten zur
Iufrechterhaltung der Ordnung in den einzelnen Städter
inquartiert wurden. Zahlreiches anderes Militär ist zur
dilfeleistung herangezogen worden. Die Zahl der ver—
nißten Personen wird jetzt auf 200 angegeben.

Der Kaiser hat sich über den Zustand der bei der
Wasserkatastrophe Verletzten telegraphischen Bericht erstat—
en lassen.
*»Die Natlonalliberalen haben im preu—
zischen Abgeordnetenhaus einen Initia
sivantrang eingebracht, auf Unterstützung der
durch das Hochwasfer im Ahrtal Geschädigten. Der An
trag gelangie bereits am Mittwoch nach Erledigung eini
ger Petitionen zur Verhandlung und wurde durch den Ab
Jeordneten Engelsmann (natl.) bearündet. Minister de—
Innern v. Moltke verlas zun st einen Bericht des Land—
ates über die Hochwasserkatastrophe und erklürte, daß er
ofort den Oberpräsidenten angewiesen habe, möglichst sehr
chnell festzustellen, ob ein Notstand vorliege und in wel—
hem Umfange. Es soll dann so schnell we möglich
zilse gebracht werden und die Staatsregierung werde die
Norderliche Summe zur Unterstützung bereit stellen. Diese
Erklärung fand lebhafte Zustimmung im Hause und die
nachfolgenden Redner aus dem Haufe gaben alle ihrem
bedauern über das Unglück Ausdruck.
Bisher sind, wenn man die einzelnen Meldungen zu—
ammenfaßt, über 70 Leichen geborgen worden. Die Zahl
»er Umgekommenen wird jetzt auf 160 geschätzt. Ein Au—
zenzeuge berichtet aus dem Dorfe Schuld an der Ahr, daß
das linksseitige Dorf völlig zerstört ist. In einem Hause
ind 18 Leichen aufgebahrt. Aus anderen Ortschaften an
der Oberahr lauten die Meldungen ebenso trostlos. Der
Zchaden, der durch das Hochwasser verursacht wurde, wird
uuf zirka 3 Millionen geschätzt. Zahlreiche Blätter veröf—
entlichen Aufruse für die Geschidigten. Die Nufräum—
migsarbeiten werden Monate in Anspruch nehmen

—

il nwetter.
deber Berlin und Umgebundg ist am Diens
ag ein heftiges Unwetter niedergegangen. Darch den wol—
enbruchartigen Regen wurden viele Straßen und Ptätze
miter Wasser gefetzt. Mehrere Blitzschläge richteten großen
zchaden an, doch sind Menschenleben nicht zu beklagen.
zn den niedriger gelegenen Stadtteilen und der Umgeb—
mg hatten die ungeheuren Regenmassen, die bei dem Ge—
vitter niedergingen, große Ueberschwemmungen zur Folge
Fast überall stockte in den gefährdeten Straßen der Stra—
zenbahnbetrieb und Fuhrwertsverkehr. Die Straßen wa—
en völlig unpassierbar geworden. Unter den ungeheuren
Vassermassen hatten auch die Bewohner in den Vororter
rheblich zu leiden. In Steglitz mußte der Straßenbahn
erkehr infolge eines Dammbruches abgelenkt werden. Ein
roßer Dammrutsch bei dem Bahnhof Papestraße sperrt
wei Gleise der Stadtbahn vollständig. Zahrreiche Eisen—
ahnarbeiter wurden aufgeboten, um den Schaden zu re—
arieren, doch nahmen die Arbeiten mehrere Stunden in
Unspruch. In vielen Fällen mußte die Feuerwehr Hilfe
eisten

Aus dem Ruhrtal, 15. Juni. Im mittleren
tuhrtal haben Gewitter, wie sie in gleicher Stärke feit
Fgahren nicht aufgetreten sind, gewaltigen Schaden ange—
ichtet. Die Aussichten auf eine gute Ernte sind vollstän—
ig vernichtet.
Mainz, 15. Zuni. Der Rheinssteigt wieder
uf der ganzen Linie. Auch der Main ist itark im Stei—
en begriffen.
München, 15. Juni. Aus dem bahyerischen Ober—
and lagen heute früh folgende Hochwassermeldungen vor:
In Oberammergau siteigt das Wasser, das nachts zurüchk—
Jegangen war, infolge andauernden Regens von neuem
lus dem Allgänu wird berichtet: Der Bahnverkehr zwi—
chen Immenstadt und Kempten, sowie zwischen Sontho
en und Oberstdorf ist eingestellt. Die JILerr, die rapid
veitersieigt, gleicht einem See und überflutet die Brücken
zn Kempten wurden die Häuser in der Altstadt geräumt.
Dessau, 15. Juni. Schwere Gewitter und
Meccos haben im Herzogtum großen Schaden ange
ichtet.
Halle a. S., 15. Juni. Ein Wolkenbruch
iberflutete mehrere Stadtteile. Vielfach sind Blitzschäden
nistanden, so in der Croellwitzer Papierfabrik, wo 6000
Zentner Strohvorräte verbrannten.
—— πν
hie sie nw verangen hatte.“Vie Hestigkezt war ihr ein
ziger größerer dehler so zwar, daß ihre Angehörigen ihn
ast gerne an ihr sahen; denn sie meinten beinahe, sie
vaͤre sonst zu gut für diese Welt. Machten sie aber ihr
gegenüber diese Beinertung, so war ihre Antwort darau
— —1
„Vergeßt Ihr denn ganz auf meine Eitelkeit? Is
das nicht auch ein häßlicher Fehler? Umso mehr, da ich
ar nicht davon lassen kaun! Mein Auge sucht das Schöne
berall, es ist mir ein Bedürfnis, es zu finden, in zas
Natur wie in der Kunst. Ich selbst kann mich nicht in
»en Spiegel sehen, ohne mich zu schmücken, weil ich da—
urch hübscher werde.“
Und in der Tat war die Eitelkeit ihre große
Schwäche; sie liebte es, ihre zarten Glieder in noch zar—⸗
ere —8 zu hüllen und verstand es prächtig, sich schön
ind vorieilhaft zu kleiden, soivohl in der Wahl der Far—
den als des Schnittes.
Diese Schwaͤche war zum Teil durch ihren Schönheits—
inn verursacht, teils war sie durch ihre Umgebung in ihr
zeweckt und genährt worden, denn Alle erfreuten sich an
ihrem Anblicd.
„Das sieht Dir gut — dieses kleidet Dich — diese
sosen blühen für Dich zum Schmuck —hieß es immer,
»der auch: „Laͤß Dir einen Kränz aus Vergißmeinnicht
* das goldige Haar drücken, sie haben die Farbe Deiner
Augen.“
„Aber nicht deren Glanz,“ fügte dann Roderich hinzu
— und so wurde sie im Gegensahße zu den Geduldproben,
velche ihr Bruder ihr bereitete. verwöhnt und verzärtelt
— Allen. ——
ee ee 2. Napitel. is
Roderichs Genesung acie überraschende Forfschrikte,
Is der Winter zu welchen begann und laue Lüfte aus
hhegnadeten Ländern auf unsere kälteren Regionen
vehten.
Er kräftigte sich ungemein, und die Familie Bert«
doldsheim wollte denn Raät der Aerzte, den nächsten Win—
er in Italien zuradtngin claen mehr wei es ihren
—V
habt haͤtze. in ias 3
Ver Sommer eilte vorbei. Bei uns ist er jg leider
mmer, nur eine kurze Erscheinung, und er läßt sich nur
aillzu früh von dem unerbittlichen gern verdrängen.
Da vergilbte, dort rötete sich das aub, die schönsten
Zchattierungen bildend.
In Vöslau und in Märkersdorf waren die Trauben
voll Men Saftes. 6
s aina aur Weinlelel Donnß lealn Uch alnäblig ein

Konstanz, 15. Juni. Der Bodensee ist von 437
auf 505 Zim. gestiegen.

r
Luftschiffahrt und Aeronautik.
*Avhatischer Streitfall. Der oberste Ge
ichtshof der Vereinigten Staaten hat das provisorisch
Irteil gegen die Aviatiker Paulhan und Curtis
erworfen. Damit ist die Vorherrschaft der Wrightscher
Batente in den Vereinigten Staaten vorläufig vernichtet

* * — *
Das Allensteiner Drama.
Frau VWeeber sieht heute sehr erholt und frisch aus
Zie war mit ihrem Gatten an einem der masnrischer
zeen in der Nähe von Allenstein. Kriminalkommtissa
zIchröter aus Alleustein hatte sich denn Ehepaar i—
nantffälliger Weise im Auftrage des Gerhts als B
achung anzeschlossen. — Nach Etösfnung der Sitzune
„rd mit der Zeugenvernehmung fortgesabrer
is erster Zeuge wird Oberst Dornn rönigsberg aufé⸗
ujen. 'Er schildert den ehemasigen Ganen der Angeklag
en als einen tüchtsgen Offizier. Sodann wird als Zens
migernsen Rittmeifter von Thaer-Pasewatt. Diese
vird eingehend über die Charattereigenschaften des Haupt
nanns von Goeben vernommen. Er schildert ihn als aus
zezeichneten Kameraden. Der Vorsißende verliest hierau
wei Briefe, die von Goeben aus dem Gefaͤngnis ar
den eben vernommenen Zeugen gerichtzet hat. Es wiid
»ann zur Zeugenvernehmung über die Greiguisse in
Schönebeckschen Hause ann Tage vor und nach der Ta
geschritten. Der jetige Unteroffizier Weider-Ablen
veinn, der als Erster die Tat entdeckte, war vier Tage
ror Weihnachten als Aushilfsbursche zu Schönebeck kom
nandiert. — Vors.: Sie hätten doch die Verpflichtung,
norgens die Oefen zu heizen, und da müssen Sie doch
uch wissen, ob unten im Korridor das Lager für den
zroßen Hund war. — Zeuge: Der Hund lag oben im
dorridor. Am Abend schloß der Zeuge die Fenster und
jing un 8 Uhr zu Bett. Dann weckte ihn der Maior.,
heil der Torweg und die Flügeltür nicht geschlossen wa—
en. Er habe sie aufgelassen, da Fräulein Eue und die
Nädchen noch nicht da waren. — Vors.: Sie haben in
er Burschenstube neben dem Pferdestalle geschlafen und
on den Vorgängen nichts gehört. — Zeuge Nein. —
zors.: Wissen Sie, ob der Dachshund immer in der Küche
lieb. — Zeuge: Nein, er war auch manchmal im Stall,
ch weiß aber nicht, ob er in jener Nacht in der Küche
Dder im Stall war. Der Zeuge wird sodann über sein
Vahrnehmungen in der Nacht nach dem Mord befragt
ẽr war der erste, der die Leiche fand und gibt eine de
aillierte Darstellung seiner Beobachtungen. — Vors.: Wii
en Sie, ob die innere Haustür, in der der Schlüssel im
ner von innen steckte, verschlossen war. — Zeuge: Nein
— Vors.: Sahen Sie im Schnee Fußspuren? — Zeuge
darauf habe ich nicht geachtet. — Vors.: Als Sie nu
ns Haus kamen, was taten Sie da? — Zeuge: Ich weckt
iun die Leute im Hause Inzwischen suhr Hauptman—
»on Göben vor, um den Herrn Major zur Jagd abzr
solen. Ich öffnete und sagte, der Major hat sich erschos
en. Göben antwortete, das kann doch nicht möglich sein
— Vors.: War er sehr erschreckt und aufgeregt? — Zeuge
das kann ich nicht sagen. Er sagte: Mein Gott, mei
Vott. Dann fragte er, wo die gnädige Frau sei. Ich
agte, sie sei oben. — Vors.: Und nun soll schon das
Zchreien der gnädigen Frau zu hören gewesen sein. —
zeuge: Ja. — Vors.: Was tat nun Herr von Göben?
— Zeuge: Er zog den Ueberzieher aus und ich leuchtete
hm nach oben die Treppe hinauf. — Vors.: Wie Sie die
Treppe hinaufgingen, hörten Sie noch Schneien und Wei
nen? — Zeuge: Ja, und aber als Göben in das Zim
mer trat, hörte das Schreien auf. — Verteidiger: Das ij
»och sehr lange her, es war 1907, woher weiß der Zeuge
zjeute noch, daß die Frau Angeklagte gerade auigehört zu
chreien, als Göben ins Zimmer trat, es lag doch für
hnukein Grund vor, gerade darauf zu achten. — Zeuge:
Fa, ich weiß das auch nicht mehr genau. — Staatsan
valt: Aber Sie sind doch nicht so unintelligent, Sie ha
»en doch soeben mit Bestimmtleit Ja gesagt, jetzt sager
Zie, Sie wissen es nicht. — Zeuge: Nach meiner Erim
ierung hörte das Schreien auf, als Herr von Göben in⸗
Zimmer kam. — Vors.: Das hat der Zeuge gleich bei
zer ersten Vernehmung gesagt. — Zeuge Dragoner Ban
ille hat als Pferdebursche keine sonderlichen Wahr
ehmungen gemacht. Er leuchtete dem Hauptmann von
zeẽben zur Leiche und dann hinauf zum Zimmer der
zrau von Schönebeck, die vorher einen Schreikrampf hatte
ind nun sofort zu schreien aufhörte, als Göben eintrat. —
die nächste Zeugin ist die Köchin Jorkowsti⸗Allen—
sein. Sie hat nie von einem schlechten Verhältnis zwi—
chen den Ehegatten Schönebeck etwas gemerkt. Auf Be—
ragen gibt sie an, daß sie am Morgen frische Schnee—
ußspuren sah. In der Nacht ist sie zufällig aufgewacht
ind will während der paar Minuten, während sie wach
ar, einen schwachen Lichtschimmer durch die Milchglas—
jeibe ihres Zimmers gesehen haben, der auf dem Kor—
dor war und zum Badezimmer ging. Sie dachte, der
tdajor ging in das Badezimmer, hörte aber keine Schritte.
achdem ich wieder eingeschlasen war, wurde ich plötzlich
urch ein dreimaliges Klopfen an der Tür munter. —
yrse Früher hahen Sie gesagt, es hahe nur zwweimal

— ö a
Neif, auf 1. Srde, der, immer vichter wWerdend,
indlich in einen feis ost überging. Der November
var gekommen, es— », und Rebel hüllte die schöne
daiferstadt Wien i— unkel.
Viele zarte un indliche, dabei aber reiche Men—
schen machten Anstalt, den Schwalben nachzuziehen.
Unter diesen Glüglichen befand sich auch die gräfliche
Familie Beroldsheim, die ihre Freude hatte an der wie—
dergekehrten Gesundhei Roderich's und die größten Opfer
reudia aebracht hätle. um lie ihm zu orhalfen.

Florenz, die Königin der italienischen Städte war es,
n welche nun Roderich und Erna sich versetzt sahen, und
ie wähnten fich im Paradies. Stete Frühlingsluft um—
vehte sie. Saftig grin war das Laub auf den Fascinen
der Florenzer Prater) tiefdunkelblau der Himmel, die
Lögel“ zwitscherten und sangen so fröhliche Lieder, als
zäbe es 'auf der ganzen weiten Welt keinen eeeee
und keine Kälte, keine Nordstürme und Schneeverwehun⸗
gen. Die Deutschen, die hier lebten, konnten sich's fast
nicht vorstellen, daß die Heimat nun so kahl und dürr ge—
vorden sein sollte, so rauh und starr wie alle Jahre um
»iese Zeit, daß dort auch jetzt, während sie selbst im
eichtuüsr des Lenzes wandelten, frierende Mütter ihre
dinder zacht zu schützen bermochten gegen die grausam
isige t. obschon hier, wo sie sich befanden, Mädchen
nit Taugen Blumen zum Verkaufe darboten,
Mäde schön und lieblich, daß sie darum wohl selten
inde mit leeren Körbchen heimkehren niochten. Es
var Lerdies ein besonders warmer Winter, den die Ber—
oldsheims in Florenz antrafen, und alles vereiniate iich.
im sie dort zufrieden zu stellen.
Auch die gesellschaftlichen Verhältnisse sagten ihnen
u. Man kam ihnen so freundlich entgegen, daß sie viel
Freude an den Bällen und Unterhaltungen sanden. Der
ußerordentlich liebenswürdige Empfang, der ihnen überall
ereitet wurde, die unbeschreibliche Zuvorkommenheit des
talienischen Adels übertraf alle ihre Erwartungen, obschon
e durch die österreichische , wo sie Bekannte
atten, sehr gut empfohlen waren. Die Gesellschaft ist in
FItalien eben einzig entgegenlonmiend, wie man es in
eutschen Ländern, selbjst im geinütlichen Oesterreich nicht
sein versteht.
Erna's Himmel begann sich Vne von da an zu tru⸗
zen. wo sie in die große Welt geführt wurde; denn ihr
zruder waͤchte mit eifersüchtigem Auge über sie und be—
ormundete sie so sehr, daß sie sich beengt fühlte und oft
ittere Tränen vergoß, wenn — sie unweiblich und
hre Art, ihr Donecy entwürdigend nannte, wenn lie
ruch das Gefallen Anderor erxreato

Arbeiterbeswvegung.
Die Hagener Lohnbewegung. Aus Hage
vird geschaichen: Der Siampf in der Hadener Meiallind.
tree nimmt einen immer größerent Umfang an. In der
eiden leßlen Tagen wurden rund 19000 Arbeiier entlas
sen und ebenso vielen wird gelündeßge. Einigungsverhand
ungen, die infolge eines einstimneig angenommenen Stadt
erordnetendeschlüsses von dent Gewerbegericht eingeleite
waren, sind nach langwierigen dreitägigen Beratunge!
ergebnislos verlaufen. Beide Parteien haben Eutgegen
ommen bewiesen bei zwei Streitpunkten: Es sollten 1
die Löhne der bei der Gevelsberger Gußstahlfabrik, den
Herde der Bewegung, streikenden Arbester erhöht und 2
Naßregelungen nicht vorgenommen werden. Die Verstän
igungsversuche sind gescheitert wegen des von Arbeilge
erseite eingerichteten einseitigen Arbeitsnachweises. Die
Urbeitnehmer besitanden auf einer Hinausschiebung de—
Inkrafttretens der Einrichtung über den 1. Juli hinaus
die Arbeitgeber jedoch haben dieses gewiß nicht unbil ig
Verlaugen in ihrer Generalpersammlung rundweg abge
ehnt. Sie begründen ihre Haltung mit der Tatsache, da—
wohl der Deutsche Metallarbeiterverband wie auch de
dewwerkverein Hirsch-Duncker schon seit langem Arbeits
nachweise eingerichtet hätten und diese auch rücksichtslo
zur Anwendung brächten. Es handelt sich nunmehr be
dem Kampf um eine Machtprobe, deren verhängnisvoll
Wirkungen zu Tage liegen. Der Kampf hätte diese Aus
dehnung nicht angenommen, wenn die Arbeitgeber sich
zur Einrichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises ent
chlossen hätten

4 —
Spiel und Sport.
p' Prinz Heinrichfahrt 1811-1913. Für die nächst
Prinz Heinrichfahrt im Jahre 1911-13 sind folgende Be
limmungen erlassen worden: Die Prinz Heineich-Fahr
vird eine internationale Konkurrenzfahrt zwischen den
daiserlichen Automobil-Klube und dem Royal Automobi
x5Iub sein. Es ist vereinbart, daß im Jahre 1911 ein
donkurrenz zwischen De ut schland und England
m Jahre 1912 zwischen Deutschland, Italiern
ind Oesterre sisch und im Jahre 1913 zwischen Ruß
land und Deutschland ausgetragen werden soll
Der Start wird voraussichtlich für alle drei Fahrten ir
Berlin stattfinden. Das Ziel wird im Jahre 1911 ir
Vondon sein, wo man im Anschluß an die Krönungs
eierlichkeiten einzutreffen gedenkt, im Jahre 1912 in Wien
und im Jahre 1913 in Vetersburg. Zur Teilnahme sind
die Mitglieder des Kaiserlichen Automobil-Klubs und die
des Royal Automobil-Clubs berechtigt, die sich ihrerseits
mit den ausländischen Automobisperbänden ins Einver
nehmen zu setzen haben werden

— —
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 16. Juni.
Berghauptkasse. Der Herr Minister für Handel un?
Hewerbe hat im Einvernehmen mit dem Herrn Finanzministe
bestimmt, daß die Bergwerksdirektionskassen fortan die B—
zeichnung „Berghauptkasse“ zu führen haben.
Veteranen. Das Reichsamt des Innern beobsichtigt
bei dem Bundesrat zu beantragen, daß bei der Volkszäh
sung am 1. Dezember ds. Is. die Zahl der noch lebende
Kriegsteilnehmer von 1848, 1864, 18636 und 187071, so
veit sie dem Unteroffiziers- und Mannschaftsstande de—
deeres und der Marine angehört haben, festgestellt werde
im beurteilen zu können, wie groß der Mehrbedarf de
kriegsteilnehmerbeihilfen sein würde, der sich aus den Gé
etzoorschlägen des Reichstags ergäbe.
Die Möglichkeiten der Torfverwertung. Wen
die Summe von Sonnenenergie, die in den Torfmooren
aufgespeichert liegt, in wirklich billiger und nutzbringendern
Welie verwertet werden könnte, so müßte sich daraus eil
Aufschwung der Industrie in vielen Ländern ergeben, der
noch viel größer wäre, als er durch die Ausnutzung vo—
Wasserkräflen bisher geschehen ist. Torsmoore sind gewisser
maßen Kohlenlager in einem abgeschwächten Sinne. Wie
die Kohle, so ist auch der Torf durch Zersetzung von Pflanzen
hervorgegangen. Stellt aber schon die Braunkohle einen
herhältnismäßig minderwertigen Heizstoff dar, so kann der
Torf auch mit dieser weitaus nicht in Weitbewerb treten.
Vielnmehr ist der Torf der früher doch noch hin und wieder
ogar in die Städte Eingang fand, aus dem Großhandel
eßt völlig verdrängt worden. Trotzdem verschwindet die
Frage, was mit den Torflagern geschehen könnte, nicht von
er Tagesordnung und diese dauernde Aufmerksamkeit, die
hnen gewidmet wird, ist auch begreiflich, weil diese Reser—
dire von Naturkraft an NAusdehnung das ersetzen, was
hnen an Inhalt der räumlichen Einheit abgeht. Nament—
ich innechalb des ganzen Erbicls, das von der großen
Eiszeit heimgesucht würde, also Nordeuropa bdis an die
deutschen Mittelgebirge und ein noch größerer Teil von
Nordamerika, ist ungeheuer reich an Torflagern, die unsert
rfindern immer neue Stosse IAuVorschlägen ihrer Ans—
mutzung geben. Dr. Gissigo hat jetzt in einem besonderen
Werk at ve 3— nent— Noôo

Und gerade sie gefiel im Vande der dunkeln Jlallte—
nerinnen aͤusnehmend, ihr goldiges Haar glänzte durch
den Gegensatz dort noch goldiger; ihr weißes Gesichtchen
den dort noch zarter, die blauen Augensierne dort noch
heller, kindlichet, als auf deutschem Boden. JF
Ich könuͤte es nicht ertragen, daß ein fremder Mann
Dich mir entführte,“ Ve Roderich, „ohne Dich müßte ich
unglücklich werden! Thue es mir zu lieb, Erna, bleibe
dnpenahil. und wenn ich selbst verheiraltet bin, ziehe zu
nir FB
„Nein, wahrhaftig,“ lachte sie, „das nenne ich aber
doch bescheiden und uneigentueng sein; ich sollte wohl die
armen Eltern verlassen. wein nar Du versorgt bistl“
7
Die table d'hote ist dicht beseßt. Nur neben Graf und
Gräfin Bertholdsheim sind noch zwei leere Stühle. Da
zffnet sich die Türe, und Arm in Arm treten die Ge—
schwister ein, Erna init etwas verweinten Augen.
„Warum hast Du denn heute zu Tisch nicht Toilette
gemacht?“ fragte die Mutter.
„Frage Roderich, liebe Mama, er kam in mein Zim⸗
ner und wollte sich durchaus nicht eutfernen, nur, wie er
agte, damit ich verhindert sei, eine Zierpuppe aus mir
zu machen. Ich wollte ohnehin nicht in dem Morgenan—
ug herunterkommen, aber der Tyhrann 2090 mich mit hier—
er!“
Erna hatte weden der anwesenden Fremden leise ge—
sprochen. Ein sirxenger Blick der Eltern traf den Sohn,
wiewohl sie an dem öffentlichen Ort nichts weiter sagten.
Oft und oft schon hatten sie versucht, es Roderich be—
greiflich zu machen, daß Erna sich einmal verheiraten
vürde, und daß er diesen Gedanken erfassen lernen müsse;
aber es war vergeblich! immer wieder betrug er sich im
„öchsten Grade unvernünftig, wenn er sah, daß sie sich
schmückte, fFür Andere“. saate er. oder wenn üe anderen
gefiel

Jn den Sälen des Palastes Torregiani, ersirahlt der
Glanz unzähliger Lichter, welcher die Elite des einheimi—
schen und auswärtigen Adels bescheint.
Gleich einem wogenden, von der Sonne beschienenen
Meere wällt die Flut flimmernder, mit funlelnden Edel—
teinen besäter duftiger Kleider eitler Tänzerinnen im Fest-—
saal dahin. Unter den Ballgästen befindet sich auch ein
noch sehr junges Mädchen mit tiefsschwarzem Haar, senjenden
 Augen, erhitzten Wangen und blißzenden Zähnen,
mit welchem Roderich Bertholdsheim auffallend oft im
Tanze dahinfliegt. *
—BGHeidellschaftfich hsiet eßs 2u Bm embpvor., reizend er—⸗

auͤber die Möglichkeit der Torfverwertung empfohlen worder
st, und man kann daraus eine gute Uebersicht gewinnen
Nach einander werden beschrieben die Herstellung von Al—
kohol aus Torf, die Herstellung von Torfstreu, von Torf—
—D D00
Brennmaterial nach den ältern und neusten Verfahren
vor allem aber die Erzeugnisse, die durch eine Destillation
des Torfs erzielt werden. Die vielen Versuche, die Haupt—
sächlich während des letzten Jahrzehnts mit der Bewirtschaf—
tung der Torslager gemacht worden sind, lassen sich Haupt—
sächlich in drei Gruppen unterscheiden; einmal die Ver—
wvandlung des Torfs in einen bessern Heizstoff, ie Erzeu
hung von Kraftgas aus Torf und die Benutzung der Tori
fasern zur Fabrikation von Alkohol, Papier und anderen
Waren. Das Hauptsächliche Hindernis in der Verwandlung
des Torfs zu einem Heizstoff, der gleichzeitig gut und bil
lig genug ilt, liegt in der großen Wasserinenge die in frisch,
zeschnittenem Tori enthalten ist, und in der Notwendingkeir
iner Steigerung der geringen Heizkraft. Tie Enfernung
des Wassers durch Pressen oder andere mechanische Mittel
oder auch durch erhitzen hat sich immer wieder als unzu—
länglich oder als zu kostspielig erwiesen. Dr. Gissing ver—
trit die Ansicht, daß im Vergleich zu dem gewöhnlichen
Verfahren des Trocknens an der Lust noch durchaus keine
Verbesserung erzielt worden ist. Jenes gewöhnliche Trock—
nen aber ist wieder ganz von den Gesetzen oder Vaunen
des Kamas abhängig. Zum mindesten müssen die Trans—
portkosten fortfallen, und daher kann der Torf als Brenn—
material innner nur für Anlagen in unm'ttelbarer Nähe
der Torflager in Betracht kommen. Aehnlich steht es um
die Verwertung der Gase, die zu Kraftzweeken aus dem
Torf entwickelt werden können. In einigen Fällen hat sie
gute Ergebnisse erzielt, namentlich in Gasfabriken unten
zleichzeitiger Gewinnung von Amoniak als eines Nebener—
zeugnisses. Auch diese Verwendung aber wird einen gib—
heren Umfang kaum annehmen, so lange nicht ein größerer
Mangel an Vohle eingetreten sein wird. Vom Torspepie
und Torfalkohol erwartet Gissing auch nicht ollzuviel. Von
einer Tonne wasserfreien, leichten, von der Oberfläche ge—
nommenen Torfs kann durch Pydrolyse ungefähr eine Vier—
teltonne ven Zuckerverbindungen gewonnen werden, und
wenn diese in ihrer ganzen Menge vergärungsfähig wären
so würden sich daraus ungefähr 180 Liter Alkohol ergeben
Könnte dieser Ertrag als Durchschnitt angenommen werden
so würde das Verfahren als sehr lohnend bezeichnet werden
müssen. Das ist aber nicht im geringsten zu erwaren.
Nur ungefähr die Hälfle jener Zuckerverbindungen nähmlick
besteht aus sogenannten Pentosen, die einer Gärung nicht
fähig sind und infolgedessen kann der mögliche Gewinn von
Alkohol auf je eine Tonne trockenen Tors nur auf höch
stens 90 Liter veranschlagt werden. Wenn aber nicht Ober
flächentorf bei der Fabrikation verwandt wird, so kann der
Ertrag bis auf 25 Liter pro Tonne sinken. Er miüßte
aber wenigstens 70 Liler betragen, damit der „Torssprit“
mit dem Kartoffelsprit einen Wettbewerb aushalten kann
da bei diesen wertvollere Nebenerzeugnisse gewonnen wer—
den als bei der Torfverarbeitung. Die Herstellung vor
Torfstreu und Torfwolle ist vorlänfig wohl noch diejenigt
Art der Torfverwertung, die am ehesten einen hinreichender
Gewinn verspricht.
Kohlenhandel. Die Konstellation der Verhältnisse, an
sfüddeutfchen Kohlenmarkte ist eine derartige, daß mit eine
Besserung der Absatzverhältnisse wenigstens nicht in den
Umfang gerechnet werden kann, wie dies wünschenswert wäre
Wohl hat die Industrie neuerdings ihre Bezüge etwas
erweitert, aber was will dies bedeuten angesichts der vol
gepfropften Läger in allen Sorten. Wenn auch hier und
da von den Lägern effektuiert werden konnte, so trat doch
eine in die Augen springende Abnahme der Vorräte nich
ein. Im Gegenteil, diejenigen Quantitäten, die vom Lage
gingen, wurden durch neuangekommene Ware reichlich ersetzt
FTnappheit im Angebot ist infolgedessen auch in nächster
Zeit nicht zu erwarten. In Hausbrandkohlen lag das
Heschäft, wie immer im Sommer, ganz darnieder Di
Vorräte darin sind geradezu drückend groß. Wenn es eine
Sorte war, die vorzugsweise begehrt wurde, so waren die
Anthracitnüsse, die wahrscheinlich aber nur wegen de—
billigeren Sommerpreise Interesse fanden. Das Geschäs—
in Koks schleppte sich träge dahin bei starken Vorräter
Pariser Gaskols macht der einheimischen Ware starke Kon—
kurrenz durch die billigen Angebote, die an unsern Mark
gelegt werden. Im Brilettgeschäft fehlte gleichfalls der
rege Zug vollständig. Daher konnten denn auch die süd—
deutschen Brikettfabriken nur beschränkten Betrieb unterhalten
Das Angebot an englichen Kohlen ist andauernd stark und
bei den billigen Preisen, die man dafür verlangt, gelang
es diesen Provinzen, mehr und mehr festeren Fuß i
unferem Absatzgebiet zu fassen.
ssteuerzahlung. Bei der Gemeindekasse ist zurze
nden Kaffenstunden großer Andrang von Steuerzaählerr
ix machenn vaher daroef ausmerksam, daß Steuern un
Vjerit esv in jrericiu untific ruuorichnen 5
Jetzt aber verläßt Roderich das Madchen, um nach
Erna zu sehen, denn di tanzt immer wieder mit demsel⸗
ben hübschen italienischen Prinzen.
„Wie reizend ist Giuliettal“ ruft sie ihm entgegen,
ich bin ganz entzückt von ihr, lieber Roderich!“
Ta sieht aber Giulietta schon neben ihm; ganz un—
schuldig wie ein Kind sagt fie in französischer Sprache 3
Ich tanze heute nur mit Ihnen, sonst mit Niemand.“
Roderich ist hingerissen; er vergißt im Augenblick so—
gar auf die Gefahr, der Sqhiwesier beraubt zu werden,
legt seinen Arm unmn die schlanke Mitte des jungen Rädchens
 und wirbelt mit ihm beim Aenn der — in
Saale umher, bis cö Im wirr im Kopf, wird
esvlich steht er sinll, sie Jegt ihren, rurden Urin, in
den seinen und zieht ihn mit sich fort in den Nebensaal.
wo ein reiches Buffet aufgestellt isi. **.
Selne Sinne, die schon von der Anmut der ihn völ—
rig bezaubernden Südländerin berauscht sind, vertragen
nur pht den schäumenden, betäubenden Champagner.
hon dem er ein Glas nach dem andern leert.
Zum Schlusse des Feltes siebht et Kand in Hand mil
Hiulletia, der er leine Siebe ertisrt und um deren Hand
er wirbt. 3
Freudetrunken eilt sie zu ihrer Mutter, wo eine förm⸗
liche Verlobung siattfindet, denn der junge Graf Bertold—
heln i in FSlorenz' schon bekannt als eine gute Partie
nd Gimietta's Muüitter' un stolz, daß ihr Kind, welches
ihren ersten Ball besucht, den Sica über alle die anderen
avonträgt. J
Den rauschenden Gebirgsströmen gleichen in ihrer
Eille die Veranuzungen der Welt. Auf diesem Balle hat—
sen sich zwei Venschengeschide entschieden und doch waren
die bielen Stünden enislohen wie ein einziger Augenblick
unbedacht von Roderich, zu ihren Zoeden gut ausgeniitz
don der ebento reizenden'als geschidten jungen Italieneri
Es war Miltao. als Roderich nach dem Palle —
wachte.
Sangsam kam ihm die Erinnerung des Geschehenen
Er oerbleichte und erhob sich in seinem Vett, wie un
besser zu sich zu kommen, aber es blieb Wirklichkeit. Nein,
ez war kein Traum gewesen, er hatte sich wahrhaftig und
allen Ernstes mit Giulietta verlobt. Rasch kleidete er sick
an und —3 taumelnd, zu dem Zimmer seiner ge
h Schwester.
lietter ¶ n ich herein?“
S ja, ich bin bereits angekleidet, auf welche er ir
vas Zimmier trat und vor der Chaiselongue, auf der di—
Suwoden ruhte, auf die Knie stürzte.
Was Hhabe ich getan, ich Unglüdlicher! Was hab—
355 “æetöent“ rief or herrweissunasvost
            
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