Full text : Dudweiler Zeitung

liere tragen eine schwarze Binde am Arm, die Trommeln
werden schwarz verhängi, alle Schule wurden heute ge⸗
schlossen, nachdem von den Lehrern Traueranspraͤchen ge—
halten worden waren. Die Schüler verließen unter Ab⸗
ingung patriotischer Lieder die Schulen. Die Behörden
von Edinburgh haben das Spielen in den öffentlichen
barls und auf den öffentlichen Plätzen verboten. Zum
zeichen der tiefen Trauer werden in den Kurhen drect
e Glocken taglich gelautet. Alle in Aussicht genommenen
Festlichteiten werden abgesagt, die Fahnen sind überall
auf Halbmast gehißt und mit Trauerflor umgeben. Die
Beisetzung des Verstorbenen wird wahrscheinlich am 17.
Mai stattfinden. Andererseits verlautet jedoch, daß die—
elbe erst in 14 Tagen erfolgen wird.
London, 9. Mai. Wie gemeldet wirs, soll jetzt
eststehen, daß König Eduard in der St. Georg-Kathedrale
m Schlosse zu Windsor beigesetzt werden wird. Ob eine
öffentliche Aufbahrung erfolgt, ist noch nicht entfschieden.
Auch der Tag der Beisetzung steht noch nicht genau fest,
doch wird diese nicht vor naächsten Sonnabend stattfinden,
da der Herzog von Connaught nicht vor Freitag in Lon—
on eintreffen kann. Wer von auswärtigen Monarchen zu
den Beisetzungsfeierlichkeiten herkommen wird, ist dem
dofe noch nicht bekanut. — Die „Central News“ erfährt
on Beamten des Buckingham-Palastes, daß die Beisetz-—
ing in der am 15. Miai beginnenden Woche, wahrschein—
ich am 18. siattfinden werde.
London, 9. Mai. Der Tag der Beerdigung
st endgültig noch nicht festgesetzt; in Aussicht genommen
st der 20. Mai. Von fremden Souveränen sind
»azu angemeldet der deutsche Kaiser, die Könige von Nor—
vegen, Dänemark, Portugal, Bulgarien; der König von
Italien wird auch erwartet. Rußland wird durch die Kö—
erin Marie und den Bruder des Zaren vertreten sein.
London, 9. Mai. Die Königin Alexandra, die ziem—
ich leidend aussieht, wohnte der Abnahme der Toten—
naske bei, die dem Bildhauer Bruce übertragen wurde.
Ddie Maske gelang vorzüglich und soll dem Denkmal, das
n Westminster errichtet wird, als Vorlage dienen.
London, 9. Mai. Vor der Ueberführung des Leich—
iams König Eduards nach Windsor wird derselbe
vahrscheinlich in London aufgebahrt werden und zwar
unächst im Thronsaal des Buckingham-Palastes, wo aber
tur die Familien-Mitglieder und eine Anzahl geladener
bersönlichkeiten vor dem Sarge defilieren werden. Als—
ann wird der Leichnam in der Westminster Hall dem
roßen Pualikum gezeigt werden.
London, 9. Mai. Die Gruppe der Arbeiterpartei hat
in den König Georg ein Sympathie-Telegramm abge—
andt.

London, 9. Mai. Wie verlautet, litt der Kön'g be—
eits seit drei Jahren an einer bösartigen Heiserkeit, die
hn teilweise seiner Sprache beraubte. Vorübergehend trat
»fter eine Besserung ein, die jedoch immer wieder bald
iner Reaktion Platz machte. Die Entzündung des Lun—
zengewebes war nur die lettte Phase im Kampf zwischen
drankheit und Genesung Der Kehlkopf des Königs wurde
zum erstenmal vor vier Jahren von einem kleinen Ge—
schwür befallen, das aber keinen operativen Eingriff er—
forderte und von selbst wieder verschwand. Die Befürch—
tung, daß es sich um Krebs handelte, wird entschieden be—
tritten. Die Oeffentlichkeit dürste erst nach der Beisetzung
Senaueres über die Krankheit erfahren.
London, 9. Mai. Die Popularität des Königs wird
durch die Rede, die der so zialistische Führer Will
Brocks in einer Versammlung hielt, wobei er die Zuhö—
ter aufforderte, die Nationalhymne zu singen. Dann sagte
ꝛxt „Ich fühle und weiß aus dem Grunde meines Her—
»ens, daß der König der größte Staatsmann ist, den die
Velt gegenwärtig besitzt. Der Weltfriede ist in seinen
zänden vollkommen sicher. Ich weiß, er sorgt für dags
emeine Volk, sowie für die Behaglichkeit des armen Man—
ies. Er ist in der Tat der Vater von uns allen. Ich
ete aus dem Grunde meines Herzens, daß er uns erhal—
en bleibe.“ — Es handelt sich hier um einen enqgli—
schen Sozialiften

ODie Teilnahme des Auslandes.
Berlin, 9. Mai. Der königliche Hof legte für
en König Edward eine Traueer von vier Wochen an.
— Der Kaiser, der Sonntag Vormittag um 11 Uhr
m Neuen Palais bei Potsdam angekommen war, be—
ab sich um zwei Uhr per Automobil nach Berlin zu dem
unglischen Botschafter, um nochmals seine tiese Teilnahme
in der Trauer um König Edward auszusprechen. Der
daiser verweilte über eine Sunde bei Sir E. Goschen.
Berlin, 9. Mai. Ueber die Frage, ob Roosevelt
ils Vertreter der Vereinigten Staaten an den Trauer—
eierlichteiten in London teilnehmen wird, ist auf der hie—
igen amerikanischen Botschaft noch nichts bekannt. Man
zält dies jedoch für sehr wahrscheinlich.
Kiel, 9. Mai. Gestern Mittag 12 Uhr begann der
drauer-Salut für den König von England. Es wurden
»1 Schuß in Absländen von je drei Minuten abgegeben.
die „Hohenzollern“ begann Nachts mit der Ausrüstung.
Zie soll Dienstag Abend seeklar sein, um eventnnell den
daiser nach England zu bringen.
London, 9. Mai. Der deutsche Botschafter Graf
Volff⸗—etternich sprach im Buckinghampalast vor
ind verweilte lange daselbst.
Paris, 9. Mai. König Georg hat dem Präsiden
en Fallieres für dessen Rondolenztelegramm in einem
delegramm gedankt, das mit den Worten schließt: „Die
Zympathie und die werlvoolle Freundschaft Frankreichs wer—
en dazu beitragen, uns den unermeßlichen Schmerz er—
ragen zu lassen.“
Paris, 9. Mai. In hiesigen mit dem englischen
zofe vertrauten Kreisen spricht man davon, daß die Kö—
tiigin Alexandra nach der Beisetzung ihres Gatten sich in
hre dänische Heintat zurückbegeben wird.
Lissabon, 9. Mai. König Manuel dürfte persön—
ich der Beisekung König ECowards beiwohnen. Die
Frauernachricht machte auf alle Kreife tiefen Eindruck

enüber sprach er nie yieruber, obschon er wußle, daß sein
Ichmerz auch der ihrige sei. Krause lebte still und zu—
ückgezogen und vermied jedes öffentliche Vergnügen; die
Lelt hatte keinen Reiz mehr für ihn; nur wo es vall, der
dot der Nebenmenschen zu sieuern, da griff er ungekannt
in, da trat er als namenloser Helfer auf. Am schönen
dachmittagen pflegte er in seinem leichten Phaeton eine
Zpazierfahrt rings um die Stadt durch die Anlagen zu
nachen, und staunend folgte der Blick der neugierigen,
ewundernden oder neidischen Menge, wenn die feurigßen,
— dahinjagten. In einem
ehaglichen Stillleben schienen seine Wuͤnsche zu gipfeln,
»eshalb hatte er sich auh in der letzten Zeit von allen
eschäftlichen Beziehungen zurückgezogen hätte die Stille
hmenur Ruhe des Herzens und Gleichmut der Seele be—
eiten können! Als Kaufmann hälte er es gerne gesehen,
venn sein Sohn Julius in die Fußstapfen seines Vaters
jsetreten wäre und sich derselben Branche gewidmet hätte;
a er aber dessen entschiedene Vorliebe zum Studium er—
annte, war er vernünftig genug, dem innern Drange und
zerufe seines Kindes keine statde Opposition entgeäenzuellen,
 und ihm freie Wahl zu lassen.
Krause, hatte sich kauni in die politischen Wirren der
»amals vielbewegten Zeit vertieft, als der Hausdiener ihm
en Vesuch eines Fremden anmeidete. Der alte Herr sah
inigermaßen befreindet von dem Blatte auf, denn einer⸗
eits überraschte es ihn, daß man ihn iberhäupt aufsuchte,
—
nied; andernteus wunderte er sich über die zur Abstattung
ines Besuches außergewöhnlich früh gewählle Saude.
„Wie nannte der Marn sidi2“ irägte er den haärren—
en Diener.
„Er gab seinen Namen nicht an.“
Kraufe erhab sich, legte die Brille bei Seite und trat
zniage Schritte nähor Dnhßen Sie In —«

Petereburg, 9. Mai. Sosorr nach dem Gintressen
er Nachricht vom Hinscheiden des König Edward
rückten der Rauiser und die Kaiserin telegraphisch
er verwitweten Aonigin Alerandra und König Georg 5.
hr allertiefsies Beileid aus. Außerdem sandte die Kaise—
in Alerandra Fesdorosong ein besonderes Telegramm ar
ie Königin Wittor'a.
Athen, 9. Adai. Die Blätter, die in einem schwar—
en Mand erschlenen, brinsen lange Ariitel über önig
zdward, in denen sie d'ie mpaihzie des verstorbener
donias sür Griechenland ervorheben.
Nonstantinnpel. 9. Wai. Der Thronfolger Jus.
uf Jz zedihn wird sich im Laufe dieser Doche zund
Beisetzungsfeiertichkeilsen nach London begeben ade
inis 23 55 —155— J —
u pm Minister des Aeußern, Rifaat Pascha, beglei

Lustschiffahrt und Neronautik.
„Zwei Fingerabgeschlagen. Auf dem Flug—
elde Mars bei Vork wurden dem Ingenieur Schubert
»on dem Propeller seines Flugapparates zwei Finger ab
jeschlagen, als Schubert seinem Mechaniker am Motor et
vas zeigen wollte.
*Der Clouth-Ballon. Der seit einigen Tagen
Tagen in der militärischen Luftschiffhalle bei Köln flugbe—
eit liegende Lenkballon „Clouth“ unternahm am Montag
einen ersten Aufstieg, um die neuen Einrichtungen am
döhensteuer zu versuchen. Sie bewährten sich anscheinend
ehr gut; da aber der Wind sehr stark war, kam das
Zchiff nach halbstündiger Fahrt wieder zurück und lan—
hete alatt.

— —
Gerichtszeitung.
I Prozeß Pfeil. Im Prozeß gegen den Grafen
Bfeil, der vom Kriegsgericht freigesprochen worden isti,
satte der Gerschtsherr gegen das Urteil Berufung beim
Ierkriegsgericht eingelegt. Diese ist nun von ihm zurück—
ezogen worden.
J. Zum Fall Bruhn. In der Strafsache gegen den
teichstagsabgeordneten Bruhn, den Verleger der „Wahr—
eit“, wegen Erpressung wird der Verhandlungstermin auf
Nitte Juni gelegt werden, da die Angelegenheit noch vor
den Gerichtsferien erledigt werden soll.
Py Prozeß Schönebeck. Zu dem Prozeß gegen Frau
hvon Schönebeck sind auch der frühere Kriegsminister von
Finem und Kriminal?-ommissar Wannowski geladen wor—
)en. Das Hanptverfahren wird wegen Anstifung zum
Mord eröfsnet, obwohl das Oberlandesgericht Königsberg
n dem Haftentlassungsbeschluß nur eine Beihilfe ange—
tommen hatte

Arbeiterbewegung.
— Beigelegter Streik. Zwischen den ausständigen Ar—
hettern und der Verwalamg der Lahmeyer-Werke in Frank—
urt a. M. kam eine Einigung zustande, sodaß die Arbeit
seute wieder aufgenommen wird.
— Bergarbeiterunruhen. Aus Mons wird berich—
et: In Braquenies kam es Sonntag abermals zu einigen
zwischenfällen. Die Gendarmen versuchten, die ausständi—
en Arbeiter, die eine Versammlung abhielten, zu zer—
renen. Die Arbeiter leisteten heftigen Widerstand, wor—
Af die Soldaten mit blauter Waffe einschreiten mußten.
die Frauen der ausständigen Arbeiter warfen sich den
Soldaten entgegen. Mehrere von ihnen erlitten hierbei
nehr oder weniger schwere Verletzungen.
— — — — t
Deutscher Reichstag.
Nachm. 2 Uhr. Berlin, 9. Mai

((80. Sitzung.)
Bizepräsident Dr. Spahn eröfsnet die Sitzung mi
einem Nachruf, in welchem er aus ührt: Die unerwartete
Nachricht von dem Ableben des Königs Edward 7. von
England, hat den Kaiser und sein ganzes Haus tief er—
chuͤttert. Die Trauer ist umso wärmer, als Bande de—
Biutes unseren Kaiser mit dem Dahingeschiedenen eng
»erbinden. Mit der Teilnahme der ganzen Welt verbinde
ich unsere Anteilnahme an dem schweren Verlust, den mi
eittem Königshause das ganze britische Volk erlitten hat
Auf der Tagesordnung stehen zunächst die der Bud
get-Kommission überwiesen gewesenen, meist persönllche
Vünsche enthaltenen Petitionen zum Etat. Die
elben werden entsprechend dem Antrage der Kommissior
rledigt, teils durch Ueberweisung zur Berücksichtigung,
eils als Material oder zur Erwägung, teils auch durch
lebergang zur Tagesordnung.
Es folgt die dritte Beratung der Vorlage betr. Dii ä—
eenn für die im Sommer tagenden Kommisfsionen. Die
Korlage wird debattelos erledigt, ebenso der dazu gehö—
ige Nachtrags-Etat.
Das KonsulatsGebühren-Gesentz wird in
dritter Lesung debaltelos angenommen, ebenso das Ko—
hbonialbeamtenGesehtz.
Eine Resolution Geränf-Weimar (W. Vgg.) fordert
nm nächsten Etat Mittel zur Unterstützung des Deutschen
zchtterbundes einzustellen.
Abg. Pfeifser (Zir.) tritt für die Resolution ein
ss handelt sich nur um 17 500 Mark, durch die die Na—
irna-Festspiele in Weimar ermöglicht werden sollen.
Die diesolution wird dem Reichskanzler zur Erwäg
ing übberwiesen.
Eine Reihße Petitionen wird debattelos erledigt
Zechs Petitionen fordern Entschädigung für die Zünmd—
ohzarbeiter, die durch das Zündsteuer-Gesetz ganz
eschäüftigungslos geworden sind. Die Kommissisn bean
ragt Ueberweisung zur Berücksichtigung. Dieser Ancrae
vird lach kurzer Debatte angenommen.
In einer Petition der Kaufmännischen Vereine von
Vilßelmshaven wird Beschwerde darber geführt, daß der
Vohlfahrts Mussehith don woiiertichen Werit »ine Verkaufs
— 7 5 « T—
. Ene Popnentrone /;:
Hissorischer Roman von Freiherr von Winkerfeld.
29 Die beiden fertigen Seile wurden auf das Sorgfältigste
erborgen, denn die größte Sorgfalt mußten die beiden
ßefangenen darauf verwenden, eine Entdeckung ihrer Vor
ereitungen zur Flucht zu verhindern, welche die kleinst
dachlässigkeit, das kleinste Versehen herbeiführen konnte
In Petrons Zelle war dies zuerst zu befürchten, da diest
ehr hell war und dem Schließer die geringste Veränder—
ing auffallen konnte, während dies in derjenigen des
brofessors weniger zu besürchten war, da außerdem der
—„chließer sich um diesen Gesangenen gar nicht kümmerte
Der Korsikaner verfiel daher auf die Idee, Geistesge
törtheit zu simulieren. Jedesmal, wenn am Tage der
Zchließer erschien, nahm ihn Petron schon an der Türe
n Empfang und ergoß einen Schwall allerhand wider—
innige Vedensarten über ihn.
Der Schließer, welcher wohl wußte, daß so mancher
ßefangene hier in Schloß If den Verstand verloren haite,
nutmaßte bei Petron sofort die ersten Anfänge von Gei—
teskrankheit und vor nichts, fürchtete er sich mehr, als
vie vor einem verrückten Gesangenen. Mit der größten
„cheu betrat er daher jetzt nur noch diese Zelle und ent⸗
ernte sich stets so schleunigst wie möglich wieder. Wenn
ie Krankheit schlimmer werden sollte, dann kam der
Lolle in eine andere Zelle und er war von ihm erlöst.
Zolange er keine schlimmen Streiche machte. konnte er
a noch hier bleiben.
Hätte er nur ein einziges Mal das lachende Gesicht
Petrons gesehen, sobald er sort war, er würde doch zu
iner anderen Aberzeugung über den Zustand des Gefan—
Fenen gekommen sein. Dieser aber hätte erreicht, was er
wollte — er hielt den Schließer aus der Zelle serne und
war nur noch darauf bedacht, sich reichlich mit Speisen
ind Getränken versorgen zu lassen, um replich mit der

ordnung die Mindestzahl von 500 Mitgliedern, oder ob
unter Umständen bis zu 10 000 Mitgliedern vorschreib
werden. Ende 1908 gab es im dentschen Reiche 268
Ortskrankenkassen mit weniger als 300 Mitgliedern. 7
davon die meisten eingehen müßten, ist sicher. Auch
vaige besondere Ortskrankenkassen, die mehr als 5
Mitglieder haben, werden künftighin eingehen, weil
erheblicher Teil ihrer Mitglieder der neu zu bildend
Landkrankenkasse angehört hat, und von den Ausnahm,
vorschriften des Einführungsgesetzes, bei der alten Kan
bleiben zu können, keinen Gebrauch macht. An Betrieb
krankenkassen bestanden Ende 1908 im Dentschen Reiecd
2843 mit weniger als 101 Mitgliedern, 26027mit b'e
250 Mitgliedern, und 2486 mit mehr als 250 Mitglieder.
Von diesen 7931 Betriebskrankenkassfen könnten 2743 niet
zugelassen werden, weil sie weniger als 100 Mitgliede
haben. Es können, wenn die übrigen Voraussetzunge
zutreffen, zugelassen bleiben 5088 Betriebskranker
kassen. An Innungskrankenkassen waren zu dem schong
nannten Zeitpunkte im Deuischen Reiche 784 vorhande—
davon waren 300 solche mit weniger als 100 Mitglieder
Wegen zu geringer Mitgliederzahl werden nur wenige ei
zugehen haben, doch werden nicht alle diese 3Z00 Innungs
— krankenkassen mit weniger als je 100 Mitgliedern der Anu
Vokales und Vermischtes. forderung der Gleichwertigkeit in den Leissungen genüge
P. Neue Ammoniakanlage. Nachdem unser Gaswerk können. Als Träger der Krankenversicherung fallen endlic
sich im Laufe der Jahre derartig vergrößert hat, daß es die 155 landesrechtlichen Hilfskassen. Von 1310 eingefchri—
schon seit einigen Jahren die größte Gasproduktion von benen Hilfskassen können, wenn die anderrn Bedingunge
allen Gaswerken des Landkreises Saarbrücken aufzuweisen gegeben sind, 119 mit je mehr als 1000 Mitgliedern al
hat, beschloß die Gemeindevertretung im vorigen Jahre Erfatzkassen zugelassen werden. Man wird daher nich
zur besseren Ausnutzung der Nebenproduktionen des Gas fehlgreifen, wenn man hiernach annimmt, daß von de
werks zu schreiten. 23 241 am Ende des Jahres 1908 im Deutschen Reich
Seit einigen Tagen ist nun eine Anlage zur Herstellunz vorhanden gewesenen Trägern der Krankenversicherung etw
von verdichteten Ammoniakmasser im Betrieb und somu 13000 bis 15 000 allein infolge der Borschriften de
eine neue Einnahmequelle für die Gemeinde erschlossen. Reichsversicherung über die Mindestzahlen eingehen werdern
Die Herstellung bezw. Verarbeitung des Rohwassers au Weiter werden infolge der Vorschriften des Entwurfs übe
konzentriertes Wasser geschieht durch folgendes Verfahren die Gleichwertigkeit der Leistungen uswp. noch manche de
Das Rohwasser fließt in einen Vorwärmer und wird durch bestehenden Kassen eingehen, dagegen kommen neu hinz
das vom Abtreibeapparat abgelaufene heiße, von Ammoniat allgemeine Ortskrankenkassen für Bezirke, in denen es bishe
befreite Wasser auf eine Temperatur von ca 79 Grad daran mangelte, sowie bisher die neugeschaffenen Land
Lelsius angewärmt. In einem über dem Abtreibeapparat krankenkassen. Die Zahl der Versicherungsträger in de—
»efindlichen Zersetzer, den es nunmehr durchströmt, wird die Krankenversicherung wird durch den Entwurf etwa auf di
Temperatur des Rohwassers bis auf 90—95 Grad Celsiue Hälfte der gegenwärtigen Zahl herabgehen, während gleich
jebracht und zwar lediglich durch die Wärme der dem Ab- zeitig durch die Ausdehnung der Krankenversicherung di
reibeapparat entweichenden Ammoniak- und Wasserdämpfe Zahl der kassenpflichtigen Personen sich fast um die Hälf.
Bei 90 Grad giebt das Rohwasser etwa 402558 Proz erhöht. Die Leistungsfähigkeit der Krankenkassen wird dem
der Kohlensäure und einen Teil des Schwefelwasserstoffes nach, soweit sie sich in deren Mitgliederzahl ausprägt, ir
ab. Die Gase werden im Zersetzer ausgetrieben. Sie Durchschnitt auf das Dreifache gesieigert werden.
gehen durch den Dunstwascher und geben dort Reste von Personalnachrichten des Bergwerksdirektionsbezirk—
Ammoniak an das kalte Wasser wieder ab. Das mit Saarbrücken. Dem Kohlenexpedienten Henschel, frühe
Ammoniak angereicherte Wasser wird wieder in die veim Steinkohlenbergwerk Reden, ist aus Anlaß seines Uber
Ammoniakwassergrube geleitet, während die Abgase nach ritts in den Ruhestand der Königl. Kronenorden Allerhöchf
dem Schornstein geführt werden. Das heiße Rohwasser verliehen worden. — Der Schichtmeister Diversy des Berg.
fließt nun vom Zersetzer nach dem Abtreibeapparat, in dessen werks Von der Heydt ist vom 1. Mai d. J. ab an di
oberem Teil das flüssige Ammoniak mit den noch vorhan. Verwaltung der Kraft- und Wasserwerke versetzt worden
denen Resten der flüchtigen Säuren GKohlensäure und —. Die Zivilanwärter Edmund Willie, Joseph Bund unt
Schwefelwasserstoff) abgetrieben werden. Im unteren Teil Wilhelm Diener haben die Beamtenprüfung für den höheren
wird durch Zusatz von Kalkmilch die ganz regelmäßig Bureaudienst bestanden. — Der Steiger Ludwig Immets
durch automatische Kalkmilch Dampfpumpen zugeführt, wird berger des Steinkohlenbergwerts Von der Heyhdt ist von
das Ammoniak frei gemacht. Das abgetriebene Wasser 1. Mai 1910 ab zum Fahrsteiger unter gleichzeitiger Ver
ließt durch den Vorwärmer, in dem es seine Wärme zum setzung an das Steinkohlenbergwerk Camphausen beförder
Teil gegen das zufließende Rohwasser austauscht, zuwn worden. Brgmsfrd.)
dalkschlammgrube ab. Die den Abtreibeapparat verlassenden Polizeiamt und Meldeamt. Laut einer Bekanntmaͤch
Ammoniakdämpfe schlagen nun folgenden Weg ein: Die ung unseres Herrn Bürgermeisters befinden sich diese jeß
Dämpfe gehen zunächst durch die Heizzellen des Zersetzers im Schulhaus am Marktiplatz, und zwar ebener Erde. Dit
und treten dann in einen Rückflußkühler ein, wo sie von verehrl. Einwohnerschaft wolle davon gütiast Vormerkun—
dem überflüssigen Wasserdampf befreit werden. In dem nehmen.
nachfolgenden Kolonnenkühler wird Ammoniak und Wasser Eisenbauanstalt. Auf derselben wurde eine Luftham
zum fertigen Produkt, dem konzentrierten Ammoniakwasser ner eingerichtet, wodurch das Werk eine bedeutende Ver—
ondensiert. Das fertige Produkt fließt alsdann in einen größerung seiner Baulichkeiten erfuhr. Die Zahl der Ar—
Sammelbehälter, welcher luftdicht abgeschlossen ist. beiter hat ebenfalls eine Vermehrung erfahren.
Die gesammte Anlage wurde von der Berlin-Anhaltischen Eine solch' abnorme Witterung, wie sie uns der Ma
Maschinenbau⸗Aktien-Gesellschaft zu Berlin-Dessau ausge- in diesem Jahre bringt, duͤrfte noch elten ein Mai aufzu⸗
führt und arbeitet zur vollsten Zufriedenheit. weisen haben. Aus vielen Teilen Deutschlands, Eifel, Harz
Die Krankeukassen. Während die Invalidenversicher. Thüringer Wald, Vogtland, Erzgebirge, Schwarzwald usw.
ing nur 31 Versicherungsanstalten und ein Dutzend zuge. ferner aus Osterreich, der Schweiz, Tirol usw. wurden er—
assener Kasseneinrichtungen die Versicherungsträger sind neute Schneefälle gemeldet. Heute früh 7 Uhr verzeichnet
ind die Berufsgenossenschaften, Aufsichtsbehörden usw. als das Thermometer 3 Grad plus.
Lersicherungsträger der Unfallversicherung auch nicht die Herrensohr, 9. Mai. Der hiesige Radfahrerklub ver—
Zahl 100 allzusehr übersteigen, geht die Zahl der Vrr— anstaltet aus Anlaß seines fünfjährigen Bestehens am 22.
sicherungsträger der Krankenversicherung in die Tausendste. Mai einen großen Preiskorso, an dem gegen 20 Verein⸗
Es liegt dies an der Eigenart der Krankenversicherung, die ihre Beteiligung zugesagt haben.
hier nicht näher geschildert zu werden braucht. In Rück— Saarbrücken, 9. Mai. Der Pfingsturlanb der Mann—
icht auf diese Eigenart wird sich die Zahl der Träger der schaflen unserer Garnison ist in diesem Jahre knapp be—
rankenversicherung auch nicht auf die geringe Höhe der- nesfen worden. Der Urlaub für die Mannschaften de
jenigen der beiden andern Arten der staatlichen Versicherung Infanterie beträgt nur 5 Tage für die weiter entfernten
hringen lassen; immerhin wird in der neuen Reichsver uür die nahe beheimateten 4 Tage. Die Leute der Kaval
sicherungsordnung der Verfuch gemacht werden, sie wesent- lerie erhalten 4 Tage und diejenigen der Artillerie 3 Tagt
ch herabzumindern. Die neue Reichsversicherungsordnung Der Urlaub beginnt am nächsten Samstag. (Sbr. Vlksztg.
will bekanntlich das Krankenkassenwesen in Deutschland Saarbrücken, 9. Mai. Das in der Bahnhofstraße Ni
umgestalten. Wie die darauf bezüglichen Bestimmungen 24 gelegene dreistöckige Wohn- und Geschäftshaus, bishe
schließlich im Reichstage festgelegt werden, muß abgewartet Eigentum der Erben Glasmacher Köhl, ging zum Preif
verden. Die Vorschriften, wie sie von den verbündeten von 600 000 Miin den Besitz des früheren Metzgermeister
Regierungen ins Auge gefaßt sind, würden aber die Zahl und ietigen Rentners J. Schöppel aus St. Johann übe'
»er Krankenkassen wesentltch herabseßen. Zunächst würden (Sbr. Vlksztg.,
»anach 8238 Gemeindekossenversicherungen eingehen. Bei Spiesen, 7. Mai. Hart vom Mißgeschick verfolgt
»en Ortskrankenkassen ist nicht vorauszusehen, ob die obersten die Familie Marx von hier, deren gesamtes Anwesen m
ertooltunesbebärden nach d neuen Reichsverfennngs⸗ dem Mobilar vorigen Montag ein Naub der Flamm.
— — ——— — — —7 ò — — — ——— — —
Srofessor teilen zu können. Er vermied es natürlich, diese Stelle direktt an den Abhang des Felsens gebaut, aber
Simulation zu übertreiben, oder am Tage an dem Werke der Felsen bildete, soweit in der Dunkelheit zu erkennen
zur Flucht zu arbeiten, sondern wartete stets die Ankunst war, keine steil abfallende Wand, sondern war zerklüfte⸗
des Prosessors und die Nacht dazu ab. und hier und da ragten vorspringende Klippen empor.
Da am sechsten Abend gab auch der zweite Quader Wie zweckmäßig war es gewesen, die Rotseile schot
nach, an dem die Männer ununterbrochen gearbeitet hate angefertigt zu haben, die bei dem Abftieg vom Felsen von
ten und als er herausgehoben war, strömte durch die Nutzen sein mußten, ohne die er vielleicht gar nicht aus
Offnung ein kühler Lustzug. Der Professor arbeitete ge zufuͤhren war. Petron hätte sich am liebsten sogleich an
rade, als dieses Ereignis eintrat und noch mehr, er ver⸗ die Flucht gewagt, nachdem er einmal den Weg zur Rett
aahm das brandende Meer, dessen Wellen sich an dem ung soweit offen vor sich liegen sah und es bedurfte de—
Fuße des Felsens brachen, auf dem Schloß If sich erhob. ganzen Aberredungskunft des bedächtiger abwägenden
Die herrlichsten Töne einer, einschmeichelnden Musik Professors, ihn zur Geduld zu ermahnen
konnten ihn nicht mehr entzücken, als dieies Brausen und Nicht allein, daß für diese Racht die Zeit schon zu
Schäumen des Meeres. weit vorgeschritten war, sie waren auch zu ermüdet. Der
Vor Aufregung zitternd kroch er heraus und verkün- Weg, den sie noch zurückzulegen hatten, ehe sie sich als
dete es seinem Leidensgenossen, der nun die durchbrochene gerelttet betrachten konnten, war noch ein recht gefährlichen
Stelle in Augenschein nahm und bestätigt fand, was ihm und schwebten sie hierbei dicht am Abarund des Tode⸗
der Professor in kurzen, abgerissenen Säßen erzählte hatte vorüber.
Die Freude hierüber war so groß, daß sie einander in die „Geduld, mein Freund,“ flüsterte der Prosessor, ale
Arme sielen und sich minutenlang umschlungen hielten. ihm Petron beim Einsteigen in den engen Gang nach
Den Rest dieser Nacht verwendeten sie darauf, von den seiner Zelle behilflich war und er dessen fieberhafte Auf
entstanden Offnung aus den weiteren Weg zu erforschen, regung wahrnaähm. „Eine einzige Unvorsichtigkeit kann
den sie unternehmen mußten, wenn sie Schloß If heim- uns ins Verderben bringen, ein einziger übereilter Schrit:
lich verlassen wollten. Furchtsamere Gemüter würde doch uns für den Rest unseres Lebens in dieses verwünscht
ein Gruseln ergriffen haben, wie im Dunkel der Nacht Nest bannen.“
sich da der Abgrund wie ein schwarzer Schlund sich unter „Ja, Sie sollen mich tapfer sinden, wo Sie mi
hnen auftat in den hinabzusteiagen wahrlich Mut und selbst ein so herrliches Beispiel von Selbstbeherrschun—
Entschlossenheit gehörte. geben,“ entgeguete der Korsikaner.
Die Augen des Professors besonders waren an Dun— „Freiheit oder Tod sei morgen Nacht unfere Losung,“
kelheit gewöhnt und nachdem er lange durch das Loch mit diesen Worten verschwand der Professor zum lehter
in der Mauer, welches gerade groß genug war, um einen Male in dem geheimen Gang.
Mann mit einiger Anstrengung hindurch zu lassen, gespähl Der andere aber blieb noch lange an derselben Stelle
—DDD——— Er mußte nunwillkürlich darar
herichlen, daß der Weg doch nicht ganz so gefährlich war, denken, wie er, dem selbstgewählten Tode nahe, zum
vie auf den ersten Anblick es erschienen war. ·ersten Male das geheimnisvolle Geräusch vernommen
. Die ⸗Mauern des Schlosses waren zwar an diesen hatte.“
            
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