Full text : Dudweiler Zeitung

stummer 109. Freitag, den 13. Mai 1910.
Postchlietfach Nr. 1ä. — — —A —— s4
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—ILICAV
Sonntagsblaft und Bumsristee Bufter.

23. Jahrgang.
Postschliekfach Rr. 14

Amtliches Publihationsoegan
Inn aunre für die Bürgermeifterei Dudwoilor
nonatlich 70 — frei in's Haus
gebracht,
æi der Post bestellt A 2,205 vierteljährlich. JFernsprech⸗Auschlutz Saarbrüchen Nr. 68, 280, 260 u. 1261.
22 2 ed oder geschlossene are i o eträchtlich teurer. Z1
Englische —X ʒꝛeutsche Diamanten eichen ed würden die Käufer die besseren Sorier
z er Debeerssteine wahrscheinlich vorziehen, weil diese ihnen
au Weltmarkte. chon assortiert vorliegen, so daß sie ihren Marktwert vie
x8 ist jüngst schon darauf hingewiesen worden, daf ascher beurteilen können. Gelänge es z. B., den Londo
deutschen Diamanten trotz der Depression, die gegen ler Kaufpreis der Irregular Melee von 70 auf 45 Frks.
rtig zweifellos auf dem internationalen Diamanten lIso um ein Pfund, herabzudrücken, so würde jeder Ju—
arkte herrscht, bisher wenig von der verminderten Ab velier diese Steine den deutschen Steinen unbedingt vor—
azfähigkeit der meisten anderen Diamantensorten betrof iehen. Bisher sind diese Pläne des Debeers-Konzerns
worden sind. Dabei ist die deutsche Diamantenprodut ioch nicht bis zur Ausführung gereift, denn sie sind für
on in den ersten Monaten dieses Jahres noch stärke ie mächtige englische Diamantengesellschaft mit erhebli—
3 im vorigen Jahre. Das letzte nach Antwerpen ver hen Opfern verbunden. Aber sie können eines Tages un
uste Syipment von 63 000 Karat stelit überhaupt der erhofft verwirklicht werden, und dann dürfte sich auf dem
ekord in der deutschen TDiamantenausbeutung dar. Das Narkte der deutschen Diamanten auch manches ändern.
em Antwerpener Händlersyndikate etwa mit Rücksicht au Eventuellen Aenderungen der englischen Verkaufstech
e gedrückte Marktlage eine Preisverminderung ge rik am Diamantenmarkte wäre die Deutsche Diamanten
hrt worden wäre, davon hat man nichts gehört, viel egie, in deren Kreisen man sich übrigens zu einer Ver—
jc hält sich der Karatpreis annähernd um 33 M. gleick tändigung mit der Debeersesellschaft nicht unter allen
Franks. limständen ablehnend verhalten dürfte, wohl auch zu be—
uf die Frage, weshalb die deutschen Diamanten un egnen in der Lage. Ganz besonders gilt dies für den
er Marktlage weniger leiden als die anderen, laute zeitpunkt, in welchem die größeren Diamanten, die jetzi
Aintwort dahin, daß sie auf dem Diamantenmarkte ge m Pomonagebiete gefunden werden, durch die Regie zum
wärtig eine gewisse Moöonopolstellung einnehmen. Di— zerkaufe gebracht werden.
veers⸗Gesellschaft hat sich von der Konkurrenz allmäh
ganz zurückgezogen, weil sie nicht in der Lage ist
kleinen Melee-Steine, die Spezialität der deutscher
oduktion, ohne Verlust zum Durchschnittspreise von 41
zu liefern. Bei ihr sind, da die Steine aus den Gru
a gefördert werden müssen, die Gestehungstosten, vie
oͤßer als auf den dentschen Diamantenfeldern, in dener
Steine im Sande gefunden werden. Qualitativ sind
deutschen Diamanten den gleichklassigen englischen über
sen, wie überhaupt die Riversorte, zu der die deutscher
amanten gehören, an Qualität die Grubensteine über
ft. Anfangs hatte die Debeers-Gesellschaft den Wett
»erb mit der deutschen Produktion insofern aufgenom—
a als sie allen zur Sicht gestellten Serien einen star—
Prozentsatz von Meleeware beimischte. Aber die letz
war zu den hohen Preisen, welche die Käufer in
idon bezahlen mußten, unverkäuflich. Die Antwerpenen
d Anisterdamer Händler brachten infolgedessen bei dem
ndoner Verkaufssynditat scharse Reklamationen vor. Das
yndikat sah sich infolgedessen gezwungen, den Prozent—
z der Kleinware in den Serien erheblich zu vermindern
kommen denn jetzt nur relativ wenige kleine Debeers
ine auf den Markt, und die deutschen Diamanten genie—
n'so ein tatsächliches Monopol, das ihnen gestattet, so—
rein vermehrter Menge und ohne jeden Preisrückganc
den Markt zu gelangen.
Indessen ist es notwendig, darauf hinzuweisen, daf
se Monopolstellung auch einmal aufhören kann, und tat
hlich erfährt der Amsterdamer Korrespondent der „Fr.
J.“, daß in den Kreisen des Debeers-Konzerns Berat—
gen über Maßregeln stattfinden, welche die englische
einware mit der deutschen konkurrenzfähig machen sol
. In ihren Gruben hat die Debeers-Gesellschaft dit
roduktion der kleinen Steine nach Möglichkeit einge—
zränkt. Aber auf ewige Zeiten kann sie die Kleinwareé
cht aufhäufen. Sie muß, wenn auch mit Verlust, ein
al abgestoßen werden. Nun geht der Plan dahin, die
ur Sicht gestellten Serien viel besser als bisher zu assor⸗
eren, das heißt, die Qualität der größeren Steine ohne
reiserhöhung um einen Grad emporzuheben, dagegen den
erien wieder größere Mengen von kleinen Meleesteiner
izumischen. Da die Käufer aus der erhöhten Qualitä
zttürlich stärkeren Nutzen ziehen können, sind sie auch in
er Lage, die Kleinware viel billiger abzusetzen. Es
indelt sich darum, die kleinen Debeerssteine bis zu
nem Preise herabzudrücken, der mit dem Preise der deut—
sen Diamanten in Wettbewerb treten könnte. Der gegen—
ärtige Unterschied beträgt zehn bis zwanzig Franks für
as Karat, je nach der Qualität. Denn wenn die deut—
hen Diamanten ohne Qualitätsunterschied en bloc
erkauft werden, so daß die Assortierung nach den ver—
chiedenen Diamantensorten (Naats, Bloeks, Irregulars
md Closed Goods) dem Antwerpener Händlersyndikan
berlassen ist, so ist dies bei den Debeerssteinen nicht der
jall. Diese werden schon vom Londoner Verkaufssyndi—
ut nach Sorten und Qualitäten gesondert und zu sehr
erschiedenen Preisen verkauft. So erreicht z. B. Irreau—
ar⸗Molsoe einen Karatyreis von 70 e —————

Aeklamen
Rxo Aspaltige Petitzello.

Redaktlon, Druck und Verlag von J Unterkeller Dudweiler.

VBei Jahres⸗ Abonnemont höchster Rabdeati
—
tragen hatten, waren auf das äußerste verwundert, au
welche Weise die Verstorbene zu der hohen Ehre kam
da sie niemals mit dem Kaiser zusammengetroffen wa
oder irgend eine Berührung mit ihm gehabt hatte.
Herr Martin gibi nach dieser interessanten Erzählung de
Hoffnung Ausdruck, „daß der Kaiser, wie schon seit den
November 1908, in Zutunft solche Akte der Impulsivitä
unterlassen werde.“ Diese Hoffnung teilen mit Hrn. Martin
zweifellos alle ernsthaften Zeitgenossen selbst, wenn sie ir
übhrigen Martins „Deutsche Machthaber“ kalt lassen sollten

— * —EIXAEE——„—„—„—— —
die Postanstalten und 325 081 Mill. M. auf Uebertrag-—
engen auf andere Konten fallen. Das Gesfamtguthaber
er Kontoinhaber betrug Ende April 78 422 109 geger
1006 621 Ende März dieses Jahres, hat also im Apri
m 7 415 488 zugenommen. Insgesamt betrug der Aus
andsverkehr in Gutbuchung und Lastbuchung 3 227 667.8
Nark, was also recht erheblich ist.
* Der bekannte nationalliberale Reichstags- und Land
ags-Abgeordnete Merkel ist aus der sächsischen national
iberalen Partei ausgetreten und wird sich der sortschritt
ichen Volkspartei anschließen.
* Die Roh-Zoll-Einnahmen des Reiches an Zöl
len haben im April 1910 5200Million Mark betragen
mithin gegen den April des Vorjahres 5 Mill. weniger
Rußland.
* Der Chef des Intendanturwesens, der Reichs- und
Flügeladjutant General Schuwajew, hat sein Ent
assungsgesuch eingereicht Als Ursache ist das Resulta
der Haussuchung anzusehen, die bei seinem Beamten, den
Oberchef des Petersburger Depots Oberst Akimow, vor
zgenommen wurde. Die dabei vorgefundenen Dokument
follen ein Defizit von über 40 Millionen Rubel in der
Heneralverwaltung selbst enthüllen.
Vom Balkan.
* Die Lage in Kreta ist durch erneute Maßnahmen der
kretischen Nationalversammlung auf des Messers Schneide
getrieben. Die Nationalversammlung hat der Regierung
in Athen von dem Eidschwur ihrer Abgeordneten auf den
Namen des Königs der Hellenen amtlich Mitteilung ge—
macht und gleichzeitig dem König von Griechenland eir
Huldigungstelegramm gesandt. — 18 Deputierte der Na
tionalversammlung haben den Antrag gestellt, die Ver
sammlung wolle beschließen, die Erhebung von Steuerr
und Abgaben im Lande solange einzustellen. bis zun
Anerkennung der Zugehörigleit Kretas zu Griechenland
Das Präsidium der Kammer in Kanea hat gegen der
Antrag formell Protest erhoben, wird ihn aber zur Be—
ratung stellen

—4

Die militärische Luftflotte Frankreichs.
Senalor Gervais stizziert im „Matin“ die militäri
sche Luitflotte Frankreichs und gibt dabei Zahlen und
Namen, die wir hier lediglich als statistisches Materia
veröffentlichen, da sich die Frage nach den Leistungen de
Schiffe erübrigt. „Gervais“ schreibt: „Der Kriegsministe:
urbeitet eifrigst an der Verwirklichung eines geronautischer
Programms, das uns in vier Jahren, also bis Ende
1913, zwanzig neue Luftschiffe geben soll, vierzehn Kreu
zer und sechs Aufklärungsschiffe, Im Verlaufe dss. Is
wird die Luftflotte auf sieben Lenkballons gebracht wer
den, einen Clement-Bayard, einen Surcouf (Kreuzer), die
„Liberte“, den „Colonel-Renard“, einen kleinen „Zodiac“
einen „Lebaudy“ (Typus „Liberte“), gleichzeitig Kreuzer
und Aufklärer und die „Ville de Paris“. Im nächster
Jahr kommen mindestens vier Lenkballons hinzu, au—s
Spenden an das Kriegsministerium. Ferner wird das
Ministerium selbst einige aus ausgeworfenen Krediten be
ttellen können. — Hinsichtlich des Personals sind schor
ietzt Verfügungen getroffen, um die Ausbildung von Pi
ioten zu sichern. So wird die „Liberte“ nächstens vor
CThalons nach Versailles geschickt, wo sie einige Zeit als
Pilotenschule dienen soll. Für die Luftschiffhäfen ist das
Programm gleichfalls festgesetzt, es sieht den Bau vor
mindestens zwanzig Häfen bis zu Ende 1913 vor. Fer
ner verfolgt man die Parallel-Studien der Flugapparat
mit den Lenkballons. Sieben Offiziere lernen fliegen und
bier haben bereits ihr Piloton-Zeugnis erhalten. — Was
die Kredite anbelangt, so sind für 1910 im Budget au
2220 000 Franks angefetzt, die aber um mehrere Millio
nen durch Nachtragskredite erhöht werden müssen. Schließ
lich ist noch zu bemerken, daß der Minister in den Vor
fiudien für die Schaffung einer Leitung der verschiedenen
Dienste im Generalftabe der Armee sortfährt.
Roosevelt in Berlin.
mNach dem Mansver auf dem Döberitzer Truppenüb
ungsplatz versanmelte der Kaiser die Stabs-Cffiziere, et
wa 300 an der Zahl, um sich zur Kritik. Er nahm sei
nen Helm ab und hielt an Roosevelt, der in seiner Näh
stand, eine kleine Ansprache. Mein Freund Roosevelt, be
gann der Kaiser in deutscher Sprache und suhr dann eug
sch fort: Wir freuen uns, daß Sie einen Teil unsere
Armee gesehen haben. Sie sind der erste Privatmann, de—
je eine Revue über deutsche Truppen abgehalten hat. Dar
auf fagte der Kaiser, indem er sich zu den Offizieren
wandie: Meine Herren! Wir haben heute die Ehre ge
habt, den berühmten Oberst Roosevelt bei uns zu sehen
In der amerikanischen Botschaft fand zu Ehre:
Roodsevelts ein Diner zu 24 Gedecken statt, a
dem außer Roosevelt nebst Familie und dem Botschafte
nebst Familie Herren und Damen der amerikanischen Bot
schaft, der Reichskanzler, der Staatssekretär des Auswär
tigen, Freiherr von Schön, die Baronin von Schön, de
Rektor der Berliner Universität und Frau Prof. Schmidt
der frühere Bürgermeister von Rew-VYork, Srth Low mi
RGemahlin, der ehemalige amerikanische Botschafter in Pa
ris, Mr. White und der amerikanische Generalfkonöunn
Porsin Ihackara. teilnahmen

Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
* In der Sitzung des Bundesrats wurde den Sali—
zesetzentwurf in der vom Reichstage beschlossenen Fais—⸗
ing die Zustimmung erteilt.
* Der Entwurf einer Verfassung für Elsaß-⸗Lothrin—
jsen ist nunmehr soweit fertiggestellt, daß zwischen der
deichsregierung und den Regierungsstellen der Reichslaude
er ganze Entwurf noch im Laufe dieses Monats wird
urchberaten werden können, was in Straßburg zu ge—
hehen hätte. Noch vor den Sommerferien wird er danr
ns preußische Staatsministerium gelangen, durchgesehen
nd den Bundesstaaten zur Einsicht und Stellungnahme
berwiesen werden. Dort wird er über den Sommer der
?rledigung harren, um dann im Herbst vor, den Vundes
at zu gelangen. Es wird damit gerechnet, daß die Ar
»eiten im Bundesrat so kurze Zeit in Anspruch nehmen,
verden, daß die Resorm anfanas Dezember dem Reichs
ag zugehen dürfte.
* Das Einführungsgesetz zur Reichsversicherungsord—
nung wird erst im Herbst gleichzeitig mit dem Entwur!
ines Gesetzes betr. die Aufhebung des Hilfskassengesetzes
dem Reichstage zugehen. Die Kommission für die Reichs
ersicherungsordnung wird sich daher zunächst mit dieser
»eiden Entwürfen nicht beschüftigen. Denn zu ihrer Ueber
veisung an die Kommission wäre eine erste Lesung im
Blenum erforderlich gewesen, die sich bei der jetzt er
folgten Vertagung des Reichstages nicht mehr ermögli
Hen ließ. Das Einsührungsgefetz wird alle diejeniger
rechtlichen Grundlagen für den Uebergang aus dem be
orstehenden Zustand in die neuen Verhältnisse enthalten,
die nur vorübergehender Natur sind und daher in die
Reichsversicherungsordnung selbst zweckmäßigerweise nicht
ufzunehmen waren. Solche Bestimmungen werden not—
vendig beispielsweise bei der Krankenversicherung durch
»ie Auflösung oder Zusammenlegung einzelner Kassen und
»ie sich hieraus ergebenden vermögensrechtlichen Auseinan—
ersetzungen. Auch die Invaliden- und Hinterbliebenenver—
icherung wird gesetzliche Ausführungsbestimmungen erfor—
»ern. Schließlich soll durch das Einführungsgesetz auch
»ie Aufhebung des 8 15 des Zolltarifgesetzes bewirkt wer⸗
en, indem festgesetzt wird, daß an seine Stelle die Reichs—
ersicherungsordnung mit ihren festen Beiträgen zur Durch
ührung der Hinterbliebenenversicherung tritt.
*Die Zahl der Postscheckkontoinhaber ist im April
dss8. Is. von 39 749 auf 41 146 gestiegen. Köln hat jetzt
nit 8046 Inhabern die höchste Anzahl, während Berlin
nit 7836 Inhabern an die zweite Stelle gerückt ist. An
Butschriften sind im April dieses Jahres 758 035 Millio—
ten Mark gebucht worden, wovon 425 010 Millionen M
uuf Einzahlungen mit Zahlkarten und 331045 Mill. M
uf Uebertragungen von anderen Konten entfallen. Laf
chriften sind 750 049 Mill. M. zur Buchung gelangt, w
»on 212 047 Mill. M. auf Auszahlungen durch die Post
A. fAmter 211060 MilJl. M. auf Nusrzonhiiiungo 24

China.
x Nach Meldungen aus Peking sind in Yuen
ch a u Unruhen ausgebrochen. Das Gebäude der China
Inlandmission wurde zerstört. Einzelheiten fehlen, da di
delegraphendrähte zerschnitten worden sind. Hierzu be
nerkt das Reutersche Bureau, daß die China-Inlandmif
ton aus Schanghai ein Telegramm erhalten habe, das
en Ausbruch von Unruhen bestätigt. Die Missionsstation
sjuenschau steht unter der Leitung der württembergischer
ziebenzeller Mission und wird von Herrn und Frau Hein
ich Witt, Frau Witte, Fräulein Trojahn und Fräulein
Leppin verwaltet.
*Nach aus Tibet eingetrofsenen Nachrichten ist die
Lage eine äußerst beunruhigende. Wie verlautet, ist
ein allgemeiner Aufstand der Tibetaner gegen die Herr—
schait der Chinesen ausgesprochen.

Eine kaiserliche Krauzspende.
— Von dem bekannten früheren kaiferlichen Regierungs
rat Rudolf Martin ist soeben das fällige neueste Buch er
schienen, das diesmal „De ut sche Machthaber“ be—
namset wird, und in 62 Porträts die Leute zu zeichnen
und zu charakterisieren versucht, die nach Martins Auffas—
ung im deutschen Vaterland sich in die „Macht“ teilen,
dem Ohr des Kaisers nahe zu sein. Das neueste Werkt
Martins unterscheidet sich nicht viel von seinen früheren
Publikationen: Bülow wird noch immer mit galligen.
daß verfolgt, und das „Daily Telegraph“Interview sput
ioch ausdauernd weiter. Interessant ist, was Martin an
‚Akten der Impulsivität“ von Wilhelm 2. a4u erzählen
veiß. Ein kleines Pröbchen:;
Einst ließ der Kaiser, der in der Zeitung von dem
Tode der Schwiegermutter eines ausländischen Admirals
gelesen hatte, auf dem Sarge der Schwiegermutter, die
er niemals gesehen hatte, durch einen besonderen hohen
Vertreter einen Kranz niederlegen. Der Kaiser wußte
iber nicht, daß der Admiral und Schwiegersohn mit sei—
ier Schwiegermutter vollständig zerfallen war und da—
er selbst gar nicht daran dachte, dem Begräbnis bei
uwohnen. Die wenigen Perfonen, welche die verein
νιεια⏑ν] in iernem Lande 21 Grahe —»—

daticccceteοα.IX
Der Kampf im Baugewerbe.
Dresden, 12. Mai. Bei der Besprechung der sozial⸗
demokratischen Interpellation betresfsend die Aussperrung
der Bauarbeiter führte Staatsminister Graf Vitzthum von
Eckstädt in der Zweiten Kammer aus: Der Wunsch nach
Vermittelung in der Angelegenheit sei der Regierung
noch von keinem der beiden Teile geäußert worden. Sollte
An cascher Munich Iy die Regierung herantreten. so würde
p

Irrgänge des Lebens
xrzählung von Wilhelm Koch.
—
nn Abschied ihres Pflegekindes in Bereitichaft zu sehen
d einen mächtigen Koffer zu packen, denn Frau Krause
estand darauf, ihre liebe Enkelin in ihr Haus einzufüh—
n. und ihren und ihres Mannes vereinten Bitten war
Rendlich gelungen, die Halferin zu dem Entschlusse zu
tingen, sich heute schon von Barbchen zu trennen; aber
iit schwerem Herzen und dem Versprechen, am nächst—⸗
Agenden Tage in die Stadt zu kommen, hatte sie die
usage gegebden. Das Paden der Kleidungssiüde sei nicht
oͤtig, meinte die Großmutter, aber die Halferin duldete
. dak das Manchen mit leeren Sönden ihr Haus
orslaft
Schon warf die Sonne lange Schatten, und allmäh⸗
9 senkte die Nacht ihren dämmernden Schleier über
ald und Flur und Stadt und Dors.
In dem großen Familienzimmer der Farm waren
e in trautem Kreise versammelt, das frohe Wiedersehen
d den traurigen Abschied zu feiern, und freigebig spen⸗
le die Halferin vom besten Weine. Auch die Töchter
»s Hofes waren zugegen; ernste und heitere Gespräche,
ie Schilderungen der Farmfrau, wie Barbaro so lieb und
rab gewesen, die Erzaͤhlung Hagedorns aus seinem viel—
ewegten Leben in Anierika, der Großmutter Mätteilun-—⸗
en über ihre Tochter würzten die Unterhaltung. Selbst
stets ernste Großvater schien zu einem neuen Leben
wacht zu sein, und offen sprach sich seine heitere Go—
nsstimmung in seinen Zügen aus.
Endlich schlug die Sunde der Trennung; wir über—
ehen es, mit trockenen Worten ein Bild auszumalen, des—⸗
ergreifende Wirklichkeit so hoch über jeder Schilder—
ht, als Worte es neht vermögen, das, was das
in fröhlichen und traurigen Momenten bewegt, wür—
oieder zu geben. Der Wagen fuhr langsam voraus,
zu Fuße folgten die Großeltern mit Barbchen und
e Halferin mit ihren Töchtern, welche der Scheidenden
as Geleit bis an den Ausgang des Torfes gaben; auch
ele der Dorfleute folgten, den letzten Gruß dem „gnä—
en Fräulein“ zuzuwinken.
Als aber der Wagen sich langsam in Bewegung setzte,
oI nochmals ein donnerndes Hoch und die Bdet

wenlten ihre WMutzen ... uno als BVarbchen sich Un—
andte, als die Pferde bereits im Trabe über die Land—
raße dahinjagten, erblickte sie ein flatterndes Tuch, das
zr den letzten Scheidegruß nachwinkte. — es war Hein—
ich, der dasssselb⸗ schwönft

Julius langte am nachsien Cage in A.. an; er
anne eine plötzliche Erkvankung habe seine Reise er—
heischt.
Nein, nein“, sagte der Großvater mit feierlicher
Miene, und nahm ihn bei der Hand, ihn in ein Seiten
zimmer führend, „beruhige Dich, alles ist wohl; ich habe
Dir interessante Dinge mitzuteilen.“
„Das klingt ja ordentlich geheimnisvoll!“
„Es ist auch, mein Bester. Zunächst sehe ich mich ge—
nötigt, über einen Punkt mir Dir Rücksprache zu neh⸗
men, dessen Erörterung ich bis hierher aus dem Grunde
dermieden habe, weil ich selber inbetreff desselben im um
klaren war. In diesen Tagen hat die Sache sich aufge
klärt: so wisse denn, ich bin nicht Dein Vater, sondern
Dein Großvater.“
gzelntdch habe das bange geahnt“, versetzte Julius lä
Ich habe nie über die früheren Schicksale meiner Fa—
milie mit Dir gesprochen, weil ich ungewiß war, ob Du
me der Tat in verwandlschaftlicher Beziehung zu mir stam⸗
est.“ — —
„Um so mehr sehe ich mich verpflichtet, Ihre Liebe
und Güte anzuerkennen.“
„Laß das, Julius; jetzt habe ich Gewißheit: Du bist
der Sohn meiner verstorbenen Tochter; Dein Vater hat
sich wiedergefunden uid befindet sich hier.“
„Ich verstehe den Zusammenhang nicht, doch über—
raschen können mich die Mitteilungen nicht, da Ihre
Aengstlichkeit in dem Punkte meiner Geburt mich Aehn—
liches voraussetzen ließ.“
„Du wirst das Nähere später erfahren; vorab dürfte
e InWieh Dich interessieren, daß Du auch eine Schwe—
ster hast.“
„In der Tat? Dies überrascht mich eben so sehr
als es mich freut.“
„Du und Deine Schwester sind ein Zwillingspaar; es
wird Dir nicht unangenehm sein, das Mädchen lennen zu
lernen; sie befindet sich im anstoßenden Zimmer und er—
wartet Dich — doch noch eins, Julius, bekenne mir offen.—
und ehrlich, hast Du ein Verhältnis mit einem Mädcher
zier in der Nähe angeknüpft?“ J
ger iemen arraete. „Wozu diese Frage, Groß
nate Ich verstehe Sie nicht.“
„Du siehst, ich erfahre alies, — auch den Zweck Dei
ner Morgenspaziergänge.“ 28
„Aber wie soll ich dies in Zuiammenhang bringe;
mitt « (6Gr stagtte

„Sieh' selber zu. — Aber fasie Dich, Julius, sei eir
Mann, — geh' jetzt.“ I84
„Sonderbar“, murmelte Julius, auf die Tür zuschrei—
tend, „Fasse Dich, — als ob es sonderlich Mut erforderte
seine Schwester zum ersten Male zu begrüßen!“
Wenn schon an und für sich der Umsitand, einer Person.
duvch gemeinschaftliche Bande des Bluts verbunden ist und
von deren Vorhandensein man bisher keine Ahnung hatte.
plötzlich gegenüberzutreten, ganz geeignet ist, unsere Sinne
und Erwartungen im höchsten Grade anzuregen, so war
dies bei Julius noch mehr der Fall, weil er nach den An
deutungen seines Vaters in seiner Zwillingsschwester et
was ganz Besonderes anzutreffen vermutete. Unschlüssic
zögerte er einen Moment, ehe er die verhängnisvolle Tu
öffnete; dann trat er entschlossen ein ....
Das Zimmer war leer.
Allein in demselben Augenblicke, als er schon er—
staunt sich umblickte, trat von der enigegengesetzten Seite
— Barbchen, seine Geliebte ein.
Julius fuhr zurück, und die Ueberraschung raubte
ihm in dem ersten Momente die Sprache. Das Mädchen
aber eilte auf ihn zu und schlang sehr sanst ihre
Arme um seinen Hals.
„Barbchen Du hier? — wie ist dies möglich? Ich
glaubte meine Schwester hier zu treffen!“
„Ganz reche Julius. Deine Schwester bin icht Se
finden wir jms wiederfe
Vor den Augen des jungen Mannes flimmerte unl
tanzte es, das ganze Zimmer schien sich in rasendem Wir
bel herumzudrehen; taumelnd sant er auf einen Suͤrhi.
„Juliusl Um Gottes Willen, wie Du erbleichefti —
Sieh' mich nicht so starr an, — ich bin es ja, Barbchen
die we Iy 3 sich, das Bl sches
angsfanm erhob er sich; das Blud, we plötzsuch
nach dem Kopfe gqtiegen. und den momentanen Schwin—
— atte. beaann allmählig ruhiger z
eisen.
Barbchen“, sagte er mit unsicherer Stimme, Du
meine Schwesten? — Ach, jetzt verstehe ich! — Aber Da
hast Dir einen Scherz mit mir erlaubt!“
„Es ist Ernst, völliger Ernst, Julius; auch mich packte
die Entdedung nicht minder heftig als Dich. — Wir mü
sen uns in das Umvermeidliche fügen; es i ein seltames
Walten des Geschickes; — die Liebe, die ich bisher Dir
uen. sie doln ais Schmesseiene ch minder grop
ein.“
i i nal im imme us une 6 —

—2
So ungeheuerlich auh in der ersten Stunde der Ge
anle für Barbara gewesen, in dem Geliebien den Bru—
er anerkennen zu sollen, hatte sie sich doch weit schneller
nit demselben ausgesöhnt, als sie es anfangs für moͤglich
ehalten hatte. Büeb sie ihm doch nahe und durch die
Zande schwesterlicher Liebe verknüpft: ihre Gedanken on
Julius, ihre Sehnsucht, ihre Zuneigung und Liebe nah⸗
nen ohne sonderlichen Sprung eine aͤndere Weise an,;
»as Bewußtsein, unter den Gesetzen einer unabwendbaren
Notwendigkeit zu stehen, war eine seste und sichere Brüdcke
sich über das Schmerzliche der Situation hinwegsetzen und
ie Angelegenheit ihres Herzens von der naturgemäßen
Zeite betrachten zu können, ja, sie glaubte eben durch die
Blutverwandtschaft fich jenen geheimnisvollen Drang,
enes unnennbare Gefühl erklären zu müssen, welches ihl
Herz beim ersten Anblice ihres Bruders in Fesseln schlug.
Mögen die Entdeckung und, seltsame Verwandlung auch
uerst bitterschmerzlich das liebende Mädchenherz betroffen
saben, da mit einem Male die geheimsten Wuͤnsche und
doffnungen einem Nebelbilde gleich zerflossen, so war
zarbchen dah ein zu vernünftiges Mädchen, als daß es
ieser Enthüllungen wegen fich sonderlich hätte grämen
ollen, zumal da ihre Familie, welche sie unerwartet in
hren Schoß aufgenommen, und die Bruderliebe einen hin⸗
reichenden Ersaß für den verlorenen Geliebten boten. Die
Boßeltern, welche der täuschenden Aehnlichkeit des Maäd—
hens mit ihrer Tochter wegen ganz besonders Barbchen
ugetan waren, wetteiserten um die Liebe der Enlelin
ind boten alles auf, derselben das Leben in ihrem Hause
o angenehm wie möglich zu gestalten, — und michts
zätte gemangelt, das Glüg des Mädchens vollständig zu
nachen, wenn nicht der Gedanke an das Zusammentreffen
mit Julius und ein gewisser Grad der Sthwermut, welche
oie Großmutter, Heimweh nanme, dassesbe in iortmãh⸗
render Aufregung erhalten hätte
Julius wurde von Stunde zu Stunde erwartet, denn
am selben Abende war er telegraphisch nach Hause gebe—⸗
ten worden. Auch der Höckerin war die außzergewöhnliche
Bewegung in dem bis dahin streng geschlossenen Krause⸗
chen Hause nicht entgangen, und sie hatte Wunderdinge
on einer schönen, jungen Dame mit einem bieichen ern
ten Seren 2u erbften
            
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