Mittwoch, den 11. Mai 1910. 22. ohrgang
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— Nr. 14.
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— WMBlælk
Amtliches Publikationsoegan Mi zwei Beilagen. Anamen
— für die Bürgermeifterei Dudweller. Sonntagsblatt und Bumoristiscꝛe Blatter. do pw opaluse Pettczel.
aonailich 70 4 frei in's Haus —
gebracht,
xei der Post bestellt M 2,26 vierteljahrlich JZeenlprech⸗ Anschluhh Saarbrücken Nr. 60, 200, 200 u. 18601.
König Georg 5. ntaramt und er Deutschen Kolontalge e 1
er Nachfolger Edwards 7. hat als Georg 5. die schaft für Südwestafrita, sowie der Deutschen Da⸗
ierung des britischen Weltteiches angetreten. Sein Ra. n anten-⸗G. m. b. H. sind nunmehr unter zeichnen
vorgänger Georg 4. herrschte von 1820 bis 1830 vorden und damit definitiv perfekt.
in'ch unruͤhmlich über das Vereinigte Königreich und *Der amerikanische Botschafter in Berlin,
auch noch gleichzeitig Souverän von Hannover — die Ddr. Hill, wurde instruiert, gegen die Kali-Vorlage
einigung der beiden Kronen hörte erst mit dem Tode »orstellig zu werden. — Der Eutwurf des Kalige—
lhelnis 4. im Jahre 1837 auf. Auch der neue König etzes in der Kommissionsfassung sieht bekanntlich eine sehr
r'dis Prinz und Kronprinz politisch gar nicht hervor· rhebliche Belastung der außersyndikatlichen Kalibezüge der
eten Als zweiter Sohn Edwards 7. am 3. Juni 1866 merikanischen Düngertrusts in Gestalt einer Ueberkontin—
boten kam er für die Thronsolge erst nach dem im Jahr entsteuer vor.
Hersolgten Ableben seines älteren Bruders in Frage, * In Berlin ist der srühere Staatsselreiar a. D. Karl
hdem er sich der Lausbahn eines Marine⸗Offtziers ge— »on Hoffmann im Alter von 83 Jahren gestorben.
Imet hatte, welchem Berufe er mit Leib und Seele er— * Der Vorsitzende des Hansabundes, Oberbürgermei—
ben war. Große Befriediguug rief es in England her⸗ ter a. D. Knobloch-Berlin gab in der Generalversamm⸗
daß Prinz Georg der Braut seines verstorbenen Bru— ung des Verbandes der thüringischen Industriellen eine
, der Prinzessin Mary von Teck, die Hand zum Ehe—. zrtlärung bezüglich der Kandidatenfrage für die nächsten
Ade reichte, der am 9. Juli 18983 geschlossen wurde und eichsssagswahlen ab. Darnach sei es gelungen, für alle
n außer dem am 23. Juni 1894 geborenen Prinzen ussichtsreichen Reichstagswahlkreise Kandidaten aus den
ward Albert, dem nunmehrigen Thronfolger Prinzen dreisen für Handel, Industrie und Gewerbe zu finden
Wales, noch vier Söhne und eine Tochter entsprossen der Hansabund habe infolge der letzten Wahl in Oletzko
d. ehck seine Tattik geändert und werde vor allen Dingen
emüht sein, agrarische Kandidaturen zu Gunsten der bür—
erlichen zu Fall zu bringen.
DOesterreich⸗ Uugarn.
* Neuerdings sind in Un g aren wiederum Wahlaus
hreitungen vorgelommen. Der Kandidat der Justhpar
ei, Graf Batthany, hielt in mehreren Ortschaften seine
zrogrammrede. In dem Orte Vardomb begegneten sich
ie Anhänger des Grafen mit Anhängern der gegnerischen
dossuthbariei. Es wurden Revolverschüsse abgegeben und
ahlreiche Personen verletzt. Die Kossuthianer drangen
chließlich auch in die Wohnungen zweier Gegner ein und
emolierten dort alles. Gendarmen stellten die Ruhe wie—
er her. — Aus Komorn wird gemeldet: Der Kandidat
er Volkspartei, Pfarrer Palkovies zog durch das Dorf
zaszakalas. Alz die Einwohner des Zuged ansichtig wur
en, griffen sie diesen mit Heugabeln und Sensen an. Es
purden zahlreiche Personen verwundet. Die Vorreiter
vurden von den Pferden gerissen und blutig geschlagen.
Frankreich.
»Dem „Paris⸗Journal“ zufolge verteilen sich die
ztimmen der Wähler bei den letzten Wahlen wie folgt:
dadikale und Radikal-Sozialisten 1418 608, Gemäßigte
Zozialisten 639 946, Konservative und Liberale 563 610,
rzinks⸗Republikaner 338 138, Progressisten 321 196, Unab⸗
sängige Sozialisten 140 131, Nationalisten 90 613. Ins—
esamt also 3 542 242 Stimmen. Die Stimmenthaltung
ind die unbrauchbaren Stimmzettel beziffern sich im Gan—
en auf 1240 767. Der „Matin“ glaubt mitteilen zu kön
ien, daß gleich nach Zusammentritt der Kammer ein na
ionalistischer Abgeordneter den Antrag stellen wird, di
diäten für jeden Abgeordneten von 15 000 Frks. au
000 Franks herabzusetzen. Ueber diese Frage wird folg—
ich die erste Debatie in der Kammer stattfinden. Nach ei—
et vom „Matin“ vorgenommenen Rundfrage haben sich
99 Abgeordnete gegen die Monopole geäußert, 312
sbgeordnete gegen jede inquisitatorische Einkommensteuer
ind 327 Abgeordnete gegen die Proportional-Reform.
Finnland
* Aus Petersburg liegen Meldungen vor, wonach der
innländische Generalgouverneur Leyn bereits im Besitze
»es Dekrets zur Auflösung des finnländischen
zandtags sein soll. Der finnländische Gesetzentwurf der
ussischen Regierung wird auf Grund des Artikels 87 der
Ztaatsarundgesetze durchgeführt.
China.
* Der „New⸗-York Herald“ meldet aus Peking: Die
Finberufung einer beratenden Kammer ist auf den 3. Ok—
ober festgefetzt worden. Ein kaiserliches Edikt besagt, daß
hieses Parlament die Einführung einer Konstitution vor
ꝛubereiten habe.
Marokko.
m Die „Daily Mast meldet aus Fez, das sowohl dic
zortigen Einwohner als auch die Europäer der Ueber—
eugung sind, die Herrschaft des Sultans Muley Hafid
verde keine zwei Monate mehr dauern. Die
früsßrerischen Stömme kämnten vegen Trupyen des Guf
—*
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sSsen tizessin Againe v Rafibor
Potsdam statt, wonach das neuvermählte Paar längere
Aufenthalt in Schloß Leitenberg nehmen wird.
Roosevelt in Verlin.
*Theodore Roosevelt ist Dienstug Vormittag gegen9
Uhr auf dem Stettiner Bahnhofe in Berlin angekommen
da die angekündigte Zugverspätung wieder eingeholt wor
den war, hatten sich noch nicht alle zum Empfang be—
stimmten Herren eingefunden. Zugegen waren Staatssekre—
tär Frhr. v. Schön, das Personal der amerikanischen Bot
schaft und zahlreiche Mitglieder der amerikanischen Kolo—
nie mit ihren Damen, darunter das älteste Mitglied, der
frühere Generalkonsul Reismann. Als Roosevelt den Wa—
gen verließ, wurde er vom ersten Sekretär der Botschaft,
Laughlin, begrüßt. Darauf begrüßte ihn Staatssekretär v.
Sch ön, der längere Zeit mit Roosevelt im Gespräch ver
weilte und dann seine Gattin und Kinder begrüßte. Un—
ter den Hochrufen der Menschenmenge fuhren Roosevel⸗
und seine Familie zur amerikanischen Botschaft.
Um 1 Uhr fand Frühstückstafel beim Kaiserpaan
jim Neuen Palais statt, daran anschließend eine Besichtig
ung des Marmorpalais nebst Marstall, sowie der Sehens
würdigkeiten von Potsdam. Man rechnet damit, daf
Roosevelt im Mausoleum einen Kranz niederlegen und auch
die Garnisonkirche besuchen wird. An der militärischer
debung in Döberitz am Mittwoch werden gemischte Waf
fen teilnehmen. Wie verlautet, wird, wenn das Wette—
es zuläßt, auch das Motorlustschiff zu diesen Uebunger
herangezogen werden
die Thronfolge in England ist in dem Act of Settle—
ent vom Jahre 1701 -1705 geregelt, sie fällt den pro—
tantischen Nachkommen der Prinzessin Sosfie von Braun⸗
weig zu, und zwar in strenger Linearfolge; sie kann
it auf eine entferntere Linie sich vergeben, wenn alle
nnnlichen und weiblichen Mitglieder der herrschenden
imie ausgestorben sind. Mit dem Tode eines Herrschers
ehi die Krone auf den nichsten Erbberechtigten über, ohne
ah es einer Anerkennung durch das Parlament oder auch
c Krönung bedarf. Letztere ist nur eine Zeremonie, die
rilich durch tausendiährigen Gebrauch geheiligt ist und
adurch besondere Bedeutung erhält, daß in dem Krön⸗
aseide die Rechte des Vollkes anerkannt und bestätigt
eiden. Durch die Verfassung wird die Krönung nicht ge—
Adert, sie gibt aber dem Könige in den Augen des an
sen Gebräuchen hängenden Engländers erst die rechte
deihe. Das Parlament, welches früher beim Ableben des
errschers sich auflöste, tritt aus eigener Machtvollkom—
senheit sofort zusammen, um die Botschaft des neuen
oͤnigs entgegenzunehmen und diesem den Treueid zu lei⸗
n, vbgleich die Mitglieder diesen Eid bereits für den
if dem Throne befindlichen Monarchen und dessen Nach—
lger abgelegt haben. Premierminister Asquith weilte
i surzem in Spanien, er hat aber sofort nach dem Ein⸗
effen der Trauerbotschaft die Rückreise nach England an—
etreten.
König Georg, dem man Schlichtheit im Wesen und
eradheit des Charakters nachrühmt, wird sich vielleicht
rläufig mit einem geringeren Einfluß auf die Politik
mes Reiches, als ihn Eduard 7. ausübte, begnügen
üssen, aber möglicherweise strebt er einen solchen gar
icht an Welche Wirkung der Thronwechsel hinsichtlich
zur Entscheidung stehenden schwierigen innerpolitischen
ragen haben wird, muß sich erst zeigen. Das Ausland
ttkeine Ursache, dem neuen König mit Mißtrauen ent—
genzukommen, auch Deutschland nicht, denn ob Georg 5.
Vorliebe seines Vaters für Frankreich wirklich geerbt
it, wie die Pariser Zeitungen zu melden wissen, steht
meswegs fest, die Unterlagen für eine solche Annahme
hlen jedenfalis gänzlich. Als im Frühjahr 1908 König
jseorg in Deutschland weilte, hat er den besten Eindruck
interlassen Er machte damals dem rheinischen Kürassier—
egiment Nr. 8 in Köln⸗-Deutz, dessen Chef er ist, einen
zesuch und nahm in Köln mit seiner Gemahlin einen
jehrtägigen Aufenthalt. Beim Frühstück im Offiziers-Ka⸗—
no brachte er in herzlichen Worten einen Toast auf den
aiser aus und er schien sich in der Gesellschaft der Of⸗
ziere sehr wohl zu fühlen. Von Köln fuhr das hohe
aar zu dem ihm nahe verwandten großherzoglichen Hof
Darmstadt.
Wir wollen aufrichtig wünschen, daß die Regierung
es neuen Königs dem britischen Reiche und Volle zum
egen gereichen und dem Völlkerfrieden ꝓigute kommen
*
ae — —
Politische Puudschau.
Deutsches deich.
* Die neuen Verträge zwischen dem Reichskolo—
ææ — — —
Expräsident Roosevelt hat seine Befriedigung übe
die Aenderung des Programms seines Berliner Besuches
ausgesprochen. Roosevelt erklärte, er sei durchaus dami—
einverstanden, daß die offiziellen Feste und Feierlichkeiter
aus Anlaß seines Besuches nach Möglichkeit eingeschränk
würden. Die Ueberfülle o fizieller Festlichkeiten, die mar
ihm zu Ehren im Auslande gebe, meinte Roosevelt, könn
ten in Amerika zu Mißdeutungen führen
Zum Ableben Königs Edward.
London, 10. Mai. König Georg hat das Hos
narschallamt aufgefordert, in seinem Namen eine Ver
fügung zu erlassen, in welcher er den Bürgern von Lon
don und dem gesamten englischen Volke mitteilt, daß er
in dem Wunsche seines verstorbenen Vaters zu handeln
glaube, wenn er an Jedermann die Bitte richte, sich durch
die Trauer um den Verlust des großen Britenkönigs nicht
abhalten zu lassen, die Pfingstfeiertage zu feiern. sie zu
ihrer Erholung zu benutzen.
London, 10. Mai. Nach der Beerdigungs-Feierlich
keit am 20. dss. in der St. Georgs-Kapelle wird der
Sarg mit der sterblichen Hülle des Königs in das Ge—
wölbe unter der Kapelle gesenkt und wahrscheinlich neben
dem Sarge des ältesten Sohnes König Eduards beigesetz;
werden. Der Leichenzug mit dem toten König wird sich
444 dor Noherfäührine unn Mesfiminsker Hals nach dem Nad—
r0
Irrgänge des Lebens.
s*sraählung von Wilhelm Koch.
VDie Tür öffnete sich und der Mann, welcher am
Abende vorher bei der generm zwei Apfelsinen erhandelt
atte, trat ein. Seine Stimme, als er den Morgengruß
ot. und seine Schritte schienen unsicher zu sein und eine
arle Bewegung mußzte in jeiner Bruf arveiten, als er
em Alten gegenübertrat. Dieser musterte mit sragendem
Aide seinen Besucher; die Züge des Mohrnes und der
son seiner Stimme schienen an alte, längst vergessene
seiten zu erinnern.
Sie wünschen mich zu sprechen?“ fragte er. Mit
vem habe ich die Ehre? —“
„Erkennen Sie mich nicht mehr .... hat die Zeit jede
due ger 338 aus Ihrem Gedächtnisse verschwin⸗
n lassen?“..
Krause ftellte seine Pfeife in heftiger Gemütsbeweg⸗
bei Seite.
„Sie wären ... aber ich täusche mich ...“
Mein Name ist August Hagedorn.“
Menscht“ rief Krause mit vor Zorn und Ueberrasch—
ig fast erftickter Stimme. ... „Sie wagen es vor mir
erscheinen — Gehen Sie, verlassen Sie mich“, setzte er
ilt hinzu und zeigte mil dem Finger nach der Tuͤr, „ih
snne Sie nicht, ich verachte Siel“
Eine leichte Rote färbte die bleichen Wangen des
— Ich habe es verdient“, murmelte er, Ihr Zorn
erecht.“
zSie, der mir das ganze Leben vergällt hat, Sie, der
ntführer meines einzigen Kindes, erdreisten sich hierher
u kommen? — Wo ist meine Tochter, wo ist Luiso
„Ich weiß es nicht .... ich glaubte es bei Ihnen
lahten zu konnen
Sie wissen es nicht?! Doppeltes Ungeheuer! Nicht
enug, datz Sie mein Kind unglüdlich gemacht, vielleicht
hon seit Jahren ins Grab gestürzt haben, nicht genug,
* Sie das Glüd einer ganzen Familie umtergraben —
ollen Sie noch mehre
Der alte Herr befand sich in der heftigsten Aufreg⸗
3 die Adern seiner Stirn waren angeschwollen, Zor⸗
ezroͤte bedeaie seine Wangen und unruhig schritt er im
immer auf und ab.
en Ler Fremde war auf derselben Stelle stehen geblie⸗—
und der Hut in seiner Hand verriet das Kittern der⸗
IIch bin gekommen“, sagte er mit bewegter Stimme,
Verzeihung von Ihnen zu erflehen und das Unrecht, das
ch verschuldet, teilweise wieder gut zu machen. icht
ore Tochter lann ich Ihnen zufuͤhren, aber Ihre
knteline alte Rrause hestete seinen funkelnden Blid einen
Noment lang auf den Sprecher, dann zog er die Schelle.
„Bitten Sie meine Frau hierher“, jagte er dem ein⸗
retenden Diener.
Hagedorn hatte den verwundbarsten Fled des Mannes
etroffen und Saiten in dessen Bvrust angeschlagen,
eren Berührung der nunglückliche und zürnende Wynter
isher so sorgfältig vermieden hatte. All das Leid, wel⸗
hes er die langen Jahre hindurch still erduldet, all der
zchmerz und Unmut, zum Teil auch mit bitteren Selbst⸗
orwürfen wegen seiner allzu scharfen Strenge gepaart,
I der Gram, den ihm die Flucht seines eingigen Kin—
es bereitet, waren plötzlich in ihrer ganzen Groͤße und
er nacktesten Wirklichkeit in der 33 des Mannes vor
hn hingetreten, dem er seinen Fluch nachgeshhleudert
atte, — zum ersten Male seit zwanzig Jahren war der
dame Luise über seine Lippen gekommen.
Seine Frau erschien. Frau Krause hatte sich trotz
hrer achtundsechzig Jahre ziemlich gut konserviert; allein
uf ihrem Antlitze war der Stempel tiefen und langen
zrames unverkennbar aufgeprägt; im Ganzen vervielen
yre Züge eine gewisse Gutfmütigkeit, und ihr rundes Kinn
ieß auf einen phlegmatischen Charakter schließen. Es war
ine Frau, wesche der strenge Sinn ihres Mannes, die
Unbeugsamtkeit seines Willens willenlos gemacht haite, die
Nhcllem ia sjagate und alles qut fand. was ihr Mann aut
ieß.
Krause hatte sich in seinen Sessel niedergelassen und
nit der Linken wegwerfend auf Hagedorn weisend sagte
r: „Wir haben einen seltsamen Besuch heute; sieh' mal
u, Anna, ob Du diesen Mann da wieder erkennst.“
Hagedorn aber faßte die Hand der Frau und sein
dZaupt senkend, stammelte er: „Verzeihung, Mutter!“
Die alte Frau, welcher das letzte Wort alles verraten
satte, sank mit einem lauten Schrei auf einen Stuhl und
veinend bedeckte sie ihr Gesicht mit beiden Händen.
„Gott — ist es möglich!“ schluchzte sie, August, Sie
ringen Kunde von meinem Kinde!“
„Leider bann ich es nicht“, versetzte der Mann, ‚aber
h bitte um Verzeihung und um Ihre Fürsprache bei
Ihrem Manne, daß auch er mich nücht ungehört ver—
amme. Dem schwersten Verbrecher steht das Wort zu
einer Rechtfertigung frei. Ich bin gekommen, mein Um—
echt in etwon u ißbven
„Weschehenes ijt nicht zu andern“, sagte der alte Je.
minder heftig, denn die Zerknirschung des Mannes hatte
seinen Zorn gedämpft, ‚und alle Reuetränen vermögen Sie
n rein zu waschen. Nehmen Sie Platz: Ihre Er—
scherung läßt mich hoffen, daß Sie nicht. ganz so schlecht
wie ich zu vermuten Ursache hatte; ich will Sie an⸗
ören.“
„Ich danke Ihnen, Herr Krause; die einfache und
II—
Verirrungen möge — wenn auch nicht als Entschuldigung,
so doch als Zeuge der Wahrheit meiner Worte für mich
prechen.“ Der Alte nickte stumm.
„Ich muß tiefe, vernarbte Wunden in Ihrem Herzen
vieder aufreißen, und auch das meinige blutet bei der
Erinnerung an jene unselige Zeit. Alle Schuld und alles
Unrecht, welche uns treffen können, — ich nehme es auf
mich, denn meinem Dräͤngen allein nachgebend, hat Louise
sich zu der dlugt aus dem elterlichen Hause entschlossen;
sie war einjunges, unerfahrenes und leidenschaftliches
Mädchen, und ich als Mann, der ich den Warnungen der
Vernunft hätte Gehör geben sollen, der ich die Folgen
dieses unseligen Schrittes ermessen konnte, habe die Ju—
gend und Leidenschaft Ihrer Tochter zu betören gewußt;
rür mich selbst kann ich nur die nicht stichhaltige Entschul—
oigung einer Liebe anführen, welche an Wahnsinn grenzte
und mich blendete; ich weiß, das Wort „Liebe“ ist ein
ichlechter und durchlöcherter Deckmantel, eine naht deckende
Beschönigung, zumal wenn die kalte Vernunft ihr Sezier—⸗
messer an die Handlung derselben legt, — aber ich liebte
Louise aufrichtig und wahr; denn bei allen Selbstqualen
hat mich später nie der Vorwurf verfolgt, das Mädchen
aus einem andern Motive, als aus Liebe, entführt zu
haben. Wir flohen, und die Kirche segnete den Bund um
jerer Herzen, wir ließen uns trauen.“
„Also doch“, unterbrach ihn die Mutter.
„Ja, Louise ward mein Weib. Wir lebten glücklich
recht glücklich. Die ersten Wochen unserer Ehe glichen
dem wolkenleeren Maihimmel, so innig und milde warer
die Tage. Allein nach den flüchtig dahingeeilten Flitter
wochen trat des Lebens Ernst mit mahnender Stimme
an uns heran.
Es galt ein Heim, es galt eine Beschäftigung zu su—
hen, und ich hatte mich noch zu keinem Berufe entschie—
den. Ich hatte manches erlernt, aber mein Wissen war
Bruchstück und brodlos. Ich hatte die Studien mehr ih
er selbst, als einer gesicherten Eristenz wegen betrieben
ind mit meinen juristischen und, weun Sie wollen, phi
odinphischen Kenntnilen war 4. nicht imitande ⸗inen Ta,.
vr zu verdienen. Die Reise hatte. unsere Barschaft er
schöpft; an der Stelle des sorglosen und heiteren Leben?
traten Mangel, Entbehrung und Not; vergebens war icd
bemüht, bei Gesellschaften, bei Behörden, selbst als be
scheidener Hauslehrer Beschäftigung und Unterkommen zu
finden; — den Fremden ohne Protektion wies man ab.
Das wurmte mich; ich konnte die stummen Vorwurfe mei
ner Frau, ihren traurig stechenden Blick nicht ertragen,
und wie ein drohendes Gespenst, gleich einer dumpf aber
unabwendbar heranrollenden Lawine siand die Zulunft
vor meinen Augen; die gerechte Strafe meines Leilbi-⸗
sinnes und meiner Verblendung ....“
Dieser Zustand, diese furchtbare Gewißheit waren um
so peinlicher und drüdender, je größer auf der anderen
Seite meine Liebe zu meiner jungen Gattin und das
Bestreben in mir war, ihr eine sorgenfreie Zukunft zu
versfhaffen. So stand ich, in keiner Weise geschult fürs
praktische Leben, ein Denn auf der rauhen Weltbühne
allen Stürmen und Drangsalen des Lebens preisgegeben,
ohne Erfahrung mitten in den Wirren — denn ich kannte
die Welt aus den B.n, nicht aber die Welt selbst, —
da packte mich wild; setzen und Ver⸗weifsung. Die
Torheit des unseln vedachten So trot in ibrer
ganzen Größe an mich heran, und mir fehlte nicht die
Energie, nicht der Mut, sondern die Aussicht auf eine
Möglichkeit, mich und meine Frau auch nur in annähernd
zusagendey Weise durchs Leben zu bringen. Ich ver—
ließ feige die Gattin und floh nach Amerika, einesteils
gon der Hoffnung beseelt, in der neuen Weli mir eine
Eristenz gründen zu koͤnnen, andernteils durch den Gedan—
ken beruhigt, Louise werde in ihrem Hause Schutz und
Unterkomnien finden. War mein erster Schritt, die Ent⸗
führung strafbar, dieser ist es in noch weit höherem Grade,
und nie habe ich mir denselben verzeihen können. Louise
ist nicht zu Ihnen zurüdgekehrt, Furcht, Scham, vielleich
auch ihr etwas siarrer Sinn moͤgen sie abgehalten haben,
— was aus ihr geworden. habe ich nie in Erfabrundo
hringen kbönnen
Hagedorn shwieg und seulzte kief auf; er fuhr
mit der y über die Stirn, wie um die düsteren —*
der der Vergangenheit zu bers heuchen, und doch empfand
er innerliche Befriedigung, das Belenntnis seiner 8
aussprechen zu können; nach einer ege fuhr er
„Ich will Sie nicht ermüden mit der Herzählung meines
wechselvollen Schicksals in der neuen Welt; es möge ge⸗
gügen, wenn ich sjage, daß ich auch dort mit denselben
Schwieriakeiten au Bmnlen batfte wi⸗e in Gurnnq, und dää