Full text : Dudweiler Zeitung

dem deutschen Ansehen nur Schaden getan. Vielleicht war
die Sache gar' nicht „Jor genieimnt. Ta waäre eine Auf
larung sedensalls seur winqschenswert. Wie die Angele—
genheit hier dargestellt wird, tann sie nur als eine große
3ch masch bezeichnet werden, die der Presse aller Laͤn—
der und mehr noch dem Teutichen Reichstag jselbst ange—
tan worden!

CThronwirren in Abessynien.
Kaiser Meneint liegt in den letzten Zügen.
Oie Kaiserin Taituzitabgesesbt und wurde ge—
zwungen, das katserliche Palais zu verlassen. Alle
Häupthlinge iesteten dem nenuen Negus den Treueid.
Die Hauptimge der Schöciamuie, die mit der Re—
herung unzufsrießen sind, haben sich zusammengeläan und
peschlossen, die Kaiserm ßon jeder Einmischung in die
Staatsgeschafte auszuichiehen. Sie liehen Ras Tessama,
den Kriegsministet Filbuurart, Apte Giorgis und andere
Mitglieder der Regierung in die Hände des Bischofs
Abuna Matthees snoeren, in Ueberemsummung mit dem
letzten Willen des Negus zu handeln und die Einmisch—
aAng der Kaisermuin die gefamten Regierungsgeschäste un—
bedingt fernzuhalten. Beschloössen wurde ferner, alle Ver—
änderungen in den Kommandostellen, die dieser Zeit auf
Verfügung der Kaiserineim der Provinz stattjanden, für
ungiltig zu erklären und die jrüheren Inhaber in die recht—
näßigen zrommandostelicit wieder einzustellen Die Be—
chlüsse sollen der aiserin vifiztell mitgeteilt werden, die
ich auch mit den Verzicht auf jede Einnischung in die
Staatsgeschäfste adfinden zu wollen scheint. Man hofft,
die Krisis one onstite be zulegen. Der Obersta thalter
von Tigre, Tedljas Abax, wurde beauitragt, sich unver—
züglich nach Adois Abeba zu vegeben. Die auswäriigen
Regierungsvertreter halten en vornlommen neutral. Die
Stadt ist ruyrg. Sie Sijtebeti der Europäer ijt für den
Augenblick nicht in Frage ce

Zur Romreise des Tanzlers.
Rom, 26. März. Die „Giorndle diItalia“ schreibt:
die Note über den Besuch des Reichstanzlers, deren
hauptbedeutung in dem Hinweise auf die Unercchütterlich—
eit des Dreibundes liege, werde sicher in Italien wie in
deutschland eine günstice Ausnahme finden. — „Corriere
»Italia“ gibt im Anschluß an die Note der Gennugtuung
dusdruck, daß der Vesuch des Reichslanziers auis nene
die Festigkeit und Vitalität des Dreibundes bestät'ge.
* Wien, 26. März. Das „Fremdenblätt“ schreot zu
em römischen Commuünique: In seinen Worten dürste man
nicht bloß ein feierliches Belenntnis zum Dreibunde er—
licken, sondern es werde der Dreibundpolitik auch die
Popularität zugesprochen, die sie sich südlich der Alper
angsam aber redlich habe verdienen müssen, die sie aber
nunmehr mit voller Sicherheit genieße. Das Communique
hekräftige abermals, daß das Bundesverhältnis zwischen
dem Deutschen Reiche und OesterreichUngarn zu einander
und zu Italien eine unverrückbare Grundlage der eurd
päischen Politik sei. Vergleiche man diese neueste Kund
sebung mit dem Wiener und dem Berliner Communmau.
ind nehme man das kürzlich in Wien aufgegebene Com
nunique über die Wiederherstellung normaler diplomati
cher Beziehunzen zwischen Oesterreich Unzarn und Ruß
and hinzu, in dem das einmütige Bestreben aller Groß—
nächte festgestellt wurde, zur Erhaltung des Status que
uus dem Valfan mitzuwiren und berüchlsichtigt man schließ.
ich die neueste Gestal ung der Beziehungen zwischen der
Lürkei einerseis und Bulgarsen und Serbien andererseits
o ergebe sich ein oersreuliches Bild der allgemeinen Lage
amentlich decjenigen in Südosteuropa
P αααä α VX αæôäÔαQαα

Bermischtes.
Eine lußtge Wurstgeschichte. Folgendes heitere
Veschichichen spiche sich kürzlich in einem größeren Resiau—
rant Flenssurgs ab. Während eines gemütlichen Abend—
ichoppens fielen die Augen des einen Stammitischnitghiedes
 auf ein Plakat an der Wand mit der verlockender
Inischrift: „Taäglich frifhe ouwrste mit Sauerkraut.“
Ddarner war ver Preis angegeben. Dieser erschien dem
derrn nicht zu hoch, und nachoem er sich vbeim Wirt er—
rundigt, ob das Fldrar noch Güältigken habe, und eir.
„Jawohl! Geriß!“ als Aunt-ert erbaitten, beostellte er für
RNe sreudig ausherchende Tafelrunde 6 ortonen. Dienst—
ifrig tritt dann der Kellner an den steigebigen Spender
Ein vorsichtiger Mectlenbuürger. Eine niedliche
Reschichte wird der „Frkf. Zig.“ aus einent mecklenvurge
chen Dorse erzährt. Im Schulhause klopft es an die Tur
»er untersten Knabentsa“e. Ter Lehrer öffnet und erslickt
inen Kneres, der cuf die Fraçe des Leyrers, was er
volle, mit wicht.ger Micne versichert. daß er Ostern beim
Lehrer in die Tzule komme, vorger aber dem Un crricht
einmal beiwwohnen möchte. Lächelnd weistt der Lehrer ihm
einen Plaz an, und m uentiett verearrtt der Kiltine bis
um Schiuz des Unterrenee. Beim Vertassen des Schul⸗
imimers aber küudert er quf die Fraßge des Vehrers, wie
s ihm gesallen hage: „RAg, mit dat Schoegaun, dar war
fk mi irst woel norn ce.. ant

te und mste eo)e er nach dem Leben traächten? Er sah
‚u dem Amerikaner auf, dessen Blick sest auf ihm ruhte,
As ob er die Gedanfen lesen wollte die ibm durch die
Seele glitten. Da plötzlich streckte er ihm die Hand ent—
zegen.
„Ich habe Unrecht getan,“ sagte er — „schweres Un—
recht, und nicht alein, ohne es zu wissen, an Euch, son⸗
dern auch an denem Wesen, dem ich nur Liebes und
Butes erzeigen — das ich glücklich machen wollte — ver—
Feiht es mir.“
Der Amerikaner nahm die dargebonene Hand und
agte treuherzig:
„Daß Ihr es ein'eht, bestärkt mich in dem, was ich
von Euch dachte, ich selber fühle auch, daß ich Euch viel—
leicht auf eine zu harte Probe gestellt — wir sind quitt
und“ — setzte er lächelnd hinzu — „seid dabei versichert,
daß ich nicht an Eurem Mut zweifle, weil Ihr die Lun
ten ein wenig zu früh aus den Zwiebelfässern gerissen
habt. Wenige Menschen wären vielleicht so lange darauf
itzen geblieben —“
„Ich verdiene den Spott —
„Aber nur unter uns,“ sagte der Amerikaner ernst;
Bentley ist ein alꝛer Freund von mir und schweigt —
oraucht auch gar nicht zu wissen, wie wir uns verenigt
haben. Jetzt holt Eure Büchse und Euer Geld und laßt
uns gehen. J meg Jenny nicht so lange allein lassen“
„Und darf ich Abschied von ihr nehmen?“ frag'e Ralf—
on, während ein unendlich wehes Gefühl seine Brust zu—
ammenzog.
„Ja,“ nickte der Amerilaner — „wir wollen beide zu
hr gehen.“
Schweigend schristen die beiden Männer nach der Stadt
urück; als sie aber Bentleys Hütte passierten, wollte die—
er sie nicht vorüber lassen, ehe sie nicht noch einmal ge⸗
runen hatten.
„Hallo, Bors,“ rief er ste an — „schon wieder da?
ch habe ja gar nichts knallen hören?“
„Eure Zweiebeln haben versagt, Aleer!“ lachte der Ame—
eikaner. „aber der Fremde hat sich wie ein Mann be—
ommen.“
„Dann muz er auch trinken,“ rief der Alte — ‚kann
zar niemand hier vorbei kommen, ohne zu trinlen. Bei
vott nicht!“
3half nihts fie mußkten ihm Vesheid un. uns

herane „3 Mark 90 Pqg., bitte sehrl“ Ter Gast legte ein
— Fünfpfennigstück auf den Tisch und zeigt aujf
das Plalat, auf dem zu lesen stand: Pro Portion 0,65
Pfg. „Dat Oeslize is Drin?geld“, meinte er trocken. Die
Null nebst dem Komma in der Preisangçgabe aber sucht
man serther verceblich auf dem Plakat.
Prinz-Regent Luitpold auf der Jagd. Es gibt
wohl unter allen regierenden Fürsten dentschen Nation
kaum einen so rechten Waidmann wie den greisen Prinz-Regenten
 hon Bayern. Trou des haben Alters veri umt

r keine Jagd und leine Gelegenheit sich mit Leidenschaft
ind zäher Ausdauer dem edlen Waidwerk zu widmen.
Inser Bild zeigt den fürstlichen Jäger auf einer Wild—
chweinjagd im Spessart.
Prinz Max von Sachsen als Prediger. Wit
ühren heute unsern Lesern ein Bitd vor, das allçemein—
ies Interesse erwecken muß; einen kön zlichen Prinzen als
zrediger. Prinz Max von Sachsen ist der furstliche Prie—

— —uliu uh. —
er, der bekanntlich in der Schweiz an der Universität
reiburg als Prosessor für kanonisches Recht wirkt. Prinz
Mar, ein Bruder des regierenden Königs von Sachsen,
»zredigte kürzlich in Paris in einer Kirche im Bezirk der
Buttes Chaumont vor einer großen Volksmenge.
Aphorismen über Musik und Musiker. In dem
Itto Weißschen Aphorismendande „So seid Ihr!“ (Stutt—
jart, Deut'che Verlagsanstalt) finden sich zahlreiche hübsche
Hedanken über alte und neue Musik, und ihre Vertreter
Wir geben einige wieder:
Ich kenne Musiter, welche wissen, daß auber der Mu—
ik in dieser Welt noch andere Dinge eristieren.
crst dann ließ er sie ziehen und versprach auch, die
„Pulverfässer“ aus dem Weg zu schaffen, damit da bdrau⸗
ßen kein Unglück passiere.
In Ralssons Brust kämpften aber auf dem Rückweg
n die Stadt die widersprechendsten Gefühle mit einander.
Hatte ihm der Amerikaner die volle Wahrheit gesagt —
war Jenny wirklich schon sein Weib? Aber er durfte nich
zweifeln und Jennys eigenes, wunderliches und rätsel⸗
haftes Beragen bestätigte ja doch auch fast jedes Wort,
das er über ihre geistige Krankheit gesprochen.
Und wie würde sie ihn jetzt empfangen? Wenn sie
ihn wieder um seinen Schutz und Beistand anflehte, durf—
te er ihn ihr versagen? — war es nicht sogar besser, daß
er selber mit ihr zu ihres Vaters Hütte zurückkehrte, um
dort die volle Bestätigung des Furchtboren zu erfahren?
Er wußte selber nicht, was er tun, wie er handeln solle,
und nonb von den quälenden Gedanken hedrängt, erreich—
len sie ed'ich das Hotel wieder, ig welchem Ralfson an
dem Mosgen eingekehrt war.
Unten im Hausflur begegnete hnen die Wirtin.
„Ist die Lady oben, und wie geht es ihr?“ frug ber
Amerttater.
emine ned vartreflich geht es ihr. sagte die alte
Dame — „e war sie der nanzen Margen und hat
zutr so viele Geschichten erzählt, daß ich ein paarmal herz⸗
lich habe lachen müssen. Dann aber überkam sie plößliß
eine Angst, daß Euch, Sir, etwas zugestoßen sein könn—
te, weil Ihr nicht zurückkehrtet. Ich suchte sie zu beruhi⸗
jen, aber es half nichts: sie weinte bitterlich“ Jetzt st
ie wieder ruhiger geworbden und scheint sich veree
haben. Geht nur hinauf zu ihr; ich komme gleich nach.
Nr. 7 ist meine Stuber“
„Kommt Fremder!“ sagte der Amerikaner, indem er
ich der Treppe zuwandte — ‚wir müssen beide zu ihr
gehn.“
Ralfson solgke ihm und als sie die Tür öffneten,
tand Jenny mitten in der Stube und stieß einen Freu—
denschret aus, als sten den Amerikaner erblickte.
„William!“ rief sie mit ihrer weichen, lieben Stimme
ind flog ihm entgegen und an seinen Hals, „wie habe
ch mich um dich gesorgt! Und wo bist du so lange ge—
lieben?“
„Meine arme Jennyl!“ sagte Bill teilnehmend, ‚wie
eht es dir, Kind?“

Es aibt ?ene gedankenlosere Wiusit als eine, die phi—
osophisch zein will.
Wenn mir nichts einfällt, so äußerte ein Komponist,
dann instrumentiere ich's brillant, und das Weeisterwerl
st fertig.
Mit seinem Werk kann ein Dekorationsmaler so gro—
ꝛen Erfolg haben — dasß ein Komponist sich wiederholt
ort dem Publikum verneigen mußn

321 *2*8 — ν
Von der Lußftschiffahrt,
*Neue deutsche Lenkballons. Riach der Fer—
tigstellung des kleinen Sportluftschiffes „P. 50 sind, wie
der „Hup“ aus Luitschifferkreisen geschrieben wird, bei der
vLuftfahrzeug-Baugesellschaft in Bitterfeld zwei neue Parse—
val-Luftschiffe in Bau genommen worden. Die beiden
neuen Lusftkreuzer, die die Namen „Parseval 6“ und „Par—
seval 7* führen sollen, werden andere Dimensionen haben
als der kleine Sportluftkreuzer „Parseval 5*, und sich in
Größe, sowie in der Bauart dem von der Heeresverwalt—
ung angekauften „Parseval 3“ anschließen. Der „P. 6*
oürfte Anfang oder Mitte Mai gebrauchsfertig sein, wäh⸗
rend der „P. 7 erst einige Wochen später fertiggestell
sein wird. — Im Anschluß daran sei mitgeteilt, daß auck
in den Werkstätten des Lust'chifferbataillons zu Reinicken
dorf ein neues Militärluftschiff „M. 4* seiner
Vollendung entgegensteht. Der „M. 4“ wird seine Vor
gänger an Größe erhedlich übertresfsen, da er ungefähr 115
Meter lang ist. Wahrend der „M. 3“ nur vier Motore zu
je 75 PS. hat, ist „M. 4“ mit sechs gleichstarken Moto—
ren ausgerüstet. Die Propellerkonstruktion besindet sich
auf der Gondelumrahmung. Zur Regulierung der Höhen—
lage wird eine Wasserbehäl'ervorrichtung benutzt, die sich
in der Gondel befindet und durch eine Pumpe in Tätig—
leit gesetzt wird. Die Fertigstellung dieses Militärluftschif—
fes, beziehungsweise seine ersten Flüge sind noch nicht ganz
cicher zu bestimmen.
*Die Aviatikerpreisedes preußischen
driegsministeriums. Die preufische Heeresver—
valtung hat ihrem Interesse für die Aviatik dadurch von
teuem Ausdruck gegeben, daß sie für die erste deutsche
Fliegerwoche in Johannisthal Geldpreise im Gesamtwerte
»on 18 000 Mark gestiftet hat. Zur Ausschreibung gelan—
gen ein Höhen- und ein Belastungspre's. Beide sind mit
e 9000 Mark ausgestattet, von denen 5000 Mark dem
vrsten, 3000 Mark dem Zweiten und 1000 Mark dem
Dritten zufallen. Nur deutsche Führer und Flugzeuge dür—
fsen konkurrieren. Bei dem Höhenpreis, um den bliebie
oft gestartet werden kann, werden die Preise nach der
yöchst erreichten Höhe festgeseßt; doch müssen mindestens 50
Meter erreicht werden. Bei dem Belastungspreis muß das
Bewicht des Führers einschließlich der aus Sandsäcken
hestehenden Belastung mindestens 140 Kilogramm betra—
zen und mindestens fünf Kilometer ohne den Erdboden zu
verühren, durchslogen werden. Auch für die zweite natio—
nale Fliegerwoche im Oktober hat das preußische Kriegs—
ministeruum Geldvreise in gleicher Höhe in Aussicht gestellt.

Humoristische Ecke.
*Humordes Auslandes. Zwei Stunden schon
hatte der alte Schwätzer seine Mitreisenden mit Erzählun—
gen von seinem wunderbaren Hund Fido angeöder. Fido
konnte Männchen machen. Sie sollten ihn nur mal sehen!
Fido aß Eis! Denten Sie sich nur! Eis! Fido war auch
ein brillanter Rattenfänger! Und Fido hatte eine große
Vorliebe für Katzen! Höchst seltsam für einen Hund, nicht
wahr? Aber es war tatsächlich so! Fido hatte eine Vor⸗
liebe für Katzen! „Mein Herr“, sagte ein mürrischer alter
Herr auf einem Eckplatze, wo er vergeblich Anstrengungen
machte, zu schlummern, „angenommen, Sie gingen mit Fido
in einen Laden, um ihm einen Maulkorb zu kaufen, und
bäten den jungen Mann, ihn dem Hunde anzulegen, und
der junge Mann weigerte sich, das zu tun, was würden
Sie machen?“ — „Nun“, antwortete der alte Schwätzer
„ich würde ihn selost anlegen.“ — „Sehr recht“, antwor—
tete der alte Herr, „und ich glaube, alle hier Anwesen—
den werden mit mir darin übereinstimmen, daß Sie vor—
züglich darin aussehen würden.“ —
Der Mann: „Guten Abend, Miß Jones.“ — Das
Mädchen: „Ich bin nicht Miß Jones.“ — Der Mann:
„So?“ — Das Mädchen: zNun, wo“n Sie sich nicht
enischuldigen?“ — Ter Mann: „Aber gewiß! So wie ich
Niß Jones sehe.“
Kleiderhändler: „Waren Sie mit dem Ueber—
ieher, den ich Ihnen verraust habe, zufrieden?“ — Kunde:
„O Ja; alle meine Jungens haben ihn getragen.“ — Klei—
derhändler: „Denlen Sie mal an!“ — Kunde: „Ja, jedes—
mal nach einem Regengusse mußte ihn der nächst kleinere
ragen.“
*Belgrad. König Peter packt zu seinen Reisen.
„Befsehlen Majestät auch das Panzerhemd?“ fragt der Kam—
merdiener. „Nem“, sagt sein Herr, „im Ausland ist das
nicht notwendig.
*) International. Nein, dieser internationale
Verkehr in unserm Badecort — denken Sie nur, diniert
zabe ich gestern mit zwei Enzländern, im Lesezimmer traf
ch zwei Franzosen, im Speisesaal abends zwei Oester—
reicher, und als ich mich ins Bett legte, fand ich noch
ein paar Schwaben.“

„Gut, William, da du jetzt wieder bei mir bist.“
‚Und kennst du den Fremden nicht mehr?“
„Doch,“ nickte Jenny, ihn mit ihren großzen Augen
insehend, „doch gewiß! Er war gut und freundlich mit
der armen Jenny und hat sie gerettet, als der böse, häß—
iche Mensch, vor dem ich mich so fürchtete, wieder kommen
wollde. Ohne ihn hättest du mich nicht mehr gefunden,
William, denn ich wäre in dem Mississippi gesprungen.“
Jenny!“
„Gewiß und wahrhaftig — manchmal war es mir
chon, als ob mich der wilde Strom bei Namen riefe und
icch mußte mich dann mit Gewalt zurückhalten, daß ich
hm nicht folgte. Aber warum sieht mich der Fremde so
raurig an. Jetzt spring ich nicht mehr hinein, da ich
ich wieder habe, William. — Will er schon gehn?“
„Ja, Jenny,“ sag!e Ralfson, der sich gewaltsam zu—
ammennehmen mußte, ruhig, „ich war vorhin noch un—
chlüssig — jetzt bin ich es nicht mehr. Ich will fort —
vieder nach Often, und zwar mit dem nächsten Boot, das
tromauf geht und dort, wie ich sehe, gerade den Fluß
erauflommt. In einer halben Stunde kann es hier sein.
dönnt' ich vorher noch ein paar Worte mit Euch allein
eden, Ragley?“
„Gern — ich gehef mit Euch an die Landung.“
„So lebt wohl, Jenny — Gott schütze Euch und
venn Ihr wieder in Eure Heimat zurücktehrt, so denkt
ioch manchmal freundlich des Fremden, der — auch
Fuerer oft und mit treuer Freundschaft gedenken wird.
debt wohl!“
„Lebt wohl, Fremder!“ sagte Jenny, ihre Hand in
die sejne legend, aber keine Spur tieferer Erregung war
n ihren Zügen sichtbar. Sie nahm Abschied von ihm
die von einem anderen, volllommen gleichgültigen Men—
chen. Ralfson wandte sich erschüttert ab und verließ das
Zimmer; unten aber, noch w er die Tür erreichte, holte
hn Ragley ein, der sich viellkicht auch überzeugen wollte,
aß er wirklich mit dem Dampfboot abfuhr.
„Ihr wollt arso fort, Fremder?“
„Ja, Ragley — aber ehe ich gehe, beantwortet mir
wch eine Foage.“
„Gern, wenn ich kann. Was ist es?“
„Wollt Ihr dem Rat des Arztes folgen und mit
Annd den Misüssippi wirklich verlassen?“

»Schwer möglich. Ein Junge saß angelnd am
zache, als ein Tourist vorbeikam. Interessiert sagte die—
er: „Na, wieviel Fische hast du denn schon gefangen?“ —
O, ich kann sie gar nicht zählen!“ erwiderte der Junge.
z3nzwischen halte ihm aber der Tourist in seinen Eimer
jeschaut und sagte: „Pfui, Bengel, wer wird denn so
ügen! Du hast ja überhaupt teine gefangen!“ — „Na,
arum konnte ich sie ja eben nicht zählen“, war die Ant—
vor⸗

Mißstimmung gegen Roosevelt. Die „Times“ mel⸗
det aus Karro: Die egyptische nationalistische Presse gretit
Roosevelt heftig an wegen der günstigen Erklärungen, die
r über die englische Sudan-Verwaltung gemacht haꝛ.
Pan befürchtet, daß diese Unzufriedenheit sich Lust mao—
hen wird geregentlich des Vortrages, den Roosevelt in
der egypteiichen Unsversität halten wird. Deshalb wurden
ür den Vortrag vedeutende Truppenmassen zusammen ge—
zogen, um allen Edentualitäten gewachsen zu sein. Die
Ersenbahnlinie wird durch Truppen besetzt. Die Gruben—
rbeiter und die Landarbeiter haben infolgedessen ihren
Plan geandert und werden die für dresen Tag geplanie
öffentliche Versaumlung nicht abhalten
——XX
Gerichtszeitung.
J Einbrechergesellschaft. Zu Zuchthaus- und Ge—
fängnisstrasen von insgesamt über 25 Jahren wurde eine
Finbrecher- und Hehlerbande verurieilt von zusammen acht
Personen, die längere Zeit hauptsächlich den Norden und
den Osten Berlins unsicher gemacht hatten. Die Bande
machte ihre Einbrüche in der Hauptsache in den Sommer—
ferien, wo die Inhaber der Wohnungen verreist waren.
Das Gericht erkannte im einzelnen gegen den Führer der
Bande Pierkowsli auf zehn Jahre Zuchthaus, zehn Jadre
Ehrverlust und Siellung unter Polizeiaufsicht, gegen enu
hot auf sechs Jahre Zuchthaus und Nebenstrasen, gegen
Tonniack auf 24 Jahre Zuchtchans, gegen Haidede au
4 Jahre Gefängnis, gegen Wiesnewski und Schliewa
ruf je drei Jahre Zichthaus, gegen Jaeubowsti aus 18
Jahre Gefängnis und gegen die Letsch auf sechs Wonaue
BSefängnis.

Arbeiterbewegung.
— Ausstands-Bewegung. Die Ausstandedevgng e
Thambon nimmt einen immer bedrohlicheren Guureatte:
an Die Ausständigen hielten eine Geacraterαα
unter sreiem Himmel ab, in der sie ertlatien, daß sie so—
fort einen Vergleich unter Bedingungen ammedmen wnr⸗-den,
 welche mit dem Zweck und den Zielen ihrer Orga⸗
nisation vereinbar seien. Wenn aber ihre Gefüble ib
achtet werden, so würden sie den Erciäsrungen des Son—
dikats nachkommen und auf andere Weise ihre Forderur.g
Jjeltend machen. Nach der Ver cmj, jand ein grober
Amzug unter Vorantragung eincer roten Fahne statt. In
Braulhet kam es zu Zwischensjallen, dei denen miehrere
Personen verletzt wurden.

„Gewiß, aber — es wird noch immer elnige Zett
»auern, bis ich es im stande bin. Ich muß mir erst
ßeld verdienen, aber binnen einem Jahre hosfe ich so viel
usammen zu haben.“
Und in der Zeit stirbt Euer Weib.“
„Das verhüte Gott! — Aber kann ich es ändern?“
Wieviel braucht Ihr?“
„Wenigstens 200 Dollars, um mich irgendwo in einem
er kälteren und höher gelegenen Staaten anzukaufen.“
„Glaubt Ihr, daß ich es mit Jenny gut mene, daß
ch sie wirklich von Herzen geliebt habe — und noch
iebe?“ sagte Ralsson leise.
„Ich glaube es, Fremder,“ erwiderte der Amerikaner
herzlich.
„Wollt Ihr dann Jennys Verwalter sein?“
„Inwiefern ihr Verwalter?“
„Ich bin reich,“ fuhr Ralfson fort, und die Summe,
Ihr eben nanntet, ist sehr klein.“
„Fremder!“ vief der Amerilaner.
„Nicht für Euch sol sie etwa sein,“ fuhr Ralfson aber
asch fort, „nicht sür Euch; doch Jenny hat mein ganzes
derz erfüllt — es war meine erste Liebe und der Ge—
anke, sie jetzt noch länger in diesem traurigen Zustand
u wissen, wo ich im stande bin, ihr zu helfen, wäre mir
urchtbar.“
„Aber ich kann kein Geid von Euch nehmen.“
„Auch nicht die Gesuudheit Eurer Frau, wenn Ihr
nir damib zugleich meines Lebens Ruhe wiedergebt?
Beht mit ihr fort von hier — weit fort“, fuhr er bewegt
ort, und wenn der trübe Schatten von ihr gewichen,
venn ihr Geist in seine alten ruhigen Bahnen zurückge⸗
ehrt ist, dann schreibt mir — das hier ist meine Adresse
n Eng'and — dann laßt es mich wissen und seid ver⸗
ichert, daß der Tag zu den glüclichsten meines Lebens
ählen wird — wie dieser Tag zu den traurigsten“
— Arme Jennvl“ seufzte Ragley.

„Es ist ein Glück,“ murmelt?e Rghisen üeise vor ng
zin, „daß die Meinen daheim nie er ahren werden, auf
velch tolle Weise ich hier in Ainerika nicht ums Leben
ekommen bin, sondern mich im eigentlichen Sinn des
Vortes selber umgebracht habe — meiner armen Mutter
zräche das Herz. — Und jetzt? — sie wird meinen Brief
erlaalten, in welchem ich ihr schrieb, daß ich nach Indien
gegangen wäre und sie lange nicht auf weltere Briefe zu
barten brauche. — Das erspart ihr wenigstens den Schmerz
für einige Zeit — nachher wird sie sich sorgen um mich
jahreang — jahrelang, um mich endlich als verschollen
— verloren bewesnen — arme Mutter!“
Die Lunte war wieder ein langes Stück abgebrannt.
— Welche Torheit, sie auch so long zu machen — wes—
alb? Diente es doch nur dazu, die Qualen beider zu
„erlängern. Besser, zehntaufendmal besser ein rascher Tod,
ils dieses ewige Harren und Warten.
Die Zigarre war ihm lange ausgegangen und er
hjatte sie fottgeworsen — weit fort — es wgr ein unbe⸗
immtes Gefühl in ihm, daß etwas wenigstns, datz er
ei sich getragen, dem verderblichen Schlag entzocen wer—
en sollte.
Die Lunte glimmte fort — und wenn je?t beide Mi—
ien zugleich exphodierten oder die brennenden Stuücke der
inen nach der andern hinüberflogen, was wurde dann
us Jenny? Jenny — seine arme Jenny — allein und
ilflos in der fremden Stadt. — Wer hätte sich ihrer an—
enommen und sie beschützt, während die einzigen Män⸗
er, die sie kannten, hier in waqhnsinniger Verkblendung
hrem Untergange entgegenetlten! Und war das Mut? —
Nit der Büchse in der Hand, ja selbst mit dem Messer
häre er dem Feind willig und rasch entgegengetreten, und
»ann mochte die eigene Kraft und Gewandtheit entscheiden
vem der Sieg gehoͤre. Aber hier — tatenlos wie ange⸗
chmiedet sitzen und den Tod erwarten —7
Die Brust war ihm so beengt,, er konnte kaum noch
ltem holen und mußte sich emporrichten. — Drüben der
lmerikaner rührte sich nicht in seiner Stellung. — Schlief
er Mensch in toller Todesverachtung? — es war nicht
entbar, aber er lehnte bewegungslos in seiner früheren
ztellung; und hatte sich das Feuer an der Lunte hoher
ind höher hinaufgefressen — sie lag nur noch wenige Zoll
ber einem kleinen Zweig, und wenn sie bis dahin ab—
rannte und dann senkrecht hetunterhing, mußte die Glu—
je so viel rascher verzehren.
            
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