ninisser Haldane gezeichneter Erlaß dankt der Armee na—
nens des Königs für ihre Mitwirlung am Leichen-Be—
zängnis. ———
4* * — — —
Zur Kretafrage.
Als in Konstantinopel bekannt wurde, daß die kreti—⸗
sche Nationalversammlung die mohammedanischen Deputier⸗
en ausschließe, gerieten die Marine-Soldaten, welche mit
er Flotte zur Abfahrt nach dem ägäischen Meere bereit
iegen, in Aufregung und schwuren, daß, wenn sie nicht
jach Kreta gebracht würden. sie ihre Offiziere nicht aner—
lennen und selbst hingehen würden. Die Flotte wurde
mit der neuesten Munition ausgerüstet und mit Proviant
ür 6 Monate versehen. Es verlautet in Marinekreifen,
aß der Inhalt der versiegelten Ordre, welche dem Flot—
en-Kommandanten überreicht wurde, den Beiehl erhalte,
por Kreta zu ankern.
Die Auffassung der offiziellen nürkischen Kreise über
oie weiter Entwickhlung der Kretafrage geht
dahin, daß die Türkei unbedingt durch eine Aktion auf
die Entschließungen der Schutzmächte einwirken müsse.
dierfür ist eine Flotlendemonstration vor Kanea mit einer
twaigen Ausschifsung der Truppen geplant. Die Türkei
wolle dadurch die Schutzmächte zu einem energischen Ein—
zreifen zwingen. Die Gefsahr eines Krieges mit Griechen—
and besiehe nicht, so lange die griechische Regierung Pro—
zokationen fernhalte
Der Kampf im Baugewerbe.
Vermittlung in Aussicht?
Die „Tägl, Rundsch.“ schreibt: „Die vielen Stimmen,
ie nach nunmehr fünfwöchiger Dauer des Kampfes im
ßZaugewerbe nach einer Erneuerung der Vermittlungsver—
uche unparteiischer und zuständiger Stellen verlangen, sind
auch auf die Reichsregierung nicht ohne Eindruck geblie—
»en. Das Reichsamt des Innern, das noch in letz—
er Stunde vor Ausbruch des Kampfes einen Vermittel—
magsversuch machen ließ, hält sich auss neue zu einem
olchen bereit. Zunächst hat es dem Vorstand des Ar—
eitgeberbundes für das Baugewerbe sowohl als auch
her Zentralvorstände aller beteiligten Gewerkschaften und
»8 Zentralverbandes christlicher Bauarbeiter zum Eintritt
neue Verhandlungen über die Beendigung der Aus—
chließung im Baugewerbe herbeizuführen, ließ, wie wir
on zustaͤndiger Stelle erfahren, das Reichsamt des In—
iern den Vorsitzenden des Arbeitgeberbundes wissen, daß
zas Reichsssamt des Innern Verhandlungen einleiten will.
Berlin, 23. Mai. Die neuen Einigungs-—
»erhandlungen sollen, wie aus bester Quelle ver—
autet, möglichst beschleunigt werden, um die Aufhebung
er Aussperrung bereits sür die ersten Junitage herbeizu—
ühren.
Vom Halleyschen Kometen.
Wie der Direktor der königlicher Universit ts-Stern—
varte zu Breslau, Professor Dr. Franz der Bres—
auer Zeitung mitteilt, ist in der Nacht vom 19. zum 20.
mif der Breslauer Sternwarte tatsächlich der Vorüber—
jang der Erde am Schweif des Halleyschen Kometen be—
bachtet worden.
Mebhrere Beobachter der St. Louiser Univer—
ity (Nord-Amerika) machten die Wahrnehmung, daß
»er Schweif sich fächerartig ausbreite und eine Länge von
ierzig Grad habe. Komet und Schweif wurden im We—
ten gesehen
— X
Gerichtszeitung. s e
dJUnerhörte Soldatenmißhandlungen. Als einer
virlliche Soldatenschinder bezeichselte enem
Plaidoyer der Anklagevertreter den Unteroffizier Livowski
n Glogau von der 4. Kompanie des Pionierbataillons
Kr. 5, der wegen Mißhandlung Untergebener, Betrugs,
Erpressung und Unterschlagung vom Kriegsgericht der 9.
division in Glogau zu 3Z Jahren Gefängnis.
degradation und Versetzung in die zweite Klasse des Sol—
zatenstandes verurteilt wurde. In zahlreichen Fällen
atte er Rekruten um Geld angeborgt oder sich von ihner
Eßwaren, Zigaretten usw. holen lassen, aber niemals
das Geld zurückgegeben. In 260 Fällen hat er sich
zoldatenmißhandlungen zu Schulden kommen lassen, n
. hat er einen Rekruten mindestens 30ual geohrseigt
inmal sogar ihm das Seitengewehr um die Ohren ge
chlagen, sodaß die Ohren anschwollen. Ein anderes Ma'
zat er ihm die Füße auf die besden Schutlern gelegt und
hm sämtliche Generale des 5. Armeekorps hersagen laj
en. Wenn er einen Fehler machte, so quetschte er ihn
den Kopf mit den Füßen zusammen. Einem andern Re—
ruten stieß er die Fingernägel in die Backen, sodaß Blu
loß. Wieder andere riß er an den Ohren und am Kopf
odaß ihm manchmal die Haare in den Händen blieben.
Dann warf er während der Putzstunden den Leuten die
Zatronentaschen, Koppel, Säbelscheiden an den Kopf, oden
r ließ die Leute eine ganze Stunde lang Kniebenge ma—
hen, sodaß ihnen der Schweiß vom Körper floß. Der Ge
ichtshof sah sich veranlaßt, über den vom Vertreter der
Anklage gestellten Strafantrag, der auf zwei Jahre Ge—
ängnis und die Nebenstrafen lautete, in seinem Urteil
im ein ganzes Jahr hinauszugehen und erkannte. wie
sben andgedeben. auf drei Jahre Gefänanis.
ueew — —
Vitwe und an die armen Waisen, die dort drunten in den
‚ardischen Haiden zu Grunde gehen konnten, tat mir bitter
weh. Die Aermsten werden wohl niemals ihren Ernäher
vieder sehen und die traurige Nachricht von seinem Tode
vird sie unverbereitet treffen, ohne daß es ihnen vergönnt
st, seine kalte Stirn noch einmal zu küssen.“
„Ich weiß nicht, warum mir diese Gedanken nicht mehr
ius dem Kopfe wollten. Ich fühlte mich innerlich dazu ge—
rieben, an den Ort der Katastrophe zurückzukehren, mich
dem Toten nähern und ihn wiederzusehen. Als gewissen—
safter Reporter mußte ich von den schrecklichen Szenen pho—
ographische Aufnahmen machen und ich ging sofort an die
Arbeit. Nachdem ich 3 oder 4 Plarten verbraucht hatte, trieb
nich die innere Stimme immer dringender zu dem armen
Dossu hin.“
„Die Karabinieri hatten die sämtlichen Pakete und Brief—
zeutel gesammelt und auf einen Karren geladen. Nur der
dote lag noch da, von der Morgensonne beschienen, und
chlief seinen ewigen Schlaf. Die Hände, die mageren Hände
varen immer noch geöffnet und wachten noch im Tode über
as ihm anvertraute Gut.“
„Die innere Stimme sprach jetzt ganz deutlich in mir:
Binnen kurzem wird der Mann da unter der Erde liegen,
egraben in einem Winkel eines kleinen, ärmlichen Fried—
»ofes, und nichts wird von ihm übrig bleiben. Seine Witwe
ind seine Kinder werden ihn nicht mehr sehen. Mit der
zeit wird sein trautes Bild immer mehr vor ihrem Geiste
»erblassen. Nein, nein, du kannst dieses Bild festhalten!
Bring es auf die Platte! Das Bild des Toten soll erhal—
en bleiben, damit seine Familie, der du die Photographie
chicken kaunst, wenigstens im Bilde das blasse irienpliche Ge—
icht des Ernöhrers küssen kann.“
„Es war mir, als habe ich eine heilige Pflicht zu er—⸗
uͤllen. Gleich als hätte ich eine Arbeit zu verrichten, die
durch kein fjremdes Auge entweiht werden durfte, vergewisserte
ich mich zuerst, daß niemand mich beobachtete, und ließ dann
hen Mechanismus der Kamera spielen. Dann entfernte ich
mich schnell. Ich war ruhiger, fast zufrieden. Ich trug
»as Bild des unbekannten Helden bei mir, das Bild, das
ch keiner Zeining abgetreten hätte, das nur von seinen Kin—
ern. seiner Witwe geküßt werden solltos“
3
— — F ————
In der nun eintretenden kurzen Pause in der Erzäh—
sung höre man die ersten Regentropfen an die Fenster des
Fafeehauses klatichen GEiner von uns hrach das Schweigen
4nd frotfe
Von der Luitschiffahrt.
*Eiine zweite Zeppeline fur Frank
ueret. Die Deutsche Luftsch ffahrts-Aktien-Gesellschaft il
zrankfitrt a. M. „Delag“ hat der Zeppelin-Gesellschaft eir
veites zu Passagier-Fahriten bestinmmtes Luftschiss besteltt
)as Vuftschiff ist das achte, das in Friedrichshasen er—
aut wird.
*Dias Luftschiff ,. 3. 6*. Es m dies das
rüher. „3. 3“* genannte Luftschiff, das die bekannie Reise
ach Berlin gentacht hat. Der Umbau dieses sür militä
ische Zwecke erbauien Lufitschifses ist nun soweit beendet
zaß xs nächste Woche seine ersten Probeflüge machen wird.
Auch dieses Luftschiff erhielt, wie das Passagier-Luftschif'
zrei Motoren; in der vorderen Führer-Gondel ein 150
BS-Potor, der die vorderen beiden Luftschrauben treibt,
velche die Zweiflügel-Konstruktion aufweisen und in der
zineerer Gondel zwei Motoren von je 120 PS., welche
eder eine Vierflügel-Luftschraube neuer Konstruktion und
xrößeren. Durchmessers treibt; dieses Luftschiff erhält alse
90 VS“ und dürfte eine Geschwindigkeit von wohl über
6 Sekunden-Meter erreichen. Die Schrauben-Anordnung
st also die gleiche wie beim Passagier-Luftschiff und auck
ie Steuerung wird die gleiche werden: ohne das große
ischschwanzartige hintere Hecksteuer, im übrigen sind die
öhen- und Seiten-Steuerung die gleiche geblieben. Ou
as Reich den Segler, wenn er sich bei seinen Probefahr
en bewährt und die große Reisesahrt nach Wien gu—
ollführt hat — und daran ist nicht zu zweifernn — wohl
nkaufen wird? Nach dem Weilburger Unglück dürfte es
oohl wahrscheinlich sein und darf von der Zeppelin-Ge—
ellschaft auch erwartet werden.
*?Die ZeppelinFahrtnach Wien. Nach denm
euesten Dispositionen wird die Ankunft des Zeppelinschen
ruftschiffes in Wien zwischen dem 6. und 8. Juni erfol
sen. Die Fahrt geht von Friedrichshasen längs der West
ahnstrecke bis St. Poͤlten. Das Luftschiff überquert dann
ie Donau und nimmt eine Zwischenlandung in Korneu—
vurg vor. Der Kaiser und die Empfangskommission wer—
en den Grafen daselbst begrüßen. Graf Zeppelin begibt
ich dann im Ballon von Korneuburg nach Schönbrunn
ind mn mint eine Umkreisung der ganzen Stadt vor. Die
randung erfolgt aus der Siemerringer Haide in Gegen—
zart des Kaisers.
Karte der Kongo⸗-Kolonien.
Nach den neuesten Berichten bestätigt es sich, daß das
Zrotokoll des belgisch-deutsch-englischen Abkommens über
ie Regulierung der Grenzen der Kongobkolonie unterzeich—
tet worden ist Diese für alle Teile vorteilhafte freund—
D
ga
üüäůä
haftliche Lösung des Grenzstreites wird mit lebhafter
zefriedigung begrüßt werden. Unsere Karte veranschaulich
ie Teilung m geographischer Hinsicht.
*8Deutsche Sprüche. — 77
s An ein Ort, da ich gern bin, —7*
Zöge man mich mit einem Härlein hin. — I
Gott geb' ein gut Gewissen
Und einen täglichen Bissen *
Und einen fröhlichen Trunt,
Letztlich einen seligen Sprung 5
Bon hie ins ewige Leben, P
Da will ich stets nach streben. —
* —
Es trinken Tausend ehe den Tod, r
d Denn einer stirbt vor Durstes Not. F
r
Eine Dornenkrone.
Historischer Roman von Freiherr von Winter feld.
36 König Ludwig war nicht wenig erstaunt, seine Ge—
nahlin so ruhig und schnell gefaßt zu finden. Noch mehr
vunderte es ihn, daß sie mit keinem Worte darauf ein—
sing über das, was er ihr soeben mitgeteilt hatte. Er
rkannte Hortensie kaum wieder, welche sehr schnell erreg⸗
ar war und sich sonst nur zu leicht von ihrem Gefühlen
jin reißen ließ.
„Sie haben ganz recht mit Ihrer Vermutung. Wir
efinden uns auf einem Vulkan, der jeden Tag zum
lusbruch kommen kann. Mein Bruder der mein Glück
ertrümmert hat, weil ich seinen Plänen dienen mußte,
at mich mit einer Scheinwürde bekleidet, die mich um
ie Achtung und den letzten Rest des Vertrauens der
holländer bringen muß, wemn ich mich noch länger damit
eanüge.“
„Sire, was Sie sagen!“ J
„Napoleon beabsichtigt, Holland Frankreich einzuver⸗
eiben und mich schließlich nur als den Vollstrecker seines
Willens und seiner Befehle hierszu“ belafsen. Kann ich
das dem Volke? gegenüber verantwör ten, welches mig
sowieso nur notgedrungen aufgeno mment hat?“
„Das kann und darf mein Vater? nicht. wollen. G
ist schlecht unterrichtet über die Stimmung der Holländer?
Sie trauen Ihrem? Gesandten vans der Weren zu 'viel,
der in Paris vielleicht doppeltes Spiel treibt. Diese bei—
den Brüder sind mir von allen Personen, mit denen wir
hier in Berührung gekommen sind, am meisten verhaßt.“
„Wohl habe ich meinem Bruder selbst in ausführlichen
ind direkten Berichten die Lagef auseinandergesetzt,* leider
ergeblich. Wie ich ihn kenne/⸗ wird er Itets auft seinem
Willen bestehen — und mich? opfern? Ich werde fallen
— unsere Tage sind hier wahrscheinkich schon“ gezählt.
GSyprachlos gitand die Königin gebannt aufj der Stellt
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 23. Mai.
Evang. Kirchenchöre. Gestern wurde dahier das *
ahresfest des Kirchenchorverbandes in der Synode Sank
dohann, verbunden mit dem Stiftungsfest des Kirchenchor
zudweiler, in festlicher Weise begangen. Nachmittaes hall
Uhr war ein Litchurgischer Gottesdienst. Nach einen
I)rgelvorspiel des Herrn Lehrer Aug. Hoos sangen die ein—
elnen Kirchenchöre (es beteiligten sich die Kirchenchöre von
dudweiler, Friedrichsthal, Altenwald, Neunkirchen und
Zerrensohr — der Elversberger Chor hat sich vergangene
Voche aufgelöst) geistliche Lieder. Zum Schluß wurde ein
zesamtchor „Die Ehre Gottes in der Natur“ (Die Himme'
ühmen) unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Brünnen
um Vortrag gebracht. Dieser Chor, ausgeführt von eine
ahlreichen, wohlgeschulten Sängerschar, hatte eine gewal—
ige, erhebende Wirkung auf die zahlreiche Zuhörerschaft
Nach dem Gottesdienst fand in den Wirtschaftsräumen der
Wuwe. Riedschy eine Nachversammlung statt. Da das
Wetter recht hübsch war, konnten auch die herrlichen Gar—
enanlagen benutzt werden. Auch hier wechselten Gesängt
nit Ansprachen in bunter Folge. Bei letzteren bekam die
Zuhörerschaft manches goldene, beherzigenswerte Wort zu
Behör. Es würde zu weit führen, wollten wir alle Ein—
zelheiten durchsprechen, des weiteren, irgend einen der mit—
wirkenden Chöre hervorheben: sie alle setzten ihre besten
Kräfte ein, etwas schönes zu bieten! Allen ist es gelun—
gen, ja die sämtlichen Darbietungen können mit dem Prä—
dikat „vorzüglich“ gewertet werden. Es war eine sehr
schöne, erhebende Feier, die allen Teilnehmern wohl nock
lange angenehm im Gedächtnis bleiben wird!
Ein Schwindler hat am letzten Samstag verschiedent
Leute in Dudweiler um kleinere Geldbeträge geprellt. Er
gab an, der Sohn eines Einwohners von Camphausen zu
ein, solle Arznei in der Apotheke nehmen, habe jedoch zu
venig Geld bei sich. Es ist ein Bursche von etwa 21
Jahren. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist es derselbige
Schwindler, der sich kürzlich auch als Sohn eines Camp—
sauser Bürgers Waren erschwindeln wollte.
Theater. Wie uns der Theaterdirektor Herr Anton
Zräuning mitteilt, wird derselbe nach Schluß seiner Saison
n Völklingen wieder eine solche hier im „Nassauer Hof“
röffnen. (Der alte Herr mit seiner Künstlerschar wird wohl
illen willtommen sein. Red.)
Personalnachrichten. Der bei dem Bergwerk Alten—
vald als Techniker beschäftigte Herr Jakob Quarz ist zum
. Juli zum Königl. Bausteiger in Püttlingen ernaunt
— Herr Wenning, bisher in Püttlingen, ist zum Königl
Bausteiger in Camphausen ernannt. — Herr Sawakzky, bis
ser bei der Königl. Bergwerks-Direktion, ist zum Königl
Bausteiger in Altenwald ernannt.
Der Komet wird sich nun schnell wieder von Sonne
und Erde entfernen. Am 1. Juni wird seine Entfernung
oon der Sonne bereits 158, von der Erde 79 Millionen
Kilometer betragen. Dann nehmen diese Distanzen sehr
rasch zu, die Helligkeit des Kometen schwindet ebenso schnell.
Am 9. Juni beläuft sich seine Entfernung von der Erde
bereits auf 124, am 17. Juni auf 168, am 25. Juni auf
212 Millionen Kilometor. Sie ist dann nua verhältnis—
mäßig geringerer als die Entfernung des Kometen von der
Sonne, die 213 Millionen Kilometer beträgt. Und so wächsi
seine Distanz von der Erde auch im Juli schneller als die
von der Sonne, am 3. Juli ist er 263, am 27. Juli 3686
Millionen Kilometer von uns entfernt.
Kohlenhandel. Während der jüngsten Zeit war die
Kohlenbeifuhr von der Ruhr nach dem Oberrhein nicht
unwesentlich, zumal da auch die oberhalb Mannheims gele—
genen Plätze angesichts des günstigen Wasserstandes mil
vollen Ladungen gut erreicht werden konnten. Während
der jüngsten 14 Tage sind am Straßburger Hafen rund
45 000 Tonnen Kohlen und Koks eingetroffen, worunter
sich nahezu 2000 Tonnen englischer Kohlen befanden. Die
nach Straßburg beförderten Mengen gingen aber nicht alle
dorten auf Lager, sondern ein größerer Teil wurde umge—
laden in Kähne, die das Material auf dem Kanal nach
Frankreich beförderten. Die Position des süddeutschen
Lohlenmarktes ist eine andauernd schwierige geblieben.
Die industriellen Werke ließen es an größeren Dispositionen
ehlen und der Bedarf an Hausbrand war, wie bei der
—
zleich Null. Die Süddeutschen Läger weisen große Aus—
vahl auf, werden aber sehr wenig in Anspruch genommen.
Infolge der ununterbrochenen Beifuhr und des relatir
schwachen Absatzes konnte der Druck vom Markte nicht
verschwinden, und so waren denn auch die Preise andauernd
matt. Diejenigen Händler, die nicht unter Abschluß stehen,
können heute sehr günstige Deckungskäufe machen, zumal
da von seiten der freien Firmen sehr vorteilhafte Offerten
an den Markt gelegt werden. Dies bezieht sich vor allem
auf englische Kohlen, von der ständig Ware eintrifft, die
iber meistens nicht zelagert zu werden braucht, weil die
Verkäufer den Abnehmern so günstige Bedingungen stellen,
daß die Ware fast regelmäßig direkt in die Hände der
Käufer übergeht. — Das Geschäft in Gaskoks liegt voll—
ständig lebbos. An sehr billigen Offerten fehlt es auch
hier nicht, aber an Abnehmern.
Beinahe zu Tode gekommen wäre gestern ein Kind
nder Saabrückerstraße, in der Nähe des Spezereigeschäftes
des Herrn Tröger. Es lief direkt gegen einen in voller
hrt befindlichen Straßenbahnwagen. Durch diesen erhiel“
oelche fie ein gen ommen hatie und starrle ihn an dann
aber richtete sie fich wieder auf? ẽ
*Ich werde! noch? heute selbst nach Paris reisen. Mei⸗
ren Vorsftellungen wird der Kaiser sein Ohr nicht ver—⸗
chließen. Wit müssen es versuchen, den Thron unserem
Erben zu erhalien 0 jest und bestimmt war die Sprache
der Königin“ und äus ihren Augen blitzte feste Entschlos
enheitc·
ehe habe Sie erschreckt — ich hzätte Ihnen diese
Zorgen nicht mitteilen und damit die Ruhe Ihrer Tage
tören sollen.“
„Mit nichten, Sire, Sie haben mich nicht erschreckt
Zu lange habe sich das drohende Gewitter schon geahnt.
NRoch heute reise ich ab.“
Als der König sie verlassen hatte, brach Hortensie
usammen. Mit Ihrer mühsam behaupteten Fassung
var es vorbei. Nun wußte sie, welche Mauer zwischen
hr und ihrem Gatten“ aufgerichtet gewesen war, die ver⸗
hindert hatte, seine Liebe zu gewininen. Wenn sie auch
eine Liebe nicht gewinnen konnte, so wollte sie doch
nit ihm kämpfen und ringen um ihrer Kinder willen.
Sie hatte' aber ihren Gemahl azum lokten Mole ge
ehen 4
he Vh Plgende Morgen fand sie nach einem schmerzlichen
Abschied auf dem Wege nach Paris?ßß
Es war derselbe Morgen, der König Ludwig, so sor—
Jenvoll in seinem Arbeitszimmer fand. Er wußte, daß
seine Gemahlin nach Paris gereist war. Er hatte sie
nicht gehindert, obwohl ihm selbst schon alles gleichgiltig
war. Hortensie wußte noch nicht einmal, wie weit der
Konflikt zwischen ihm und seinem Bruder sich schon aus⸗
Jedehnt hatte, fonft würde sie nicht so hoffnunasnol ab⸗
gereist: sein — —8 —W —
Rapoleon befand sich mit England im Kriegszustand
da er aber das Inselreich nicht angreifen konnte, so sucht.
»r seinen Handel vollständig lahm zu legen, indem we
das Kind einen Stoß, wobei es zur Seite geschleuder
wurde. Er blieb bewußtlos liegen und mußte in's elter—
liche Haus getragen werden — wohl infolge des Stoßes
und des Schreckens; wäre es unter den Wagen geraten, so
wäre es unrettbar verloren gewesen.
Wegen der Entziehung der Vergünstigung des Bezuge—
von Gememeindebedarfskohlen erläßt die Königliche Berg.
werksdirektion folgende Bekanntmachung, auf die wir gan,
besonders aufmerksam machen:
„Bekanntmachung.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß die Ge—
meindebedarfskohlen n ur für den eigenen Haushalt be—
stimmt sind und daß es nerboten ist, mit diesen Hande
oder Tausch zu treiben. Das Ubertreten diese
Verbots wird unnachsichtlich mit Entziehuns
der Vergünstigung des Bezuges von Gemeinde
fohlenbestraft.
Königliche Bergwerksdirektion.
Die Königliche Bergwerksdirektion ist in der letzten Zei
wiederholt in die unangenehme Lage versetzt worden, Per
sonen die Berechtigung zum Bezuge von Gemeindebedarfs
kohlen entziehen zu lassen, weil sie ihre Ausweisschein
Anderen zum Abheben der Kohlen gegen Entschädigun—
abgetreten hatten. Es liegt im Interesse aller derjeniger
welche zum Bezuge der Gemeindebedarfskohlen berechtig
sind, diese Strafbestimmung genau zu beachten, da die Berg
behörde zur Durchführung derselben weitgehende Maßnahmer
getroffen hat.
Preis. Auf der internationalen Hunde-Ausstellung
in Metz erhielt Herr Polizeisergeant Heyer in Dudweile
auf seine Hündin „Henna vom Jungenwald“ den 1. Prei
und einen Ehrenpreis.
Zum Briefgeheimnis. Nach obergerichtlicher Ent
cheidung sind die Amtspflichten des Postbeamten keines
vegs nur auf das Verschweigen des Inhaltes einer Post
arte und der Personen, mit denen korrespondiert wird,
eschränkt. Auch die Adressen der Briese gehören mit zu
er Korrespondenz, die der Postbeamte verschwiegen hal
en soll. Er ist weder befugt, unberufenen Personen mit
uteilen, daß an jemand ein Brief angekommen, noch das
uf einem Briese die Wohnung des Adressaten ange
eben ist.
Keine „Generalmusterung“ mehr. Im Interesse
tößerer Sparsamkeit in der Militärverwaltung follen vom
ächsten Jahre ab die sogen. Generalmusterungen wegfal⸗
in. Die Ersparnisse im Deutschen Reich sollen sich aui
ehrere Millionen Mark belaufen.
Spiesen, 21. Mai. Der vor einigen Wochen inhaftiert,
aubstumme Taglöhner Wilh. Schaum von hier, der seiner
Zliefvater im Streit mit einem Beil erschlug, wurde diese
Tage einstweilen aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen
Spiesen, 21. Mai. Bis zum Skelett abgemagert wurd—
dieser Tage der seit 14 Tagen vermißte Bergmann Wilh
Klos von hier in seiner Wohnung aufgefunden. Ohn
Nahrung zu sich zu nehmen, verbrachte er volle 14 Tag
simulierend in seiner Behausung. Seine UÜberführung i
eine Heilanstalt wurde sofort angeordnet.
Dechen, 21. Mai. Auf hiesiger Grubenabteilung er—
eignete sich gestern ein bedauernswerter Unfall. Ein än—
»em Hangenden sich lösendes Felsstück traf den in der 4
Zohle mit Verbauen beschäftigten Hauer Franz Schindle
aus Erbach so schwer, daß der Verunglückte kaum mit den
Leben davon kommen dürfte. Er trug schwere innere Ver
eßtkungen davon
*Aachen, 21. Mai. EEi ne Räuberbande.) Ein—
zande junger Burschen, die sich seit Nonaten damit be
chäftigte, im Aachener Walde lustwandelnde Paare 31
iberfallen, zu mißhandeln und auszuplündern, wurde vor
der Polizei dingfest gemacht. In zwei Fällen machten sid
die Betreffenden auch der Vergewaltigung schuldig. Es
handelt sich um sieben Burschen im Alter von 18 bis 20
Jahren, die in hiesigen Fabriken als Weber oder al—
Taglöhner arbeiteten. Fast ein Dutzend Rauban älle isr
der Bande bereits nachgewiesen, doch nimmt man an
daß manche Ueberfälle gar nicht zur Anzeige gekommes
isein mögen.
* Bonn, 21. Mai. GEGhrung Zeppelins.) Am
2. August, dem Gedenktage der Sturmfahrt des Grafen
zeppelin über den Rhein, wird bei der Erpeler Ley ein
zeppelin-Gedenkstein enthüllt werden, der in den Anlagen
n einem Halbkreise auf aufrechtstehenden Basaltsteinen er—
zaut wird. Die Feier findet unter Anteilnahme rheinischen
Vereine statt. An den Grafen Zeppelin ist gleichfalls ein⸗
kinladung zur Teilnahme ergangen.
* Frankfurt, 21. Mai. Moch gut abgelaufen.
Im vierten Stock des Hauses Taumsstraße 46 brach
ein Brand aus, durch den 11 Personen in Feuersgefahr
gerieten. Es gelang aber, sie alle zu retten. Das Feuen
rntstand auf dem Vorplatz der Wohnung des Auslaufers
Schwalm, dessen Frau eine brennende Stearinkerze au
einen Schließkorb gestellt hatte, die umfiel, den Korb ir
Brand setzte, von wo sich das Feuer auf die ganze Woh
nung ausdehnte. Durch den sich entwickelnden großer
Rauch bot sich den Bewohnern keine Möglichkeit, einer
Ausweg zu finden. Frau Schwalm gelang es mit ihrer
zwei ältesten Kindern den brennenden Vorplatz zu pas—
fieren ohne Brandwunden davonzutragen. Der Ehemam
and zwei Mädchen sprangen vom 4. Stock auf einen Bal
kon des 3. Stockes, auf den sie vorher Betten geworfer
hatten. Sie trugen bei dem kühnen Sprung nicht die ge
ringste Verletzung davon. Vier junge Leute und ein Kindt
mußten durch die Feuerwehr, die Rettungsleitern anlegte
in Sicherheit gebracht werden. Nach dreiviertel Stunder
war die Brandgefahr beseitigt. Soweit bekannt gewor
den. wurde niemand ornstlich verleßt
fur. alle etgüschen Erzeugnun voie Ronnmenlassperre durch⸗
zusetzen suchte, soweit seine Macht reichte. Für Hollund
war aber diese Sperre von großem RNachteil; daher / hatte
König Ludwig sich bisher standhaft dieser Sperre wider
strebt. Dies war der letzte Streitpunkt und der König
wartete stündlich darauf, was Rapoleon auf diese Weiger
ung tun werde. Jetzt mußte es fich entscheiden, we⸗
König in Holland war.
Ohne besonderes Interesse zu bekunden,wollte sich
der König daran begeben, die zahlreich vor ihm aufge⸗
häuften Schriftstücke zu sichten, als die Flügeltüre geöffnet
wurde und Vaudreux meldete:
„Kapitän Carnot vom 25. Jägerreg iment, auf Befehl
Sr. Majestät des Kaisers!“
Der König wandte sich rasch herum auf seinem Sessel,
auf der Schwelle stand salutierend ein französischer Offi⸗
zier. Der König winkte ihm, näher zu treten und ging
ihm selbst einige Schritte entgegen.
„Ihr habt es sehr eilig, mein Kapitän,“ sagte König
Ludwig mit einem fragenden Blick auf den wenig salon⸗
fähigen Anzug des Offiziers.
IIch habe den strengen Befehl meines kaiserlichen
Herrn, bei Vermeidung des Verlustes auch nur einer
Ntimute Zeit Ew. Majestät dieses Schreiben zu überreichen
und die Entscheidung Ew. Majeftät sofort dem Marschall
Oudinot zu überbringen.“
— Ruhig und gefaßt nahm der König das Schreiben
seines Bruders; prüfte flüchtia die Siegel und erbrach es
bedächtig.
e. In seiner rücksichts losen Sprache, deren er sich zuweilen
seinen Geschwistern gegenüber bediente, befahl Napoleon
seinem Bruder, sofort die völlige Sperre gegen England
durchzuführen, andernfalls ein schon dicht an der Grenze
Jehendes französisches Armeekorps unter Dudinot Hol⸗
land besehen und der Marschall ohne Rücksicht auf den
vönigdir er Befehle des Kaisers durchführen werde.