Full text : Dudweiler Zeitung

veobachten und den Grafen sodann am Landungsplatze be—⸗
zrüßen. Das Luftschiff soll etwa 24 Stunden verankert
hleiben. Seitens des Kriegsministeriums sind alle Gar—
nisonen von der bayerischen Grenze bis Wien und von
Wien bis Troppau angewiesen, dem Grafen Zeppelin je—
erzeit zur Verfügung zu stehen. Außerdem stieht ein voll—
tändiz ausgerüsteter Zug der Staatsbahn zu eventuellen
hilfeleistungen bereit. Die Nonferenz konstituierte sich als
Empfangstomitee unter Vorsitz des Bürgermeisters Sei
ens der Gemeindevertretung sind dem Grafen Zeppelin
nehrfache Ehrungen zugedackht

*Ein Aeroplan-Luftschiff. Der Acchitekt
darl Branzke in M.Gladbach hat ein Luftschiff erfunden,
»as die Vorzüge von Aeroplan und Luftschiff vereinigen
oll. Es ist etwas schwerer als die Luft und wird durch
ruftschrauben in die Höhe getrieben. Der Erfinder hat
ich bereits auf seine Idee vom Patentamte Musterschutz
zeben lassen. Es besteht die Absicht zur praktischen Aus—
ührung der Erfindung eine Gesellschaft zu gründen.
*Ein neuer Eindecker. Aus Aachen wird
zemeldet: Die Flugversuche mit dem von Prof. Reißner
iud Prof. Junker konstruierten Aeroplan sind vorläufig
ingestellt worden. Der Flieger soll gänzlich umgebaut
verden. Die genannten Herren find in der Junkerschen
Lersuchsanstalt mit dem Bau eines Eindeckers nach neuem
Zrinzip beschäftigt.
*Ein Anschlag auf ein Luftschifs. Aus
stannheim wird gemeldet: Ein verbrecherischer An—
hlag auf das Luftschiff Schütte-Lanz wurde in einer der
etzten Nächte verübt, indem ein großer Teil der Hülle de—
BZallons durch 60 Messerstiche zerstört worden ist. Profes⸗
or Schütte, der jetzt in der Naͤhe der Luftschiffwerft Woh—
iung genommen hat, eutließ sofort die Wachmannschaf'
ind ließ einen der Tat verdächtigen Arbeiter verhaften.
der Aufstieg des Luftballons, der bestimmt am 5. Juni
rfolgen sollte, wird durch den Bubenstreich um laͤngere
zeit verzögert.
*zVBerunglückter Aviatiker. Der erfolgreichste
ingarische Avlatiker Zesely, ist am Mittwoch tödlich ver—
mglückt. Zesely stieg Abends in Budapest auf und ge—
vann den vom Grafen Koraly gestifteten Preis von 5000
sronen für ungarische Aviatiker. Nach diesem schönen Er—
solge machte Zesely noch einen zweiten Aufstieg. Dabei
türzte er aus beträchtlicher Höhe ab und war sofort tot

Abwanderungs-Statistik der Landmädchen.
Ueber die Abwanderung und den Zug der Land—
nädchen nach den Städten liegen jetzt eine Reihe neuer
tatistischer Untersuchungen vor, die leider wiederum bestä—⸗
tigen, daß die Landflucht speziell der weiblichen Jugend
mmer mehr zunimmt. Ueber die Abwanderung im
Spesfsfart hatte das Dekanat Miltenberg eine Umfrage
beranstaltet, die sich auf über 30 Gemeinden des bayeri—
schen Odenwaldes, Spessarts und Untermainz (ca. 35 000
Einwohner) erstreckte. Es ergab sich, daß in den letzten
10 Jahren nahezu 50 Prozent der Mädchen im Alter
von 15 bis 25 Jahren abwanderten. Davon gingen ca.
5 Prozent als Dienstboten auf das platte Land, ca. 50
Prozent in Kleinstädte und 25 Prozent in Großstädte.
Die Abwanderung jugendlicher männlicher Arbeiter stell.
ich zu der der weiblichen wie 3: 5. Erhebungen über
ven Verbleib der schulentlassenen weiblichen Jugend in
IAstpreußen ergaben, daß im Jahre 1908 von den im
dahre 1895 aus der Schule entlassenen Mädchen nu
2.7 Prozent im Schulbezirk zurückolieben. 22.33 Bronii

ogen in Orte unter 2000 Einwohnern, 10,7 Prozent in
rößere Orte der Provinz, 13,86 Prozent gingen nach
mderen Städten Deutschlands, und 0,4 Proz. ins Aus—
and. Von allen kamen 8 Prozent zurück, von denen sich
mur die Hälfte landwirtschaftlicher Tätigkeit zuwandie.
Intersuchungen in den Kreisen Steinburg (Holstein),
züterbog, Lucken walde und Gumbinnen
rgaben folgendes Bild: Im Kreise Steinburg waren im
Fahre 1900 noch 79 Prozent auf dem Lande, sowohl ver—⸗
—
muf, und verheiratete Arbeitertöchter waren auf dem Land
7 Prozent vorhanden. Im ganzen zeigte sich Mangel an
veiblichen Arbeitskräften. Im Kreise Jürterbog-Luckenvalde,
 wo sich Großgrundbesitz und Bauernbesiß etwa
leichstehen, waren von den Arbeitertöchtern in den Guts
ezirken 37 Prozent abgewandert, in Landgemeinden 45
zrozent, von den Bauerntöchtern 33 Prozent. Im Kreise
jumbinnen, wo Industrie nicht vorhanden ist, wanderten
1 Prozent von Arbeitertöchtern und 23 Prozent von
zauerntöchtern in die Städt⸗
Heer und Floͤtte.
*Sylt soll befestigt werden. Nach der erfolgten
Rurchführung des Landungsmanövers bei Eylt und nach
en bei diesen Manövern gemachten Ersahrungen ist die
rinbeziehung der Insel Sylt in den Kreis der Küsten—
efostigungen so gut wie sicher. Es wird beabsichtigt, Sylt
As Stützpunkt bezw. Zufluchtsort und Provianistapelplab
ꝛer deutichen Marine zu befestigen.

—

Fin verwundeles tlere.
Stiazze von Clara Gran.
— Nachdruck verboten.
Gutsbesitzet Bergen war von seinem Morgenritte zu
zause angekommen und saß nun mit seiner Tochter Lotte
eim Frühstück. Beide waren mit dem Lesen der „Mor—
zenpost“ beschäftigt, die Lotte täglich einen Brief ihres
Ferlobten brachte, des Oberleutnants Hans von Osten,
zessen Regiment in der von dem Gute eine Wegstunde
intfernten Garnison lag.
„Väterchen“, unterbrach da die klangvolle Stimme des
Nädchens das Schweigen, „Du mußt mir eine Bitte er—⸗
üllen!
„Mußt? Oho! Erst mal den Wunsch hören lassen!“
neinte gutmütig der alte Herr.
„Ja, Hans schreibt mir nämlich, daß ... doch, ich
vill Dir lieber die Stelle vorlesen: Nächsten Sonntag fin⸗
ꝛet hier der erste Maskenball statt. Meine Kameraden ha—
en mich solange bestürmt, bis ich ihnen mein Kommen
uugesichert habe. Der Mummenschanz ist mir ja vollftän⸗
zig gleichgültig, und ich weiß im voraus, daß ich kein
Zergnügen dort finden werde; denn alle meine Gedanken
yverden doch nur bei Dir, mein Lieb, weilen. Ich kann
ber nicht loskommen. Drum entschuldige bitte, daß ich
rst am Sonntag zu Euch herauskomme ... usw. — Vä—
erchen, es wäre köstlich, wenn auch wir das Fest be—
uchten und Hans dort überraschen würden. Ach, ja,
zapa, das wäre eine große Freude, nicht wahr?“
Papa Bergen sah erst seine Tochter mit ungläubigen
lugen an. Dann lachte er laut auf. „Ei, eil! Ich hätte
och nimmer geglaubt, daß mein altes, vernünstiges Mä—
del sich nochmal so Hals über Kopf verlieben würde. —
Aber was ist mit solchen Liebesleutchen zu machen? Na—
ürlich begleite ich Dich dorchin, Kind'l. Gehe nur gleich
daran, Dir ein schönes Kostüm zu besorgen!“
Und Lotte ließ sich das nicht zweimal sagen. Fröh—
ich ausspringend, Väterchen einen herzlichen Kuß auf den
zärrigen Mund drückend, eilte sie hinaus, um ihrer Schnei—
deren einen langen Brief z3u ichreiben. —W

Der Kampf im Baugewerbe.
Berlin, 2. Juni. Die Verhandlungen sollen, wie
on beteiligter Seite versichert wird, bis spätestens An—
ang nächster Woche zu Ende geführt werden.
M.⸗Gladbach, 2. Juni. Im hiesigen Baugewerbe
st ein Teil der ausgesperrten Arbeiter, hauptsächlich nicht⸗
rganisierte, wieder eingestellt worden, so daß an einer
Anzahl Bauten wieder gearbeitet wird.
Bremen, 2. Juni. In einer außerordentlichen Ge—
ieralversammlung der Bauunternehmer von Bremen und
Umgegend wurde mit 76 gegen 57 Stimmen beschlossen,
ie von den Arbeitnehmern gesorderte Lohnerhöhung ab—
ulehnen. Da die Arbeiter an ihrer Lohnforderung jest
yalten, dürfte es auch hier nachträaglich noch zum Streil
ommen.

Spiel und Sport.
Die Prinz Seinrich-Fahrt, vie am Donnerstag
en 2. Juni in Berlin ihren Anfang nimmt, wird die
tzte Konkurrenz um den im Jahre 1908 vom Prinzen
einrich gestifteten Wanderpreis sein. Satzungsgemäß fäll
er Preis, der bei den bisherigen zwei Fahrten die Siege
on Fritz Erle und Kommerzieunrat Wilhelm Opel ergab,
emjenigen zu, der ihn zweimal gewinnt. Falls dies in—
erhalb'dreier Jahre keinem Fahrer gelingt, soll zwischen
en drei Siegern das Los entscheiden. Da somit der
lte Prinz Heinrich-Preis mit der diesjährigen Fahrt de—
mitiv gewonnen wird, hat Prinz Heinrich bereits durch
ztifuung eines neuen Preises für das Jahr 1911 Vor—
orge getroffen, daß die Prinz Heinrich-Tourenfahrten auch
ernerhin als bedeutendste automobilistische Veranstaltun—
en in Deutschland fortleber Für die diesjährige Fahrt

urden, wie schon kurz mitgeteilt, außer dem Prinz Hein
ch⸗Preis noch eine Reihe anderer wertvoller Ehrenpreise
eftiftet. So gab der König von Württemberg einen wert
ollen goldenen Pokal, der Großherzog von Baden ein
oldene Bowle, der Großherzog von Hessen einen silberge
iebenen mit Ametisten verzierten Pokal, die Erbprinzes
nCharlotte von Sachsen-Meiningen eine aus kostbarer
ölzern gesertigte Schatulle, der Herzog-Regent vor
zraunschweig in Verbindung mit dem Braunschweigisch
züneburgischen Staatsministerium einen geschmackvollen
'afelauffatz, der Statthalter Graf, von Wedel eine apart
lberne Vase. Von den Städten, die als Etappenstationen
aFrage kommen, stiftete Braunschweig einen großen Ta
elaufsatz, Kassel eine silberne Fruchtschale, Nürnberg
inen Boͤgenschützen aus Bronze, Homburg v. d. Höhe
nen prächtigen goldenen Pokal. Der Preis des Kaiser—
schen Automobilklubs ist eine große Silberkassette, der
es Bayerischen · Automobilklubs eine wertvolle goldene
ihr, die in Emaille das Wapven B. A. C. träat.

— — cé—— ιαQ 2 — 2*
Ein feiner Kunde. unterschreibe ich den
zrief an den Agenten mit Hochwohlgeboren, Herr Rechts—
nwalt?“ — „Selbstverständlich; Meyer ist ja einer unse—
er feinsten Kunden, der jedes Jahr vier bis fünfmal be—
traft wird“

xXüchelnd sah der alte Herr ihr nach. War das noch
seine sonst so ruhige, zurückhaltende Lotte, die bis vor
venigen Wochen über jedes verliebte Paar spöttisch ge—
ächelt hatte, ohne dabei zu denken, daß die Liebe auch
inmal ihr Herz schnelser schlagen machen würde? Ex selbfl
hatte es kaum mehr geglaubt, als sie einen Freier nach
»em andern, an denen es der reichen Erbin ja nie ge—
ehlt, fortgeschict hatte. Und nun? Nun lächelte sie nicht
nehr spöttisch, sondern lieb und herzlich, nun war sein
zroßes Mädel mit ihren fünfundzwanzig Jahren bis über
zie Ohren verliebt wie ein sechzehnjähriger Backffisch in
»iesen Hans von Osten, der ihr Herz im Sturm gewon⸗
ien. Was es wohl gewesen sein mochte, das ihn ihr so
iebenswert gemacht hatte? Seine schöne Erscheinung, sein
ʒcheres, männliches Auftreten oder sein hervorragendes
Anterhaltungstalent? Sie wußte es vielleicht selbst nicht.
Wußte nur, daß sie ihn liebte! Denn wer geht den Rät—
elwegen des Herzens nach? schlok Vapba Bergen tiefsin⸗
nig seinen Gedankengana— J

r
Feurige, berückende, dann wieder süße, prickelnde
Musik! Ein Meer von Lichterglanz! Und in der Mitte
des Saales, wo alles zusammenströmte, eine farbensattes,
herauschendes Bild! Kostüme aller Zeiten und aller Län—
her, in schimmernder Seide und mattem Samt, vom zar—⸗
en Weiß bis zum flammenden Rot, mit funkelnden Stei⸗
ien und glitzerndem Flitter besetztt Und wie dies alles
unt durcheinander wirbeltel Ein toller Rausch schien
ber die ausgelassene Menge gekommen zu sein! Ueberall
dachen und Scherzen und Flirten, überall jauchzende
ubelnde Lebensfreude, und in den Nischen und Gänger
in trautes Flüstern und Kosen!
Mit brennend heißen Augen schaute Lotte, an eimn
zer dicken Säulen gelehnt, in das bunte Getriebe. Ein
nalötzliches Verlangen, sich am Arme des Geliebten in die
en Strudel zu stürzen und ganz dem tollen Treiben hin—
ugeben, hat fie erfaßt. Zwei oder dreimal hatte sie wohl
chon Hans in der Menge auftauchen sehen, aber ohne
aß sie sich ihm hätte nähern können. Stets war er in
zesellschaft derselben Dame gewesen. Eine gzierliche Ge—
alt im Kostüme einer Carmen, mit einem wirklich schö—
* zierlichen Gesichtchen. darin aroße dunkle, fast schwarz
10en

Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 3. Juni.
Fußwanderungen. Tausende benutzen die schön
Jahreszeit, um Fußwanderungen durch die freie Natu
uͤ unternehmen. Die Wanderlust bildet eines der belieb
esten dichterischen Motive, und wer einmal ihre Schön
jeit gekostet hat, kann nicht mehr davon lassen; er greift
in jedem freien Sonntag, wenn die Sonne vom blauen
zimmel herablacht, aufs neue zum Wanderstab. Aber
wie oft verdirbt ein an sich geringfügiger Umstand die
ganze Freude am Ausflug, ja unter Umständen kann ir—
gend eine Unbedachtsamkeit oder Unkenntinis sogar für die
gesundheit gefährlich werden. Darum seien nachfolgende
Ratschläge allen Wanderern angelegentlich empfohlen:
1. Man vermeide in der Kleidung jede Einengung
mud Belästigung des Körpers. Darum ift steife Leib
wäsche, besonders hohe Stehkragen bei Männern, das
Nieder bei Frauen daheim zu lassen. Am besten eigne
ich für Touristen Wollwäsche, die warm, dabei selbst ir
urchnäßtem Zustand geschmeidig ist und den Schweiß qu
ufsaugt.
2. Ein besonderes Augenmerk ist der Beschuhung zu
zuwenden. Die Stiefel dürfen weder zu eng noch zu wei
fein. destomehr aber widerstandsfähig und wässerdicht Dies
ist sehr wohl auch bei leichten Schuhen zu erreichen, wenn
nur die Qualität des Leders eine gute ist.
3. Das Gepäck ist auf ein Minimum zu beschränken.
Ein schwerer Rucksack wird nicht nur bald lästig, sondern
er beengt auch die Brust und hindert die Atmung.
4. Man vermeide übermäßige Anstrengungen. Sie
verringern das Vergnügen, sind schädlich und überdies
zwecklos, weil man am folgenden Tage weniger leist
ungsfähig ist und ausruhen muß.
Wer diese Ratschläge befolgt, wird sich viel Aerger
und Unbequemlichkeiten ersparen, welche geeignet sind, die
Freude am Wandern zu vergällen.
Verhütetes ssittlichkeitsverbrechen. Am Mittwoch
mittag versuchte ein etwa 24jähriger Bergmann, wahrschein—
lich aus einem Schlafhause, auf dem Kilten sich an kleinen
Mädchen zu vergreifen. Der Mensch war jedoch beobachtel
worden. Herr Polizeisergeant Steinert, der sich zufällig ir
der Nähe des Gegenortschachtes befand, wurde auf das
Treiben des Menschen aufmerksam gemacht. Der Bursche
hatte jedoch Lunte gerochen und Reißaus genommen. Er
flüchtete auf eine Straßenbahn und fuhr in der Richtung,
nach Sulzbach davon, ohne erkannt zu werden.
Ein kleiner“5traßenbahnunfall ereignete sich gestern
mittag gegen 4 Uhr am Hammersberg. Hinter dem Motor—
wagen kam ein Leerwagen. Ein Herr, der auf der Platt—
form stand, sprang in dem Gedanken, es gebe ein Unglück,
von der Plattform ab, rufend: „Rettet euch!“ Auf diesen
Ruf sprangen denn auch verschiedene Frauen und Mädchen
ab, sich dabei an Armen und Beinen leichtere Verletzungen
zuziehend. Wären sie nicht abgesprungen, wäre nicht das
veringste passiert da der Leerwagen mitgenommen werden
llte.
Die Stammlose der preußischen Klassenlotterie soller
aim 1. Januar k. J. um 76 000 Nummern vermehr
verden, während die Zahl der Freilose, 32000 besteher
hleibt. Man hofft durch diese Vermehrung das Spielen
n auswärtigen Lotterien zu verhüten und die Spieler aus
den Händen von Präniien- und Serienlosschwindlern zru
befreien, gegen die auch in Preußen gesetzlich vorgeganget
werden soll.
Die Heidelbeerblüte hat einen guten Verlauf genom—
nen. Der Fruchtansat ist so reich, wie seit Jahren nich'
nehr.
Kartoffelpreise. In der Eifel und im Hochwalde la
ern noch große Vorräte von Kartoffeln. Die Landwirt
»aren im Herbst mit dem Verkauf etwas zurückhaltend, un
in Frühjahr höhere Preise zu erzielen. Sie haben sick
»arin arg getäuscht, denn heute sind die Kartoffelpreis
iedriger. Die Händler wissen sich kaum eines Frühjahre
u erinnern, in dem die Kartoffeln sy billig waren al—
euer.
Feierschicht. Wegen Mangel an Absatz ist auf sämt
ichen fiskalischen Griiben des Saarreviers für Monktoa. 6
Juni eine Feierschicht eingelegt.
Personalnachrichten. Seine Majestät der Kaiser und
dönig haben Allergnädigst geruht, dem Zimmerhauer und
Vettermann Michel Becker in Dudweiler, dem Bergmanr
dohann Denzer in Bildstock, dem Förderaufseher Ludwicç
hrossée in Völklingen, dem Schachtzimmerhauer Heinric
drämer 3. in Dudweiler, dem Fahrhauer Peter Lavall 2
n Ludweiler, dem Grubenschreiner Johann Mattes ir
Maybach, dem Aufkerber Wilhelm Mayer in Spiesen, den
Zchießmeister Konrad Müller in Fürth, dem Signalgebe
Joseph Ost in Münchwies, dem Fahrhauer Friedrich Pontiu
n Heiligenwald, dem Kapellmeister Heinrich Reitß in Quier—
chied und dem Aufseher Franz Schmidt 3. in Altenwal'
oas Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen. — Der Bergassesse
Rakor. zurzeit . ν vhbeüter des Reromöorfe α—

Votte sann nach. Irgendwo mußte sie dieser Schön
heit schon einmal begegnet sein. Woes nur gleich gewe
sen sein mochte? Doch wie sehr sie sich auch anstrengte
es gelang ihr nicht, die Erinnerung daran wachzurufen.“
Da — da tanzte das Paar wieder an ihr vorbei. —
Banz dicht, sodaß sie hatte sehen können, wie beider Blice
janz weltvergessen ineinander ruhten. Und als hätter
diese Blicke sie, gleichsam wie ein elektrischer Schlag, ge—
roffen, so war sie dabei zusammengezuckt.
„Die schöne Rita Sadoni ist auch hier“, sagte da ir
gend jemand in ihrer Nähe.
Ja, da tanzte sie eben mit dem Schwerenöter Osten
dahin“, gab ein anderer zur Antwort.
Rita Sadoni? — Ah, jetzt wußte sie mit einemmale,
wer die Dame am Arme ihres Verlobten war. Siedend
deiß stieg es in ihr auf, sodaß ste für einen Moment die
Augen schließen und sich an der Säule halten mußte.
Da klang dieselbe Stimme, die ihr eben den Namen
der Dame verraten hatte, an ihr Ohr: „So allein, schön
Maske? Willst Du nicht ein Tänzchen mit mir wagen?“
Einen Augenblick schaute Lotte den vor ihr stehenden
Kavalier verständnislos an, dann raffte sie mit einem
Briff die Falten ihres weichen, weißen Seidenkostüms zu
ammen und schritt rasch hinweg, nach einer halbdunkeln
durch schwere Plüschvorhänge getrennten Nischen. Dort
sank sie auf das in einer Ecke stehende kleine Sofa nieder
und barg das Gesicht in den Händen.
Also die Ballettmeisterin vom Stadttheater war es!
Deshalb war ihr diese glutäugige Schönheit so bekannt
dorgekommen. Gerade mit dieser, von der man sich so
gar wenig Gutes zu erzählen wußte, beschäftiate sich nur
Hans schon den ganzen Abend.
Doch! was war denn nur eigentlich mit ihr? Zwei—
felte sie etrwa an Hans? Nein, nein! Das konnte sie
nicht und das wollte sie auch nicht! Törin! Wie dumm
ie sich benahm! Von kleinlicher Eifersucht hatte sie sich
einnehmen lassen. Warum sollte er sich hier nicht ein
»aar Stunden amüsieren?“ Er wußte ja nicht, daß sie,
seine Cotte, auch anwesend war. Ja, und nun wußte
sie, was sie zu tun hatte. Sofort wollte sie ihn in dem
Betriebe suchen und sich ihm zu erkennen gehen Danpn
würde er schon zu ihr eilen.
Hastig sprang sie auf, doch nur, um wie festgebannt
Mhon 2u FRLiben Mar 532 45 seine Stiuüme ä 444

Hal, ist vom 1. Juni 1910 ab an die Geologische Lanoe
anstalt in Berlin versetzt worden. — Der Maschinenwe
meister Knörzer des Bergwerls Von der Heydt ist auf sein
Antrag vom 1. Juli 1910 ab in den Ruhestand verse,
worden. — Der Maschinensteiger und obere Werksbeam
2. Klasse, Alexander Flegel, ist vom 1. Juni 1910 ab vo
Bergwerke Reden an das Bergwerk Von der Heydt verse
worden. — Der Steiger Bernhard Schumann des Ber
werks Von der Heydt ist vom 1. Juli d. Is. ab im Tau—
mit dem Steiger Jakob Marx nach dem Bergwerk Frie
richsthal versetzt worden. Die Industrielehrerin Fräule
Mina Krämer zu Friedrichthal scheidet zum 1. Juni d.
aus. Die Industrielehrerin Irl. Lina Ugé wird zu den
selben Zeitpunkt von Walpershofen nach Friedrichsthal ver
etzt. An ihre Stelle tritt die Hilfslehrerin Frl. Marth
Hellwig, bisher zu Rußhütte. (Brgmsfrd.)
Der Saarbrücker Knappschaftsverein veröffentue
seine Rechnungs- und Vermögensübersicht der Kranker
und Pensionskasse für das Kalenderjahr 1909. Aus de
selben ist zu entnehmen, daß die Einnahme der Krankenka
2197 620,85 Mtk. beträgt gegenüber 2 303 950,67 Ma
Ausyabe, also eine Mehrausgabe von 106 329,82 Ma
rechnet man den Zuschuß vom Jahre 1908 in Höhe v
229 756,05 Mark, welcher der Pensionskasse entliehen
wieder zurückgezahlt wurde, ab, so ergibt sich ein Überse
bon 123 426,23 Mark. Hierzu der Bestand von 1908
Höhe von 60 4994,35 Mk., ergibt ein Vermögen
184 420,58 Mark. In der Pensionskasse beträgt die
nahme 13 397 282,82 Mk., die Ausgabe 12088 851
Mk., mithin Uberschuß 1308 430,43 Mk. Das Bermöc
stieg hier von 17308 107,10 im Jahre 1908 0
19 244 345,42 Mk. am Schlusse des Jahres 1909.
Brand. Auf der den Riebeckschen Montanwerken
)örigen Grube „Paul“ wurde durch Großfeuer ein Brike
chuppen mit 1 Million Naßpreßsteine und 500 Ladung
Briketts eingeäschert. Auch auf einer andern Grube in
Provinz Sachsen, bei der Werschen-Weißenfelser Braunko
rengesellschaft, wurden gestern eine große Menge Briket
und Preßsteine durch Schadenfeuer zerstört.
Kann man durch Bügeln die Krankheitskeim
zerstören? Diese für die Högiene überaus wichtige Frac
wurde vor kurzem im Institut für Infektionskrankheiten
München einer Prüfung unterzogen. Diese Prüfung zeigt
das die keimtötende Wirkung des Bügelns recht unsich
und ungenügend ist. Die Temperatur des Plätteisens
im allgemeinen nicht höher als 150 Grad. Bei dies
Temperatur aber bleiben z. B. die Tuberkelbazillen no
lebensfähig, da sie erst bei einer Wärme von 250 Grabsterben.
 Und wenn sich auch diese Temperatur oh
Schaden für Wäsche und Kleider einhalten ließe, was«
sich schon recht zweifelhaft ist, so ist noch hervorzuhebe
daß auch diese Maximaltemperatur nicht ausreichen würd
Pporenhaltiges Bakterienmaterial zu vernichten. Denn diese
Material z. B. Milzbrandsporen, erweist sich auch bei dies
Temperatur als lebensfähig. Wenn man aber, trotz diese
Bedenken die keimtötende Wirkung des Bügelns ausnütze
vill, so bügele man die Wäsche feucht und auf beide
Seiten. Allerdings wird auch so vorgenommenes Büger
in Fällen, wo die Desinfektion dringend notwendig ist, nid
genügen und durch sichere Methoden der Entkeimung
ersetzen.
Quierschied, 1. Juni. Herr Lehrer Wipking wird an
15. Juni aus dem hiesigen Schulverbande ausscheiden, un
eine Stelle in Essen zu übernehmen. An seine Stelle tr
die Schulamtsbewerberin Frl. Emma Krämer von Dudweile
welche auch während der Beurlaubung des Herrn Wipkir
vom 1. bis 15. Juni dessen Stelle versieht. — Vorleß
Nacht brachen Diebe in das Konsumgeschäft von Pasqua.
u. Lindner ein und entwendeten Waren im Werte vo—
ungefähr 200 Mark. Die Spitzbuben durchschnitten di—
an der Ladentür befindlichen Scheiben und gelangten
durch die Türe ins Geschäft. Seitens der Gendarmer
wurde die Verfolgung der Täter sofort aufgenommen, leid
bis jetzt ohne Erfolg. (Saarbr. Volksz.)
Von der Heydt, 2. Juni. In tiefe Trauer wurde de
Familie des auf hiesiger Grube beschäftigten Fuhrknecht
Stinsky versetzt. Der älteste Sohn, zu Ostern aus de
Schule entlassen, sollte in Saarbrücken das Schlosserhand
werk erlernen. Bei der Arbeit ritzte sich der Sohn an einen
Stück Eisen, wodurch eine kleine Wunde entstand, die
jedoch nicht beachtete. Nach kurzer Zeit fing der Arm a
zu schwellen und es trat Blutvergiftung ein. Trotz ärztliche
Behandlung ist der hoffnunasvolse Jünalinag seinen Noör
letzungen erlegen.
Mittelberbach, 2. Juni. Von der Frankenholzer Drah
seilbahn stürzte an deren Ubergang über der Ludwigstalt
Straße gestern abend zwischen 6 und 7 Uhr ein leer—
Wagen ab und traf das dort spielende 4 jährige Söhnche
des Bergmanns Johann Fremgen so unglücklich, daß de
stiind einen Schädelbruch und einen Beinbruch erlitt. De
oddanersnwerte Kleine wurde in das Neunkircher Lazare
———

der Nische nebenan erklang? Und jetzt sprach auch die
Tänzerin, ansche nend heftig erregt: „Warum hast Du mi—
denn nie von Deinem Vorhaben, Dich verloben zu wellen
gesprochen? Warum mußte ich es erst von anderen »n
fahren?
„Ich wollte es Dir nicht früher sagen, als es unbe
dingt notwendig war. Erst, wenn die Verlobung öffent
lich bekannt gemacht würde. Und dann“ — seine Stimm
klang so schmeichelnd, wie sie — Lotte — sie noch nit
gehört hatte — „dann fürchtete ich mich auch ein gan—
klein wenig vor dem Zornfunkesn Deinep schönen
geliebten Augen.“
Warum aber mußtest Du Dich überhaupt verloben?
Lotte hörte dabei das leichte Aufstampfen eines Fußzes
Ein heiseres, gezwungenes Lachen ertönte. „Warum“
— Es ging eben nicht mehr anders. Das Messer saß mi—
an der Kehle. Es hieß für mich nur noch, entweder —
oder. Ich mußte unbedingt sorgen, wieder einmal in ge
ordnete Verhältnisse zu kommen“
ODu liebst sie also nicht?“
„Lieben? Sie ist ein ganz gutes Mädel und ick
werde wohl auch gut mit ihr austommen. Sie wird eint
bequeme; Frau werden. Teufel auch! Sie, die sonst fül—
unnahbar galt, sie kam mir wirklich auf halbem Wege ent
zgegen, noch ehe ich an eine Heirat überhaupt dachte.“
IZst sie denn schön?⸗ F
„Aber einzige, süße, dumme Rital Wie kannst Do
nur so eifersüchtig sein. Nun, sie ist leidlich hübsch. —
Nicht mehr ganz jung. Aber laß das doch jetzt sein
Schatzl Laß uns lustia und ausgelassen sein, so, wie ick
es an Dir liebe! —
Bis jetzt hatte Lotte unbeweglich dagestanden, die
linke, geballte Hand fest auf das zuckende Herz gedrück
Nun glaubte sie zu sehen, wie er die Tänzerin plötzlich
an sich riß und küßte. Und es war ihr, als müsse sit
aufschreien vor wildem Weh; aber kein Laut rang sick
über ihre Lippem. Stumm sank sie wieder auf ihrer
Sitz nieder und wühlte mit den Fingern in dem vollem
Haar. — — —
4 a1 —
* ) 448
Eine halbe Stunde später saßen Vater und Tochter
wieder im Wagen, um nach dem Gute zurückzufahren. Der
alte Herpn bielt hze Sons Seines Tiehan WM —
            
Waiting...

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