Full text : Dudweiler Zeitung

stummer 122. 23. Jahrgang.
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scheinlich etwa drei Wochen in Anspruch nehmen. Mit der schulen und erinnert an gewisse Lander, worin unter den
Rugenvernehmung wurde angefangen. Als erster Zeuge Jalschen Bamen „Freiheit“ die härteste Tyrannei herrsche.
wurde der Ermimisterpräsident Deuntzer vernommen.“ Es Die Enchyllita schließt mit dem päpstlichen Segen.
sind im ganzen etwa 20, Zeugen benannt, darunter meh⸗ Eungland.
ctere Erminister und einflußreiche Politiker. Eine zeugen mEine tiese Bewegung macht sich schon seit einiger Zeit
schaftliche Vernehmung Albertis selbst ist wenigstens fürs in den englischen Arbeiterkreifen gegen den
erste nicht in Aussicht genommen. Mit der größten Span ruffischen Despotismus in Finnlamd be—
nung sieht man während des schwebenden Ministeranklage merkbar. Am Sonntag wurden in London und verschie—
prozesses der Lösung der jetzt akuten Ministerlrise ent denen anderen großen englischen Städten Versammlungen
zegen. abgehalten, in denen gegen den russischen Despotismus in
Finnland protestiert wurde. Am Trafalgar-Square, wo sich
mehrere tausend Personen versammelt hatten, wurden von
den Rednern heftige Ansprachen gehalten und es gelangte
eine Tagesordnung zur Annahme, die die Tyrannei der
russischen Regierung verdammt, welche in Finnland die
Konftitution aufgehoben und damit die Garantien geschän
det habe, die vor einem Jahrhundert Alerander 1 Finn
tand gegeben habe. Die Tagesordnung verlangt eine so—
fortige Intervention der englischen Regierung beim Za
ren in dieser Angelegenheit

3 3434 8 Wahlsieg davongetragen hat, wiederum der mächtigste
die Immunität der Rãume gesetz⸗ Politiker Dänemarks geworden ist, der Exminister—
gebender Körperschaften. de ehrien sen, untt Jeinem Geireuen.
Der von der Strafprozeß-Kommission des Reichstages »em Erminister des Innern Sigurd Bexg, zusammen
igenommene Zentrumsantrag, daß Beschlagnahmungen u F e d enen dn dee e
nd Durchsuchungen in den diensträumen einer gesetzge— m mcen uße ntlich atsg sutzt.
enden Versammlung nur mit Genehmigung des Vorsitzen⸗ vegen seines Berhaluens in einem sruͤheren Iuie ege
en der Versammlung vorgenommen werden dürfen, geht her dem herbrecherisehen Justi zminister Indei gr —F
eit über den Regierungsentwurf hinaus, der lediglich die ere T dent Prozeß, e, e und * an
eschlagnahme von Schriftslücken und anderen Sachen, die An och sei en Anfang nahm, schon De en 9*
hy in Verwahrung einer gesetzgebenden Versammlung be— st es ins ungemessene gestiegen, mach gun der,. V dintange
uiden, verbietet, wenn der Vorfitzende erklärt, daß die lante Dupch Den Auesan der Wahlen derenige eworer
chlagnahnte demn Wohle des Reids vder eineß Bunn6, der, wenigstens in den ersten drei Jahren, den aus—
esstaates Nachteil bereiten würde. Findet der Antrag hlaggebenden Einsluß auf die danische Pott Ahen woa
lufnahme in die Strafprozeßordnung, was freilich bei Ie Agencumuhe Sngen gnd zus d ie⸗
n Widerftande, den die Riegie ung“ leisten wird, noch enspie de⸗ 8 uge nen bu py— sicenne qr We w
weifelhaft ist, so könnte der Vorsitzende einer gesetzgeben— ch ne n R 8X Idh 5 * n top id u 5
en Versammlung ohne Angabe von Gründen nicht nur hen. ie Hauptverhandlung für eröffnet erttä —
zeschlagnahmungen, sondern auch Durchsuchungen der in Christensen die ersten Fragen zur Person gerichtet hatte,
entraume unterfagen rhob, um seine Personalien anzugeben. Herr Christensen,
etanstuche wdiese Frage aktuell im Sommer Ex im Vormittagsanzuge erschienen war, hatte einen Zusg
306, als in einem Verfahren gegen frühere Kolonialbe— Do den — deaebd der BRe dein we * be
mie der Untersuchungsrichier sich nicht mit der Vernehm⸗ ühl der Ueberlegenhei ůÇg n dDnj
cag des Abg Erzberger begnuͤgte, sondern auch fowohtl *, sich, wenn auch augenblicklich Angetlagter. doch ⸗
a ein etne e at etn, bie in seinem!“““ dn. denemarts mächtigster Mann fühlte. In breitem jütlän—
lits anmet im Reichstageebaͤude Haussuchungen vor— aischen Dialekt beantwortete Christensen die an ihn gerich⸗
ahm. Der Bureaudirektor des Reichstages hatte zuerst elen Fragen, Sodann folgten die Personaltien des Mit
ichter den Sinrit verweagert, dannaber seinen hroß ngetlagten Berg. worauf es sich beide Herren wieder auf
e zuͤrucagezogen als Erzbergerertlätte die Durchsuchung er Anklagebank (zwei breiten den iser einer
Achehe in seiner Einwilligung Man wird sich in chranke) bequem machten, und ohne eine Miene zu ver—
e dameis die Wogen der Srregung über die dern, ihre Aufmerksamkeit der Verlesung der sehr um⸗
rage der Berechtigung des Untersuchungsrichters, kraft angreichen Anklageschrift widmeten. Die vom öffentichen
nan ates die Raume biner gesebgebenden Versamm, Autläger, dem Advotaten am höchsten danischen Gericht
ing zu betreten, in der öffentlichen Meinung sehr hoch dee, versaßte Schrist, die vom „Eerichtsschreiber · Herrn
inden und daß damit die weitere Frage vertnüpft wür— Thrane, in diesem Falle einem alten, ehrwürdigen Justizbeoraneie
 in ihrer Eigenschat als Vollsvertre. Lt, verlesen wurde, zeichnete sich durch eine außzer ordent⸗
r Fuür Zengenaussage vor Gericht gezwungen werden liche Schärfe aus, die sogar die politischen Gegner der ver
e aeeien seh uf den Sndpuntt, daßz denhegetlagten bentagote Wndro gute Summungzaus
Strafprozesse die Durchsuchung der Räume einer ge— orüche des Verteidigers Herrn Buelow mehrfach. zur Folge
egebenden Versammlung durchaus zulässig sei, und daß hatte, während sich an den Lippen Christensens höchstens ein
Ainite 30 ver Rieichaberjossng die Abaeordneten zwat keineg sautasttchez Väceln Zeigte; dem Erminifterpraäsiden—
or jedem Rechtsnachteile auf, Grund ihrer Aeußerungen eah ge — y ereasioze
is Volt⸗vertreler schuͤßen soile, aber ihte Feugmspflicht ben hristensen in der Ha pi d
ringe einen solchen Rechtsnachieil nicht mit sich, und des— vohl ihm ‚ꝓon verschiedenen kompetenten Seit⸗ 7
alb müsse ihr genügt werden. Unter den Abgeordneten »achtigen Manipulationen rn mit dem ihm als b
nd im Publitum waren die Ansichten geteilt. Der be— reltor der Seeländischen Sparkasse der Bauern anvertrau—
unte Slaaisrechislehrer Profefsor Laband vbestrit den n Mitteln berichtet worden seien den Minister Berg nicht
ditgliedern einer gesetzgebenden Körperschaft dac Recht der veranlaßte, eine Untersuchung der Verhaͤltmisse jener Sn
eugnisverweigerung vor Gericht, und beirefss der Durch lasse einzuleiten. daß er Alberti trotz der maßlosen An—⸗
chung der Räume einer solchen Körperschaft führte er griffe gegen ihn und des bestehenden Verdachts, V desen
is, dem Prasidenten siehe zwar die Handhabung der Po— Stellung als Justizminister mit seiner Person W—dy t “r
a im Sshungsgebäude naͤch der Geschäfisordnumg zu, hn in dem hohen Amte behalten habe, sowie endlich, daß
ber damu könne für das Gebäude nicht gegenüber den — inderngens
taatsbehörden eine Art von Exterritorialität begründet d V * B ird zur Laft gelegt
erden. Die Regierung nahm natürlich den —— 3 7 aner dine aneahe deet
———33 —AAA3 Idetaenen uchung der Verhältnisse der Albertischen niee wop
anament enischieben porden sei, die Abgeordneten hat— ingeordnet zu haben aywoh 55 als de Spitze
nicht das Recht, ihr Zeugnis zu verweigern. Andere eden der Sharlassen Danemarts hieran vewwili
ztimmen, und die eimmer wohl in der Maͤsorität, tra— et gewesen waͤre.
nn für die volle ache vn gesetzgebenden Versamm⸗ wuene c— ——
gee un deren VDienstraume ein und es wurden For Zunmete Puhplitum selbseverttanduc den artteeng —8
erungen laut, die Grundrechte des Parlaments entweder der Paeh ede —8 8* 5 s de e
nech authentische Imterpretauon der Verfafsung oder durch ng. der Angelagte ; a g n edune
senderung der Strafprozeßordnung sicher zu siellen. veise vorgegangen werden, so daß de wp 92
Durch die Anträge in der Justizkommission des Ingellagten sich die Abhörung der Zeugen zu jedem ein⸗
—
en, been d ——— rind der r Ninifteriums der Linken im Jahre 1901 aus, dessen Chef
Iruug vver n eg u F dn ðWahen erne Eex Erministerpräsident Deuntzer und dessen Kultusminisier
inne der Würde er Par amente unde Hriflenfen war. Herr Christensen gab zu, daß er damals
ntschieden werden wir herrn Deuntzer die Aufnahme Albertis ins Kabinett em⸗
sohlen habe, obwohl ihm ungünstige Gerüchte über Al—
eriis Vermögenslage hinterbracht worden seien. Er habe
s8 für genügend gehalien, Alberti selbst wegen der Ge—
üchte zu befragen, und als dieser — natürlich! — die
gerüchte als grundfalsch bezeichnet hätte, seien die Be—
zenken Christeusens gegen die Berufung Abertis zum Amt
ines Justizministers sürs erste wenigstens beseitigt ge—
vesen ...
ves Dder Mrozeß »egen die beiden Exrminister wird wabr—
E ιιιιο
zras, die Siuen Sirpten und don den Beldern herlber
wogte der Dust des reisenden Getreides.
Vor dem letzten Häuschen des Dorfes machte der
Franzl halt. U——
A gDer Mond war jetzt aufgegangen und spiegelte sich
n den blanken Scheiben des Hüttlein, von dessen Altane
chwere, blutrote Nelkenköpflein herabschwanktin.
— Der Franzl nahm einen kleinen Kieselstein und warj
hn behutsam nach einem der winzigen Fensterlein.
Gleich darauf schimmerte ein Licht auf und über das
ltersbraune Holzgeländer der Altane neigte sich ein
londer Mädchenkopf. —E
a „Bist du's Franzl ... und so spät... wenn Dich
emand sehen tät ... was denlen denn die Leut'“. ...
der Franzl lachte.
Meinetwegen, was sie mög'n ... das tut mich nicht
ummern. Blos seh'n hab' ich Dich woll'n, heut' noch,
nein herzallerliebstes Schaherl Du“ ... *
„Das könntest ja auch am Tag... Franzlh.., geh'
zoch heim“, bat die ängstliche Stimme.
Aber ich war ja heut' drinnen in der Stadt und
jab mich g'stellt bei Militär. Im Oktober heißt's dann
Soldat werden und Adjes, schön's Schatzerl“, des wollt
ch Dir noch sag'n“ ....
„Mein Jesses“, schrie das Regerl jetzt erschrocken auf.
„Soldat wirst ... in die Stadt gehst ... da wo es so
diele schöne Madln geb'n tut und eine jede möcht einen
—A———
„Der Franzl strich sich selbstbewußt den schönen ge⸗
träuselten, dunklen Schnurrbart.
„Ja, Stegerl, gelt, das hast halt auch schon g'hört
Zefährlich ist's in der Stadt ... und so ein blitzsaube—
ret Kerl wie ich bin! ... Du mußt mir schon eine kräf⸗
tige Wegzehrung mitgeben, ein langes, süßes Bußerl, das
vorhält, nicht blos so ein dünnes, schmacloses Wasser⸗
üpplein, wie Du immer kochen tust, Regerl.“
adch kann Dich nmicht versteh'n“, stammelt das Dirnd⸗
ein verwirrt und wird doch dabei ganz braunrot
m Gestchtlein. Dann aber mahnte das Regerl sutsam den
Franzl, nun nach Hause zu gehen. Als er noch stehen
clieb, schloß sie resolut das Fenster, indem Sie hinabrief:
„Gut' Nacht . klomm moragen wieder, wenn die
Banne Schelnte

Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
*Ueber den Empfang der chinesischen Militär-Mis—
sion wird berichtet: Der Kaiser ließ sich noch im letzten
Moment bei dem Empfang durch den Kronprinzen vertre—
ten, da der Verband an seiner rechten Hand das Anlegen
der Parade-Uniform verhinderte. Der Kronprinz erschien
in der Uniform des 1. Garde-Regiments. Prinz Tsai Tac
hielt eine Ansprache, in der er seine Genugtuung über den
ẽmpfang und der Hoffnung Ausdruck gab, daß die deut—
chen militärischen Behörden der chinesischen Kommission
in allen militärischen Fragen mit ihrem Rate zur Seite
stehen werden. Es trifft sich sehr günstig, sagte der Prinz,
daß die große Frühjahrs-Parade bevorsteht, an der es
mir vergönnt sein wird, teilzunehmen, sodaß ich Gelegen
heit haben werde, die erste Armee der Welt mit eigenen
Augen zu sehen. Ich bin der Ueberzeugung, daß Seine
Majestät, welche die stärkste Armee besitzt, diese lediglich
zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens benutzen werden.
Der Kronprinz danlle dem chinesischen Prinzen für diese
reundlichen Worte in einer längeren Rede. Hiernach em—⸗
»fing die Kaiserin den Prinzen und ließ sich auch sämt⸗
iche chinesische Herren vorstellen. Die Kaiserin besichtigte
zann die im Muschelsaale aufgestellten, von dem Prinzer
nitgebrachten Geschenke, Vasen und Seidenstoffe. Der
Prinz fuhr nach dem Empfang im Neuen Palais zur Ab—
jttattung von Besuchen nach Potsdam.
* Von unterrichteter Seite wird versichert, daß dem
preußischen Landtag im Januar 1911 eine neue Wahl—
rechtsvorlage zugehen wird. Es sollen jedoch vorher
eingehende Beratungen mit den Führern der Parteien
stattfinden, um der neuen Vorlage ein Fiasko, wie es
die letzte erlitt, zu ersparen.
*Es ist als feststehend zu betrachten, daß die Reichs—
regierung nach Ablauf des Quinquenniums im nächsten
Ftat mit keinen wesentliche Meuforderungen für
das Heer an den Reichstag herantreten wird. Die Ent—
cheidung in diesem Sinne soll bereits gefallen sein.
* Der Berliner Magistrat hat die Lustbarkeitssteuer
hereits der Stadtverordneten-Versammlung zugehen lassen
nit dem Antrage, sie vom 1. Oktober d. J. ab zu er—
jeben.
* In Berlin hat sich in einer bis Mitternacht wäh—
zenden Versammlung im Architektenhause eine neue Or—
zanisßation für Mutterschutz gebildette. An der
AD
der ist Pastor Krüsemann, das Amt des Kassierers über—
nahm Stadtverordneter Waldeck Manasse.
Oesterreich⸗Ungarn.
* Für die bevorstehenden ungarischen Wahlen sind
in jedem Komitat, wo Ausschreitungen zu befürchten sind,
die Truppen verstärkt worden. Zu diesem Zweck sind aus
Galizien und der Bulowina-Truppen requiriert worden.
Aus dem Vatikan.
*Aus Anlaß der 300jährigen Wiederkehr der Heilig—
prechung des hl. Borromäus veröffentlicht der Papst eine
Encyklika zum Lobe des Heiligen, worin er erklärt, daß
die moder nistische Bewegung der Gegenwart
der Bewegung ähnlich sei, gegen die der hl. Borromäus
gzekämpft habe, da es sich dabei um einen Versuch des all—
gemeinen Abfalls vom Glauben und von der Disziplin
der Kirche handle. Die Encyklika empfiehlt den Geistli—
hen, den katholischen Glauben unveränderlich gegen die
rerkehrten Ansichten des Modernismus zu bewahren und
zibt die anzuwendenden Mittel an, darunter namentlick
die Lehre des Katholizismus. Sie bekämpft die Abschaff
ung des Religionsunterrichts in den sogenannten Laien
oder neutralen Schulen räft zur Begründung von Ordens,.

Persien.
*Emin El Mulk, der frühere Postminister, ist durch
einen Schuß aus einem Mausergewehre schwer verwunde;
worden und bald darauf verstorben. Der Mörder gehör—
zu den Mudjaedins. Diese bilden eine immer größer
werdende Gefahr. Das jetzige Attentat, bei welchem 20
Schüsse fielen, beweist das Vorhandensein politischer Um
triebe

Tuͤrkei.
* Der unerwartete Rücktritt des Marineministers Ha—
lil, der sich der besten Gesundheit erfreut, wird auch durch
die Schwierigkeiten mit dem englischen Marinereformer
Admiral Williams motiviert. Nach sehr zuverlässigen
Quellen bestehen jedoch folche nicht. Halil Pascha ist da—
gegen zurückgetreten infolge von Schwierigkeiten, welche
die ihm unterstellten mit dem Komitee in Beziehung ste—
henden Marineoffiziere bei den Neubestellungen für die
Flotte gemacht haben.
Nicaragua.
* Das Transportschiff „Prairie“ ist mit 1000 Marine—
soldaten nach Bluesields beordert. Die Regierung der
Vereinigten Staaten wird die Bejatzung in Nicaragud
lassen, bis ein neuer Präfdent unter ihrer Aufsicht ge—
wãult ist.
Die Erkrankung des Kaisers.
Die amtliche Meldung, daß der Kronprinz mit der
Unterzeichnung von Schriftstücken betraut worden ist, hal
zu allerlei Kombinationen Anlaß gegeben und einige Blät
ler stellen eine Verschlimmerung im Befinden des Kai—
sers als möglich hin. Man vertuscht und verheimlicht aber
nichts, sondern man konstatiert nur eine Tatsache, wenr
man demgegenüber sagt, daß von irgend einer Verschlim
merung keine Rede und daß das ganze Uebel, an dem
der Kaiser leidet, höchst harmloser Natur ist. Wie vor
verschiedenen Seiten und u. a. von einer Persönlichkei—
aus der nächsten Umgebung des Kaisers, mitgeteilt wird
leidet der Monarch einfach an einem sogenannien Git
tergeschwäürnr, das sich über der rechten Hand dich
iber dem Handgelenk gebildet hat und offenbar durch
einen Insektenstich hervorgerusen worden ist. Wie ge
wöhnlich in solchen Fällen, wurde das Geschwür, da—s
illerdings lebhaft eutzündet war, aufgeschnitten und den
Infeltionsstoff entfernt. Diese kleine Operation wurde an—
Zamstag von Geheimrat Professor Bier ausgeführt. Der
daiser trägt einen Verband um Handgelenk und Daumen
und ist infolgedessen nicht imstande, die Feder zu halten.
Da sich durch die Londoner Reise zahlreiche zu erledigende
Aktenstücke aufgehäuft haben, wurde der Kronprinz beauf—
tragt, die Unterzeichnung vorzunehmen. Die Vertretung
des Kaisers durch den Kronprinzen dürfte drei bis vier
Tage dauern. — Von anderer Seite wird noch gemeldet:
Zum ersten Male in seiner Regierungszeit wird wahr—
scheinlich der Kaiser bei der Frühjahrsparade nicht anwe—
send sein. Wenn die Wunde des Kaisers nicht die Ab—
nahme des Verbandes gestattet, wird der Kaiser den Pa—
raden fern bleiben und der Kronprinz in Gegenwart des
Königs der Belgier die Parade abnehmen. Dagegen ij
das Kaiser-Exerzieren der 2. Garde⸗Infanterie-Brigade,
vas am Montag in Döberitz siattfinden sollte., einstweiler
yerschoben worden

E Her schöne Rolkopf. X
Von H. Lengauer.
Nachdrud verboten.
„Juhu.“. jetzt ist alles in Richtigkeit. Soldat
nuußz ich werden und im Oktober, da heißt's dann ein⸗
üchen.“
So schrie der Franzl, dem das grüne Hütl ein wenig
hief auf dem hübschen Lodendopf saß und schlug dabei
uͤt erzwungener Fröhlichkeit mit der Faust auf den höl⸗
ernen Eßtisch, so daß die Zinnteller und Krüglein ge—
rig wadelten.
„Vist also wirklich genommen worden“, fragte der
zater. 3*
Na, freilich . .., was denkst denn, so einen wie ich
in, den lassen's nimmer los.“ ....
Und der Franzl reckte die geschmeidigen, krafwollen
Kieder und warf den Kopf stolz zurüd.
Frau Zanterl, die Mutter, aber zerdrüdte mit der
altigen, arbeitsgewohnten alten Hand ein Tränlein im
sugenwinkel.
„O, Jergerl,“ seufzte sie auf, „Soldat wenn Du wirst,
werden harte Zeiten für Dich kommen. Schinden und
gen den ganzen Tag .... und nicht halb satt kannst
»essen.“
Und wehmütig stopfte sie hinaus in die Küche, um
e Schüssel mit den Riesenknödeln und dem Selchfleisch
reinzuholen, damit ihr einziger Sohn und Liebling sich
och einmal recht gütlich tun konnie, bevor's ans Hun⸗
erleiden ging.
Merkwürdigerweise aber legte der Franzl schon recht
ald Löffel und Gabel weg und wischte sich mit der
dandfläche die fettigen Mundwinkel ab.
„Schon satt bist ... aber geh ... hat's denn nicht
»schmecht?“ ...
„Doch Mutter ... aber einen Gang hätt' ich halt
och zu machen, nunter ins Dorf“ ...
Dann griff der Franzl wieder nach seinem Hütl und
ing hinaus ...
Schon dunkelte es; lau und sternenglänzend war die
ommernacht, still und friedlich lagen die Häufer und
üttlein.
äuflos allit der Fuk üher das taunasse Wiesen⸗

Und dann verschwand das Mäödchen eilig, das Lichi⸗
lein erlosch und Franzl stand allein im Grasgarten.
Zornig stampste er mit dem Fuße auf.
„Zum Teusel, so kurz angebunden ... Aber so ist sie
xhon immer gewesen... Trotzig, spröd, eine recht
zimperliche Liesel und herb wie eine Dornschlehe. Aber
wart' nur ... wirst schon sehen, was geschehen kann.“
FAergerlich ging Franzl hein. 4
*. In diesem Augenblicke dachte er nicht daran, daß es
gerade das feine, züchtige Wesen Regerls war, das ihn
immer so angezogen hatte. Als schmuden Kerl liefen ihm
ja auch die Bauernmädchen haufenweise nach.
Aber gerade das Entgegenkommen ekelte ihn an,
so daß er sich das Regerl zum Schatz erwählt hatte,
weil er auf ihre unbedingte Treue fest bauen konnte..
„Der Herbst ist ins Land gezogen! — a
de Die Tuft ist klar und sill umd langsam wirbeln die
Jelbroten Blätter herab auf die feuchtdampfende Erde.
Das Kegerl steht blaß und verweint auf der Dorf⸗
straße und sieht den abziehenden Schwalben nach ..
Der Franzl aber ist schon längst in der Stadt und
ein schmucker Soldat geworden.
Bis jetzt gefällt ihm noch alles und alles entzücht und
begeistert ihn, was er zu sehen bekommt.
Auch einen Freund hat er schon gefunden; der dicke,
rotbackige Heiner, sein Nebenmann, war ein lustiger,
ꝛecker Kamerad, der sich bereitwilligst herbeiließ, den
Dummen Bauernbuben', wie er scherzend den
neuen Ankömmling nannte, mit den Vergnügungen und
Annehmlichkeiten der Stadt bekannt zu machen.
Er führte den Franzl des Abends in die Wirtschaf
ten und am Sonntag auf den Tanzplatz.
Bald merkte der Franzl, daß von den andern Rekrus
ten schon jeder seinen Schatz hatte.
Er dachte an Regerl, halb mit Sehnsucht, halb voll
Aerger, wenn er die Paare sich so lustig im Tanze dre—
hen sah,
„Du wirst doch nicht blos zugucken wollen“, scherzte
der Heiner, als er einmal den Franz an der Türe des
Tanzsaales lehnen sah.
„Ich hab' daheim ein Madl ... ich tanz mit keiner
andern ... ich bab's verĩprechen müssen“', bekannte er
lleinlaut.
GDA FAMAMIA- M GM— äIA unk 56534445 —

— —e. ee —
„Ein zummes Ochaf bist Du ... einfältig wie ein
Mutterlkind. Wo wird denn den Weibsleuten so ein Ver⸗
sbeechen geben und, wenn schon .. .wer müßte es hab⸗
en“...... pa
Der Franzl schaute verblüfft drein. 4 J
„So meinst Du also, ich sollte dennoch kanzen?“
Der Heiner nickte.
„Freilich, Du Narr ... Du bist doch zum Vergnügen
da hergekommen und nicht zum Trübsal blasen.“
Der Franzl sah sich jetzt die tanzenden Mädchen ge⸗
nauer an. —
Lange gefiel ihm keine besonders; plötzlich aber gab
es ihm einen Riß; wie ein Zittern geht es durch feinen
ganzen Körper, ein Schwindel überkommt ihn, ganz
geistesabwesend starrt er auf eine lichte Erscheinung, di⸗
eben zur Türe hereinkommt.
So etwas Wunderschönes wie dieses Mädchen war.
hat der Franzl in seinem ganzen Leben noch nicht zu
ehen bekommen
Das feine, schmale, blasse Gesichtchen mit den großen
bdunklen Sternenaugen und der feuerrot brennenden Lip—
pen des winzigen, herzförmigen Mündchens, ist umgitter!
von einem ganzen Walde von seidenweichen, natürlichen,
goldigschimmernden Löckchen. Ein weißes duftiges Ge—⸗
wand umschließt knapp die zierliche, ebenmäßige Geftalt
und aus den halblangen, spitzenbesetzten Aermeln treten
weich gerundet und rosig die feinen Aermchen hervor.
Ein unsägliches Entzücken überkommt Franzl, als das
schöne Mädchen seiner Bitte um einen Tanz Folge gibt
Und aus dem einen Tanze wurden noch mehrere.
Das Bild Regerls verblaßt vollständig, wie eine
Flamme geht es von dem weichen, roten Gelock aus, im
tollen Wirbel reißt sie den Franz dahin, während sie ihm
tief in die Augen blickt.
Franzl hätte immer so fort tanzen mögen, bis in
die Ewigkeit, denkt er ganz traumverloren.
Das schöne Mädchen aber hält an und schnauft
tief aus:
„Wie schön Sie tanzen ... aber nun ist es genug.
gehen wir ein wenig spazieren.“ — —
Franzl läßt es sich gerne gefallen, daß Annerl, so
heißt das Mädchen, seinen Arm nimmt und ihn hinaus
führt qus bem Tanmzsaoale
            
Waiting...

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