Full text : Dudweiler Zeitung

stummer 134.
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Postschließfach Nr. 14.

ODienstaqg, den 14. Juni 1910.

23. Jahrgang.
Postschließfach Nr. 14.

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— ——— — —
Inzwischen fährt die ägyptische Presse fort, die wu—
tendsten Angrifse gegen Roosevelt zu schleudern. „El
Alam“, das offizielle Organ der nationalistischen Partei,
ichreibt, wie aus Kairo berichtet wird, an leitender
Ztelle unter anderem wie fsolgt: „Sie (Roosevelt) haben
zezeigt, daß ein Mann wilder sein kann, als hungrige
wölse, als Sie Tiere töteten, nur um Ihre verdorbene
Natur und Ihre satanischen Instinkte zu befriedigen. Sie
waren im Kriege mit Spanien einer der ersten, und um
Sie als einen Schlächter der Menschheit und einen Mör—
er zu erweisen, bezeichneten Sie die Tierschutzvereine als den
zrößten barbarischen Mörder des zwanzigsten Jahrhun—
derts. Ihr Vater liebte das Bluwergießen. Kein Wun—⸗
zer, daß Sie diese Natut geerbt haben, die Umgebung
ind Erziehung noch verstärkt haben. Ihre Trauer um
en Verlust der Präsidentschaft und dem Sturze Ihrer
Nacht beernflußte gleichfallns Ihr Nervensystem. Der Be—
uch in Afrika mit seiner sengenden Sonne und tödlichen
zitze vernichtete den letzten Rest Ihres Verstandes. Als
Zie nach Aegypten kamen, hielt man Sie für gesund, da
nan nicht wußte, daß Sie Ihren Verstand verloren hat—
en.“ Der Artikel schließt mit den Worten, da alle Symp—
ome zeigten, daß Mr. Roosevelt irrsinnig geworden sei,
ollte er in eine Irrenanstalt gebracht werden
— ü— üüüü — —
Eine Kritit.
Die Ergebnifse der PrinzHeinrich—
rahrt unterwirft Geheimrat Dr. A. Riedler in der
Voss. Zig.“ einer scharfen Kritik:
Die Industrie kann vom Sport nicht leben, bei uns
venigstens gewiß nicht, sondern nur vom gewöhnlichen
zdäufer, und für diesen bedeuten die Ergebnisse der Prinz
zeinrich-Fahrt eine maßgebende Bewertung der Wagen.
ẽrstklassig wird genannt, was siegt. Der beste aller
kourenwagen kann aber überhaupt nicht siegen, sondern
iur der raffiniert überlegte Rennwagen. Der Sieg ist
iberhaupt nur durch Wagen zu erringen, die für den
dennzweck besonders ausgeklügelt sind. Die Rennwagen
er Prinz Heinrich-Fahrt, das ist wörtlich zu nehmen, sind
n allen Teilen das Gegenteil eines guten, brauchbaren
Vagens auch für Sportzwecke. Ja, noch schlimmer: diese
dennwagen sind so einseitig ausgeklügelt, daß sie nur der
igene Rennfahrer fahren kann; selbst der beste fremde
Fahrer würde sie in kurzem zuschanden fahren, Die „Renn—
irmen“ wären schon längst froh, wenn sie aus der kost⸗
pieligen Unfruchtbarkeit wieder heraus wären. Sie kön—
ien aͤber nicht; es würde ja als Schwäche, als Furcht
zedeutet werden, und so geht der böse Zirkel weiter.
Auf jedem der Rennwagen der Prinz Heinrichfahrt ruhen
20 000 bis 30 000 Mark Selbstkosten. So kostet jede Fahrt
»er Industrie viele Millionen. Armer Käufer, die sollsi
u zahlen. Seit einem Jahrzehnt wird der Käufer durch
ßaradezahlen übel beraten und mißleitet. Die Folgen
ind: maßlose Ueberschätzung von Höchstleistungen, maß—
ind nutzlose Ansprüche des Käufers auf Höchstleistungen,
ie er gar nicht brauchen kann, außer zu Geschwindig—
eitserzessen, um die vielen Pserdekräfte, die der Wagen
m Leibe hat und die soviel Geld gekostet haben, doch
uch auszunutzen. Jeder planmäßige Fortschritt ist bela—
tet durch den Alpdruck der Rennbewertung, durch kost—
pieligen Ballast, durch Zufallsergebnisse, die den Mark
ceinflussen. Unsummen von Intelligenz, Zeit, Arbeit und
zjeld werden ernster, fruchtbringender Arbeit entzogen
diese steht immer dem Vabanque-Spiel gegenüber, der
zpekulation auf den Glücksfall und auf den Käusfer, der
ich durch Rennerfolge imponieren läßt. So wird wirk—
icher Fortschritt gehemmt oder doch dauernd erschwert.
das maßgebende Ausland hat den Rennen längst den
tücken gekehrt. Die Motive hierzu sind richtigem wirt—
chastlichen Geiste entsprungen, der ernste Arbeit nicht
auernd einer Zufallsbewertung ausliefern will. Dadurch
ind Millionen an Nationalvermögen erspart worden. Die
iesigen Opfer an Arbeit, Zeit und Geld, die die deutschen
zeranstaltungen gekostet haben, hätten für planmäßiger
sortschritt besser verwertet werden können. Sicher ha
ie edle Initiative und Ausdauer des hohen Förderer?
er großen deutschen Veranstaltung ein richtiges Ziel im
luge gehabt. Das Zerrbild, das dann daraus ensstan
den ist oenspricht sicher nicht dem. was angestrebt wurde.

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Sunk anzu eigen, auch muß sich der Verletzte innerhalb MSanteden nach dem Unfal in ärztliche Behandlung begeben. Todesfälle müffen son
Anischleß, die vom Verlaze oder von der Nürnderger, Lebensbersichetangs-Bank zu beziegen sind v 0 ¶
oet — — ———— — ———
eingehende Bekundungen uber die von ihm vorgenomme
nen Schießversuche. Nach einer Reihe von Fragen des
Staatsanwalts und eines Verteidigers gibt der Sachver—
ständige zum Schluß sein Gutachten dahin ab, daß kein
Versager der Pistole des Majors von Schönebeck vorliege.
der nächste Sachverständige, Büchsenmacher Zsschisesche
Sensburg) sagt in gleichem Sinne aus. Eine lange
Erörterung entspann sich über die Frage, was für einen
znall die Pistole gibt, mit der Hauptmann von Göben
die Tat ausgeführt hat. Kriegsgerichtsrat Conradi
hat festgestellt, daß man oben im Zimmer der Frau vor
Schönebeck einen lauten Knall gehört habe. Allerdings wa
ren bei diesem Versuch sämtliche Möbel bereits aus der
Villa Schönebeck herausgeräumt worden. Sachverständi—
ger Zich meint im Gegensatz dazu, daß die Pistole zwar
einen scharfen, aber kurzen und nicht allzu kräftigen Knal—
gibt. Weiter werden drei Musketiere vernom—
menn, die in der Mordnacht am Schlosse in der Nähe der
Villa Schönebeck Posten gestanden haben. Alle drei ha—
hen einen Herrn in grauer Jagdjoppe mit einer schwarzer
Feldmütze ohne Schirm die Straße entlang gehen sehen
bezw. vor der Haustür der Schönebeckschen Villa stehen
bleiben sehen.
Die Verhandlung wird hierauf geschlosen und auf
Wunsch der Angeklagten und ihrer Verteidiger vertagt
ind zwar auf Dienstaa früh.
* 8 jJ —F5 —777 0
Die neue Kaiser Wilhel m⸗Akademie.
Die neue Kaiser Wilhelm-Akademie für militärärztli—
hes Bildungswesens ist am Freitag in Berlin, in Ge
genwart des Kaifers ieierlich eingeweiht worden. Dats

IäI

Roosevelts Heimkehr.
Dder Expräsident Roosevett hat von Southampton aus
it oem Dampfer „Kailerin Auguste Viktoria“ die Rüchk—
ise nach den Vereinigten Staaten angetreten. Nach den
erichten zu urteilen, die über die Vorbereitungen zu sei—
em Empfange in New-York hierher gesendet werden, wird
r. Roosevelt von seinen begeisterten Mitbürgern ein
upfang bereitet werden, wie ihn wohl kaum ein sieg⸗
ich aus dem Kriege heimkehrender König je erhalten
Die „Rückkehr von Elba“ nennt man in den Ver⸗
igten Sigaten die Heimkehr Roosevelts nach seiner
bfitgewählten „Verbannung“. Ein Bild, das den Exr—
ifidenten am Grabe Napoleons mit der Unterschrift
ziedererstehung“ darstellt, wird in großen Mengen ver—
ft, und bei seiner Landung wird man Mr. Roosevelt
gen, wie sich ein Korrespondent ausdrückt, „daß er
nerika besitzt“. Das Volk bereitet sich in seiner Ueber—
pwenglichkeit darauf vor, ihn als das dauernde Ober⸗
jupt das Landes zu feiern, und politische Schwierigkei—
nund Probleme, die seit seiner Abreise nach Afrika
etghoch angewachsen sind, werden ihm mit dem einsa⸗
en Glauben und Vertrauen unterbreitet werden, daß er
Weg aus dem Irrgarten der Regierungskonfusion zei⸗
werde, die jetzt in den Vereinigten Staaten herrscht.
oermann wird ihm seine Sorge vortragen wollen.
olliers Weekly“, eine der einflußreichsten amerikanischen
eitschriften, hai ein Plebiszit eingeleitet über zwölf bren—
ende lokalpolitische Fragen, nur um Mr. Roosevelt das
gebnis unterbreiten zu können, damit er sieht, was die
ntliche Meinung von ihm verlangt. Niemals zuvor
die Bevölkerung New-Yorks so bereit gewesen fein,
„demonstrieren“, wie für Mr. Roosevelt. Zum Em—⸗—
age des Expräsidenten ist vom Bürgermeister Gaynor
1New⸗York ein Nationalkomitee ernannt worden, und
udem dieses Komitee mit der Organisation einer gro—-„Parade“
 begonnen hatte, mußte es den Gedanken
»der fallen lassen, weil die Beteiligung so groß zu
cden versprach daß der Vorbeimarsch über 24 Stunden
Anspruch genommen haben würde.
Mi. Roosevelt wird jedoch mit einer Eskorte von
uhreitern und berittener Polizei vom, Hafen durch den
coadway über den Washington Square durch die fünfte
venue nach der 59. Straße sahren. Dieser Weg ist etwa
Jünf englische Meilen lang, und die Abordnungen von
Wereinen und Städten, die an dem Zuge teilzunehmen
dünschen, werden auf dem Wege Spalier bilden. Hinter
m vier Glieder tiefen Spalier wird das allgemeine Pu—
kum Aufstellung nehmen, und man erwartet, daß min—
sens eine Million Menschen sich dabei ansammeln wer—⸗
Die Polizei hat bereits die umfangreichsten Vorkeh—
zen getroffen, um diese riesigen Menschenmassen in
ung zu halten, und an der Route werden vier Feld—
atäler und eine ganze Reihe Unfallstationen eingerich—
nerden. Auch auf den Stationen der Untergrundbah—
verden Rettungswachen eingerichtet werden.
der Dampfer „Kaiserin Auguste Viktoria“ wird am
zuni, morgens 9 Uhr, an der Quarantaäne-Stalion
n fsen. Die Beamten der Hamburg-Amerika-Vinie ha—
en vereits angeordnet, daß die Ankunft pünktlich zu der
agegebenen Zeit stattzufinden hat, und daß die Ge—
windigkeit entsprechend einzurichten ist. Ein kleiner
ampfer mit dem Empfangskomitee wird der „Kaiserin
ugusie Viktoria“ bis zur Quarantäne-Station atgegen⸗
ihren und Mr. Roosevelt an Bord nehmen. Sein Ge—
ack wird ohne Zolluntersuchung gelandet werden, ein
öflichkeitsakt, der ihm nur zuteil wird, weil er als au—
rordentlicher Botschafter die Vereinigten Staaten bei den
eisetzungsfeierlichteiten des Königs Edward vertrat und
rher auf d⁊ Privilegien eines Botschafters Anspruch
it. Nach der Landung wird im Battery-Park eine kurze
mpfangszeremonie staltfinden, bei der Bürgermeister
aynor eine Ansprache an Mr. Roosevelt richten wird,
nd dann wird die Fahrt nach der 59. Straße angetre—
n werden, wo ein Gabelfrühstück eingenommen werden
ird. Präsident Taft wird an der Begrüßung Roose—
elts nicht teilnehmen. Die Politik wird bei dem Em—
jange gänzlich ausgeschlossen werden, aber dies wird
ahrscheinlich nur für den Tag der Landung gelten, und
ian erwartet, daß Mr. Roosenelt sich sofort in den vo—
tischen ame νοα

Tuͤrkei.
* Der ariechische Gesandte Gryvparis in Konstanti
topel ist bet den Botschäftern vorstellig geworden, um d
Aufmerisamleit der Mächte auf die wachsende Boykott—
»ewegung und die angedrohte Ausweisung der Griechen,
owie auf die Aufreizung gegen Griechenland, die einen
gefährlichen Grad erreicht haben, zu lenken. Der Gesandte
erfuchte die Mächte um Intervention bei der Pforte. Die—
sem Wunsche wurde seitens einiger Botschafter, beson—⸗
ders im Hinblick auf die Ereignisse in Smyrna, bereits
nisprochen. Gryparis erhob auch bei der Pforte ge—⸗
zen die Boykottbewegung Protest.
* Der letzte stattgefundene Ministerrat sprach sich
egen den Bohkott und den Krieg mit Grie—
euland aus.
Das Allensteiner Drama.
Nach der Wiederaufnahme der Verhandlung wurd—e
uine Reihe Beweisstücke vorgelegt. Die Beweis
tücke werden auf dem Gerichtstisch ausgebreitet und der
Beschworenen zur Ansicht vorgelegt. Die Angeklagte rückt
hren Stuhl weiter vom Gerichtstisch zurück. Die Vertei—
»iger suchen mit ihrem Körper den Tisch ihren Augen zu
ntziehen. Sodann wurde als Zeuge Rittmeister Graet:
Alleinstein) ausgerufen, bei dem Frau von Schönebec
nach der Tat min ihren Kindern Ausnahme gesunden hat.
ufs meα ore ιιν hranen MNAiten

Z

89

43

elände umfaßt 20 440 , Aat eine Breite
oon 140 Meter und eine Tiefe von 146 Meter. Die Ko—
ten der Bauausführung betragen einschließlich der neuen
kinrichtung gegen 6 Millinen Mart.
Von der Luftschiffahrt.
*Zeppelin 7.“ Direktor Colsman von der Deut
schen Luftschiffbau-Aktien-Gesellschaft in Friedrichshafen hat
der Ulmer Karnevalgesellschaft mitgeteilt, daß jetzt, nach
dem die Ferniahrt nach Wien und Dresden ausfälli, die
—— — ———— IUAAAMAIIIITEEZXEE
derĩet Besustigung Freude zu finden. Jñ das reserpierte
Zimmer trat er mit stillem Schauder ein.
Eine Zeitlang beteiligte er sich an der Forträumung
der zerbrochenen und der zufällig noch heilgebliebenen Por—
zellan- und Glaswaren und am Aufwischen der Bowlen
flecke. Bald jedoch zog er sich von dieser in doppelter
Bezirhung aufreibenden Beschäftigung zurück und über—
ließ den Löwenanteil an derselben dem Kellneriungen
Treu versah er dann seine Stellung, die ihm die kell⸗
nerische Leitung dos beginnenden Frühschoppens aufer⸗
legte, und genoß in einer freien Fünfminutenpause einen
sauern Hering und zugleich das süße Bewußtsein, ein fei—
ner Kerl zu sein. Diese beiden Trostgründe waren es,
die ihn heute ausrecht erhielten, wenn er eine Anwand
lung spürte, schwach zu werden.
Eine stille Stunde benützte er, um die Rechnung für
feinen Freund und Dutzbruder zusammenzustellen. Das
Abendessen war delikat gewesen, die Bowle köstlich, und
die Wirkung der letzteren kostspielig, so daß ein ganz an⸗
sehnlicher Betrag herauskam.
Wer indessen nicht erschien, um sich die Rechnung aus—
zubitten, war Neupel. Ein süller Argwohn beschlich den
Jutmütigen Kellner, doch tröstete er sich damit, daß jener
wahrscheinlich unwohl sei oder einzupacken habe. Der Nach⸗
mittag kam, aber kein Neupel mit ihm. Heinrich nahm
sich Urlaub und machte sich gemäß der erhaltenen Auffor⸗
derung zu einer Stunde, in der einige Fliegen die ein⸗
zigen Gäste der Restaurants zu sein —— auf den Weg
„Richtig, da ist Nummer 22. Hier wohnt also mein
Freund?“ Er trat ein und erfuhr nach einigen Anfragen
Herr Neupel wohne im dritten Stock.
Eine mürrische Frau teilte ihm mit, daß der Gesuchte
in der Frühe bereits abgereist sei. J
„Wa—as?“ stammelte Heinrich, „Ab—ge—reist?—“
Jawoll, abjereist: Ich bin man froh, dat ich mein
Jeld habe.“
„Wie hat denn Herr Neuvbel nicht immer prompt ge—
zahlt?“
„Ne, Männicken, det nich! Der brauchte sein Jeld zu
andere Dinge als Schulden berappen. Jetzt is er mang
die Polen, wenn dat nich ooch wieder ne Finte is. Sie
kriegen jewiß ooch noch wat von dem flotten jungen
Manne?“
IJq freilich! lispelte Seinrich.

4—
seure FfFreundschaft!
Humoreske von Adolf Thiele.
Nachdruck verboren.
Ach was, die ganze Welt ist doch nur Gurkensalat!
einst Du nicht auch Gu— Gustav?“ rief Karl Neupel
uat einer me rdig stoktenden Stimme. Dabei segtte er
n Weinglas o geschicht auf den Tisch, daß es umliel
zerbrach.
Der Angestammelte erwiderte nichts Gleich einem
agzezeichen gekrümmt saß er da, das Haar hing ihm in
blichen Strähnen ins Gesicht herab, und seine Augen
ven geschlossen.
Desto munterer bewiesen sich die anderen jungen Her—⸗
mit Ausnahme des einen, der schnarchend unter dem
sche lag, und eines andern, der herzbrechend schluchzte
ad bisweilen die Worte: „O, du mein allerliebstes Zuk—⸗
mäuschenl“ seufzte.
„Unser Karl soll leben, der Spepepepender unserer —“
Reiner, ward jedoch in diesem Augenblicke von seinem
ichbar uinarmt. Natürlich gossen sich beide den Inhalt
cer Gläser über den Rock. Zwei andere Herren began—
n zu walzen, wobei sie nicht verfehlten, einen Tisch mit
lern und Gläsern umzuwerfen. Die Lustigkeit des An—
ckes, den das ‚reservierte Zimmer“ bot, wurde daducch
schieden erhöht.
Mit ernster Micne blickte Heinrich in den Tumult,
inrich war Kellner und erfreute sich einer interessanten
agerkeit. Dem „Herrn Oberkellner“, wie er sich mit Vor—
be nennen hörte, waren derlei Szenen nichts neues.
e Ruhe des Philosophen, eine Eigenschaft, die beinahe
den Kellner schmückt, lag auf seinen bacenbärtigen
igen, während er das wilde Treiben der sungen Män—
betrachtete und sich dabei im stillen den tiefsinnigsten
binationen über das unvermeidliche Trinkgeld hinab.
Heute muzte entschieden etwas Erklecliches abfallen,
junger Kaufmann und alter Stammgast des Restau—
its gab heute seinen Freunden zum Abschied eine
ürzige Bowle und Herr Neupel hatte sich immer splen—
gezeigt.
Plötzlich stand Karl Neupel vor dem rechnenden
ann RAtt-o 2wei (iser vossageschenkt. wobei er dem

»owle⸗See auf dem Vische einen wesentlichen Zusuup cꝛ
hafst hatte, und war auf den erstaunten Kellner zuge
—X
„Heinrich! Mein Herzens-Heinricht Komm', wir
rüssen Brüderschaft machen“, rief der liebenswürdige junge
Nann, indem er dem Kellner ein Glas in die Hand
vrüdte. Ein tüchtiger Ruck! — und statt in den dazu be⸗
immten Mund, ergoß sich das Glas auf die Gewandung
es Angebrüderten.
Mit einer korkzieherartigen Bewegung wandte sich
deupel um, trat auf die Füße eines seiner besten Freunde
ind schenkte ein neues Glas ein. Wieder sprang er auf
Zeinrich los, stieß mit ihm an, umarmte und küßte ihn
md versicherte ihn seiner ewigen Freundschaft.
Der gutmütige Kellner war dunch diese Gefühlsaußs-⸗
zrüche des zwar angerissenen aber doch so feinen Herrn
ehr geschmeichelt. Er ließ alles mit sich geschehen und
saß auch bald mit am Tische, um in lebbafter Meise am
Vergnügen teilzunehmen.
Nicht lange währte es, als auch Karl unter den Tisch
rollte. Da er sich gleich einem Ertrinkenden an das Tisch—
zuch klammerte, so folgte ihm ein Teil der Gläser in
die Unterwelt nach. Nur das besonnene Einschreiten sei—
nes „Bruders“ Heinrich bewahrte die Bowle und den Rest
»er Gläser davor, diesem erniedrigenden Beispiele zu fol—
gen. Heinrich belohnte sich für seinen Opfermut natürlich
zurch einige Gläser Bowle, die er mit dem Appetite des
Löwen, der Blut geleckt hat, hinter die weiße Binde goß.
Auch die andern zechten noch eine Weile fort, so gut
ie konnten, und unterhielten sich dabei mit den üblichen
Zank⸗ und Versöhnungsszenen. Als sich noch ein dritter
‚u den beiden anderen unter dem Tische gesellte, bemerkte
Heinrich sehr witzig: „Die wollen da unten gewiß einen
ztat machen?“ Doch war er damit einverstanden, als sich
wei noch auf dem Gebiete des Kanonenrausches“ befind⸗
iche Herren an die schwere Arbeit begaben, die Unter⸗
rdischen aus ihrem Schlafe zu rütteln.
Man hatte endlich das schnarchende Trio so weit
ebracht, daß es mit fremder Hilse wieder auf eigenen
xüßen stehen konnte.
Bei der tumultuarischen Abschiedsszene ermannte sich
jer bespitzte Heinrich seines neuen Dutzbruder gegenüber
u einem schüchternen Winke betreffs der Zeche.
Afd nhaaturlick Serzensbrudber!“ uef Neuvel. indern

· Aeile i— — „Haätte es beinahe vergessen.
Uebermorben reise ich ab. Kommst wohl morgen einmal
zu mir? Morgen packe ich. Oder ich komme selbst, ganz
wie Du willst, Heinrich! Werde den Spaß schon in Ord—
nung bringen.“
„Na, dafür bist Du gut, das kannst Du noch bezah
len“, lachten einige der feinen Herren.
„Hier ist meine Karte“, lallte Neupel. Damit zog er
ein Täschchen hervor und warf einige Visitkarten in hei—
terer Weise gleich einem Taschenspieler in die Luft. Ich
wohne Linienstraße 22. Die Firma kennst Du ja, die ich
bertr —tr—tr—trat. Nun lebewohl, Herzens-Heinrich!“ —
neue Umarmung — „Auf Wiedersehen morgen!“
Lachend und jubelnd schwankte und stolperte die Ge
sellschaft hinaus. Der gutmütige Kellner half noch einem
von ihnen, der „lang hingeschlagen“ war, auf die Reine
und begab sich dann zur Ruhe.
Heitere Gedanken durchwogten sein bacleenbärtiges
Haupt. Wegen der Zeche hatte er keine Vesorgnis. Neu
»el war ja ein so feiner und liebenswürdiger Herr. Desto
nehr erfüllte ihn der Stolz, daß ihm ein so feiner Herr
Brüderschaft angeboten hatte, und das Bewußtsein seines
eigenen einnehmenden und eleganten Wesens, das den wah
ren Kellner nie verläßt, fühlte er durch diesen neuen
Beweis gekräftigt. „Ja, ich war immer ein feiner Kerl!“
waren die letzten Worte seines Monoloas, nach dem er in
tiefen Schlummer sank.
Der nächste Tag gehörte für Heinrich zu denjenigen,
von welchen man zu sagen »flegt; sie gefallen mir nicht.
Die Morgenröte wie das heitere Grün der Bäume und
Billards pflegt sich an einem solchen Tage vor dem Blicke
des Beschauers in ein gleichförmiges Grau zu verwan⸗
deln und der Geruch eines süßen und starkgeistigen Ge—
tränkes ruft zumeist einen grauenhaften Abscheu hervor.
Heinrich war infolge seiner verantwortlichen Stellung
eines dienenden Geistes niemals ein Verehrer des Bacchus
gewesen. Um so weniger konnte es Wunder nehmen, daß
es ihm heute erschien, als habe sich in seinem Kopfe ein
Tarussell etabliert. Wenigstens fühlte er ganz deutlich
zie drehende Bewegung dieser vergnüglichen Einrichtung,
owie das Herumtlettern der Kinder und das Ringelste—
hen, und ebenso deutlich hörte er bisweilen eine heitere
Musik ertönen.
Geinrich war indessen heute nicht !M ootimmt —
            
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