zas Verhalten der kretensischen Abgeordneten emgeleg
hat. Nach den letzten Nachrichten sollen die Schutzmächte
denn auch fest entschlossen sein, die Kretafrage sofort nach
der Beisetzung Königs Edwards definitiv zu regeln. Ein
wesentliche Mithilfe zu einer friedlichen Lösung der Kreta
frage verspricht man sich auch durch die Londoner Für—
stenzuaammenkunft, wo auch König Georg den türkischen
Thronfolger empfangen wird
Athen, 19. Mai. Die Regierung sieht der zuneh
menden inneren Bewegung ratlos gegenüber. In Thessa
lien wurden, wie verlautet, die Reserven einberufsen, di
Zollposten an der türkischen Grenze wurden militärisch be
etzt.
Konstantinopel, 19. Mai. Zwei wichtige verbürgt
Aeußerungen zur Kretafrage liegen vor. Der griechisch
stabinettschef Dragumis antwortete auf die Frage, wie sich
die Regierung verhalten wolle, falls kretische Abgeordnet—
ins Athener Parlament delegiert würden, weder dies nock
irgend eine griechische Regierung vermöge dies zu ver
hindern; sie würde beim ersten Versuch der Wut des Vol
ses zum Opfer fallen. Ueber die gleiche Angelegenhei.
aͤußerte sich einer der verantwortlichsten Minister der Pforte.
wenn die griechische Kammer die kretischen Delegierten auf—
nehme, werde die türkische Armee am nächsten Morgen ir
Thessalien einrücken. Wie man hört, tragen die Schutz
mächte dem Ernst der Lage Rechnung. Es finden Ver
handlungen statt, welche möglicherweise mit der Auflösung
der kretischen Kammer und der zeitweiligen Suspension den
Verfassung enden werden
A
— Lustschiffahrt und Aeronautitt. 7—
*LuftschiffahrtsKonferenz. In Parié—
wurde durch den Minister Millerand der erste internatio
aalc Luftschiffahrts-Konferen; erössnet.
— *;Verunglückter Aviatitber. Der Avuiatiker
Nau stürzte in Juvisy währen) eines Fluges mit sei—
nem Eindecker aus einer Höhe von 10 Metern auf die
Erde und blieb besinnungslos liegen. Er erlitt zahlreiche
Verletzungen am Kopf und am ganzen Körper. Der Flug⸗
apparat wurde zertrümmert 9
Gerichtszeitung. —
J Boffnungsvolle Burschen. Wegen Giftmordver—
juchs und Beihilfe dazu hatten sich vor dem Münchener
Jugendgericht ein vierzehnjähriger und ein fünfzehnjähri—
ger Bursche zu veranutworten. Beide waren in Rotenfeld
n der Zwangserziehungsanstalt interniert. Wegen ver
chiedener Strasen waren sie auf den Anstaltsleiter Pater
Maurus Mayerhosen nicht gut zu sprechen. Der jüngere
Bursche schüttete eines Tages in eine Flasche Meßwein ein
Fläschchen voll Salzsäure mit der Absicht, den Pater zu
vergiften. Als am nächsten Tage Pater Maurus während
der Messe bei der Kommunion von dem vergifteten Wein
rank, merkte er glücklicherweise sofort, daß etwas nicht
in Ordnung sei. Da er nur einen ganz kleinen Schluchk
genommen hatte und zudem sofort eine große Quantität
Wasser trank, hatte die Vergiftung keine schlimmeren Fol—
zen. Der vierzehnjährige Zögling, der schon einmal eine
FErziehungsanstalt angezündet und deswegen bereits ein
Jahr Gefängnis erhalten hatte, wurde wegen Mordver—
suchs zu 7 Jahren, der andere Angeklagte wegen Bei—
hilfe zu 3ZJahren Gefängnis vberurteilt.
J Wegen Insammenrottung verurteilt. Die Kie—
ler Straflammer verurteilte wegen öffentlichen Aufruhrs,
Widerstandes gegen die Staatsgewalt und tätlichen An
zriffes bezw. Beleid'gung zwei Arbeiter zu 1 Jahr 3
Monaten, einen zu 1 Jahr 4 Monaten und zweĩ zu 10
NMonaten Gefängnis. Die Angeklagten hatten an der Zu—
sammenrotiung teilgenommen, die am 15. Februar in
Neumünster stattfand und bei der verschiedene Polizeibe—
amte durch Wersen mit Flaschen, Eisenstücken uiw. ver—
letzt wurden.
J Das höhere Ehrgesühl der höheren Tochter. Ein
Attentat auf die Tochter des Ersten Staatsanwalts von
dalberstadt, Fräulein Caspar, hatte am 19. März d. J.
eun mit rotbraunem Ueberzieher bekleideter Mann verübt.
Die 17iähr'ge irnse Dame hatte an diesen Tage den
Ver Votst der ausgetrunken yatte, gab wieder mit
einem behaglichen Knurren seine Einwilligung. Das war
a schneller gegangen, als er gehofft hate. Ja, ja, man
muß so einem alten Madel nur a bissöl 's Kodetl kratzen.
Dann schaut sie g'schwind „herewärts“. Er gab etliche tuüch—
ige Stücke Zucher in der Kaffeesupp'n und meinte nach ei⸗—
rer Weile nachdenklich:
„8 Doppelte is wohl viel g'sagt!“
„Da hast du dir dös Viech wohl noch nit g'nau an⸗
a'schaut!“ erwiderte die Zischa.
„Oh, i hab' sie guat g'nua g'sehen beim Tränken! Auf
achtz, g Gulden, wenn sie noch recht fleischig is, könnt's ei—
ner schon steigern!“ meinte der Loisl.
„Dös is die Tschekate in fünf Jahr' noch wert!“ er—
zriff die Zischga die Partei ihrer Kuh.
Der Loisl entschloß sich zu einem großen Trumpf:
„Wenn einer an Hunderter gäb', nachher zahlet er wohl wia
A Graf!“
„Naa, naa!“ meinte die Dirn. Um Hundertzwanz'g
när sie noch g'schenkt!“
un „An Zehner würdest schon nachlass'n!“ rief der
Lois
„Auf an, Zehner geht's ja schließlich bei so a Schatzung
nit z'samm'!“ gab die Dirn nach. „Dafür is die Blaß
hre zwoohuitert wert. Und die Acker sein sonnseitig. Am
2üusl fehlt sich nix. Schulden sein koane drauf. KNiissel
Sparkassageld ts auch da. Die eine Hälste g'hört ja
em —J Aber es is die andere Hälfte auch noch
nun!“
Aussichtsturm in den Spiegelsbergen vestiegen und wurd
beim Verlassen des Turmes von dem Menschen in frech
ster Weise tätlich beleidigt. Wegen dieser Ausschreitunç
hatte sich jetzt der Installatreur Wilhelm Risccht'er vo
der Strafkammer in Halberstadt zu veranworten
der Angeklagte trat einen umfangreichen Alibibeweis an
Das Gericht erachtete ihn aber für überführt und verur
leilte ihn zu ) Mornaten Gefängnis. Das Ur
eil soll nach dem „Stendaber Altmärker“ n. a. wie folg—
begründet sein: „Es handle sich im vorliegenden Fallc
licht um ein Mädchen der niederen Stände, deren Ehrge
fühl nicht so stark entwickelt sei, sondern um eine Dam
aus bester Familie. Durch ihre Erziehung und gesell
haftliche Stellung habe sie ein höheres Ehrgefühl, dast
durch die tätliche Beleidigung des Angeklagten auf das
Hwerste verletzt wurde.“ — Eigentlich sollte den Mädcher
des Volkes das Recht zustehen, den Gerichtshof, der dies
eigenartige Begründung fertigbrachte, wegen Ehrenkränk
ung zu belangen
— … ——
Die Kometennacht.
Berlin, 19. Mai. Im Treptower Park herrschte in
der letzten Nacht ein Leben, wie man es selbst an Sonn—
tag Nachmittagen nicht kennt. Die Sternwarte war vom
Publikum dicht umlagert. Den ersten Vortrag, den Herr
Direktor Archenhold über den Halleyschen Kometen hielt
vesuchten viele Tausend Personen. Die meisten konnten kei
nen Einlaß mehr finden, daher wurde in der Mitter
nachtsstunde der Vortrag noch einmal wiederholt.
Berlin, 19. Mai. Der Halleysche Komet war heute
Nacht auch in Berlin nicht sichtbar. Auch auf den Stern—
warten konnte er nicht beobachtet werden.
Köln, 19. Mai. Sowohl das Luftschiff „Clouth
als auch der Ballon „Busley“ des Kölner Klubs fuͤr
Luftschiffahrt stiegen heute früuh zur Beobachtung des Hal⸗
eyschen Kometen auf. Viele Neugierige hatten sich ein
gefunden. Plötzlich gewahrte man am Himmel einer
nächtigen roten Schein. Man hielt den Schein für Nord—
icht oder für den Kometen. Viele Anwesende wurden von
zroßem Schrecken erfüllt. Der Schein rührte aber von
inem Großfeuer in Sülz her. Von dem Kometen hat
nan hier nichts gesehen.
Mainz, 19. Mai. Bei leicht bewölktem Himmel, der
Sterne und Mond beobachten ließ, verstrich die Nacht und
ver Morgen, ohne daß der Komet oder auffallende Licht—
oder elektrische Erscheinungen wahrgenommen wurden. Ein
ehr lebhaftes Straßen- und Wirtshausleben herrschte im
Laufe der Nacht
Heidelberg, 19. Mai. Die Heidelberger Sternwarte
eilt über ihre Beobachtungen mit: „Der Vorübergang des
dometenkopfes vor der Sonne sollte zwischen 4.30 und
5.30 Uhr morgens erfolgen. Beim Vorhandensein aller
Jünstigsten Voraussetzungen wäre ein schwarzer Punkt aus
der Sonnenscheibe vorübergehend wahrzunehmen gewesen
Die Sternwarte konnte jedoch trotz eifrigen Suchens kei—
tierlei besondere Erscheinungen feststellen. Namentlich hal
auch der angekündigte Vorübergang des Kometensternes
nicht beobachtet werden können.
Freiburg, 19. Mai. Um 1 Uhr nachts wurde eine
'angsam von Ost nach West sinkende grüne, dann dunkel
werdende Feuerkugel beobachtet, in scheinbarer Größe ei—
nes Kopfes mit zehnsach längerem Lichtschein.
Wernigerode, 19. Mai. Das Observatorium aujf
dem Brocken sichtete nachts gegen 2 Uhr am nordöstlichen
himmel den Nometen, doch hinderte aufsteigender Nebe'
die genauere Beobachtung.
Wien, 19. Mat. Um den Komeien zu veobachten
war heute Nacht halb Wien auf den Beinen. Alle wich
tigen Höhenpunktte der Umgebung der Stadt waren von
hichten Menschenmengen besetzt. Auch mehrere Luftballon?
sind behufs meteorologischer Beobachtungen aufgestiegen
Leider war die Witterung eine derartig ungünstige, daf
der Komet morgens 43 Uhr nur ganz schwach gezeichne
zesichtet werden konnte. Im Haupt-Telegraphenamt wa
ren gegen alle elektromagnetischen Störungen Sicherheits
Vorkehrungen getrofsen worden. Es sind aber keinerle
Störungen aufgetreten.
Paris, 19. Mai. Die Pariser feierten das Erschei
nen des Halleyschen Kometen, indem sie die Nacht in der
Kabaretts und den Nacht-Restaurants zubrachten. Speziel
auf dem Montmartre war das Leben ein sehr reges. All—
Restaurants blieben bis zum Morgengrauen geöffnet
Nachts ging jedoch ein furchtbares Gewitter nieder und
der verdeckte Himmel verhinderte eine Beobachtung des
Kometen. Mehrere Astronomen hatten sich auf dem Eisel
turm eingefunden, indessen konnten sie wegen des verdech
ten Himmels keine Beobachtungen machen. Andere Astro
nomen hatten sich auf der Sternwarte eingefunden, konn
ten jedoch ebenfalls keine Beobachtungen vornehmen.
Rom, 19. Mai. Professor Mihozewitsch soll der „Tri
buna“ zufolge in der verflossenen Nacht die Beobachtung
jemacht haben, daß der Schweif des Kometen eine Länge
von 70 Grad und eine Breite von 6 Grad hat.
Genf, 19. Mai. Der Schweizer Lu'tschiffer-Klub hat
in Lausanne einen Aujstieg zur Beobachtung des Kome
len organisiert. Um Mitternacht sind zwei Astronomen der
Benfer Siternwarte aufgestiegen, um Beobachtungen anzu
tellen. Zahlreiche Touristen sind Abends aufgebrochen
im von den benachbarten Bergen das Erscheinen des Ko
meten zu Leobachten
Der Eutdecker des Halleyschen Kometen.
V Wir bringen heute das Bild des berühmten engli
schen Mathematikers und Astronomen Edmund Hal
lbeiy, der zuerst die von Newton aufgestellte Behauptung
begründete, wonach ein in einer geschlossenen Linie (Et
cipse) sich bewegender Komet schon früher dagewesen sei
ind später zurückkommen muß. Halley wurde im Jahr'
1656 in der Nähe von London geboren. Nach umfang
eichen astronomischen und mathematiichen Suudien mach
tine vornenkr one.
Historijcher Roman von Freiherr von Winterseld.
34 zI kannte sie; die eine war meine Schwester, es
vird Dir bekannt sein, daß sie die Gattin Murats wurde,
dann Hortenfie, Angiolina und die vierte Diang von
Ladoyere; diese hat Hortensie nie verlassen und wohn!
ils ihre Vertraute mit hier im Schlosse.“
„Was, Diana von Ladoyere ist noch unvermählt und
wohnt mit hier im Schlosse?“
König Ludwig warf einen forschenden Blick auf den
Zprecher. Er ahnte wohl den Grund zu dieser Frage
Id ein geheimnispolles Lächeln umspielte daher seine
ippen.
19. Kapitel.
Ein tiefes Rot übergoß das blasse Gesicht Petrons
ei diesem forschenden Blick des Königs, der seine innersten
ßedanken erforschen zu wollen schien. An Stelle einer
Antwort schritt aber der König zur Türe und verließ ei
ien Augenblick das Gemach. FJ
„Was hast Du vor, Ludwig 7“ sragte Petron be
cürzt, als der König zurückkam.
„Wieder gut machen, was in meinen Kräjten steht,“
entgegnete der König und nahm Isabella, die während
der Unterhaltung der Männer ängstlich lauschend be
Zeite gestanden hatte, bei der Hand. „Ein Bater kann
Iabella nicht inniger lieben wie Du und Diana von
Ladoyere wird ihr die so lange entbehrte Mutter ersetzen
diß würde sie besser ausgehoben sein als unter Euren
55* Sier,
Ludwig, nein, was wird Diana von Ladoyere dazi
agen?“
„Das wirft Du bald hören und wie ich den Zusam
menhang ahne, wird sie nicht nein sagen. Eine meine
Besitzungen in Frankreich mit allen Enklniten werde ich
1410 fanuæy
er hbiele RNeiren im Zuretesse der Wissenschaft. Halley war
der erste, der die Eigenbewegung der Firsterne —XE
und das Nordlicht als magnetische Erscheinung erklärte
Ihm verdanken wir auch die Verbesserung der Taucher
zlocke und die Erfindung des Spiegelsexrtanten, eines In
strumen es zu astronomischen Beobachtungen auf den
Meere. Als königlicher Asironom und Direktor der Stern
warte in Greenwich ist er 1742 im 86. Lebensjahre ge
torben.
Mmannes⸗Müũrde.
Lreisend mit viel schönen Reden
Ahrer Frauen wert zumal,
Saßen fünf Herren, namens Maier
Einst in ihrem Stammlokal.
2.
Herrlich, sprach der älteste Maier,
Ist mein Weib von mir dressiert.
Komm ich noch so spät nach Hause
»eine Silbe sie verliert.
3.
Triumphierend sprach der Zweite,
Meine Frau, bei meinem Wort,
Würd' sich nicht zu mucksen wagen,
Blieb ich auch drei Tage fort.
4.
Vie aus einem Munde riefen
Raier 3 und Maier 4:
Wehe meiner Alten, wollte sie sich
Widersetzen mir.
5.
Lächelnd sprach der fünfte Maier,
-chmachvoll wär' es in der Tat,
demals sich der Frau zu beugen,
Us zum Tisch ein Kellner trat.
e verzeihen, wenn ich frage,
wvielleicht Herr Maier hier?
foll gleich nach Hause kommen —
ne Frau sieht vor der Tür.
8
öhtzlich sprangen aͤlle Maier
uf vom Sitze da geschwind
And ärgerlich riefen alle Maier:
Ja, ich komme, liebes Kind. N. NR.
Die Nationen der Zeitungsleser.
Luch zuschreiben lassen und meinen Bruder noch heute
von dem Geschehenen in Kenntnis setzen, damit ihr fortar
in Frieden leben könnt und ich denke, Napoleon wir'
neinen Wunsch respektieren, so wenig er sich auch bis
jer um das Glück anderer gekümmert und es unbedenk
üch niedergelreten hat, wenn es ihm im Wege gestander
hat.
„Aber Ihre Majestät die Königin, was wird sie sa—
gen, wenn sie erfährt, was die Vergangenheit verborgen
hat. Sie wird es nicht verzeihen, wenn ihr die dweeuc
Freundin geraubt wird.“
„Auch darüher mache Dir keine Gedankden; ich be
daure Hortensie, welche gleichfalls unler diesem Druck ge—
litten hat, der all diese Jahre auf uns lastete. Sie ist
gut, sie wird Eurem Glück nicht im Wege stehen. An
giolina war ihre Freundin und ich werde ihr selbst unter
vier Augen alles erzählen. In wenigen Tagen wird es
ibrigens keine Königin von Holland mehr geben. Do⸗s
Verhängnis mag unbehindert weiter schreiten.“
„Ludwig, Du willst doch nicht —“
„Laß Petron,“ unterbrach der König den Korsikaner
„Was schon länger in mir keimte, soll endlich zur Reif.
gelangen. Komm an mein Herz mein alter Freund und
aß uns ohne Groll von einander scheiden und wenr
vir uns nicht wieder sehen sollten, so denke, daß ich im
ner das Beste gewollt, vom Verhängnis aber an de
Ausführung gehindert wurde — und schirme und be
chütze Isabella wie Dein eigenes Kind. Diana wirjs
d erst später zu einem geeigneten Zeitpunkt Aufklärun
geben.
Die beiden Männer' umarmten sich und seucht schim
merte es in ihren Augen.
Der alte Kammerdiener trat ein und meldete die
Ehrendame der Königin.
„Laß sie eintreten Vaudreur,“ befahl der König und
Aleich darauf erschien Duo von Ladoyere auf der Schwelle
Lokales und Vermischtes.
Dudweiler, den 20. Mar
7T. Wie aus dem Anzeigenteil dieser Zeitung ersichti
wird übermorgen, am Sonntag Nachmittag, das Ksrchen
chorverbandsfest der Synode St. Johann und zugiei—
das 30jährige Stiftungsfest des Kirchenchores Dur
weiler festlich begangen. 6 Kirchenchöre werden beteili
sein und verspricht ein reichhaltiges Programm sowohl f.
den Festgottesdienst (3.30 Uhr) in unserer schönen Kird
wie für die Nachversammlung im Riedschy'schen Saale e,
gutes Fest. Wir hoffen, daß dasselbe von freundliche,
Wetter und von zahlreicher Beteiligung seitens unserer G—
meinde begünstigt sein möge.
Trauerflagge hat heute unser Postamt anläßliche
Beisetzungsfeierlichkeiten des Königs von England aufgezoge
Altertumsfunde. Bei den Ausgrabungen zur He
stelling der gärtnerischen Anlagen bei der Villa Mie
wurden UÜberreste eines früheren Gebäudes gefunden. D
gefundenen UÜberreste zeigen ganz deutlich die Fundame,
tierungen und des noch sehr gut erhaltenen Keller-Fus
bodens (Kalkestrich). Ferner wurden außer diesen markan
ten Umrahmungen Reste alter Ziegeln, die sich von de
jetzigen durch ihre bedeutende Dicke unterscheiden, sowie au
andere Merkmale gefunden, die darauf hinweisen, daß dort
selbst früher ein Haus gestanden hat.
Seltsamer Fund. Wie wir in einer Saarbrücker Zei
tung lesen, fand der Bergmann Tabellion im Walde nebe
einem Baumstumpf, mit Erde bedeckt und Moos überwucher
einen goldnen Ring, der die Inschrift trug: Napoleon 8
Empereur.
Komet. Von jetzt ab wird der Komet, statt wie bis
her in der Frühe, am Abend nach Sonnenuntergang an
westlichen Himmel zu sehen sein. Dabei dürfte folgend
Tabelle von Nutzen sein zu Beurteilung, zu welcher Zei
der Komet am besten gesehen werden kann—
Entfernung vor
Sonnen⸗ Untergang der Erde in Mi
Datum Untergang Halley lionen Meile.
9,29 abends — 3,08
10,15 3,16
0,47 3,47
07 3,81
20 4,46
—
5,77
6,66
7,23
8,03
874
33*
Am schönsten sichtbar wird er sein an den Tagen von
20. bis 23. Mai. Von da entfernt er sich so rasch von
der Erde, daß er dem Gesichtskreise des bloßen Auges meh
und mehr entschwindet.
Ein Mainzer Humorist hat einen neuen Willkonmmen
gruß zur Kometenzeit erfunden, der lautet: „Salem Halle—
kumm!“
Von verschiedenen Städten aus waren Ballons aufge
stiegen, so auch in Stuttgart. Ein Ballon stieg 3600 m.
hoch. Die Meldungen lauten überall, daß von den Bal—
lons vom Kometen eben so wenig zu sehen war, wie vor
der Erde aus. Von verschiedenen Seiten, so von Breslau
wird dagegen gemeldet, daß der Komet mit bloßem Aua—
gesehen worden sei.
Wegfall der zweiten Kontrollversammlung. Wieder
holt ist im Reichstage eine Anderung des 8 115, 1, 4 unt
5 der Wehrordnung dahin angeregt worden, daß Kontroll
versammlungen der Personen des Beurlaubtenstandes al
jährlich nur einmal stattfinden, um sowohl die Kontrollier
ten selbst als auch deren Arbeitgeber oder Vorgesetzte nu
einmal im Jahre in ihrer beruflichen und geschäftliche
Tätigkeit zu stören. Wie nun das Kriegsministerium au
führt, steht einer solchen Anderung gesetzlich kein Bedenk
entgegen, denn nach 8 1 des Kontrollgesetzes ist die Mil
tärverwaltung wohl berechtigt, aber nicht verpflichtet, zwe
mal im Jahr Kontrollversammlungen abzuhalten. Dageg
ist von den in Betracht kommenden Stellen an der No
wendigkeit der zweiten Kontrollversammlung aus militärischei
Gründen festgehalten worden. Das Kriegsministerium stel
zur Zeit Erhebungen darüber an, ob und unter welcher
Bedingungen der Wegfall der zweiten Kontrollversammlun
ohne wesentliche Schädigung militärischer Interessen —
angängig exachtet werden und in welcher Weise die ei
malige Kontrollversammlung jährlich durchzuführen »
würde.
Stein- und Braunkohlenbergbau in Prenßen.
ersten Vierteljahr 1910 betrug in Preußen die Förderun
an Steinkohlen 34200 423 Tonnen (gegen 1. Quartal 190
— 220 234 Tonnen) der Absatz 31 603 460 Tonnen
194 411 Tonnen); die Arbeiterzahl stieg von 573 577 un
109 404 auf 538 981 Mann. An Braunkohlen wurden
gefördert 13 260 611 Tonnen (-710498 Tonnen) un'
abgesetzt 10 047729 Tonnen (— 434 945 Tonnen). Tro
des nicht unbedentenden Rückgangs der Förderung arbeite
in den Gruben 445 Mann mehr als im Voriahr, näm
537 072 gegen 56627 Arbeiter.
Saarbrücken, 18. Mai. Das Infanterie-Reginu
Nr. 70 begibt sich am 8. Juni nach Elsenborn zum Briguo
Exerzieren, welches bis zum 28, Juni dauern wird.
Regiment wird am 8. Juni mittelst Extrazuges
—
Auf ihrem Antlitz zeigle sich noch der Ausdrück des Erz
staunens, sofort vor dem Könige zu erscheinen. Ihr Blich
erweiterte sich, als er auf die Gruppe der drei Personen
fiel und schließlich auf Petron Venturo haften blieb, der
ängstlich auf sie schaute. Es schien, als ob sie schwanke,
ihre Hände nach einem Stützpunkt suchten.
Der König bemerkte dies wohl und beeilte sich, diese
Szene zu beenden.
„Fräulein von Ladoyere, Ihr Herz hat gesprochen,
auf Ihrem Gesicht steht deutlich geschrieben, daß Zeit und
Entfernung nicht vermocht haben, die Erinnerung zu ver⸗
3 Lassen Sie mich daher ein wenig die Vorsehung
pielen.“
„Majestät,“ stammelte die Ehrendame verlegen und
wollte sich vor dem Könige auf die Knie werfen woran
sie dieser aber hinderte.
„Nicht der König von Holland steht vor Ihnen. son
dern Lundwig Bonaparte, der er in wenigen Tagen auch
sein wird. Wie drängt es mich, so schnell wie möglich
einen Teil meiner Dankesschuld abzutragen, ehe es viel⸗
leicht zu spät wird.“
Er ergriff die Hände des Korsikaners und der Ehren⸗
dame und legte sie ineinander.
„Freund meiner Jugend, aus Deinen wenigen Worten
erriet ich sofort Dein suͤßes Herzensgeheimnis. Ich ver
mag aber auch die Qualen zu ermessen, die Du seid dem
Tage erduldet hast, an dem zugleich die Leidenszeit unserert
teueren Angiolina begonnen hat.“
Die Ehrendame suhr bei Rennung dieses Namens
leicht zusammen, was dem König nicht 8
elen von Ladoyere, wir wollen n Augen
blick glücklichen Wiedersehens nicht durch das Auf
rollen schmerzlicher Erinnerungen entweihen. Sie werden
spüter noch alles erfahren und mit Liebe einer Dulderin
gedenken, der Sie heute vielleicht noch Zinen. weil sie
damals ohne Ahschied von Ihnen ¶ ——