Full text : Dudweiler Zeitung

ste zuerfst prufen, ob eine Vermittelung auch Erfolg ver—
spreche. Neuerdings schwebten Vorbesprechungen darüber,
ob und auf welchem Wege in Einigungsverhandlungen
einzutreten sei. In Arbeiterkreisen bestehe die Neigung
sich auf solche Verhandlungen einzulassen. Von den Ar—
beitgebern sei aber bisher eine soiche Neigung nicht be—
kundet worden. Es sei jedoch im Verlaufe der nächsten
Woche eine Entsechließung darüber zu erwarten. Die Re—
zierung hoffe. daß auch die Arbeitgeber eine entgegenkom—
mende Haltung beweisen möchten und sie hoffe, daß die
Verhandlungen von versöhnlichem Geiste getragen werden
möchten und daß der Friede wieder hergestellt werde.
Dresden, 12. Mai. Voraussichtlich sfinden am 21.
Mai hier unter Leitung des Oberbürgermeisters Beutler
Fßergleichsverhandlungen zwischen den zen—
ralen Verbänden im Baugewerbe stot

M

Zum Ableben Königs Edward.
LZAoudon, 12. Mai. Kaiser Wilhelm wird,
ie verlautet, erst am Tage vor der Beisetzung, also am
. Mai mit dem Prinzen Heinrich in London eintreffen
AUnter günstigen Umständen kann die Ankunft des Kaisfers
ruch schön am 18. Mai erfolgen. Der Kaiser wird im
BRuckinaham-Palast wohnen. Ob auch Prinz Heinrich, des—
en Anmeldung später erfolate, im Buckingham-Palast ab—
teigen wird, ist noch zweiselhaft. Davon, daß Roosevelt
nit dem Kaiser auf der „Hohenzollern“ nach London
ommit, ist hier nichts bekannt.
London, 12. Mai. Hier sind die Kaiserin-Mutter von
Außland und die Großfürstin Michael eingetroffen und
aun Bahnhosfe vom Könige und der Königin empfangen
worden Auch das Herzogspaar von Sachsen-Koburg-Gotha
trifft zur Beisetzung hier ein.
Kiel, 12. Mai. Die „Hohenzollern“ geht am Sams—
ag Abend durch den Kanal nach Vlissingen, wo das
Zchiff Ka iser Wilhelm zur Fahrt nach London
aufnehmen wird. Auf der Ueberfahrt nach England wird
das Schnellboot Sleipner“ die „Hohenzollern“ begleiten.
— —— —
Die Unruhen in Albanmien.
stonstantinopel, 12. Mai. Eine amtliche Depesche
Lorgut VPaschas meldet: Nach dreitägigen Kämpfen
äuberten die Truppen vollständig den Paß von Ernol-⸗
eva und brannten das Dorf Budakowa, wo der Führer
der Aufständischen. Hassan Hussein wohnte, nieder. Die
lufständischen hatten große Verluste und flohen in der
stichtung auf Djakova. Auf türkischer Seite sind 8 Sol—
aten tot, zwei Offiziere und 18 Soldaten wurden ver—
etzt. Die telegraphischen Verbindungen mit Prizrend und
Gerisowitsch werden wieder hergestellt.
Konstantinopel, 12. Mai. Der Kriegsminister Schef—
'et Voscha ist ins Hauptauartier nach Albanien abgereist,
Uesktueb, 12. Mat. Im Waß von Stymlia ist es
ut einem neuen Kampf getommen. Die Aufständigen sind
u ihren verlassenen Positionen wieder zurückgekehrt und
ilsbald in ein Gefecht mit den dort befindlichen Truppen
zeraten. Bei dem Dorfse Budakowo entwickelte sich eine
jeftige Kanonade, durch die die Albanesen schwere Ver—
lufte erlitten haben. In dem Gebiete von Katschanik, Ve—
isovies und Gilan ist das Standrecht verkündel worden.
Das Kriegsgericht entfaltet eine große Tätigkeit. Die Ruf⸗
orderung zur Auslieserung der Wassen ist in sämtlichen
IRrtschaften bekannt gemacht worden

Eine Ummulzung in der Telephonie.
lebermittelung von Herzschlägen auf 100 Meilen
Vor einer Versammlung von Ingenieuren und Mit—
giedern der Royal Society of Arts schilderte in London
Ingenieur S. G. Brown die Erfindung eines Telephon—
elais, das die Vergrößerung der Entfernungen ermög—
icht, auf die ein Telephongespräch gehört werden kann,
das aber auch gleichzeitig für die drahtlose Telegraphie
zer Zukunft ungeahnse Ausblicke eröfsnet. Die Erfindung
rann man anm besten als ein „Telephon im Telephon“ be—
zeichnen, wobei das Telephonrelais die Töne verdeutlicht,
vährend es sie übermittelt. *
Bekanntlich werden die Schwingungen der menschli—
hen Stimme oder irgend einer anderen Lautquelle durch
den Telephondraht übermittelt, weil sie Veränderungen bei
einem elektrischen Strom hervorrufen. Die Person, die
im Telephon hört, vernimmt in Wirklichkeit nur das Re—
ultat außerordentlich kleiner Stromänderungen. Aber un—
er den gegenwärtigen Telephonformen ist eine Grenze
sür die Stromänderungen, die fortgetragen werden kön—
ien, vorhanden, und es ist auch eine Grenze dafür vor—
janden, die kleinen Stromänderungen am Hörer zu ver—
iehmen. Wie es in der Natur Töͤne gibt, die so schwach
ind, daß sie nicht zum menschlichen Obr dringen, so gibt
s im Telephon Vibrationen. die zu klein sind, als daß
der Empfänger sie registrieren könnte.
Brown stellt in seinem Relais die Möglichkeit her,
döne, die bisher zu schwach auf den Strom wirkten, kräf—
iger zu machen und dadurch dem Ohr am Empfänger
eutlicher zuzuführen. Der Telephondraht ist an einer
Ztelle au sehr geringe Distanz unterbrochen. An den
Anterbruchstellen befinden sich kleine Spiten aus der här—
esten Metallegierung Asmium-Iridium.
Die Folgen der Erfindung find ganz enorm. Die
entfernung, auf die Telephongespräche gehört werden, kann
im 25 bis 30 Wroz. ge⸗eieu werden An
bedurfte weniger Veinuten, um jich zu jainmetn, um das
Behörte ganz zu fassen; die Enthüllung war zu seltsam,
zu überraschend für sein nichts ahnendes Herz gewesen.
Eine Träne zitterte in seinem Auge, aber er zwang sich
u einem Lächeln. „Ist es möglich?“ sagte er nad einer
bause, Barbara die Hand reichend, wunderlabe Tücke des
Schicsals! Die Geliebte habe ich verloren, — die Schwe⸗
ter tritt für sie ein. Kehren wie in die Familie zurück,
damit ich erfahre, wie sich das alles zugetragen, komm
zib mir die Hand, Schwester.“
Es freut mich, daß Du Deine Fassung wieder ge⸗
vonnen hast; zeigen wir den Großeltern, daͤß unsere Wit
enskraft über den Launen des Geschickes steht, das in so
ätselhafter Weise mit ims gespielt bat “
Nun“, fragte der Großvater lächelnd, als die Zwil—⸗
linge das Wohnzimmer betraten, wie seid Ahr miteinan—
er zufrieden?“
Sehr wohl“, versetzte Julius, „eine bessere Schwester
nãtte ich mir nicht wünschen können, wenn cuch ine n
ere. — —
Ich sehe, Ihr seid vernünftige Kinder, und das isi
zrav. — Hier in diefem Manne findest Du Deinen Va—
er, Julius.“ Hagedorn reichie seinem Sohne die Sand.
Ich verdaene nicht das Glück, Valer solcher Kinder zu
ein“, sagte er heftig beweat.
„Seien Sie meiner Eörfurcht und Liebe versichert“,
ersetzte Julius, — „was auch geschehen sein mag, Sie
ind mein Vater.“
So hoch beglüdt sich auch der Verirrke in Gegenwart
einer Kinder fühlte, — es litt ihn nicht länger in ihres
Mitte, das Besvußtsein seiner Schuld trieb ihn von dan—
ren, er bedurfte des Alleinseins und der Ruhe, um sich
zu sammeln, — um zu bereuen.
Mit dem Versprechen, am Abende zurückzukehren. ver⸗
ieß er hastig das Haus.
„Und nun wirst Du begierig sein, Julius, die Ver—
ettung der Umstände kennen zu lernen, deren verwirtie
däden endlich gelöst werden“, nahm die Großmutter das
Vort „Es ijt eine traurige, aber notwendige Piihcht,
aß ich meine Enkel rmit dain Schictiose ihne Mruut 34
annt meche.
He, mehr aber die Frau den Schleier von dem düste⸗
en Bilde bob, um so unrudiger ward Amins. Fragend,
rwartungsvoll hing sein Auge an dem Munde der Spre⸗
herin; gewaltig arbeitete seine Brust, immer schwerer ging
er Atem, es schien, als schnüre sich das Herz ibm im
deibe zusammen; in den Schläsen hämmerte das tochende
nlirt — sine fuychthare Ahnund dämmerxte in Jeinem

iaten wird es möglich sein, teepyonisch zwischen London
Ind Koustaut'nopel zu verkehren. In diesem Falle wird
in ganzes System solcher Relais angebracht. Eine der
irtschastlichen Folgen ist eine Ersparnis von Kupfer in
en Leitungsdrähten. Tesephondrähte für Fernleitungen
außten bisher beträchtlich dicke Kupferschicht haben. Viel
ingere Leitunsen können bedeutend dünner hergestell
derden.
In zweiter Linie ist die Ersindung, oadurch, daß sie
chwache Töne verstärtt, der drahtlosen Telegraphie aus
roße Entfernungen äußerst wertvoll. Drahtlose Signale
on Clifden in Irland nach Cornwall, die mit dem an
zie drahtlose Station angeschlossenen Telephon kaum zu
ernehmen waren, wurden im ganzen Zimmer vernehm
ar, wenn das Relais in den Apparat eingeschaltet war.
drahtlose Telegraphie über den Ozean war bis jetzt oft
in ungewisses und veränderliches Ding. Jetzt wird sie
bsolut sicher. Drahtlose Signale zwischen Whitehall und
Nalta, die oft versagten, sind jetzt mit aller Sicherhei
ind Deutlich'eit zu vernehmen.
—X *
SZzenen aus der Echternacher
* *
Spring⸗Prozession.
Alljährlich am Pfingst-Dienstag findet in Echternach
iner Stadt im Großherzogtktum Lurxemburg, eine Spring
Prozession statt als Dankfest für das Aufhören des Veits
anzes, der dort in dem achten Jahrhundert wütete. Die
Teilnehmer an der Feierlichkeit, oft über 13 000 Personen
ind durch festgehaltene Tücher verbunden und führen un
er Begleitung der Geistlichteit und zahlreichen Musikanter
int Wasnnh dee ant einent ein⸗elnen Hügel gesorener

pͤfarrkirche, eine Prozession in der Weise aus, daß si—
edesmal nach drei vorwärts getanen Schritten, zwei zu
ücktreten. Unsere Abbildung zeigt im
Bild 1: Bischof Kopes von Luxemburg und die Geist
lichkeit in der Prozession.
Bild 2: Eine Gruppe von Männer in der Prozession
Bild 3: Gruppe tanzender Frauen in der Spring
Prozession.
Bild 4: Gruppe tanzender Kinder in der Spring
Izrozeision

Lokales und Vermischtes.
Boraussichtliche Witterung: Unsichere Wetterlage.
Komet. Wie die Sternwarten bekannt beben, ift der
dalley'sche Komet jetzt mit einem Feldstecher in achtfacher
Hröße morgens um 3 Uhr nahe dem Horizont gegen Nor—
»en gut zu sehen.
Herr Geheimer Bergrat Cleff weilte gestern auf einer
hochzeit in Dudweiler. Die Braut, eine Tochter des Berg—
nanns Herrn Peter Kliebenstein auf dem Büchel, war vielr
Jahre Dienstmädchen im Hause des Herrn Geheimrat.
Volizeiverordnung über das Straßenreinigen.
Ziele Anfragen von Hauseigentümern veranlaffen uns, die
bige Polizeiverordnung in der heutigen Nummer zum Ab—
ruck zu bringen. Die Interessenten tun aut. diese Ver—
rdnnng auszuschnoeiden und aufe2ithosen

Deiste, und wie ein Beitz durchzuckte ein einziger Gedanie
seinen Kopf. ... mit einem lauten Schrei sank er zu
Boden und barg sein glühendes Haupt in den Schoß der
Großzmutter.
„Gerechter Gott“, stöhnte er, das ist zu viel: „meine
arme, unglückliche Mutter!“
Bestürzt blickten alle auf. Hatte die Erzählemg also
auf Julius gewirku? Hier mußlen gewichtigere Ursachen
zu Grunde liegen. Plotzlich erhob er sich, umarmte voll
maussprechlicher Freude seine Großmutter und rief, die
echte triumphierend ausstreckend: „Haltet ein! Meine
Nutter ist gefunden, — gerettet! Ich kenne siel“
Mit kurzen Worken erzählte er sein Abenteuer in dem
hadeorte und die Begegnung mit der kranken Frau, die
eine andere, als seine Mutter sein konnte.
Der alte Herr faßte mit beiden Händen sein graues
Haupt. „Hin zu Couise“. saate er, „jin zu meinem
dinde!“
Am andern Morgen trug das schnaubende Dampfroß
ie ganze Familie dem Badeorte zu; das letzte Glied der
errissenen Kette sollte aufgesucht und den glücklich Ver—
inten nach langer, bitterer Trennumng wieder beiaeiellt
herden — — —
Der freundliche Strahl der Morgensonne küßte die
dautropfen von den roten Herzblättchen eines Geraniums,
delches die Fensterbank eines einsamen Landhauses zierte.
Ind als die Blumentränen getrocknet waren, da blinzelte
er sonnige Strahl der immer höher steigenden Himmels—
zlut hinein in das Zimmer, zu sehen, ob es auch da Trä⸗
ien zu trocknen gebe,... es war eine Krankenstube. Das
Zzimmer war einfach, aber zweckentsprechend eingerichtet,
ind alles verriet eine sorgende und liebevolle Pflege.
Schwere Teppiche deckten den Fußboden, auf einem
Tische standen Arzneiflaschen, Gläser und sonstige Gegen⸗
ände, welche den Charakter des Zimmers sofort erraten
ießen. Das Bett war so gestellt, daß die Kranke sich
„es herrlichen Anblickes der Natur erfreuen konnte, wenn
ie gelben Fenstervorhänge bei Seite geschoben wurden.
In den schwellenden Seidenkissen eines Himmelbettes ruhte
ie Kranlke, eine bleiche, abgezehrte Frau, deren eingefal⸗
ene Wangen und tiefliegende Augen Kunde gaben von
»em Elende, der Not und Entbehrung, welche mit schar—
em Griffel dieses Antlitz gezeichnet hatten und das nahe
Ende der Dulderin laum aweifelbaft erscheinen lieken ...
s war die Näherin.
Lebensmüde ruhte das Haupt in den Kissen; ein
ichter Schlummer hatte die Aurenlider geschlossen. Fast
amofhaft hatte sich die moagaere Hand in die Kissen ein—

Eingesandt. Rechtsschutz und Ratertetlung in der
hirsch-Dunkerschen Gewerkvereinen wurde auch im Jahr«
09 besonders gepflegt. Insgesamt sind nach der kürzlick
eröffentlichten Statistik 38 Rechtsauskunftsstellen, die ins
gesamt 26429 Auskünfte erteilten. Die meisten davon wur—
»en mündlich und nur 5438 schriftlich erledigt. Schrift
ätze wurden 6553 angefertigt und 932 Vertretungen über—
ommen. Davon brachten 288 vollen Erfolg, während ir
44 Fällen ein Teilerfolg zu verzeichnen war und 287
Termine ohne Erfolg geblieben. Soweit feststellbar wurden
»urch din erteilten Auskünfte Barbeträge von über 70 000
Mk. erzielt. Unter den in der Statistik aufgeführten Aus—
unftsstellen ist auch das für das hiesige Bezirk zuständig
Sekratariat in Saarbrücken J am Markt 18 mit verhält—
rismäßig günstigen Resultaten vertreten. Die ganzen Zah—
en zeigen für die Mitglieder günstigen Einrichtungen. Der
Deutschen Gewerkvereinen deren Verbandstag in Berlin an
den bevorstehenden Pfingsttagen wohl wieder Beschlüsse
assen wird, die einen weiteren Fortschritt erwarten lassen.
Obstblüte und Regenwetter. Der Württ. Obstbau—
erein schreibt: Von sehr vielen Seiten gehen Anfrager
»ei uns ein, ob das anhaltende Wetter an der heuer beson
»ers schönen Obstblüte nicht schweren Schaden verursachte
Daraufhin ist zu erwidern, daß bis jetzt ein nennenswerter
-Zchaden noch nicht anzunehmen ist, da die Blüten wider—
tandsfähiger sind, als allgemein angenommen wird. Einige
Stunden Sonnenschein am Tage genügen zur Befruchtung
die nach den neuesten Forschungen bei manchen Sortei
zar nicht unbedingt nötig ist. Hoffen wir, daß der trüb—
Wolkenschleier sich bald etwas lüftet. Wir haben in diesen
Jahr alle günstigen Voraussetzungen, reichliche Winter
feuchtigkeit, ausgeruhte Apfelbäume, die Steinobst- und
Birnblüte ist meist vorbei, die angesetzte Frucht brauch
nehr Wasser als Sonnenschein. Die Apfelblüte bricht stet
iach und nach auf und selbst wenn ein großer Teil der
selben unbefruchtet abfiele, wäre immer noch genug fü
ein reiches Obstjahr vorhanden. In Jahren mit andauernde
heißer, trockener Witterung während der Blüte war de
Fruchtansatz oft sehr gering. Die vorhergegangenen Fröste
haben, soviel uns bis jetzt bekannt ist, nur teilweise Schader
an der Steinobstblüte in den Niederungen angerichtet
Erhebungen hierüber, sowie über den Fruchtansatz im gan—
zen, Lande sind im Gange und werden in dunlichster Bald—
verössentlicht.
Das Wegwerfen von Obstresten auf die Bürgersteige
'ann nicht oft und scharf genug berurteilt werden. Nameun
lich Apfelsinenschalen liegen um die jetzige Zeit, wie man
beobachtrn kann, in allen Straßen umher, was vielfach Un
fälle zur Folge hat. Mögen doch Eltern und Lehrer au
die die meist machtlos alles zu Boden werfen, in diese
Beziehung helfend einwirken
Auch ein Zeichen der Zeit? Man schreibt uns: Die
Inanspruchnahme von Rechtsanwälten als Verteidiger ir
Strafsachen hat in den letzten Jahren fortwährend abge—
nommen. Während früher fast die Hälfte der Angeklagten
am Schöffengericht mit Verteidigern erschien, bedienen sich
heute die Angeklagten so wenig eines Rechtsbeistandes, daß
zurchschnittlich ein, höchstens zwei Rechtsanwälte als Ver—
eidiger erscheinen. An andern Gerichten, an denen der
Beistand des Rechtsanwaltes nicht vorgeschrieben ist, ver—
jält sich die Sache ähnlich.
Die Sicherheit der Verkehrsluftschiffe Hierüber
iußerte sich Dr. Frhr. v. Gemmingen in den „Leipziger
N. Nachr.“ wie folgt: Die Frage, ob Betriebsgesellschaften,
die Z-Schiffe in ihren Dienststellen wollen, uner ähnlichen
Bedingungen wie bei der Weilburger Kataftrophe den Ver—
lust eines Fahrzeuges zu befürchten haben, kann man ruhig
nit einem Nein antworten. Zunächst wird die Führungç
»olle Gewähr für die Sicherheit der Schiffahrt bieten. Die
Führung der Verkehrsluftschiffe wird in den Händen ehe⸗
aialiger Offiziere der Handelsmarine liegen, die seit längerer
zeit bei der Zeppelingesellschaft in der Kenntnis der Fahr—
euge, deren Behandlung, der Navigation und allen ein—
chlägigen Dingen ausgebildet worden sind und die bei der
Probefahrten die nötigen praktischen Kenntnisse sich erwerben
verden. Ferner tritt einer der erfahrenen Steuerleute den
zeppelingesellschaft in den Dienst der Deutschen Luftfchiff
ahrts⸗Aktiengesellschaft über, so daß für die Sicherheit der
zchiffe dieser Gesellschaft eine ungleich größere Gewäh
esteht, als sie bei dem Z. 2 vorhanden war, dessen Führer
ein Fahrzeug noch wenia kannte und die Fahrft ohn⸗—
zteuerleute antrat.
Von den Saargruben. Wie verlautet, gedenkt Herr
Iberberghauptmann v. Velsen am 1. Juli ds. Jahres von
finem Posten zurückzutreten. Als sein Nachfolger wird
Herr Berghauptmann Schmeißer aus Breslau bezeichnet.
(Sbr. Vlksztg.
Personalnachrichten. Der Bausteiger Gustav Hochsteir
»es Steinkohlenbergwerks Camphausen tritt vom 1. Jul
2. Is. ab in den Ruhestand (GBramsfrd

ukaben, wie wenn ein heftiger Schmerz in dem Augenblicke
 des Einschlummerns die Glieder durchzuckt haͤtte;
der Atem ging schwer und unregelmäßig, er glich mehr
ꝛeinem Röcheln, denn mit schneidendem Tone ging er durd
die Luftröhre.
Ueber dem Haupte der Kranken hing das Bild des
Welterlösers, und durch die Stille des Gemaches schien
eine Geisterstimme das Wort: Consumatum est! zu flüstern.
Die Familie von Kowalsty hatte das Hotel in der
Stadt verlassen und ein auf der Anhöhe gelegenes Haus
zemietet, teils weil der Tante das geräuschvolle Leben in
der Stadt nicht behagte, teils mit Rücksicht auf die Kranke,
deren Pflege Alwine übernonmmen. Das Haus, ungefähi
zinen Büchsenschuß von den letzten Häusern des Badeor—
es entfernt, in unmittelbarer Nähe der Landstuaße, war
rings umstanden von breitästigen Kastanien, es war mit
dem Rücken an die Wand eines schroff emporsteigenden
Felsens gelehnt, sozusagen in den Fels gehauen, von ei—
rem wohlgepflegten Gärtchen zu drei Seiten umgeben, und
dot außer der herrlichen Fernsicht, der Ruhe und Stille
»er Natur und der kräftigenden Bergluft alle Annehmlich—
eiten, welche ein verwoͤhnter Städter an den Komfort des
Lebens stellen mag
Sanft schmiegle sich der Talabhang an den Fuß des
Bemes, eine weile, grünende Rasenfläche, bestanden mit
lühenden Ostbäumen und belebt durch ein schmales Flüß—
hen, das sich wie ein Silberfaden durch die Ebene hin—
og. In einem Bergkessel eingeschlossen, erblickte man von
»em Landhause aus die Dächer und Turmspitzen des
Badeortes zur Linken, und hin und wieder auf die Flu—
en verstreut die strohgedeckten Hütten des Vandmannes
Es wabr ein reizender Fleck, ein schönes Stück Erde, auf
velches die Nafur in übermütiger Laune das Füllhorr
hrer Pracht und Schönheit ausgegossen hatte.
Hier wechselte wilde, schroffe Romantik mit dem zar—
esten, idyllischen Schmelze, das Harte und Starre einer
selsigen Gegend mit der sanften Lyrik bezaubernder An
mut, welche sich in dem weichen, buntgeftickten Sammet
eppich der Wiesen und aus dem plätfchernden Gemurme
der Bbihlein gussprach. Reges, industrielles Leben de
Stadt neben der Pflege des Ackerbaues, und in das Klap
dern der Mühle mischte sich das melodische Schellengeläute
der Glöckchen am Halse imtschediger Külte und weißer
nunterer Schäfchen. Dort die Häuser vornehmer Städter
jerrliche Bauten, stolze Bäder und ingsum malerisch jeir
Jruppierte, schattige Bosquers, diche Waldungen, weit
Durchsicht gewährende Grasslüchen, alit weidrudem Vie
nn anmutiadinntlischer Weise belebt. dann hin und win

Knappschaftliches. Durch Beschluß des Knappschafts
vorstandes wurde der Zahnarzt Fickeisen in Zweibrücken zu
knappschaftlichen Praxis zugelassen. Ferner genehmigte de
Knappschaftsvorstand die Anstellung des Assistenzarztes Dr
Schultheiß, sowie des Medizinalpraktikanten Tod am Knapp
chaftslazarett zu Sulzbach. (Brgnisfrd.)
Trier, 10. Mai. In einer Sitzung des liberaler
Wahlvereins sprach Landtagsabgeordneter Dr. Röchling
auch über die Frage der Saar- und Moselkanalisierung
Er erklärte: Die Frage der Saar- und Moselkanalisierung
ist eine seit Jahren aktuelle. Sie hat die verschiedensten
Stadien durchlaufen. Jetzt hat die Regierung die Erklär—
Nung abgegeben, wonach sie es für die Gegenwart nich
für tunlich hält, der Frage der Kanalisierung von Mosel
und Saar näherzutreten. Als Vertreter eines Saarbezirks
habe ich mich verpflichtet gehalten, gegen diese Erklärung
den allerschärfsten Widerspruch zu erheben. Ich schätze die
Situation nunmehr so ein, daß wir durch die Erklärung der
Regierung ein gut Stück vorwärts gekommen sind. Wi
haben die Regierung in die Enge getrieben und wir wer—
den sie weiter in die Enge treiben, wir werden nicht nach—
lassen, bis wir unser Ziel erreicht haben. Die Sache muß
erreicht werden, nicht nur im Interesse Triers und des
Saarbezirks, sondern im Interesse des ganzen westlichen
Deutschland. Es wäre ein Verbrechen, wenu man diesen
chönen Fluß ungenutzt liegen ließe. Es ist kein künstler—
scher Kanal zu bauen, sondern ein Gut, welches uns die
Natur gegeben hat, in schönster, fachgemäßer Weise auszu—
gestalten. Wenn man dagegen Widerspruch erhebt, dann
ist das ein großer wirtschaftlicher Unsinn. Ich habe die
Zuversicht, daß wir zu einem positiven Resultat kommen
verden.
5t. Ingbert, 11. Mai. Gegenüber der Mehrzahl de⸗
Gastwirlke, die ab 15. d. eine Bierpreiserhöhung von 2 Pfg
pro Liter eintreten lassen, werden eine Anzahl Wirte infol—
ge des Umstandes, daß ihnen ihre Bierbrauer noch keiner
höheren Preis angefordert haben, das Bier nach wie vor
zum alten Preise verkaufen.
Bochum, 11. Mai. Der Berginvalide Brüse, gegen
den in der nächsten Schwurgerichtssißung wegen Schwester—
mordes verhandelt werden sollte, hat sich, als er im
Untersuchungsgefängnis zur Erholungspause aus seiner
Zelle geführt werden sollte, vom vierten Stockwerk aus ir
einen Lichtschacht gestürzt. Er blieb unten mit zerschmet—
terten Gliedern tot liegen. Brüse hatte im vorigen Jahre
seine Schwester, eine Witwe, in ihrer Wohnung überfaller
und ermordet. Die Verhandlung gegen ihn war seiner
Zeit wegen Verdachts der Unzurechnungsfähigkeit verschoben
worden. Der Direktor der Irrenanstalt in Aplerbeck hatte
ihn aber jetzt für geistig normal erklärt.
*Köoöln, 12. Mai. (Ein Verbrechen.) Der Hotel—
direktor der „»„Ewigen Lamnpe“, Emit Köller, ist in der
Nacht des 3. Mai spurlos verschwunden. Er‘ machte in
dieser Nacht einen Spaziergang den Rhein entlang. Köl
ler trug stets große Geldsüummen bei sich. Die Polizei
vermutet, daß Köller ermordet, beraubt und in den Rhein
geworfen wurde.
*Aachen, 12. Mai. (Hingerichtet.) Der Gele—
genheitsarbeiter Johann Niederau, der Schultknaben ver—
gewastigt und ermordet hat, wurde heute mittelst Guillo—
tine hingerichtet.
* Manuheim, 12. Mai. (Das Unwetter.) Das
Unwetter hat hier vielsach Schaden angerichtet. In Lud
wigshafen wurde vor der Fabrik von Wolf-Neiter die
Starkstromleitung umgerissen und die vorbeipassierenden
Fuhrwerle in hohe Gefahr gebracht. Die Luft war der
artig mit Elektrizität geladen. daß vielsfach St. Elms
Feuer beobachtet mitrde

— — - WV *
Aus aller Welt. 3
Erpresser. Die Polizei in Hoyerswerda verhaftete
einen jungen Mann, der als angebliches Mitglied der
schwarzen Hand an eine Millionärs-Witwe in Frankfuri
a. M. einen Erpresserbrief gerichtet hatte, in dem er nicht
weniger als 2 Millionen verlangte, andernfalls die Frau
dem Tode versallen sei. Als der Erpresser in Hoyers—
werda die bestellten postlagernden Sendungen abforderte,
wurde er verhaftet. Er ist ein 18jähriger Bursche aus ei—
nem Nachbarort, der ein Perpeteum mobile zu erfinden
beabsichtigte und sich das Geld dazu auf diese Weise ver—
schaffen wollte.
Schweres Unwetter. Ein schweres Unwetter ging
im Kreise Konitz nieder. In Neuhof sind drei Scheunen
infolge des Sturmes eingestürzt. Das Dach eines Hauseé
wurde 500 Meter weit fortgeschleudert. In mehreren Ort
schaften des Kreises wurden Häuser und Scheunen umge
worfen und dabei eine Anzahl Personen verletzt.
Spionage. Unter Spionage-Verdacht wurde ein ge—
wisser Albert Jakob aus Posen in Lemberg verhaftet. Die
Polizei hat bei ihm viel belastendes Material beschlag—
nahmt.
Bur Hofrichter-Affäre. Die Verhandlung gegen den
Giftmörder Hofrichter findet in Wien am 18. oder 19.
Mai statt.
Fine neue Eriinduna. Der österreichische Ober—
XXX

ein einzelner, machtig emporstarrender Baum, und vor
allem die ansprechende, fesselnde Staffage; in der Freude
des Naturgenusses befriedigte Menschen. Einen würdigen
Schlußß des Gemäldes bildeten die wellenförmig sich hin
ziehenden Gebirgsrücken in blaued Ferne, welche das tri
stallene Himmelsgewölbe zu tragen“ schienen
Die Kranke erwachte, und mit innigem Entzücken und
Wehmut ruhte ihr Auge auf der herrlichen Landschaft und
träumerisch schweifte ihr Blick hinaus in die schöne Gotles
natur. Ihr entfesselter Geist eilte durch die Wiesen und
Auen und freute sich der Blumen und Schmetterlinge; ge
flügelten Fußes nahte er sich dem heiligen Dunkel dei
Wälder und feierte still, anbetend, oder lauschte auf schrof
jer Felsspitze dem Gesange des Hirten und am Rain
des Baches dem Zirpen der Grille.. schmeichelndes
Trugbild, schöne Erinnerung an einstige frohe Tage, alẽ
das jugendliche Blut noch feurig in den Adern roüte.
jetzt war der sieche Körper gejesselt an das Lager, und
die nimmermüde Phantasie saugte gierig an dem kraft
losen Süßholze des Erinnerns.
Alwine trat ein. Wie schön war die junge Polin in
dem weißen, leichten Morgenkleide! Welch' einen schnei
denden Kontrast gewährte ihr frisches, rosiges Anllit,
strahlend in frischer Jugendfülle, im Vergleich mit den
bleichen Zügen und der wächsernen Gesichtsfarbe der Kran—
ken! Hier eine volle, aufblühende Rosenknospe, heiter dem
Leben entgegenlachend, getragen auf den Flügeln der Hoff.
nung und sich sonnend in dem Strahle des Glückes, der
Gesundheit, der Jugend, — dort eine geknickte, todesmüde
Herbstblume, die auch einst jung und schön war, des
Daseins sich freute und andere entzückte. jezt well um
verblüht ...
„Soll ich die Gardinen beiziehen, liebe Frau; id
fürchte, das grelle Sonnonlicht schadet Ihren Augen.“
„Danle“, hauchte die Krankle mit matter Stimme, „et
tut mir wohl, die liebe Sonne und die schöne Natur nod
einmal bewundern zu Mwmen ist mir, als flüstere di—
anze Schöpfung ihr Morgengebet.“
s „Haben Sie einen guten Schlaf gehabt?“ fraate M
wine teilnehmend.
Die Kranle nicte. 9
„Und fühlen Sie sich gestärkt, besser als gestern?“
Die Frau versuchte zu lächeln. „Für mich gibt et
überhaupt keine Besserung“, sagte sie, nur Erloͤsung; hie
sitzt der Tod'; sie deutete mit dem Finger auf ihre Brus
— „und ich sterbe gern, denn ich habe abgeschlossen mi—
der Wonun
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.