Full text : Dudweiler Zeitung

⸗
Freitag, den 20. Mai 10910. 23. Jahrgang.
— —————— VᷣT(Ç! Rerwn —
7 7 Postischließfach Nr. 14.
—ILRIBBI J. J88—— Anzeisen
B85àx5544 WA AVVVRR desten 10 ⸗ Vpro 6spaltig Petteun
J oͤtunttchtachetdim
2* — 3 . *
F Amtfliches Publikationsocgan Mit zwei Beilagen: —VVIXVV
— fur die Bürgermeisterei Dudweller. Sonntagsblatt und Bumoristische Blatfer. —A
nonailich 720 ¶ frei in's Haus r
gebracht,
dei der Post bestellt A 2,26 vierteljahrlich Feensprech⸗ Auschluh Saarbrüchen Ne. 60, 20, 2600 u. 1861.
— — — — —
Fine erfreuliche Stellungnahme.
Staaussekretär Deren burg hat in dem Vortrag
ber die Baumwoll-Fragen, den er am 24. April
on dem Deutschen Handelstag hielt, die Hofsnung ausge
prochen, daß die organisierte Arbeiterschaft als die an de—
zaumwollversorgung des Deutschen Reichs am meisten in
etesserte und wichtige Volksschicht zur aktiven Mitarbeit
Ferangezogen werden könne. Er wies ganz besonders auf
das Verhalten der englischen Gewerkschaften, der Trade
juions hin, die die unserem Kolonialwirtschaftlichen Ko
nitee ähnlichen Arbeiten der British Cotton Growing As
hciation jährlich reichlich unterstützen und bis jetzt schon
bet eine Million Mark der Association in Erkennun—
hrer ungeheuer wichtigen Aufgaben zugewendet haben
Bir finden nun in den Sozialistischen Monatsheften aus
Jer Feder Gerhard Hildebrands einen Aufsatz, der den
freulichen Schluß zuläßt, daß Dernburg bei den wissen—
schaftlichen Vertretern der deutschen Sozialdemokratie au
Lerständnis für seine Anregungen gestoßen ist. Gerhard
weist sehr eindringlich nach, welches große Interesse die
euische Arbeiterschaft an einer ausreichenden, billigen und
esicherten Baumwoll⸗Rohstoffzusuhr hat. Indem er sich
egen herrschende Anschauungen innerhalb der Partei unt
ie Teilnahmslosigkeit der Führer und führenden Zeitun
engen wendet, sagt er u. a.:
Man kann nicht behaupten, daß die Partei diese
Angelegenheit große Aufmerksamkeit zuwendet. Mar
entrüstet sich gelegentlich über kapitalistische Preistreibe
reien, überläßt es aber gleichwohl den Kapitalisten, di
skohstoffbeschaffung zu sichern. Aber es gibt innerhall
zer Partei keinen Standpunlkt, von dem aus sich dieser
Ileichmut rechtfertigen ließe. Die Arbeiterklasse hätt
nallererster Linie ein Interesse daran, alle Verteuer
ingen der Lebenshaltung bis in ihre wirklichen und
iefsten Wurzeln hinein zu verfolgen. Die Frage der
wusreichenden Rohstoffversorgung würde dann nicht mehr
io einseitig behandelt oder so gleichgültig beiseite ge
choben werden wie es heute geschieht. Es ist zuzuge
ven, daß ein Zusammenarbeiten von Arbeitern und Fa—
brikanten zum Zweck der gesicherten Rohstofsversorgung
gerade in Deutschland auf Schwier'gleiten stößt. die
nicht auf seiten der Arbeiter allein liegen. Man kann
Veranftaltungen der Reichsssregierung wie das hier in
Frage kommende Kolonialwirtschaftliche Komitee nich
ohne weiteres als einen neutralen Boden betrachten, an
gesichts der Haltung, die die Reichsregierung selbst der
Arbeiterorganisationen gegenüber einzunehmen pflegt
Dies Dernburg gegenüber hervorgehoben, bleibt dock
die Notwendigkeit bestehen, daß wir uns wenigsten⸗
mit den Dingen vertraut machen und uns nicht ledig
lich mit antikapitalistischen Redewendungen den Kop.
und die Aussicht benebeln. Die Baumwollfrage ist ge
wiß eine soziale, das heißt eine gesellschaftliche Frage
Aber den Ausschlag bei ihrer Beurteilung und Lösun—
gib: der Gesichtspunkt, wie die ausländische Rohstoffver
sorgung der Industrie und der ganzen Volksgemein
scha't gesichert werden könne. Es ist eine national—
Frage, um die es sich hier handelt, und nicht ein Klas
senbewußtsein, sondern höchstens eine Klassenbefangen—
heit kann das verkennen.
VPolitische Rundschau.
Deutsches RNeich. *
*Wie nunmehr feststeht, wird der italienische mi7
es Aeußern, San Ginliano. am 27. Mai in Berio—
intreffen, um den Besuch des Reichskanzlers von 19
nann⸗Hollweg zu erwidern.
* Rechtsanwalt Dr. Schücking-Dorimund, der fre
dJürgermeister von Husum, teilt mit, daß er aus de: e⸗
otratischen Vereinigung ausgetreten sei.
* Die ‚„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ veröfsen licht
biederum eine Warnung an die deutschen Arbeiter
or Uebernahme der Beschäftigung beim Bau der Ma—
eira⸗Marmore-Eisenbahn im Gebiete des oberen Ama—⸗
onenstromes. Es wird auf das äußerst ungünstige Klime
md auf die ungenügenden Verpflegungsverhältnisse im
sahnbaugebiete hingewiesen, wodurch in kurzer Zeit die
jzesundheit der früher angeworbenen Leute aufgerieben
horden sei. Die Warnunag schließt: Das Schicksal der im

AXLINEIIIII
l —ZEYVYEIZäXRRtIE„Z
Fin unerhörter Fall von Zeugniszwangehare
Bereits im sechsten Monat sitzt der Redakteur Nowad
in Zeugniszwangshafst. Edmund Nowack, Redakteur
des „Neuroder Volksbl.“, hat in dem Disziplinarverfah—
ten gegen einen Amtsgerichtsrat in Clausthal die Aus—
sage verweigert und wurde deshalb zuerst mit einer Geld
strafe und dann mit einer Haftstrafe belegt. Nowack sitz
nun berei!s im sechsten Monat in Zabrze, wo er eint
Redakteurftelle bekleidete in Zwangshaft. Da Nowac
infolgedessen seine Stelle verlor und durch Bezahlung sehr
hoher Gerichtskosten aus einem Prozeß, der mit dem
Disziplinarverfahren im Zusammenhang steht, über wei—
tere persönliche Mittel nicht verfügt, dürfte es, so schreibt
Redaktion und Verlag der „Neuroder Zeitung“ in einem
Zirlular, eine Ehrenpflicht für Verleger und Redakteure
sein, einem Kollegen, der in so rühmenswerter Weise die
Ehre seines Standes gewahrt hat, unter die Arme zu
zreifen. Nowack wird am 4. Juni dis. Is. aus der Haft
entlassen, da die Zeugniszwangshaft über 6 Monate nich!
ausgedehnt werden kann. Zwecks Anfragen usw. wende
man sich an das Neuroder Volksblatt“, Neurode, Schle
sien. — Das sind die „kommandierenden Generäle“, die
vegen eines selbstverständlichen Gebots der Ehre hinter
Schloß und Riegel und damit auch um ihre Existen,
ommen. . Wir sind nur äußerst verwundert, daß die deut
scche Presse sich so gar nicht um diesen bösartig gelagerter
Fall bekümmert. Nach unserer Meinung wäre es ein
felbstverständliche Aufgabe für die großen Fachverbänd«
der Presse, wie in ähnlichen anderen Fällen nachdrücklich
Einspruch zu erheben und helfend einzuagareifen

Der Kampf im Baugewerbe.
Ktöln, 19. Mai. Hier tagte in der „Glückaufhalle
ene Versammlung von mittleren und kleinen Unterneh—
rern im Baugewerbe, die ihre Arbeiter einstellen wolle;
und nun durch den Arbeitgeberbund gezwungen werden,
ibre Geschäfte zu schließen, weil die Materialsperre ver—
Xngt wurde. Das Vorgehen des Arbeitgeberbundes if
scharf kritisiert worden. Es wurde eine Kommission ge
waͤhlt, die die geeigneten Schritte gegen den Bund unter,
nehmen und sich mit Materiallieferanten in Westfalen und
Holland in Verbindung setzen soll, um den gemeinschaft
lichen Bezug von Materialien zu erwirken. Bauunterneh
mer J. Hedderich wurde beauftragt, im Namen der Ver
sammelten beim Vorsitzenden des Kgl. Gewerbegericht⸗
vorstellig zu werden, damit dieser eine Einigung zwischer
Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Baugewerbe anbahne
Der Schaden, den die anwesenden Bauunternehmer bis
jeßt durch die Aussperrung erlitten haben, wurde auf j
1500- 2000 Mark geschätzt; die Ersatztlage soll angestreng
werdeun, da eine solche Klage bereits mit Erfolg durchge
führt wurde. Demnächst soll eine größere allgemeine Bau
unternebhmet-Versammlung einberufen werden, in der Be
richt üuber die Tätigkeit der Kommission erstattet wer
den 6ll

—

Belgien.
*Es bestätigt sich, daß das Protokoll des belgisch
»entschienglischen Ablommens über die Regelung der Gren
Iun der Kongokolonie unterzeichnet worden ist. Di
grenze zwischen Deutsch-Ostafrisä und der Nongololoni—.
ildet der Russisi-Fluß und der Kiwu-See. Die Inse
dwidjiwi fällt an Belgien, dann geht die Grenzlinie öst
lich von Goma über den Karissimbi-Gipfel bis zun
Zabinio-Gipfel, wo die deutsche, die englische und die
elgische Grenze zusammentreffen. Von dort läuft die
yrenze zwischen dem Kongo-Territorium und Uganda in
serader Linie über den Ugabua-Gipfel und dem Isada-Fluß
 entlang bis zum Edward-See, folgt dem Fluß durck
zas Lubilital bis Pit Marguerite, läuft wieder abwärt:
nit dem Lamia-Fluß und dem Semliki-Fluß bis zun—
Albert-See und durchschneidet diesen bis Mahagi, das
Belgien in Pacht hat. Belgien erhält das ganze Territo—
ium nördlich des Semliki und das Ostufer des Albert
Zees. Diese Lösung des Grenzstreites wird in Brüsseler
dolonialkreisen mit lebhafter Befriedigung begrüßt.
Dänemark.
* Die Kopenhagener National-Tidende bringt eine Auf.
ehen erregende Mitteilung über angebliche An—
schläge einerfrem den Macht gegen die Neutralität

Zur Beisetzung König Edwards.
London, 19. Mai. Die „Pohrnzollern“ mit dem
kreuzer „Königsberg“ und dem Depeschenboot „Sleipner
trasen gestern Abend kurz nach 6 Uhr in Sherneß ein
Auf ausdrücklichen Wunsch des Kaisers wurde von dem
zu seinem Empfang erschienenen Geschwader kein Salut
schuß abgegeben. Das Geschwader bestand aus 12 Schlacht
schissen und Kreuzern. Die Flagge auf der „Hohenzollern
und den Begleitschiffen waren auf halbmast gehißt. Kai
er Wilhelm landete heute Vormittag in Port Viltori«
ind fuhr um 411 Uhr mittelst Extrazuges nach London
—AeXEEEZCZ
Zur Kretafrage.
Die Kretafrage will nicht zur Ruhe kommen; sie is—
aufs neue aufgerollt durch den Eid der kretischen Natio
nalversammlung auf den König der Hellenen. Daß die
Pforte sich dadurch in ihren Souveränitätsrechten beein
trächtigt glaubt, ist erklärlich, ebenso verständlich ist es,
daß sie bei den Schutzmächten lebhaften Protest gegen

echselfãlle.
Des Nachbars Frau ward jungst vom Schlag getroffen,
Und ihre Sprache war dahin, .
Und was der arme Mann nie durfte hoffen,
WBar nun so plötzlich sein Gewinn.
—A
die Ruh' war wieder hergestellt im Haus.
Ein zweiter Anfall köst die lahmen Glieder,,
And siellt Xantippe wieder her, —38
dad ihr sogar die Zungenfreiheit wieder,“
Wie freute sich die Frau so sehr; —3—
Wie vormals lärmt sie nun im Haus herum,
da traf den Mann der Schlag, und er ward Rmm
— m—

—

guat's Wörtel um an kloan' Finger wiceln!“
„Nachher wickel's du! Mir is dös Raffelscheit zu
zach dazual“ *
„Abg'macht! J probier's! Wirst seh'n, döo tschekate
Kuah krieg'n wir! Wia hoch darf i denn steigern?“
use Hunderter is g'nual Höchstens noch a Zehner
rauf!“
„Alsdann fang' i mit sieb'g Gulden an.“
„Fang' nur an, wenn du g'chwind von allem Anfang
an außi g'schmissen werden willst!“ sagte der Metzger Krust.
„A zwoa Woch'n muaß ich aber Zeit hab'n!“ meinte
der Loisl. „Denn i muaß mich bei der Zischga doch z'ersi
a bissel eintegeln!“ (Einschmeicheln.)
„Meinetweg'n!“ entschied der Krust. „Also höchstens
hundertzehn Gulden! Koan' Kreuzer mehrl“
Der Loisl war schon Jahre lang beim Krust Knecht
ind so eigentlich die rechte Hand im Geschäft. Er 5
aher bereits ein gewisses Ansehen und zählte zu den „Hia
igen“, die sich am Sonntag im Wirtshaus zu den besten
Bauern an einen Tisch setzen.
JJung war der Loisl nicht mehr. Ein Vierziger. Trotz
em aber noch ein ganz fescher Kerl. Der beste Ranggler,
degelschieber und Perlagger Geliebtes Tiroler Kartenspiel)
n der ganzen Gegend. An der nötigen Schneid', auch der
Zischga was abzuhandeln, fehlte es ihm daher nicht.
Auf dem Knollengut hausten zwei Geschwister. Der
aschper und die Zischga. Beide ledig. Der Kaschper ein
zuter Fünfziger und seine Schwester nicht mehr weit von
den Funfzigern.
Beide hätten ganz gern geheiratet. Aber mit dem
daschper wollte es keine wagen, weil einer jeden die Schwä—
gerin zu „z'nicht“ (bös) war. Und bei der Zischga wollte
chon gar keiner anbeißen, weil kein Mannsbild beim Hei⸗
at'n gern die Hos'n hergibt. Und die hätte die Zischga
Janz gewiß angezogen!
Der Kaschper war bei seiner Schwester, die den Haus⸗
halt führte, nicht zu beneiden. Die „karnüffelte“ (plagte)
hn gehörig, so daß er auch bei der widerhaarigsten Ehege
ponsin nicht schlechter gefahren wäre.
*) Wir entnehmen diese köstliche Geschichte dem soeben
erschienen neuesten Buch des bekannten Tiroler Volksdichters
aud Humoristen Rudolf Greimn'z: „Bergbauern. Lus
tige Tiroler Geschichten“‘ (Verlag von L. Staackmann, Leip⸗
zig). Das Buch, welches zwölf drollige Geschichten aus
»em Tiroler Volksleben umfaßt, entfesselt von Seite zu
Seite die schallende Heiterkeit des Lesers. Das ist alles
ebenswahre, echte Bergnatur, unverfälschter kecker Bauern⸗

zumor. Wir können unsern Vesern die Anschaffung des
Bandes, von dem wir eine Probe bieten, nur bestens em—
»fehlen. (Preis brosch. 3 Mk., eleg. geb. 4 Mk.) Humo
ische Novitäten sind selten auf dem deutschen Büchermark
Ait einem so lustigen Buch wie den „Bergbauern“ mach
5 — jeder sich oder seinen Freunden ein prächtiges Ge—
chenk.
In ere Jahren hatte der Knollen Kaschper manche
— ersuche unternommen, seine Schwester an den
ann zu bringen und dadurch seinen Hausdrachen einen
anderen aufzuhalsen. Alle derartigen Unternehmungen wo
ren jedoch kläglich gescheitert. Schließlich hatte sich da
Knollen Kaschper in sein Schicksal ergeben.
Der Metzger Loisl nahm seinen Plan allsogleich in Ac
griff. Wenn er der Zischga begegnete oder wenn sie in der
Metzbank was einkaufte, dann spielte er stets den Liebens⸗
würdigen, erkundigte sich nach Haus und Viehstand und so
beiläuftg auch nach der tschekaten Kuah vom Knollenbauern,
gab Uebergewicht und schenkte dem alten Drachen alle ec
denklichen Aufmerksamkeit.
Anfangs erntele er entschiedenes Mißtrauen. Aber st
nachhaltigem Werben kann schließlich kein Weiberherz widen
stehen, namentlich wenn sich darin in irgend einem Winkel
noch immer mannderleutische Gefühle finden. „
Die Zischga wurde zusehends freundlicher und umgäng
licher. Zuletzt lud sie den Metzger Loisl sogar ein, sick
doch einmal das Knollengütl naͤher zu besichtigen, weil ei
sich schon gar so viel dafür interessiere.
Nun sei der richtige Augenblick gekommen, den Handel
osssgehen zu lassen, dachte sich der Loisl und stackelte eines
Tages, nachdem im Geschäft Feierabend gemacht worden
war, zum Knollen.
Er traf in der —8 Kuchel nur den Kaschver, der
auf der Herdobank saß und Holzspäne zum Unterzünden
schnitzte. Gleich darauf kam die Zischga herein.
— DD—
hat noch koa Juatterl!“ herrschte sie den Bruder an, der sich
schweigend zur Küchentür hinausdrückte.
Dann lud sie den Loisl ein, auf der Herobank Platz
zu nehmen. Die Zischga mußte einmal nicht gar so unsau⸗
her gewesen sein. Jetzt freilich war sie derb und knochtg
zeworden, und über der Oberlippe saß ein ganz respektab
les Schnurrbartl.
„Wart', 1wärm' dir an Kaffee, Loisl!“ sagte ste
mit dem freundlichsten Ton in ihrer Stimme. Der Loisl
zab dutch einen zufrieden knurrenden Laut sein Einverständ—
nis kund und überlegte im stillen, wie er jetzt wohl die
Sache am schlauesten anpacken sollte

— MDDDDDdJlddeege—e—e———— —
„Wird nimmer viel Wilch geben dei' tschekate Kuahl⸗
begann er nach einer Weile, während sich die Zischga beim
Herd zu schaffen machte.
„Könnt's nit schelten!“ erwiderte diese. „Milch gibt sit
noch g'nua!“ Eö Kuah is mir noch lang nit feil!“
Hollal Da war er in der Sachass'n. Auf diese Wei⸗
se ging es nicht, dachte sich der Loisl. Da mußte er ge
schwind umstecken. Er verfiel wieder in tiefes Nachdenken
Unterdessen war der Kaffee fertig geworden. Die Dirn stell⸗
te die mächtige Schale vor den Loisl auf den Herdrand
und legte einen mürben Fastenbretz'n daneben.
Der Loisl tauchte den Bretz'n ein, schluckte und kaute.
* gishoa wussch unterdessen in einem großen Kessel Ge⸗
rr ab.
„Kaffee machst an guat'n!“ begann der Loisl nach ei⸗
ner Weile. „Bist überhaupt a revlarisches (tüchtiges) Ma—⸗
del! Man sieht schon, daß du dei' Ordnung hast!“
„Man tuat halt, was man kann und soweit's oan' als
a lediger g'sreut!“ erwiderte die Dirn freundlich.
„Freilich, 's en hat auch so seine zwoa Seit'n!“
neinte der Loisl. „s' Viech macht viel Arbeit. Und wenn's
„'rad' amal a Kuah verkaufen will, muaß a ledig's Madel
358 acht geb'n, daß sie nit über die Ohren g'hauf
wird!“
„Ja, ja, man wird auf Weg und Steg betrog'n!“ ant⸗
vortete die Zischga, indem sie einen Abspulfetzen auswand.
„Es is unterschiedlich!“ meinte der Loisl, in seinem
Kaffee löffelnd. „J zum Beispiel könnt's nit über's Herz
353— a Maͤdel z' betrüag'n, das so alloan in der Weli
dasteht!“
„Du frellich nit! Du bist halt a braver Mensch, Loisli
sagte die Dirn mit einer gewissen Rührung.
„Wir zwoa würden schon über Ort kommen, (einig wer
den), wenn wir amal an Handel miteinander hätt'n!“ mein—
te Loisl. „Monn oane a Güetl so brav im Stand' haltet
wia die Zischga, nachher kann man schon handelseins da⸗
mit werd'n!“
's Guüetl is guat bei'nand'l In Feld und Stall alles
Ordnung! 8woa Küah im Stall, die Blaß und die Tsche⸗
katel Drei Goas und a Mastschwein! Die Acker weißt sel⸗
ber!“ erklärte die Zischga.
„Ah, freilich weiß i's!“ sagte der Loisl bewundernd
„V'sonders das Viech is heutzutag' was wert. Die tsche—
kate Kuah is halt schon a bissel alt. Aber siebz'g Gulden
is sie alleweil noch wert!“
„Was? Siebz'g Gulden? Bist narrische“ ereiferte sich
die Dirn. „Die Tschekate g'steaht (ist wert) noch allewei
K Doppeltel Magst nit noch a Schalele Kaffee?“

»Auch guit! Zwei Bekannte waren im Gesp.
u einem Haufe gekommen. Da bleibt der eine an
Tür stehen und sagt zum andern: „Warten Sie hier m
ein klein weniag, ich gehe hinauf, eine Stunde zu cçeden.

2ischgas jchekale Ruah.
kine lustige Titoler Geschichte von Rudolf Greinz.
Nachdruck verboten.
Jatz wär's schon bald notwendig, daß die Kälber auf
die Bäum' wachsen/ Man weiß ja nimmer, wo man das
Schlachtvieh auftreiben soll bei derer Fleischnot!“ jammerte
»er Dorsmetzger Krust (Christian). „Bis d' a alte Kuah
rriagst, muaßt dir voöllig die Füaß auslaufen und 's Maui
vund reden!“
— ed wüßt dir schon a Kuahl“ meinte der Metzgerknecht
odisl.
„Nachher weißt mehr als wia il“ rie der Krust.
„Die tschekate (hunt gefärbte) Kuah von der Knollen
dischga (Franziska)“ erklaͤrie der Loist
,„Um dö kannst du handeln, wann's dich g'freut! Denn
eich er handl' i dem Tuiflea arme Seal' ab als dem alt'n
Beizkragen a Stuc vViech!“ sagte der Krust.
„Weißt Krust, dö Sach' is nit so verzwickt! Der Zisch—
a muaß mian halt a bissel schön tuan! Nit gleich mit der
ir ins Haus fallen! Die alten Madeln kann man füra
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.