jat aber auch seit seiner Thronvesteigung Frankreich yer—
orragende politische Dienste erwiesen, und so ist es selbst—
herständlich, daß die Zeitungen den Verlust lebhaft bekla⸗
gen. Vom „Gaulois“ und „Figaro“ bis zu den Blättern
der äußersten Linken wird die gleiche Klage um den Ver—
uust eines treuen und großmütigen Freundes erhoben.
Mew⸗NYork, 7. Mai. Die Morgenblätter weisen
auf die Freundschaft hin, welche König Edward
tetis Amserika bekundete. Sie zollen feinen persönli—
hen Bemühungen, der englischen Politik im Auslande
Freunde zu gewinnen, Anerkennung. Sie glauben, daß
Rie Lösung der Verfassungskrisis durch seinen Tod schwie—
iger geworden sei, da der Verstorbene viel durch seine
Berfönlichkeit vermocht hätte
Politische Rundschau.
Deutsches Reich.
Der geschäetsführende Ausschuß des Verbandes der
eutschen Berufsgenossen chaften hat zu dem Entwurf der
Keichsversicherungsordnung eine Enischließung ange—
zommen, in der er sich gegen die Zusammensassung des
zesamten Rechtsstofses der Arveiterversicherung in ein ein—
jeitliches Gesetz, die Organisation der Versicherungsbehör—
en, die Schaffung eines Retes von über tausend Ver—
cherungsaämtern wendet. Zum Schluß heißt es: „Eine
/orsichtige, alle Verhältnisse sorglam abwägende Schätzung
ergibt für jedes Versicherungsamt im Durchschnitt einen
sostenbedarf von wenigstens 25 000 Mark. Da bei ge—
genwärtig 1532 unteren Verwaltungsbehörden nicht mit
i000, sondern mit wenigstens 1200 Versicherungsämtern zu
echnen sein wird, ist danach ein Gesamtaufwand von ca.
30 Millionen Mark an Kosten persönlicher und sachlicher
Art zu erwarten, von denen auch nicht der kleinste Bruch⸗
eil der Erhöhung der Versicherungsleistungen oder sonsü⸗—
derger materieller Förderungen der Versicherung zugute
ommt.“
* Theodor Roosevelts Vortrag in der Berliner Uni—
ersität, der in Gegenwart des Kaiserpaares am lommen⸗
»en Donnerstag in der Aula stattfindet, wird, wie in
Ihristiania, vom internationalen Weltfrieden handeln. Ein
Thorgesang wird die Rede und die Begrüßungsansprache
es Rektors umrahmen. Die Vorlesungen im Universi—
ätsgebäude fallen an diesem Tage von 10 bis 1 Uhr
uus. Roosevelt hat dem Berliner Magistrat gegenüber den
Wunsch zu erkennen gegeben, bei seiner Anwesenheit in
Berlin eine städtische Altersversorgungsanstalt zu besichti⸗
jen. Der Magistrat hat daraufhin die Besichtigung von
zuch und zwar des neuen dortigen Hospitals, das soge—
iannte „Alie⸗Leute-Haus“ in Aussicht genommen.
Frankreich.
*ä Der Korrespondent des „Matin“ berichtet, daß anläß⸗
ich des Ablebens König Edwards die Führer
er liberalen Partei besch'ossen haben, vorläufig auf ihre
zolitik der Opposition gegen das Oberhaus während
er jetzigen Tagung zu ver zichten, da sie nicht wol⸗
en, daß die neue Regierung durch Kämpfe dieser Art ge—
ährdet werde. Die Abänderung des Oberhauses wird nicht
or Anfang nächsten Jahres zur Beratung gelangen. Der
Matin“ fügt hinzu, man müsse den Geist der nationalen
Vürde bewundern, welcher die Leiter der Regierung und
ie Führer der Cpposition bewegt haben, sich um den
khron zusammen zu scharen und auf jeden Varteikampf
u verzichten
Heer und Flotte.
* Ernennungen. Das „‚Militärwochenblatt“ meldet: v.
Zzeseler, General der Infanterie und Chef des Inge—
ieurkorps wurde a la suite des Gardepionier-Bataillons
sestellt; vo n Lauenstein, Generalmajor, General a
al suite des Kaisers, wurde zum Kommandaut der 38.
Infanterie VBrigade und voneDeo mme ss, Xcor, erster
idjutant des Chefs des Generalstabes, wurde zum dienst—
uenden Flügelabdiutanten des Kaisers ernangß
Koloniales.
MDie Plantagen Deutsch⸗Ostafrikas. Die Zahl
er Pflanzungsbetriebe in Deutsch-Ostafrika betrug im
Fahre 1908 362, was gegen das Vorjahr eine Steiger—
ing von mehr als 20 Prozent ausmacht. Das in diesen
Iniernehmungen angelegte Kapital läßt sich nur schätzen.
Veniger als ein Drittel der Betriebe haben die Fragebo—
gjen des Gouvernements behandelt und geben zusammen
ils Grundkapital die Summe von 30 Millionen Mark an,
vovon nur zwei Drittel eingezahlt worden sind. Wenn
eine Schätzung gewagt werden soll, so wird man sie nicht
inter 40 Mill. M. Grundkapital und kaum unter 30 Mill.
Mark arbeitendes Kapital annehmen können. Die in An—
zau genommene Fläche nimmt, außer bei Kaffee, bei allen
dulturen zu. An der Spitze marschieren die Sisalagaven,
nit denen insgesamt über 14000 Hektar mit rund 41
odillionen Pflanzen bestockt sind, wovon allerdings zurzeit
och nicht ein Fünftel Erträge liefern. Die naãchstwichtige
zultur ist die von Manihot Glaziowii; auf rund 13 000
dektar stehen fast 13 Mill. Bäume, von denen nahezu 2
Nillionen für erntereif gelten. Mit Baumwolle bestanden
varen im Berichtsjahre 6400 Hektar, mit Kokospalmen,
iber eine halbe Million Bäume, 6300 vektar, mit Kaffee
ber Stratze marß diert ein vübchen im ersten Hoschen und
schlägt seine Troinmel, sonst stört kein Laut die Sonn⸗
agsruhe. Ich möchte fliegen können wie der Vogel ....
du fragst mich, lieber Julius, was es auf der Fahn und
m Dorfe neues gebe? Du kennst ja das Leben hier; da
zleicht ein Tag dem andern; da heißt es arbeiten und
chaffen von früh bis spät, und keiner darf die Hände
müßig in den Schoß legen. Morgens ist die Halferin,
wern der Tag kaum anbricht, schon aus den Beinen; dann
eilt sie in die Ställe, in die Scheunen, sieht nach den
Knechten und Mägden, nich dem Vieh, und alles muß
wie am Schnürchen gehen; denn sie versteht die Wirtschaft
und alles hat Respekt vor ihr. Sie hat mich recht lieb
und erzeigt mir gerne einen Gefallen; aber ich weiß doch,
gends ein Heim, keine Mutter und keinen Vater.... v.
has tut so weh; wenn ich aber einmal Frau bin, dann
jabe ich alles, Heimat und Familie, und daun sollst Du
ehen, wie ich mich bestreben werde, Dich glücklich und zu⸗
frieden zu machen. Oft male ich mir in Gedanlken aus,
wie ich schaffen will, wie ich alles im Hause leiten und in
Ordnung halten will und wie glücklich ich mit Dir leben
werde.. Der arme Heinrich tut mir in der Seele leid:
man sieht es ihm an, daß er leidet, er meint es gut, aber
ich kann ihm nicht helfen. Man kann doch seinem Herzen
nicht befehlen. Verzeihe, Julius, daß ich so tolles Zeug
und alles durcheinander schreibe; mein Kopf ist oft wirr
vor lauter Gedanken und Hoffnungen und Andgst; aber ich
vill ruhig sein, denn wir sehen uns ja wieder. Ehe ich
Dich kennen lernte, lebte ich still und ruhig dahin und
—DDDV—
möge; ich kannte nichts von der Welt; denn als Kind
bin ich selten über die Mauern des Waisenhauses gekom—⸗
men, uͤnd hier in dem Dorfe wird die Ruhe und Einför⸗
migkeit des Lebens durch nichts gestört; das ist jetzt an⸗
ders geworden; Du hast mir erzählt von dem großen Trei⸗
hen der Welt, von den Menschen in den Städten und in
»en fernen Ländern, auch die Bücher, die Du mir gege—
zen haft, halten mir bunte ungewohnte Bilder vor und
nein Kopf ist oft ganz wirr. Aber ich will doch bei mei—
ier Gewohnheit und Einfachheit bleiben, da jeder Mensch
zie besondere Aufgabe hat, die Stelle, auf welche das
Schichsal ihn gestellt hat, ganz und recht auszufüllen, und
ich meine, daß, zumal die Hausfrau nicht über die Gren⸗
zen ihres Berufes als Frau und Mutter hinaus soll. —
Denksi Du auch so viel an mich wie ich an Dich? So
gerne ich dies hätte, darf ich es doch nicht wünschen, woil
du an Deine Studien und an ganz andere Dinge zu
»enken hast, ass an Dein Barbchen auf der Farm, und ich
AAihe quch. 208 Du mi nmann nayne Rahon tannu ohne—
ber 423 wWilll. Bäumchen 3800 Hektar. Die gesamte für
zflanzungen belegte Fluche beträgt mit Einrechnung der
ubebauten 366 000- Heltar, wovon 46 000 Hettar, alse
in Achtel, bebaut sind. Unter 323 weißen Beamten sind
ier durchschnittlich über 36 000 farbige Arbeiter tätig
die V'ehbaitung zählt 14000 Rinder, 6000 Stürk Klein
ieh, 1300 Esel, 1100 Schweine und rund 100 Pferde.
die bebaute Fläche ist am größten im Bezirke Tanga mi—
5 000 Hetar Tann fotgen Morogoro mit 10 000 Hek
ar, Pangani mit 6000 Hektar, Wilhelmstal mit 4000 Hek
ar, Daressalam mit 2509 Hektar, Moschi mit 2000 Het
ar. Mit Eingeborenen-RAulturen sind 915 Hektar bedeck:
vährend an Forstanlagen 600 Hektar vorhanden sind.
Der Kampf im Baugewerbe.
zu dem Kampfim Baugewerve bemerkt
ie „Deutsche Bergwerkszeitung“, die dem Arbeitgeberbund
ahesteht u. a.: „Die Tatsache läßt sich nicht leugnen, daß
uf seiten der Arbeitgeber es an Einigkeit und festem Zu—
unmenhalt gefehlt hat, und daß daher die Aktion einé
arke Einbuße an Stoßkraft erlitten hat. . . . Unter' die—
en Umständen ist ein Ende des verhängnisvollen Kamp
es leider noch nicht abzusehen, und es fragt sich, ob nicht
vie die Dinge stehen, nun doch Schritte getan werden soll—
en, um einen Abschluß des Kampfes zu beschleunigen.“
zs wird dann darauf hingewiesen, daß in Berlin und
deren Städten es zu dem Kampfe nicht gekommen is
ind dazu bemerkt: „Warum sollen da nun die Provinzen,
nsbesondere die gewerbsfleißigsten der preußischen Monar—
hie, Rheinland und Westfalen, die ganze Bürde tragen
ind nicht nur ihr Baugewerbe und die benachbarten In
uftrien, sondern auch ihre Eisen- und Kohlenindustrie ge—
de in dem Augenoblick schwächen und schädigen, wo die
Zeit eines Aufschwunges gekommen zu sein schien? Es
cheint unseres Erachtens an der Zeit zu sein, über die
ussichten einer Vermittelung Erwägungen anzustellen.“
Gerichtszeitung.
g Verurteilter Spion. Das Reichsgericht verurteilte
en Aährigen Schlosser Russsch aus Wiesbaden wegen
zergehens gegen das Spionagegesetz und versuchten Ver—
ats militärischer Geheimnisse zu 18 Monaten Gefängnis,
Jahren Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizei
misicht.
die Luftschiffe im Kaisermanöver 10910.
Während im vorigen Tahre nur das Lujftschiff „M.
Nan den Kaisermansvern teilnahm und der „P. 3“ nur
m letzten Manövertage in Tätigkeit treten sollte — tat—
ächlich nahm der „P. 3“ wegen eines Unfalles am Kai—
erinanöver nicht teii — worden in diesem Jahre minde—
tens zwei Luftschiffe zur Verfügung stehen, nämlich das
Nilitärluftschiff „M. 3“ und der „Parseval 3“, also beides
zustschiffe von großen Dimensionen. Noch nicht bestimmt
st es, ob auch ein „Zeppelin“ zur Teilnahme an den
aisermanövern herangezogen wird, da eine zu starke Be
eil'gung von Luftschissen kein Vorteil bedeutet. Die Luft
chifse erfordern nämlich einen großen Troß, der zu ihre
taäändigen Begleitung gehört. Der „M. 2“ brauchte im vo
rigen Jahre eine tragbare Ballonhalle, ferner mußte ein
vollständig ausgerüstete Werlstatt mitgeführt werden, di
hald am Anfang der Lusftschiffmanöver in Tätigkeit trat,
da der „M. 2“ durch einen heftigen Sturm einen Röh—
tenbruch erlitt und sofort landen mußte. Er konnte ersi
am 15. September wieder in das Manöver eingreisfen.
Außerdem ist zu berücksichtigen, daß zu der Füllung der
beiden Luftschiffe, die von großen Dimensionen sind, un—
zefähr 750 Gasflaschen und 45 bis 50 Wagen nötig sein
verden. Hat doch schon der „M. 2“ eine Gaskolonne von
16 Wagen und 240 Gasflaschen erfordert. In der Haupt—
ache kommt es darauf an, bei den diesjährigen Kaiser—
nanövern festzustellen, inwiefern die neuen Luftschisse den
alten überlegen sind. Bekanntlich waren die Leistungen
des „M. 2“ im vorigen Kaisermanöver durchaus nicht sehr
iberwältigend. Es wird aber streng darauf gesehen wer—
den, daß alle Leistungen durchaus kriegsmäßig sind und
ich von den sogenannten „chönen Fahrten“ fernhallen. Zu
»iesem Zwecke wird auch in diesem Jahre wieder die Be—
timmung gelten, daß das Lufftschiff nicht unter einer Höhe
hon 1300 Metern fahren darf, wenn es nicht „außer Ge—
echt gesetzt“ betrachtet werden soll. In dieser Höhe ist
iber eine Auskundschastung vom Luftschiff aus sehr schwer,
vie sich im vorigen Kaisermanöver zeigte. Dagegen wird
zie drahtlose Telegraphie wieder wie im vorigen Jahre
ine hervorragende Rolle spielen. Die diesjährigen Kai—
ermanöver werden auch dadurch ein besonderes Interesse
ewinnen, weil jeder der beiden Parteien ein Luftschiff
ur Verfügung stehen wird, so daß die Bewegungen zweier
eindlicher Luftschifse hier zum ersten Mal praktisch erprobi
verden. Im vorigen Kaisermanöver verfügte bekanntlich
iur die ‚blaue Partei“ über ein Luftschiff. Die diesjäh—
igen Erkundungen durch die Luftschiffe werden also eine
ieue Schwierigkeit aufzuweisen haben, da die Luiftschifse
icht nur von den Feinden auf der Erde, sondern auch vor
Renen in den Lüften werden auf der Hut sein müssen.
da die diesjährigen Kaisermanäsver das Ringen um vbe—
estigte Stellungen darstellen werden, so ergeben sich auch
nercus neue und interessante Beschäftigungen
ir tolle Gedansen in den Kopf zu setzen. Wir Madchen
ind einmal so, daß wir bei unserer ruhigen Beschäftigung
mid dem begrenzten und nach Innen gekehrten Leben und
denken immer das Bild des Geliebten vor Augen haben;
ber ihr Männer seid fürs Leben und wirkt nach außen;
a wird euer Blick und Sinn ab⸗ und auf tausend fremde
dinge hingezogen, die wir nicht kennen und die uns so
erne liegen. Wenn ich so offen zu Dir spreche, lieber
zulius, so mußt Du dies nicht übel nehmen, denn ich
ede, wie es mir ums Herz ift. Ich glaube, die älteste
Lochter der Halferin ist auch verliebt; denn sie seufzt viel,
st still und traurig und blidt oft stier in eine Ecke und
chcedt dann plötzlich zusammen; und wenn der Postbote
vonnmt, dann zittert sie und wird rot — gerade wie es
nir ergeht. In den Büchern steht, die Liebe sei so schön,
ind sie ist es auch, das fühle ich im Herzen; aber warum
—RD
Ich schliehße, denn ich kann doch nicht alles so recht
agen, wie ich es wollte, und wenn ein verliebtes Mäd—
hen ans Plaudern kommt, dann hat sie kein Ende, mein“
ch; d'rum bitte ich Dich nur, behalte mich immer lieb und
ei herzlich gegrüßt non Deiner einsamen
Marhara «
Wenige Wochen nach den in den ersten Kapiteln ge—
hilderten Ereignissen begehrte eines Tages an der Pforte
es Waisenhaufes in R.. Hein Fremder den Vorsteher der
Instalt zu sprechen. Das Haus, ein großes, düsteres Ge—
äude, dessen graue Giebel ganz leinem traurigen Cha—
akter entsprachen, war in früheren Zeiten ein Nonnenklo—
ler gewesen, und nach Aufhebung desselben durch Napo—
eon 1. diente es als städtische Erziehungsanstalt für elernlose
Kinder. Auch jetzt versaben noch Nonnen teil—
veise den Dienst, allein die Behörde der Stadt hatte die
deitung des Gaonzen in G—nden und fühßrtfo 0OBν
X
Der Fremde war jener Teleskopenbesitzer, dem wir
ei Gelegenheit der Dorfkirmes begegnet sind. Die schwarze
dleidung, welche er heute gewählt, der, wenn auch nicht
nehr neue, so doch sorgfältig gegtättete Filzhut, und die
let und Weise, wie der Mann sich zu tragen wußte, be—
biesen eben so sehr, daß das Krämergeschäst neht sein
igentliches Metier sein bonnte, und er ehedem einer bes'
ren Gesellschaftsklasse angehört haben niüsse, als sie zu
Ernste uͤnd der resignierten Trauer seines Antlitzes
aßten.
Denn das große, dunkle Auge, der unstete, stechende
zlich bekundeten heute tiefe Wehmut und spannende Er—
arfund Drach üch in den Zügen q,us Der Mann mocht⸗
Eine Amerikafahrt einst und jetzt.
Wenn heute der Kaufmann geschästlich nach New
sort fahren muß, so macht er weiter kein Aufhebens da
son. Er bedauert vielmehr, eine ganze Woche für die
dinreise und noch eine Woche für die Heimreise opfer
u müssen, aber wenn sich seine Angelegenheiten „Drü
en“ ines6 bis 7 Tagen erledigen lassen, dann weiß er
vestimmt, daß er in drei Wochen wieder zu Hause sein
wird, daß er am nächsten Morgen ruhig die Tagespos
zurchsliegen und mittags auf der Börse seine Freunde be
grüßen kann, als wäre nichts von Wichtigteit geschehen.
Gibt es doch Geschaͤstsleute, die jährlich mehrere Male den
Großen Teich durchqueren; Stammgäste, die jahraus und
sahrein regelmäßig mit einem bestimmten Dampfer fah—
ren, Passagiere, die das Jubiläum ihrer fünfzigsten oder
undertsten Ozeanreise feiern; Habitues, denen an Bord
ichts Rautisches mehr fremd ist, die aber doch ungeduldig
verden, wenn der Ozeanflieger in dem Kanal wegen Ne⸗
dels seine Geschwindigkeit eiwas mäßigen muß und die
Antunft sich um ein paar Stunden verzögert.
Hundert Jahre zurück! Roch war ein Seefahrplan
geradezu eine Utopie, noch war kein durch Dampf fortbe—
wegtes Schiff über den Atlantie gefahren. Wer die neue
Welt schauen wollte, mußte sich auf Gnade oder Ungnade
inem Segler anvertrauen und die Strapazen und Gefah
en machten die Reise fast immer zu einem unvergeßlichen
Zebensereignis, wenn auch nicht immer angenehmer Art.
dicht selten kam es vor, daß Segelschiffe bis zu hundert
zage und darüber von der Weser nach Amerika unter—
vegs waren und den Passagieren nichts erspart blieb.
vas man sich an Unannehmlichkeiten und Gefahren nur
zusdenken konnte.
Wie ganz anders gestaltet sich der iransatlantische
herkehr in unserer Zeit! Heutzutage bieten die großen
zampfer, die nebenbei mit den verschiedensten wirksamen
Zicherheitsvorkehrungen ausgerüstet sind, Wind und Wet
er erfolgreich Trotz, und wenn wirklich einmal unterweg⸗
in Unfaͤll eintritt, so gestattet ihnen die Anwendung der
rahtlosen Telegraphie ohne weiteres sich mit anderer
zchissen auf hoher See oder mit den nächstbelegenen Kü
erstationen zu verständigen und wenn es not tut, schleu
ige Hilfe herbeizurusen. Unbekümmert um die Jahres
eit versolgen unsere Dampser, auf denen es den Passa
ieren an nichts mangelt, nach hüben oder drüben ihren
Veg auf genau festgelegten Kursen und die Zeit ihrer
Ankunft im Bestimmungshafen kann fast mit eisenbahn
näßiger Genauigkeit vorgesagt werden. Kurz die Ver—
sälmisse in der Seeschiffahrt haben sich im Laufe des
etzten Jahrhunderts, oder man kann sagen, im letzter
salben Jahrhundert, so wesentlich geändert, daß eir
zergleich gegen früher kaum noch moͤglich ist. Die Segel
chifse sind aus dem Passagierverkehr gänzlich entsernt
dampffchiffe sind an ihre Stelle getreten, Riesensahrzeuge
zie selbsi das Wunder des neunzehnten Jahrhunderts, den
erühmien englischen Dampfer „Great Eastern“ in jeder
Beziehung weit hinter sich lassen. Die Geschwindigkei—
der Schiffe ist jetzt in einer Weise gesteigert, wie man
s früher nicht entfernt für möglich halten konnte. Stra⸗
azen kommen für eine Seereise auf einem modernen
Tampfer überhaupt nicht mehr in Betracht, weil der Kom—
dri und die Verpflegung an Bord mit der Zeit auf eine
Döhe gebracht sind, daß sie kaum noch einer Steigerung
hig sind.
Lokales und Vermischtes.
Zur Reform der Rheinischen Landgemeindeordnung.
grundlage allen Einflusses in der Landgemeinde ist das
Gemeinderecht“, welches im Gesetze als „die Teilnahme
in den öffentlichen Geschäften der Gemeinde“ umschrieben
vird und vorwiegend in der — direkten oder indirekten
— Anteilnahme an der Verwaltung und Vertretung der
hemeinde besteht. Dieses „Gemeinderecht“ steht nun, in—
soweit es nicht gemäß 8 86 der Gemeindeordnung durch
Beschluß des Gemeinderats bestimmten im Gemeindebezirl
aicht mit einem Hause angesessenen Personen, den sog
Forensen“, „aus besonderem Vertrauen“ ausdrücklich ver⸗
iehen wird, den sog. „Meistbeerbten“ männlichen Geschlechts
u, welche 24 Jahre alt, preußische Untertanen und un—
bescholten sind. Im übrigen sind unter „Meistbeerbten“
diejenigen im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindlichen
Gemeindemitglieder zu verstehen, welche selbständig sind
seit einem Jaͤhre keine Armenunterstützung aus öffentlicher
Mitteln empfangen, dagegen entweder im Gemeindebezir!
nit einem Wohnhause angesessen sind und wenigstens E
Mk. Grund- und Gebäudesteuer entrichten, oder doch ihrer
Wohnsitz im Gemeindebezirk haben und zur Einkommen—
teuer veranlagt sind. Wie ohne weiteres ersichtlich ist
ind es eine ganze Reihe von Voraussetzungen, die erfüllt
sein müssen, damit das einzelne Gemeindeglied als „meist—
hbeerbt“ angesehen, als zur Ausübung des Gemeinderechts
befähigt anerkannt und in die Gemeinderolle eingetragen
werde. So ist es denn auch zu erklären, daß das Geset
den nicht eben seltenen Fall ausdrücklich vorsieht und be
'Jandelt, daß nur 18 oder weniger Gemeinderechtsbefähigt
Meistbeerbte“ vorhanden sind. Ist dieses der Fall, se
Filden diese Meistbeerbten sämtlich, und ohne daß eine vor
hergehende Wahl erforderlich wär, kraft Gesetzes den „Ge
— R. — or sSomire* vp 2*
starter Vierziget jein, wenn ihn auch das — *
gielgefurchte Gesicht und der ganze Vollbart auf den ersten
Blia älter erscheinen lassen mochten. Der Teleskopenbe
izer war ohne Zweisel eine eigentümliche und nicht unin—
etdessante Persönlichkeit; denn wenn es wahr ist, daß die
nenshlliche Gefellschaft gleich einer Thermometerröhre in
herschiedene Grade geteilt wird, vom unwissenden und
armen Proletarier aufwärts bis zur reichen Arisokratie
ind dem geistig hochsisehenden Menschen, daß das Qued—
ilber dieser Aoͤschäßungsstala eine Mixtur von Besitz, Wisen
und Renoinee ist, und daß die Kreditbriefe in der Ge—
ellschaft äuherer Anstand, Hältung, Sprache und Kleio⸗
ing find, so hätte auch ein nicht ganz oberstächlicher Beob⸗
achter in Verlegenheit geraten können wolcher Olaffe or
diesen Mann beizählen solle. —
BWie pfortnerin des Waisenhauses, eine schwarz ge⸗
leidete Nobizin aus dem Orden „der grauen Schwestern“,
vies den Fremden in die Sprechstube mit dem Bedeuten,
ich einige Zeit gedulden zu wollen, während sie den Vor—
steher der Anstalt benachrichtigen werde. Dieser erschien;
ein Mann mit einem breiten Gesichte und einem gefälli—
jen Lächeln. Das glatt rasierte Kinm; der streng zuge—
inöpfte schwarze Roc und der rudige, gemessene Ton sei—
ner Stimme verliehen ibnn igit das NAnsehon oinos Woist⸗
richen.
—
her bemüht habe“, sagte der Besucher in verbindlichstem
Tone, „ich habe mir erlaubt, Ihre Gefälligkeit in An—
pruch zu nehmen, da ich mich nach, den näheren Ver—
hältnissen einer Person erkundigen möchte, welche in die—
sem Hause erzogen worden.“
Der Vorsieher hustete einigemal, nahm eine Vrise
ind winkte, fortzufahren.
„Mein Name ist Hagedorn. — Die in Rede stehende
Person ist ein Mädchen, das gegenwärtig 22 Jahre zäh—
en mag; die Aufnahme desselben muß gegen Ende des
ahres 1840 oder Anfangs des folgenden FJahres stattae
kunden haben.“
Der Waoisenhausinspektor nickte, rieb sich seiner Ge—
wohnheit gemaß die Haͤnde, schritt einige Male im Zim—
mer auf und ab und zog dann den Schellenzug. Dem
eintretenden Diener befahl er, die Alten aus den Jahren
1840 und 1841 herbeizuholen.
„Ich selbst war damals noch nicht Vorsteher dieser An—
talt“, sagte er dann, und fud den Fremden ein, Platz zu
nehmen, „aber es wird nicht schwer halten, Ihre Wünsche
u befrigdigen, da die Buchführung meines Vowgängere
ine eben so torrekte als gewislsenhafte genannt werder
nu
wo mehr als 18 gemeinderechtsbefähigte Meistbeerbie
handen sind, besteht der Gemeinderat seinem ersten Hu.
bestandteile nach aus gewählten Gemeindeverordneten, dere
Zahl je nach der Einwohnerzahl der betreffenden Gemein
sesetzlich verschieden festgelegt ist und z. B. in Gemeinde
von weniger als 1000 Einwohner als Minium 6, von mel
als 30 000 Einwohner als Maximum 30 beträgt. Wah
berechtigt sind in diesem Falle natürlich wiederum die ge
neinderechtsberechtigten Meistbeerbten, welche dann
Wahlzwecken nach Maßgabe ihres Einkommens oder d
don ihnen zu entrichtenden Steuern in drei Klassen einge
leilt werden dergestalt, daß auf jede Klasse ein Drittel de
sesamtsummen des Einkommens oder der Steuerbeträ—
aller Meistbeerbten entfällt.
Zum Gemeinderat gehören nun — und damit gelang.
wir zu dem anderen eigenartigen Rechtsinstitut der „Mesh.
begüterten“ — in denjenigen Fällen, in welchen die Go
meindeverordneten durch die Meistbeerbten gewählt werde
also nicht aus den — höchstens 18 — Meistbeerbten sels—
bestehen, außer den gewählten Verordneten ipso iure «
raft des Gesetzes noch geborene Verordnete, nämlich de
senigen im Gemeindebezirk mit einem Wohnhaus angese.
senen an sich nicht „Meistbeerbten“ — Grundeigentüme
welche von ihrem im Gemeindebezirk gelegenen Grundbesi
mindestens 530 Taler an Grund- und Gebäudesteuer jähr
lich bezahlen, männlichen Geschlechts, preußische Untertanen
21 Jahreé alt und unbescholten sind; die „per se-Mitglieder
deren Reformierung an Haupt und Gliedern das wesen
ichste Ziel der gegenwärtig in den Rädern der Gese—
gebungsmaschine befindlichen Novellen ist.
Die gesetzliche Einführung der Gebäudesteuer im Jal
1861 in Preußen hatle nun die Folge gehabt, daß sch
ein Grund- und Gebäudesteuersatz von 50 Talern genüg
um den im Gemteindebezirk mit einem Wohnhause ansäs—
gen Grundeigentümern die Meistbegütertencigenschaft
damit Sitz und Stimme im Gemeinderat zu sichern.
der Wohnsitz in der Gemeinde nicht Voraussetzung
Meistbeguͤterleneigenschaft war, und da die Gebändesten
— ebenso wie die Grundsteuer — als Bruttosteuer
Schulden unberücksichtigt läßt, so wurden zahlreiche au
wärtige Hauseigentümer und Spekulanten „Meistbegütert.
und damit per se Mitglieder der Gemeinderäte namentl
in den Industriebezirken, und zwar selbst dann, we
sie in Wahrheit total verschuldet waren und keinen ro—
Heller an Einkommensteuer bezahlten. Dadurch wur'?
die ansässigen Landwirte und der eigentliche feste Grun
besitz überhaupt in den Hintergrund gedrängt. Die „Me
hegüterten“ im Gemeinderat überwogen die gewählten M.
glieder an Anzahl stellenweise in solchem Maße, daß
damit in der Lage waren, dieselbe ohne weiteres zu ma
risieren. Während somit der Hausbesitz und das Sp.
lantenlum in den Gemeinderäten und Landgemeinden
unverhältnismäßig große Vertretung gefunden hat,
umgekehrt die großen Erwerbsgesellschaften — und do
die Indnstrie als solche — ungeachtet ihrer, gewalt:
Steuerleistungen in den ländlichen Gemeinderäten gän
unvertreten und damit vollkommen rechtlos. Demgegeni
sieht die Novelle vor, daß denjenigen Industriegesellscha
und sonstigen juristischen Personen, welche mehr als
jöchstbesteuerte Gemeindeangehörige sowohl an dire
Ztaatssteuern als auch an Gemeindesteuern entrichi
nicht etwa das „Gemeinderecht“ und damit das ak
Waͤhlrecht zum Gemeinderat verliehen wird, sondern
sie in Person ihrer Repräsentanten unter die Zahl der
borenen Gemeinderatsmitglieder, also der „Meistbegüter
aufzunehmen sind. Gleichzeitig hat man aber, um
oben gefchilderten unerwünschten Zustande, daß die
der geborenen Gemeinderatsmitglieder diejenigrn der
wählten übersteigt, entgegenzuwirken, die weitere Bestimm
vorgesehen, daß die Zahl der meistbegüterten Grundbesit
die Hälfte, und diejenige der meistbegüteten juristischen Iet
sonen und sonstigen Gesellschaften ein Viertel der gewähb
Berechtigten nicht übersteigen darf.
Versetzt wurde auf seinen Antrag Herr Gendarm Tro
von Dudweiler nach Sulzbach. Anstelle des erkrank
jedoch wieder auf Besserung befindlichen Herrn Genda—
Müller versieht schon längere Zeit Herr Gendarm Fink
früher in Ludweiler, den Dienst.
Kriegshunde werden bei den diesjährigen Herbstma'
bern zum ersten Male in größerm Umfang verwandt werd
Kriegervereins-Satzungen. Die in Einverständi
mit dem Kriegsminister vom Minister des Inneren genhe
igten neuen Normalsatzungen für Kriegervereine sind vr
öffentlicht worden. Neu ist die Bestimmung, die sich «
die Angebhörigkeit der Kriegervereine zum Kreis-, Regierund
hezirk⸗ und preußischen Landeskriegerverband, und auf
Verbindlichkeit der Satzungen dieser Verbände für
gZerein und seine Mitglieder bezieht. Neu sind ferner
Vorschristen, wonach fur das Verhältnis des Vereins
seinen Mitgliedern bezüglich ihrer Mitgliedschaftsrechte,
hoschader der Gültigkeit ahmweichender Sabunasbestimmum
„Das Mädchen nenit sich Barbara — den ganzen X
nen kenne ich nicht“ — fuhr der Fremde fort, — umn
hefindet sich gegenwärlig aus einer Farm in der Nähe de
Dorfes . unveit etva 20 Meilen van hier e⸗n
fernt.“
Der Inspektor hatte den Daumen seiner rechten Han
in den zugeknoͤpsten Rock gesteckt und trommelte mit de
Sindgern mechanisch auf der Brust, — vielleicht die Mel—
die eines Liedes, das in seinem Kopfe summte.
„Barbara?“ wiederholte er nach einigem Nachsinner.
— „ach, ich erinnere mich; sie hat vor zwei Jahren di
Anslalt verlassen; ja, ja, — gänz recht — ein hübshe
umd kluges Mädchen, ein prächtiges Mädchen; — hat sic
ganz zu meiner Zufriedenheit geführt. Eine merkwürdie
Geschichte mit ihr... man muntelte so allerlei.“ ...
Schweigend und init Spannung hatte Hagedorn de
abgerissenen Bemerkungen des Mannes zugehört, namen!
lich schien der Schlußfatz ihn sehr zu interessieren. den
sein großes Auge blitzte hell auf.
Der Hausdiener trat ein und legte die verlanate
Bücher auf den Tisch.
Darf ich wissen“, wandte sich der Inspektor an de
Fremden, indem er in einem der Bücher blätterte,
welcher Beziehung Sie zu dem Mädchen stehen?“
In dem bleichen Pesichte des Mannes zudte es einer
Moment, wie wenn diese Frage ihn schmerzlich berühr
hätte, doch entgegnete er ruhig: „Der Zwed meines Hier
seins ist der, Herr Inspeltor, zu erfahren, ob ich übe
hbaupt zu der Person irgeng welche Beziehung habe.“
„So, so — ich glaube .. aber da ist es, hören Si
mein Gerx was ich über das Mädchen verzeichnet find
„30. Dzbr. 1840.
Die Eheleute Krause, wohnhaft hierselbst, übergabe.
heute der Anstalt ein etwa drei Wochen altes Kind, weil
lichen Geschlechtes mit dem Bemerken, daßz am vorherige
Abende in dem Flur ihres Hauses zwei Kinder ausgese‘
——
erziehen sich bereit erllärten. Ueber die Eltern der Kind
ist nichts bekannt. — Anmerkung: Da die Thochter
genunten Eheleute Krause gegen den Willen ihrer Elt⸗
mit einem Manne davongegangen, so liegt die Vermut:
rahe, daß die beiden Findlinge ihr angehören; es
dieferhalb Recherchen anzustellen und der Verbleib der w—
maßlichen Mutter muß ermittelt werden, um im betref'
den Falle die Eltern oder Großeltern zur Sahlung
GEruicehimaskfosten anu veranlassen