Nummer 131. 23. Jahrgang.
F Postschliehfach Nr. 14. — * —5 F — Posischliefach Ar. 12.
——6 75 — — 84 c— d — —83* 8 * E
5Ersqcheint 3084 J —DDD—— Anzeigen n
tãglich mit Ausnahme der Sonn⸗ und 4 4 F 4 —— — * 5 111644 kosten 10 3 pro Gspaltig Petitzeile
Feiertage. J 2 W * g — * Av * auswãrtige 153 4
Mt zwei Beilagen: dektamen —
Sonntadsblatt und heitere blätter... 80 4 pro aspaltige Petitze le.
Redaktion, Druck und Verlag von J Unterkeller⸗Dudweller. Bei Jahres⸗Abonnement höchster Rabatt.
J fmssiches Publikafionsorgan
—6 für die Bürgermeisterei Dudweiler.
nonatlich 70 frei in's Haus — — 2
gebracht, * .. ——
bei der Post bestellt A 225 pierteljährlich. Fernsprech⸗Anschtug Saardrucen Nr. 69, 259, 260 1. 1261
a a u wWeap FF F 3..tꝛ an
—
Zu einem ganz außerordentlich scharfen Angriff au
die Bernburgische Kolonialpolititk hol.
die „Deutsche Tageszeitung“ aus:
Wir waren keinen Augenblick im Zweifel, welches
die Gründe waren, die Herrn von Schuckmann von dem
Posten trieben, an dem seine Arbeit und seine Liebe hing
für uns bedeutete sein Abgang einen kolonialpolitischen
Verlust, der alle Dernburgschen „Erfolge“ reichlich wett
machte. Als es sich zeigte, daß er das gesamte Diaman
lengebiet einfach ohne Einschränkung, für eine lächerlich
gertnge Beteiligung des Fiskus und unter Ausschließung
jeder Konkurrenz. an die Kolonialgesellschaft vergeben
wollte. Da fiel es manchem seiner bisherigen Anhänger
wie Schuppen von den Augen. Und von Stunde zu
Stunde sank sein Stern. Denn immer mehr stellte es
sich heraus, daß er nur mit persönlichen Argumenten und
mit grund⸗ und achtlos hingeworfenen Verdächtigungen
arbeitete, daß er ein ganz falsches Bild von den Zustän—
den in Südwest gezeichnet hatte. Als der Herr Staats
selretär das groteske Malheur hatte, hier im Reichstage
mit stärkstern Worten zu beteuern, kein Mensch in Süd
west kenne die Lüderitzbuchter Denlschrift, in dem selber
Augenblicke, wo der südwestafrikanische Landesrat geger
eine Gesellschaftsstimme sich wie ein Mann hinter dies
große Anklageschrift stellte; als es offenbar wurde, da
die Männer, die der Herr Staatssekretär immer wiede
so verächtlich beiseite geschoben hatte, tadellose Ehrenmän
ner und dazu die Leute waren, denen wir in Wirklichtei
die Hebung des Diamantenreichtums verdanklen; als e
sich herausstellte, daß fast die gesamte Schutzgebietsbevöl
kerung mit samt den Beamten und den besten unserer al
ten Südwester in der Schutztruppe wie hinterm Pflug
innerlich in Aufruhr gegen ein Berliner Regime gebrach
war, wie wir es autokratischer und bureaukratischer noc
nie von weitem gesehen hatten; als schließlich der Herr
Staatssekretär sich auf historische und lyrische Argument
legte, die der Sachlichkeit ebenso widersprachen wie den
guten Geschmack: da stieg die Schale des Dernburgschen
Aredites hoch in die Lüfte. Und wenn es zu einer Ab
stimmung im Reichstage über die Diamantenpolitik ge
kommen wäre, dann hätte sie eine Dreiviertelmehrheit ver
worfen! In gewisser Weise könnten wir seinen Abschier
bedauern; weil wir den nicht beneiden können, der in die
sem Augenblicke eine außerordentlich verkannte Erbschaßs—
intritt.
Die „Köln. Volk 8331g.“ sagt außerordentlich an
erkennend über Dernburg:
Es ist richtig, daß Dernburg besonders in der letz—
ten Zeit viele Widerstände und Schwierigkeiten gefunder
hat. Daß der Rücktritt mit Rücksicht auf unsere Kolo
nialpolitik als wohltätig angesehen werden müsse, möch
ten wir nicht ohne weiteres zugeben. Gewiß sind wir of
mit seinem Vorgehen und seinen Plänen nicht einverstan
den gewesen, aber man kann ihm die Anerkennung nich
versagen, daß er in unsere Kolonialpolitik einen frischen
lebendigen Zug hereingebracht und zahlreiche wertvoll
Maßnahmen getroffen hat, die nicht nur seine Vorgänge—
verabsäumt haben. sondern die auch ein anderer an sei
ner Stelle nicht hätte zur Durchführung bringen könmen
Insbesoͤndere das Reichskolonialamt ist unter Dernburg.
Regierung zu einem der bestgeleiteten und am meisie
rfolgreich arbeitenden Reichsämter geworden.
ααOMO—
Interpellationen über die Enzyklika.
Abgeordnetenhaus.
Berlin, 9. Juni.
Die Tribünen sind stark besetzt. Am Ministertisch: Mi—
nisterpräsident v. Bethmann-Hollweg, Staatssekretär von
Schön und Kultusminister v. Trott zu Solz. Auf der
Tagesordnung stehen die drei Interpellationen über di—
BorromäusEnzyklika—
Zur Begründung der konservativen Interpellation er
hält Frhr. v. Pappenheim (cons. das Wort. Ir
keinem Reiche haben die inneren Kämpfe so nachhaluge
Wunden geschlagen wie in Deutschland. Das konfessio
nelle Friedensbedürfnis ist lebhaft in Deutschland, abe.
der konfessionelle Friede bedarf auch nirgends so sehr de
Pflege, wie in Deutschland. (Sehr richtig! rechts.) Wi
herlangen nun von der könialichen Staatsreaierung zu wis
Das Ende der Prinz Heinrich⸗Fahrt.
vu Homburg sind nach sechstägiger Reise die mei—
len Prinz Heinrich-Fahrer angelangt. Die meisten —
iicht alle! Ganz abgesehen von denen, die durch irgend
velchen Schaden auf der Strecke liegen geblieben sind und
abei soviel Strafpunkte einsteckten, daß sie aufgaben! Drei
Ppfer bleiben zu beklagen, Opfer, die das Flachrennen bei
zolmar forderle. Und — trotz aller Vorsicht! — auch die
Lürnberger Ankunft ist nicht ohne Unglück abgelaufen.
)en Fahrer trifft leine Schuld, gut! Er wurde satzungs⸗
näßig disqualifiziert; ebenfalls gut! Ist damit aber die
Ingelegenheit abgetan? Wir meinen, nein! Die drei
Zerunglückten sind das Opfer eines Wettrennens gewor—⸗
en, obwohl die Fahrtordnung in ihrem ersten Abschnitte
agt: „Die Prinz Heinrich-Fahrt ist eine internationale Zu⸗
erlässigkeitssahrt und kein Rennen!“ Gewiß sind die
chlimmen Begleiterscheinungen der früheren Wettfahrten
m Zeichen Gordon Bennetts und Herkomers nicht wie—
»er ausgetreten. Prinz Heinrichs prächtiges Silber-Auto—
nobil übernahm als Siegespreis die Erbschaft der Her—
omer⸗Fahrten unter günstigeren Aussichten. Aber — trotz
iller Wertschätzung einer mächtig aufgeblühten, sehr bedeu⸗
enden Industrie muß dies ausgesprochen werden! — ist
Henn ein Wettbewerb dieser Art überhaupt noch notwen⸗
ig? Die früheren Veranstalmungen haben unstreitig viel
ur Popularisierung des neuen Verkehrsmittels beigetra—
zen. Der Gedanle, sie durch andere abzulösen, die ledig—
ich die Zuverläfssigkeit abwerten sollen, war sehr schön.
Izn der Tat enthalten die Bestimmungen der Prinz Hein—
ich Fahrt soviel scharse Vorschriften, daß alles in schön—
tler Ordnung sein müßte. Man würde die Empfindung
ines strengen Wettbewerbes, einer vor den Augen der
dessentlichkeit liegenden Prüfung haben, wenn, a wenn
icht sonderbare Auswüchse die besien Absichten durchkreu—
en mürden. Da ist vor allem das Bestreben der Fabri—
anten, Wagen zu bauen, die in aller Form den hohen
Unsprüchen der Schnelligkeitsprüsung gewachsen sind. Aus—⸗
eklügelie, raffinierte Typen mit allen Finessen! Renn—
naschinen also! Solche Kraftwagen aber interessieren die
Braxis des täglichen Lebens recht wenig. Ihre Prüfung
nag sich irgendwo auf Rennbahnen oder besonderen Renn⸗
raßen vollziehen!
Bleibt also vielleicht übrig, die Flachrennen abzu—
haffen und nur eine Tourensahrt bestehen zu lassen!
lber selbst dann muß man steptisch bleiben. Ein unge—
jeurer Aufwand, eine große Verlehrsstörung sind unver—⸗
neidlich. Stehen beide wirklich noch im Verhältnis zu
»en Ergebnissen? Die Kraftwagen-Industrie hat sich durch⸗
gesetzt, sie bedarf dieser Sonder-Reklame nicht mehr. Im
ßegenteil, sie wird von Unfällen, wie denen der letzten
Tage nur Schaden haben. Ihr wird man das alles be—
asten, ihr wird man auch die Dutzende von „Pannen“
mechnen wollen, die auf der diesjährigen Fahrt eintra—
en Es geht hier letzten Endes wie der Zeppelin-Gefell⸗
haft im vergangenen Jahre. Man will 2u viel leisten
ind leistet weniger.
Sage man nicht, alle diese unliebsamen Dinge wür—
en auch sonst eingetreten sein. Leider gibts ja immer
oieder Unfälle. Aber sie ereignen sich nicht gewissermaßen
ꝛor geladenem Publikum. Sie werden kaum mit der
Fabrikmarke in Verbindung gebracht werden. Das alles
st auf den Tourenfahrten anders. Die Gefahr erhöht sich,
er Nachteil für Oeffentlichkeit und Industrie ist gleichmä⸗—
zig größer. Das ist auch bereits im preußischen Abge—
rdnetenhaus mit unverkennbarer Deutlichkeit zum Nnus—
ruck gebracht worden.
Der Automobilismus ist heute so verbreitet, hat so
iel Tausend brauchbare Führer, daß es durchaus genügt,
iesen im regulären Betrieb die Neuheiten der Erzeug⸗
mg zur Erprobung zuzuweisen. Ein Versager, der auf
iner Tourenfahrt der Hunderte unangenehm, so verhäng—
tisvoll werden kann, ist im normalen Wettbewerb der
Zysteme bedeutungslos. Und will man ein Uebriges: Die
ielgeschmähten, doch immer wieder beschickten Ausstellun—
gen mögen in die Bresche treten. Für uns aber siteht fest:
KReur die Praxis kann uns den wirklichen Sieger be—
ennen!
u.
—Vee —— D—
—— S)!4 11
Die Einholungeiner spanischen Kö—
rigin im Jahre 1701. Wir entnehmen folgendes
em interessanten Werke von Constance Hill: „Die Fürstin
Asini, Camerera-Mayor am Hose Philipps 5. von Spa—
Len“. (Aus dem Englischen übertragen von Frida Ar⸗
vid. Karl Weilers Un!versttätsbuchhaudlurng, Heibel⸗
2 Das junge Paar, das damals in Aaueras die
te Begegnung feierte, um dann ein schichalsvolles von
en schweren Stürmen des spanischen Erbfolgekrieges heim⸗
esuchtes Ehebündnis zu schließen, das schon nach 18
Jahren durch den Tod der jungen Königin gelöst wurde,
varen Philippß. von Spanien und Marie Luise von
Zavoyen, eine Tochter des Herzogs von Savohen und
üngere Schwester der Herzogin von Burgund. Phi⸗
ipp 5., ein Prinz aus dem Hause Anjou, war der Enkel⸗
ohn Ludwig 14., der nach dem Tode des schwachsinnigen
darl 2., als siebzehnjähriger Jüngling den spanischen
khron bestieg. Philippß. und Marie Luise von Sa⸗
oyen, die damals erst 13 Jahre zählte, waren im Sep⸗
ember 1701 zu Turin durch Stellvertretung getraut wor⸗
»en. Die Vermählung sollte nun zum zweitenmal zu
Figueras, einer katalonischen Grenzstadt, vollzogen wer—⸗
en und zu diesem Zwecke hatte die Fürstin Orsint, von
sudwig 14. der künftigen Königin als Oberhofmeisterin
eigegeben, die fürstliche Braut in Villa Franca in Em—⸗
fang genommen, um sie dem König nach Figueras ent⸗
egenzuführen. Wir lassen hier Constance Hill die reizvolle
Zzene selbst schildern: „Als Philipp bei seiner Ankunft in
figueras fand, daß Marie Luise desen Ort noch nicht
rreicht hatte, beschloß er, ihr entgegenzueilen; da jedoch
ie strenge spantsche Etikette dem König nicht erlaubt, die
zrenze zu überschreiten, so reiste er inkognito, nur von
enigen Beglektern umgeben. Als man sich dem Dorfe
zostelonovo näherte, sah er den Brautzug langsam auf
ch zukommen und bemerkte mitten in dem glänzenden Ge⸗
eite die goldene Sänfte, von Maultieren fortbewegt, in
elcher die Königin und ihre Camerera⸗Mayor saßen.
zhilipp stieg vom Pferde und lief auf die Sänfte zu, sich
is einen Boten des Königs ausgebend, der beauftragt
*ErtimbMoimnaoen üher das Befinden der könialichen Rei—
M
senden en zuztehen. Die Königin beantwortete ern
Fragen aufs liebenswürdigste und fragte selbst nach dem
befinden des Königs, als ihr aber eine Ahnung der
leinen Kriegslist kam, wurden ihre Antworten immer
reundlicher, bis sie zuletzt den Vorschlag machte, auszu—
teigen, damit man sich besser unterhalten könne. Der
dönig machte eine Handbewegung, um abzuwehren, aber
ie Braut, die nun völlig von der Identität des Ge—
iebten überzeugt war, nahm die Hand des Königs zwi⸗
chen die ihrigen und führte sie an die Lippen. Der König
vagte sich nicht zu erkennen zu geben, kehrte aber sehr
hefriedigt nach Figueras zurück“ — Gewiß ein allerlieb—
les Stückchen Romantif
wer Napoleon mit einem großen Teil der franzosisch.
Armee in Berlin einzog, da stoctte plötzlich Handel und
Wandel, und in der allgemeinen Angst löste sich dann aucs
tese erste Berliner Posteinrichtung auf. Die Post in ihren
jeutigen Gestalt ist in der Hauptsache ein Werk des Gene—
alpostmeisters Nagel, der im Jahre 1821 die ersten
Schnellpostbherbindungen schuf und am 1. Dezember 1827
Re neuorganisierte Berliner Stadtpost ins Werk setzte.
Die Kunst des Annehmens. Es wird
„iel über die Kunst des Gebens geschrieben — das An
iehmen jedoch erfordert vielleicht ebensopbiel Zartgefüh
und Takt, als das Geben. Wie oft werden Dinge ge—
schenkt, die ganz nutzlos oder das Gegenteil dessen sind
was wir gewünscht hätten; unsere Freude beim Empfang
und unser Dank dürfen deshalb nicht geringer sein. Ein—
gedenk der Worte: „Geben ist seliger den Nehmen“ sollter
vir die Freude des Schenkenden nicht durch unfreundliches
nürrisches Annehmen oder vielleicht gar Ausschlagen fei
ner Gabe verderben. Dieses ist einer der seltenen Fälle
wo Heuchelei erlaubt, ja geboten ist, denn nichts ist dem
Schenkenden kränkender und schmerzlicher, als wenn e
ieht, daß seine Gabe nicht die gehoffte Freude verur
acht. Man erinnere sich daher immer an seine gute Ab
icht, dann wird der Dank auch herzlich und die Freud
aufrichtig sein. Dieses gilt besonders beim Annehmer
don Geschenken Niedriggestellter oder Dienender, die of
ehr glücklich sind, etwas schenken zu können und sich di—
Nöglichkeit dazu vielleicht durch Opfer erkaufen. Ebenst
sst es unzart, wenn man sogleich ein Geschent oder einen
mpfangenen Dienst erwidert. Es hat dies den Anschein
ils wenn man sich zu erhaben fühlte, um etwas anneh
nen zu können, demütigt den Geber und erweckt in ihn
ie Befürchtung, daß man seine Gefälligkeit dem Eigen,
utz zuschreibe. Ein herzlicher Dank ist der schönste Lohn,
päter findet sich gewiß eine passende Gelegenheit, seine
dankbarkeit auch durch ein Gegengeschenk zu beweisen
durch den sichtbaren, lauten Ausdruck unserer Freude beim
xẽmpfang einer Gabe, sie sei noch so unbedeutend und
»ertlos, fühlt sich der Gebende am meisten befriedigt und
mofindet doppelt die Seliakeit des Gebens
* — &
1 W
Ecke der hausfrau. 3
— —
Gröhere Sorgfalt den Betten.
In einer lefenswerten kleinen Broschüre „Die Mit
arbeit der Hausfrau an den Aufgaben ber Volksgesund
heitspflege“ (Munchen, Otto Gmelin) widmet Emilie Eschbe
den Betten die folgende Betrachtung: Auch in den befter
deutschen Bürgerkreisen wird die Reinigung dieses wich
tigen Haushaltungsstückes nur in rein äußerlicher Weife
vorgenommen. Wenn die Matratzen einmal oder vielleich
auch mehrmals im Jahre an die Luft gebracht, gesonn
und geklopft werden, wenn die Ueberzüge in blendendem
Weiß erstrahlen, glaubt die Hausfrau in Regel, allen An
jprüchen an Reinlichkeit, allen gesundheitlichen Anforde
rungen in musterhafter Weise Genüge getan zu haben
Was verbirgt aber nicht alles diese glänzende Hüllel Un
eine Umfüllung des Bettes, eine Reinigung der sogen
Bettschläuche oder Betteinschüttungen vorzunehmen, be
darf es anscheinend immer eines großen Entschlusses oder
zanz besonderer Beweggründe. Andere Nationen, z. B.
die französische, scheinen in dieser Beziehung entschieder
weiter fortgeschritten zu sein. Schon im Elsaß sieht man
iberall auf den Höfen und sonst geeigneten Plätzen wäh—
nend des gangen Sommers und auch an schönen Winter—
ragen Frauen mit der Oeffnung und Umfüllung der Bet—
ten, mit dem Aufzupfen und der Reinigung des Füllma—
tertals und der Wiederzusammensetzung der gereinigten
Matratzen beschäftigt. Diese Frauen üben ihre Tätigkeil
als eigenartiges Gewerbe aus und bilden nach französt
schem Muster gewissermaßen eine geschlossene Zunft, die
auch als Wohnsitz gewisse Staͤdtteile bevorzugt und im
Adreßbuch als eine besondere Klasse der Gewerbetreiben⸗
den unter der Rubrik Matratzenmacherinnen“ aufgeführt
ist. Die Hülfe dieser Matratzenmacherinnen wird hier von
allen Schichten der Bevölkerung, von den besser situierten
Klassen sowohl, wie von den Kleinbürgern und Arbeiterr
umsomehr in Anspruch genommen, als der zu zahlende
Tagelohn bezüglich seiner Höhe in keinem Verhältnis zu
der Summe sieht, mit der in Norddeutschland der Tape
zierer“, im Süden der „Sattler“ seine Leistungen zu be—
merten yfleat. Es ist entichieden ein unserer innt qui se
Die erste Berbiner Post. Ueber hundert
Fahre sind es jetzt her, daß die erste Berliner
Briefposteinrichtung nach kaum sechsjährigem Bestehen ein
venig rühmliches Ende fand. Die Aeltesten der Gilden
ind Kaufleute hatten sie am 8. September 1800 mit
inem Kapital von 3500 Talern gegründet, und ihr den
chönen Namen „Fußbotenpost“ gegeben. Sie beföorderte
aur Briefe, die in Berlin aufgegeben und auch in Berlin
u bestellen waren. Die Hauptzentrale dieser eigenartigen
Zost befand sich in der Klosterstraße 41. TDoct versammel
en sich sämtliche Boten, ausgerechnet 13 an der Zah!
ind sortierten die Briefte. Im Sommer muscten sie bier
m Winter nur dreimal auf Bestellung ausgehen. Ein
zeichen, daß man auch damals schon eiwas auf Humani⸗
ät hielt. Das Einsammeln geschah durch besondere Bo—
en, die eine große Glocke mit sich führten und — ähnlick
vie jetzt die Milchverkäufer — ihre Ankunft den Berli—
iern durch lautes Klingeln kundgaben. Dann kamen die
Bewohner der verschiedenen Häuser auf die Straße hinab
und legten ihre Sendungen in einen en, den die Boten
muf den Rücken trugen. Der Preig für die Bestellungen
var 6 Pfennig für den Absender ußd 3 Pfennig fur den
ẽmpfänger. Auch Einschreibsendungen gab es damals
chon, doch wurde von dieser Einrichtung wenig Gebrauch
jemacht. Die Beamten der „Fußbotenpost“ hatte übrigens
mnuch eine Uniform. Sie bestand aus graunen Tuchjacken
ind ebensolchen Hosen, die mit pfirsichroten Ausschlägen
esp. Litzen verziert waren. Dazu irugen sie hellgelbe
besten. Die „Fußbotenpost“ hatte sich während ihres Be
tehens eigentlich recht aut heinihpe Wa im Jakre 1800