solgen, die von der Ktriegsakademte in Berlin zu stellen
ind. Diese Prüfung erstreckt sich auf die mündliche und
chriftliche Befähigung, als Dolmetscher zu dienen.
— * Vereinfachung in der Heeresverwaltung. Das
reußische Kriegsministerium hat die Truppenteile seines
Befehlshabers aufgefordert, Vorschläge wegen einer wün—
chenswerten und zweckmäßigen Verein achung des Ge—
chäftsverfahrens zu machen. RNeuerungen, die besondere
MNehrkosten verursachen, sollen jedoch möglichst zurückge—
tellt werden, da die Finanzlage des Reiches zurzeit keine
Aussicht auf Verwirklichung solcher biete. Bekauntlich ist
n den militärischen Dienstzimmern die Kleingleitskrämerei
—i
u bei, auch hierin Abhilfe zu schaien.
Der Kampf im Baugewerbe.
Die Aussichten auf Beilegung des Streites im
zßaugewerbe haben sich etwas gebessert. Wenn—
lleich die Vertreter der beiden Parteien zienilich hartnäckig
mif ihrem Standpunkt beharren, so haben sie doch ihrer
ßereitwilligkeit zu einer friedlichen Verständigung in den
isherigen Konferenzen Ausdruck gegeben.
das belgische Königspaar in Berlin.
Montag Nachmittag 5 Uhr 15 Min. trafen im Son—
»erzug König Albert von Belgien und Gemahinn
auf der Fürsten-Station Wildpark bei Potsdam zum
Zesuch des deutschen Kaisers ein. Zum Empfang waren
ie Kaiserin, der Kronprinz als Vertreter des Kaisers,
sie Kronprinzessin und die meisten Prinzen und Prinzes—
innen des kaiserlichen Hauses erschienen. Der Kaiser war
ern geblieben, obwohl sein Befinden andauernd besriedi—
sjend ist. Er ist jedoch durch den Verband gehindert, Uni—
orm anzulegen. Ihn vertrat der Kronprinz, der die
kaiserin führte. Der Kronprinz hatte die Uniform des
Garde⸗Regiments mit dem Bande des belgischen Leo—
»oldordens angelegt. Beim Herannahen des Hofsonder—
uges präfentierte die Ehren Kompanie der Garde-Jäger.
Uls Erster entstieg König Abbert dem Zuge. Der König
ilte auf die Kaiserin zu und begrüßte sie mit tiefer Ver—
‚eugung und Handkuß. Darauf trat der Kronprinz aujf
den König zu und küßte ihn. Inzwischen hatte die Kai—
erin die Koͤnigin Elisabeth von Belg'en herzlich begrüßt.
darauf erfolgte die Vorstellung der Prinzen und Prinzes—
innen. Der König schritt alsdann an der Rechten des
tronprinzen die Ehren-Kompanie ab. Nach der Vorstell—
ing der beiderseitigen Gefolge geleitete der Kronprinz den
tönig die Bahnhofstreppe hinunter und bestieg mit ihm
»en Wagen' der sich durch das Truppen-Spalier nach dem
steuen Palais zu in Bewegung setzte. Die Truppen be—
zrüßten den König mit Hurra. Der Kaiser trat seinem
gaste aus dem Muschelsaal auf der Freitreppe entgegen.
kr trug die Uniform des 1. Garde-Regiments und hatte
»en rechten Arm in einer schwarzen Binde. Nach der Be—
grüßung durch den Kaiser begaben sich der König und die
Königin mit ihrem Gefolge in das Schloß. Im Muschel—
Saale war alsdann Empfang mit großem Vorantritt.
vierauf geleitete die Kaiserin die belgischen Gäste in ihre
Gemächer. An dem Tee, der dann zusammen in der
Wohnung des Königs der Belgier eingenommen wurde,
sahm mit der Kaiserin auch der Kaiser teil. Abends um
z Uhr erfolgte Fam'lientafel im Apollo-Saal. Der Kaiser
war zu dieser Tafel nicht erschienen
— WM—'IäI——Zeecòùcòcz— ecÜcg—22
Von der Luftschiffahrt.
*„Zeppelin“Fahrten. Aus Friedrichshafen
vird gemeldet: Die ersten längst erwarteten Fahrten des
n vielen Teilen veränderten „3. 3“ sind nunmehr für
heute Mittwoch vorgesehen, obogleich die Wetterprognose
venig günstig ist. Am Dienstag wurde mit der Fülluug
des Luftschiffes begonnen. Bei dieser Versuchsfahrt wird
der neueingebaute Motor der vorderen Gondel aus der
Brotzschen Maschinenfabrik Bissingen a. d. Enz seine Probe
zu bestehen haben. In der hinteren Gondel sind die bei—
den alten Daimler-Motoren montiert. Es steht fest, daß
„Z. 3“ die Wiener Fahrt ausführen wird. Die Anfragen
zus böhmischen und schlesischen Orten wegen Besuchs des
Luftschiffes find außerordentlich zahlreich. — Für „83. 4“
vurde der letzte der drei Daimler-Motoren abgeliesert.
Nan hat mit der Montierung begonnen. Da das Kar—
oniumgaswerk wieder betriebsfähig ist und täglich gegen
1000 Kubikmeter Gas herstellt, so wird mit Hilfe frem—
»er Gasmengen „8. 4“ bis Mitte Juni fahrbereit sein. —
Auf die Einladung des Breslauer Magistrats, bei der
Wiener Fernfahrt in Breslau zu landen, antwortete Graf
Zeppelin, sür dessen Empfang bereits 5000 Mark bewil—
iigt sind, er danke für die ehrende Einladung. eine Land—
ing sei in Breslau aus flngtechnischen Gründen nicht be—
zbsichtigt, aber nicht ausgeschlossen.
Vermischtes.
Der Kampf gegen die Riesen-Hutnadeln. Die
gefährliche Gewohnheit der Damen, die Hutnadeln of
veit herausragen zu lassen, erfährt jetzt, nach dem vor—
ildlichen Vorgang mancher amerikanischer Staaten, auch
n Wien eine scharfe Bekämpfunag. Wie das „Neue Me
x
„Hurra... Christkindlbescherung, hernach Tanzkränzl
der Weihnachtsball, wenn Du es so nennen magst, freue
Dich und lache wieder“, schrie eines Morgens der Heiner
bem noch halb in Träumen liegenden Franzl ins Ohr.
„Wenn Du aber lieber einen Urlaub nehmen willst,
o melde Dich heute“, setzte er hinzu, als er sich ein wenig
dem Franzl das entworfene Festprogramm zu begeistern
nermochte.
Dem Franzl aber schwoll das Herz vor Freude! Ja,
inen Urlaub wollte er nehmen und Weihnachten daheim
perbringen.
Das war das richtige, dort allein konnte er völlig
wieder gesunden. ...
... Und am Vorabend des Christfestes ging es
dann heimwärts. J
In tiefen Schnee gebettet lag das Dörflein; die
Mauern seines Häuschens waren mit Reif beschlagen,
heller Lichtschein drang aus den Fenstern und durch die be—
eisten Scheiben hindurch sah Franzl verschwommen die
Bestalten von Vater und Mutter.
Beide saßen vor dem großen Eßtisch; die Mutter
trikte und der Vater rauchte bedächtig sein gewohntes
Bfeifchen. n wereh
— Frau Zanterl mußte wieder eine von ihren langen
steden vom Stapel gelassen haben, denn der Vater meinte
bwehrend:
„Mach' nicht so viele Worte, Mutter, sag einfach, so
st nun einmal das Leben. Es wird keiner klug, denn
zurch die eigene Erfahrung. Was einem zu schnell und
eicht in die Hand fiel, schätzt man nicht und wäre es
nuch ein echter Diamanistein.
Erst, wenn man's dann verloren hat, dann kommt
die Reue. Geb' Gott, daß sie bei unferem Franzl nicht
u spät komme“..... ———
Da wußte der Bursche, daß von ihm die Rede sek
moͤ es siel ihm plötzlich sehr schwer aufs Herz, was er
m dem Regerle gesündigt hatte. *
Denn, daß sie der Diamantstein war, von dem der
Bater gesprochen, das stand fest.
Die Eltern waren frisch und gesund, das sah er; er
rat also noch gar nicht bei ihnen ein, sondern suchte
erst jene Sache in Ordnung zu bringen, die ihm jetzt die
vichtigste der Welt schien
ier Tageblatt“ berichtet, zirkuliert gegenwärtig vei sämt
ichen Bezirksvertretungen der österreichischen“ Hauptstad
in Antrag der Bezirksvertretung Neubau, gegen die all
u großen Hutnadeln der Damen Stellung zu nehnien
der, Antrag geht dahin, an maßgebender Stelle dahin zrd
virken, daß das Tragen von Humadeln, die aus den Hü
en mehrere Zentimeter hervorragen, verboten werde
Sollte dies undurchführbar sein, so möchten die Damen
ingewiesen werden, diese hervorragenden Hutnadeln mi
iner Schutzvorrichtung zu versehen. Durch diese Damen
node werde die körperliche Sicherheit arg gefährdet. Be—
zirksvorsteher I-kgersberger, der diesen Antrag in der le tz
en Sitzung der Bezirksvertretung Leopoldstadt zur Ver
esung brachte, teilte mit, daß er vor einigen Tagen au
—
dame mit ihrer Humadel das Auge aussteche. Die Dam
oollte absteigen und kam hierbei an ihm so knapp vor.
»ei, daß sie ihm mit der Hutnadel eine Ritzwunde ober
alb des Auges beibrachte. Der Antrag wurde schließlic
instimmig angenommen.
Eine Handschrift Christi? Eine Wiener Korrespon
enz meldet im guten Glauben, es habe jemand diesen
dage am Tandelmarkt ein altes Buch gekauft, in den
ine alte Handschrift in hebräischer Sprache lag. Ein Ge
hrter, der den Inhalt überseßte, behauptet, die Schrif
ihre von Jesus Christus her und sei eine Sendbotschafi
nsein Volk. Der Finder ließ das Manuskript photogra
hieren und hinterlegte das Original bei einer Wene
zank. (Die Nachricht bedarf selbstverständlich der Bestä
gung und die etwa gesundene Schrift der genauerer
zrüfung durch Sachverständige.)
Eine Gerichtsbestellung ins Jenseits. Von ei—
em eigenartigen Gerichtskuriosum berichtet der Berliner
okalanzeiger. In einem Prozeß, der zurzeit in Theater
reisen der Reichshauptstadt spielt, war von dem Land
ericht 1 die Frage zu entscheiden, ob das Renommee ei—
ies Stückes, das für Berlin bereits angenommen ist, dar—
inter leidet, daß das Werk vor der Berliner Erstaufführ—
ing in einer Provinzstadt Deutschlands in Szene geht.
die Parteien stritten hin und her, und schließlich einigte
nan sich dahin, daß ein Sachverständiger entscheiden sollie.
die Benennung überließ man dem Gericht, und dieses be
ellte prompt — „den Bühnenschriftsteller Adolf l'Aronge“
ls Gutachter. Es steht zu befürchten, daß l'Ärronge am
zrscheinen verhindert sein wird, denn er ist bekanntlich vor
wei Jahren gestorb'en.
Verkannt. „Ich helfe aber bestimmt niemandem mehr,
Namachen!“ sagte Hänschen und warf in heller Empör⸗
ing seine Schulmappe auf den Stuhl. — „Warum denn
icht?“ erkundigte sich die Mama. — „Ja, dente nur: Heu
n der Schule sah ich, wie Heinz Werner eine Radel ir
»es Lehrers Stuhl sieckte, und da zog ich den Stuhl weg
gjerade wie sich der Lehrer setzen wollte. Der sehle sie
un natürlich auf die Erde, und als er wieder aufstand
riegte ich Wichse, weil ich den Stuhl weggezogen hatte
end nachher verbimste mich auch noch Heinz Werner, weil
h ihm den Spaß verdorben habe. Ich helfe gewiß nie
oieder einem!“
Die „kosmetischen Eigenschaften“ des Mannes
Iisher war wohl nur bekannt, daß die Natur dem Mannée
llerhand „männliche“ Eigenschaften verliehen hat. In ei—
ier Schweizer Gerichtsverhandlung hat sich aber noch eir
deres, charatteristisches Merkmal des Mannes herausge⸗
sellt. Darüber weiß der St. Galler Stadt-Anzeiger z3u
erichten: Am 14. Mai 1909 wurde ein Knabe in Brug—
en von Hunde eines Kohlenhändlers in die linke Wange
ebissen, so daß eine Narbe entstand, die eine bleibende
eformation des Gesichtes des Kindes bewirkte. Die ärzt⸗
chen Gutachten erklärten, daß die Entstellung auch durch
ne operative Korrektur nicht verbessert werden könne.
Aurch die Strasuntersuchung stellte sich heraus, daß der
ehr scharse Hund des Beklagten bereits vier Kinder ins
zesicht und einen Erwachsenen in die Hosen gebissen halle,
»hne daß sich der Besitzer veranlaßt sah, dieses gefährliche
kier zu beseitigen. Er hielt nur darauf, daß der Hund
agsüber angebunden sei, ließ ihn aber nachts im Hofe
eines Geschäftes frei umherlaufen, so daß das Tier ent
vischen konnte. Der Vater des entstellten Knaben ver—
angte außer den Heilungs- und Verpflegungskosten 8000
r. als Entschädigung für Erschwerung des Fortkommens
eines Kindes infolge Entstellung und Verstümmelung und
000 Fr. als Schmerzensgeld und Genugtuung. Iu der
jerichtsverhandlung wurde u. a. eine Einschränkung der
eiratsmöglichkeit des Kindes infolge der Rarben behaup—
et, und hierbei, damit dem sonst ernsten Fall auch die
eitere Seite nicht fehle, vom Vertreter des Klägers gel—
end gemacht, daß der Knabe wegen der Stülpung der
Rberlippe nicht einmal mehr einen anständigen Kuß ge—
en könne. Das Bezirksgericht Goßau fand jedoch, daß
ie Einschränkung der Heiratsmöglichkeit bei dem Verletz
en nicht allzu hoch eingeschätzt werden dürfe, zum min—
esten nicht so hoch, wie wenn das verletzie Kind ein
dädchen wäre; denn erfahrungsgemäß kämen beim „wer—
enden Manne“ im allgemeinen seine ‚kosmetischen Eigen—
haften“ nicht in dem Maße in Betracht, wie das beim
eibe der Fall sei. (Das Bezirksgericht Goßau scheint
ch über die Bedeutung des Wortes Kosmetik nicht ganz
ar zu sein. D. Red.) Das Kantonsgericht sprach im
gerufungsverfahren den Beklagten der fahrlässigen Kör—
erverletzung schuldig und verurteilte ihn zu 100 Frank
veldstrafe. Ferner wurde er verpilichtet. Fem verletßten
Er hatte dem Regerle niemals geschrieben; gew,
ihnte sie etwas von seiner Treulosigkeit. Sie wird Dich
rimmer haben wollen und Du verdienst sie auch nicht,
jatte sich in selbstquälerischen Stunden der Franzl schon
undertmal gesagt. — — — “
Nunm stand er vor ihren Fenstern!
Aber niemand schien in der Stube zu sein.
Franzl trat durch die unverschlossene Türe in den
jang. Von dort aus konnte man in die Küche sehen.
Das Regerle saß neben dem Herde und rührte Teig,
das Lämpchen beleuchtete ihr schmales, blasses Madon—
engestchtlein mit den trüben, verweinten Augen. J—
Ach, das Regerle hatte unterdessen so viel gelittenl
dag um Tag haͤtte es auf eine Nachricht von Franzl ge⸗
offt und immer vergebens.
In dem kleinen Häuschen ging es jetzt still her. —
Zonst sang das Regerle bei der Arbeit, jetzt war dem
dädchen Lachen und Singen längst vergangen. Warum
chrieb er denn nicht?
Sie wußte keine Antwort .....
Sie selbst hatte nichts geian, kein unrechter Gedanke
par jemals in ihr aufgesticgen, nur heimlich geweint hatte
ie oft und noch mehr gebetet für den fernen Geliebten.
Und plötzlich, da wußte sie es auch, warum der
Franzl nimmer geschrieben hatte.
.Ein Verwandter von ihr war in der Stadt gewresen
ind hatte den Franzl ge'ehen auf der Straße stehen mit
inem wunderschönen Stadtmädel ....
Und daraufhin rieselten die blanken Zährlein noch
yfters und noch zahlreicher über die Wangen des Regerl
serab und wuschen mit der Zeit auch noch das letzte
stestchen rosiger Frische hinweg ....
Dem Franzl gab es einen heißen Stich ins Herz
zeim Anblick des vergrämten Mädchengesichtes. Das war
illes seine Schuld ... die blassen. schmalen Wangen, die
rüben Augen ....
„Regerl, herzlieber, armer Schatz“, sagte er plötzlich
eise, voll Innigkeit, aus dem Dunkel hervortretend. ...
Kannst Du mir verzeihen, was ich Dir angetan ... ver⸗
nagst Du es, mich nochmals lieb zu gewinnen?“ .....
Der Franzl weiß plötzlich, daß im Gutsein der wahre
Vert des Menschen liegt, nicht in der körperlichen Schön—
eit, die bald vergeht und oft nur die blendende Hülle
ines häßlichen Chorafkftera 1
dinde als Heinngs- und Verpflegungskosten 407 Fr., aus
Entichädigung sür Erschwerung des Fortkommens 5000
Frank und als Schmerzensgeld 1000 Fr., sowie die seh—
»eträchtlichen Untersuchungs-, Gerichts- und außerrechtli
hen Kosten zu bezahlen.
Die Jagd auf den Ozeandampfer. Eine unge
vöhnliche und wohl einzigartige Schneilfahrt hat, wie di
Wiener Neue Freie Presse berichtet, dieser Tage ein New
Yorter Millionär, Mr. W. J. Chalmers, der mit sei
ner Frau in Karlsbad zum Kurgebrauch Aufenthalt ge—
tommen hatte, von Karlsbad nach Fishguard unternom
nen, um die nach New-York abdampsende „Mauretania
zu erreichen. Herr Chalmers ersuhr durch ein Kabeltele
zramm, daß seine einzige Tochter in New-York schwer er—
rankt sei. Hals über Kopf reisten nun die Eltern mit
dem Wiener Expreßzuge nach Paris ab. Nach einigen
Ztunden war Calais erreicht, und dann fuhren sie mi—
inem gemieteten Spezialdampfer nach Dover. In Rea
»ing engagierten sie einen aus Lokomotive und einem Sa—
onwagen bestehenden Sonderzug, der Samstag früh um
Uhr in Queenstown einlief. Als sie in Fishguard ein—
rafen, war die „Mauretania“ schon auf hoher See. Nun
iellte ihnen die Great-Western-Bahngesellschaft einen ihrer
schnellsten kleinen Dampfer zur Verfuüͤgung, der mit Voll—
dampf auf den Ozeanriesen Jagd machte. Im Jrischen
anal wurde das Schiff eingeholt. Auf ein Signal hielt
es an, die zwei Passagiere stiegen ein und konnten nun
ihre Fahrt ohne erzwungene Hast fortsetzen. Donnerstag
werden sie in New-York landen. Die sechssstägige Fahr—
hat gewiß Tausende gelostet.
Die nächtliche Gefahr. In der ‚Tägl. Rundsch.
erzählt eine Lehrerin folgendes Geschichichen aus der
Z„chule: Ich unterrichte in der Knabenklasse einer Berliner
ßorortschule und stelle in der Religionssiunde den Kin
dern die Frage: „Vor welchen Gefahren hat euch der
liebe Gott in der Nacht beschütztz“ Es erfsolgen die üb
ichen Antworten: Vor Räubern, Dieben, Krantheiten. Ich
rage weiter: „Denkt mal nach, was im Sommer häufis
noch des Nachts kommt, wenn es am Tage schon sehr
chwül war?“ Ein kleiner Knabe meldet sich stürmisch und
agt: „Freilein, denn kommen de Wanzen ...“
Ein Schildbürgerstreich. Auf einer meiner Dienst—
leisen im schönen Westfalen führte mich — so erzählt ein
Leser der „Tägl. Rdsch.“ — mein Weg nach dem durch
eine „Schildbürgerstreiche“ berühmten Städtchen B. und
ron da weiter nach dem etwa 7 Kilometer entfernten Or.
xX. Ich hatte mir in B. ein Fuhrwerk gemietet, dessen
zesitzer, ein älterer Bürger, mich begleitete. Da es eir
honer Sommertag war, so lenkte ich die Rößlein selbst
Den Weg bildete eine gut erhaltene Chaussee, die, wie
nan es in jener Gegend fast allgemein findet, auf der
einen Seite einen zum Viehtreiben bestimmten, damals in
rächtigem Grün prangenden, 2 bis 3 Meter breiten Gras—
treifen aufwies. Als wir die Hälfte des Weges zurück
zelegt hatien, fiel mir auf, daß der Streifen, der uns bie
»ahin zur linken Hand begleitet hatte, plötzlich und ohne
eden ersichtlichen Grund auf die rechte Seite übersprang
ind sich da fortsetzte. Auf meine erstaunte Frage laͤchelte
nein Begleiter halb verschmitzt und halb verlegen und
neinte, da hätte ich mit eigenen Augen eines der B.'er
Ztückchen entdeckt. Als nämlich die Chaussee gebaut wer—
»en sollte, hätten die Vertreter der beiden Gemeinden ver
inbart, daß jede Gemeinde, von ihrem Orte aus begin
iend, die Hälfte der Chaussee herstellen, und daß die
Viehtrift“ auf der linken Seite errichtet werden sollte. Als
ie Baukolonnen auf der Mitte der Strecke zusammenstie
zen, seien sie aufs höchste überrascht gewesen, daß die
Ztreifen nicht ineinander übergehen wollten. Und so muß
»as Vieh nunmehr mitten auf der Strecke den liebgewor
zenen weichen Pfad verlassen und die harte Chaussee über
chreiten, um wieder in geordnete Verholtnisse zu klommen
Bayerischer Sunger und Durst. Bei einem Hoch
eitsessen in Kleinfoltsvbach in der goitseligen Oberpfalz
sjat ein braver Metzgermeister außer der Reihe der sonsti
zen Gänge noch 27 Knödel, und keine von den kleinsten,
iuf einem Sitz vertilgt. Und aus einer ungenannten Ort
chaft in Schwaben kommt die Kunde, daß dort zwei
rinkfeste Bayern vor dem Eintritt der Bierpreiserhöhung
in Abkommen trafen, daß derjenige den anderen freihal⸗
en müsse, der auf einer eigens zu diesem Zwecke anzu—
tretenden Bierreise weniger vertilge. Gesagt, getan. Die
beiden Kumpane kneipten durch alle Wirifchaften durch,
und am Schluß hatte der eine 51, der andere 44 Halbe
und sie waren beide doch noch bei leidlicher Verfassung. Bei
solchen Trinkern kann die Bierpreiserhöhung allerdinge
nur von Segen sein.
Erklärte Weisheit. Ein junges Mädchen hatte meh—
rere Freundinnen zum Tee geladen. Nach mancherlei Um
erhallungen erbot sich eine der Damen, den anderen aus
der Hand wahrzusagen. Als erstes Objekt ersah sie sich
eine ihr noch fremde junge Dame, die ihr auch bereit
willig ihre Handfläche hinreichte. — „Ah, aus Ihler Hand
sehe ich, daß Sie heimlich verlobt sind und bald heiraten
werden“, sagte die Wahrsagerin. — „Wie wunderbar!“
rief die künftige Braut aus. — „Ja, noch mehr!“ fuh
hdie Chiromantin in scharfem Ton fort. „Ich sehe, da
Zie mit Herrn Bätmer verlobt sindl“ — „Ddas ist abe
ast unglaublich!“ rief das Mädchen errötend. „Wie kön
ien Sie das nur wissen?“ — „Durch langes Studium de
Zunit“ war die Antwort. — Aber aus den Linien m
Das Regerl erschrak erst ein wenig, dann legte sie das
Köpflein treuherzig an Franzls Brust und versickete ihm,
daß sie ja niemals aufgehört habe ihn zu lieben und,
daß sie ja gar nicht wüßte, was sie ihm zu verzeihen
vätte ...
Eindringlicher, demütigender konnte sie ihm seinen
Unwert, seine Schuld, all die begangene Treulosigkeit nicht
zur Kenntnis bringen als in diesen Worten der Milde
und Güte. Da sie aber seine Zerknirschung und seine
heue sah, verzieh ste ihm ganz und voll, ohne viel Worte
zu machen und sich Versprechungen für die Zukunft geben
zu lassen.
„Komm'“, sagte sie, einfach und schlicht wie ihre ganze
Verson und Charakter war, es ist jetzt nicht Zeit zu lan—
zen Auseinandersetzungen, gehen wir zu den Eltern, die
verden sich närrisch freuen über ein so großes, liebes
Christtindl, wie Du bist“ ..—
—.And Arm in Arm gingen die beiden in das Saus,
in dem ihnen das Glück erblühen sollte, wie alles Un⸗
gemach schließlich ja doch nur dazu dient, das Gute in
uns zum Wachsen zu bringen und uns aufzurütteln und
zu erwecken, damit wir uns auf uns selbst besinnen und
auf das, was uns zum Heile ist.ααα
—
u 8
3 D *
KRunfes Allerlei.
—— —
—Der sStein der Weisen. Ein „Goldmacher“
am zum König Karl dem Kühnen und bot ihm den
Stein der Weisen an, durch welchen er Gold machen
önne. Der König schien begierig darauf einzugehen; seine
Finanzen standen infolge der vielen Kriege schlecht. Der
Boldmacher fragte endlich auch nach seiner Belohnung.
Der König ging in das Nebenzimmer und kehrte zurüd—
mit einem großen Beutel, den er dem Mann in die Hanls
drückte. „Aber“, sagte dieser mit Erstaunen, „Majestät,
es ist ja nichts darin!“ Nun“, sagte der König mit Sal—
hung, „nun, mein Sohn, da Du die Kunst verstehst, Goid
zu machen, so fehlt Dir offenbar auf der weiten Wel
gar nichts, als ein Beutel, wo Du es hineintust.“
dert Hand konnen Sie doch nicht den Namen memes
— „Wer spricht denn von Linien?“ erwiderte die Proph
tin bleich vor Wut. „Sie tragen den Verlobungsring *
ch ihm vor drei Wochen zurückgeschickt habe!“ der
Visitenkarten mit Stadtplänen. London ist je
so groß, das Labyrinth seiner Straßen und Plätze isi
ompliziert und die Namen der Straßen wiederholen sit
elbst in nahe beieinander gelegenen Ortschaften so haufi
daß viele Bewohner der Riesenstadt, um etwaigen vind
hern Irrungen und Wirrungen und Zeitverlust zu erspo
zen, in neuerer Zeit au' die Rückse'te ih er Visilentatie
und auf ihre Briefbogen einen kleinen Stadtplan drude
rassen, auf welchem genau ihre Woen!nug und die drJ
grenzenden Straßen angegeben sind; die nachgebildeie.
Straßenzüge führen gewöhnlich bis zu einem Puntkte, vor
dem aus man sich leicht zurechtfinden kann, bis zu einer
Denkmal, einer Untergrundbahnstation, einem öffentliche
Bebäude usw.
Wie man in Marokko Nahrungsmittelfälschun—
bestraft. Man schreibt der „Voss. Ztg.“: Er hieß Mo
jamed, wie fast jeder dritie Mohamedaner, lebte in La
rasch und betrieb auf dem dortigen Markt einen kleine
dandel mit Butter. Das Goschäft ging ausgezeichne
»enn er verkaufte sein „Sininn“ — so nennen die Maro—
aner die alte, etwas ranzige Landesbutter — bedeuten
zilliger, als d'e anderen Händler. Eines Tages kauf
zuch einer der Zollbeamten einen Topf mit Sininn 6
Nohamed und ließ am Abend den landesüblichen Ku
ussu damit bereiten. Als aber dieses Nationalgericht den
Zöllner vorgesetzt wurde, kam dem Herrn der Duft de
Zpeise doch etwas bedenklich vor. Nachdem er lange dar
in herumgerochen hatte. ließ er sich den Buttertopf au
»er Küche holen und stellte nun fest, daß der Butter n⸗
»en dem beliebten ranzigen Geruch noch ein fremder Dus
ntsteg. Die Sache war verdächtig, daher ging er mit den
Topf sofort zum Gouverneur und dieser ließ umgehen,
»en Händler Mohamed zu sich rusen, um ihm vor alle
dingen erst 100 Hiebe erteilen zu lassen. Bei dem darau
folgenden Verhör gestand Mohamed, daß er seit langen
aus einem gewissen Pflanzenfett, sowie aus Olivenöl und
etwas „Sininn“ Butter fabriziere, was ihn in den Stam
setze, das Prodult so billig zu verkaufen. (Sininn hatt,
er nur deshalb zugesetzt, um dem Erzeugnis wenigsten
etwas von dem richtigen Geruch zu geben) Der Gou
nerneur hatte wenig Versiündn's für die Fabrikation Me
sameds, glaubte vselmehr, hier eine empfindliche Stra
hiktieren zu müssen, um auch andere Nahrungsmittelfäl
scher abzuschrecken. Am nächsten Tage erlebten die Be
wohner von Larasch ein merkwürdiges Schauspiel. Eilich
Vtochasni (Lehnssoldaten) führten einen Mann durch di
Stadt, dem ein großer Topf auf den Rücken gebunde
war Es war der Butterhändler Mohamed, und in den
Topf befand sich sein Kunstprodukt, das durch etwa—
Wärme flüssig gemacht war. Einer der Mochassni tru
eine große Kelle, mit der er von Zeit zu Zeit in die flüf
sige Butter fuhr und den Deliquenten von oben bis untel
damit begoß. Wenn der arme Mohamed sich mit de
Händen das eingefettete Gesicht abzuwischen trachtete, s.
klopfte man ihm auf die Finger, daß er von seinem Vor
haben abließ. Als der Umzug beendet war, ließ man de
über und über mit einer Fettschicht bedeckten Mann lau
fen. Natürlich wurde der Vorfall mannigfach glossiert
und einige Moderne meinten, der Gouverneur sei eir
großer Feind des Fortschrittes, sonst hätte er den ersten
marokkanischen Kunstbutterfabrikanten nicht so schmählid
behandelt, andere dagegen, und sie waren in der Mehr
zahl, fanden sein Verfahren sehr gerecht.
Der schlafende Wahlvorsteher. Im vergangenen
derbste wurden in Kamen i. W. Stadwerordnetenwahlen
vollzogen, bei denen die Handwerler- und Bürgerparte
unterlag. Die Vertreter dieser Partei haben gegen di
Bültigkeit der Wahl Protest erhoben, die aber von dem
dollegium verworsen wurde. Daraufhin haben sie den
Klageweg beschritten und behaupten, der Wahlvorsteher habe
während des Wahlattes zeitweise geschlafen. Der Bezirks
ausschuß hatte zwecks Feststellung der Behauptung de
Kläger einen Ortstermin anberaumt, in welchem mehrere
Zeugen belundeten, der Vorsteher habe tatsächlich bei dem
Wahlakte geschlafen. Einzelne behaupten, das „Nickerchen
des Wahlvorstehers habe wohl mal ein Viertelstündchen
gedauert. Die Wahl dürite wohl für unaültig erklär
werden.
Der sanfte Verweis. „Hören Sie, Feldwebel“, sag
der Hauptmann Zierer zur Mutter seiner Kompanie, id
bitte mir aus, daß sie den Mann anständig behandeln
Das ist ein gebildeter Mensch, aus guter Familie, wirs
einmal Offizier, also lassen Sie Ihr ewiges Geschimpifft,
verstanden?“ — Nach einigen Tagen hält der Feldwebel
Appell ab. Lange bleibt er vor dem am linken Flügel
der Kompanie eingestellten Einjährigen Neuer stehen, des
sen schmutzige Bluse betrachtend. „Einjähriger“, sagt e
dann, sanft, wie noch niemand es gehört hatte; „Einjäh
riger, Sie sind ein gebildeter Mensch, aus guter Familie,
wollen Offizier werden und kommen mit solch eine—
Bluse!“ Dann tritt er vor des Einjährigen Nebenmann.
„Und Du bist g'rad so ein Schwen!“ brüllt er diesen an.
Kometen und Ueberschwemmungen. Auf ein sehr
nerkwürdiges Zusammentreffen von dem Erscheinen vor
Kometen und den großen historischen Ueberschwemmungs—
Kataftrophen weist ein enalisches Blatt in einem interes—
— 72
Darum auch. Herr Max Fust kommt von einem
Kränzchen und ist, wie man hier und da sagt, „'n bisken
anj jangen.“ In dem Bestreben, sein Heim zu erreichen, !rrih
er die Ritterstraße wie ein Nordsee-Schoner bei hoͤhen
Seegang. Es ist 5 Uhr mo gens, und mit Ausnah«e de
Bäckerjungen und Milchwagen gibt es in der Gegenb
bloß hin und wieder einen Schutzmann. So einer beob
achtet Herrn Max Fust schon eine geraume Weile und is
Zeuge, wie sich dieser, in dem Bemühen, einen Laiten
nenpfahl zärtlich zu umarmen, seiner ganzen Länge nac
auf den Bürgersteig hinlegt. Da Herr Fust 235 Pslun!
wiegt, so wird ihm das Hinfallen leichter als das Auf
stehen, und mit wehmütigem Lächeln sieht er dem Schutz
mann entgegen, der sich ihm mit den Worten nähert: „Abe
Mann, Sie wer'n sich doch nicht hier hinlegen! .....
Stehn Se doch auf und jehn Se nach Hause!“ — „J
woll — ja — jleich — — Hert Wachtmeester“, Mat Fr
schluchzt heftig — „ich bin man blos vor Durscht abn
mächtig geworden!“
F öAVTFTTTOCOIM
.. Der nboid..
—A — —
Mutterstolhz. Der kleine Isidor: Mameleben.
der Herr Lehrer hat gesprecht französisch mit mir.“ —
Mutter: „Was hat er gesagt, mein Goldsohn.“ — Ifidor:
„Ich sei e Muster von Malpropretee.“ — Mutter zum Vo
ter: „Hast De gehert Hersch? Der Lehrer hat hingestel
unser Kind als'n Muster von 'em französschem Fremd
wort. Da hast de e Fimwer. mein Goldkind. kauf' de
was!“
Kinder des Lustspieldichters. Besp—
cher: „Warum haben die Kinder denn eben so krampfha
gelacht?“ — Dienstmädchen: „Der Papa hat ihnen se
neues Lustspiel vorgelesen.“ — Besucher. „Ist das den
gar so spaßhaft?“ — Dienstmädchen: „Das nicht; ob⸗
menn sie nicht lachen, dann aibts Ohrfeiden.“