Full text : Dudweiler Zeitung

Die elsaß⸗lothringische Verfassungsfrage.
Zur Verfassungsfrage teilen Straßburger Blätter mit,
daß Staatssekretär Dr. Delbrück in Begleitung des Geh.
Oberregierungsrates Dallenkamm, des Referenten für el—
aß⸗lothringische Angelegenheiten, am 13. Juni nach
Straßburg kommen. Für die Besprechungen mit dem
Statthalter und dem Ministerium, zu denen auch je zwei
Bertreier der Fraktionen des Landesausschusses zugezogen
verden sollen, sind zwei Tage vorgesehen. Die Verhand—
ungen erfolgen auf Grund von vorläufig aufgestellten Ent—
vürfen über die Verfassung und Wahlrechtsreform. Ob—
vohl über beide Teile der ganzen Aktion nichts Authen—
isches bekannt ist, darf man nach bisher unwidersprochen
liebenen Veröfsentlichungen und Aeußerungen ˖ anneh—
daß der Verfassungsentwurf eine Ausschaltung des
esrats und des Reichstags aus der Gesetzgebung für
z-Lothringen und dafür die Errichtung einer Ersien
lothringischen Kammer, der Wahlrechtsentwurf die
ührung des allgemeinen, gleichen, direkten und gehei—
—r auf Grund des Proportionalwahlverfah—
3 vorsieht.

—n
Heer und Flotte
* Ueber ven Großen Kreuzer „von der Tann“,
n diesen Tagen von der Bauwerft Blohm und Voß
amburg zu seiner endgültigen Fertigstellung nach der
rlichen Werft Kiel übergeführt worden ist, veröffent⸗
die Mitteilungen des Deutschen Flottenvereins fol—
Angaben: „von der Tann“ hat eine Wasserverdräng⸗
von etwa 19 000 Tonnen, übertrifft also an Größe
Linienschiffe der „Nassau“-Klasse noch um einige hun⸗
ert Tonnen. Bei einer Länge von 171 Meter ib er
ei weitem das Längste Schif? unserer Marine und
twa 20 Meter länger als der Große Keeuzer „VBlücher“.
die Breite beträgt 26,5 Meter, der Tiefgang 8,1 Meter
von der Tann“ ist das erste große Schiff unserer Marine,
»as mit Turbinen als Antriebskraft ausgerüstet ist. Bis—
er hatten nur die Kleinen Kreuzer „Lübeck“, „Stet—
in“, „Dresden“, „Mainz“ und „Kolberg“, sowie eine An
ahl von Torpedobooten Turbinen, und zwar verschiede—
er Systeme. „von der Tann“ erhält Parsons-Turbinen
„on 41000 Wellen-Pferdestärlen, die dem Schiff eine Ge—
chwindigkeit von über 24 Seemeilen in den Stunde ge—
zen sollen. Wie inzwischen bekannt geworden ist, hat das
„chiff bei den von der Bauwerft abgehaltenen vorläufi—
sen Probefahrten diese Geschwindigkeit ganz erheblich über
chritten. Den erforderlichen Dampf liesern 18 englisch
arinekessel. Der Kohlenvorrat beträgt unter gewöhnli—
hen Verhältnissen 1000 Tonnen, jedoch fassen die Bunker
im ganzen 2800 Tonnen Kohlen. Die Armierung besteht
nus acht 28⸗Ztme⸗, zehn 15⸗-Ztm.“ und 16 8,8⸗8mn.⸗
Schnelladegeschützen. Die schweren Geschütze sind in vier
Hoppeltürmen aufgestellt, in einer Anordnung, ähnlich wie
mif den englischen Panzerkreuzern der Invineible-Klasse,
und zwar stehen der vordere und achtere Turm in der
Längsschiffssachse, die beiden übrigen Türme seitlich nach
der Bordwand zu herausgerückt, der Steuerbord-Turm
veiter nach vorn, der Backbordturm weiter nach achtern.
—WI
Lürme nach beiden Seiten und je drei Türme nach vorn
ind nach hinten feuern können. Die Geschütze der Mittel—
rrtillerie stehen in einer gepanzerten Zentralkasematte. Das
erhält zwei leichte Pfahlmasten und zwei Schorn⸗
eine.

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 6. Juni.
Die diesjährige Generalbefahrung der Saargru—
den, zu welcher aus dem Ministerium für Handel und
Bewerbe die Herren Oberberghauptmann von Velsen und
Heheimer Bergrat Hueck hier eintreffen werden, beginnt am
Mittwoch, den 8. Juni.
Personalnachrichten. Der Regierungsbaumeister
ziebich ist zum Bauinspektor ernannt worden. Es ist ihm
»om 1. Juni 1910 ab die bisher auftragsweise verwaltete
Stelle eines solchen bei der Bergwerksdirektion zu Saar—
zrücken übertragen worden. — Der Schichtmeister Werth
»es Bergwerks Sulzbach ist vom 1. Juni d. J. ab nach
»em Bergwerk Fürstenhausen versetzt worden. — Der
zilfssteiger Paul Keßler des Bergwerks Gerhard ist vom l1.
Juli d. J. ab zum Steiger ernannt worden.
Das Verbandsfest der Beamten-Gesang-Vereine im
Zaarrevier findet nunmehr am 31. Juli auf dem Berg—
estplatze der Grube Reden statt. Der Beginn des Festes
st auf Zeinviertel Uhr festgesetzt. Die Chorprobe soll punkt
ꝛeinhalb Uhr im Vergnügungsheim Glinkenthal) daselbsi
tattfinden.
Vom füddeutschen Kohlenmarkte berichtet man: Die
konstellationdes Marktes tst eine derartige, daß sich die
krwartungen auf Besserung nicht so bald realisieren können.
zinmal gehen wir der Zeit entgegen, wo der Verbrauch
m Hausbrandkohlen gleich Null ist, und dann sind die
lussichten für die gesamte Industrie doch nicht derart, wie
nan dies bei Jahresbeginn glaubte. Der Baustreik beein—
ußt auch den Kohlenmarkt sehr, weil dadurch die Ver—
uügungen dor Aiogosoion Daο* ινα halerntαα α

Wit zogen also in unser Winterquart er. Ein lapp⸗
ändisches Winterguartier hat indes zwei Unannehmlich—
eiten, die für allgemein-europäische Glieder und Lungen
zurchaus nicht berechnet sind. Es ist nämlich sehr eng
and niedrig, und — entsetzlich rauchig. Aber Peter Vos,
der Vorsteher von Kublitz, war in seiner Art ein reichet
Nann und besaß eine Reihe geräumiger und bequemer
döhlen als Wohnung mit zahlreichen Pelzen und Eider—
daunendecken, wie es dem Eigentümer von fünfhundert
stenntieren, der Peter Bos war, ziemt. Die Familie
chlief in einer närrischen Reihe von kleinen Kastenbetten,
»ie wie Tröge aussahen und in den Lehmwänden ange⸗
zracht waren wie Schiffskofen in einem Schiff. Ich als
Fremder, der allwöchentlich 10 Mark blechte und eine
randiose Spieldose besaß, erhielt eine Höhle sür mich,
vie sie etwa ein gegen sich selbst strenger Eremit gebaut
zätte, denn es gab in ihr kein Fenster irgend einer Art,
ind die Lust wurde durch einen hohlen Baumstamm, den
nan durch die Decke gesteckt hatte, eingelassen. Der Juß—
oden war mit weichem, dürrem Moose bestreut, das
inen besseren Teppich abgab, als es irgend ein Plüsch—
eppich sein kann. Das Bett bestand in einer Schicht zu⸗
zerichteter Renntierfelle, die so weich und biegsam waren
vie Seide; von der Decke hing eine kupferne Lampe her—
ib; ich hatte Kissen und Polster, die mit Federn der
kidergans und des wilden Schwans gestopft waren und
ndlich — welcher Inbegrisf aller Herrlichkeit — eine
ewaltige, altmodische eichene Kommode mit Messinggrif⸗
en und Messingschloßplatten, die Peter Blos stolz als
inen Beweis ze'gte, daß auch etwas von der zivilisierlen
Velt in scinr Hohle zu finden sei. Die alte Kommode
var o fenbar aus den Trümmern eines gescheiteren Schif⸗
es gerettet und viele Meilen weit auf einem Renntier—
chlitten gezogen worden; denn es war mir immer, als
ströme Meerwassergetuch von ihr aus. Endlich warcn
wir so leidiich in unserem Winterpasaste eingerichtet und
ich harrte nun der Dinge, die da kommen sollen.
Eines abends forderte mich mein Freund auf, einer
eierlichen Prozession beizuwohnen, die sich schon fseit al—
zers auf einen benachbarten Hügel begibt, um die Sonn⸗
nie kleinen zierlichen Helden erschienen lächerlich neben den
Riesen des Nordens. Uebrigens verachten die Lapp⸗
änder ihre reckenhaften Nachbarn, die Norweger und alle
dern fsüdlich von ihnen wohnenden Volker. als plump

Zzu den mißlichen Absatzverhältnissen gesellen sich nun noch
»ie großen Vorräte. Die Außenseiter nützen jegliche Mög—
ichkeit, einen Teil ihrer Ware abzustoßen, gründlich aus
in einer Zeit schleppenden Verkehrs trachtet der Klein—
andel vielfach, billig einzukaufen, und in dieser Beziehung
ommt ihm der Außenseiter weit entgegen. Zu verkennen
st freilich nicht, daß die billigen Preise sehr oft auf Kosten
er Qualität gehen, was besonders auf die billigen eng—
ischen Kohlen zutrifft. Der günstige Wasierstand ließ die
Möglichkeit, die Kohlenzufuhr nach dem Oberrhein weiter
uuszudehnen. Es konnten selbst die entlegensten Plätze mit
Naterial versorgt werden. Der Bestand an freier Ware
st belangreich. Viel mußte von den Ankünften immer
ioch auf Lager gehen, weil die Dispositionen nicht belang—
eich genug waren. Das Geschäft in Koks leidet unter den
leichen Verhältnissen. Auch hier ist das Angebot viel zu
imfassend gegenüber dem Verbrauch, der ja um diese Zeit
ie groß ist. Von Nußkohlen waren es nach wie vor die
eineren Körnungen, die am besten abgingen. Über das
hHeschäft in Briketts läßt sich nichts Neues sagen.
Der Tod in der Statistik. Die Sterblichkeit be—
reug in der Woche vom 15. bis zum 21. Mai von den
ztädten mit mindestens 70 000 Einwohnern und auf das
zahr berechnet in Aachen 16,4, Altona 17,3, Augsburg
6,1. Barnien 12,7, Berlin 14,1, Bochum 14,0, Boliin
1,0, Borbeck 12,5, Braunfschweig 16,6 Bremen 15,89,
zreslau 18,6, Cassel 13,7, Charlottenburg 12,3, Chemnig
7,4, Cöln 16,1, Creseld 11,7, Danzig 19,1, Darmitadt
3,4, Norimund 14,8, Dresden 13,3, Duisburg 19,5, Düs⸗
eldorf 14,3, Elberfeld 16,1, Ersurt 17,9, Essen 15,0
zrankfurt a. M. 16,6, Gelsenkirchen 18,8, Görlitz 24,3
dagen 20,2, Halle 17,7, Hamborn 15,2, Hamburg 16,4
dannover 12,98, Karlsruhe 13,1, Kiel 10,9, Königsberg i.
zr. 17,2, Königshütte 18,4, Leipzig 15,4, Linden 11,6,
zübeck 15,6, Ludwigshafen 16,5, Magdeburg 14,1, Mainz
7,7, Mannheim 15,6, Metz 15,7, Mülhausen i. E. 19,7,
Rülheim a. d. R. 17,7, München 17,3, Münster 18,1
türnberg 17,6, Offenbach 17,4, Plauen i. V. 17,9, Po
en 25,5, Remscheid 8,8, Rixdorf 10,5, Saarbrücken 9,6
Zchöneberg 8,4, Spandau 14,5, Stettin 17,6, Straßbure
1. Elsaß 16,3, Stuttgart 15,2, Wiesbaden 20,0, Würz
burg 17,8, Zabrze 23,7, Zwickau 21,7.
Das Wachsen unserer Kriegsflotte. Die Marinever⸗
valtung hat jetzt, wie deim „B. T“ geschrieben wird, in
chneller Reihenfolge die Ablieferung mehrerer Kriegsschiff—
seubauten von den Werften bestimmt. Tem zuletzt vor
inigen Wochen von dem Stettiner Vulkan überno nmenen
Ddreadnoughtpanzer „Rheinland“ haben jetzt zu folgen: daf
on der Germaniawerft in Gaarden gebaute weitere Dre—
dnoughtschlachtschiff „Posen“, das bereits eine Werftpro—
efahrt in See von Kiel aus abhielt; dann der erste In—
inciblekreuzer der Floste „Von der Tann“, den die Ham—
urger Werft von Blohm und Voß fertiggestellt hat, und
er in der neueu Woche mit seinen Werftprobefahrten be—
sinnen soll, um dann nach Kiel übergeführt zu werden,
erner der Turbinenkreuzer „Kolberg“, der von Danzig
ius in See war, und der dieser Tage bereits seine Abnah—
neprobefahrt mit gutem Erfolge erledigt hat Im weiteren
Lerlaufe des Sommers sollen denn auch noch die beider
veiteren Turbinenkreuzer „Köln“ und „Augsburg“ folgen,
sie von der Kieler Staatswersft und der Germaniawerft
n Emden bereits nahezu im Bau vollendet sind. Nachdem
omit in den Früjahrsmonaten dieses Jahres die 4 neuen
zchiffe „Nassau“, „Westfalen“, „Blücher“ und „Meinz“
yre Probefahrteu abhielten und jetzt dem Frontdienst über.
diesen worden sind (für „Mainz“ wird dies vom 6. Jun.
lb der Fall sein, indem das Schiff an der Stelle des
dreuzers „Danzig“ in den Verband der Hochseeflotte zr
reten hat), nehmen jetzt zunächst 4 weitere Flottenneubauten
ie Probefahrten auf, denen dann in der zweiten Sommer
sälfte noch zwei weitere folgen werden. Das Hauptinte
resse werden Probefahrten des Invinciblekreuzers „Vor
er Tann“ beanspruchen, mit dem der Ausbau der Pan—
erkreuzerflotte in ein neues Stadium tritt, wie es mit
em der Scklachtschifflotte im vergangeneun Herbst der Fall
»ar, als zum erstenmal die beiden ersten Dreadnoughtschiffe
Westfalen“ und „Nassau“ zur Indienststellung gelangten.
Wann darf man am Tage schlafen? Die Lebens⸗
erhältnisse der meisten Menschen haben sich im Jahrhun—
ert des Dampfes so sehr verändert und werden sich im
Jahrhundert der Elektrizität noch um so viel mehr ändern
aß in Ansehung der hastigeren und anstrengenderen Ar
„eit auch ein entsprechend größeres Gegengewicht an Ruhe
nicht bloß berechtigt, sondern auch nötig ist. Wird
ie geistige oder körperliche Arbeit auf den höchsten Grad
er Leistungsfähigkeit angespannt, nimmt sie, wie es oft
enug der Fall, auch einen Teil der Nacht in Anspruch
dgedietet sich ein Schlaf cei Tage ganz von selbst
dun ist aber der Tagesschlaf so ziemlich gleichbedeutend
nit dem Schlaf am Nachmittag. Deshalb nimmt ein Mit—
rdeiter der „Blätter für Volksgesundheitspflege“ zu diese
zrage das Wort. Nach ihm empfiehlt sich der Schlaf gan—
Aee nety vonn Miistanesson nicht, do eor koine 6*

—duinm, und sie meinen, die riesigen Glieder wäar
ihnen nur als eine geringe Entschädigung für das ärm-⸗
iche Gehirn gegeben. Im Herzen freilich, glaube ich,
tellt das Zwergoölkchen Länge und Größe des Körpers
iber alles. Ich weiß z. B., daß Peter Bos nicht wenig
tolz darauf war, weil sein Kopf mir beinahe bis an die
Zchulter reichte.
Am andern Morgen hatte ich eine Ueberraschung. Auf
in Geschrei von der oberen Erde kroch ich aus meiner
döhle und sah — die Felsen, die Föhrenwälder und die
zewaltigen Moore mit einer blitzenden Decke von blen—⸗
dend weißem Schnee belegt, So war nun alles dahin,
und neun Monate durfte ich nun die Rolle des Mau—
vurfs spielen. Zu meinem Troste wenigstens war es
nicht ganz so dunkel wie ich erwartet hatte. Ein gewis—
ses, trübe schimmerndes Licht lag über der Erde, ähnlich
wie ein Mondlicht, das durch Nebel bricht. Dabel blies
der Nordwind gewaltig grimmia. io daßk mir im Augen⸗
zlick die Nase gefror.
Es trat nun eine in der Tai seltsame Zeit ein, von
der man durchaus nicht sagen konnte, ob es Tag oder
Nacht, oder beides, oder keines von beiden sei. Die
Lampen durften nie ausgehen und qualmten so gewaltig,
daß ich allen Ernstes für meine Lungen zu fürchten be—
zann. Das fürchterliche Orchester schwieg keine drei
Stunden hintereinander, und Tanzen, Essen, Kochen, Rau⸗
hen, Trinken und Schwatzen dauerten die gesamten 24
Ztunden des Tages hindurch fort, ohne daß man von
Tdag⸗ und Nachtunterschied irgend etwas merkte.
Wer schläfrig war, schlief, bis er wieder wach wurde,
und dann ging es von neuem los. Renntiere wurden ge⸗
üttert und gemolken, Birkenschüsseln wurden geschnitzt und
dor mundaufsperrenden Zuhörern Geschichten erzählt, —
alles auf einmal. Meine Uhr war bald genau so dumm
— —
er, sang, pfiff, spielte, schrie, tanzte, stieß min an der
Aa niederen Decke gewaltige Beulen in den Schä⸗
del, kurz, ich dachte allen Ernstes, es sei Matthäl am
etzten. So verbrachte ich einen großen Teil des Win⸗
ers, wie Sie sehen, in prächtiger Abwechselung.
Uebrigens hockten wir nicht den ganzen Winter unter
der Erde, wie ich gedacht hatte. Bei schönem Wetter wur—
en die Renntiere ausgetrieben, damit sie sich ihr Futter
raußen suchten. Nuch SZaabausflüoe- anß

lung und keine Kräftigung zu bieten vermag. Die Verdau—
ungsorgane befinden sich zu dieser Zeit auf dem Höhepunk
hrer Tätigkeit, und wenn ein wichtiger Teil des menschliche!
Körpers in emsiger Arbeit begriffen ist, können die übrige,
Teile begreiflicherweise keine eigentliche Ruhe haben. Der
Schlaf nach dem Essen hat nur die erwünschte Wirkung, das,
er die Verdauung selbst erschwert und verzögert Allerdings
soll man nach dem Essen Anstrengungen vermeiden, weil
dann die größte Menge des Blutes nach dem Organ strömt,
an das jetzt die stärksten Ansprüche gestellt werden, nämlich
nach dem Magen. Das hat der Mensch sehr bald erkennen
nüfsen, und daher ist der Ursprung solcher Redensarten,
vie „Nach dem Essen sollst du 1000 Schritte gehen“, oder
der etwas derberen studentischen „Ein voller Bauch studiert
icht gern“ wegen hohen Alters kaum mehr sestzustellen
der Tagesschlaf soll also vor eine Mahlzeit gelegt werden,
a nur bei leerem Magen alle Organe wirklich ausruhen
nnen
sechzehnhundert Ehescheidungen. VDer RNewyorker
berste Gerichtshof hat gegenwärtig sechzehnhundert Klagen
znuf Scheidung von Ehen zu prüfen, die er noch vor dem
. Juli erledigen muß. Die Newyorker heiraten leichtfertig,
cheiden sich aber noch leichtfertiger; doch so viele Ehe⸗
cheidungen auf einmal sind selbft in Newyork noch nicht
»orgekommen, diese Massenhinrichtung von Ehen ist eine
ieue Sensation. Zunächst veranlaßt die Newyorkerin, sich
o leichtfertig scheiden zu lassen, nur der eitle Wunsch, von
ich reden zu machen, eine Tagesberühmtheit, eine Senfation
zu sein. Bei dem Newyorker ist es meist die Liebe zu
einer andern Frau. Die junge Newyarker Frau weiß, das
sie der Liebe ihres Mannes nicht sicher ist und er sie eines
Tages zur Ehescheidung drängen mag. So sagte einma
eine junge Newyorkerin, trotzdem sie fehr hübsch war, zwe
inder hatte und ihr Mann sie mit aller Liebe umgab, daf
er einmal eine andere lieben könnte und sie dann verstoßen
vürde. Sie hatte sich nicht getäuscht. Schon einige Jahre
Jahre darauf zwang er ihr die Ehescheidung auf. Kein
Punder daher, wenn 1600 Ehescheidungen auf einma
lügge werden.
Preisaufschlag hat das Rindfleisch wieder erfahren
Das Pfund kostet jetzt 830 Pfg. Dies ist als Zeichn einet
juten Futterjahres zu betrachten!
Der Verband technischer Berg-, Hütten und Salinen
Beamten der preußischen Staatssherke wird seinen dies—
jährigen Verbandstag am 24., 25. und 26. Juli in Saarbrückern
im „Saalbau“ abhalten. Sonntag, den 24. Juli, finde
eine Begrüßungsfeier mit Damen ftatt; Montag, Dienstac
Beratungen und Vorträge und Mittwoch vormittags sind
Vorträge, nachmittags Beratungen und Vorträge und Milt—
voch Grubenfahrten vorgesehen. Zu dem Verbandstage
verden die Vertreter der verschiedenen preußischen Gruben—
eviere erscheinen.
Personalnachrichten. Der Schulamtsbewerberin Frlb
Säcilia Kammer ist mit dem heutigen Tage die erledigte
Lehrerstelle des Herrn Lehrers Wipking in Quierschiet
ibertragen worden.
Für Eltern. Auf Grund Nachforschung eines Medizi—
ialrates stellte die Staatsanwaltschaft feft, daß das in heu—
iger Nummer erscheinende Attest über G. Slempfle's Kin—
dernährmittel auf voller Wahrheit beruht.
Fischbach, 5. Juni. Die Bautätigkeit ist hier eine sehr
rege. Es werden über 10 Wohnhäufer errichtet. Darunter
—ADD— Fisch
bach erbaut werden. Wegen des Grubenbaues werden
keine Bauprämien mehr für unsern Ort ausgeworfen. —
Die Arbeiten zum hiesigen kathol. Kirchenbau sind noch
nicht zur Vergebung ausgeschrieben, vielweniger hat man
mit dem Baue begonnen, wie kürzlich in verschiedenen Zei—
tungen behauptet wurde. (Sbr. Vlksztg.)
Quierschied, 5. Juni. Das neue Knappschaftskranken
jaus, die umliegenden Gebäude und die Anlagen geher
hrer Vollendung entgegen. An der Straßenseile ist man
mit der Einzäunung beschäftigt. Die kräftigen Pfeiler, zwi—
schen die der hübsch gearbeitete Holzzaun eingelegt wird, sind
errichtet. Unten im Fischbachtal, neben dem bekannten Holz⸗
teg wird ein Bassin angelegt, welchem die Abwässer von
razarett, zur Klärung zugeführt werden. Augenblicklich
jaben die Erdarbeiter wit den Vorarbeiten begounen. Et
das unterhalb, in, der Nähe von Fischbach ist jetzt der Ver
indungsweg der beiden Straßen, die auf der rechten und
inken Seite durch das Fischbachtal führen, hergestellt, das
man bequem von der linken Fischbachseite zun Krankenhause
gelangen kann. Dem sichern Vernehmen nach beabsichtigt di⸗
Grubenverwaltung weiter unten am Weiherdamm das Wasser
des Fischbachs zu stauen, um so eine verschwundene Schön⸗
heit des Fischbachtales wieder herzustellen. (Sbr. Vlksztg.
Saarbrücken, 5. Juni. Die Polizei betreibt mit aͤller
Energie die Nachsorschungen nach dem Verbleib des Mördersé
»er Kellnerin Rheinfrank. Die Nachforschungen gestalten
ich insofern schwierig, als der Anzug des Rist nicht genar
hriebon werden fans Aaeh der neueffen Molsumg se

Abcai dte weißen Wolse, die weißen Fuchse und stellten,
den Hermelinen nach. Einmal gab es auch einen Kampf
mit einem ricsigen Bären, dem etwas von der abergläu⸗
bischen Ehrsurcht zul am, die die Lappen vor dem „alten
Großvater Zauberer“ haben, wie sie sich ninnen, und der
die Vorratskammern der braven Lappen so lange plün—
derte, bis ihnen schließ'ich doch die Geduld riß utid sie
em diebischen Meister Vetz auss Dach stieg
— NRu⸗
.. Der hausaræt.. 3
Die Pflegeder Zähne. Gut erhaltene weiße
Zähne haben von jeher für ein wichtiges Attribut mensch⸗
licher Schönheit gegolten und das mit Recht, denn der
lieblichste Frauenmund wird niemals verführerisch zu
ächeln vermögen, wenn hinter den Kirschenlippen nicht
die von den Dichtern so vielfach besungenen „Perlen—
reihen“ schimmern. Leider wird für die Zahnpflege so—
vohl im Volk, als auch in den höheren Ständen nochk
mmer viel zu wenig getan und unsere Zahnärzte würden
ntschieden eine weit weniger einkömmliche Praxis haben
venn wir ihnen nicht durch Unverstand und Vernachläs—
igung in der Behandlung unserer Kauwerkzeuge so treff—⸗
ich in die Hände arbeiteten. Schon das Kind müßte
u einer gründlichen Reinigung der Zähne am frühen
Morgen, wie auch speziell nach den Mahlzeiten angehalten
werden. Mit einer weichen Bürste und etwas Wasser
ist dies rasch geschehen, auch ein nachheriges Ausspülen
des Mundes, sowie ein Gurgeln des Rachenraumes dar
nicht verabsäumt werden. Man genieße die Speisen ni
uu kalt oder zu heiß, weil besonders das letztere der
Zahnschmelz angreift, man beiße auch nicht Rüsse auf,
oder stelle die Kraft seiner Kauwerkzeuge in ähnlicher
Weise mutwillig auf die Probe. Beim Lockerwerden eines
Zahnes oder Schmerzen in demselben gehe man sofort zu
ꝛinem tüchtigen Zahnarzt und trage auch Sorge dafür,
daß schadhafte Zähne rechtzeitig plombiert werden. Die
Mittel, die uns gute‘ Freimde und Nachbarn gegen un
plötzlich auftretendes Zahnweh empfehlen, taugen ge—⸗
vöhnlich nichts, machen vielmehr den Schmerz in den
neisten Fällen nur noch schlimmer, während des Zahn
arztes kundiger Blich mit Leichtigkeit die Ursache des
Nohese orkennt uuid dieles oft durch einem kleinen Gin

der Mörder Rist in der vorletzten Nacht im Bahnhofsgebau
von Kleinblittersdorf genächtigt haben. Um etwa 12
nachts kam eine besser gekleidete Mannesperson in
Wartesaal und bat dort bis Abgang des Frühzuges bleit
zu dürfen. Er habe infolge einer Wette eine Fußtour v
Straßburg bis hierher gemacht, dadurch 80 Mk. gewong,
und wolle mit dem ersten Zuge nach Straßburg zurückfahr
Vei Tagesanbruch war der Betreffende ungesehen 9.
schwunden. Ten Bahnbeamten kam nun die Sache de
dächtig vor, weshalb sie den Vorfall der Polizeibehör
meldeten. Die von hier aus nach Rist angestelltene(
mittelungen die am gestrigen Vormittage durch Poli—
beamte aus Saarbrücken unter Zuhilfenahme des Poli,
hundes „Hans“ fortgesetzt wurden, zeitigten kein Ergebi
Die von den Polizisten vorgezeigte Photographie des 9
wurde von den Bahnbeaniten als die des nächtlichen?
suchers des Bahnhofes erkannt. — Der Mörder der Rhe—
frank wird wie folgt beschrieben: 30 Jahre alt, 1,63 Me
groß, kräftig, blonder Schnurrbart, kurzes Kopfhaar, Gla
brauner Anzug, helle Phantasieweste mit breiter Stoffen
fassung, weicher moderner Hut, wahrscheinlich blutbefle,
Kleider.
Saarbrücken, 6. Juni. Der Mörder der Kellner—
ist gestern verhaftet worden. Der Mensch hatte eine
Kellner in Völklingen von Metz aus geschrieben, er mör
die noch dort befindlichen ihn gehörenden Sachen un
einer singierten Adresse nach Metz senden. Dies wurdes
Polizei verraten. Gestern mittag 4 Uhr konnte der M—
der in einer Gartenwirtschaft in Montigny verhaftet werd
Altenwald, 6. Juni. Die Grundsteinlegung zur kath
Kirche wurde gestern dahier feierlich begangen. Es beteili—
sich an derselben die Geistlichkeit der Umgebung, pi—
Vereine usw.
Fechingen, 5. Juni. In Bliesransbach wurde
Steinbrecher Karr dabei erkannt, wie er der Wilddiebe
auf dem Gebiet von Hartungshof oblag. Nach seiner
haftung benahm er sich sehr renitent und befreite sich
waltsam. Er wurde aim andern Morgen auf der Arber
stelle jedoch wieder festgenommen. Nach Feststellung d
Tatbestandes wurde der Verhaftete wieder entlassen.
gerichtliches Nachspiel wird zu dem erlangten Braten
nötige Würze liefern. (Saarbr. Z3tg9.
*Elberfeld, 4. Juni. (Das entwende
Sparkassenbuch) Ein ungetreuer Sparkassenas
stent entwendete einem anderen Beamten ein Sparkasse
buch, das diesem zur Aufbewahrung übergeben worde
war. Mit Hilfe einer dritten, bisher nicht ermitlelie
Person, erhob er von dem auf 1800 Mark lautenden Gu
haben 1200 Mark und verbrannte dann das Sparkassen
buch im Ofen seiner Wohnung. Unter den in diesen
Ofen gefundenen Aschenresten wurden mit Hilfe der Pho
tographie unverkennbare Reste des entwendeten Sparkassen
buchs gefunden. Mit dem Gelde hatte der Täler ali
Schulden bezahlt und war dann mit dem Rest ohne Vor
wissen seiner vorgefetzten Behörde in seine Heimat, na⸗
Pommern, gefahren, wo er verhaftet wurde.
*Kleve, 4. Juni. Kirchenraub.) In der Nag—
brachen Diebe in die Kirche zu Bedburg bei Kleve eid
Sie raubten alles Wertvolle, darunter eine Monftranz un
zwei goldene Kelche. Von den Räubern fehlt jede Spi
Vermutet wird jedoch, daß der Raub von drei Per'on
ausgeführt worden ist, die sich in dem Felde in der Re
der Bahn bei Kleve herumtrieben und mit dem Frübze
abreisten. Die Leute trugen Kleidung, wie sie von Ra
handwerkern getragen wird.
— — —
Aus aller Welt.
Mord? Auf der Chaussee zwischen Schulzendorf un
Heiligensee wurde ein undetaunser Mann mit Stechverle;
ungen am Kopf tot aufgesunden. Anscheinend lieat ei
Mord vor.
Krieger-Denkmals-Enthüllung. Aus Breslau win
—
in der Schlacht von Hohenfriedeberg gefallenen sächsischen.
und österreichischen Soldaten fand im großen Saale de
Konzerthauses ein Kommers statt, an dem u. a. Vertrete
der sächsischen Armee und des Königs von Sachsen teil
nahmen. Prinz Johann Georg, der in Vertretung de
Königs von Saächsen erschienen war, toastete auf da—
Band, das alle bindet, die Kameradschaft. Zu der Ent
hüllung ist auch Erzherzog Karl Franz Josef von Oesier
teich eingetroffen. Auch der deutsche Kronprinz nimmt an
den Feierlichkeiten teil.
Das Attentat auf den Fürsten zur Lippe. 3
den Ausschreiungen gegen den Fürsten zur Lippe wird
noch gemeldet: Die Gendarmerie hat die Täter, welch
keine Ausländer, sondern Bauernsöhne aus dem betrefssen
den Dorfe sind, ermittelt. Sie gaben zu, daß sie do
fürstliche Automobil als solches an seiner Flagge erkann
haben, wollen aber nur aus Leichtsinn gehandelt haben
Eine Attentatsabsicht habe ihnen gänzlich fern geleger
Das Befeinden des Prinzen Julius, der übrigens an de—
Schul erblatt und nicht am Kopfe verletzt wurde, gibt
Besoranissen keinen Anlak. Der Ueberfall geichah in dem

—
griff dauernd zu beseitigen vermag. Gut, d. h. vee—
ständnisvoll gepflegte Zähne werden übrigens ihren Be
sitzer nicht allzu ost in das Sprechzimmer des Dentisten
führen, wenngleich es nicht schaden kann, die Kauwerk
zeuge ein⸗ bis zweimal im Jabre von einem Zahnarz'
intersuchen zu lassen J
9— a 7
— 3 D
. . Bunfes All 8
A at erlei 2
Die Federkrone des Prinzen vonWe
hes. Der Prinz von Wales besitzt ein Büschel wunder
barer Federn, die einen Wert von 200 000 Wark darstel⸗
len sollen. Es hat zwanzig Jahre gedauert, bis dies«
Federn zusammengebracht worden sind, und sie haber
das Leben von wohl einem Tutzend Jägern gefordert
Der Vogel, aus dessen Schweif die Federn stammen
wird, Feriwah genannt, eine besondere Art Paradies
vogel, die außerordentlich selten ist. Um die Sékwanz
sedern in ihren vollen Schönheit zu erlangen, ist es not
wendig, sie dem lebenden Vogel auszureißen, da sogleie
nach dem Tode die Federn glanzlos werden. Die Jagd
auf den Feriwah ist deshalb so gefährlich, weil er üch
n der Nähe der Tiger aufzuhalten pflont
Die Geschichte eines Denkmals. vin⸗
Säule ist zur Erinnerung an die Ermordung des Herzoge
von Enghien in Vincennes an der Stelle, wo er am 21
März 1804 auf Befehl Napoleons erschossen worden war—
aufgestellt worden. Diese Säule hat bereits ihre Vorge
schichte; sie ist schon im Jahre 1816, als die Bourbonen
wieder zur Regierung gekommen waren, aufgestellt wor
den, wurde aber unter der Regierung Napoleons d
Dritten, der wohl an diese unrühmliche Tat seines gtt
ten Ahnen nicht erinnert werden wollte, von ihbhre
Platze entfernt. Dann ist sie in einem der Festungsmage
zine von Vincennes wieder aufgefunden worden, da de
Kriegsminister die Wiederherstellung befohlen hatte. J
einfache, von einem schönen Kapitäl gekrönte Säule
aus Marmor.
            
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