Neueste Nachrichten und Telegramme.
Berlin, 3. Juni. Das Abgeordnetenhaus genehmigte
nächst in 3. Lesung den Gesetzentwurf betreffend das
zöferecht im Kreise Grafschaft Schaumburg, ebenso den
gesetzentwurf betreffend Anderung der Landgerichtsbezirke
Frefeld, Cleve und Muünchen-Gladbach. Die nachgesuchte
henehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung des Abgeord—
ieten Felisch im Privatklageverfahren wegen Beleidigung
vird nicht erteilt. Die Vorlage betreffend Reisekosten der
ztaatsbeamten wurde in zweiter Lesung im Wesentlichen
ach den Kommissions-Beschlüssen angenommen. Nach einer
deihe kleinerer Vorlagen vertagte sich das Haus. Morgen
leine Vorlagen und Anträge. — Der Senioren-Konvent
es Abgeordnetenhauses beschloß, die Geschäfte derart zu
zrdern, daß die Beratung der noch zu erledigenden Vor—
agen am Montag den 14. JIuni abgeschlossen merden
ann.
Braunschweig, 3. Juni. Wie die Braunschweigische
andesztg. mitteilt, beabsichtigt eine sehr große Anzahl von
zrinz Heinrich-Fahrern gegen das Resultat des Flach-Ren—
ens vor Genthin Protest einzulegen und zwar aus dem
zrunde, weil ein Mann mit einer weißen Flagge an ein—
elne Rennwagen herantrat und im Augenblick des Pas—
ierens diese Flage auf und niederbewegte. Die Fahrer
ießen sich zum Teil durch diese Manipulation bewegen, den
Vagen zu stoppen, weil sie glaubten, die Oberleitung ließe
ius irgend einem Grunde das Zeichen zum Halten geben.
herr de la Croix stellte den Mann zur Rede, der angab,
»as Winken mit der Flagge mache ihm Vergnügen. In
ꝛeteiligten Kreisen glaubt man, daß irgend ein Teilnehmer
in der Wettfahrt den Mann gedungen hat, in der Absicht,
ie Konkurrenzwagen durch dieses Manöver zu irritieren.
Kolmar, 4. Juni. Der Bursche eines hiesigen Ritt—
ieisters verunglückte heute dadurch, daß fich ein Gewehr,
adem noch eine Patrone steckte, beim Reinigen entlud.
die Kugel schlug durch die Stirn und riß die Schädeldecke
»eg. Der Tod trat sofort ein.
Wiesbaden, 3. Juni. Gestern abend kurz nach 9 Uhr
zurde auf dem Gleis der Eifenban Wiesbaden-Kastel die
erstückelte Leiche der 19 Jahre alten Kellnerin Marie
zaßner aus Wiesbaden aufgefunden, die stellungslos war.
Ddas Mädchen hatte Selbstmord begangen.
Biblis, 3. Juni. Der Musiker Gebig vom Inf.⸗«Regt.
16 in Worms ließ sich gestern mittag auf der Strecke
rankfurt⸗ Mannheim vom D-Zug überfahren und war so—
ert tot.
Konstanz, 4. Juni. Das Luftschiff unternahm gestern
inen sogenannten Werkstätten-Aufstieg, um festzustellen wie
ie Neuerungen sich bewähren. Das Luftschiff hat eine
anze Reihe von Verbesserungen erfahren. Zunächst beträgt
eine Länge nunmehr 144 Meter gegen 136 Meter im
Zorjahre mit 16000 Kubikmeter Inhalt. Der Laufsteg
purde innerhalb der Gondel zurückgeführt; um dies zu er—
nöglichen, mußte die Gondel tiefer hängend angebracht
berden. Die Bekleidung ist nunmehr Aluminiumblech an—
tatt Ballonstoff. Der Ausblick ist mit einem astronomischen
zernrohre versehen. Die vordere Gondel hat einen 154
zferde starken Deimler Motor, der durch Stahlbandkraft⸗
ertragung 2 Luftschrauben der bekannten 25Flügelkon—
truktion treibt; während in der hinteren Gondel die beiden
ilten 124 Pferdest.“Motoren wieder eingebaut sind. Das
zroße Hecksteuer ist durch ein verstärktes Steuer, durch Hin—
ufügung einer weiteren senkrechten Steuerflosse ersetzt.
Wien, 3. Juni. Wie das ‚„Vaterland“ meldet, ist auf
er Leiterklamm bei Meran die Leiche des Technikers
vilhelm Kempner aus Dessau gefunden worden. Er
»urde seit Herbst vermißt und hatte zuletzt in Bozen logiert
— —* — — —— —
Wien, 3. Juni. Der Aufstieg Zeppelins findet in
rriedrichshafen am Donnerstag den 9. Juni abends 6
ihr statt. Die Fahrt soll so eingerichtet werden, daß das
ruftschiff Freitag nachmittag 3 Uhr auf der Schmelz ein—
rifft, wobei Schönbrunn berührt wird, sodaß der Kaiser die
Inkunft bevbachten kann. Die Semmeringer Haide, we
as Luftschiff landet, wird dreifach abgesperrt. Die Polizei
bird an der Zufahrtstraße nur geladene Personen mit
nassagierscheinen durchlassen. Die ganze Heide wird durch
Nililar, die Landungsstelle durch Barrieren und Militär
ibgesperrt. Die Abfahrt Zeppelins von Wien nach Dres—
den erfolgt Samstag Abend 6 Uhr.
Rom, 4. Juni. Es wird berichtet, daß der Papst ein
ersönliches Telegramm an den deutschen Kaiser gerichtet
sabe, um sich über das Befinden des Kaisers zu informiren.
In dem Telegramm drückt der Papst die Hofinung aus,
aß der Kaiser seiner baldigen Genesung und Wiederher⸗
tellung entgegensehen möge.
paris, 9. Juni. Wie dem „Echo de Paris“ aus
halons-sur⸗Marne gemeldet wird, wurden bei den Ma—
övern zwei Soldaten des berittenen 15. Jägerregiments
on Gewehrkugeln getroffen. Ein Soldat ist bereits der
erwundung erlegen. Bisher konnte nicht festgestellt wer⸗
in, ob diese Kugeln von einem Infanterie-Regiment her⸗
ihrten, das in der Nähe Schießübungen abhielt, oder 8b
sich um die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten handelt
eam Tage vorher an einer Schießüübung teilnahmen und
s Versehen scharfe Patronen in ihren Gewehren zurück—
lassen haben.
Petersburg, 1. Juni. Der Gouverneur von Kostrowa
Jeretenikow, ist plötzlich verabschiedet worden. Der Grund
afür ist ungemein erheiternd: Weretenikow überließ den
efamten Geschäftsgang feinen Untergebenen und unterschriel
lle Amtspapiere, ohne ihren Inhalt zu lesen. Unlängst
hurde ihm nun ein Schriftstück folgenden Inhalts unter—
reitet: „Ich habe mich endlich von meiner Unfähigkeit ale
Fouverneur überzeugt.“ Danu folgt eine lange Liste seitens
zündenregisters und die Unterschrift „Gouverneur Were—
enikow“. Das Schriftstück gelangte in Stolypins Hände
ind Werretenikow wurde sofort nach Petersburg beordert.
dort gestand er seine Gewifsenlosigkeit bei der Erledigung
on Amtspapieren ein. Er erhielt sofort seinen Abschied
der Fall erregt in den hohen Beamtenkreisen Sensation.
London, A. Juni. Das englische Segelschiff „Swan.
ilda⸗ ist an den Felsen von Staaten Island gestrandet
ind muß als verloren gelten. Die 14 Mann Besatzung
ind ertrunken.
London, 4. Juui. Aus Nanking wird berichtet, daß
unmehr ein ernsier Aufruhr befürchtet wird, Ein, eng—
ischer Konsul hat Befehl erteilt, daß die Fremden sich in
»sia⸗Kuan ansiedeln follen. Der Aufruhr richtet sich weniger
egen die Ausländer, vielmehr gegen die Beamten der
inanzverwaltung, die sich anläßlich der Ausstellung große
interschleife zu Schulden kommen ließen.
Petersburg, 4. Juni. In dem Dorfe Kuchorzew ver—
rannle eine sechstöpfige Familie. An den Leichen entdeckte
nan Spuren eines Mordes. Eine verdöchtige Person wurde
erhaftet.
Yokohama, 4. Juni. Man hat hier eine große Ver—
hwoͤrung gegen die Regierung enideckt, welche ernster Na—
ir ist. Die dadurch bedrohten Interessen sind so groß,
aß den Blättern verboten wurde, Einzelheiten zu veröffent—
chen. Man weiß jedoch, daß mehrere bekannte Agitatoren
Arbeitskleider in der Nationalfabrik Natsumoto im Be—
rke Neguno, sich als Arbeiter anstellen ließen, um Bomben
nzufertigen, mit denen sie dann dem Kabinettchef Matsare
owie die andern Mitglieder des Kabinettes töten wolsen.
Peking, 4. Juni. Sämtliche Gesandtschaften erhielter
inonyme Zuschriften, wie man vermutet, von der revolu
tinnären Partei in Schanahai. In den Zuschriften heif
es, daß ein großer antidynastischer Aufstand bevorsteh
Wenn sie nicht die Mandschus unterstützen, sollte den Aus—
ändern kein Leid zugefügt werden, im andern Falle solltern
ije in dem allgemeinen Gemetzel umkommen. Die Zu—
chriften wurden in geheimnisvoller Weise zugestellt un'
rugen veraltete Briefmatten. Angesichts ähnlicher Brief
die die Konsuln in Nanking kürzlich erhielten, macht sie
ne allgemeine Beunruhigung bemerkbar
„zur Pflicht gemacht, vorzeitig zu stoppen.“ *Fœ
Wenn nun „vorzeitig“ gestoppt wird, geh's bestimmt un
klar; gemeint ist natürlich „rechtzeitig'“. .-Ein
Maseweis. AMe'tliche Lehrerin: „Schämsi
hu dich denn garnicht, Lotte, immer mußt du unter denen
sein die sitzen bleiben ....“ — Lote: Pahl! Sie schämen
sich ja auch nicht, Fräulein. J aed
Scharfe Replik. Dame: „Ich kann mir gar
nicht vorstellen, welcher Genuß das ist, ohne Durst zu
trinken.“ — Herr: „Derselbe wie in den Spiegel zu
schauen, ohne hübsch zu sein.“
Stoßseufzer. „Der Kerl, der die Arbeit er
funden hat, muß schon garnichts zu tun gehabt haben.“
Neuer Ausdruck. Alte Tochter des Hauses zu
ihrer Zoße: „Heute werde ich nach langer Zeit wieder
mal ins Theater gehen, richten Sie mich nur bischen
operguckerfest her!“
Richtige Diagnose. Pantoffelritter: „Herr
Doktor, ich befinde mich sehr unwohl.“ — Arzt: „Wo
fehlt es enn?“ — Pantoffelritter: „Ich fühle mich am
ganzen Koörper wie zerschlagen. Was soll ich dagegen
fun?“ — Arzt: „Schicken Sie Ihre Frau auf einige
Wochen ins Bad.“
Schwerer Traum. Lehrersfrau: „Weshalb hasi
Du denn diese Nacht im Schlafe so gestöhnt?“ — Lehrer.
„Mir träumte, mein Lieblingsschüler hätte „Vogel“ mit
„F“ geschrieben.“
Ein Moderner. „Sie glauben doch auch an die
erzieherische Wirkung der Ehe, Herr Baron!“ — „Bedaure.
ich war noch nie so lange verheiratet!“
Aoberfttsteilung. Hausherr: Wie — zwöll
Mark für das bischen Arbeit, eine Türe abzuhobeln —
und da steht noch, drei Mann eine Tür gehobelt!“ —
„Ja wissen S', Herr Maier, dös is a so: Der G'sell hat
geboelt, ich hab's Werkzeug 'tragen und der Meister hat
zug' chautl!“
Der Kern zu Gesundheit und Kraft muß schon im zar
testen Kindesalter im Menschen gepflanzt werden, deshall
berwende man bei unzureichender Mutterbrust Nestle's
Kindermehl, und der Erfolg wird sich in kürzester Zeit zeigen
und von nachhaltigster Wirkung sein. Versuchsdose kosten
frei durch Nestle's Kindermehl, G.m. b. H., Berlin 8. 42
cer heutigen Gesamtauflage liegt ein Prospet
Dr. Hommel's Haematogen bei, auf welchen wir augs
an dieser Stelle aufmerksam machen.
Evangelischer Gottesdienst.
2. Sonntag nach Trinitatis, den 5. Juni 1910.
Kollekte für die Blödenanstalt Hephata in M.-Gladbae
Dudweiler.
8 Uhr Pfr. Trommershausen.
9u/ Uhr Beichte derselbe.
16 Uhr. Hl. Abendmahl. Pfr. Reichard-Saarbrücke
1114, Uhr. Christenlehre.
Herrensohr.
9.30 Uhr. Pfr. Uhrmacher.
t0u, Uhr. Christenlehre.
— — — —
Sing-⸗, Zier⸗ u, Vogelschutz-Verein mit
Aquarien⸗ und Terrarien-Kunde.
Am Sonntag nachm. findet im Vereinsiokal
uber eine
Versammlung
2statt. Es wird gebeten zahlreich zu eraW
VW,
i 7 —X
e Plauderecke.
Ne Die auch — — ——
kuriose Verbote und Bekanntmachungen.
Aus dem Vogtlande schreibt man: Verbote und Be—
anntmachungen sind nicht immer in tadellosen Amts
»eutsch abgefaßt. Einige sind sogar schwer zu enträtseln
Zo steht 3. B. in Neundorf eine Tafel, anf der
zu lesen ist
—BWBerbohten“.
Die lakonische Kürze ist ja zu loben, aber besser
wäre es, wenn man wüßte, was eigentlich „verbohten“
si, zumal diese Warnungstafel mitten auf einer Wiese
steht. Erinnerlich dürste auch die Tafel sein, die vor
wenigen Jahren den 8woschwitzer Weg zierte und au
der wörtlich stand:
„Wär disses Kruntstick bedrid, zalt 5 M. in de
Arm Kase.“
Auch in anderen Gegenden hat man mehr oder min
der otiginelle Warnungstafeln. Ein Gastwirt an der
Iberspree, dessen Gartenanlagen einst besonders zur Blüte
eit unter dem Vandalismus des Publikums zu leider
atten, ließ eine Tafel anbringen mit der Aufschrift:
„Ein guter Mensch beschädigt keine Pflanze!“
Das ging nicht nur allen Besuchern zu Herzen, son
»ern es fand bald eine Erweiterung in den Worten, di
ein Gast hinzusetzte:
„Und der Gerechte quält auch nie ein Tierl“
Und bald fand sich ein Dritter, der in Rüchsicht auf
zie im Saale schmachtenden Tänzerinnen auch an di
diebe zu den Menschen erinnerte, indem er hinzufügte:
— „und führt man eine holde Maid zum Tanze,
Spendiert man ihr auch 'mal ein Gläschen Bierl“
Manche Warnungstafeln sind allerdings schon sehr
chätzenswert gewesen wegen der Heiterkeit, die sie hervor.
iefen, wie jene, ihres fließenden Stils wegen bekannt ge
wordene, auf der es hieß:
Der, der den, der den hier befindlichen War
nungspfahl, daß nichts in den Teich geworfen werden
soll, selbst in den Teich geworfen hat, bei hiesigen
Amte anzeigt, erhält 5 Taler Belohnungl“
Eine der komischsten Verordnungen eines Gemeinde—
jorstehers war wohl die, in der ein Ortsschulze befahl,
„daßß vom 15. d. M. an die Pferde und Kühe in
den Ställen nicht mehr mit brennenden Tabakspfeifen
gefüttert werden dürfenl“
Mancher Großstädter wird über diese ländlichen Verbote
ächeln. Und doch mit Unrecht! Auch in den Groß—
tädten kommen derartige Kuriosa vor. Angefügt mag
zier ein Erlaß des Altonger Magistrats sein, der sich an
»en Elbpontons befindet. Mit diesem Erlaß wird es den
Führern der Schiffe
Zasthaus zu den Scalleyschächten
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An heissen dommertagen
mnacht die Hausfrau gern kurze auüche. 7. dit *
mit dem
MAGGurze
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isw. angeblich gut und kräftig im Geschmack.
Achtung vor Nachahmungen!
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