Full text : Dudweiler Zeitung

Frau von Schoenebeck vor den
2— *
Geschworenen.
Allenstein, 6. Juni.
Der Prozeß gegen Frau Toni von Schoenebeck Weber
vegen Anstiftung zum Morde hat heute früh
or dem Schwurgericht des Landgerichts Allenstein be—
sonnen. Die Antlage lautet auf Verbrechen, strafsbar nach
den Paragraphen 211 und 48 des Str.“G.«B. und dem 8
597 Militär-Str.“G.“B. 8 211 ist der Mordparagraph
ind 8 48 bestimmt, daß der Anstister wie der Täter zu
estrafen ist. 8 97 des Miilitär-Str.«“G.«B. ist angezogen
vorden, weil die Anklage in der Tat des Hauptmanns v.
Boeben nicht nur einen Mord, sondern auch eine Tät—
ichkeit gegen einen militärischen Vorgesetzten sieht. Den
ßorsitz in der Verhandlung führt Landgerichtsdirektor Geh.
zustizrat Broese-Insterburg. Frau von Schoenebeck-Weber
vird beschuldigt, den Hauptmann von Goeben zur Er—
nordung des eigenen Gatten, des Majors von Schoenebeck.
die in der Nacht vom 25. zum 26. Dezember 1907 er—
olgte, angestiftet zu haben. Am 28. Dezember wurde
inter dem Verdacht des Mordes Hauptmänn Hugo von
voeben, verhaftet, und es wurde die fri⸗g-gerichtliche Un—

R
7
v worhonebein· ajor v.Schõöne beck
ersuchung vor dem Gericht der 37. Division gegen ihp
ingeleitet. Schon nach ween Tagen legte Hauptmanr
»on Goeben ein Geständnis ab. Auf dieses Geständnig
zin wurde am 31. Dezember aush Frau von Schoenebed
inter dem Verdacht der Anstiftung zum Morde ir
daft genommen. Bereits Anfang Januar 1908 wurde di
Nordanklage gegen von Greben erhoben, waährend Frau
bvon Schoenebeck zur Beobachtung ihres Geisteszustandes in
ver Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Kortau interniert
vurde. von Goeben entzog sich am 2. März 1908 mit
einem Schnitt in die Kehle der weiteren Ge—
cichtsbarkeit. Das Gutachten des Königsberger Medizinal—
ollegiums äußerte begründete Zweifel an der Zu—
rechnungssfähigkeit der Frau von Schoenebeck. Dieses Gut—
achten gab die Veranlassuag zur Haftentlassung, die im
MNai 1909 erfolgte. Frau v. Schoenebeck suchte nunmehr
verschiedene Privatsanatorien auf und lernte in dieser Zeit
ihren jetzigen Gatten, den Schriftsteller A. O. Weber, ken—
nen, mit dem sie Anfsang 1910 in einem Londoner Vor—
ert eine neue Ehe einging. Die Anklagebehörde gab sich
nit der Entscheidung des Medizinalkollegiums nicht zu—
rieden, sondern rief die Wissenschaftliche Deputation in
Zerlin zur Abgabe eines Oherautachtens an. Frau vop

flaupimann v böeben
Schoenebeck wucde daraufhin in die psychiatrische Statior
der Kgl. Charitee überführt. Das Gutachten bezeichnett
sie zwar als eine schwer hysterische, psychopathische Per—
son, sagte aber weiter, daß sie zur Zeit der Tat nicht ir
einer die Verantwortlichteit ausschließenden geistigen Er—
rankung sich befand. Frau von Schoenebeck war inzwi—
chen mit ihrem Gatten nach Berlin übergesiedelt und
jatte in Charlottenburg Wohnung genommen. Hier wurd,
ie am 4. März erneut verhaftet und in das Charlotten
raer Nmisgerichtenoft nanie in— αν Gιι αα

Am andern Morgen hatte ich eine Ueberraschung. Auf
ein Geschrei von der oberen Erde kroch ich aus meiner
höhle und sah — die Felsen, die Föhrenwälder und die
zewaltigen Moore mit einer blitzenden Decke von bleu—
zend weißem Schnee belegt. So war nun alles dahin,
md neun Monate durfte ich nun die Rolle des Maul—
vurfs spielen. Zu meinem Troste wenigstens war es
nicht ganz so dunkel wie ich erwartet hatte. Ein gewis⸗—
es, trübe schimmerndes Licht lag über der Erde, ähnlich
vie ein Mondlicht, das durch Nebel bricht. Dabei blies
er Norowind gewaltig grimmig, so daß mir im Augen—
ilick die Nase gefror.
Es trat nun eine in der Tat seltsame Zeit ein, von
er man durchaus nicht fagen konnte, ob es Tag oder
Nacht, oder beides, oder keines von beiden sei. Die
Lampen durften nie ausgehen und qualmten so gewaltig,
zaß ich allen Ernstes für meine Lungen zu fürchten be—
zann. Das fürchterliche Orchester schwteg keine drei
Stunden hintereinander, und Tanzen, Essen, Kochen, Rau—
hen, Trinken und Schwatzen dauertien die gesainten 24
Stunden des Tages hindurch fort, ohne daß man von
Tag⸗ und Nachtunterschied irgend etwas merkte.
*Wer schläfrig war, schlief, bis er wieder wach wurde,
ind dann ging es von neuem los. Renntiere wurden ge⸗
üttert und gemolken, Birkenschüsseln wurden geschnitzt und
or mundaufsperrenden Zuhörern Geschichlen erzählt, —
iUles guf einmal. Meine Uhr war bald genau fo dumm
zeworden, wie ich. Ich trabte umher wie e'n Nachtwand—
er, sang, pfiff, spielte, schrie, tanzte, stieß mir an der
erwünscht niederen Decke gewallige Beulen in den Schä⸗—
del, kurz, ich dachte allen Ernstes, es sei Matthäi am
etzten. So verbrachte ich einen großen Teil des Win—
ers, wie Sie sehen, in prächtiger Abwechselung.
VUebrigens hocklen wir nicht den ganzen Winter unter
zer Erde, wie ich gedacht hatle. Bei schönem Weiter wur—⸗
en die Renntiere ausgetrieben, damit sie sich ihr Jutter
raußen suchten. Auch Jagdausflüge gab es, wir ver—
olgten die weißen Wolfe, die weißen Füchse und stellten
den Hermelinen nach. Einmal gab es auch einen Kamipf
ait einem riesigen Bären, dem etwas von der abergläu—
ischen Ehrfurcht zukam, die die Lappen vor dem „alten
ßroßvater Zauberer“ haben, wie sie sich nennen, und ded
ve Vorratskammern der hrapen Lappyen sa lande pfün—

iner Kaution von 50 000 Mark wurde sie nach wentgen
Sagen — ein bei einer so schweren Antlage in unserer
trafrechtspflege bisher unerhörtes Ereignis — auf freier
;zuß gesetzt. — Die Anklage folgert die Anstift
ung aus einer Reihe von Momenten. Sie meint, das
Frau von Schoenebeck aus ihrer unglücklichen Ehe sich hal,
Ffreien wollen, und daß sie daher in ihren Geliebten v
oeben gedrungen sei, den Gatten zu töten. Unter dem
Leihnachtsbaum soll sie ihm den Schwur zur Tat abge—
ommen haben, eine Darstellung, die Frau von Schoene—
eck auf das entschiedenste bestreitet. Ein eigenartiger Zu—
all will, daß Frau von Schoenebeck-Weber am heutigen
chicksalsschweren Montag gerade ihr 34. Lebensjahr voll—
Adeft

Zur Kretafrage.
Die Botschafter der vier Schutzmaächte wurden von
sren Rabinetten instruiert, daß die Konsfuln in Kreta
ngewiesen wurden, bei der dortigen ansübenden Gewal⸗
uf die Zulassung der muselmanischen Abgeordneten ohene
idesleistung zu bestehen. Weiter scheinen die
chutzmächte vor der Hand nicht gehen zu wollen. Dieses
irftige Resultat wochenlanger Verhandiungen dürfte in
onstantinopel einen Sturem des Unwillens her—
orrufen.
Her König von Griechenhand wird zwei
is vier Tage in Rom bleiben. Das „Giornale d'Italia“
deiß zu melden, das athenische Ministerium habe ihm ei
sen Vertrauensmann geschickt, der inkognito in Brindisi
elandet sei, und der den König darauf aufmerksam ma—
sen solle, daß die griechischen Nationalisien enischlossen
ien, seine Landung im Piräus zu verhindern, wenn er
icht die Erlaubnis der Mächte zur Annexion Kretas mit
ringe.
Die jetzige Haltung der kretischen Schutz⸗
täcchte gibt nach vielseitiger Auffassung Griechenland
ind Kreta das Recht zur Annahme, daß die Schutzmächte
uch in dem Falle höchstens einen formellen Einspruch er—
eben werden, wenn Griechentand durch die Akzeptierun—
er mehrfachen Untonsprotlamierungen Kretas das kreti
che Problem seiner naturgemüßen nationalen Lösung ent—
egenführt. Ein entsprechendes demnächstiges Vorgehen
zriechenlands wird somit nichts Ueberraschendes bieter
zunen. Die dann drohende türtische Kriegsgesahr wird
i Athen zwar nicht unterschätzt, indessen war stets das
zerbot der Schutzmächte gegen die Einverleibung das aus—
hlaggebende Moment für die bisherige Zurückhaltung
iriechenlands.
Von maßgebender französischer diplomatischer Steile
ird versichert, daß man den Zeitpunkt zur endgül—
igen Regelung der Kretafrage für gekom
en ansehe, wie sie ja sowohl die Türken als die Kreter
bst fordern. Indessen haben eigentliche Verhaͤndlunger
vischen den Schutzmächten über die endgültige Lösung
och nicht begonnen. Was auch die französische Presse
ierüber bringe, könne lediglich journalistische Arbeit sein
eutschland und Oesterreich stehe selbstverstaääͤndlich die Be—
iligung an den Verhandlungen frei, jedoch will man
icht den Eindruck erwecken, als wünsche man eine solche
zeteiligung. Dazu ist zu bemerken, daß denischerseits
ich zuständiger Auskunft eine Absicht der Teilnahme kei—
swegs besteht. —
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 7. Juni.
Krieger-Verein. Letßten Sonntag fand im Vereins—
»kale bei Kamerad Bayer eine außerordentliche General—
„ersammlung des Krieger-Vereines statt. Der Vorsitzende,
herr Rektor Knorz, eröffnete um 3 Uhr die Versammlung
nit einer kurzen Ansprache und erstattete Bericht über die
veschäftsktührung des Vereines im Allgemeinen. Hieraus
»erlas der Schriftführer, Steiger Wagner, die Protokollé
iber die letten Versammlungen, Vorstandssitzungen und
Festlichkeiten. Am 12. April wurden zwei Waisenkinder,
Lina und Ludwig Maul, von hier, Kinder des verstorbenen
Kameraden Ludwig Maul, durch den Schriftführer und
Leiter der Fechtschule Kamerad Wagner nach Osnabrück in
das Rente-Fink-Haus gebracht. Am 7. Mai beteiligte sich
der Verein durch eine Deputation mit der Fahne an der
im Ehrental stattgefundenen Einweihung für die im Feld—
zuge 1870,71 gefallenen Angehörigen des 8. Rheinischen
Inf.-Regts. Nr. 70 errichteten Denkmals. 2. Bericht der
Revisoren. Die Kassenrevisoren erklärten die Kasse und
Bücher revidiert, geprüft und in Ordnung gefunden zu
saben. 3. Verbandsfest. 4. Augustfeier. Der Verein be—
eiligt sich mit Musik und Fahne an dem Kreiskriegerver—
»andsfest zu Neudorf-Altenkessel und bei der 40jährigen
Alugustfeier in Saarbrücken. Ein Kamerad stellte den An—
rag, der Vorstand möge den Kapellmeister ersuchen bei
Lereinfestzüugen uns die alten bekannten Armeemärsche auf—
uflühren, nach welchem die alten Soldaten besser marschieren
önnen als nach den neuen Märschen. Dem Antrag soll
attgegeben werden. Der Vorsitzende wurde beauftragt den
interbliebenen des verstorbenen Kameraden Karcher den
'ank des Vereins abzustatteu. Der Vorsitzende wurde fer—
wbagttftraat Horrn Kamerad San —Rat Dr Spot

erte, bis ihnen schließlich doch die Geduld riß und sse
dem diebischen Meister Petz auss Dach stiegen.
Und welche Schlittenfahrten gab's nun erst! Welche
Lust, auf einem Renntierschlitten dahin zu fliegen, so
schnell wie ein Falke, wenn die Renntiere wie der Wind
iber die blendend weißen Moore dahinsausen. Als ich
iun endlich Vertrauen zu der halsbrecherischen Tour
aßte, und einmal selbst den Schlitten falren wollte, gin⸗
gen die Tiere mit mir durch und ich fiel auf den hart—
gefrorenen Schnee, daß mir sämtliche Gedanken im Kopf
urcheinanderkollerten. Dazu lachte Peter Bos und riß
einen nicht sehr kleinen Mund von einem Ohr zum an—
deren. Aber eine große Lust waren diese Fahrten trotz
alledem. Zweimal erfror ich auf einer solchen Tour und
nußte durch Schneeabreibungen wieder aus dem Jenseits
urüchgeholt werden. Die Gemütlichkeit hörle auẽ, als mich
ie Schneeblindheit besiel, und ich das Vergnügen hatte,
14 Tage in meiner Höhle im dunkelsten Dunkel zuzubrin⸗
jen. Wäre Peter Bos nicht gewesen, der mir sämtliche
geschichten von seiner Großmutter und seiner Urahne er—
zählte, während wir dabel rauchten und uns gegenseitig
gjewaltige Tabakswolken in das Gesicht bliesen, ich glaube,
s wäre mir schlimmer ergangen. Später setzte ich eine
5—chneebrille auf und der Schnee blendete mich nie wie—
er. So ging der Winter weiter. Einen gewaltigen
zchreck flößte mir der Gedanke ein, wenn ich einmal
rnstlich erkrankte, in die Hände des „Zauberers, des Me—
zinmannes“ zu geraten, eineß fürchterlichen Kerls, der
n seinem blauen Gewande so steif einherstelzte, wie ein
zrenadier Friedrich Wilhelms des Ersten. Und diesem
derl standen noch zwei Hexen zur Seite, alte, gnomen
afte Weiber mit spitzer, weißer Fuchsfellmütze. Diesem
ürdigen Trio würde ich in einem ernsten Erkrankungs⸗
alle in die Hände gefallen sein, die mich mit, Gott weiß
belchen, Tränken und Gebeten höchstwahrscheinlich in ein
esseres Jenseits befördert hätten.
*Doch dieser durchaus nicht erfreuliche Fall trat nicht
in, ich sang, tanzte und rauchte den ganzen Winter hin⸗
urch. Doch, daß ich nicht des herrlichsten Schauspiels
ergesse, das jemals ein Auge in Erstaunen gesetzt hat.
)Rie Nordlicher waren um die Mitte des Winters unmge—
jöhnlich häufig und glänzend. Einmal aber, als ich von
mer Schlittensahrt heimkehrte, erschreckte mich ein Aus—
un Refen Roᷣ MNia an meinem Lehen werde ich dies

läßlich seiner Ernennung zum San.-Rat die besten Glück—
wünsche des Vereines zu übermitteln. Mehrere Veteranen
und bedürftige Kameraden erhielten von Seiten des Kreis—
derbandes resp. des Kriegerbundes Unterstützungen von 20
hdis 50 M. Auf Antrag eines Kameraden wurde beschlossen
eine Fahnen- und Gewehrsektion zu bilden, welche bei Be—
erdigung verstorbener Kameraden zur Stelle sein kann.
Gewitter. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr entlud sich
ein Gewitter mit heftigem Hagelschlag. Der Niederschlag
von Hagel war von ganz kurzer Dauer, wodurch er in
Dudweiler nur ganz geringen Schade anrichtete. In Lieber—
gallshaus und Sulzbach hat es gar nicht geregnet — di—
Hroßstadt Saarbrücken hat dagegen Feld und Flur erqui
kenden Regen gehabt.
Beim Bezirksausschuß in Trier wurde ein Gewerbe—
reibender aus Dudweiler mit seinem Antrage auf Ermä—
zigung der Gewerbesteuer abgewiesen.
Fahrplan-Kuriosum. Der am h. v. Mts. in Kraft
jetretene Eisenbahnfahrplan für den Direktionsbezirk Saar—
»rücken weist neben wenigfachen gewiß anzuerkennenden
Verkehrsverbesserungen auch eine Merkwürdigkeit auf, die
aber freilich nichts weniger als einen Forftschritt darstellt.
Der Nachmittagspersonenzug Nr. 306 Bingerbrück-Saar—
drücken-Metz (ab Dudweiler 5,11 Uhr) trifft jetzt, weil sich
ür ihn in Nennkirchen infolge der dortselbst erfolgenden
Uberholung durch den neuen Schnellzug Nr. 148 ein Auf—
enthalt von 18 Minuten erforderlich macht, gegen früher
entsprechend verspätet, nämlich erst um 15,17 Uhr in Saar—
brücken ein — nachdem hier gerade eine Minute () zuvor
(5,16 Uhr) der Personenzug Nr. 211 Saarbrücken-Trier,
der lange Zeit hindurch als direkter Anschlußzug in Betracht
am, abgefahren ist. Dies wird namentlich von den Rei—
enden vierter Klasse, die doch wohl auch ein Anrecht auf
nöglichst schnelle Beförderung haben, schwer als ein Ubel—
tand empfunden; denn Durchgangsreisende in der Richtung
Zölklingen bis Merzig sind jetzt gezwungen, in Saarbrücken
»is 6,37 Uhr liegen zu bleiben, während solche über Merzig hin—
us sogar bis 8,06 Uhr abends warten müssen. Die Königl.
kisenbahndirektion Saarbrücken ist bereits ersucht worden,
enes Fahrplan-Kuriosum baldmöglichst zu beseitigen und den
Anschluß des Personenzuges Nr. 306 an den Personenzug
r. 211 in Saarbrücken wieder herzustellen, was wohl
icher ohne größere Schwieriakeiten zu bewerfstelligen sein
dürfte.
Erblindet auf beiden Augen ist die 16 Jahre alte
Lina Klee in der Heuduckstraße in Saarbrücken. Das Mäd—
hen hatte sich abends zu Bett gelegt, ohne irgend etwas
nn seinem Befinden wahrzunehmen. Beim Erwachen mor—
zens merkte es, daß Blindheit auf beiden Augen eingetreten
var. Die Arzte glauben, dakß es sich um eine Gehirn—
rankheit handelt.
Spurlos verschwunden ist seit Mittwoch, den 25. Mai
zer Grubenbeamte Joseph Maury aus Kleinrosseln. Der
Mann fuhr am Vormittag des genannten Tages nach
Zaarbrücken, um einen Augenarzt zu Konsultieren. Nach
erfolgter Untersuchung entfernte er sich aus dem Sprech—
immer des Arztes. Seine Angehörigen die in dem Glauben
ich befanden, er habe in der Augenklinik Aufnahme ge—
unden, waren zunächst nicht beunruhigt. Da er jedoch
eine Nachricht gab, begaben sie sich am Freitag hierher,
inm sich über sein Befinden zu vergewissern. Hier wurde
hnen der Bescheid, daß der von ihnen Gesuchte am gleichen
Formittag abgereist sei. Man vermutet, daß dem Mann
n Unglück zugestoßen ist. Bis jetzt ist über seinen Verbleib
ichts bekannt geworden.
Unlautere Abmachungen bei Submissionen. Bei
iner Submission in Leipzig hatte eine Baufirma sieben
udere Firmen veranlaßt, höhere Angebote abzugeben, damit
e die Arbeit erhielt. Als Gegendienst hatte die Firma
ch verpflichtet, jeder der sieben Firmen 3000 Mark zu
ewähren. Die Firma erhielt die Arbeit und sie zahlte
en andern Firmen dann je 3000 Mark. Der Auftrag-—
eber erlangte von dem Abkommen Kenntnis und zog der
auausführenden Firma 21 000 M. ab mit der Begründung,
zaß er nicht verpflichtet sei, auch den Betrag zu bezahlen,
der den andern Firmen gewährt worden ist. Das Land—
ericht und das Oberlandesgericht schlossen sich dieser An—
icht an, weil derartige Abmachungen unlauter sind und
zegen die guten Sitten verstoßen.
Vom Ruhrkohlenmarkt schreibt man der Essener
Zeitschrift GBlückauf⸗“: Der Ruhrkohlenmarkt hat die ver—
»esserte Verfassung, die er im April gegen die Vormonate
iufweisen konnte, auch im Berichtsmonat bewahrt. Der
Imfang der Versendungen hielt sich im ganzen genommen
iuf der Höhe des Vormonats, auf den Arbeitstag berechnet
rgab sich aber infolge der geringeren Zahl der Arbeitstage
ine Zunahme des Absatzes. Das Erfordernis, Feierschichten
inzulegen, das schon im Vormonat eine Abschwächung ge
eigt hatte, machte sich im Mai nur noch in geringent Um
ang geltend; dies hängt allerdings in der Hauptsache mir
dor garoßen Bohl der in don Monaf follondon Roi 2

Schaufpiel vergessen. Ver ganze Himmel war ein ung
eurer Pavillon von vielfarbigem Lichte: blau, orange
euerrot, dunkelrot, bald wie mit glühendem Golde de—
egt, bald wie mit blitzenden Juwelen besetzt, und alles
n eine blendende Maßfse zusammenssteßend, während
inten, die weiße Schneedecke berührend, hunderte von
zäulen von prismatischem Feuer wie in phantastischem
anae sich drehten, und sunkelten, — ein unbetlchreiblich
chones Schauspiel, das keine Phantaste ersinnen kann
Ddas waren ‚die lustigen Tänzer“ — die wunderbarey
ordlichter. — *
Ach, es war doch ein wunderschöner, herrlicher Win⸗
er, und es tat mir fast leid, als wir alle wieder den
Zügel hinaufgingen, um die zum erstenmale aufs neu
rscheinende Sonne zu begrüßen. Als dann der Tag und
er Sommer zugleich plötzlich erschienen, und das Bool
ereit war, daß mich fort von meinem Gnomenwirt, fort
on dem freundlichen Kublitz, gegen Süden und der Hei—
nat zuführen sollte. Als ich im Boot stand, reichte mir
— —
nütze herum und kratzte sich hinter den Ohren. Dem guten
beter ging der Abschied sichtlich zu seinem lappländischen
Zerzen, und wenn er auch nicht sagen konnte: „Lieber
derr ..... es war mir eine Ehre, Sie zu beherbergen
Zie werden mich doch nächstes Jahr wieder beehren ..,7?,
o drüdte er mir doch die Hand, daß sie krachte und ich
s zwei Monate später noch spürte.
Als das Boot langsam den Strom hinabglitt, als
ie Spitzen der Kohlberge in der Ferne verschwanden und
ich zwischen mich und Kublitz immer mehr Meilen leg—
en, da war ich überzeugt, daß es in der Welt noch brave
Menschen gibt, obgleich sie von „Knigges Umgang mit
Menschen“ nichts wissen.
Wenn Peier Bos das lesen könnte, würde er sicher
seine Filzmütze auf das Ohr rücken und mit dem Zeige—
finger zweimal an die Nase klopfen.
Lebe wohl, alter Peter — — — — — — — —

— ——

ammen. Der Wasserstand des Rheins war günstig; oen
entsprach auch der Umfang der Versendungen über di
Rheinstraße. In Fettkohlen zeigte der Absatz gegen
Vormonat eine kleine Besserung. Die Beschäftigung d.
Bas- und Gasflammkohlenzechen war im Mai im allg.
meinen befriedigend; die Versandzahlen sind gegen Apr
wiederum etwas gestiegen. In Eß- und Magerkohlen lies
der Absatz in allen Sorten, mit Ausnahme von Eß- un
Nußkohlen und groben Anthrazit-Nüssen zu wünschen übrie
Der Absatz in Hochofenkoks hat im Mai gegenüber den
Vormonat eine Besserung erfahren. Die Seeausfuhr blie
um ein Geringes hinter dem Ergebnis des Vormongi
zurück, und auch der Absatz in Brech- und Siebkoks wie
einen kleinen Rückgang auf. Der Brikettabsatz hat sich ir
Mai gegen den Vormonat etwas gehoben. Der Inland.
markt zeigte dasselbe ruhige Bild, dagegen kamen für Aus
landslieferung einige Geschäfte zustande.
Deutschlands Entwicklung in 20 Jahren. Es betru
die Bevölkerung Deutschlands Ende 1890 49,24 Millionen
1909 (schätzungsweise) 64 Millionen. Unser auswärtige
Handel hatte 1890 einen Wert 7,47 Milliarden Mark, 190.
einen Wert von 14,563 Milliarden. Die Leistungsfähigkei
unserer Handelsflotte wurde im Jahre 1890 berechnet au
3,5 Millionen Berufszugehörigen in Industrie, Bergbau
Handel und Verkehr, die bei der ersten Berufszählung 1886
nur 45,5 Proz. der Gesamtbevölkerung betragen hatte
wurde 1907 bei der dritten Berufszählung mit 56,2 Pro,
ermittelt, die Zahl der Arbeitnehmer allein (Angestellte un—
Arbeiter) ist von 1882 bis 1907 von 5,1 auf 11,3 Milli
onen gestiegen. Die Einlage in öffentliche Sparkassen, di
Anfang der 1880er Jahre kaum 2 Milliarden übersties
betrug 1908 rund 14 Mitlliarden Mark. Nach eine
Schätzung hatte 1909 das deutsche Nationalvermögen eine;
Wert von B350 Milliarden Mark.
Scheidt, 6. Ihnni. Gestern nachmitlag 2 Uhr fand man
im hiesigen Mühlen-Weiher die Leiche eines 10jähriger
Jungen auf, der auf unbekannte Weise hier seinen To'
fand. Die von einem Arzt und dem dortigen Gendarme—
vorgenommenenen Wiederbelebungsversuche hatten leid—
keinen Erfolg. (Saarbr. 3tg.)
Saarbrücken, 6. Juni. Uber die Verhaftung de—
Mörders Rist erfahren wir noch folgendes: Rist hatte an
dem Feuerwehrfest in Völklingen serviert. Als er vo
dort fortging, ließ er seinen Frack zurück. Am vorige
Freitag traf nun in Völklingen bei einem Kellner eine Post
karte aus Metz ein, worauf ersucht wurde, den Frack unt.
der Adresse Jos. Reif postlagernd nach Metz zu senden
Bei näherem Zusehen fand man in dem Frack eine Visit
karte, die den Namen Ulrich Rist trug. Die Polizei i
Völklingen veranlaßte dann die Festnahme des Mordbuben
Sulzbach, 4. Juni. Der zwischen dem Gasthaus
Iselt und dem Neubau von Honecker gelegene Baupla—
ging zum Preise von 45 300 M. in den Besitz des Bau
unternehmers Schmidt über. Herr Schmidt wird auf diesen
Platze Geschäftshäuser errichten.
Neunkirchen, 4. Juni. Der in Grube Heinitz schwe
verunglückte Bergmann Jak. Ruffing 3. aus Lautenbach is
im Knappschaftslazarett seinen Verletzungen erlegen.
Saarburg, 4. Juni. Ein dem Militärstand angehöriger
Hagenauer sollte Mittwoch hier Hochzeit feiern und hatt—
schon am Dienstag ein kleines Vorfest in Hagenau veran—
staltet. Offenbar nahm die Vorfeier etwas größere Dimen
sionen an, als beabsichtigt, er verschlief sich und vergas
seine Hochzeit. Hier wartete man ungeduldig und ängstlid
des Bräutigams. Da er nun nicht kam, mußte die Hochzei
auf den nächsten Tag verschoben werden.
Trier, 4. Juni. Wegen Unterschlagung von 100000
Mark wurde der Direktor Keffer der Brauerei Lewino
Eich verhaftet.
Mittelbexbach, 4. Juni. Gestern nachmittag starb in
Lazorett in Neunkirchen das 4 Jahre alte Söhnchen de
Bergmannes J. Fremgen, das am Mittwoch durch d
Absturz eines Wagens von der Frankenholzer Seilhah
schwer verletzt worden war.
is Köln, 6. Juni. (Unwetter.) Das Unwetter, das
in der Rheingegend vom Rheingau bis unterhalb Bonp
am Sonntag zwischen 3 und 4 Uhr niederging, hat mehr
fach großen Schaden angerichtet. Im Siebengebirge und
im Aartal war das Unwetter mit starkem Hagelschlag ver
bunden, wobei einzelne Schlossen in der Größe von Wall
nüssen beobachtet wurden, die die Feldfrüchte erheblich be
schädigten. In Rheinbrohl schlug der Blitz an zwei Stel
len ein und tötete den Sohn eines Küfers, während de
Vater mit einer Lähmung davonkam. In Heimbach in
der Eifel war der Regen wolkenbruchartia und vernichtet—
fast die ganze Ernte.
* Trier, 6. Juni. GBlutiger ZBusammen
st o ß.) Am Samstag kam es auf dem Markte zu einen
Zusammenstoß zwischen der Polizei und betrunkenen Ar—
beitern, die einen verhafteten Freund befreien wollten. Alt
die Polizei daraufhin drei Verhaftungen vornehmen woll
te trat iht die Mende entgegen und hewarf sie mi—

..der wmbold . 3
—n*
— X
— 6— ——
Derkluge Rudi. Rudi (der eben von seinen
Onkel ein Fünfmarkstüch erhalten): „Ich wollte lieber,
Du hättest mir lieber einen Nickel gegeben, Onkel Moritz.
— Onkel: „Aber Junge, fünf Mart sind doch mehr als
fünf oder zehn Pfennige.“ — Rudi: „Das ist's ja ge—
rade. Wenn ich fünf Mark bekomme, nimmt sie mir der
Papa weg, wenn's aber nur ein Nickel ist, darf ich hn
hehalten“

8
Schneidiger Beruf. „zWie, Sie wollen Ihren
Sohn Barbier werden lassen? Dieses Fach ist doch sehr
überfüllt.“ — „Mag sein, aber die Barbiere machen im
mer noch ihren Schnitt.“
“
GEinOpetimist,. Stadtverordneter: „In diesem
Jahre sind erfreulicherweise die Eheschließungen in der
Stadt um zirka 20 Prozent gestiegen!“ — Bürgermeister
(triumphierend): „Sehen Sie, das kommt daher, weil wir
am Standesamt eine Pferdehbahnstelle eingerichiet haben!“

n
Auch ein Kranker. Doktor (zu einem ärmlich
gekleideten Fremden)'; Was fehlt Ihnen? Haben Si—
Kopf⸗, Brust⸗ oder Halsschmerzen?“ — Fremder: „Nein!“
— Doktor: „Oder sonstige körperliche Leiden?“ — Frem
der: „Nein.“ — Doktor: „Na, was fehlt Ihnen denn“
— Fremder: „Geld zum Nachtloais.“
*
Die sichere Ueberraschung. Braut: Id
moͤchte meinen Bräutigam noch vor unserer Hochzeit mi
irgend etwas überraschen. Was räist Du mir?“ —
Freundin Sek' 'mal Dein⸗ falschen Zähne nicht ein!“

Neue Duellart. Zwei Gymnasiasten wetteifer
um die Gunst eines Mädchens, das keinen bevorzugt. Un
der Sache ein Ende zu machen, beschließen dieselben sid
zu duellieren, und überlassen dem Mädchen die Wahl de
Waffen. — „Ihr duelltert euch“, sagt dasselbe nach kur
zem Besinnen, „auf Zigarren. Wem zuerst schlecht wir
der muß auf mich verzichten!“
            
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